Urbanyl Tabletten 10mg 30 Stück

Urbanyl Tabletten 10mg 30 Stück

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Clobazamum.

Hilfsstoffe: maydis amylum, lactosum monohydricum, magnesii stearas, talcum, silica colloidalis anhydrica.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Tabletten (mit Bruchrille) zu 10 mg.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Erwachsene

Alle Formen der Angst und deren funktionelle Manifestationen mit Ausnahme panischer Störungen.

Bei chronischen Formen der Epilepsie des Erwachsenen als Zusatzmedikation zur antikonvulsiven Basistherapie.

Pädiatrie

Ängstlichkeit des Kindes und des Jugendlichen.

Bei chronischen Formen der Epilepsie des Kindes als Zusatzmedikation zur antikonvulsiven Basistherapie.

Dosierung/Anwendung

Die Dosierung und Dauer der Behandlung müssen der Indikation und dem Schweregrad entsprechend individuell angepasst werden. Mit Rücksicht auf Wachsamkeit und Reaktionsvermögen soll die Dosierung prinzipiell so tief wie möglich gehalten werden.

Übliche Dosierung (Erwachsene)

Angst: Je ½ Tablette morgens und mittags und 1 Tablette abends oder je 1 Tablette morgens und abends. Minimale Tagesdosis 15 mg. Maximale Tagesdosis 60 mg. Im Spital kann die maximale Tagesdosis bis auf 120 mg erhöht werden.

Nach Besserung der Symptome ist eine sekundäre Dosisreduktion möglich.

Epilepsie: Die Dosierung von Clobazam muss auf jeden Einzelfall angepasst werden. Mittlere Dosis 0,5 mg/kg/Tag.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Pädiatrie: Eine niedrige Anfangsdosis und eine sorgfältige Kontrolle während der Dosiserhöhung sind notwendig. Oft genügt für Kinder von 3-15 Jahren eine Dosis von 5-10 mg.

Angst: Je ½ Tablette morgens, mittags und abends. Nach Besserung der Symptome ist eine sekundäre Dosisreduktion möglich.

Epilepsie: Die Dosierung von Clobazam muss auf jeden Einzelfall angepasst werden. Die Erhaltungsdosis beträgt meist 0,3-1 mg/kg/Tag.

Ältere Patienten oder Patienten mit Nieren-, Leber- oder mässiger Atmungsinsuffizienz: Eine niedrige Anfangsdosis und eine sorgfältige Kontrolle während der Dosiserhöhung sind notwendig. Generell kann die Dosierung auf die Hälfte reduziert werden, das heisst, im Mittel genügen 10-15 mg/Tag.

Bei älteren Patienten kann die Anfälligkeit für Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit, Benommenheit und Muskelschwäche erhöht sein, was mit einem erhöhten Risiko einhergeht, zu stürzen und sich dabei schwere Verletzungen zuzuziehen. Eine Dosisreduktion wird empfohlen.

Übliche Therapiedauer: Die Therapiedauer muss so kurz wie möglich sein und sollte 4-12 Wochen nicht überschreiten, die Dauer der Dosisreduktion eingeschlossen.

Absetzen der Behandlung: Der Behandlungsabbruch kann zu einem Entzugssyndrom führen. Der Patient soll darauf aufmerksam gemacht werden und ein schrittweises Absetzen mit einer langsamen Dosisverminderung über mehrere Wochen ist vorzusehen.

Art der Anwendung

Die Tabletten sind unzerkaut mit einem Glas Wasser einzunehmen.

Wahlweise können die Tabletten auch zerkleinert und vermischt mit Apfelmus eingenommen werden.

Die 10-mg-Tabletten können in zwei gleiche Hälften zu je 5 mg aufgeteilt werden.

Urbanyl kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.

Kontraindikationen

Bekannte Überempfindlichkeit auf Clobazam oder einen der enthaltenen Hilfsstoffe.

Myasthenia gravis.

Schwere Atmungsinsuffizienz.

Alkohol- oder Drogenabhängigkeit.

Zeitweiliges Aussetzen der Atmung im Schlaf (Schlaf-Apnoe).

Schwere Leberinsuffizienz.

Erste Trimester der Schwangerschaft, Stillzeit.

Benzodiazepine sollen nicht ohne sorgfältige Abklärung der Notwendigkeit an Kinder verabreicht werden. Kinder unter 3 Jahren sollen nur in Ausnahmefällen bei zwingender Indikation mit Urbanyl behandelt werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Depression: Die Benzodiazepine wirken hauptsächlich auf die Angstkomponente der Depression. Allein verwendet stellen sie keine Depressionstherapie dar und können eventuell die Depressionsmerkmale maskieren.

Bei Patienten mit emotionaler Instabilität muss zunächst geklärt werden, ob sie an depressiven Störungen leiden und eine zusätzliche oder andere Therapie benötigen.

Bei älteren Patienten, Patienten mit Nieren- oder Leberinsuffizienz, sowie bei Kindern ist Urbanyl wegen erhöhter Empfindlichkeit und Anfälligkeit auf Nebenwirkungen besonders vorsichtig zu dosieren (siehe «Spezielle Dosierungsanweisung»). Bei Langzeitbehandlung ist das Ausmass der Nieren- resp. Leberinsuffizienz regelmässig zu kontrollieren.

Bei Patienten mit chronischer oder akuter Atmungsinsuffizienz, vorbestehender Muskelschwäche, spinaler und cerebellarer Ataxie ist eine spezielle Funktionsüberwachung und ev. eine Dosisreduktion erforderlich.

Risiken bei gleichzeitiger Anwendung von Opioiden und Benzodiazepinen:

Die gleichzeitige Anwendung von Benzodiazepinen, einschliesslich Clobazam und Opioiden kann zu Sedierung, Atemnot, Koma und Tod führen. Aufgrund dieser Risiken ist die gleichzeitige Verschreibung von Benzodiazepinen und Opioiden auf Patienten zu beschränken, für die keine geeigneten anderen therapeutischen Alternativen zur Verfügung stehen.

Bei einer gleichzeitigen Verordnung von Clobazam und Opioiden sind die niedrigsten wirksamen Dosen zu verwenden und die Behandlungsdauer ist so kurz wie möglich zu wählen. Ferner sind die Patienten engmaschig zu überwachen, damit jedes Anzeichen oder Symptom einer Atemnot oder Sedierung erkannt wird.

Abhängigkeit

Die Einnahme von Benzodiazepinen kann zu einer Abhängigkeit führen. Dieses Risiko ist erhöht bei längerer Einnahme, hoher Dosierung bei prädisponierten Patienten und bei Patienten mit Alkohol- oder Drogenabhängigkeit in der Anamnese. Die Entzugssymptomatik tritt vor allem nach abruptem Absetzen auf und beschränkt sich in leichteren Fällen auf Tremor, Ruhelosigkeit, Schlafstörungen, Angst, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwäche. Es können aber auch Symptome wie Schwitzen, Muskel- und Bauchkrämpfe, Wahrnehmungsstörungen sowie in seltenen Fällen Delirien und zerebrale Krampfanfälle auftreten.

Das Einsetzen von Entzugserscheinungen schwankt je nach Wirkungsdauer der Substanz zwischen ein paar Stunden und einer Woche oder mehr nach Absetzen der Therapie.

Um das Risiko einer Abhängigkeit auf ein Minimum zu reduzieren, sollten Benzodiazepine nur nach sorgfältiger Prüfung der Indikation verschrieben und über möglichst kurze Dauer (als Hypnotikum zum Beispiel in der Regel nicht länger als vier Wochen) eingenommen werden. Ob eine Weiterführung der Behandlung notwendig ist, muss periodisch (mindestens alle 4 Wochen) überprüft werden. Eine längere Behandlung ist nur bei bestimmten Patienten (zum Beispiel Panikzustände) indiziert und der Nutzen im Vergleich zu Risiken weniger klar. Die tägliche Dosis ist so klein wie möglich zu halten.

Zur Vermeidung von Entzugserscheinungen empfiehlt sich in jedem Falle ein ausschleichendes Absetzen, indem die Dosis stufenweise reduziert wird. Bei

Auftreten von Entzugserscheinungen ist eine engmaschige ärztliche Überwachung und Unterstützung des Patienten erforderlich.

Schwere Hautreaktionen

Es wurden Fälle von schwerwiegenden Hautreaktionen berichtet, wie das Stevens-Johnson-Syndrom oder die toxische epidermale Nekrolyse, mit möglichem letalen Ausgang, bei Kindern und Erwachsenen, die mit Urbanyl behandelt wurden. In den meisten Fällen wurde Urbanyl gleichzeitig mit anderen Arzneimitteln, wie Antiepileptika, angewendet.

In den ersten acht Monaten der Behandlung mit Urbanyl müssen die Patienten engmaschig beobachtet werden, um alle möglichen Anzeichen oder Symptome des Stevens-Johnson-Syndroms oder der toxischen epidermalen Nekrolyse zu erkennen. Bei jedem Verdacht muss die Anwendung von Urbanyl sofort abgebrochen werden. Falls Anzeichen oder Symptome für das Vorliegen des Stevens-Johnson-Syndroms oder der toxischen epidermalen Nekrolyse bestehen, sollte die Anwendung von Urbanyl nicht mehr erwogen und eine alternative Behandlung in Betracht gezogen werden.

Interaktionen

Die Assoziation mit anderen zentral dämpfenden Medikamenten (z.B. Neuroleptika, Hypnotika, Anxiolytika, Antidepressiva, Narkotika, Antiepileptika, Anästhetika und sedativen Antihistaminika) oder Alkohol kann zu einer wechselseitigen Wirkungsverstärkung führen. Spezielle Vorsicht ist nötig, wenn Urbanyl bei Vergiftungen mit zentral dämpfenden Substanzen oder Lithium verabreicht wird.

In Kombination mit analgetischen Narkotika kann eine verstärkte Euphorie vorkommen und zu einer erhöhten Abhängigkeit führen.

Benzodiazepine und Opioide: Die gelichzeitige Anwendung von Benzodiazepinen, einschliesslich Clobazam und Opioiden erhöht aufgrund der zusätzlichen dämpfenden Wirkungen auf das zentrale Nervensystem das Risiko für Sedierung, Atemnot, Koma und Tod. Daher ist bei Patienten, die gleichzeitig Benzodiazepine und Opioide einnehmen, die Dosis und die Behandlungsadauer zu beschränken.

Wird Urbanyl bei Epileptikern in Kombination mit einer antikonvulsiven Basistherapie verabreicht, so muss die Dosierung unter regelmässiger ärztlicher Kontrolle angepasst werden.

Wird Urbanyl gleichzeitig mit Phenytoin oder Valproinsäure verabreicht, so können die Plasmaspiegel von Phenytoin bzw. Valproinsäure erhöht werden. Diese Blutwerte sind wenn möglich zu kontrollieren.

Phenytoin und Carbamazepin können den Metabolismus von Clobazam in aktives N-Desmethylclobazam erhöhen. Bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten, die das Cytochrom-P-450 Enzymsystem hemmen, wie z.B. Cimetidin (unspezifischer CYP450-Hemmer), kann die Urbanylwirkung verstärkt und verlängert werden.

Die Wirkung von Muskelrelaxantien kann verstärkt werden.

Alkoholgenuss muss während der Behandlung mit Urbanyl vermieden werden. Alkohol erhöht die Bioverfügbarkeit von Clobazam um 50% und kann zu einer Verstärkung der Urbanyleffekte führen.

Stiripentol erhöht die Plasmakonzentration von Clobazam und dessen aktivem Metaboliten N-Desmethylclobazam, indem es CYP3A und CYP2C19 hemmt. Es wird empfohlen, die Blutspiegel dieser Verbindungen sowohl vor Beginn der Behandlung mit Stiripentol zu kontrollieren als auch nach Erreichung des Gleichgewichtszustands nach ca. 2 Wochen.

Starke und moderate CYP2C19-Hemmer können zu einer erhöhten Exposition gegenüber N-Desmethylclobazam (N-CLB), dem aktiven Metaboliten von Clobazam, führen. Eine Anpassung der Clobazam-Dosis kann erforderlich sein, wenn gleichzeitig ein starker Inhibitor (z.B. Fluconazol, Fluvoxamin, Ticlopidin) oder ein moderater Inhibitor (z.B. Omeprazol) von CYP2C19 verabreicht wird.

Clobazam ist ein schwacher CYP2D6-Hemmer. Eine Anpassung der Dosis von Arzneimitteln, die über CYP2D6 metabolisiert werden (z.B. Dextromethorphan, Pimozid, Paroxetin, Nebivolol), kann erforderlich sein.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft: Tierversuche haben Hinweise auf eine Reproduktions­toxizität ergeben (siehe «Präklinische Daten»). Retrospektive Studien lieferten Hinweise für Risiken des menschlichen Fötus, welche mit der Verabreichung von Benzodiazepinen im ersten Drittel der Schwangerschaft verknüpft sind, und Urbanyl darf im ersten Trimester der Schwangerschaft deshalb nicht eingenommen werden (siehe «Kontraindikationen»). Die Verschreibung von Benzodiazepinen, besonders in hohen Dosierungen, ist auch im letzten Trimester zu vermeiden, weil Hypotonie, Hypothermie, respiratorische Störungen oder Apnoe beim Neugeborenen hervorgerufen werden können. Ausserdem können beim Neugeborenen Abhängigkeits- und Entzugssymptome auftreten. Eine angemessene Überwachung der Neugeborenen von Müttern, die während der letzten Stadien der Schwangerschaft mit Benzodiazepinen behandelt wurden, wird empfohlen.

Während der Schwangerschaft darf Clobazam nur verschrieben werden, wenn der Nutzen das potenzielle Risiko für den Fötus rechtfertigt.

Frauen im gebärfähigen Alter sollten über die Risiken und den Nutzen der Anwendung von Clobazam während der Schwangerschaft aufgeklärt werden.

Wenn eine Frau schwanger ist oder wird, ist es notwendig, Risiken und Nutzen sorgfältig zu beurteilen und zu prüfen, ob die Behandlung abgebrochen werden sollte.

Stillzeit: Clobazam tritt in die Muttermilch über. Es ist daher während der Stillzeit kontraindiziert.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Urbanyl kann einen Einfluss haben auf die Fahrtüchtigkeit oder die Fähigkeit Maschinen zu bedienen. Einige der bekannten Nebenwirkungen (z.B. Sedation, Schläfrigkeit, oder Muskelschwäche) können die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. In Zusammenwirken mit Alkohol sind diese Effekte verstärkt.

Unerwünschte Wirkungen

Sie sind abhängig von der eingenommenen Dosis und der individuellen Empfindlichkeit des Patienten.

Häufigkeiten werden folgendermassen definiert: Sehr häufig (≥1/10), häufig (≥1/100, <1/10), gelegentlich (≥1/1'000, <1/100), selten (≥1/10'000, <1/1'000), sehr selten (<1/10'000).

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Häufig: Verminderter Appetit.

Psychiatrische Erkrankungen

Häufig: Reizbarkeit, Aggressivität, Nervosität, Depressionen (eine vorbestehende Depression kann demaskiert werden), Verträglichkeit des Medikaments (vor allem bei längerer Anwendung), Unruhe.

Gelegentlich: Unpassendes Verhalten, Verwirrtheitszustand, Angst, Delirium, Alpträume, Verlust der Libido (insbesondere bei hoher Dosierung oder Langzeitbehandlung, reversible Wirkung).

Einzelfälle: Abhängigkeit (insbesondere bei längerer Anwendung), Schlaflosigkeit zu Beginn, Wut, Halluzinationen, psychotische Störungen, Schlafstörungen, Selbstmordgedanken.

Erkrankungen des Nervensystems

Sehr häufig: Schläfrigkeit (17,4%), vor allem zu Beginn der Behandlung und bei hohen Dosen.

Häufig: Sedation, Schwindel, Aufmerksamkeitsstörungen, verlangsamtes Sprechen/Dysarthrie/Sprachstörungen (insbesondere bei hoher Dosierung oder Langzeitbehandlung, reversible Wirkungen), Kopfschmerzen, Tremor, Ataxie.

Selten: Emotionale Unempfindlichkeit, Amnesie (kann mit unpassendem Verhalten assoziiert sein), Gedächtnisverlust, anterograde Amnesie (kann schon bei normalen Dosen auftreten, ist jedoch für hohe Dosen typisch).

Einzelfälle: Kognitive Beeinträchtigung, veränderter Bewusstseinszustand (vor allem bei älteren Menschen, kann mit Atmungsstörungen assoziiert sein), Nystagmus (besonders bei hohen Dosen oder bei Langzeitbehandlung), abnormales Gangbild (insbesondere bei hohen Dosen oder Langzeitbehandlung, reversible Wirkung).

Augenerkrankungen

Selten: Sehstörungen (Diplopie), insbesondere bei hohen Dosen und bei Langzeitbehandlung.

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums

Einzelfälle: Insbesondere bei Patienten mit eingeschränkter Atemfunktion (z.B. Bronchialasthma) oder Hirnschädigung, kann eine Atemdepression auftreten oder sich diese verschlechtern.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Häufig: Mundtrockenheit, Verstopfung und Übelkeit.

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Selten: Hautreaktionen.

Einzelfälle: Urtikaria, Stevens-Johnson-Syndrom oder toxische epidermale Nekrolyse (bisweilen mit letalem Ausgang).

Erkrankungen des Muskel- und Knochenapparates und des Bindegewebes

Einzelfälle: Muskelkrämpfe, Muskelschwäche.

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Sehr häufig: Müdigkeit (14,6%), vor allem zu Beginn der Behandlung und bei hohen Dosen.

Einzelfälle: Verringerte Reaktion auf Reize, Hypothermie.

Untersuchungsbefunde

Selten: Gewichtszunahme, insbesondere bei hohen Dosen und Langzeitbehandlung.

Überdosierung

Die Symptome der Überdosierung sind dieselben wie bei den anderen Benzodiazepinen:

Zentralnervöse Dämpfung mit Benommenheit, Verwirrung, Lethargie bis hin zu Ataxie, Atemdepression, Blutdruckabfall und Koma. Bei kombinierter Vergiftung mit anderen zentral dämpfenden Substanzen wie Alkohol ist das Risiko für einen fatalen Ausgang erhöht.

Eine symptomatische Behandlung im Spital und ev. die zusätzliche Gabe eines Antidots vom Typ Flumazenil ist zu empfehlen. Forcierte Diurese oder Hämodialyse sind ungeeignet zur Elimination von Clobazam.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N05BA09

Clobazam ist ein Anxiolytikum aus der Klasse der Benzodiazepine. Die pharmakologischen Eigenschaften entsprechen denjenigen der Klasse der Benzodiazepine: anxiolytisch, sedativ, hypnotisch, antikonvulsiv, muskelrelaxierend und amnestisch. Diese Effekte kommen durch eine spezifische agonistische Wirkung auf zentrale Rezeptoren zustande, welche Teil des makromolekulären Rezeptorkomplexes GABA-OMEGA sind (auch BZD1 und BZD2 genannt) und die Öffnung der Chloridkanäle modulieren. Eine Medikamentenabhängigkeit wurde in Tierversuchen und beim Menschen beobachtet.

Pharmakokinetik

Absorption

Die Bioverfügbarkeit beträgt 90%. Nach einmaliger oraler Verabreichung von 10 mg wird die maximale Plasmakonzentration (cmax) von 200 ng/ml nach 0,5 bis 4 Stunden (tmax) erreicht. Nach wiederholter Verabreichung erreichen die Plasmakonzentrationen von Clobazam innert 4-5 Tagen ein Plateau und diejenigen des Hauptmetaboliten Desmethylclobazam nach etwa 10 Tagen.

Die Einnahme von Clobazam-Tabletten zum Essen oder zerkleinert in Apfelmus verlangsamt die Absorption um etwa eine Stunde, beeinflusst jedoch nicht den Umfang der Resorption insgesamt. Clobazam kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.

Distribution

Das Verteilungsvolumen beträgt 1 l/kg. Die Bindung an Plasmaproteine beträgt 80-90%. Verteilung in Körperflüssigkeiten: Clobazam wird im Blut und Urin wiedergefunden. Clobazam passiert die Plazentaschranke und ist auch in der Muttermilch nachweisbar.

Metabolismus

Clobazam wird rasch und vorwiegend in der Leber metabolisiert.

Die Metabolisierung von Clobazam erfolgt vorwiegend auf dem Wege der hepatischen Demethylierung zu N-Desmethylclobazam (N-CLB), die durch CYP3A4 und in geringerem Masse durch CYP2C19 vermittelt wird. N-CLB ist ein aktiver Metabolit und der im menschlichen Plasma hauptsächlich zirkulierende Metabolit.

N-CLB durchläuft in der Leber eine weitere, hauptsächlich durch CYP2C19 vermittelte Metabolisierung zu 4-Hydroxy-N-Desmethylclobazam.

Bei Personen mit langsamem CYP2C19-Metabolismus ist die N-CLB-Plasmakonzentration fünfmal höher als bei Personen mit schnellem Metabolismus.

Clobazam ist ein schwacher CYP2D6-Hemmer. Die gleichzeitige Verabreichung mit Dextromethorphan führt zu einem Anstieg der AUC von Dextromethorphan um 90% und der Cmax um 59%.

Elimination

Eine Populationsanalyse zur Pharmakokinetik ergab eine geschätzte Halbwertszeit der Plasma-Elimination von Clobazam und N-CLB von 36 bzw. 79 Stunden.

Clobazam wird überwiegend durch Metabolisierung in der Leber und nachfolgende Ausscheidung über die Nieren eliminiert. In einer Massenbilanz-Studie wurden ca. 80% der verabreichten Dosis im Urin wiedergefunden und 11% im Stuhl.

Weniger als 1% unverändertes Clobazam und weniger als 10% unverändertes N-CLB werden über die Nieren ausgeschieden.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Niereninsuffizienz: tmax bleibt unverändert, cmax ist vermindert, die Plasmahalbwertszeit ist verlängert.

Leberinsuffizienz: Der Metabolismus in der Leber ist verlangsamt. Tmax wird auf den 1,75-fachen, die Halbwertszeit und das Verteilungsvolumen auf den 2-fachen Wert erhöht.

Beim älteren Patienten: tmax und cmax sind unverändert, die Halbwertszeit ist auf den 1,5-fachen und das Verteilungsvolumen auf den 1,3-fachen Wert erhöht.

Präklinische Daten

Genotoxizität und Kanzerogenität

Clobazam wirkt nicht genotoxisch und ist nicht zelltransformierend.

Bei Ratten wurde in der höchsten Dosisgruppe (100 mg/kg) eine signifikante Vermehrung von Follikelzelladenomen gefunden, die jedoch in anderen Spezies nicht auftrat und für den Menschen kaum relevant ist.

Reproduktionstoxizität

Bei einem Test mit der höchsten Dose wurden keine Störungen der Fertilität bei Ratten beobachtet. Diese Dosis war jedoch mit Plasma-Expositionen (AUC) für Clobazam und seinen wichtigsten aktiven Metaboliten, N-Desmethylclobazam, assoziiert, die unter der beim Menschen empfohlenen maximalen Humandosis von 80 mg/Tag lagen. Bei Mäusen haben Studien zur Entwicklungstoxizität, die den aktuellen Standards nicht entsprechen, widersprüchliche Ergebnisse bezüglich der Induktion der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte geliefert.

In einer kürzlich veröffentlichten Studie, in der Clobazam während der gesamten Periode der Organogenese schwangeren Ratten oral verabreicht wurde, war die embryofötale Mortalität und die Inzidenz fötaler Skelettveränderungen bei allen Dosen erhöht. Die schwächste Dosis mit Auswirkung auf die Entwicklungstoxizität bei Ratten (150 mg/kg/Tag) war mit Plasmaexpositionen (AUC) für Clobazam und Desmethylclobazam assoziiert, die unter der beim Menschen empfohlenen maximalen Humandosis von 80 mg/Tag lagen.

Die orale Verabreichung von Clobazam an schwangere Kaninchen während der gesamten Periode der Organogenese ergab eine mütterliche und embryofötale Mortalität bei der höchsten Dosis, verminderte Gewichtszunahmen des fötalen Körpers, eine erhöhte Inzidenz fötaler Fehlbildungen und eine erhöhte Inzidenz fötaler Veränderungen, die bei niedrigeren Dosen auftraten. Der NOAEL (No Observed Adverse Effect Level) für die embryofötale Toxizität bei Kaninchen (10 mg/kg/Tag) war assoziiert mit Plasmaexpositionen für Clobazam und N-Desmethylclobazam, die unter der beim Menschen empfohlenen maximalen Humandosis von 80 mg/Tag lagen.

Die orale Verabreichung von Clobazam an Ratten während der Schwangerschaft und Laktationsphase führte zu einer erhöhten embryofötalen Mortalität, einer geringeren Überlebensrate der Nachkommen und einer Veränderung des Nachkommenverhaltens. Die niedrigste wirksame Dosis für die prä- und postnatale Entwicklung bei Ratten (50 mg/kg/Tag) war assoziiert mit Plasmaexpositionen für Clobazam und N-Desmethylclobazam, die unter der beim Menschen empfohlenen maximalen Humandosis von 80 mg/Tag lagen.

Insgesamt kann das Risiko für Menschen angesuchts dieser Studien nicht mit Sicherheit bestimmt werden.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Urbanyl darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Das Arzneimittel ist bei Raumtemperatur (15-25 °C) ausserhalb der Reichweite von Kindern aufzubewahren.

Zulassungsnummer

41383 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

sanofi-aventis (suisse) ag, 1214 Vernier/GE.

Stand der Information

Mai 2017.

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