Edurant Filmtabl 25 Mg 30 Stk [!]

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Rilpivirinum ut Rilpivirinum hydrochloridum.

Hilfsstoff: Lactosum, Carmellosum natricum conexum (aus gentechnisch veränderten Baumwollsamenkapseln hergestellt), Excipiens pro compresso obducto.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Jede Filmtablette (weiss bis cremefarben, rund, bikonvex, Durchmesser 6.4 mm, mit der Prägung «TMC» auf der einen und «25» auf der anderen Seite) enthält Rilpivirinhydrochlorid entsprechend 25 mg Rilpivirin.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Edurant ist in Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln für die Behandlung einer HIV-1 Infektion (Humanes Immundefizienz-Virus Typ 1) bei erwachsenen antiretroviral therapienaiven Patienten mit einer Baseline-Viruslast von ≤100'000 HIV-1 RNA Kopien/ml indiziert.

Wie auch bei anderen antiretroviralen Arzneimitteln, soll die Anwendung von Edurant anhand der Ergebnisse des genotypischen Resistenztests ausgerichtet werden (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» und «Eigenschaften/Wirkungen»).

Dosierung/Anwendung

Die Therapie sollte von einem Arzt eingeleitet werden, der in der Behandlung von HIV-Infektionen erfahren ist.

Dosierung

Edurant ist stets zusammen mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln einzunehmen.

Erwachsene

Die empfohlene Dosierung von Edurant ist eine 25 mg Filmtablette einmal täglich. Edurant muss mit einer Mahlzeit eingenommen werden (siehe Rubrik «Pharmakokinetik»).

Dosierungsanpassung

Bei Patienten, die gleichzeitig mit Rifabutin behandelt werden, sollte die Edurant-Dosis auf 50 mg (zwei Tabletten zu je 25 mg) einmal täglich erhöht und zu einer Mahlzeit eingenommen werden. Wenn die gleichzeitige Anwendung von Rifabutin gestoppt wird, ist die Edurant-Dosis auf 25 mg einmal täglich zu reduzieren und zu einer Mahlzeit einzunehmen (siehe Rubrik «Interaktionen»).

Vergessene Dosis

Wenn der Patient eine Dosis Edurant innerhalb von 12 Stunden nach dem üblichen Einnahmezeitpunkt vergessen hat, muss der Patient Edurant so bald wie möglich zusammen mit einer Mahlzeit einnehmen und dann sein gewohntes Dosierungsschema fortsetzen. Wenn ein Patient die Einnahme einer Dosis von Edurant über mehr als 12 Stunden nach dem üblichen Einnahmezeitpunkt vergessen hat, soll der Patient die vergessene Dosis nicht mehr einnehmen, sondern sein gewohntes Dosierungsschema wieder aufnehmen.

Wenn ein Patient innerhalb von 4 Stunden nach der Einnahme von Edurant erbricht, soll eine weitere Tablette mit einer Mahlzeit eingenommen werden. Wenn ein Patient später als 4 Stunden nach der Einnahme von Edurant erbricht, braucht der Patient bis zur nächsten planmässigen Dosis keine weitere Tablette einzunehmen.

Spezielle Patientengruppen

Ältere Patienten

Es liegen nur begrenzte Informationen in Bezug auf die Anwendung von Edurant bei Patienten >65 Jahren vor. Bei älteren Patienten ist keine Dosisanpassung von Edurant erforderlich (siehe Rubrik «Pharmakokinetik»). Edurant sollte bei diesen Patienten mit Vorsicht angewendet werden.

Kinder und Jugendliche

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Edurant bei Kindern <18 Jahren ist bisher noch nicht erwiesen.

Es liegen keine Daten vor.

Leberfunktionsstörung

Es liegen nur begrenzte Informationen zur Anwendung von Edurant bei Patienten mit leichter oder mässiger Leberfunktionsstörung (Child-Pugh Klasse A oder B) vor. Bei Patienten mit leichter oder mässiger Leberfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung von Edurant erforderlich. Edurant sollte bei Patienten mit mässiger Leberfunktionsstörung mit Vorsicht angewendet werden. Edurant wurde bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung (Child-Pugh Klasse C) nicht untersucht. Deshalb wird Edurant für Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung nicht empfohlen (siehe Rubrik «Pharmakokinetik»).

Nierenfunktionsstörung

Edurant wurde hauptsächlich bei Patienten mit normaler Nierenfunktion untersucht. Bei Patienten mit leichter oder mässiger Nierenfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung von Edurant erforderlich. Bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung oder terminaler Niereninsuffizienz sollte Edurant mit Vorsicht angewendet werden. Bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung oder terminaler Niereninsuffizienz sollte die Kombination von Edurant mit einem starken CYP3A-Inhibitor (z.B. Ritonavir-geboosterter HIV-Proteaseinhibitor) nur angewendet werden, wenn der Nutzen die Risiken überwiegt (siehe Rubrik «Pharmakokinetik»).

Die Behandlung mit Edurant führte zu einer frühzeitigen leichten Erhöhung der mittleren Serumkreatininspiegel, die im weiteren Verlauf stabil blieb, und nicht als klinisch relevant angesehen wurde (siehe Rubrik «Unerwünschte Wirkungen»).

Art der Anwendung

Edurant muss einmal täglich mit einer Mahlzeit eingenommen werden (siehe Rubrik «Pharmakokinetik»). Es wird empfohlen, die Edurant-Filmtablette im Ganzen mit Wasser zu schlucken und nicht zu kauen oder zu zerbrechen.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegenüber Rilpivirin oder einem der Hilfsstoffe.

Edurant sollte nicht gleichzeitig mit folgenden Arzneimitteln verabreicht werden, da infolge einer Induktion von CYP3A oder einer Erhöhung des Magensaft-pH-Wertes signifikante Verringerungen der Plasmakonzentrationen von Rilpivirin auftreten können, wodurch es zu einem Verlust des therapeutischen Effekts von Edurant kommen kann (siehe Rubrik «Interaktionen»):

  • die Antikonvulsiva Carbamazepin, Oxcarbazepin, Phenobarbital, Phenytoin
  • die antimykobakteriell wirksamen Substanzen Rifamipcin, Rifapentin
  • Protonenpumpeninhibitoren wie beispielsweise Omeprazol, Esomeprazol, Lansoprazol, Pantoprazol, Rabeprazol
  • das Glucocorticoid systemisches Dexamethason (mehr als eine Einzeldosis)
  • Johanniskraut (Hypericum perforatum).

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Die Patienten sollten darauf hingewiesen werden, dass mit der aktuellen antiretroviralen Therapie keine Heilung von HIV möglich ist und kein Beweis dafür vorliegt, dass hierdurch eine Übertragung von HIV auf andere Personen durch Blut oder sexuelle Kontakte verhindert werden könnte. Aus diesem Grund sollten weiterhin geeignete Vorsichtsmassnahmen zur Verhinderung der Übertragung von HIV getroffen werden.

Virologisches Versagen und Entwicklung von Resistenzen

Edurant wurde nicht bei Patienten mit vorausgegangenem virologischem Versagen unter einer anderen antiretroviralen Therapie untersucht. Die Anwendung von Edurant soll nur bei therapienaiven Patienten an der unter «Eigenschaften/Wirkungen» aufgeführten Liste der Rilpivirinresistenz-assoziierten Mutationen ausgerichtet werden.

In der gepoolten Wirksamkeitsanalyse der Phase‑III-Studien über 96 Wochen bestand bei den mit Edurant behandelten Patienten mit einer Baseline-Viruslast >100'000 HIV‑1 RNA-Kopien/ml ein grösseres Risiko für ein virologisches Versagen (18,2% unter Edurant im Vergleich zu 7,9% unter Efavirenz) als bei den Patienten mit einer Baseline-Viruslast ≤100'000 HIV‑1 RNA-Kopien/ml (5,7% unter Edurant im Vergleich zu 3,6% unter Efavirenz). Edurant Das grössere Risiko für ein virologisches Versagen bei Patienten im Edurant-Arm wurde in den ersten 48 Wochen dieser Studien beobachtet (siehe Rubrik «Eigenschaften/Wirkungen»). Patienten mit einer Baseline-Viruslast >100'000 HIV-1 RNA-Kopien/ml, bei denen virologisches Versagen eintrat, wiesen eine höhere Rate an während der Behandlung aufgetretenen Resistenzen gegen die Klasse der NNRTI auf. Unabhängig von der Baseline-Viruslast entwickelten Patienten mit virologischem Versagen unter Edurant häufiger eine NRTI-assoziierte Resistenz als Patienten mit virologischem Versagen unter Efavirenz (siehe Rubrik «Eigenschaften/Wirkungen»).

Wie auch bei anderen antiretroviralen Arzneimitteln soll die Anwendung von Edurant anhand der Ergebnisse des Resistenztests ausgerichtet werden (siehe Rubrik «Eigenschaften/Wirkungen»).

Kardiovaskuläres System

Rilpivirin wurde in supratherapeutischen Dosen (75 und 300 mg einmal täglich) mit einer Verlängerung des QTc-Intervalls des Elektrokardiogramms in Verbindung gebracht (siehe Rubrik «Interaktionen» und «Eigenschaften/Wirkungen»). Edurant sollte bei gleichzeitiger Anwendung mit Arzneimitteln mit bekanntem Risiko für Torsades de Pointes oder bei Patienten mit Erkrankungen, die mit einem Risiko für Torsades de Pointes einhergehen, mit Vorsicht angewendet werden.

Interaktionen mit anderen Arzneimitteln

Bei der Verschreibung von Edurant zusammen mit Arzneimitteln, die die aufgenommene Menge von Rilpivirin verringern können, ist Vorsicht geboten.

Informationen dazu werden in der Rubrik «Interaktionen» aufgeführt.

Fettumverteilung

Bei Patienten, die eine antiretrovirale Therapie erhalten, wurde eine Umverteilung/Anhäufung von Körperfett, einschliesslich Fettzunahme in der Körpermitte (Stammfettsucht) sowie im Nackenbereich (Stiernacken), Auszehrungen an den Extremitäten und im Gesicht, Brustvergrösserung und «Cushing-ähnliches Aussehen», beobachtet. Die Mechanismen und Langzeitfolgen dieser Erscheinungen sind derzeit nicht bekannt. Ein ursächlicher Zusammenhang ist nicht bewiesen (siehe Rubrik «Unerwünschte Wirkungen»).

Immunrekonstitutionssyndrom

Fälle von Immunkonstitutionssyndrom wurden bei Patienten unter antiretroviraler Kombinationstherapie, einschliesslich Edurant, berichtet. Wenn während der Anfangsphase der Behandlung das Immunsystem des Patienten auf die antiretrovirale Kombinationstherapie anspricht, kann eine entzündungsartige Reaktion auf indolente oder residuale opportunistische Infektionen (wie z.B. Mycobacterium avium Complex, Zytomegalievirus, Pneumocystis-jiroveci-Pneumonie und Tuberkulose) hervorgerufen werden, die eine weitere Abklärung und Behandlung erforderlich machen kann. Es liegen auch Berichte über Autoimmunerkrankungen (wie z.B. Morbus Basedow) vor, die im Rahmen eines Immunrekonstitutionssyndroms auftraten, allerdings ist der Zeitpunkt des Auftretens sehr variabel und diese Ereignisse können viele Monate nach Behandlungsbeginn auftreten (siehe Rubrik «Unerwünschte Wirkungen»).

Interaktionen

Arzneimittel, welche die Aufnahme von Rilpivirin beeinträchtigen

Rilpivirin wird hauptsächlich durch Cytochrom P450 (CYP)3A metabolisiert. Daher können Arzneimittel, die CYP3A induzieren oder hemmen, die Clearance von Rilpivirin beeinträchtigen (siehe Rubrik «Pharmakokinetik»). Die gleichzeitige Verabreichung von Edurant und Arzneimitteln, die CYP3A induzieren, kann zu verringerten Plasmakonzentrationen von Rilpivirin führen und die therapeutische Wirkung von Edurant daher möglicherweise herabsetzen. Die gleichzeitige Verabreichung von Edurant und Arzneimitteln, die CYP3A hemmen, kann zu erhöhten Plasmakonzentrationen von Rilpivirin führen.

Die gleichzeitige Verabreichung von Edurant und Arzneimitteln, die den pH-Wert des Magens erhöhen, kann zu verringerten Plasmakonzentrationen von Rilpivirin führen und die therapeutische Wirkung von Edurant daher möglicherweise herabsetzen.

Arzneimittel, deren Wirkung durch die Anwendung von Rilpivirin beeinträchtigt wird

Bei einer Verabreichung in Dosen von 25 mg pro Tag ist es unwahrscheinlich, dass Edurant klinisch relevante Auswirkungen auf die Exposition von Arzneimitteln hat, die durch CYP-Enzyme metabolisiert werden.

Bekannte und theoretische Interaktionen mit ausgewählten antiretroviralen und nicht antiretroviralen Arzneimitteln sind in Tabelle 1 bzw. 2 aufgeführt.

Interaktionstabelle

In den nachfolgenden Tabellen sind Interaktionen zwischen Rilpivirin und gleichzeitig verabreichten Arzneimitteln aufgeführt («↑» kennzeichnet eine Erhöhung, «↓» eine Verringerung, «↔» bedeutet keine Veränderung, «n.z.» steht für nicht zutreffend, «q.d.» für einmal täglich und «b.i.d.» für zweimal täglich).

Tabelle 1: Arzneimittelinteraktionen – Gleichzeitige Anwendung von Rilpivirin und anderen antiretroviralen und antiviralen Arzneimitteln

Gleichzeitig verabreichtes Arzneimittel

Dosis des gleichzeitig verabreichten Arzneimittels

Untersuchtes Arzneimittel

Cmax

AUC

Cmin

HIV NUKLEOSIDISCHE BZW. NUKLEOTIDISCHE REVERSE-TRANSKRIPTASE-INHIBITOREN (NRTIs/N[t]RTIs)

Didanosin*#

400 mg q.d.

Didanosin

↑ 12%

n.z.

Rilpivirin

Bei gleichzeitiger Anwendung von Edurant und Didanosin ist keine Dosisanpassung erforderlich. Didanosin muss auf leeren Magen und mindestens zwei Stunden vor oder mindestens vier Stunden nach Edurant (das zusammen mit einer Mahlzeit eingenommen werden sollte) eingenommen werden.

Tenofovir Disoproxil Fumarat*#

300 mg q.d.

Tenofovir

↑ 19%

↑ 23%

↑ 24%

Rilpivirin

Bei gleichzeitiger Anwendung von Edurant und Tenofovir-Disoproxil-Fumarat ist keine Dosisanpassung erforderlich.

Andere NRTIs(Abacavir, Emtricitabin, Lamivudin, Stavudin und Zidovudin)

Aufgrund der unterschiedlichen Eliminationswege von Rilpivirin und diesen anderen NRTIs sind keine klinisch relevanten Arzneimittelinteraktionen zwischen diesen Arzneimitteln und Edurant zu erwarten.

HIV NICHTNUKLEOSIDISCHE REVERSE-TRANSKRIPTASE-INHIBITOREN (NNRTIs)

NNRTIs(Delavirdin, Efavirenz, Etravirin, Nevirapin)

Eine gleichzeitige Anwendung von Edurant und NNRTIs wird nicht empfohlen.

HIV PROTEASEINHIBITOREN (PIs) – mit gleichzeitiger Verabreichung von niedrig dosiertem Ritonavir

Darunavir/Ritonavir*#

800/100 mg q.d.

Darunavir

↓ 11%

Rilpivirin

↑ 79%

↑ 130%

↑ 178%

Die gleichzeitige Anwendung von Edurant und Darunavir/Ritonavir kann zu erhöhten Plasmakonzentrationen von Rilpivirin führen (Hemmung von CYP3A-Enzymen). Bei gleichzeitiger Anwendung von Edurant und Darunavir/Ritonavir ist keine Dosisanpassung erforderlich.

Lopinavir/Ritonavir (Softgelkapseln)*#

400/100 mg b.i.d.

Lopinavir

↓ 11%

Rilpivirin

↑ 29%

↑ 52%

↑ 74%

Die gleichzeitige Anwend

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