Valoron Tropfen 50 Mg/0.5ml 10 Ml

Fachinformationen

Untersteht dem Bundesgesetz über die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe

Zusammensetzung

Wirkstoff: Tilidini hydrochloridum.

Hilfsstoffe:

Sorbitolum liquidum non cristallisabile, Ethanolum 96 per centum, Saccharinum natricum, Acidum hydrochloridum dilutum, Aromatica: Levomentholum, Conserv.: E 217, E 219, Aqua purificata corresp. Ethanolum 19% V/V.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Tropfen zum Einnehmen (Lösung)

40 Tropfen (= 1 ml) enthalten Tilidini hydrochloridum 100 mg ut Tilidini hydrochloridum hemihydricus 102.9 mg.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Mittelstarke bis starke akute und prolongierte Schmerzen bzw. bei ungenügender Wirksamkeit nicht-opioider Analgetika und/oder schwacher Opioide, z.B. postoperative und posttraumatische Schmerzen, Tumorschmerzen, spastische Schmerzen im Abdominalbereich, Schmerzen im Rahmen von Neuralgien und Neuritiden.

Schmerzen bei diagnostischen und therapeutischen Eingriffen (z.B. Endoskopien und Nierensteinlithotripsien).

Dosierung/Anwendung

Übliche Dosierung

Für Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren gelten folgende Dosierungsempfehlungen:

Bis zu 4× tgl. 20-40 Tropfen (übliche Tagesdosis: 80 Tropfen). Zur Entnahme die Tropfflasche senkrecht nach unten halten.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Kinder

Für Kinder nach vollendetem 1. Lebensjahr hat sich eine Durchschnittsdosis bis zu 3-4× tgl. 1 Tropfen pro Lebensjahr gut bewährt, jedoch sollen auch bei 11-14jährigen 10 Tropfen (25 mg) pro Dosis im Allgemeinen nicht überschritten zu werden.

Ältere Patienten

Bei älteren Patienten ist eine Anpassung der Dosierung nicht erforderlich.

Eingeschränkte Nierenfunktion

Eine eingeschränkte Nierenfunktion führt nicht zu einer Akkumulation pharmakologisch aktiver Metaboliten. Eine Anpassung der Dosierung ist bei eingeschränkter Nierenfunktion nicht erforderlich.

Eingeschränkte Leberfunktion

Eine unzureichende analgetische Wirkung aufgrund einer zu geringen Bildung an aktivem Nortilidin bei Patienten mit hochgradiger Leberinsuffizienz kann nicht vollkommen ausgeschlossen werden.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe gemäss Zusammensetzung.

Akute Porphyrie, Atemdepression, paralytischer Ileus, akutes Abdomen, Schädel-Hirn-Trauma, erhöhter intrakranieller Druck, Behandlung mit MAO-Hemmern (inkl. bis 2 Wochen nach Absetzen der MAO-Hemmer-Therapie).

Stillzeit.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Patienten, die unter Valoron-Behandlung stehen, sollten keinen Alkohol zu sich nehmen.

Valoron kann zur Abhängigkeit vom Morphintyp führen. Die Anwendung von Valoron zur Entzugsbehandlung entspricht nicht dem bestimmungsgemässen Gebrauch.

Da klinische Erfahrungen im Säuglingsalter nicht vorliegen, soll Valoron erst nach Vollendung des ersten Lebensjahres verabreicht werden.

Interaktionen

Wie alle starken Analgetika kann Valoron die Wirkung von Alkohol, oder Beruhigungsmitteln auf das ZNS verstärken. Erhöhtes Risiko einer Atemdepression mit MAO-Hemmern.

Die Metabolisierung von Tilidin in den wirksameren, aktiven Metaboliten Nortilidin (dieser wird nachfolgend in den inaktiven Metaboliten Bisnortilidin umgewandelt) scheint gemäss einer Studie an menschlichen Lebermikrosomen hauptsächlich über Cytochrom P450 (CYP) 3A4 und CYP2C19 zu erfolgen. In einer klinischen Studie mit 16 Personen führte die gleichzeitige Gabe von Voriconazol, welches beide Enzyme ausgeprägt hemmt, zu einem Anstieg der Tilidin-Exposition um das 20-Fache sowie zu einem unerwarteten Anstieg der Nortilidin-Konzentration um das 2.5-Fache mit einer entsprechenden Verstärkung des analgetischen Effekts und dem Risiko einer Atemdepression. Die Inhibierung von CYP3A4 und/oder CYP2C19 (z.B. durch Makrolid-Anitbiotika wie Clarithromycin und Erythromycin, Antimykotika der Imidazol-Klasse wie Ketoconazol und Itraconazol, Proteaseinhibitoren wie Ritonavir, oder durch Fluoxetin, Cimetidin, Ranitidin oder Valproinsäure) kann sich auf das Wirksamkeits- und Sicherheitsprofil von Tilidin auswirken, da hierüber die Bildung und/oder die Elimination des aktiven Metaboliten Nortilidin vermittelt werden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Bisher liegen nur begrenzte Erfahrungen zur Anwendung von Tilidinhydrochlorid bei Schwangeren vor. Tierexperimentelle Studien ergaben keine Hinweise auf gesundheitsschädliche Wirkungen auf eine Reproduktionstoxizität (siehe «Präklinische Daten/Reproduktionstoxizität»).

Bei Anwendung von Valoron während der Schwangerschaft sind Entzugserscheinungen beim Neugeborenen zu erwarten. Bei der Anwendung von Valoron in der Geburtsphase kann eine Atemdepression des Neugeborenen auftreten. Daher darf Valoron in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der Nutzen der Behandlung das potentielle Risiko für den Foetus übersteigt.

Stillzeit

Es wurde nachgewiesen, dass Tilidin in die Muttermilch übergeht. Deshalb darf Valoron in der Stillzeit nicht angewendet werden, oder es muss abgestillt werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Valoron kann die Aufmerksamkeit und die Reaktionsfähigkeit beeinflussen, so dass die Fähigkeit, aktiv im Strassenverkehr teil zu nehmen oder Maschinen zu bedienen, beeinträchtigt sein kann.

Eine verstärkte Beeinträchtigung ist vor allem zu Beginn der Behandlung, bei Dosiserhöhung, bei Übergang zu einem anderen Präparat, in Verbindung mit Alkohol oder der Einnahme von Beruhigungsmitteln zu erwarten.

Bei stabiler Therapie, ist das Fahren nicht zwingend untersagt.

Unerwünschte Wirkungen

Die unerwünschten Wirkungen sind nach Organklassen und Häufigkeitsgraden gegliedert, unter Berücksichtigung folgender Definition: sehr häufig: ≥10%; häufig (≥1/100, <1/10); gelegentlich (≥1/1000, <1/100); nicht bekannt: Häufigkeit kann nicht angegeben werden, da auf Spontanmeldungen der Post-Marketing-Surveillance beruhend.

Erkrankungen des Nervensystems

Häufig: Schwindel, Benommenheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Nervosität.

Gelegentlich: Somnolenz.

Nicht bekannt: Halluzinationen, Verwirrung, Euphorie, Tremor, Hyperreflexie, Clonus (bei hoher bis sehr hoher Dosierung, siehe «Überdosierung»).

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums

Gelegentlich: Atemdepression (bei hoher bis sehr hoher Dosierung, siehe «Überdosierung»).

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Sehr häufig: Übelkeit und Erbrechen (18.7%).

Häufig: Diarrhoe, Abdominalschmerzen, Obstipation.

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Häufig: vermehrtes Schwitzen.

Überdosierung

Symptome

Über Intoxikationen mit Valoron liegen kaum klinische Erfahrungen vor. Bei sehr hoher Überdosierung sind Atemdepression und kurzzeitige Krämpfe möglich.

Therapie

Primäre Giftentfernung, z.B. durch Magenspülung und Kohlegabe; Elektrolytinfusionen, Sauerstoffinhalation, Beatmung, Behandlung eventuell auftretender ZNS-Symptome.

Antagonist: Naloxon.

Wegen seiner kurzen Halbwertszeit soll Naloxon wenn nötig wiederholt gegeben werden, und der Patient sollte langfristig überwacht werden.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N02AX01

Wirkungsmechanismus

Valoron ist ein stark wirksames Analgetikum zur Behandlung starker und sehr starker, akuter und chronischer Schmerzen.

Der Wirkmechanismus von Valoron beruht auf einer Stimulierung von Opioid Rezeptoren; sein aktiver Metabolit Nortilidin, gilt als selektiver Agonist am µ-Rezeptor.

Wirkungseintritt: 5-10 min. Die Wirkungsdauer von Valoron beträgt 4-6 h.

Pharmakokinetik

Absorption

Tilidin wird nach oraler Gabe schnell und vollständig (99%) resorbiert.

Metabolismus

Tilidin wird überwiegend zu (+)-Nortilidin, der eigentlichen Wirksubstanz, metabolisiert. Tilidin unterliegt nach oraler Gabe einem intensiven First-pass-Effekt, der zum raschen Anfluten von (+)-Nortilidin im Organismus führt. Durch weiteren Abbau entsteht Bis-Nortilidin sowie eine Reihe weiterer Metaboliten, die keine pharmakologische Wirksamkeit zeigten.

Die Bindung an Humanplasmaproteine beträgt für Nortilidin ca. 25%.

Die Metabolisierung von Tilidin in den wirksameren, aktiven Metaboliten Nortilidin (dieser wird nachfolgend in den inaktiven Metaboliten Bisnortilidin umgewandelt) scheint gemäss einer Studie an menschlichen Lebermikrosomen hauptsächlich über Cytochrom CYP3A4 und CYP2C19 zu erfolgen. Die Inhibierung von CYP3A4 und/oder CYP2C19 kann sich auf das Wirksamkeits- und Sicherheitsprofil von Tilidin auswirken, da hierüber die Bildung und/oder die Elimination des aktiven Metaboliten Nortilidin vermittelt werden.

Elimination

Die Halbwertszeit der terminalen Elimination beträgt für Nortilidin 3-5 h. Tilidin und seine Metaboliten werden zu 90% renal ausgeschieden, wobei 0.2% Tilidin und ca. 2-3% Nortilidin und Bis-Nortilidin unverändert im Urin erscheinen.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Patienten mit Niereninsuffizienz

Eine eingeschränkte Nierenfunktion führt nicht zu einer Akkumulation pharmakologisch aktiver Metaboliten.

Patienten mit Leberinsuffizienz

Die maximale Nortilidinkonzentration im Plasma ist bei eingeschränkter Leberfunktion niedriger als bei Personen mit gesunder Leberfunktion. Je nach Ausmass der Lebereinschränkung ist die Halbwertszeit verlängert.

Präklinische Daten

Akute Toxizität

Die akute Toxizität von Tilidinhydrochlorid wurde an Mäusen und Ratten geprüft. Dosen ≥100 mg/kg/Tag von Tilidin führten zu erhöhtem Muskeltonus, tonisch-klonischen Krämpfen, Dyspnoe, Ataxie, Tremor, Agitiertheit und Tränenfluss. Es gab keine signifikanten geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der akuten Toxizität. Bei Studien zur oralen Toxizität zeigte Tilidin eine geringfügig erhöhte akute Toxizität bei neugeborenen Ratten im Vergleich zu erwachsenen Tieren.

Mutagenes und tumorerzeugendes Potential

Untersuchungen zur Mutagenität von Tilidinhydrochlorid im Ames-Test und in einer Zytogenetikstudie an Knochenmarkzellen von Ratten verliefen negativ.

Studien hinsichtlich eines tumorerzeugenden Potentials wurden nicht durchgeführt.

Reproduktionstoxizität

Studien zur Reproduktionstoxizität mit Tilidin (Teratologie beim Kaninchen, Studie zur peri- und postnatalen Entwicklung bei der Ratte, Fertilitätsstudie bei der Ratte) gaben bei Dosen von 25, 50 und 100 mg/kg keine Hinweise auf eine Reproduktionstoxizität oder Wirkungen auf die Fertilität.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Verpackung mit «EXP» (= Verfall: Monat/Jahr) bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Bei Raumtemperatur (15-25 °C) und ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Hinweise für die Handhabung

Zur Entnahme der Tropfen, die Tropfflasche vollkommen senkrecht nach unten halten.

Hinweise zum Alkoholgehalt

Valoron Tropfen enthalten 19% V/V Alkohol.

Zulassungsnummer

38587 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Pfizer AG, Zürich.

Stand der Information

Oktober 2015.

LLD V003

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