Tiatral 100 Sr Tabl 100 Mg 100 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Acidum acetylsalicylicum.

Hilfsstoffe: Excip. pro compr.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Sustained release (SR) Tabletten zu 100 mg.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Thrombozytenaggregationshemmung: zur Verhütung oder Behandlung von thromboembolischen Ereignissen, z.B. bei transitorischen ischämischen Attacken (TIA);

zur Rezidivprophylaxe nach Apoplexie mit reversiblem neurologischem Defizit;

zur Rezidivprophylaxe nach Myokardinfarkt.

Dosierung/Anwendung

1 Tablette täglich.

Die Tabletten sollen mit Flüssigkeit eingenommen und nicht zerkaut werden.

Tiatral 100 SR eignet sich für eine Langzeitbehandlung, wie sie im Falle der Thrombozytenaggregationshemmung üblicherweise durchzuführen ist.

Die Anwendung in der Pädiatrie ist nicht indiziert.

Kontraindikationen

Bekannte Salicylatüberempfindlichkeit, hämorrhagische Diathese, schwere Leberinsuffizienz, schwere Niereninsuffizienz, letztes Trimenon der Schwangerschaft, aktives gastrointestinales Ulkus, Überempfindlichkeit auf Hilfsstoffe.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Acetylsalicylsäure (ASS) sollte in folgenden Fällen nur unter strenger Kontrolle angewandt werden:

bei Patienten mit peptischem Ulkus in der Anamnese;

bei leichter bis mittelgradiger Niereninsuffizienz und Leberfunktionsstörungen;

bei gleichzeitiger Antikoagulation;

bei Asthma und bei Überempfindlichkeit gegenüber anderen nichtsteroidalen Entzündungshemmern;

bei Glucose-6-Phosphatdehydrogenase-Mangel.

Kinder und Jugendliche dürfen bei Fieber und/oder viralen Erkrankungen Tiatral 100 SR nur auf ärztliche Verschreibung und nur als Mittel der zweiten Wahl einnehmen (wegen des möglichen Auftretens des Reye-Syndroms, einer lebensbedrohlichen Encephalopathie mit den Leitsymptomen starkes Erbrechen, Bewusstseinsstörungen, Leberfunktionsstörung).

Interaktionen

Tiatral 100 SR kann die Wirkung gewisser Arzneimittel verstärken bzw. herabsetzen.

Verstärkt wird die Wirkung von Antikoagulantien und Sulfonylharnstoffen, nichtsteroidalen Antirheumatika sowie die unerwünschten Wirkungen von Methotrexat, Lithium, Valproat und Phenytoin. Erhöht wird weiterhin das Risiko gastrointestinaler Blutungen bei gleichzeitiger Behandlung mit Kortikosteroiden.

Vermindert wird die Wirkung von Spironolacton, Furosemid und harnsäureausscheidenden Gichtmitteln. Antacida können die Salicylatblutspiegel senken.

Schwangerschaft/Stillzeit

Tierstudien haben unerwünschte Effekte auf die Föten gezeigt. Kontrollierte Studien bei schwangeren Frauen liegen nicht vor. Das potentielle Risiko für den Menschen ist nicht bekannt. Tiatral 100 SR sollte während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn es ist klar notwendig. Im letzten Trimenon der Schwangerschaft kann die Einnahme von ASS zu Wehenhemmung und zu Blutungen, zu einer Verlängerung der Gestationsdauer und zu vorzeitigem Verschluss des Ductus arteriosus des Foetus führen.

Tiatral 100 SR tritt in die Muttermilch über. Mütter, die Salicylate über längere Zeit einnehmen, sollten nicht stillen.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es sind keine Beeinträchtigungen zu erwarten.

Unerwünschte Wirkungen

Häufigkeit

Sehr häufig (>1/10), häufig (>1/100 <1/10), gelegentlich (>1/1000 <1/100), selten (>1/10’000 <1/1000), sehr selten (<1/10’000).

Blut und blutbildende Organe

Sehr selten: Thrombozytopenie, Agranulozytose, Panzytopenie, aplastische Anämie, verlängerte Blutungszeit.

Überempfindlichkeitsreaktionen

Gelegentlich: Asthma.

Selten: Salicylatüberempfindlichkeit (Urtikaria, Ödeme, Dyspnoe), Überempfindlichkeitsreaktionen in Form von erythematösen/ekzematösen Hauterscheinungen, Urtikaria, Rhinitis, Bronchospasmus, angioneurotisches Ödem, Blutdruckabfall bis hin zum Schock.

Sehr selten: Schwere Hautreaktionen bis hin zum Erythem exsudativum multiforme, Steven-Johnson-Syndrom, toxisch epidermale Nekrolyse.

Magen-Darm-Trakt

Häufig: Gastrointestinale Beschwerden.

Selten: Magenblutungen.

Leber

Selten: Leberfunktionsstörungen, erhöhte Leberenzymwerte.

Sonstige

Sehr selten: Reye-Syndrom (s. «Warnhinweise/Vorsichtsmassnahmen»).

Überdosierung

Bei Überdosierung treten Ohrensausen und Schwindel auf, die bei Dosisreduktion wieder verschwinden. Bei schwerer Intoxikation treten eine zentrale Hyperventilation mit respiratorischer Alkalose und späterer metabolischer Azidose auf, die medizinische Massnahmen erforderlich machen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: B01AC06

Wirkmechanismus/Pharmakodynamik

ASS hemmt bereits in niedrigen Dosen die Thrombozytenaggregation. Diese Hemmwirkung beruht im Wesentlichen auf einer irreversiblen Blockierung der Cyclooxygenase, des Schlüsselenzyms des Arachidonsäure-Stoffwechsels. Da die Kapazität der abbauenden Enzyme (Desacetylierung durch unspezifische Esterasen) limitiert ist, wird bei Einnahme von niedrig dosierter ASS in Verbindung mit der verzögerten Freigabe («sustained release»-Galenik) eine Thrombozytenaggregationshemmung bereits prähepatisch erreicht, und in der posthepatischen Zirkulation sind tiefere ASS-Konzentrationen zu finden. Dies erklärt, warum das ebenfalls aggregatioshemmende Prostacyclin in den Gefässendothelien anderer Körperregionen wesentlich schwächer gehemmt wird als bei hochdosierter ASS-Gabe. Es resultiert eine therapeutisch günstige Verschiebung des Thromboxan-Prostacyclin-Gleichgewichtes.

ASS hemmt auch die Plättchenverformung. Dadurch wird die Entstehung von so genannten weissen Thromben in kleinen Gefässen verhindert. Diese Eigenschaften führen zu einer günstigen Beeinflussung thrombotischer Prozesse.

Tiatral 100 SR enthält den Wirkstoff in einer Matrix aus Methocel, einem wasserlöslichen Zellulosederivat. Mit dieser speziellen Galenik wird eine verzögerte Freisetzung («sustained release») des Wirkstoffes erreicht. Nach Einnahme der Tablette bildet sich durch die Flüssigkeitsaufnahme auf ihrer Oberfläche eine Gel-Schicht, aus der der Wirkstoff über Diffusions- und Erosionsprozesse langsam freigesetzt wird. In vitro-Freigabeuntersuchungen bei unterschiedlichem pH haben gezeigt, dass nach spätestens 6 h rund 90% des Wirkstoffs in Lösung gegangen sind.

Pharmakokinetik

Absorption

Im Vergleich zu unverzögerter ASS weist Tiatral 100 SR eine um ca. 9% höhere Bioverfügbarkeit auf.

Distribution

Wegen der langsamen intestinalen Freisetzung gelangen nur kleinere Mengen unmetabolisierter ASS in den Kreislauf. Die aus ASS durch Desacetylierung entstehende Salicylsäure verteilt sich rasch in allen Körpergeweben und -flüssigkeiten. Die Verteilung ist dosis- und pH-abhängig (Verteilungsvolumen 0,1–0,2 l/kg, tmax = ca. 30 min, Cmax = ca. 3,7 µg/ml). In die Muttermilch werden nur minimale Mengen abgegeben. Die Plazenta ist für Salicylate passierbar.

Im Plasma wird die Salicylsäure konzentrationsabhängig zu 60–90% an Eiweisse, vorwiegend Albumin, gebunden.

Metabolismus

Metabolismus und Ausscheidung zeigen eine nichtlineare und dosisabhängige Kinetik. Hauptsächlichster Metabolisierungsweg ist die Bindung an Glycin (v.a. in der Leber). Dabei entsteht Salicylsäure, die mit Glukuronsäure oder Schwefelsäure konjugiert wird.

Elimination

Die Ausscheidung erfolgt praktisch vollständig renal. Bei normal saurem Urin werden 80% als Salicylursäure, 10% als Konjugate und 10% als freie Salicylsäure ausgeschieden. Die freie Salicylsäure wird pH-abhängig tubulär rückresorbiert.

Die systemisch verfügbare ASS wird mit einer Halbwertszeit von rund 15 min abgebaut. Die biologische Halbwertszeit der bei der Hydrolyse gebildeten Salicylsäure beträgt bei niedriger Dosierung ca. 2–3 h, nach Gabe hoher Dosen (>3 g) ist sie aufgrund einer Sättigung des konjugierenden Enzymsystems deutlich erhöht. Bei stark saurem Urin werden grössere Mengen freier Salicylsäure rückresorbiert, was die Halbwertszeit auf über 10 h verlängern kann.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Bei eingeschränkter Leberfunktion kann es aufgrund verzögerter Biotransformation zu einem verlangsamten Abbau der ASS zu Salicylsäure kommen.

Bei eingeschränkter Nierenfunktion können die inaktiven Konjugate der Salicylsäure kumulieren, während der Abbau für die Salicylsäure im Plasma nicht beeinträchtigt wird.

Präklinische Daten

Mutagenität

ASS wurde in vitro und in vivo bezüglich mutagener Wirkungen untersucht. Die Gesamtheit der Befunde ergibt keine relevanten Verdachtsmomente für eine mutagene Wirkung

Kanzerogenität

Ein eigenständiges tumorerzeugendes Potential von ASS ist nicht bekannt.

Reproduktionstoxizität

Salicylate haben in mehreren Tierspezies teratogene Wirkung gezeigt.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerhinweise

Tiatral 100 SR soll nicht über 25 °C aufbewahrt werden.

Zulassungsnummer

52189 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Novartis Pharma Schweiz AG, Risch; Domizil: 6343 Rotkreuz

Stand der Information

Mai 2007.

Verwendung dieser Informationen

Die Informationen auf dieser Seite sind für Fachpersonal gedacht. Bei Fragen lassen Sie sich von einer Fachperson (z.B. Arzt oder Apotheker) beraten und lesen Sie die Packungsbeilage auf unserer Produktseite.