Hexabrix Injektionslösung 320mg Durchstechflasche 100ml

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoffe: Ioxaglinsäure, Natrium- und Megluminsalz

Hilfsstoffe: Natriumcalciumedetat, Wasser für Injektionszwecke

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Intravaskulär und intraartikulär applizierbare Injektionslösung, die auch intrauterin oder oral/rektal verabreicht werden kann. Klare, farblose bis blassgelbe wässrige Lösung.

Das Röntgenkontrastmittel Hexabrix 320 enthält pro Milliliter 196,5 mg Natriumioxaglat und 393 mg Megluminioxaglat in wässriger Lösung.

Iodgehalt: 320 mg/ml.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Kontrastmittel für Kinder und Erwachsene:

Zur Anwendung bei der Angiographie aller Gefässe, einschliesslich zerebraler und koronarer Angiographie, Digitale Subtraktionsangiographie, Phlebographie, Urographie, Arthrographie, Untersuchungen des Verdauungsapparates, Hysterosalpingographie.

Dosierung/Anwendung

Die Dosierung in den einzelnen Anwendungsgebieten richtet sich nach dem Patientenstatus, der klinischen Fragestellung und der Untersuchungstechnik. Das Kontrastmittel kann intravenös, intraarteriell, intraartikulär, intrauterin, oral oder rektal verabreicht werden. Die applizierte Kontrastmittelmenge soll so gering wie möglich gehalten werden. Die angegebenen Richtwerte basieren auf der klinischen Erfahrung:

Abdominale Arteriographie und Angiokardiographie

Erwachsene:

1 ml/kg Körpergewicht

-Ventrikulographie mit 30 bis 50 ml

-Koronarographie mit 2 bis 10 ml

-Wiederholte Gaben bis ca. 150 ml

Kinder:

1 ml/kg Körpergewicht angepasst nach Gewicht, Alter, Kardiopathie

Zerebrale Arteriographie

A. carotis, A. vertebralis mit 10 bis 20 ml

Aortenbogen mit 1 ml/kg Körpergewicht

Wiederholte Gaben bis ca. 200 ml

Thorakale Angiographie

1 ml/kg Körpergewicht

Arteriographie der Extremitäten

Pro Extremität 20 bis 60 ml

Phlebographie

Mit 50 bis 100 ml pro Gliedmass

Digitale Subtraktionsangiographie

Intraarteriell in einer 1:1 Verdünnung (sterilem Aqua dest. oder NaCl 0.9%) mit 10 bis 50 ml pro Bildaufnahme – wiederholbar

Intravenös in Dosen von 150 bis 200 ml

Arthrographie: intraartikuläre Injektion

Je nach Volumen des betroffenen Gelenkes

Knie mit 5-20 ml, Hüfte mit 5-15 ml, Schulter mit 5-15 ml

Hysterosalpingographie selektiv intrauterin

Je nach Uterusvolumen bis zu 20 ml

Urographie i.v. (Erwachsene)

50 bis 100 ml

Untersuchungen des Verdauungsapparates

Erwachsene

Oral: 100 – 200 ml Hexabrix, rein oder 1:1 mit Wasser verdünnt

Rektal: 100 – 400 ml Hexabrix, 1:3 oder 1:4 mit Wasser verdünnt

Kinder unter 10 Jahren

Oral: 10 – 40 ml Hexabrix mit zusätzlich 10-40 ml Wasser

Rektal: 30 bis zu 150 ml Hexabrix, rein oder mit Wasser 1:4 oder 1:5 verdünnt

Siehe auch „Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Ausdrücklich sei darauf hingewiesen, dass Hexabrix NICHT intrathekal / subarachnoidal appliziert werden darf, vgl. „Kontraindikationen“.

Erfahrungsgemäss können Erregungs-, Angst- und Schmerz-Zustände die Ursache für Nebenwirkungen oder kontrastmittel-bedingte Reaktionen sein. Eine ruhige Führung des Patienten sowie geeignete Arzneimittel können dem entgegenwirken.

Intravasale Kontrastmittelgaben sind möglichst am liegenden Patienten vorzunehmen, der nach der Kontrastmittelgabe noch 30 bis 60 Minuten unter Aufsicht bleiben soll, da erfahrungsgemäss die Mehrzahl aller schweren Zwischenfälle innerhalb dieser Zeitperiode auftritt. Jedoch sind auch verspätete Reaktionen (nach Stunden oder Tagen) möglich.

Ionische Röntgenkontrastmittel wie Hexabrix haben eine stärkere gerinnungshemmende Wirkung als nicht-ionische Röntgenkontrastmittel. Trotzdem ist auf eine besonders sorgfältige angiographische Technik, das Vermeiden von bewegungsarmen Mischzonen mit Blut, das häufige Spülen der benutzten Katheter und Gefässzugänge mit (heparinisierten) Kochsalzlösungen, eine möglichst kurze Untersuchungsdauer, die Verwendung von Kunststoff- statt Glasspritzen sowie die zusätzliche Gabe von blutgerinnungshemmenden Stoffen (z.B. Heparin) zu achten, um das Thromboembolierisiko so gering wie möglich zu halten.

Grundsätzlich gilt es bei der Anwendung von Kontrastmitteln die allgemeinen Hygienevorschriften für sterile Lösungen zu beachten. Da die Lösungen nicht konserviert sind, sollten die in einem Untersuchungsgang nicht verbrauchten Restmengen verworfen werden. Die erlaubte Maximaldosis ist sowohl vom Patienten als auch vom Zeitraum, in dem die Gesamtdosis verabreicht wird, abhängig. Kleinkinder, Patienten mit verminderter kardialer Reserve, mit reduziertem Verteilungsvolumen und mit eingeschränkter Nierenfunktion weisen ein höheres relatives Risiko einer Kontrastmittelüberdosierung auf. In dringenden Fällen einer Wiederholung oder Fortsetzung der diagnostischen Massnahme können diese bei höheren Kontrastmitteldosen unter Berücksichtigung aller Sicherheitsmassnahmen nach frühestens 10 Stunden erfolgen. Eine besonders sorgfältige Überwachung der Nierenfunktion wird in diesen Fällen nahegelegt.

Zur Vermeidung einer Extravasation muss die intravaskuläre Lage des Injektionssystems vor und allenfalls während der intravasalen Injektion überwacht werden. Besonders bei Neugeborenen, Kleinkindern oder weiteren Patientengruppen mit erschwertem Gefässzugang gilt dies.

Kontraindikationen

Myelographie: Eine intrathekale oder subarachnoidale (oder epidurale) Applikation von Hexabrix für eine Myelographie, Hirnventrikeldarstellung oder Zisternographie ist absolut kontraindiziert, da hierbei mit schwerwiegenden, potentiell lebensgefährlichen neurotoxischen Reaktionen wie Myoklonien oder Status epilepticus zu rechnen ist.

Anamnese von früheren Kontrastmittelzwischenfällen, Mastozytose, Phäochromozytom, Lungenemphysem, latente oder manifeste Hyperthyreose, Diabetes mellitus mit ausgeprägter Mikroangiopathie oder Myelom.

Eine Hysterosalpingographie mit Hexabrix ist bei bekannter Schwangerschaft oder bei Vorhandensein akuter Entzündungsprozesse in der Beckenregion absolut kontraindiziert.

Eine Arthrographie darf bei klinisch entzündetem Gelenk, Infektionen in oder nahe dem zu untersuchenden Gelenk oder bei Patienten unter Antikoagulation (Blutungs- und Hämatom-Gefahr) nicht durchgeführt werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Ausdrücklich sei darauf hingewiesen, dass Hexabrix NICHT intrathekal / subarachnoidal appliziert werden darf, vgl. „Kontraindikationen“.

Auf die Komedikation ist besonders zu achten. Insbesondere zu erwähnen sind:

-Arzneimittel, welche bei anaphylaktoiden/anaphylaktischen Reaktionen problematisch sind: Interleukine/Interferone, Betaadrenorezeptoren-blocker (siehe „Interaktionen“).

-Krampfschwelle erniedrigende Arzneimittel, Diuretika, potentiell nephrotoxische oder herzbelastende Arzneimittel, ACE-Hemmer.

Eine spezielle individuelle Nutzen/Risiko-Abwägung und besondere Vorsicht sind bei folgenden Zuständen geboten: zerebrovaskuläre Läsionen, speziell bei Blutungsgefahr, Hirntumor, Epilepsie und bei Neugeborenen (s. Rubrik „Unerwünschte Wirkungen“).

Allgemein sollte beim Einsatz von Kontrastmitteln die applizierte Kontrastmittelmenge möglichst niedrig gehalten werden.

Hypersensitivitätsrisiko:

Bei Patienten mit erhöhtem Hypersensitivitätsrisiko sollen iodierte Kontrastmittel nur nach sorgfältiger Nutzen-/Risikoevaluation sowie allenfalls nach antiallergischer Prämedikation erfolgen. Zudem müssen für den Fall des Auftretens einer anaphylaktischen / anaphylaktoiden Reaktion Reanimationsmöglichkeiten und insbesondere Adrenalin zur parenteralen Anwendung bereitgestellt werden (s. unten). Bei Patienten unter Betablockern siehe unter “Interaktionen“.

Besondere Vorsicht ist bei bekannter Unverträglichkeit auf Prostaglandinhemmer, Atopie / Asthma (erhöhtes Risiko einer Überempfindlichkeitsreaktion oder eines Bronchospasmus), Leber-, Nieren-, Herz-Kreislauf- oder respiratorischer Insuffizienz geboten.

Überempfindlichkeitsreaktionen:

Wie bei allen iodhaltigen Kontrastmitteln, können anaphylaktoide Reaktionen vollkommen unvorhergesehen mit unter Umständen lebensbedrohlichen kardiovaskulären (Schock) oder respiratorischen (Larynx-Ödem, Bronchospasmus) Komplikationen, sowie Abdominalsymptomen, Urtikaria, Angioödem oder neurologischen Komplikationen auftreten.

Sie können als Sofortreaktion (weniger als 60 min) oder auch als Spätrektion (bis zu 7 Tage nach Applikation) auftreten. Sie sind meist unvorhersehbar.

Bei jeder Untersuchung müssen deshalb die personellen Voraussetzungen für eine Notfalltherapie erfüllt sein und das notwendige Material verwendungsbereit sein (Sauerstoff, Adrenalin oder andere Medikamente je nach Komedikation, Infusionsmaterial, Intubations- und Beatmungsmöglichkeiten, u.a.).

Es ist unbedingt erforderlich mit der Durchführung sämtlicher Notfallmassnahmen vertraut zu sein.

Die Verabreichung von Hexabrix darf nur erfolgen, wenn ein intravenöser Zugang vor, während und nach der Untersuchung gewährleistet ist.

Nach Kontrastmittelgabe soll der Patient noch mindestens 30 bis 60 Minuten unter Aufsicht bleiben, da erfahrungsgemäss die Mehrzahl aller schwerer Zwischenfälle innerhalb dieser Zeit auftritt (siehe ”Unerwünschte Wirkungen“).

Schilddrüsenfunktionsstörung

Iodierte Röntgenkontrastmittel beeinflussen die Schilddrüsenfunktion aufgrund ihres Gehaltes an freiem Iodid und können bei prädisponierten Patienten zu einer Hyperthyreose führen. Um diese Stoffwechselstörung zu vermeiden, ist es notwendig, mögliche thyreoidale Risikofaktoren zu erfassen. Gefährdet sind Patienten mit latenter Hyperthyreose oder funktioneller Autonomie sowie Patienten bei denen die Verabreichung von radioaktivem Iod für therapeutische Zwecke oder für szintigraphische Untersuchung der Schilddrüse vorgesehen ist. Bei potentiell gefährdeten Patienten muss vor der Untersuchung die Schilddrüsenfunktion untersucht und eine Hyperthyreose ausgeschlossen werden. Eine vorbeugende medikamentöse Schilddrüsenblockade ist zu erwägen.

Zudem kann die Gabe iodierter Kontrastmittel insbesondere bei Neugeborenen eine Hypothyreose auslösen. Aus diesem Grunde sollten die TSH- und T4-Werte sieben bis 10 Tage sowie einen Monat nach der Kontrastmittelgabe überprüft werden. Man beachte auch die „Interaktionen“, „Unerwünschte Wirkungen“ und „Sonstigen Hinweise“.

Nierenfunktionsstörung

In seltenen Fällen kann es besonders bei vorgeschädigten Nieren zu einem akuten Nierenversagen kommen, das in der Mehrzahl der Fälle reversibel verläuft. Als prädisponierende Faktoren gelten: bestehende Niereninsuffizienz, besonders diabetische Nephropathie, Alter über 60 Jahre oder bis einjährig, Dehydratation, fortgeschrittene Gefässsklerose, Plasmozytom, dekompensierte Herzinsuffizienz, monoklonale Gammopathie (Multiples Myelom, Morbus Waldenström), hohe Kontrastmitteldosen und Mehrfachinjektionen, direkte Kontrastmittelverabreichung in die Arteria renalis, Exposition mit weiteren Nephrotoxinen sowie eine beim gleichen Patienten bereits aufgetretene kontrastmittelinduzierte Nephropathie in der Anamnese. Unklar ist das Risiko bei Hypertonie, Hyperurikämie und Proteinurie. Als präventive Massnahmen werden empfohlen: Sicherstellen einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr vor und auch nach Kontrastmittelgabe, vorzugsweise durch Infusion von Kochsalzlösung, Vermeidung aller zusätzlichen Nephrotoxine, Reduktion der Dosis auf das unbedingt Notwendige, Einhalten eines genügend langen Zeitintervalls zwischen zwei Kontrastmittelgaben (mindestens 48 Stunden) und engmaschigerer Kontrolle der Nierenfunktion. Dialysepflichtige Patienten können Kontrastmittel für radiologische Untersuchungen erhalten, da iodhaltige Kontrastmittel mittels Dialyse eliminiert werden können.

Besondere Vorsicht ist bei einer Niereninsuffizienz mit assoziierter Leberinsuffizienz angezeigt, da die Belastung des Organismus durch die weiter verzögerte Elimination des Präparates erhöht wird.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen weisen ein höheres Risiko für schwerwiegende Veränderungen der kardialen Hämodynamik und Elektrophysiologie (Reizbildung und Reizleitung) auf. Dies gilt vor allem nach intrakoronarer, linksventrikulärer und rechtsventrikulärer KM-Applikation respektive hohen Kontrastmitteldosen. Für kardiale Reaktionen besonders prädestiniert sind Patienten mit Herzinsuffizienz, mit schwerer koronarer Herzkrankheit, mit instabiler Angina pectoris, mit Erkrankungen der Herzklappen, mit kurz zurückliegendem Herzinfarkt, mit koronaren Bypässen und Patienten mit pulmonaler Hypertonie.

Nach der Markteinführung wurden in Einzelfällen Rhythmusstörungen vom Typ Torsade de Pointes berichtet. Daher sollte Hexabrix bei Patienten, die an einer QTc-Verlängerung leiden, oder möglicherweise eine solche entwickeln können, einschliesslich Patienten, die andere Arzneimittel erhalten, die die QTc-Zeit verlängern, mit Vorsicht verabreicht werden.

Asthma

Vor einer Kontrastmittelanwendung sollte eine bestehende Asthmaerkrankung möglichst gut eingestellt sein. Besondere Vorsicht ist bei Asthmaanfällen, die im Zeitraum von 8 Tagen vor der Untersuchung auftraten angezeigt, da das Risiko eines akuten Bronchospasmus deutlich erhöht ist.

ZNS-Störungen

Da sich die neurologischen Symptome bei Patienten mit einer transitorischen Ischämie, akutem Hirninfarkt, einer rezenten intrakranialen Blutung, einem Zerebralödem, einer Epilepsie, Alkohol- oder von anderen Substanzen Abhängigen (letztere bei intraarterieller Anwendung) verschlechtern können, sollte das Nutzen-Risikoverhältnis abgeschätzt werden.

Phäochromozytom

Bei Patienten mit Phäochromozytom wird wegen der Gefahr von schweren Blutdruckkrisen eine Prämedikation mit Alpha-Rezeptorenblockern vor der intraarteriellen Kontrastmittelgabe empfohlen.

Myasthenia gravis

Die Verabreichung von Röntgenkontrastmitteln kann sich nachteilig auf die Symptome einer Myasthenia gravis auswirken.

Bei der intrauterinen Anwendung

Vor einer Hysterosalpingographie muss eine Schwangerschaft sicher ausgeschlossen werden (siehe «Kontraindikationen»). Bei akuten entzündlichen oder infektiösen Prozessen in der Beckenhöhle darf eine Hysterosalpingographie nur nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Evaluation vorgenommen werden. Die Exposition der weiblichen Reproduktionsorgane mit Röntgenstrahlen muss, ob mit oder ohne Kontrastmittel, immer einer kritischen Nutzen-Risiko-Evaluation unterworfen werden.

Bei der oralen respektive rektalen Anwendung:

Eine durch das Kontrastmittel verursachte Diarrhöe kann besonders bei Kindern und vor allem bei Neugeborenen zu einer Dehydratation führen. Es empfiehlt sich, besonders bei Risiko- oder dehydrierten Patienten auf einen Ausgleich des Wasser-Mineralstoffwechsels zu achten.

Nach oraler oder rektaler Gabe erfolgt normalerweise eine sehr begrenzte systemische Resorption. 1 bis 2% der verabreichten Dosis wird renal während der Rest über die Faeces ausgeschieden wird. Bei Schädigung der intestinalen Schleimhaut ist die Aufnahme jedoch erhöht. Bei einer Darmperforation erfolgt die Aufnahme vollständig mit Übergang in die Peritonealhöhle und das Kontrastmittel wird über den Harn ausgeschieden. Siehe „Pharmakokinetik“.

Verschlimmerung von unerwünschten Wirkungen

Die unerwünschten Wirkungen in Zusammenhang mit der Verabreichung iodhaltiger Kontrastmittel können bei Patienten mit Agitiertheit, Angst und Schmerzen verstärkt werden. Eine entsprechende Versorgung, sogar einschließlich einer Sedierung, kann erforderlich sein.

Sonstiges

Hexabrix 320 enthält 352 mg Natrium pro 100 ml.

Dies sollte bei Patienten unter strenger natriumarmer Ernährung berücksichtigt werden.

Interaktionen

Antidiabetika der Biguanid-Gruppe (Metformin, Buformin)

Die Biguanidbehandlung sollte bei eingeschränkter Nierenfunktion oder bekannten Nierenerkrankungen unterbrochen und frühestens 2 Tage nach der Untersuchung respektive nach Ausgleich der Nierenfunktion wieder aufgenommen werden. Bei vorbestehender Niereninsuffizienz sind Biguanide kontraindiziert. Bei Notfalluntersuchungen ohne Nierenfunktionskontrolle müssen alle Massnahmen zur Verhinderung einer Niereninsuffizienz respektive Lactatazidose eingehalten werden. Ergänzend beachte man die „Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen“.

Radiopharmazeutika

Iodhaltige Röntgenkontrastmittel beeinflussen über mehrere Wochen die Aufnahmefähigkeit der Schilddrüse für radioaktives Iod, so dass bei der I-131 Szintigraphie deswegen zu geringe funktionelle Werte resultieren; andererseits ergibt sich eine deutlich verminderte Behandlungseffizienz eines Schilddrüsenkarzinoms mit I-131.

Sollte eine Nierenszintigraphie mit Radiopharmazeutika, die tubulär sezerniert werden, vorgesehen sein, so sollte die Szintigraphie mit Vorteil vor der Röntgenkontrastmittelgabe vorgenommen werden.

Interleukin-2 (IL-2), Interferon

Eine erhöhte Überempfindlichkeit auf Kontrastmittel respektive eine verstärkte IL-2 Toxizität mit Symptomen wie z.B. Hautrötung, Erythem, Fieber bzw. grippeartige Symptome sowie allergische Spätreaktionen können mit der gleichzeitigen Gabe von Interleukin-2 assoziiert werden. Ähnliches wird auch von anderen Immunmodulatoren wie Interferon berichtet. Nach Möglichkeit sollte eine Kontrastmitteluntersuchung bei Patienten unter IL-2 Behandlung vermieden und auf einen Termin mindestens zwei Wochen nach Therapieende angesetzt werden.

Betarezeptorblocker

Die idiosynkratische Reaktionsbereitschaft wird bei Patienten unter Betarezeptorenblockern durch die Modulation der Adenylatzyklase und der hierdurch erhöhten Ausschüttung anaphylaktoider Mediatoren erhöht. Ausserdem bewirken Betablocker eine verringerte kardiale und vaskuläre Kompensationsfähigkeit. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko eines Bronchospasmus. Zusätzlich gilt es die geringere Reaktionsbereitschaft auf Adrenalin resp. Betasympathomimetika bei der Notfallmedikation zu berücksichtigen. Deshalb können statt Adrenalin andere Arzneimittel notwendig sein.

Vasoaktive Substanzen, ACE-Hemmer, AT-II Antagonisten

Diese Präparate beinträchtigen ähnlich wie die Betarezeptorenblocker die kardialen und vaskulären Kompensationsmechanismen, die bei hämodynamischen Störungen erfolgen. Dies muss beachtet werden und entsprechende Notfallmassnahmen müssen bereitstehen.

Krampfschwelle erniedrigende Arzneimittel

Arzneimittel, die die Krampfschwelle erniedrigen, wie z.B. Phenothiazine, trizyklische Antidepressiva, MAO-Hemmer, Analeptika, Neuroleptika, Anästhetika sollten besonders bei Epileptikern oder Patienten mit fokalen Hirnschäden falls ärztlich vertretbar 48 Stunden vor einer zerebralen Arteriographie bis 24 Stunden danach abgesetzt werden.

Diuretika

Auf Grund der hyperosmolaren Eigenschaften von Hexabrix kommt es zu einem additiven diuretischen Effekt. Eine Dehydratation, ein erhöhtes Nephropathierisiko, eine Elektrolytdisbalance sowie hypotensive Störungen mit kardialen Folgeerscheinungen können auftreten. Besondere Vorsicht gilt es beim Diabetiker, Niereninsuffizienten, älteren multimorbiden Patienten, bei Patienten unter Arzneimittel mit enger therapeutischer Breite, sowie bei der Verwendung von hohen Kontrastmitteldosen anzuwenden. Vorsichtsmassnahmen beinhalten eine genügende Hydrierung, das allfällige Unterbrechen der Komedikation (falls klinisch vertretbar) sowie eine entsprechende Überwachung des Patienten.

Potentiell nephrotoxische Arzneimittel

Arzneimittel, die potentiell nephrotoxisch wirken können, wie z.B. Angiotensin-Converting-Enzym (ACE) Hemmer, Aminoglykoside, Amphotericin, nicht-steroidale Antirheumatika, Diuretika, antivirale Substanzen, Immunsuppressiva wie Ciclosporin, Tacrolimus, Iphosphamide und Methotrexat oder platinhaltige Chemotherapeutika können zusammen mit Röntgenkontrastmitteln die Nierenfunktion stärker beeinträchtigen und zu einem dauerhaften Schaden führen. Deshalb sollte falls möglich eine Komedikation vermieden oder besonders bei Risikopatienten (Diabetiker, Niereninsuffizienten) die Clearance unter einer guten Hydrierung bis zu 72 Stunden nach der Kontrastmittelverabreichung überwacht und im Notfall eine (Hämo)-Dialyse eingeleitet werden.

Fibrinolytika

In vitro beeinträchtigen Röntgenkontrastmittel konzentrationsabhängig die Wirkung von Fibrinolytika. Wegen dieser je nach Fibrinolytikum variierenden Enzyminhibition sollten Röntgenkontrastmittel nicht gleichzeitig eingesetzt werden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Es gibt klare Hinweise für Risiken des menschlichen Fötus infolge von Röntgenuntersuchungen (Röntgenstrahlen). Tierversuche zeigten keine substanzspezifischen teratogenen Effekte. Hexabrix soll während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn es ist unbedingt nötig.

Während der Schwangerschaft ist die intrauterine Anwendung für eine Hysterosalpingographie kontraindiziert.

Theoretisch kann eine Kontrastmittelanwendung, falls sie 14 Wochen nach Amenorrhoe durchgeführt wird, infolge Iodbelastung eine Schilddrüsendysfunktion im Fötus auslösen (vgl. „Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen/ Schilddrüsenfunktionsstörung“).

Stillzeit

Bis jetzt wurde keine Untersuchung über den Übertritt der Ioxaglinsäure in die Muttermilch durchgeführt. Aus diesem Grund sollte Hexabrix während der Stillzeit nicht angewendet werden, ausser es ist unbedingt erforderlich.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es wurden diesbezüglich keine klinischen Studien durchgeführt. Auf Grund der pharmakologischen Eigenschaften von Hexabrix selber, ist mit keinem Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit oder die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen zu rechnen.

Der Einfluss der Grundkrankheit und der Untersuchung auf den Allgemeinzustand des Patienten ist zu beachten (vgl. „Unerwünschte Wirkungen“).

Unerwünschte Wirkungen

Wie allgemein iodierte wasserlösliche Röntgenkontrastmittel kann auch Hexabrix unerwünschte Reaktionen, die meist leicht bis mittelschwer, manchmal aber auch bis zu schweren oder sogar letalen Überempfindlichkeitsreaktionen gehen können, auslösen.

Empfindlicher reagieren Patienten, die bereits früher iodierte Röntgenkontrastmittel schlecht vertragen haben oder bei denen anamnestisch eine Allergie (Bronchialasthma, Ekzeme, Urtikaria, Heuschnupfen, Nahrungsmittel- und Arzneimittelallergien) bekannt ist. Trotz Abgrenzung solcher Risikogruppen treten Überempfindlichkeitsreaktionen völlig unvorhergesehen auf.

Kontrastmittelbedingte Unverträglichkeitsreaktionen können auch mit zeitlicher Verzögerung nach mehreren Stunden bis Tagen auftreten. In seltenen Fällen sind solche als harmlos anzusehenden Nebenwirkungen erste Anzeichen einer schweren Kontrastmittelreaktion. Deshalb ist eine strenge Beobachtung des Patienten unerlässlich, um gegebenenfalls nach Massgabe des Arztes therapeutische Massnahmen unverzüglich zu veranlassen.

Bei jeder Kontrastmitteluntersuchung muss der Arzt auf die Durchführung erforderlicher Notfallmassnahmen stets vorbereitet sein (siehe auch „Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen“).

Die Häufigkeit der Nebenwirkungen wird wie folgt beschrieben:

“Sehr häufig“ (≥1/10), «häufig» (<1/10, ≥1/100), «gelegentlich» (<1/100, ≥1/1'000), «selten» (<1/1'000, ≥1/10'000), «sehr selten» (<1/10'000).

Erkrankungen des Immunsystems

Gelegentlich: Überempfindlichkeit

Sehr selten: anaphylaktische / anaphylaktoide Reaktion, anaphylaktischer Schock

Endokrine Erkrankungen

Sehr selten: Hyperthyreose, Hypothyreose

Erkrankungen des Nervensystems

Sehr selten: Kopfschmerz, Schwindelgefühl, Synkope, Präsynkope, Agitiertheit, Halluzination, Amnesie, Sprechstörung, Tremor, Parästhesie, Parese, Krampfanfall, Somnolenz, Koma, Verwirrtheitszustand

Augenerkrankungen

Sehr selten: Photophobie, Blindheit vorübergehend, Sehverschlechterung

Erkrankungen des Ohrs und des Labyrinths

Sehr selten: Hypakusis

Herzerkrankungen

Sehr selten: Präsynkope, Arrhythmie, Tachykardie, Hypotonie, Thrombophlebitis, Angina Pectoris, Myokardinfarkt (häufiger bei intrakoronarer Injektion), Kreislaufkollaps

Einzelfälle: Kammerflimmern, Torsade de Pointes

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums

Sehr selten: Niesen, Husten, Engegefühl des Halses, Dyspnoe, Bronchospasmus, Kehlkopfödem, Laryngospasmus, Lungenödem, Atemnot, respiratorische Insuffizienz

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Häufig: Übelkeit, Erbrechen

Sehr selten: Parotisvergrösserung, Hypersalivation, Abdominalschmerz, Diarrhoe

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Akute Reaktionen

Gelegentlich: Pruritus, Erythem, Urtikaria, Gesichtsödem, Angioödem (Quincke-Ödem)

Verzögerte Reaktionen

Gelegentlich: Ekzem, Ausschlag makulo-papuloes

Sehr selten: Stevens-Johnson Syndrom, Epidermolysis acuta toxica (Lyell Syndrom)

Erkrankungen der Nieren und Harnwege

Sehr selten: Kreatinin im Blut erhöht, Anurie, akute Nierenschädigung, Nierenversagen

Allgemeine Erkrankungen

Sehr selten: Fieber, Schüttelfrost, Unwohlsein, Wärmegefühl, Hitzegefühl

Beschwerden am Verabreichungsort

Sehr selten: Wärmegefühl an der Injektionsstelle, Schmerzen an der Injektionsstelle, Extravasation an der Injektionsstelle, Brennen, Injektionsstelle entzündet, Thrombose an der Injektionsstelle, Injektionsstelle nekrotisch

Bei der Arthrographie:

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Sehr selten: Reaktionen an der Injektionsstelle, Arthralgie, aseptische Arthritis, Gelenkinfektion an der Injektionsstelle, Gelenkschmerzen an der Injektionsstelle, Gelenkschwellung an der Injektionsstelle, Gelenkerguss. Bei stark zunehmender Schwellung und Schmerzen nach dem Eingriff soll der Patient einen Arzt aufsuchen.

Bei intrauteriner Injektion (Hysterosalpingographie):

Allgemeine Erkrankungen

Sehr selten: Beckenbeschwerden

Überdosierung

Die unerwünschten Folgen einer Überdosierung können lebensgefährlich sein. Sie betreffen hauptsächlich die Atemwege, Herz-Kreislauf sowie die Nieren. Die Behandlung muss auf die Aufrechterhaltung der lebenswichtigen Funktionen und auf den schnellen Einsatz einer symptomatischen Behandlung hinzielen. Im Fall einer sehr hohen Dosis können Wasser- und Elektrolytverlust durch entsprechende Rehydrierung kompensiert werden. Die Nierenfunktion muss für mindestens drei Tage überwacht werden. Falls erforderlich, kann eine Hämodialyse durchgeführt werden.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: V08AB03

Hexabrix ist ein hexaiodiertes, dimeres, wasserlösliches, ionisches und niederosmolares Röntgenkontrastmittel.

EIGENSCHAFT

HEXABRIX 320

Iodkonzentration

(mg·l/ml)

320

Osmolalität

mOsm/kg H2O

600

Viskosität bei

37 °C (mPa·s)

20 °C (mPa·s)

7.5

15.7

Natriumgehalt

(meq/l)

153.0

Ionische Kontrastmittel weisen ausgeprägtere gerinnungs- und die Thrombozytenaggregation hemmende Eigenschaften als nicht-ionische Kontrastmittel auf. Gemäss einigen Untersuchungen kann der Einsatz von Hexabrix zu einer erhöhten Durchgängigkeitsrate von Koronararterien nach Koronareingriffen (Angioplastien, Stenteinlagen) und zu einer geringeren Anzahl thromboembolischer Komplikationen führen.

Pharmakokinetik

Distribution

Wie alle wasserlöslichen, iodhaltigen, uroangiographischen Röntgenkontrastmittel verteilt sich die Ioxaglinsäure nach der Injektion in die Blutbahn im intravasalen und interstitiellen Raum. Seine Plasma-Eliminationshalbwertszeit beträgt unabhängig von der Dosis 92 Minuten. Die Ioxaglinsäure vermag die intakte Blut-Hirn-Schranke nicht zu überwinden und bindet sich nur in geringem Ausmass an Serumproteine.

Elimination

Die Ioxaglinsäure wird hauptsächlich über die Nieren durch glomeruläre Filtration ausgeschieden. Mehr als 90% der verabreichten Dosis findet man in unveränderter Form im 24 Stunden Urin wieder.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Bei einer Niereninsuffizienz erfolgt die Ausscheidung hauptsächlich heterotrop über die Gallenwege und von untergeordneter Bedeutung über die Speichel-, Schweiss- und Tränendrüsen.

Präklinische Daten

Die akute Toxizität (LD50) von Hexabrix 320 beträgt bei der Maus bei intravenöser Injektion 12.5 g Iod/kg Körpergewicht. Zur Bestimmung der chronischen Toxizität wurde das Kontrastmittel täglich i.v. mit unterschiedlichen Volumina während 28 Tagen beim Hund und der Ratte verabreicht. Keine besonderen Toxizitätszeichen wurden beobachtet. Es liegen keine Untersuchungen zum karzinogenen Potential von Hexabrix vor. Tierstudien mit Ratten und Kaninchen ergaben keine Hinweise auf eine teratogene Wirkung der Substanz. In zwei Standard-Mutagenese-Untersuchungen ergaben sich keine Hinweise auf klastogene Wirkungen.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilität

Zur Vermeidung physiko-chemischer Inkompatibilitäten sollte kein anderes Medikament mit der gleichen Spritze appliziert werden.

Beeinflussung diagnostischer Methoden (vgl. auch mit «Interaktionen»)

Schilddrüsenfunktionstest

Die Aufnahmefähigkeit des Schilddrüsengewebes für Radioisotope zur Schilddrüsendiagnostik wird durch iodhaltige nierengängige Röntgenkontrastmittel bis zu zwei Wochen und in seltenen Fällen länger beeinträchtigt. Schilddrüsenfunktionstests, die nicht auf der Bestimmung der Iodaufnahme beruhen, z.B. T3-Triiodthyronin und Thyroxin (Gesamt-T4) Bestimmungen bleiben unbeeinflusst.

Weitere

Hohe Kontrastmittelkonzentrationen im Plasma oder Urin können mit der in-vitro Bilirubinbestimmung, Proteinbestimmung oder Elektrolytbestimmung (Eisen, Kupfer, Calcium und Phosphat) interferieren: während der ersten 24 Stunden nach Kontrastmittelgabe wird von einer Bestimmung abgeraten.

Hinweise zur Verhaltensweise bei kontrastmittelbedingten Zwischenfällen

Angesichts der Unvorhersehbarkeit eines Zwischenfalles bei der Gabe jodierter Röntgenkontrastmittel, wird die Bereitstellung aller in Frage kommmender Notfallmassnahmen für eine Reanimation und Notfalltherapie gefordert (siehe auch "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen"). Während der Untersuchung sollte der Allgemeinzustand des Patienten durch den Arzt regelmässig überwacht werden (Puls, Blutdruck) und zur unverzüglichen Behandlung eines Zwischenfalles ein intravenöser Zugang aufrechterhalten werden (vgl. „Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen“).

Haltbarkeit

Das Präparat darf nur bis zu dem mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Nach Anbruch sollte das Kontrastmittel als unkonservierte Injektionslösung unmittelbar aufgebraucht und allfällige Restmengen vernichtet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Ausser Reichweite von Kindern aufbewahren. Vor Licht insbesondere Röntgenstrahlen geschützt und bei Raumtemperatur zwischen 15 und 25 °C aufbewahren.

Zulassungsnummer

42086 (Swissmedic)

Zulassungsinhaberin

Guerbet AG, Zürich

Herstellerin

Guerbet, Roissy, Frankreich

Stand der Information

September 2017

Verwendung dieser Informationen

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