Intratect Inf Loes 10 G/100ml I.v. Durchstf 100 Ml

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Immunglobulin vom Menschen zur intravenösen Anwendung (IVIg).

Hilfsstoffe: Glycin, Wasser für Injektionszwecke.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Lösung zur intravenösen Infusion.

Intratect 5%

1 ml enthält 50 mg Plasmaproteine vom Menschen, davon mindestens 96% Immunglobulin G (5%ige Lösung). Die Verteilung der IgG-Subklassen ist ca. 57% IgG1, 37% IgG2, 3% IgG3 und 3% IgG4.

Der Höchstgehalt an Immunglobulin A (IgA) beträgt 0,9 mg/ml.

Intratect 10%

1 ml enthält 100 mg Plasmaproteine vom Menschen, davon mindestens 96% Immunglobulin G (10%ige Lösung). Die Verteilung der IgG-Subklassen ist ca. 57% IgG1, 37% IgG2, 3% IgG3 und 3% IgG4.

Der Höchstgehalt an Immunglobulin A (IgA) beträgt 1,8 mg/ml.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Substitutionstherapie bei

primären Immunmangelsyndromen wie:

  • kongenitale Agammaglobulinämie und Hypogammaglobulinämie,
  • allgemeine variable Immunmangelkrankheiten,
  • schwere kombinierte Immunmangelkrankheiten,
  • Wiskott-Aldrich-Syndrom.

Myelom oder chronisch-lymphatischer Leukämie mit schwerer sekundärer Hypogammaglobulinämie und rezidivierenden Infektionen.

Kindern mit angeborenem AIDS und rezidivierenden Infektionen.

Immunmodulation

Idiopathische thrombozytopenische Purpura (ITP) bei Kindern oder Erwachsenen mit einem hohen Blutungsrisiko oder vor chirurgischen Eingriffen zur Korrektur der Thrombozytenzahl.

Guillain-Barré-Syndrom.

Kawasaki-Syndrom.

Hypogammaglobulinämie bei Patienten nach allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation (HSCT).

Dosierung/Anwendung

Dosierung und Intervalle der Infusionen richten sich nach der Indikation. In der Substitutionstherapie sollte die Dosierung in Abhängigkeit von vorliegenden pharma­ko­kinetischen Parametern und der klinischen Reaktion individuell angepasst werden. Die folgenden Dosierungen werden als Richtlinie empfohlen:

Substitutionstherapie bei primären Immunmangelsyndromen

Mit Hilfe des Dosierungsschemas sollte ein IgG-Talspiegel von mindestens 4-6 g/l erreicht werden (IgG-Bestimmung vor der nächsten Infusion). Nach Beginn der Behandlung werden 3-6 Monate benötigt, bis eine Gleichgewichtskonzentration erreicht ist. Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 0,4-0,8 g pro kg Körpergewicht (KG), gefolgt von 0,2 g pro kg KG alle 3 Wochen.

Die benötigte Dosis zur Aufrechterhaltung eines IgG-Talspiegels von 6 g/l beträgt 0,2-0,8 g pro kg KG pro Monat. Nach Erreichen der Gleichgewichtskonzentration (steady state level) variiert das Dosierungsintervall von 2 bis 4 Wochen. Zur Ermittlung der erforderlichen Dosis sowie des Dosierungsintervalls sollte der IgG-Plasmaspiegel kontrolliert werden.

Substitutionstherapie bei Myelomen oder chronisch-lymphatischer Leukämie mit schwerer sekundärer Hypogammaglobulinämie und rezidivierenden Infektionen; Substitutionstherapie bei Kindern mit AIDS und rezidivierenden Infektionen

Die empfohlene Dosis beträgt 0,2-0,4 g pro kg KG alle 3 oder 4 Wochen.

Idiopathische thrombozytopenische Purpura (ITP)

Zur Behandlung einer akuten Episode können am ersten Tag 0,8-1 g pro kg KG verabreicht werden. Falls erforderlich, kann diese Dosis am 3. Tag wiederholt werden, oder es werden 0,4 g pro kg KG pro Tag an 2-5 aufeinanderfolgenden Tagen verabreicht. Falls klinisch angezeigt, kann die Behandlung wiederholt werden.

Guillain-Barré-Syndrom

0,4 g pro kg KG täglich über 5 Tage. Die Erfahrung bei Kindern ist begrenzt.

Kawasaki-Syndrom

1,6-2 g pro kg KG aufgeteilt in mehrere Dosen an 2-5 Tagen oder 2 g pro kg KG einmalig zusätzlich zur Therapie mit Acetylsalicylsäure.

Hypogammaglobulinämie bei Patienten nach allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation

Die empfohlene Dosis beträgt 0.2-0.4 g/kg alle 3 bis 4 Wochen. Die Talspiegel sollten über 5 g/l gehalten werden.

Die Dosierungsempfehlungen sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst:

Anwendungsgebiet

Dosis

Infusionsintervalle

Substitutionstherapie:

Substitutionstherapie bei primärem Immunmangelsyndrom

Anfangsdosis:0,4-0,8 g/kg KG

danach: 0,2-0,8 g/kg

alle 2-4 Wochen zur Erreichung des IgG-Plasmaspiegels von mindestens 4-6 g/l

Substitutionstherapie bei sekundärem Immunmangelsyndrom

KG 0,2-0,4 g/kg KG

alle 3-4 Wochen zur Erreichung des IgG-Plasmaspiegels von mindestens 4-6 g/l

Kinder mit AIDS

0,2-0,4 g/kg KG

alle 3-4 Wochen zur Erreichung des IgG-Plasmaspiegels von mindestens 4-6 g/l

Immunmodulation:

Idiopathische thrombo­zytopenische Purpura

0,8-1 g/kg KG

oder0,4 g/kg KG/Tag

am ersten Tag; falls erforderlich einmalige Wiederholungsgabe innerhalb von 3 Tagen

an 2-5 Tagen

Guillain-Barré-Syndrom

0,4 g/kg KG/Tag

an 5 Tagen

Kawasaki-Syndrom

1,6-2 g/kg KG

oder2 g/kg KG

aufgeteilt in mehrere Dosen an 2-5 Tagen zusätzlich zur Therapie mit Acetylsalicylsäure

einmalig zusätzlich zur Therapie mit Acetylsalicylsäure

Hypogammaglobulinämie (<4 g/l) bei Patienten nach allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation

0.2-0.4 g/kg KG

alle 3-4 Wochen zur Erreichung eines IgG-Talspiegels >5 g/l

KG = Körpergewicht.

Art und Dauer der Anwendung

Intratect 5%:

Intratect 5% wird intravenös mit einer Infusionsgeschwindigkeit von zunächst nicht mehr als 1,4 ml/kg KG/Std. über einen Zeitraum von 30 Minuten infundiert. Wird das Präparat gut vertragen, kann die Infusionsgeschwindigkeit allmählich auf maximal 1,9 ml/kg KG/Std. erhöht und so für den Rest der Infusion belassen werden.

Intratect 10%:

Intratect 10% wird intravenös mit einer Infusionsgeschwindigkeit von jeweils zunächst nicht mehr als 1,4 ml/kg KG/Std. über einen Zeitraum von 30 Minuten infundiert. Wird das Präparat gut vertragen, kann die Infusionsgeschwindigkeit schrittweise in 30-Minuten-Intervallen auf die individuell maximal tolerierte Dosis bis auf maximal 1.9 ml/kg KG/Std. erhöht und so für den Rest der Infusion belassen werden.

Bei Patienten mit primärem Immunmangelsyndrom (PID), die eine Infusionsrate von 1.9 ml/kg KG/Std. gut vertragen haben, kann die Infusionsrate schrittweise auf 6 ml/kg/Stunde und bei weiterhin guter Verträglichkeit anschliessend allmählich bis auf maximal 8 ml/kg KG/Std. erhöht werden.

Dosen und Infusionsgeschwindigkeiten müssen generell individuell an die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden (siehe Rubrik «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegen jegliche Bestandteile des Präparates.

Überempfindlichkeit gegen homologe Immunglobuline, insbesondere in den sehr seltenen Fällen von IgA-Mangel, wenn der Patient Antikörper gegen IgA aufweist.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Bestimmte schwere unerwünschte Wirkungen können im Zusammenhang mit der Infusionsgeschwindigkeit stehen. Da mit steigender Infusionsgeschwindigkeit eine Tendenz zur Zunahme unerwünschter Ereignisse besteht, muss die unter «Art und Dauer der Anwendung» empfohlene Infusionsgeschwindigkeit beachtet werden, und die Patienten müssen während der gesamten Dauer der Infusion kontrolliert und auf Symptome unerwünschter Wirkungen beobachtet werden.

Bestimmte unerwünschte Wirkungen können häufiger auftreten bei

  • einer hohen Infusionsgeschwindigkeit,
  • Patienten mit Hypo- oder Agammaglobulinämie mit oder ohne IgA-Mangel,
  • Patienten, die zum ersten Mal normales Immunglobulin vom Menschen erhalten oder, in seltenen Fällen, bei einem Wechsel des Immunglobulin-Präparates oder nach einer längeren Behandlungspause.

Überempfindlichkeit

Echte Überempfindlichkeitsreaktionen sind selten. Sie können bei Patienten mit IgA-Mangel mit Anti-IgA-Antikörpern auftreten.

IVIg darf nicht bei Patienten mit einem isolierten selektiven IgA-Mangel eingesetzt werden.

Selten kann es durch Immunglobulingabe zu Blutdruckabfall mit anaphylaktischen Reaktionen kommen, selbst bei Patienten, die bei früheren Immunglobulingaben keine Überempfindlichkeitsreaktionen gezeigt haben.

Mögliche Komplikationen können oftmals vermieden werden, wenn sichergestellt wird, dass

  • die Patienten nicht überempfindlich gegen Immunglobulin vom Menschen sind, indem das Produkt anfangs langsam (0,023 ml/kg KG/Min. bzw. 1,4 ml/kg KG/Std.) verabreicht wird.
  • die Patienten während der gesamten Dauer der Infusion sorgfältig überwacht und auf Symptome unerwünschter Wirkungen beobachtet werden. Insbesondere solche Patienten, die erstmals Immunglobulin vom Menschen erhalten, die bisher mit einem anderen Immunglobulin-Präparat behandelt wurden oder die eine längere Behandlungspause hatten, müssen während der gesamten Dauer der ersten Infusion sowie eine Stunde lang nach der ersten Infusion auf mögliche Nebenwirkungen beobachtet werden. Alle anderen Patienten sind mindestens 20 Minuten nach der Verabreichung zu beobachten.

Thromboembolie

Es gibt klinische Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der Verabreichung von intravenösen Immunglobulinen (IVIg) und thromboembolischen Ereignissen wie Myokardinfarkt, Schlaganfall, Lungenembolie und tiefen Venenthrombosen. Es wird angenommen, dass bei Risikopatienten die hohe Zufuhr von Immunglobulinen zu einer relativen Zunahme der Blutviskosität führt. Vorsicht ist angebracht bei der Verschreibung und Infusion von Immunglobulinen bei folgenden Personen: übergewichtige Patienten sowie Patienten mit vorbestehenden Risikofaktoren für thrombotische Ereignisse wie fortgeschrittenes Alter, Hypertonie, Diabetes mellitus, bekannter Gefässerkrankung oder thrombotischen Episoden, Patienten mit erworbenen oder ererbten thrombophilen Störungen, Patienten mit längerer körperlicher Immobilisation, Patienten mit schwerer Hypovolämie sowie Patienten mit Erkrankungen, welche die Viskosität des Blutes erhöhen.

IVIg-Präparate sollten bei Patienten, bei denen ein Risiko für thromboembolische Nebenwirkungen besteht, mit möglichst geringer Infusionsgeschwindigkeit und in möglichst niedriger Dosierung verabreicht werden.

Akutes Nierenversagen

Fälle von akutem Nierenversagen wurden bei Patienten beschrieben, die eine Therapie mit IVIg erhielten. In den meisten Fällen wurden Risikofaktoren erkannt, z.B. vorbestehende Niereninsuffizienz, Diabetes mellitus, Hypovolämie, Übergewicht, nephrotoxische Begleitmedikation oder Alter über 65 Jahre.

Im Falle einer Beeinträchtigung der Nierenfunktion sollte ein Absetzen des Immunglobulin-Präparates erwogen werden. Diese Berichte über Nierenfunktionsstörungen und akutes Nierenversagen wurden zwar mit der Anwendung vieler der zugelassenen IVIg-Präparate in Verbindung gebracht, jedoch war der Anteil der Präparate, die Saccharose als Stabilisator enthielten, unverhältnismässig gross. Bei Risikopatienten soll die Anwendung von saccharosefreien Immunglobulin-Präparaten erwogen werden. Intratect 5%/Intratect 10% enthält keine Saccharose.

IVIg-Präparate sollten bei Patienten, bei denen ein Risiko für akutes Nierenversagen besteht, mit möglichst geringer Infusionsgeschwindigkeit und in möglichst geringer Dosierung verabreicht werden.

Aseptisches Meningitis-Syndrom (AMS)

Fälle von aseptischer Meningitis (AMS) wurden in Zusammenhang mit der Behandlung mit IVIg berichtet. Der Abbruch der IVIg-Behandlung führten zu einer Remission der AMS innerhalb weniger Tage ohne Folgeschäden.

Das Syndrom tritt in der Regel innerhalb weniger Stunden bis 2 Tage nach Beginn der IVIg-Behandlung auf. Liquoruntersuchungen sind mit einer Pleozytose von bis zu mehreren Tausend Zellen mm3 überwiegend der granulozytären Reihe und erhöhten Proteinspiegeln bis zu mehreren Hundert mg/dl häufig positiv.

AMS kann bei einer hochdosierten IVIg-Behandlung (2 g/kg) häufiger auftreten.

Hämolytische Anämie

IVIg-Präparate können Blutgruppenantikörper enthalten, die als Hämolysine wirken und in vivo eine Beladung der Erythrozyten mit Immunglobulin bewirken können, wodurch eine positive direkte Antiglobulin-Reaktion (Coombs-Test) und selten eine Hämolyse hervorgerufen wird. Eine hämolytische Anämie kann sich infolge einer IVIg-Therapie aufgrund einer vermehrten Erythrozytensequestrierung entwickeln. Patienten mit IVIg-Behandlung sollten auf klinische Anzeichen und Symptome einer Hämolyse überwacht werden.

Die folgenden Risikofaktoren stehen im Zusammenhang mit der Entstehung einer Hämolyse:

  • hohe Dosen, verabreicht als einmalige Gabe oder in Teildosen über mehrere Tage gegeben;
  • Blutgruppe A, B oder AB;
  • gleichzeitig vorliegende entzündliche Grunderkrankung.

Da Hämolyse häufiger gemeldet wurde bei Patienten der Blutgruppe A, B oder AB, die zugleich hohe IVIg Dosen für nicht PID-Indikationen erhielten, wird in diesen Situationen eine erhöhte Aufmerksamkeit empfohlen. Über Hämolyse wurde in der Literatur nur selten bei PID-Patienten unter Substitutionstherapie berichtet.

Ein deutlich erhöhtes Risiko für eine klinisch relevante Hämolyse besteht für Patienten der Blutgruppen A, B oder AB, die kumuliert ≥(1-)2 g/kg IVIG mit einem hohen lsoagglutinintiter erhalten. Bei der Verwendung von IVIG-Produkten mit einem medianen Anti-A ≤1:16 (gemessen mit dem Direkten Agglutinationstest wie bei der Chargenfreigabeprüfung) wurden nur selten Fälle von Hämolyse gemeldet.

Die IVIG-Verabreichung in mehrere Einzeldosen aufzuteilen erscheint nicht geeignet, um eine mögliche Hämolyse zu verhindern, weil die Halbwertszeit von Immunglobulinen in der Grössenordnung von 3-4 Wochen liegt.

Patienten mit IVIg-Behandlung sollten auf klinische Anzeichen und Symptome einer Hämolyse überwacht werden.

Wenn sich während oder nach eines lVIg-Infusionszyklus Anzeichen und/oder Symptome einer Hämolyse zeigen, sollte eine Unterbrechung der Behandlung mit IVIG in Erwägung gezogen werden (siehe auch Kapitel unerwünschte Wirkungen).

Auswirkungen auf serologische Untersuchungen

Siehe Rubrik «Sonstige Hinweise».

Bei allen Patienten erfordert die Immunglobulinbehandlung

  • eine adäquate Hydratation vor Beginn der Immunglobulininfusion,
  • Überwachung der Urinausscheidung,
  • Überwachung des Serumkreatinin-Spiegels,
  • Vermeiden der gleichzeitigen Gabe von Schleifendiuretika.

Bei einer Unverträglichkeitsreaktion muss entweder die Infusionsgeschwindigkeit vermindert oder die Infusion abgesetzt werden. Die erforderliche Behandlung hängt von der Art und Schwere der Nebenwirkung ab.

Bei einem Schock sind die aktuellen medizinischen Standardmassnahmen für eine Schockbehandlung anzuwenden.

Übertragbare Krankheitserreger

Standardmassnahmen zur Verhütung von Infektionen durch die Verabreichung von Medikamenten, die aus menschlichem Blut oder Plasma hergestellt wurden, beinhalten Spenderauswahl, Testung einzelner Spenden und Plasmapools auf spezifische Infektions­marker und Einführung effektiver Herstellungsschritte zur Inaktivierung/Eliminierung von Viren. Dennoch kann die Möglichkeit der Übertragung von Erregern bei der Verabreichung von Medikamenten, die aus menschlichem Blut oder Plasma hergestellt worden sind, nicht völlig ausgeschlossen werden. Dies trifft auch für bisher unbekannte oder neu auftretende Viren oder Erreger zu.

Die ergriffenen Massnahmen werden als wirksam gegenüber umhüllten Viren wie HIV, HBV und HCV angesehen. Die Viruseliminierung/-inaktivierung ist möglicherweise bei nicht umhüllten Viren wie HAV und/oder Parvovirus B19 von begrenztem Wert.

Die klinische Erfahrung hat bestätigt, dass Hepatitis-A-Viren oder Parvoviren B19 nicht durch Immunglobuline übertragen werden, weiterhin wird angenommen, dass der Gehalt an Antikörpern einen wichtigen Beitrag zur Virussicherheit leistet.

Es wird empfohlen, im Patienteninteresse bei jeder Verabreichung von Intratect 5%/Intratect 10% den Namen und die Chargenbezeichnung des Präparates zu dokumentieren, um die Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten.

Interaktionen

Attenuierte Lebendimpfstoffe

Die Gabe von Immunglobulin kann für eine Dauer von mindestens 6 Wochen und bis zu 3 Monaten die Wirksamkeit von attenuierten Lebendimpfstoffen wie Masern-, Röteln-, Mumps- und Windpockenimpfstoffen beeinträchtigen. Nach der Gabe dieses Präparates ist vor der Impfung mit attenuierten Lebendimpfstoffen eine Wartezeit von 3 Monaten einzuhalten. Bei Masernimpfung kann diese Beeinträchtigung bis zu einem Jahr fortbestehen. Daher sollte bei Patienten, die Masernimpfstoff erhalten, der Antikörperstatus überprüft werden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Die Unbedenklichkeit dieses Arzneimittels bei der Anwendung während der Schwanger­schaft wurde nicht in kontrollierten klinischen Studien untersucht, daher sollte es bei Schwangeren und stillenden Müttern nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden. IVIg-Präparate sind nachweislich plazentagängig, vermehrt im dritten Trimenon. Die lange klinische Erfahrung mit Immunglobulinen lässt erkennen, dass keine schädlichen Auswirkungen auf den Verlauf der Schwangerschaft, den Fötus oder das Neugeborene zu erwarten sind.

Stillzeit

Immunglobuline gehen in die Muttermilch über und können zum Schutz des Neugeborenen vor Erregern mit mukosaler Eintrittspforte beitragen.

Fertilität

Die klinische Erfahrung mit Immunglobulinen lässt keine schädlichen Wirkungen auf die Fertilität erwarten.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen kann durch einige Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Verabreichung von Intratect beeinträchtigt werden. Patienten, bei denen während der Behandlung Nebenwirkungen auftreten, sollten abwarten, bis sich diese zurückgebildet haben, bevor sie sich ans Steuer eines Fahrzeugs setzen oder Maschinen bedienen.

Unerwünschte Wirkungen

Informationen zum Infektionsrisiko: siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen».

Zusammenfassung des Sicherheitsprofils

Gelegentlich können Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Schwindel, Fieber, Übelkeit und Erbrechen, allergische Reaktionen, niedriger Blutdruck, Gelenkschmerzen und leichte Rückenschmerzen auftreten.

Selten können Überempfindlichkeitsreaktionen mit plötzlichem Blutdruckabfall, in Einzelfällen bis zum anaphylaktischen Schock auftreten, auch wenn der Patient bei früheren Anwendungen keine Reaktion gezeigt hat.

Fälle reversibler aseptischer Meningitis, Einzelfälle reversibler hämolytischer Anämie/Hämolyse und seltene Fälle vorübergehender kutaner Reaktionen wurden bei der Gabe von normalem Immunglobulin vom Menschen beobachtet. Hämolytische Reaktionen wurden insbesondere bei Patienten mit den Blutgruppen A, B und AB beobachtet. Selten kann sich nach hochdosierter IVIg-Behandlung eine transfusionspflichtige hämolytische Anämie entwickeln.

Ein Anstieg des Serumkreatinin-Spiegels und/oder ein akutes Nierenversagen wurden beobachtet.

Sehr selten treten folgende Komplikationen auf: Thromboembolische Reaktionen wie Myokard-Infarkt, Schlaganfall, Lungenembolie und tiefe Venenthrombose.

Unerwünschte Wirkungen aus klinischen Studien

Es wurden drei klinische Studien mit Intratect 5% durchgeführt: zwei Studien bei Patienten mit primärem Immunmangelsyndrom (PID) und eine Studie bei Patienten mit idiopathischer thrombozytopenischer Purpura (ITP). In den beiden PID-Studien wurden insgesamt 68 Probanden mit Intratect behandelt und hinsichtlich Arzneimittelsicherheit evaluiert; die Behandlungsdauer betrug jeweils 6 und 12 Monate. An der ITP-Studie nahmen 24 Probanden teil.

In der ersten PID Studie mit 17 Patienten wurden insgesamt 113 Intratect-Infusionen verabreicht und 9 vermutete unerwünschte Arzneimittelwirkungen/UAW (der kausale Zusammenhang wurde vom Prüfer als «möglich» oder «wahrscheinlich» eingestuft) berichtet. In der zweiten PID Studie wurden 51 Patienten mit 642 Intratect-Infusionen behandelt, es wurden 8 UAW berichtet, bei 2 weiteren unerwünschten Ereignissen war es den Prüfärzten nicht möglich den Kausalzusammenhang zu beurteilen. Insgesamt liegt die Frequenz von unerwünschten Arzneimittelwirkungen in beiden PID Studien bei 2,4 unerwünschten Reaktionen auf 100 Intratect-Infusionen. In der ITP Studie wurden 75 Intratect-Infusionen verabreicht, hierbei traten insgesamt 32 UAW auf.

Mit Intratect 10% wurde eine klinische Studie zur Prüfung der Pharmakokinetik und der Sicherheit an 30 Patienten mit PID durchgeführt. Diese erhielten über einen Zeitraum von 3 bis 6 Monaten insgesamt 165 Infusionen Intratect 10%, wobei bei 19 Infusionen (11.5%) unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) beobachtet wurden.

Die meisten dieser UAW waren mild bis mässig stark ausgeprägt und selbstlimitierend. In den allen Studien wurden keine schwerwiegenden UAW registriert.

Die in diesen Studien beobachteten UAW wurden in der nachfolgenden Tabelle aufgelistet und nach MedDRA-Systemorganklassen und Häufigkeit gruppiert. Die Berechnung der Häufigkeit erfolgte anhand der Zahl der verabreichten Infusionen (n=830 für Intratect 5% bzw. 165 für Intratect 10%). Es wurden folgende Häufigkeitskategorien verwendet: sehr häufig (≥1/10); häufig (≥1/100 bis <1/10); gelegentlich (≥1/1000 bis <1/100); selten (≥1/10000 bis <1/1000); sehr selten <1/10000).

Häufigkeit von unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) in klinischen Studien mit Intratect 5%:

Systemorganklasse nach MedDRANebenwirkungen, bevorzugter Fachbegriff nach MedDRAHäufigkeit
Störungen des Blut- und LymphsystemsHämolyse (mild)gelegentlich
Störungen des NervensystemsKopfschmerzenhäufig
Geschmacksstörungengelegentlich
Funktionsstörungen der GefässeBluthochdruck, Thrombophlebitisgelegentlich
Funktionsstörungen der Haut und des Unterhautzellgewebespapulöses Exanthemgelegentlich
Gastrointestinale StörungenÜbelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzengelegentlich
Allgemeine Störungen und Reaktionen an der ApplikationsstelleFieberhäufig
Schüttelfrost, Hitzegefühlgelegentlich
Untersuchungenerhöhte Körpertemperatur, indirekter und direkter Coombs-Test positivgelegentlich

Häufigkeit von unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) in klinischen Studien mit Intratect 10%:

Systemorganklasse nach MedDRANebenwirkungen, bevorzugter Fachbegriff nach MedDRAHäufigkeit
Störungen des ImmunsystemsInfusionsbedingte Reaktionenhäufig
Überempfindlichkeitsreaktionengelegentlich
Funktionsstörungen des HerzensHerzklopfenhäufig
Funktionsstörungen der GefässeBluthochdruck, Hyperämiegelegentlich
Störungen des NervensystemsKopfschmerzenhäufig
Wahrnehmungsstörungengelegentlich
Funktionsstörungen der Haut und des UnterhautzellgewebesHautschmerzen, Hautausschlaggelegentlich
Gastrointestinale StörungenBauchschmerzen, Durchfallgelegentlich
Funktionsstörungen des Bewegungsapparates, des Bindegewebes und der KnochenGelenkschmerzen, Rückenschmerzen, Knochenschmerzenhäufig
Muskelschmerzengelegentlich
Allgemeine Störungen und Reaktionen an der ApplikationsstelleUnwohlseinhäufig
Erschöpfung, Schüttelfrost, Hypothermiegelegentlich

Angaben zu weiteren spontan gemeldeten Nebenwirkungen:

Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems

Einzelfälle: Leukopenie.

Störungen des Immunsystems

Sehr selten: Anaphylaktischer Schock, Überempfindlichkeitsreaktion.

Funktionsstörungen des Herzens

Sehr selten: Angina pectoris.

Funktionsstörungen der Gefässe

Sehr selten: Schock.

Respiratorische, thorakale und mediastinale Funktionsstörungen

Sehr selten: Dyspnoe.

Funktionsstörungen des Bewegungsapparates, des Bindegewebes und der Knochen

Sehr selten: Rückenschmerzen.

Allgemeine Störungen und Reaktionen an der Applikationsstelle

Sehr selten: Rigor.

Untersuchungen

Sehr selten: Blutdruckabfall.

Beschreibung ausgewählter Nebenwirkungen

Die für Intratect berichteten Nebenwirkungen liegen im erwarteten Profil für normale Immunglobuline vom Menschen.

Kinder und Jugendliche

Es wird davon ausgegangen, dass die bei Kindern und Jugendlichen auftretenden Nebenwirkungen hinsichtlich Häufigkeit, Art und Schweregrad den bei Erwachsenen beobachteten Nebenwirkungen entsprechen.

Überdosierung

Eine Überdosis kann zu einer Flüssigkeitsüberlastung und Hyperviskosität führen, insbesondere bei Risikopatienten, einschliesslich älteren Patienten oder Patienten mit eingeschränkter Herz- oder Nierenfunktion.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: J06BA02

Pharmakotherapeutische Gruppe: Immunglobulin vom Menschen zur intravenösen Anwendung.

Intratect 5%/Intratect 10% enthält hauptsächlich Immunglobulin G (IgG) mit einem breiten Spektrum von Antikörpern gegen infektiöse Erreger.

Intratect 5%/Intratect 10% wird aus gepooltem Plasma von mindestens 1000 Spendern hergestellt, seine IgG-Subklassenverteilung entspricht nahezu der des humanen Plasmas.

Gemäss Ph. Eur. darf der Anti-A Isoagglutinintiter in intravenösen Immunglobulinpräparaten höchstens 1:64 betragen.

Der Median-Wert in Intratect gemessen an 30 Chargen beträgt 1:16 mit einem Minimal-Wert von 1:8 und Maximal-Wert von 1:16.

Pharmakodynamik

Ausreichende Dosen von Intratect 5%/Intratect 10% können bei niedrigen IgG-Plasmaspiegeln Normalwerte wiederherstellen.

Der Wirkungsmechanismus bei anderen Anwendungsgebieten als der Substitutionstherapie ist noch nicht vollständig erforscht, schliesst jedoch immunmodulatorische Wirkungen ein.

Klinische Wirksamkeit

Intratect 5% wurde bisher in insgesamt 3 klinischen Studien in den Indikationen primäres Immunmangelsyndrom (PID) und idiopathische thrombozytopenische Purpura (ITP) geprüft. In der grössten Studie wurde an insgesamt 51 Patienten mit PID die Sicherheit und Wirksamkeit von Intratect bestätigt. Die Patienten erhielten alle 3-4 Wochen für zirka ein Jahr jeweils 0,1-0,8 g/kg Intratect (Ø 0,4 g/kg). Die mittleren IgG-Talspiegel lagen über 7 g/l. Die Rate der akuten, schwerwiegenden bakteriellen Infektionen (ASBI) betrug 0,02 pro Patient pro Jahr. Intratect zeigte sich ebenso wirksam wie andere IVIg in der Behandlung von PID und wurde gut vertragen. Die pharmakokinetischen Eigenschaften als auch die Verteilung der IgG-Subklassen 1-4 waren vergleichbar mit denen von natürlichem Immunglobulin G.

Pharmakokinetik

Normales Immunglobulin vom Menschen ist in der Blutbahn des Empfängers nach intravenöser Verabreichung unmittelbar und vollständig bioverfügbar. Es wird zwischen dem Plasma und der extravaskulären Flüssigkeit relativ rasch verteilt. Nach etwa 3-5 Tagen ist das Gleichgewicht zwischen intra- und extravaskulärem Kompartiment erreicht.

Intratect 5% hat eine mittlere Halbwertzeit von ca. 27 und Intratect 10% von ca. 34 Tagen. Diese Halbwertzeit kann von Patient zu Patient variieren, insbesondere bei primären Immunmangelsyndromen.

IgG und IgG-Komplexe werden in den Zellen des retikuloendothelialen Systems abgebaut.

In der Studie mit Intratect 10% mit PID Patienten war das pharmakokinetische Profil vergleichbar zu Intratect 5%. Die Steady-State-Talspiegel lagen bei 8 g/l und die Maximalspiegel bei 17 g/l (median direkt nach der Infusion).

Präklinische Daten

Immunglobuline sind normale Bestandteile des menschlichen Körpers. Die Bestimmung der akuten Toxizität an Tieren hat keine Relevanz, da höhere Dosen zu Kreislaufüberlastung führen. Studien zur chronischen Toxizität und zur embryo-foetalen Toxizität sind aufgrund der Induktion von und Interferenz mit Antikörpern nicht durchführbar. Wirkungen des Produkts auf das Immunsystem von Neugeborenen wurden nicht untersucht.

Klinische Erfahrungen haben keine Hinweise auf tumorigene oder mutagene Effekte geliefert. Experimentelle Untersuchungen am Tier werden nicht für notwendig erachtet.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Intratect 5%/Intratect 10% darf nicht mit anderen Arzneimitteln gemischt werden!

Es dürfen keine anderen Präparate in die Intratect 5%/Intratect 10%-Lösung gegeben werden, da eine Änderung der Elektrolytkonzentration oder des pH-Wertes zu einer Ausfällung oder Denaturierung der Proteine führen kann.

Beeinflussung diagnostischer Methoden

Bei der Beurteilung von serologischen Testergebnissen muss berücksichtigt werden, dass es nach Injektion eines Immunglobulins durch einen vorübergehenden Anstieg passiv übertragener Antikörper zu positiven Testergebnissen kommen kann.

Die passive Übertragung von Antikörpern gegen Erythrozyten-Antigene, z.B. A, B und D kann einige serologische Tests auf Erythrozyten-Alloantikörper (z.B. Coombs-Test), die Retikulozytenzählung sowie den Haptoglobintest verfälschen.

Haltbarkeit

Nach Ablauf des Verfalldatums soll das Präparat nicht mehr angewendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Nicht über 25 °C aufbewahren. Nicht einfrieren.

Behältnis im Umkarton aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.

Nach Öffnen des Behältnisses soll die Lösung sofort verabreicht werden. Wegen des Risikos einer bakteriellen Verunreinigung ist nicht verwendete Lösung zu verwerfen.

Für Kinder unerreichbar aufbewahren!

Hinweise für die Handhabung

Das Präparat sollte vor der Anwendung auf Raum- oder Körpertemperatur erwärmt werden.

Vor der Anwendung soll eine Sichtkontrolle des Präparates durchgeführt werden: Die Lösung muss klar oder leicht opaleszent sein. Trübe Lösungen oder solche mit Bodensatz dürfen nicht verwendet werden!

Unverbrauchte Arzneimittelreste und Abfallmaterial sollten nach den landesüblichen Bestimmungen entsorgt werden.

Zulassungsnummer

57676, 62913 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Biotest (Schweiz) AG, Rupperswil.

Stand der Information

Mai 2016.

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