Ist Cholesterin gesund?

Ein jeder von uns hat bestimmt schon mindestens einmal gehört, dass zu viel Cholesterin schlecht für den Körper und die Gesundheit ist. Doch was ist Cholesterin überhaupt und ist es wirklich so schlecht, wie immer behauptet wird?

Aufgaben des Cholesterins

Cholesterin ist ein Naturstoff, der in fast allen tierischen Zellen vorkommt und ein wichtiger Bestandteil deren Membran ist, da er für dessen Stabilität sorgt. Ausserdem wird er als Ausgangsstoff verwendet, um wichtige Hormone (Steroide) und Gallensäuren herzustellen. Letztere braucht der Mensch für eine intakte Verdauung. Cholesterin ist für das Überleben menschlicher Zellen somit unverzichtbar, jedoch kann ein Überschuss auch als Impuls für den Zelltod dienen. Aus diesem und weiteren Gründen ist es wichtig, dass wir die mit der Nahrung aufgenommene Cholesterinmenge in Grenzen halten.

Woher kommt das Cholesterin?

Der Mensch besitzt ca. 130 bis 150g Cholesterin im Körper, wobei sich über 95% davon in den Zellen oder in der Zellmembran befinden. Den Grossteil vermögen wir selber herzustellen, während wir durchschnittlich nur bis zu 0.5g Cholesterin mit der Nahrung aufnehmen. Dabei enthalten unterschiedliche Nahrungsmittel jeweils unterschiedlich viel Cholesterin.

Hier einige Beispiele zur Orientierung:
Cholesterinwerte in mg/100 Gramm Nahrung
- Hühnerei: 400
- Niere: 370
- Butter: 220
- Leberwurst: 170
- Schweinefleisch: 70
- Milch: 13
- Tomate, Gurke: 0

Warum ist es nun so wichtig, dass wir darauf achten, nicht zu viel Cholesterin mit der Nahrung zu uns zu nehmen, wenn dieser Teil nur einen Bruchteil davon ausmacht, was unser Körper besitzt?
Cholesterin gehört zu den Lipiden und ist daher ein nicht wasserlöslicher Stoff. Dadurch kann dieser nicht ohne weiteres in unserem Blut transportiert werden, da es auf einer Wasserbasis beruht. Um das Cholesterin vom Darm in unseren Körper zu bringen, benutzen wir ein bestimmtes Transportsystem, wobei das Cholesterin zusammen mit den Triglyceriden, den Fetten aus unserer Nahrung, in sogenannte Lipoproteine verpackt wird. Mit dieser „Mogelpackung“ kann das Cholesterin nun doch zu den unterschiedlichen Organen transportiert werden.

“Gutes“ vs. „Schlechtes“ Cholesterin

Der weitverbreitete Begriff des „schlechten“ und des „guten“ Cholesterins sollte hier mit Vorsicht verwendet werden, da das Cholesterin an und für sich nie eine moralische Seite wählt. Viel mehr ist die Richtung des Transportes des Cholesterins wichtig, wobei zu diesem Zweck unter anderem zwei wichtige Lipoproteine unterschieden werden:

-HDL – High Density Lipoproteine, welches das Cholesterin aus dem Gewebe, z.B. von den Blutgefässen, aufnimmt und zur Leber transportiert, wo es bei Bedarf weiterverarbeitet werden kann.
-LDL – Low Density Lipoproteine, welches das Cholesterin von der Leber zum Gewebe transportiert. Dabei wird dieses unter anderem in den Blutgefässen ab- und eingelagert.
Da HDL also das Cholesterin von den Blutgefässen wegtransportiert, wird dieses oftmals als das „gute“ Cholesterin betitelt, während LDL, welches das Cholesterin zu den Arterien bringt, als das „schlechte“ Cholesterin angesehen wird.

Laborwerte

Zur Früherkennung des Arterioskleroserisikos, bei Personen mit erhöhten koronaren Risiken wird die regelmässige Überprüfung der Cholesterin Werte empfohlen. Dasselbe gilt bei Patienten, welche bereits eine Therapie mit Lipidsenkern haben, um den Therapieerfolg zu überprüfen. Als Zielwerte werden im Labor folgende Werte gesetzt:

- Gesamtcholesterin: 6.5 mmol/l oder weniger
- HDL-Cholesterin: 1.0 mmol/l oder mehr
- LDL-Cholesterin: 4.1 mmol/l oder weniger

Dabei sollte man jedoch darauf achten, dass dies nur Richtwerte sind und genetische Faktoren und somit die individuelle Veranlagung einen Einfluss auf die Blutfettwerte haben können.

Folgen von zu hohen Cholesterinwerten: Arteriosklerose

Eine Einlagerung von Cholesterin in den Wänden der Blutgefässe führt unweigerlich dazu, dass diese verhärten oder verdicken und dadurch unflexibel sowie starr werden. Dies führt schlussendlich zur Arteriosklerose, was nichts weiter ist als die Verhärtung von Arterien. Da vor allem Kalk zu einer solchen Verhärtung führt, spricht man auch oft von einer Verkalkung der Arterien. Die Verengung der Arterien führt gleichzeitig zu einem Blutdruckanstieg. Im schlimmsten Fall kann es durch massive Ein- und Ablagerungen von Cholesterin sowie Kalk zu einem Thrombus oder sogar zu einem Verschluss des Blutgefässes kommen.
Besonders gefährlich wird diese Verhärtung und Verstopfung, wenn die sogenannten Herzkrankgefässe, also diejenigen Arterien, welche das Herz selber mit Blut und Sauerstoff versorgen, betroffen sind. Man spricht dann von einer koronaren Herzkrankheit. Wenn diese Gefässe betroffen sind, kann es zu einer schmerzhaften Unterversorgung des Herzens mit Sauerstoff, einer sogenannten Ischiämie, kommen. Im schlimmsten Fall kann es durch einen kompletten Verschluss zu einem lebensgefährlichen Herzinfarkt kommen.

Was kann man unternehmen?

Um eine Senkung des Cholesterins herbeizuführen gibt es nicht sehr viele Möglichkeiten. Die erste und auch sinnvollste Massnahme ist das Umstellen der Ernährung. Dabei geht es nicht darum, nie wieder einen Burger oder eine Pizza essen zu dürfen – das Essen sollte nicht zu einer anstrengenden und unbeliebten Nebensache werden. Im Wesentlichen genügt es, wenn der Fettkonsum angepasst wird:
- Reduzieren Sie den Verzehr von fett- und kalorienreichen Speisen, falls Sie an Übergewicht leiden. Der Fettanteil in der Ernährung sollte dabei unter dreissig Prozent der gesamten Kalorienzahl liegen.
- Gönnen Sie sich reichlich Obst und Gemüse, da diese Nahrung kaum bis kein Cholesterin enthält.
- Trinken Sie viel und über den ganzen Tag verteilt, zum Beispiel ungezuckerten Tee oder Mineralwasser.
Erst wenn diese Massnahmen nicht mehr weiterhelfen wird ein erhöhter Cholesterinspiegel normalerweise medikamentös behandelt. Dabei gibt es unterschiedlichste Medikamente mit den unterschiedlichsten Wirkungsmechanismen. Am meisten wird derjenige Mechanismus eingesetzt, wobei die körpereigene Synthese, also die körpereigene Herstellung von Cholesterin, unterbunden wird.

Geringer Cholesterinspiegel – alles gut?

Um das Risiko der Arteriosklerose, welche durch einen zu hohen Cholesterin- bzw. LDL-Wert mitverursacht wird, zu senken, können jedoch noch weitere Massnahmen ergriffen werden. Weitere Risikofaktoren und somit auch Angriffspunkte sind beispielsweise:
- Rauchen
- Bluthochdruck
- Übergewicht & Bewegungsmangel
- Einnahme der Pille
- Stress
- Genetische Faktoren
Um gesünder zu Leben ist eine cholesterinarme und gesunde Ernährung also sicher ein wichtiger und erster Schritt, jedoch bleibt es nur ein Teil davon. Um das Risiko von Arteriosklerose und anderen Krankheiten vorzubeugen ist meist eine Lebensumstellung nötig, die oft den Verzicht oder die Reduktion von Rauchen, Alkohol und Fastfood sowie ein Lebensstil mit mehr Sport und Bewegung mit sich bringt.

Hohes Cholesterin, welche Lebensmittel helfen und was gibt es aus der Apotheke?

Auf natürliche Weise helfen frische Früchte, Gemüse oder auch Volkornprodukte den Cholesterinwert im Blut zu senken. Sie enthalten viele Faserstoffe, die cholesterinsenkend wirken und viele Vitamine und Antioxidantien die das Herz schützen.

Olivenöl senkt nicht nur den Spiegel des LDL-Cholesterins, sondern hebt auch den Spiegel des HDL-Cholesterins. Auf Bratfett sollte soweit als möglich verzichtet werden.

Fisch ist ein sehr guter Cholesterin-Spiegel Senker. Er enthält viele wertvolle Omega-3-Fettsäuren, die den LDL-Cholesterin-Spiegel senken. Besonders frischer Lachs, Makrele und Thunfisch sind reich an diesen Fettsäuren. Fisch aus der Dose ist auch in Ordnung, nur der Thunfisch verliert beim Eindosen fast alle seine gesunden Fette und ist außerdem vor dem Aussterben bedroht.

Wer nicht besonders gerne Fisch isst, kann Fischölkapseln nehmen. Es sollte darauf geachtet werden, dass EPA und DHA (2 wichtige Omega-3-Fettsäuren) enthalten sind. Zweimal täglich können 1000 mg eingenommen werden.