Fasten

Heutzutage ist das Thema Fasten wieder aktuell, jedoch nicht Fasten im religiösen Sinne, sondern Heilfasten. Die Wirkung der neuen ''Heiltherapie für alles'' ist noch sehr umstritten und medizinisch sind noch nicht genügend Belege für die Wirksamkeit aller Varianten gesammelt um ein endgültiges Resultat zu präsentieren. Dies ist bei einer solch umfassenden Therapie, während welcher verschiedenste Prozesse im Körper anders ablaufen, wohl auch kaum möglich. Darum sollte man vorsichtig sein und die ersten Male nur unter Aufsicht durch eine Fachperson fasten.

Fasten

Alle Jahre wieder kommt die Fastenzeit. Dieses Jahr begann sie am 1. März. Hatte man den Termin vergessen, dann gab es bestimmt Kolleginnen und Kollegen, welche einem daran erinnerten, denn entweder hingen sie noch an ihren guten Jahresvorsätzen oder hatten sie schon lange aufgegeben, deshalb hatten sie sich für die Fastenzeit bereits neue Vorsätze gemacht. Alkohol Fasten, auf Kaffee zu verzichten, Süssigkeiten Fasten oder das Rauchen für kurze Zeit einzuschränken oder sogar aufzugeben sind die beliebtesten Varianten. Noch weiter oder erst richtig mit Fasten beginnt es dann, wenn man wirklich die Ernährung umstellt. Dabei gibt es ebenfalls viele verschiedene Varianten, welche zum Teil sehr gut beschrieben sind. Einige Beispiele sind das Buchinger-Heilfasten, Fasten nach Mayr, Markert-Diät, eiweissergänztes Fasten, Saft-Fasten, Früchte-Fasten, Molke-Fasten, Tee-Fasten oder auch die Schrotkur.

Fasten zum Abnehmen?

Zuerst muss gesagt sein, dass man durch Fasten durchaus abnimmt. Führt man zum Beispiel eine Buchinger-Fasten-Kur korrekt durch und betreibt Sport, kann man pro Tag gut 160g Fett- und 75g Muskelgewebe verlieren. Diese Werte sind aber mit Vorsicht zu geniessen, denn sie sind stark abhängig von Geschlecht und Körpergewicht. Wichtig ist dabei auch Sport, denn das Muskelgewebe wird einfacher abgebaut als das Fettgewebe. Zum Abnehmen ist Fasten dennoch nicht geeignet, denn selbst bei optimaler Vorbereitung und späterer stufenweisen Umstellung zur normalen Ernährung ist die Gefahr für einen Jojo-Effekt zu gross. Der Jojo-Effekt beschreibt das Problem, dass der Körper nach dem Fasten die Nahrung besser aufnimmt und mehr Energie in Fettreserven abspeichert um für eine allfällige nächste Hungerzeit gewappnet zu sein. Beginnt die Person dann, nach der überraschenden Gewichtszunahme, wieder mit einer Fastenkur, sinkt das Gewicht wieder, jedoch nur kurzzeitig um dann wieder anzusteigen.
Fasten kann aber durchaus sinnvoll sein als eine Art Impuls für eine Ernährungsumstellung und dadurch kann dann ein Gewichtsverlust erzielt werden. Dabei sollte man vor allem nach der Fastenkur, während man noch sehr bewusst isst, seine Ernährung so einstellen, wie man sie in Zukunft haben möchte. Man sollte sich nicht mit zu vielen guten Vorsätzen überstrapazieren, sondern ein gutes Gleichgewicht finden. Es bietet sich an, diese neue Ernährung mit der Fachperson, welche die Kur überwacht, zu planen.

Bei was hilft Fasten?

Lange gab es die Behauptung, Fasten würde den Körper entschlacken. Schlacke sei dabei Material, dass sich im Körper ablagert und den Körper träge und schwer mache. Diese Idee der Schlacke wird aber von der modernen Medizin verworfen. Es gebe keine Schlacke und darum könne Fasten auch nicht dagegen helfen. Dem Fasten selbst kann die Medizin aber trotzdem immer mehr abgewinnen. Der offensichtliche Effekt, dass man dem Verdauungstrakt eine Pause gönnt, kann sich auf den Körper sehr positiv auswirken, auch wenn sich der Körpergeruch und allenfalls auch Mundgeruch eher negativ bemerkbar machen. Dieser Geruch kommt vor allem durch die Entgiftung des Körpers und die Abgabe solcher Giftstoffe über die Haut zustande. Es nimmt aber nach dem zweiten Tag ab und kann zum Beispiel durch erzwungenes Schwitzen durch Sport oder in der Sauna und regelmässiges Waschen gut in Schach gehalten werden. Fasten soll aber nicht nur für den Verdauungstrakt gut sein, sondern es soll auch bei Bluthochdruck, schubförmiger Arteriosklerose, Diabetes Typ 2, Hauterkrankungen, entzündlichen Krankheiten wie Gelenkrheuma, Rheumatoide Arthritis aber auch bei chronischen Schmerzen helfen.

Fasten und Medikamente

Fasten kann die Wirksamkeit von Medikamenten erhöhen oder erniedrigen, deshalb ist eine Überwachung durch eine medizinische Fachperson unbedingt empfohlen. Neueste Forschungen zur kombinierten Chemotherapie mit Fasten bei der Krebsbehandlung zeigen überraschend positive Ergebnisse. Krebszellen könnten durch das Fasten besser bekämpft werden, da sich die Krebszellen weniger gut auf das Fasten einstellen können, wie die normalen Zellen. Dies nur als Beispiel, dass Forschungen zu Fasten brandaktuell sind.

Fasten

Wann ist Vorsicht geboten und wann sollte man die Kur abbrechen?

Gar nicht erst beginnen mit einer Fastenkur sollte man bei Herzkreislaufproblemen, Essstörungen, Leber-, Schilddrüsen- und Nierenerkrankungen. Ebenfalls darf niemals während einer Schwangerschaft oder der Stillzeit gefastet werden. Abbrechen sollte man die Kur bei Magenbeschwerden, Herzrhythmusstörungen, Störungen im Elektrolytenhaushalt oder länger anhaltendem niedrigem Blutdruck. Ebenso müssen psychisch Erkrankte besonders vorsichtig mit Fasten sein, da es auch Depressionen auslösen kann.

Auf was sollte während der Kur besonders geachtet werden?

Der Körper speichert viele Stoffe, welche er benötigt, jedoch nicht alle. Kalzium und Zink benötigt der Körper, kann sie jedoch nicht einlagern. Er ist deshalb auf die Einnahme von diesen beiden Stoffen angewiesen. Fehlen diese Stoffe kann es zu Zahnfleischbluten, Haarausfall, Hautentzündungen und Infektionsanfälligkeit kommen. Achten sie deshalb besonders darauf, während der Fastenzeit genügend Kalzium und Zink einzunehmen. Ebenfalls ist es sehr wichtig auf genügend Flüssigkeitszufuhr zu achten. Je nach Kur geschieht das automatisch durch Fruchtsäfte oder Brühen wie zum Beispiel beim Saft-Fasten, der Markert-Diät und dem Früchte-Fasten. Bei anderen Kuren muss aber gut darauf geachtet werden, dass der Körper nicht an Flüssigkeitsmangel leidet, was sich meist schnell durch Kopfschmerzen und Schwäche bemerkbar macht.

Wie geht man am besten vor?

Zu dieser Frage gibt es viele Ratgeber im Internet und auch als Literatur. Zu empfehlen ist aber erst das Aufsuchen einer Fachperson, die ein medizinisches Check-up macht und sie berät, welche Kur für sie am besten wäre und sie dann auch auf diese Kur vorbereitet. Meist gibt es ein bis zwei Vorbereitungstage bei denen man seinen Körper bereits auf das Fasten vorbereitet. Während der Kur kann es zu Körpergeruch und allenfalls auch Mundgeruch sowie Kopfschmerzen kommen. Je nach Kur unterscheidet sich dann die Dauer und der Ernährungsplan, sowie die Umstellungs-Phase zur normalen Ernährung stark. In der Regel trinkt man viel und zur Darmentleerung bedient man sich entweder einem Abführmittel oder einem Einlauf. Sport darf während der Fastenzeit auch nicht fehlen um zu starkem Muskelabbau entgegenzuwirken. Wenn man viel Erfahrung mit Fasten gesammelt hat kann man sich überlegen, während der Zeit zu arbeiten. In der Regel ist man aber eher schwach während der Fastenzeit und sollte sich nicht überstrapazieren. Meditieren, Lesen, Spazieren sowie das Pflegen des sozialen Umfeldes können aus dem Fasten eine wertvolle Zeit machen um Ruhe zu finden und den eigenen Körper wieder bewusster wahrzunehmen.

C. Wick

Aus eigener Erfahrung

Aus eigener Erfahrung kann ich, Cyrill Wick, nur sagen, dass die ersten zwei Tage am schwersten sind. Danach nimmt das Hungergefühl ab. Ab dem dritten Tag kommt es zusätzlich zu einer sogenannten Fasteneuphorie, wobei Serotonin im Gehirn ausgeschüttet wird und man sich dadurch glücklich fühlt. Körpergeruch und Mundgeruch können, müssen aber nicht auftreten. Ebenfalls kann es sein, dass man während der Zeit leicht reizbar ist und ständig mit dem Gedanken Abzubrechen spielt. Es lohnt sich aber auf jeden Fall durchzuhalten, denn nach dem Fasten nimmt man die Nahrung, welche man zu sich nimmt, wieder neu wahr und schätzt sie mehr. Doch nicht nur die Nahrung, sondern insbesondere der eigene Körper wird bewusster wahrgenommen.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Heilfasten
https://www.nzz.ch/wissenschaft/medizin/fasten-gesunde-essenspausen-ld.130464
http://www.srf.ch/sendungen/puls/lifestyle/fasten-der-gesundheit-zuliebe
http://www.tagesanzeiger.ch/leben/essen-und-trinken/Fasten--gesunde-Auszeit-oder-gefaehrlicher-Unsinn/story/17300152#mostPopularComment
https://www.welt.de/gesundheit/article113597632/Was-jeder-vor-dem-Fasten-wissen-sollte.html