Selectol Filmtabl 200 Mg 90 Stk

Selectol Filmtabl 200 Mg 90 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Celiprololi hydrochloridum.

Hilfsstoffe: Mannitolum, Cellulosum microcristalin, Natriumcroscaramellosum, Magnesiumstearatum, Opadry YS-1-7006-clear, Opadry Y-1-7000-white.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 Tablette enthält 200 mg Celiprolol HCl.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Hypertonie, Angina pectoris (Koronare Herzkrankheit).

Dosierung/Anwendung

Bis heute wurden weder die Anwendung noch die Sicherheit von Selectol Filmtabletten beim Kind und beim Jugendlichen untersucht.

Die übliche Dosierung beträgt 200 mg (1 Tablette) täglich, falls erforderlich kann auf 400 mg pro Tag gesteigert werden.

Höhere Dosierungen bringen in der Regel keine weitere Wirkungsverstärkung; zur Therapie der Hypertonie ist die Kombination mit einem Antihypertensivum, insbesondere Diuretikum häufig erfolgreicher als eine Erhöhung der Selectol-Dosis. Zu Beginn einer Kombinationsbehandlung ist eine enge Blutdrucküberwachung empfohlen.

Die gesamte Tagesdosis sollte morgens mind. ½ Stunde vor dem Frühstück bzw. 2 Stunden danach eingenommen werden (Bioverfügbarkeit ist bei gleichzeitiger Nahrungsaufnahme verringert).

Der Patient sollte individuell informiert werden, wie im Falle einer unterbliebenen Einnahme zum vorgeschriebenen Zeitpunkt vorzugehen ist.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Niereninsuffizienz: Bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance <40 ml/Min ist der Herzrhythmus zu überwachen. Bei Auftreten einer Bradykardie (weniger als 50–55 Schläge/Min. in Ruhe), muss die Behandlung überdacht werden.

Celiprolol wird bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance <15 ml/Min nicht empfohlen.

Leberinsuffizienz: Bei Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz ist die Dosis ebenfalls individuell anzupassen.

Beim Absetzen von Selectol muss die Dosierung schrittweise (über 1–2 Wochen) reduziert werden (Rebound-Gefahr).

Kontraindikationen

Kardiogener Schock,

Bradykardie (Herzfrequenz <50/Min.),

AV-Block 2. und 3. Grades,

Sinusknotensyndrom (einschliesslich SA-Block),

Dekompensierte Herzinsuffizienz,

Urämie,

Asthmaanfall,

Unbehandeltes Phäochromozytom,

Überempfindlichkeit gegenüber Celiprolol oder einem der Inhaltsstoffe,

Hypotonie (systolischer Blutdruck <100 mmHg),

Fortgeschrittenes Stadium der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit und des Raynaud-Syndroms.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Selectol darf nur mit Vorsicht (Überwachung, evtl. Dosisanpassung) angewendet werden bei: AV-Block 1. Grades, bifaszikulärem Schenkelblock, Hypotonie, metabolischer Azidose, diabetischer Ketoazidose, schwerer Leber- oder Niereninsuffizienz.

Bei Patienten mit Koronarinsuffizienz darf die Behandlung nicht abrupt abgebrochen werden: plötzliches Absetzen einer β-Rezeptoren-Behandlung kann bei Patienten mit ischämischer Herzerkrankung Angina pectoris Anfälle auslösen oder deren Schweregrad erhöhen bzw. die kardiale Funktion verschlechtern. Die Dosierung muss schrittweise über 1–2 Wochen reduziert werden.

Vorsicht bei Kombination mit Verapamil (vgl. bei «Interaktionen»).

Bei folgenden Erkrankungen ist ebenfalls Vorsicht geboten:

Herzinsuffizienz: Patienten mit kompensierter Herzinsuffizienz müssen unter Celiprolol-Behandlung eng überwacht werden. Bei Anzeichen einer kardialen Dekompensation muss die Behandlung abgebrochen werden.

Prinzmetal Angina: β-Blocker können die Anzahl und die Dauer der Angina pectoris Anfälle erhöhen.

Asthma und bronchospastische Erkrankungen: aufgrund der β-1-selektiven und der β-2-agonistischen Wirkungen, kann Celiprolol bei kontrollierten Asthmatikern und bei Patienten mit kompensierter chronisch obstruktiven Lungenerkrankung eingesetzt werden.

Cor pulmonale: Die respiratorische und gegebenenfalls die kardiale Insuffizienz sollten vor Verabreichung von Selectol kompensiert sein.

Phaeochromozytom: Selectol nur zusammen mit einem α-Rezeptorenblocker verabreichen. Eine enge Blutdruckkontrolle ist erforderlich.

Diabetes: Selectol kann die Symptomatik einer Hypoglykaemie verschleiern. Obwohl Celiprolol sich nicht auf den Kohlenhydratstoffwechsel auswirkt, kann sich ein latenter Diabetes manifestieren; auch ein bestehender Diabetes kann sich verschlimmern.

Periphere arterielle Verschlusskrankheiten: Patienten überwachen, da vereinzelt eine akute Komplikation möglich ist (unerwünschte Vasokonstriktion).

Psoriasis: Betablocker sollen Patinten, die an Psoriasis leiden, erst nach einer eingehenden Untersuchung verabreicht werden, da sie zur Verschlimmerung der Psoriasis führen können.

Niereninsuffizienz: Siehe Kapitel «Dosierungsanweisung».

Thyreotoxikose: Bei Patienten, die an Hyperthyreose leiden, können die klinischen Anzeichen der Thyreotoxikose (Tachykardie und Tremor) maskiert sein.

Allergische Reaktionen: allergische Reaktionen wurden mit Celiprolol beobachtet. Celiprolol kann die Empfindlichkeit gegenüber dem Allergen sowie den Schweregrad einer anaphylaktischen Reaktion auf andere Arzneimittel erhöhen.

Allgemeinnarkose: Der Anästhesist muss über eine Celiprolol-Therapie informiert werden. Wenn die Therapie vor der Operation abgesetzt werden soll, so ist eine Zeitspanne von 48 h zwischen der Narkose und der letzten Dosis einzuhalten. Bei Fortführung der Celiprolol-Behandlung ist besondere Vorsicht bei Verwendung von Äther, Cyclopropan und Trichloräthylen angezeigt.

Interaktionen

Mit Nicht-Dihydropyridin-Calciumkanalblocker (zum Beispiel Verapamil und zu einem geringeren Grad Diltiazem): Bradykardie und Hypotonie sind möglich. Verapamil und Celiprolol verlangsamen beide durch verschiedene Mechanismen die AV-Überleitung und können die myokardiale Kontraktilität verringern. Deshalb sollten klinische Anzeichen und das EKG sorgfältig überwacht werden, insbesondere zu Beginn der Behandlung.

Mit MAO-Hemmern (ausgenommen MAO-B-Hemmer): schwere orthostatische Hypotonie kann auftreten.

Mit Digitalis-Glykoside: Die gleichzeitige Verabreichung mit Betablockern kann die AV-Überleitungszeit verlängern.

Mit Organo-Anion-Transporter(OATP)-Inhibitoren: Celiprol ist ein Substrat der intestinalen Aufnahmetransporter OATP, insbesondere OATP1A2 und OATP2B1. OATP-Inhibitoren können zu einer verminderten Resorption von Celiprolol führen. Es hat sich gezeigt, dass Säfte aus Zitrusfrüchten (wie Grapefruitsaft oder Orangensaft) die Resorption von Celiprolol aus dem Darmtrakt durch Inhibition der OATP2B1-Aufnahmetransporter-Aktivität vermindern; dies führt zu einer etwa 90%igen Verminderung von AUC und Cmax. Patienten sollten dazu angehalten werden, die Einnahme zusammen mit solchen Getränken zu vermeiden.

Mit Klasse I Antiarrhythmika (Ajmalin, Chinidin oder Procainamid): die negativ chronotrope und negativ dromotrope Wirkung wird durch Selectol verstärkt, was Bradykardie und AV-Überleitungsstörungen zur Folge haben kann. Eine klinische Überwachung mit EKG-Kontrolle ist erforderlich.

Mit Fingolimod: Die gleichzeitige Verabreichung von Fingolimod mit Betablockern könnte die bradykarden Effekte verstärken und wird daher nicht empfohlen. Wenn eine solche gleichzeitige Verabreichung als erforderlich angesehen wird, wird eine angemessene Beobachtung zu Beginn der Behandlung, zumindest während einer Nacht, empfohlen.

Mit Clonidin: Bei gleichzeitiger Verabreichung muss Selectol mehrere Tage vor Clonidin abgesetzt werden, da die Betablocker die Rebound-Hypertonie nach dem Absetzen von Clonidin verstärken können.

Mit Guanethidin, Reserpin: verstärkte Blutdrucksenkung von Selectol.

Insulin und orale Antidiabetika: Selectol verstärkt deren Wirkung. Die Symptome einer Hypoglykämie können verschleiert werden.

Prostaglandin-Synthetase-Hemmer wie Ibuprofen oder Indomethacin können die blutdrucksenkende Wirkung von Selectol vermindern.

Calcium-Antagonisten (z.B. Diltiazem) verringern die kardiale Kontraktilität und verlangsamen die atrio-ventrikuläre Überleitung.

Dihydropiridinderivate: die Gefahr einer Hypotonie ist erhöht. Es besteht zudem bei Patienten mit einer unerkannten oder unkontrollierten Herzinsuffizienz das Risiko eines Herzversagens. Der Blutdruck muss bei gleichzeitiger Behandlung von Dihydropiridinderivaten und Celiprolol eng überwacht werden, insbesondere zu Beginn der Behandlung.

Amiodaron: Verstärkung der negativ chronotropen und dromotropen Wirkung. Die Kombination muss unter Vorsicht vorgenommen werden.

Mit blutdrucksenkenden Arzneimitteln (zum Beispiel trizyklische Antidepressiva, Barbiturate, Phenothiazine): Die gleichzeitige Verabreichung kann die blutdrucksenkende Wirkung der Betablocker verstärken und das Risiko für orthostatische Hypotonie erhöhen.

Mit Alkohol: schwere Hypotonie möglich.

Mit Narkotika: ist während einer Behandlung mit Selectol eine Narkose nötig, so soll ein Narkotikum mit einer möglichst geringen negativ inotropen Wirkung gewählt werden. Celiprolol schwächt die Reflextachykardie ab und erhöht die Gefahr der Hypotonie. Vor einer Allgemeinnarkose sollte der Anästhesist über die Behandlung mit Betablockerinformiert werden.

Interaktionen mit Inhibitoren/Induktoren des P-Glykoproteins:

Celiprolol ist ein Substrat des P-Glykoprotein(P-gp)-Efflux-Transporters.

Die gleichzeitige Anwendung mit Arzneimitteln, die P-gp inhibieren (z.B. Verapamil, Erythromycin, Clarithromycin, Ciclosporin, Chinidin, Ketoconazol und Itraconazol), führen voraussichtlich zu erhöhten Plasmakonzentrationen von Celiprol. Die gleichzeitige Gabe von 100 mg Celiprolol und 200 mg des P-gp-Inhibitors Itraconazol führte zu einer 80%igen Erhöhung der AUC von Celiprolol.

Bei gleichzeitiger Anwendung mit P-gp-Inhibitoren kann eine Dosisreduktion in Erwägung gezogen werden.

Durch eine gleichzeitige Anwendung mit Arzneimitteln, die P-gp induzieren (z.B. Rifampicin und Johanniskraut), könnte es zu einer Erniedrigung der Plasmakonzentrationen von Celiprolol kommen. Die gleichzeitige Gabe von 200 mg Celiprolol und 600 mg Rifampicin einmal täglich an 5 aufeinanderfolgenden Tagen führte zu einer Abnahme der AUC von Celiprolol um 40%. Ein noch stärkerer Effekt nach einer längeren Behandlung mit Rifampicin kann nicht ausgeschlossen werden. Wenn eine Behandlung mit einem P-gp-Induktor eingeleitet oder beendet wird, kann eine Dosisanpassung erforderlich sein.

Mefloquin: Risiko einer Bradykardie.

Sympathomimetika: können dem Effekt von Betablockern entgegenwirken.

Schwangerschaft/Stillzeit

Es sind bei schwangeren Frauen keine kontrollierten Studien verfügbar. In Tierversuchen wurden keine teratogenen Effekte festgestellt, jedoch zeigten sich embryotoxische Effekte bei 54-60 facher Dosierung. Selectol sollte während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn es ist klar notwendig.

Bei der Anwendung von Betablockern während der Schwangerschaft besteht für das Neugeborene das Risiko einer Bradykardie, Hypoglykämie und Atemnot. Das Wachstum kann retardiert sein.

Eine sorgfältige Überwachung des Neugeborenen (Herzfrequenz und Blutzucker) ist während den ersten 3 bis 5 Tagen nach der Geburt empfohlen. Eine β-Blockade bei der Mutter hält beim Neugeborenen über mehrere Tage nach der Geburt an. Es besteht die Gefahr eines Herzversagens, welche eine Hospitalisation erforderlich macht. Das Plasmavolumen sollte wegen der Gefahr eines Lungenödems nicht erhöht werden.

Celiprolol geht möglicherweise in die Muttermilch über. Während einer Behandlung mit Selectol sollte vorsichtshalber auf das Stillen verzichtet werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Patienten, die mit Selectol behandelt werden, müssen darauf hingewiesen werden, dass Tremor, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel und Sehstörungen auftreten können. Die Patienten müssen darauf hingewiesen werden, dass sie im Falle des Aufretens solcher Symptome nicht Auto fahren und keine Maschinen bedienen sollten.

Unerwünschte Wirkungen

Die unerwünschten Wirkungen sind nachfolgend nach der MedDRA-Klassifizierung wiedergegeben. Die Häufigkeit der unerwünschten Wirkungen wird wie folgt angegeben: «sehr häufig» (≥1/10), «häufig» (<1/10, ≥1/100), «gelegentlich» (<1/100, ≥1/1000), «selten» (<1/1000, ≥1/10'000), «sehr selten» (<1/10'000).

Unerwünschte Wirkungen treten häufig nur zu Beginn einer Therapie auf und lassen später nach. Unerwünschte Wirkungen von Betarezeptorenblockern sind zu einem Teil auf die Wirkung an den adrenergen Beta-Rezeptoren zurückzuführen. Dazu gehören vor allem die kardio-vaskulären, respiratorischen und metabolischen Reaktionen.

Da Celiprolol nur die β1-Rezeptoren blockiert und die β2-Rezeptoren stimuliert, sind die negativen Einflüsse auf den Bronchialtrakt, den Stoffwechsel der Serumlipide, den Kohlenhydratstoffwechsel und den Tonus der peripheren Gefässe seltener und geringer als bei den nicht β1-selektiven Rezeptorenblockern.

Funktionsstörungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Häufig: Hyperhidrose, Erythem, Ausschlag, Juckreiz.

Selten: Hautreaktionen einschliesslich psoriasiforme Hautausschläge, Dermatitis.

Muskelskelettsystem

Selten: Muskelkrämpfe (Muskelspasmen).

Unbekannt: systemischer Lupus erythematodes, Arthralgie.

Störungen des Nervensystems

Häufig: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Somnolenz, Schwindel, Tremor, Parästhesie.

Augenleiden

Sehr selten: eingeschränktes Sehvermögen, Xerophtalmie.

Störungen des Immunsystems

Selten wurde die Bildung von antinukleären Antikörpern beobachtet, begleitet ausnahmsweise von klinischen Symptomen (reversibles Lupus Syndrom).

Psychiatrische Störungen

Häufig: Depression.

Sehr selten: Schlaflosigkeit.

Unbekannt: Alpträume, Abnahme der Libido, Halluzination.

Gastrointestinale Störungen

Häufig: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Mundtrockenheit.

Unbekannt: Durchfall, Obstipation, Gastralgie, Meteorismus.

Stoffwechsel und Ernährungsstörungen

Sehr selten: Fälle von Hypoglykämie oder Hyperglykämie wurden berichtet. Es kann eine nicht offenkundige Zuckerkrankheit (latenter Diabetes mellitus) in Erscheinung treten oder eine bereits bestehende sich verschlechtern; Zeichen eines erniedrigten Blutzuckers (z.B. schnelle Herzschlagfolge) können verschleiert werden.

Funktionsstörungen des Herzens

Sehr selten: Palpitationen.

Unbekannt: Synkope, Verstärkung oder Auslösung einer Herzinsuffizienz, Bradykardie.

Funktionsstörungen der Gefässe

Häufig: Flush, Verstärkung pripherer Durchblutungsstörungen wie Claudicatio intermittens oder Raynaud-Syndrom.

Selten: Hypotonie, Kältegefühl in den Gliedmassen.

Atmungsorgane

Gelegentlich: Dyspnoe.

Unbekannt: Bronchospasmus, interstitielle Pneumonitis.

Funktionsstörungen des Reproduktionssystems und der Brust

Häufig: Potenzstörungen (erektile Dysfunktion).

Laborwerte

Häufig: antinukleärer Antikörper.

Selten: erhöhte Transaminasewerte.

Überdosierung

Folgende Symptome wurden bei Überdosierung beobachtet: Bradykardie, Hypotonie, Bronchospasmus und akute Herzinsuffizienz.

Da kein spezifisches Antidot vorhanden ist, sollte die Behandlung symptomatisch und unterstützend sein. Eine enge Überwachung wird dringend angeraten. Bei Auftreten einer Bradykardie oder schwerer Hypotonie sind folgende Verabreichungen empfohlen:

  • Atropin 1–2 mg i.v.
  • Glucagon 1 mg wiederholbar

Wenn nötig gefolgt von 25 μg Isoprenalin langsam i.v. oder Dobutamin 2,5–10 μg/kg/Min als i.v.-Infusion.

Bei Reizleitungsstörungen ist ein Herzschrittmachertherapie in Erwägung zu ziehen.

Bei kardialer Dekompensation des Neugeborenen durch eine β-Blocker-Behandlung der Mutter sind unter spezieller Überwachung im Spital folgende Verabreichungen empfohlen:

Glucagon 0,3 mg/kg

Isoprenalin in hoher Dosierung.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: C07AB08

Wirkungsmechanismus/Pharmakodynamik

Celiprolol, der Wirkstoff von Selectol, ist ein hydrophiler Beta-Rezeptorenblocker. Celiprolol hemmt selektiv β1-Adrenorezeptoren (Kardioselektivität) bei gleichzeitiger β2-Rezeptoren-Stimulation. Zusätzlich hat Celiprolol eine intrinsische sympathomimetische Aktivität (ISA), eine direkte dilatierende Wirkung auf die glatte Muskulatur der Gefässe und Bronchien und entspricht in einer Dosierung von 200 mg in der antihypertensiven Wirkung 80 mg Propranolol.

Membranstabilisierende und negativ inotrope (= chinidinartige) Eigenwirkungen werden in therapeutischen Dosen nicht beobachtet.

Neben hämodynamischen (antihypertensiven, antianginösen) hat Celiprolol wichtige metabolische Eigenschaften: Plasmalipidspiegel (LDL, HDL, TG) werden günstig beeinflusst. Celiprolol beeinflusst die Insulinfreisetzung und den Kohlenhydratstoffwechsel in geringerem Mass als nicht selektive β-Blocker.

Klinische Wirksamkeit

Aus der Pharmakodynamik von Celiprolol ergeben sich folgende klinische Wirkungen: Senkung des diastolischen und systolischen Blutdruckes durch Verminderung des peripheren Widerstandes (= Verminderung der Nachlast) sowie Verlängerung des anfallsfreien Intervalles bei Patienten mit Angina pectoris. Selectol eignet sich aufgrund seiner Eigenschaften (β2-Stimulation, ISA) auch zur Hochdrucktherapie bei Patienten mit insulinpflichtigem Diabetes, mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit und Neigung zu Bronchokonstriktion (nicht bei manifestem Asthma bronchiale).

Wie bei anderen Betablockern ist die Wirkungsdauer von Selectol wesentlich länger als von der Halbwertszeit zu erwarten wäre. Sie liegt bei 24 Stunden.

Pharmakokinetik

Absorption

Nach oraler Gabe wird Celiprolol aus dem Dünndarm resorbiert. Die Bioverfügbarkeit nimmt mit steigender Dosierung zu und beträgt nach 100 mg ca. 30%, nach 200 mg ca. 56% und nach 400 mg ca. 74%. Gleichzeitige Nahrungsaufnahme vermindert die Bioverfügbarkeit.

Distribution

Maximale Plasmaspiegel werden nach 3-4 Stunden erreicht (ca. 560-680 µg/ml nach einer Dosis von 200 mg). Die Plasmaproteinbindung von Celiprolol liegt bei 25-30%. Eine Kumulation wurde nicht beobachtet. Das Verteilungsvolumen von Celiprolol ist 6,5 l/kg.

Celiprolol passiert die Plazentarschranke und geht möglicherweise in die Muttermilch über.

Elimination

Die Plasmahalbwertszeit beträgt 4-5 Stunden.

Celiprolol wird zum grössten Teil unverändert durch die Nieren (10-15%) und biliär durch die Faezes (85-90%) ausgeschieden.

Pharmakokinetik spezieller Patientengruppen

Bei älteren Patienten bleibt die Pharmakokinetik von Celiprolol unverändert.

Bei Leberinsuffizienz wird Celiprolol vermehrt durch die Nieren ausgeschieden, bei Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance <10 ml/Min.) vermehrt mit der Galle. In letzterem Fall ist die Dosis zu reduzieren (vgl. «Spezielle Dosierungsanweisungen»).

Präklinische Daten

Mutagenizität/Karzinogenität

Mutagenitäts Studien mit Celiprolol verliefen alle negativ.

Chronische Toxizität: Langzeitstudien ergaben keine Hinweise auf ein Zielorgan.

Reproduktionstoxizität

Beim Kaninchen erwies sich Celiprolol ab einer 54 bis 60fach höheren Maximaldosierung als beim Menschen als embryotoxisch, zeigte jedoch keine teratogenen Effekte.

Sonstige Hinweise

Beeinflussung diagnostischer Methoden

Dopingtests: Celiprolol kann eine positive Reaktion auf Arzneimittelnachweistests erzeugen.

Haltbarkeit

Verfalldatum (EXP) auf der Verpackung beachten.

Besondere Lagerungshinweise

Bei Raumtemperatur (15-25 °C) aufbewahren.

Zulassungsnummer

44421 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

sanofi-aventis (schweiz) ag, 1214 Vernier/GE.

Stand der Information

August 2015.

Verwendung dieser Informationen

Die Informationen auf dieser Seite sind für Fachpersonal gedacht. Bei Fragen lassen Sie sich von einer Fachperson (z.B. Arzt oder Apotheker) beraten und lesen Sie die Packungsbeilage auf unserer Produktseite.