Clindamycin Phosphat Labatec 600 Mg/4ml 10 X 4 Ml

Clindamycin Phosphat Labatec 600 Mg/4ml 10 X 4 Ml

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Clindamycinum ut Clindamycini-2-phosphas (Injektionslösung).

Hilfsstoffe: Natrii edetas; Natrii hydroxidum; Conserv.: Alcohol benzylicus 18 mg – 2 ml; Aqua q.s. ad solutionem.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Clindamycin Phosphat Labatec Injektionslösung

1 ml enthält 150 mg Clindamycinum als Clindamycini-2-phosphas.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Behandlung von Infektionen mit gegenüber Clindamycin empfindlichen anaeroben Bakterien und grampositiven aeroben Bakterien, insbesondere Bacteroides-Arten, mikroaerophilen Streptokokken, Staphylokokken und Pneumokokken:

  • Infektionen des oberen Respirationstrakts wie Tonsillitis, Pharyngitis, Sinusitis, Otitis media und Scharlach.
  • Infektionen des unteren Respirationstrakts wie Bronchitis, Pneumonie, Empyem und Lungenabszess.
  • Haut- und Weichteilinfektionen wie Akne, Furunkel, Zellulitis, Impetigo, Abszesse und Wundinfektionen. Spezifische Haut- und Weichteilinfektionen wie Erysipel und Paronychia (Panaritium) müssten ihrer Natur gemäss gut auf eine Clindamycin-Therapie ansprechen.
  • Knochen- und Gelenkinfektionen wie Osteomyelitis und septische Arthritis.
  • In Kombination mit einem Antibiotikum mit gramnegativem, aerobem Spektrum: Infektionen des weiblichen Beckens und Genitaltraktes, wie Endometritis, Parametritis, Salpingitis, Tuboovarialabszesse (Pelvic Inflammatory Diseases PID), sowie postoperative Vaginalinfektionen.
  • Intraabdominale Infektionen wie Peritonitis und Abdominalabszess bei gleichzeitiger Applikation eines Antibiotikums mit einem geeigneten gramnegativen aeroben Spektrum.
  • Septikämie und Endokarditis. Die Wirksamkeit von Clindamycin in der Behandlung ausgewählter Endokarditis-Fälle wurde dokumentiert, falls Clindamycin sich bei der In-vitro-Testung der adäquaten erreichbaren Serumkonzentrationen gegenüber dem Erreger als bakterizid erwies.
  • Zahninfektionen wie Parodontalabszess und Periodontitis.
  • Toxoplasmose-Enzephalitis bei Patienten mit AIDS. Bei Patienten, die die konventionelle Behandlung nicht vertragen, kann Clindamycin in Kombination mit Pyrimethamin zur Akuttherapie eingesetzt werden. Es liegen nur begrenzte Erfahrungen aus klinischen Studien vor.
  • Pneumocystis carinii Pneumonie bei Patienten mit AIDS. Bei Unverträglichkeit gegenüber der herkömmlichen Therapie kann Clindamycin in Kombination mit Primaquin eingesetzt werden. Es liegen nur begrenzte Erfahrungen aus klinischen Studien vor.

Wie bei allen Antibiotika empfiehlt sich die Durchführung von in-vitro Sensibilitätsprüfungen.

Offizielle Empfehlungen zum angemessenen Gebrauch von Antibiotika sollen beachtet werden, insbesondere Anwendungsempfehlungen zur Verhinderung der Zunahme von Antibiotikaresistenzen.

Dosierung/Anwendung

Die Dosierung und Applikationsart soll nach der Schwere der Infektion, dem Zustand des Patienten und der Empfindlichkeit des Erregers bestimmt werden.

Clindamycin Phosphat Labatec kann bei Kindern ab dem Alter von 1 Monat angewendet werden.

Clindamycin Phosphat Labatec (Injektionslösung): (i.m. oder i.v. Applikation)

Grad der InfektionErwachsene(mg/Tag)Kinder(mg/kg/Tag)Dosen pro Tag
Schwer:1200-1800202-4
Sehr schwer:Infektionen intraabdominal, Becken, Infektionen mit Komplikationen2400-270025-402-4

Bei schweren oder lebensbedrohenden Infektionen, insbesondere bei Infektionen, bei denen Bacteroides fragilis, Peptococcus-Arten oder andere Clostridium-Arten als Clostridium perfringens nachgewiesen wurden oder Verdacht auf eine Beteiligung dieser Organismen besteht, kann die Dosierung weiter erhöht werden. Erwachsenen wurden intravenöse Dosen bis zu 4800 mg täglich verabreicht.

Alternativ kann die Substanz in Form einer einmaligen Kurzinfusion der ersten Dosis über 10 min oder länger und dann als intravenöse Dauerinfusion gegeben werden, wie folgt:

Zur Erhaltung der Clindamycin-SerumspiegelGeschwindigkeit der KurzinfusionGeschwindigkeit der Erhaltungsinfusion
über 4 µg/ml10 mg/min über 30 min0,75 mg/min
über 5 µg/ml15 mg/min über 30 min1,00 mg/min
über 6 µg/ml20 mg/min über 30 min1,25 mg/min

Verdünnung und Infusionsgeschwindigkeiten

Bei intravenöser (i.v.) Verabreichung soll Clindamycinphosphat verdünnt angewendet werden (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»). Die Clindamycin-Konzentration in der Infusionslösung sollte nicht höher sein als 12 mg pro ml, und die Infusionsgeschwindigkeit sollte 30 mg pro min nicht überschreiten. Üblich sind folgende Infusionsgeschwindigkeiten:

DosisInfusionslösungZeit
300 mg50 ml10 min
600 mg50 ml20 min
900 mg100 ml30 min
1200 mg100 ml40 min

Die Applikation von mehr als 1200 mg in einer einmaligen einstündigen Infusion wird nicht empfohlen.

Bei intramuskulärer (i.m.) Verabreichung soll Clindamycinphosphat unverdünnt angewendet werden.

Intramuskuläre Einzelinjektionen von mehr als 600 mg werden nicht empfohlen.

Inkompatibilität und Kompatibilität siehe Kapitel «Sonstige Hinweise».

Kombinationstherapien

Gynäkologische Infektionen (Pelvic Inflammatory Diseases PID):

Clindamycin Phosphat Labatec 900 mg i.v. alle 8 h zusammen mit einem intravenös verabreichten Antibiotikum mit gramnegativem-aerobem Spektrum, z.B. Gentamycin 2.0 mg/kg gefolgt von 1.5 mg/kg alle 8 h. Nach mindestens 4 Tagen und frühestens 48 h nach Eintritt der Besserung wird mit oralem Clindamycin 450 mg alle 6 h bis zu einer Therapiedauer von total 10-14 Tagen weiterbehandelt.

Pneumocystis carinii Pneumonie bei Patienten mit AIDS:

Kombinationstherapie Clindamycin mit Primaquin: Clindamycin Phosphat Labatec 600–900 mg i.v. alle 6 h oder 900 mg i.v. alle 8 h oder Clindamycin Kapseln 300-450 mg p.o. alle 6 h über 21 Tage.

Primaquin: 15-30 mg p.o. einmal täglich über 21 Tage.

Toxoplasmose-Enzephalitis bei Patienten mit AIDS:

Kombinationstherapie Clindamycin mit Pyrimethamin: Clindamycin 600–1200 mg 4mal täglich oral (oder i.v.) zwei Wochen lang, dann 300–600 mg 4mal täglich.

Pyrimethamin: 25–75 mg 1mal täglich. Bei höherer Dosierung von Pyrimethamin sollte 10–20 mg Folsäure täglich zusätzlich eingenommen werden. Die Dauer der Therapie sollte insgesamt 8–10 Wochen betragen.

Spezielle Dosierungsempfehlungen

Kinder im Alter unter 1 Monat

Für Säuglinge im ersten Lebensmonat liegen keine ausreichenden Daten vor. Eine Anwendung von Clindamycin in dieser Altersgruppe wird daher nicht empfohlen.

Ältere Patienten

Eine Dosisanpassung in Abhängigkeit vom Alter ist vermutlich nicht erforderlich.

Eingeschränkte Nierenfunktion

Bei schwerer Niereninsuffizienz ist die Halbwertszeit von Clindamycin verlängert. Bei diesen Patienten sollen während einer hochdosierten Therapie die Clindamycin-Spiegel überwacht werden.

Bei leichter bis mässiger Niereninsuffizienz ist keine Dosisanpassung erforderlich.

Eingeschränkte Leberfunktion

Bei schwerer Leberinsuffizienz (Child Pugh C) ist die Halbwertszeit von Clindamycin verlängert. Bei diesen Patienten sollen während einer hochdosierten Therapie die Clindamycin-Spiegel überwacht werden.

Bei leichter bis mässiger Leberinsuffizienz (Child Pugh A und B) ist keine Dosisanpassung erforderlich.

Kontraindikationen

Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Clindamycin oder Lincomycin.

Clindamycin Phosphat Labatec Injektionslösung darf bei Früh- und Neugeborenen nicht verabreicht werden, da das Präparat das Konservierungsmittel Benzylalkohol enthält (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Clindamycinphosphat sollte intravenös nicht unverdünnt als Bolus injiziert, sondern über mindestens 10-60 min infundiert werden, wie im Abschnitt «Dosierung/Anwendung» beschrieben.

Clindamycin Phosphat Labatec sollte in der Behandlung der Meningitis nicht eingesetzt werden, da Clindamycin nicht in genügenden Mengen in die Zerebrospinalflüssigkeit diffundiert.

Wie bei nahezu allen antibakteriellen Wirkstoffen wurde auch unter Behandlung mit Clindamycin über das Auftreten einer pseudomembranösen Kolitis berichtet, welche auf Toxine von Clostridium difficile zurückgeführt wird. Die Behandlung mit antibakteriellen Wirkstoffen verändert die normale Dickdarmflora, was zum Überwuchern durch C. difficile führt.

Das klinische Spektrum der Clostridium-difficile-assoziierten Diarrhoe (CDAD) reicht von einer leichten wässrigen Diarrhoe bis hin zu schweren, potentiell letal verlaufenden Fällen mit persistierender Diarrhoe (gelegentlich mit Blut- und Schleimabgängen einhergehend), schweren Bauchkrämpfen, Fieber und Leukozytose. Als Komplikationen können Peritonitis, toxisches Megakolon und Schock auftreten. Bei älteren Patienten sowie bei Patienten mit reduziertem Allgemeinzustand muss mit einem schwereren Verlauf gerechnet werden.

Die Diagnose einer CDAD wird gewöhnlich anhand der klinischen Symptome gestellt. Sie kann durch endoskopischen Nachweis einer pseudomembranösen Kolitis und/oder durch den Nachweis von C. difficile in Stuhlkulturen auf selektiven Nährmedien bzw. den Nachweis von C.-difficile-Toxin(en) gesichert werden.

Tritt während der Behandlung mit Clindamycin eine persistierende Diarrhoe auf, muss das Präparat abgesetzt und eine geeignete Therapie eingeleitet werden. Ausser bei sehr leichtem Verlauf wird bei allen durch Antibiotika-Gebrauch ausgelösten Fällen eine Antibiotika-Behandlung empfohlen; geeignet ist eine Behandlung mit Metronidazol oder Vancomycin: Bei leichten/mittelschweren Fällen wird eine Initialbehandlung mit Metronidazol per os empfohlen. Bei Patienten mit schwerer C. difficile Infektion erfolgt die Behandlung geeigneter Weise mit Vancomycin (125 mg, 4× täglich während 10 Tagen, was auf 500 mg, 4× täglich erhöht werden kann). Im Falle einer schweren CDAD ist zudem eine adäquate Flüssigkeits-, Elektrolyt- und Proteinsubstitution erforderlich. Die Vancomycin-Therapie führt im Allgemeinen zu einem raschen Verschwinden des Toxins aus den Stuhlproben und klinisch zu einem Nachlassen der Diarrhoe. In seltenen Fällen kam es nach Absetzen von Vancomycin zu einem Rezidiv der Kolitis.

C. difficile produziert die Toxine A und B, die zur Entstehung der CDAD beitragen. Hypertoxin produzierende Stämme von C. difficile bedingen eine erhöhte Morbidität und Mortalität, da diese Infektionen gegenüber der antimikrobiellen Therapie resistent sein können, was eine Kolektomie erforderlich machen kann.

Bei allen Patienten ist auch bei Auftreten einer Diarrhoe nach antibiotischer Behandlung eine CDAD in Betracht zu ziehen; CDAD-Fälle wurden noch mehr als zwei Monate nach einer Antibiotika-Therapie beschrieben.

Arzneimittel, die zu einer Hemmung der Darmperistaltik führen (z.B. Loperamid), sind bei Verdacht auf CDAD (d.h. bei jeder schweren Diarrhoe unter/nach Antibiotikatherapie) kontraindiziert.

Bei Vorliegen einer der folgenden Erkrankungen bzw. Risikosituationen sollte Clindamycin Phosphat Labatec mit Vorsicht angewendet werden: Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes (insbesondere Kolitis), auch in der Anamnese; vorbestehende schwere Nieren- oder Lebererkrankungen; Störungen der neuromuskulären Übertragung (z.B. Myasthenia gravis, Parkinson-Syndrom); atopische Diathese; Asthma bronchiale.

Bei einer Therapiedauer von mehr als 10 Tagen sollten das Blutbild sowie die Leber- und Nierenfunktion überwacht werden.

Die Anwendung von Antibiotika kann zu übermässigem Wachstum unempfindlicher Keime und/oder Pilze führen. Beim Auftreten einer solchen Super-Infektion muss sofort eine spezifische Therapie eingeleitet werden.

Nach intramuskulärer Applikation von Clindamycin Phosphat Labatec wurde über Irritationen an der Injektionsstelle berichtet. Diese Reaktionen lassen sich durch tiefe intramuskuläre Injektionen minimieren.

Clindamycin Phosphat Labatec Injektionslösung enthält als Konservierungsmittel Benzylalkohol. Benzylalkohol wurde bei Frühgeborenen sowie bei Neugeborenen mit niedrigem Geburtsgewicht mit einer fatalen toxischen Reaktion (Gasping Syndrom) in Zusammenhang gebracht.

Toxische Reaktionen können auch bei Säuglingen und Kindern unter 3 Jahren auftreten. Das Toxizitätsrisiko hängt dabei von der verabreichten Menge und von der Entgiftungskapazität der Leber ab. Ab welcher kleinsten Menge Benzylalkohol die Toxizität einsetzt, ist jedoch nicht bekannt. Bei der Anwendung benzylalkoholhaltiger Arzneimittel sollte die Summe der täglichen Menge Benzylalkohol aus allen Quellen berücksichtigt werden.

Darüber hinaus kann Benzylalkohol Überempfindlichkeitsreaktionen bis hin zu anaphylaktischen Reaktionen verursachen.

Interaktionen

Pharmakokinetische Interaktionen

Clindamycin wird vorwiegend über CYP3A4 und – in geringerem Ausmass – über CYP3A5 zum Hauptmetaboliten Clindamycin-Sulfoxid und dem Nebenmetaboliten Demethylclindamycin metabolisiert. Dementsprechend kann die Clindamycin-Clearance durch Inhibitoren von CYP3A4 und CYP3A5 vermindert bzw. durch Induktoren dieser Isoenzyme beschleunigt werden.

Gemäss in-vitro Studien inhibiert Clindamycin CYP1A2, CYP2C9, CYP2C19, CYP2E1 und CYP2D6 nicht und CYP3A4 nur in geringem Ausmass. Klinisch relevante Interaktionen von Clindamycin mit gleichzeitig verabreichten Wirkstoffen, welche über diese CYP Isoenzyme metabolisiert werden, sind daher unwahrscheinlich.

Pharmakodynamische Interaktionen

Clindamycin besitzt neuromuskuläre Hemmeigenschaften, die die Wirkung anderer neuromuskulärer Hemmstoffe möglicherweise verstärken. Bei Patienten, die mit solchen Mitteln behandelt werden, ist Clindamycin daher mit Vorsicht anzuwenden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Es liegen keine adäquaten, kontrollierten Studien an Schwangeren im ersten Schwangerschaftstrimenon vor. Die Befunde klinischer Studien, in welchen Schwangere im zweiten und/oder dritten Trimenon mit Clindamycin behandelt wurden, lieferten keine Hinweise auf eine Schädigung des Foeten.

Clindamycin ist beim Menschen plazentagängig; nach multiplen Dosen betrug die Konzentration im Fruchtwasser ca. 30% der Konzentration im Blut der Mutter.

Der in Clindamycin Phosphat Labatec als Konservans enthaltene Hilfsstoff Benzylalkohol ist ebenfalls plazentagängig, s. «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen».

Bei der Anwendung von Clindamycin Phosphat Labatec während der Schwangerschaft ist Vorsicht geboten. Clindamycin soll während der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn dies eindeutig erforderlich ist.

Stillzeit

Clindamycin tritt in die Muttermilch über und erreicht dort Konzentrationen von 0.7-3.8 µg/ml. Das Auftreten schwerer unerwünschter Wirkungen beim gestillten Kind ist nicht auszuschliessen. Die Anwendung von Clindamycin Phosphat Labatec während der Stillzeit wird daher nicht empfohlen.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es wurden keine entsprechenden Studien durchgeführt. Unter der Anwendung von Clindamycin wurde jedoch über unerwünschte Wirkungen wie Schwindel und Schläfrigkeit berichtet, welche Konzentrationsvermögen und Reaktionszeit beeinflussen und dadurch die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen können.

Unerwünschte Wirkungen

Nachfolgend sind die unerwünschten Wirkungen nach Organsystem und Häufigkeit angegeben, welche in klinischen Studien und/oder während der Marktüberwachung unter der Anwendung von Clindamycin Phosphat beobachtet wurden.

Definition der Häufigkeitskategorien: häufig ≥1/100 und <1/10, gelegentlich ≥1/1000 und <1/100, selten ≥1/10'000 und <1/1000, nicht bekannt: Häufigkeit kann nicht genau angegeben werden, da auf Spontanmeldungen aus der Post-Marketing-Surveillance beruhend.

Blut und Lymphsystem

Gelegentlich: Eosinophilie.

Selten: Agranulozytose (nur während der Marktüberwachung gemeldet), Leukopenie, Thrombopenie, Neutropenie.

Immunsystem

Selten: Angioödem, Arzneimittelfieber.

Nicht bekannt: anaphylaktoide Reaktionen, DRESS-Syndrom (drug rash with eosinophilia and systemic symptoms).

Nervensystem

Gelegentlich: Dysgeusie.

Nicht bekannt: Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit.

Herz-Kreislaufsystem

Gelegentlich: Hypotonie (v.a. bei parenteraler Applikation), Herz-/Atemstillstand (nach (zu) schneller intravenöser Applikation).

Gastrointestinale Störungen

Häufig: Diarrhoe, Bauchschmerzen, pseudomembranöse Kolitis.

Gelegentlich: Übelkeit, Erbrechen (v.a. unter oraler Anwendung).

Nicht bekannt: Oesophagitis und Oesophagus-Ulzera (v.a. bei oraler Anwendung beobachtet).

Leber und Galle

Häufig: Anomalien der Leberfunktionstests (Bilirubin, AST, alkalische Phosphatase).

Sehr selten: Hepatitis.

Nicht bekannt: Ikterus (einschliesslich cholestatischem Ikterus).

Haut

Häufig: makulopapulöses Exanthem, morbilliformes Exanthem (nur während der Marktüberwachung gemeldet).

Gelegentlich: Urtikaria (häufiger unter parenteraler als unter oraler Gabe).

Selten: Pruritus, Erythema multiforme, exfoliative Dermatitis, vesikulobullöse Dermatitis, Stevens-Johnson-Syndrom, Toxische epidermale Nekrolyse (Lyell-Syndrom) (nur während der Marktüberwachung gemeldet).

Nicht bekannt: Akute Generalisierte Exanthematische Pustulose (AGEP).

Muskelskelettsystem

Sehr selten: Polyarthritis.

Reproduktionssystem und Brust

Selten: Vaginitis.

Allgemeine Störungen und Reaktionen an der Applikationsstelle

Häufig: Schmerzen an der Injektionsstelle, Thrombophlebitiden an der Injektionsstelle, Abszess an der Injektionsstelle.

Nicht bekannt: Irritationen an der Injektionsstelle.

Überdosierung

Im Falle einer Überdosierung ist mit einem vermehrten bzw. verstärkten Auftreten der oben beschriebenen unerwünschten Wirkungen zu rechnen. Hämodialyse und Peritonealdialyse sind ineffektiv bei der Elimination von Clindamycin aus dem Serum. Ggf. sind supportive Massnahmen zu ergreifen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: J01FF01

Wirkmechanismus

Der Wirkstoff von Clindamycin Phosphat Labatec ist Clindamycin (7-Chlor-7-desoxy-lincomycin), ein Derivat des aus Streptomyces lincolnensis gewonnenen Lincomycins.

Clindamycin bindet sich an die 50S-Untereinheit bakterieller Ribosomen und hemmt dadurch die Proteinsynthese. Die Wirkung ist primär bakteriostatisch, kann je nach Konzentration und Empfindlichkeit des Erregers aber auch bakterizid sein.

Die Phosphat- und Palmitatester sind in-vitro nicht aktiv. In-vivo werden sie schnell in die aktive Base Clindamycin hydrolysiert.

Das in-vitro Wirkungsspektrum von Clindamycin umfasst grampositive aerobe sowie grampositive und gramnegative anaerobe Mikroorganismen sowie bestimmte Stämme von Chlamydia trachomatis. Gramnegative Aerobier sind im Allgemeinen nicht empfindlich gegenüber Clindamycin.

Üblicherweise empfindliche KeimeMHK90-Bereich(µg/ml)
Actinomyces sp.0,5-2
Actinomyces israelii0,12
Bacillus cereus1
Bacillus sp.4
Bacteroides sp.0,02-2
Bacteroides fragilis≤0,20-4
Bifidobacterium eriksonii0,03-0,1
Clostridium botulinum4
Clostridium novyi2
Corynebacterium diphteriae0,1
Eubacterium sp.0,4-2
Erysopetolthrix rhusipathiae0,006-0,012
Eubacterium alactolyticum0,1
Eubacterium lentum0,1-0,8
Gardnerella vaginalis0,06-0,39
Lactobacillus sp.≤0,24–≥4,4
Mobiluncus mulieris0,06
Mobiluncus curtisii0,12
Peptococcus0,1-6,2
Polyphyromonas spp.≤0,06–0,5
Peptostreptococcus spp.0,12-4
Prevotella bivia≤0,03–≤0,126
Prevotella didiens≤0,03–0,25
Prevotella m.≤0,03–2

Propionibacterium acnes

0,1–0,25

Staphylococcus aureus (methicillin-empfindliche)0,12–2
Streptococcus pyogenes (Gruppe B)≤0,12–0,25
Streptococcus agalactiae (Gruppe B)≤0,06–0,50
Streptococcus sp. (Gruppe C)≤0,12–0,5
Streptococcus (Gruppe D, nicht Enterococcus)≤0,01–0,09
Streptococcus sp. (Gruppe G)0,06–0,50
Streptococcus pneumoniae0,03–0,25
Veillonella0,03–0,25

Spezies, bei denen erworbene Resistenzen ein Problem bei der Anwendung darstellen können

MHK90-Bereich(µg/ml)

Campylobacter fetus1-1,6
Campylobacter jejunii0,39-8
Clostridium perfringens0,25-8
Clostridium ramosum4-12,5
Flavobacterium sp.0,5-8
Fusobacterium spp.≤0,1–≥16
Haemophilus sp.0,2–50
Legionella pneumophilia<4,0–16
Neisseria gonorrhoeae beta-lactamase-positiv2-16
Nocardia sp.0,8-25
Staphylococcus epidermidis<0,2–≥50
Yersinia enterocolitica4,0
Von Natur aus resistente KeimeMHK90-Bereich(µg/ml)
Acinobacter calcoaceticus25-400
Actinobac. actinomycetem>64
Clostridium difficile4-256
Citrobacter sp.>6,2
Eikenella corodens32->128
Enterobacter sp.100–≥400
Escherichia coli6,2
Haemophilus influenzae0,39–12,5
Klebsiella pneumoniae50–>400
Listeria1-8
Moraxella sp.100–≥200
Mycoplasma pneumoniae4
Neisseria meningitidis8-46
Neisseria gonorrhoeae beta-lactamase-negativ4-8
Proteus sp.50->200
Proteus mirabilis>6,2
Providencia sp.>6,2
Providencia stuartii>400
Pseudomonas aeruginosa>400
Serratia sp.>6,2
Streptococcus faecalis (Enterococcus)0,4–≥100
Ureaplasma urealyticum6,2–50
Vibrio alginolyticus8–32
Vibrio parahemolyticus8–32

Bei durch mässig empfindliche Keime verursachten Infektionen ist die Durchführung eines Empfindlichkeitstests zu empfehlen, um eine eventuelle Resistenz ausschliessen zu können. Die Empfindlichkeit auf Clindamycin kann anhand von standardisierten Verfahren, wie sie beispielsweise vom Clinical and Laboratory Standards Institute CLSI empfohlen werden, mit Disk- oder Verdünnungstests bestimmt werden. Dabei werden vom CLSI die folgenden Parameter als Empfindlichkeitskriterien empfohlen:

Disktest (2 µg)Verdünnungstest
Durchmesser(mm)MHK90 (µg/ml)
sensibel>21<0,5
intermediär15-201-2
resistent<14>4-8

Laborresultate im Dilutionstest oder im standardisierten Disk-Diffusionstest sollten nach folgenden Kriterien interpretiert werden: Mässig empfindliche Keime sind empfindlich bei hoher Dosierung oder wenn die Infektion auf Gewebe und Flüssigkeiten begrenzt ist, in denen hohe Antibiotikaspiegel erreicht werden.

Literaturberichten zufolge hat Clindamycin im Rahmen einer Kombinationstherapie auch eine therapeutische Wirkung bei Infektionen durch manche nicht-bakteriellen Erreger. Zumeist sehr kleine, nicht nach heutigem Standard durchgeführte Studien deuten auf eine gewisse Wirksamkeit gegenüber Toxoplasma gondii (Erreger der Toxoplasmose Enzephalitis, nur in Kombination mit Pyrimethamin) und Pneumocystis carinii (Pneumonieerreger, nur in Kombination mit Primaquin) hin.

In-vitro erwiesen sich darüber hinaus folgende Erreger als sensibel gegenüber Clindamycin: Bordetella melaninogenicus und Mycoplasma hominis.

Die Resistenzentwicklung gegenüber Clindamycin kann natürlich oder erworben sein.

Zwischen Clindamycin und Lincomycin besteht Kreuzresistenz.

Zwischen Clindamycin, Makrolid-Antibiotika, Linezolid und Chloramphenicol wurde ein Antagonismus nachgewiesen.

In-vitro wurde ein Antagonismus zwischen Clindamycin und Erythromycin gezeigt. Da dies möglicherweise von klinischer Bedeutung ist, sollten die beiden Arzneimittel nicht gleichzeitig angewendet werden. In-vitro wurde darüber hinaus eine verminderte Wirksamkeit von Aminoglycosiden beobachtet, wenn sie zusammen mit Clindamycin verabreicht wurden. Dies konnte jedoch in-vivo nicht bestätigt werden.

Pharmakokinetik

Nach intravenöser Infusion von 300 mg über 10 min bzw. 600 mg über 20 min werden am Ende der Infusion maximale Serumspiegel von 7 µg/ml bzw. 10 µg/ml erreicht. Tabelle 1 zeigt die durchschnittlichen Serumspitzenkonzentrationen nach Gabe von Clindamycinphosphat. Nach Verabreichung von Clindamycinphosphat alle 8-12 h bei Erwachsenen und alle 6-8 h bei Kindern oder mit i.v. Dauerinfusion können die Clindamycin-Serumspiegel über der in-vitro minimalen Hemmkonzentration für die meisten empfindlichen Mikroorganismen gehalten werden. Der Steady State wird nach der dritten Dosis erreicht.

Tabelle 1: Durchschnittliche Maximaltiter im Steady State bei der parenteralen Behandlung mit Clindamycinphosphat

DosisClindamycin(µg/ml)Clindamycinphosphat(µg/ml)
300 mg i.v. über 10 min alle 8 h715
600 mg i.v. über 20 min alle 8 h1023
900 mg i.v. über 30 min alle 12 h1129
1200 mg i.v. über 45 min alle 12 h1449
300 mg i.m. alle 8 h63
600 mg i.m. alle 12 h93

Nach intramuskulärer Verabreichung von 600 mg Clindamycinphosphat werden 1 bis 3 h nach Applikation maximale Serumspiegel von 9 µg/ml erreicht.

Distribution

Clindamycin bindet primär an das saure Alpha-1-Glycoprotein, die Proteinbindung ist konzentrationsabhängig und liegt im therapeutischen Bereich bei 60 bis 94%. Clindamycin dringt leicht in die meisten Körperflüssigkeiten und -gewebe ein. Das Verteilungsvolumen VdSS beträgt 43-74 l. Im Knochengewebe werden ca. 40% (20-75%) der Serumkonzentration erreicht, in der Muttermilch 50-100%, in der Synovialflüssigkeit 50%, im Sputum 30-75%, in der Peritonealflüssigkeit 50-90%. Clindamycin passiert jedoch die Blut-Liquor-Schranke nicht, auch nicht im Fall einer Meningitis.

Clindamycin passiert die Placentaschranke und tritt in die Muttermilch über.

Metabolismus

Clindamycin wird relativ extensiv durch die Leber zu Abbauprodukten mit unterschiedlicher antibakterieller Wirksamkeit, wie N-Dimethyl-clindamycin (pharmakologisch aktiver als Clindamycin) und Clindamycinsulfoxid (weniger aktiv als Clindamycin) metabolisiert.

Elimination

Die Ausscheidung erfolgt hauptsächlich in Form inaktiver Metaboliten über Galle und Faeces (Q0 = 0.9). Nur ca. ein Viertel der applizierten Dosis wird in Form der Muttersubstanz bzw. pharmakologisch aktiver Metaboliten ausgeschieden (10-20% mit dem Urin, 4% über die Faeces). Die Eliminationshalbwertszeit beträgt 1.5-3.5 h.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Kinder/Jugendliche:

Bei parenteraler Behandlung pädiatrischer Patienten wurden nach der ersten Dosis folgende durchschnittliche Maximalkonzentrationen bestimmt:

DosisClindamycin(µg/ml)
5-7 mg/kg i.v. über 1 h10
3-6 mg/kg i.m.4
5-7 mg/kg i.m.8

Ältere Patienten:

Die Pharmakokinetik von Clindamycin wurde bei Patienten ≥65 Jahre nicht spezifisch untersucht.

Niereninsuffizienz:

Bei Patienten mit stark eingeschränkter Nierenfunktion ist die Halbwertszeit von Clindamycin verlängert. Bei Patienten mit leichter oder mässiger Niereninsuffizienz wurde die Pharmakokinetik von Clindamycin nicht untersucht.

Clindamycin ist nicht dialysierbar.

Leberinsuffizienz:

Bei Patienten mit stark eingeschränkter Leberfunktion ist die Halbwertszeit verlängert. Bei Patienten mit leichter oder mässiger Leberinsuffizienz wurde die Pharmakokinetik von Clindamycin nicht untersucht.

Präklinische Daten

Karzinogenität, Mutagenität

Tierexperimentelle Langzeitstudien zur Evaluation des karzinogenen Potentials wurden mit Clindamycin nicht durchgeführt. Die durchgeführten Tests zur Genotoxizität beinhalteten einen Micronukleus-Test bei Ratten und einen Ames-Test mit Salmonella. Beide Tests waren negativ.

Fertilitätsstörungen

Fertilitätsuntersuchungen bei Ratten unter oraler Behandlung mit Dosierungen bis zu 300 mg/kg/Tag (entsprechend ungefähr 1.1mal der höchsten für erwachsene Patienten empfohlenen Dosis, basierend auf mg/m2) zeigten keine Effekte auf Fertilität oder Paarungsbereitschaft.

Reproduktionstoxizität

In embryo-foetalen Entwicklungsstudien mit oral angewandtem Clindamycin an Ratten bzw. mit subkutan appliziertem Clindamycin an Ratten und Kaninchen, konnte – ausser in Dosen, welche eine maternale Toxizität bedingten – keine Entwicklungstoxizität festgestellt werden. Die Sicherheitsabstände zu klinischen Expositionen waren jedoch sehr gering.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten (parenterale Applikation) Clindamycin Phosphat Labatec Injektionslösung:

Folgende Arzneimittel sind chemisch mit Clindamycinphosphat inkompatibel: Ampicillin, Phenytoin-Natrium, Barbiturate, Aminophyllin, Kalziumglukonat und Magnesiumsulfat.

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Clindamycin Phosphat Labatec Injektionslösung ist während mindestens 24 Stunden bei Raumtemperatur (15-25 °C) aufbewahrt in folgenden Mischungen physikalisch-chemisch kompatibel:

5% Glukose-Lösung und 0.9% NaCl-Lösung, die folgende Antibiotika in gebräuchlichen therapeutischen Konzentrationen enthalten: Amikacin, Aztreonam, Cefamandolnafat, Cefazolin, Ceftazidim, Gentamicin, Penicillin, Piperacillin und Tobramycin.

Eine Lösung von 12 mg/ml Clindamycin ist in 5% Glukose, 0,9% NaCl oder Ringer Lactat Lösung bei Raumtemperatur (15–25 °C) während 48 Stunden stabil.

Besondere Lagerungshinweise

Das Arzneimittel in der Originalpackung, bei Raumtemperatur (15–25 °C) und ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Zulassungsnummer

60377 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Labatec Pharma SA, 1217 Meyrin (Genève).

Stand der Information

Januar 2014.

Verwendung dieser Informationen

Die Informationen auf dieser Seite sind für Fachpersonal gedacht. Bei Fragen lassen Sie sich von einer Fachperson (z.B. Arzt oder Apotheker) beraten.