Vivotif Berna Kaps 3 Stk

Vivotif Berna Kaps 3 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Vivotif enthält Lebendkeime von Salmonella enterica serovar Typhi (Abk. S. typhi) des abgeschwächten Stammes Ty21a.

Hilfsstoffe: Jede Dosis enthält ausserdem: inaktivierte S. typhi Ty21a, Saccharose, Laktose, Ascorbinsäure, Hy-Case-SF, Magnesiumstearat.

Kapsel: Titandioxid (E171), Erythrosin rot Nr. 3 (E127), Eisenoxid gelb (E172), Eisenoxid rot (E172), Gelatine.

Kapsel-Beschichtung: Hydroxypropylmethylcellulosephthalat, Diethylphthalat, Dibutylphthalat, Ethylenglykol.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Magensaftresistente Kapseln.

Eine Dosis Vivotif enthält mindestens 2 x 10E9 Lebendkeime des S. typhi-Stammes Ty21a in lyophilisierter Form.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Orale, aktive Immunisierung gegen Typhus abdominalis (Erreger: Salmonella enterica serovar Typhi).

Vivotif wird empfohlen für Erwachsene sowie Kinder, die das fünfte Lebensjahr vollendet haben (nach dem fünften Geburtstag).

Vivotif sollte gemäss den offiziellen Impfempfehlungen für Auslandreisen angewendet werden.

Dosierung/Anwendung

Impfung

An den Tagen 1, 3 und 5 nimmt man je eine Kapsel Vivotif mindestens eine Stunde vor dem Essen mit kaltem oder lauwarmem Wasser ein (die Temperatur darf die Körpertemperatur, d.h. 37° C, nicht übersteigen).

Eine vollständige Impfung besteht aus der Einnahme von drei Kapseln, wie oben beschrieben. Wird nicht das ganze Impfschema eingehalten, ist die optimale Immunantwort nicht gewährleistet. Die Schutzwirkung beginnt etwa zehn Tage nach Einnahme der letzten Dosis des Impfstoffs.

Wiederimpfung

Das optimale Schema für die Wiederimpfung mit Vivotif wurde nicht untersucht. Personen, die in Endemiegebieten leben, wird eine Wiederimpfung alle drei Jahre empfohlen. Im Falle von Reisen aus einem nicht endemischen in ein endemisches Gebiet ist die Wiederimpfung nach jeweils einem Jahr ratsam. Die Wiederimpfung besteht, wie die Erstimpfung, in der Einnahme von drei Kapseln an den Tagen 1, 3 und 5.

Kontraindikationen

Allergische Reaktion nach früherer Einnahme des Präparats.

Hypersensibilität auf den Impfstoff oder einen der Hilfsstoffe.

Angeborene oder erworbene Immundefizienz.

Gleichzeitige Behandlung mit immunsuppressiven Medikamenten.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Reisende sollten alle notwendigen Massnahmen treffen, um den Kontakt mit oder die Einnahme von Nahrung oder Wasser zu vermeiden, die möglicherweise mit S. typhi kontaminiert sind.

Während akuter fieberhafter oder gastrointestinaler Erkrankungen sowie während und bis zu drei Tagen nach einer Antibiotika-Behandlung sollte Vivotif wegen möglicher Wachstumshemmung der Impfkeime nicht eingenommen werden.

Kombination mit Malaria-Prophylaxe

Ist eine Malaria-Prophylaxe vorgesehen, so sollte im Allgemeinen zwischen der letzten Dosis von Vivotif und dem Beginn der Malaria-Prophylaxe ein Intervall von mindestens drei Tagen eingehalten werden.

In einer klinischen Studie wurde allerdings durch die Gabe von Chloroquin oder Pyrimethamin/Sulfadoxin vor der Einnahme von Vivotif die Immunantwort auf die Impfung nicht beeinträchtigt.

Ebenfalls in einer klinischen Studie, aber mit der flüssigen Formulierung von Vivotif (Vivotif L, nicht im Handel), wurde durch die vorgängige Gabe von Chloroquin, Mefloquin oder dem Kombinationspräparat Atovaquone/Proguanil die Immunantwort auf S. typhi nicht beeinträchtigt.

Wurde bereits eine Prophylaxe mit anderen Antimalaria-Mitteln als Chloroquin, Mefloquin und den Kombinationspräparaten Pyrimethamin/Sulfadoxin oder Atovaquone/Proguanil begonnen, so sollte das Antimalaria-Mittel drei Tage vor der Einnahme des Impfstammes S. typhi Ty21a abgesetzt werden.

Interaktionen

Eine Suppression der Immunantwort auf die Impfung bei gleichzeitiger Verwendung mit Sulfonamiden oder Antibiotika ist möglich.

Parenterale Impfstoffe (beispielsweise gegen Gelbfieber, Masern, Mumps, Röteln, Windpocken) können gleichzeitig verabreicht werden.

Ist eine Malaria-Prophylaxe vorgesehen, so sollte im Allgemeinen zwischen der letzten Dosis von Vivotif und dem Beginn der Malaria-Prophylaxe ein Intervall von mindestens 3 Tagen eingehalten werden (siehe auch "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen“).

Schwangerschaft/Stillzeit

Tierexperimentelle Untersuchungen zum Hilfsstoff Dibutylphthalat haben in höheren Dosisbereichen eine Beeinträchtigung der Entwicklung der Reproduktionsorgane gezeigt, und es liegen keine klinischen Studien zur Einnahme von Vivotif während der Schwangerschaft vor. Der Impfstoff sollte deshalb während der Schwangerschaft nur eingenommen werden, falls dies absolut notwendig ist.

Stillzeit: Es ist nicht bekannt, ob der enthaltene Hilfsstoff Dibutylphthalat in die Muttermilch übertritt. Der Impfstoff sollte deshalb während der Stillzeit nicht angewendet werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es bestehen keine Einschränkungen.

Unerwünschte Wirkungen

Über 1.4 Millionen Kapseln Vivotif wurden in kontrollierten Studien verabreicht.

In klinischen Studien sind folgende unerwünschte Wirkungen gemeldet worden:

Nervensystem

Häufig (>1/100, <1/10): Kopfschmerzen.

Gastrointestinale Störungen

Häufig (>1/100, <1/10): Abdominalschmerzen, Nausea, Diarrhöe, Erbrechen.

Haut

Häufig (>1/100, <1/10): Hautausschlag.

Allgemeine Störungen

Häufig (>1/100, <1/10): Fieber.

Diese gemeldeten Symptome klangen spontan innerhalb von wenigen Tagen ab. Es wurden keine schwerwiegenden unerwünschten systemischen Reaktionen gemeldet.

Erfahrungen aus der Postmarketing Beobachtung bestätigen, dass unerwünschte Wirkungen selten sind:

Zwischen 1991 und 2004 wurden über 122 Millionen Kapseln Vivotif verkauft, was ca. 40 Millionen Immunisierungen entspricht. In diesem Zeitraum wurden 3.6 Fälle von unerwünschten Wirkungen pro 100'000 Immunisierungen gemeldet. Es sind folgende unerwünschte Wirkungen spontan gemeldet worden:

Nervensystem

Kopfschmerzen .

Gastrointestinale Störungen

Abdominalschmerzen, Diarrhöe, Nausea, Erbrechen.

Haut

Hautreaktionen wie Dermatitis, Exanthem, Pruritis, Urticaria.

Allgemeine Störungen

Fieber.

In Einzelfällen wurden folgende Symptome gemeldet:

Nervensystem

Paraesthesien, Schwindel.

Muskelskelettsystem

Arthralgien, Myalgien.

Allgemeine Störungen

Asthenie, Malaise, Müdigkeit, Schüttelfrost.

In ganz seltenen Fällen wurde über allergische und anaphylaktische Reaktionen berichtet.

Überdosierung

Fünf bis acht Einzeldosen von Vivotif mit 3-10 x 1010 Keimen wurden 155 gesunden männlichen Erwachsenen verabreicht. Diese Dosierung war mindestens fünfmal so hoch wie die zur Zeit empfohlene Dosis. Es wurden keine nennenswerten Reaktionen wie Erbrechen, akute Bauchschmerzen oder Fieber beobachtet. In der empfohlenen Dosierung wird der Impfstamm S. typhi Ty21a nicht im Stuhl ausgeschieden. Klinische Studien an Freiwilligen zeigten allerdings, dass bei Überdosis die Möglichkeit einer Ausscheidung von S. typhi Ty21a im Stuhl erhöht ist.

Einzelne Fälle von Überdosierungen wurden berichtet. Die in diesen Fällen berichteten Symptome entsprechen denjenigen bei vorgeschriebener Dosierung. Werden versehentlich alle drei Dosen gleichzeitig eingenommen, sind keine schwerwiegenden Folgen zu erwarten, jedoch ist in diesem Fall eine optimale Immunantwort nicht gewährleistet.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC Code: J07AP01

Virulente Stämme von S. typhi passieren nach der Einnahme die Säurebarriere des Magens, besiedeln den Darm, durchdringen die Darmwand und gelangen in den Lymph- und Blutstrom, was zu Krankheitssymptomen führt. Ein möglicher Mechanismus zur Vorbeugung der Krankheit besteht in der Stimulation einer lokalen Immunantwort im Darm. Eine derartige lokale Immunantwort kann durch Einnahme des lebenden attenuierten S. typhi Ty21a-Stamms induziert werden, was zu einer abortiven Infektion führt.

S. typhi kann nur Krankheitssymptome und eine protektive Immunantwort auslösen, wenn die Bakterien ein vollständiges Lipopolysaccharid besitzen. S. typhi exprimiert die O9- und O12-Lipopolysaccharide. Das O12-Lipopolysaccharid ist ebenfalls auf den Oberflächen von den verwandten S. enterica serovar Paratyphi A und B vorhanden. S. paratyphi C besitzt mit S. typhi keine gemeinsamen Lipopolysaccharide. Der Impfstamm S. typhi Ty21a kann wegen der vollständig fehlenden Aktivität des gal E-Gens nur noch in beschränktem Mass vollständige Lipopolysaccharide produzieren. Er synthetisiert jedoch, in Anwesenheit von niedrigen Galaktose-Konzentrationen, in ausreichender Menge Lipopolysaccharide, um eine protektive Immunantwort hervorzurufen. Immunologische Untersuchungen zeigten, dass der Impfstamm Ty21a lokal sowie systemisch eine humorale und zelluläre Immunität auslöst. Ein Überangebot an Galaktose führt vermutlich zur Anhäufung toxischer Metaboliten in der Bakterienzelle mit nachfolgender Lyse der Bakterien. Die Attenuierung und Sicherheit von Ty21a erklärt man mit der Kombination aus gal E-Mutation und Fehlen des Vi-Antigens; der Impfstamm bleibt somit lokal im Darm und kann nach der abortiven Vermehrung nach Einnahme der üblichen Dosis im Stuhl nicht mehr nachgewiesen werden. Der Attenuierungsmechanismus von Ty21a ist jedoch nicht vollständig bekannt.

Neben S. typhi verursachen die Serogruppen A, B, und C des verwandten S. paratyphi serovars dem Abdominaltyphus ähnliche Krankheitsbilder. S typhi ist epidemiologisch der häufigste Stamm, gefolgt, je nach Weltregion, von S. paratyphi A oder B. Der Erreger von Paratyphus C kommt viel seltener vor. Der Vivotif Impfstamm S. typhi Ty21a besitzt eine gemeinsame Oberflächenstruktur (O12) mit S. paratyphi A und B. Mit S. paratyphi C besteht keine Kreuzantigenität, so dass eine Schutzwirkung gegen S.paratyphi C nicht erwartet werden kann. Es gibt keine ausreichenden klinischen Studien zur Wirkung von Vivotif gegen Infektionen mit S. paratyphi A.  Publizierte Daten sprechen jedoch dafür, dass die Impfung mit Vivotif eine Teilschutzwirkung (ca. 45%) gegen Infektionen mit S. paratyphi B bewirkt.

In kontrollierten klinischen Feldversuchen wurde mit dem empfohlenen Impfschema eine Protektionsrate von 62-79% gegen Typhus abdominalis erzielt.

Pharmakokinetik

Für einen bakteriellen Impfstoff wie Vivotif können keine pharmakokinetischen Daten vorgelegt werden. Ty21a kann sich in Anwesenheit von niedrigen Galaktose-Konzentrationen kurzfristig vermehren und dadurch eine protektive Immunität induzieren. Der Impfstamm bleibt aber lokal im Darm und konnte nie systemisch nachgewiesen werden, vermutlich wegen der durch Galaktose induzierten Zelllyse. Die Impfkeime können auch nicht im Stuhl nach Einnahme der üblichen Dosis nachgewiesen werden.

Präklinische Daten

Mit Vivotif wurden keine Langzeitstudien am Tier durchgeführt, um mögliche kanzerogene oder mutagene Eigenschaften oder eine Beeinträchtigung der Fertilität zu beurteilen.

Der enthaltene Hilfsstoff Dibutylphthalat hat in tierexperimentellen Studien die Entwicklung der Reproduktion (unter anderem Effekte auf die Ausbildung des Hodens, Verminderung des Anogenitalabstandes als Anzeichen für eine Verweiblichung männlicher Nachkommen) und das Gewicht der Nachkommen beeinflusst. Die niedrigste Dosis, welche in relevanten Multigenerationsstudien in Ratten keine schädliche Wirkung gezeigt hat, lag bei 50mg/kg/Tag. Epidemiologische Untersuchungen lassen diese Befunde zur Zeit weder eindeutig bestätigen noch ausschliessen.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Keine bekannt.

Haltbarkeit

Jede Packung trägt ein Verfalldatum, nach dessen Ablauf das Präparat nicht mehr verwendet werden darf.

Besondere Lagerungshinweise

Vivotif muss bei einer Temperatur von +2 °C bis +8 °C (im Kühlschrank) und vor Licht geschützt aufbewahrt werden.

Hinweise für die Handhabung

Man vergewissere sich durch Sichtkontrolle, dass der Blister versiegelt und die Kapseln intakt sind.

Zulassungsnummer

46701 (Swissmedic)

Zulassungsinhaberin

Paxvax Berna GmbH, Köniz.

Domizil: Oberried Strasse 68, CH-3174 Thörishaus

Stand der Information

Oktober 2012

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