Saroten Retard Kaps 50 Mg 30 Stk

Saroten Retard Kaps 50 Mg 30 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Amitriptylin als Hydrochlorid. 

Hilfsstoffe: Zucker-Maisstärke-Pellets, Stearinsäure, Schellack, Talk, Povidon, Gelatine, Color: Eisenoxid E172 (rotes in 25 mg und 50 mg, gelbes nur in 25 mg), Titandioxid E171.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Kapseln zu 25 mg bzw. 50 mg Amitriptylin. 

Der Wirkstoff wird protrahiert freigesetzt.

Aussehen der Kapseln

25 mg: längliche gelbe Hartkapsel mit rostrotem Deckel.

Inhalt: weissliche bis gelbliche Pellets.

50 mg: längliche rostrote Hartkapsel mit rostrotem Deckel.

Inhalt: weissliche bis gelbliche Pellets.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Endogene Depressionen, Depressionen in der Geriatrie, reaktive Depressionen, neurotische Depressionen, depressive Symptomatik bei Psychosen aus der Gruppe der schizophrenen Reaktionsformen (in Kombination mit einem Neuroleptikum) sowie Stimmungsschwankungen bei somatischen Krankheiten. 

Saroten Retard kann auch verwendet werden bei gewissen Patienten mit chronischen Schmerzen, die sich gegenüber der üblichen prophylaktischen Behandlung als resistent erwiesen haben.

Dosierung/Anwendung

Die Dosierung ist abhängig von der Art und Schwere des Leidens sowie vom Alter und Zustand des Patienten. Bei älteren und geschwächten Patienten ist grundsätzlich die niedrigste wirksame Dosis zu geben. 

Die Tagesdosis soll langsam aufgebaut werden. Die Hauptdosis wird immer abends gegeben. Die Anwendung von Tagesdosen über 150 mg sollte im Allgemeinen der stationären Behandlung vorbehalten bleiben. 

Depressionen 

Initial 1 Kapsel zu 50 mg ca. 2 Stunden vor dem Schlafengehen. Nach einer Woche eventuell Steigerung auf 2-3 Kapseln abends (100-150 mg). 

Nach zufriedenstellender Wirkung Abstufung auf eine Erhaltungsdosis, die den therapeutischen Effekt gewährleistet: in der Regel 1-2 Kapseln abends (50-100 mg). 

Ältere und geschwächte Patienten:

Initial 1 Kapsel zu 25 mg ca. 2 Stunden vor dem Schlafengehen. Nach einer Woche die Dosis eventuell auf 2-3 Kapseln (50-75 mg) abends erhöhen. Nach zufriedenstellender Wirkung Abstufung auf eine Erhaltungsdosis, die den therapeutischen Effekt gewährleistet: in der Regel 1-2 Kapseln abends (25-50 mg). 

Nach Wirkungseintritt werden die Patienten während 4-6 Monaten behandelt oder so lange, wie die (endogene) Depression erfahrungsgemäss anhält. Zur Beendigung der Behandlung ausschleichend dosieren. 

Anwendung bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren: 

Saroten Retard ist in der Behandlung von Patienten unter 18 Jahren nicht geprüft und kann daher nicht empfohlen werden. 

Chronische Schmerzen 

Initial 1 Kapsel zu 25 mg 2 Stunden vor dem Schlafengehen. Bei Bedarf langsame Erhöhung um 25 mg/Tag, in der Regel nicht über 100 mg/Tag. Die mittlere therapeutische Dosis beträgt 50-75 mg/Tag. 

Da die prophylaktische Wirkung nur bei gewissen Patienten nachweisbar ist, muss der Behandlungserfolg nach 3-4 Wochen evaluiert werden. 

Hinweis zur Anwendung

Saroten Kapseln werden mit Wasser geschluckt.

Die Kapseln können aber auch geöffnet und die Pellets mit einem kalten Getränk oder mit einem Jogurt geschluckt werden. Die Pellets dürfen nicht zerkaut werden.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegenüber Amitriptylin oder einem der Hilfsstoffe. Unmittelbare Genesungsphase nach Myocard-Infarkt. Erregungsleitungsstörungen im Hisschen Bündel. Akute Alkohol-, Barbiturat- und Opiatvergiftungen. 

MAO-Hemmer

Es konnten schwere und manchmal fatale Reaktionen beobachtet werden bei Patienten, welche gleichzeitig trizyklische Antidepressiva und MAO-Hemmer, einschliesslich dem selektiven MAO-B-Hemmer Selegilin und dem reversiblen MAO-Hemmer Moclobemid, eingenommen hatten. Einige Patienten zeigten Symptome, die an einen hyperserotoninergen Zustand (Serotonin-Syndrom) erinnern. 

Die Behandlung mit Amitriptylin darf erst 14 Tage nach Abschluss einer Behandlung mit irreversiblen nicht-selektiven MAO-Hemmern und frühestens einen Tag nach Abschluss der Behandlung mit Moclobemid und Selegilin begonnen werden. 

Amitriptylin ist kontraindiziert bei akutem Harnverhalten, Pylorusstenose, paralytischem Ileus und unbehandeltem Engwinkelglaukom. Amitriptylin ist kontraindiziert bei Patienten, die Cisaprid einnehmen, da die Möglichkeit unerwünschter kardialer Interaktionen einschliesslich QT-Verlängerungen, Arrhythmien und Leitungsübertragungsstörungen besteht.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Eine Depression geht einher mit einem erhöhten Risiko von Suizidgedanken, Selbstverletzungen und vollendetem Suizid. Auch unter antidepressiver Therapie kann es zu einer Verstärkung von Suizidgedanken und Suizidverhalten kommen. In Übersichten von kontrollierten Studien zeigt sich die höchste Gefährdung bei Beginn der Therapie und vorwiegend auch bei Kindern und Jugendlichen. 

Eine Meta-Analyse von Placebo-kontrollierten Studien zur Anwendung von Antidepressiva bei Erwachsenen mit psychiatrischen Störungen zeigte für Patienten unter 25 Jahren, die Antidepressiva einnahmen, ein erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten im Vergleich zu Placebo.

Patienten unter Behandlung mit Antidepressiva müssen deshalb engmaschig in Bezug auf Zeichen einer Depressionsverschlechterung, insbesondere von suizidalem Verhalten sowie von Unruhe oder psychomotorischer Agitiertheit überwacht werden; dies vor allem zu Beginn der Behandlung und bei Dosisänderungen. Auch nach der Beendigung der Behandlung müssen Patienten gut kontrolliert werden, da solche Symptome sowohl als Zeichen eines Entzugs wie auch eines beginnenden Rückfalls auftreten können.

 Die Angehörigen der Patienten sollen auf dieses Risiko aufmerksam gemacht werden und lnstruktionen erhalten, wie sie sich bei verdächtigen Symptomen verhalten sollen. 

Eine antidepressive Therapie ist nicht geeignet, eine wegen Selbstgefährdung indizierte Hospitalisation zu vermeiden. Vor allem zu Beginn der Therapie soll das Medikament in der kleinsten angemessenen Packungsgrösse verschrieben werden, um das Risiko einer Selbstgefährdung zu vermindern. 

Andere psychiatrische Diagnosen als eine Depression können ebenfalls mit einem erhöhten Risiko von Suizidverhalten einhergehen und es sind deshalb die gleichen Vorsichtsmassnahmen zu beachten wie bei der Behandlung einer Depression. 

Saroten Retard sollte bei Patienten mit kardiovaskulären Schäden, Hyperthyreose, eingeschränkter Leberfunktion, Epilepsie, behandeltem Engwinkel-Glaukom (für unbehandeltes Engwinkel-Glaukom besteht eine Kontraindikation), Urinretention in der Anamnese, Prostata-Hypertrophie sowie bei paranoiden oder prädeliranten Zustandsbildern mit Vorsicht eingesetzt werden. 

Beim Umschlagen der Depression in eine manische Phase ist Saroten Retard durch ein geeignetes Neuroleptikum zu ersetzen. 

Saroten Retard ist in der Behandlung von Patienten unter 18 Jahren nicht geprüft und kann daher nicht empfohlen werden. 

Aufgrund des kardiotoxischen Potentials bei hohen Dosierungen ist daher bei der Abgabe von Saroten Retard betreffend Menge Vorsicht geboten. 

Es liegen Berichte vor, wonach trizyklische Antidepressiva, einschliesslich Amitriptylin, besonders bei hoher Dosierung EKG-Veränderungen (QT-Verlängerungen) und Arrhythmien (u.a. Torsade de Pointes) und Sinustachykardie verursachen können. 

Amitriptylin sollte wenn möglich einige Tage vor einem geplanten operativen Eingriff abgesetzt werden. 

Plötzliches Absetzen der Behandlung nach langdauernder Verabreichung kann zu Übelkeit und Kopfschmerzen führen. Saroten Retard hat jedoch kein eigentliches Abhängigkeitspotential (wie z.B. Craving bei Narkotika).

Interaktionen

Saroten Retard kann den sedativen Effekt anderer zentral wirkender Pharmaka verstärken. Die Wirkung von Alkohol kann durch Saroten Retard verstärkt werden, weshalb die Einnahme von Alkohol während der Behandlung zu vermeiden ist. ​

Gleichzeitige Verabreichung von trizyklischen Antidepressiva und nachstehenden Arzneimitteln kann die folgende Auswirkung haben: ​

ArzneimittelEffekt der Kombination
Adrenergika - direkt wirkend, alpha-rezeptorstimulierender Effekt (z.B. Noradrenalin, Adrenalin)Erhöhter Effekt der Adrenergika
Adrenergika - direkt wirkend, beta-rezeptorstimulierender Effekt (z.B. Isoprenalin, Adrenalin)Erhöhtes Risiko einer Arrhythmie
Adrenergika – indirekt wirkend (Ephedrin)Reduzierter Effekt von Ephedrin
Generelle AnästhetikaBlutdruckabfall, Arrhythmie. Der anästhetische Effekt wird potenziert
AnticholinergikaErhöhter anticholinerger Effekt
AntihistaminikaErhöhter antihistaminer Effekt
Orale Kontrazeptiva, Barbiturate, Carbamazepin, Phenytoin, NikotinBeschleunigung des hepatischen Metabolismus von Amitriptylin und Senkung der Konzentrationen
Betanidin, GuanethidinReduzierter antihypertensiver Effekt
Cisaprid, Antiarrhythmika (z.B. Chinidin), Antihistaminika, AntimalariamittelVerstärkung der Wirksamkeit, Risiko einer Verlängerung des QT- Intervalls
CimetidinVerstärkte Antidepressiva Nebenwirkungen
HIV-ProteasehemmerRisiko einer Plasmaspiegelerhöhung von trizyklischen Antidepressiva
L-DopaTeils reduzierter L-Dopa-Effekt, teils Risiko für kardiale Nebenwirkungen
MAO-Hemmer, nicht‑selektive und selektive MAO-A-HemmerRisiko eines «Serotonin-Syndroms» (siehe «Kontraindikationen»), hypertensive Krise und Hyperthermie
MethylphenidatMögliche gegenseitige Hemmung des Metabolismus
NeuroleptikaGegenseitige Hemmung des Metabolismus. Verstärkte Antidepressiva/Neuroleptika-Nebenwirkungen. Risiko einer Verlängerung des QT-Intervalls. In der Literatur wurde mit dieser Kombination schon über Konvulsionen berichtet

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Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Zur Anwendung von Amitriptylin in der Schwangerschaft liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor. Tierexperimentelle Studien haben nach hohen Dosen Amitriptylin Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe «Präklinische Daten»). Das potentielle Risiko für den Menschen ist nicht bekannt. Amitriptylin sollte während der Schwangerschaft, insbesondere im ersten sowie im letzten Trimenon nicht angewendet werden, es sei denn, dies ist dringend erforderlich. Nach Gabe höherer Dosierungen von Antidepressiva vor der Geburt wurden beim Neugeborenen Entzugserscheinungen in Form von Störungen der Herz- und Atemfunktion, Harn- und Stuhlentleerung sowie Unruhe beobachtet. 

Stillzeit

Amitriptylin und seine Metaboliten gehen zu einem geringen Anteil in die Muttermilch über. Mütter, bei denen die Anwendung von Amitriptylin indiziert ist, sollten deshalb nicht stillen.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Saroten Retard wirkt sedierend und kann damit einen ausgeprägten Einfluss haben auf die Fahrtüchtigkeit und die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen, besonders bei gleichzeitiger Alkoholeinwirkung.

Unerwünschte Wirkungen

Sehr häufig: (≥1/10)

Häufig: (<1/10, ≥1/100)

Gelegentlich: (<1/100, ≥1/1'000)

Selten: (<1/1'000, ≥1/10'000) 

Störungen des Blut- und Lymphsystems

Selten: Thrombozytopenie, Knochenmarkdepression, Agranulozytose, Leukopenie, Eosinophilie 

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Sehr häufig: Gewichtszunahme

Selten: Gewichtsabnahme, verminderter Appetit 

Psychiatrische Störungen

Häufig: Verwirrtheit, Libidoverminderung

Gelegentlich: Hypomanie, Manie, Ängstlichkeit, Schlaflosigkeit, Albträume

Selten: Delir (bei älteren Patienten), Halluzinationen (bei schizophrenen Patienten), Suizidgedanken oder Suizidverhalten 

Störungen des Nervensystems

Sehr häufig: Kopfschmerzen, Schwindel, Tremor, Schläfrigkeit

Häufig: Aufmerksamkeitsstörungen, Parästhesie, Ataxie, Geschmacksveränderung

Gelegentlich: Konvulsionen 

Augenleiden

Sehr häufig: Akkommodationsstörungen

Häufig: Mydriasis

Gelegentlich: erhöhter Augeninnendruck 

Funktionsstörungen des Ohrs und des Innenohrs

Gelegentlich: Tinnitus 

Funktionsstörungen des Herzens

Sehr häufig: Palpitation, Tachykardie

Häufig: EKG-Veränderungen (Verlängerung des QT-Intervalls, Verbreiterung des QRS-Komplexes), AV-Block, myokardiale Reizleitungsstörungen

Selten: Arrhythmie

Eine bestehende Herzinsuffizienz kann verstärkt werden. 

Funktionsstörungen der Gefässe

Sehr häufig: orthostatische Hypotonie

Gelegentlich: Hypertonie 

Gastrointestinale Störungen

Sehr häufig: Mundtrockenheit, Verstopfung, Nausea

Gelegentlich: Diarrhoe, Erbrechen, Zungenödem

Selten: Vergrösserung der Speicheldrüsen, paralytischer Ileus 

Funktionsstörungen der Leber und der Galle

Selten: Leberfunktionsstörungen (Erhöhung von Transaminasen und alkalischer Phosphatase im Serum), Gelbsucht 

Funktionsstörungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Sehr häufig: vermehrtes Schwitzen

Gelegentlich: Ausschlag, Urtikaria, Gesichtsödem

Selten: Alopezie, Photosensibilitätsreaktionen 

Funktionsstörungen der Nieren und ableitenden Harnwege

Gelegentlich: Harnretention 

Funktionsstörungen des Reproduktionssystems und der Brust

Häufig: Impotenz

Selten: Gynäkomastie 

Allgemeine Störungen

Häufig: Müdigkeit

Selten: Fieber 

Einige der oben erwähnten unerwünschten Wirkungen, z.B. Mundtrockenheit, Verstopfung, Kopfschmerzen, Tremor oder Libidoverminderung können auch Symptome der Depression sein. Diese Symptome klingen im Allgemeinen ab, wenn sich der depressive Zustand verbessert. 

Gewisse unerwünschte Wirkungen sind dosisabhängig und können durch eine Dosisreduktion verringert werden. Schwere Zustände der oben aufgeführten Nebenwirkungen erfordern ein sofortiges Absetzen des Präparates. 

Entzugssymptome

Abrupte Beendigung der Behandlung nach Langzeittherapie kann Übelkeit, Kopfschmerz und Unwohlsein hervorrufen. Es wurde berichtet, dass bei schrittweiser Dosisreduzierung innerhalb von zwei Wochen passagere Symptome einschliesslich Erregbarkeit, Ruhelosigkeit, Traum- und Schlafstörungen auftreten können. Selten wurde Manie oder Hypomanie 2-7 Tage nach Einstellung einer Langzeittherapie mit trizyklischen Antidepressiva beobachtet. 

Klasseneffekt

In epidemiologischen Studien, welche hauptsächlich bei Patienten im Alter von 50 Jahren oder älter durchgeführt wurden, zeigte sich unter der Einnahme von SSRIs (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) und TCAs (trizyklische Antidepressiva) ein erhöhtes Risiko von Knochenfrakturen. Der Mechanismus, der zu diesem Risiko führt, ist nicht bekannt.

Überdosierung

Symptome

Die Symptome können langsam und schleichend oder plötzlich und überraschend auftreten. Während der ersten Stunden Schläfrigkeit oder Exzitation, Unruhe und Halluzinationen, Mydriasis, Tachykardie, Harnverhalten, trockene Schleimhäute, herabgesetzte Darmmotilität, Krämpfe und Fieber. Später plötzlich einsetzende ZNS-Depressionen. Benommenheit bis zum tiefen Koma mit Atemdepression. 

Herzsymptome: Arrhythmien (ventrikuläre Tachyarrhythmie, Kammerflimmern), Herzinsuffizienz, Blutdruckabfall, kardiogener Schock. Herzrhythmusstörungen zeigen sich in pathologischen EKG-Mustern durch verbreiterten QRS-Komplex. Metabolische Azidose, Hypokaliämie. Während des Erwachens evtl. wieder Verwirrtheit, Unruhe, Halluzinationen und Ataxie. 

Dauer: 24-72 Stunden. 

Behandlung

Bei Vergiftungen mit hohen Dosen trizyklischer Antidepressiva ist bei nicht retardierten Präparaten innerhalb der ersten Stunde nach Einnahme eine primäre Dekontamination mit Aktivkohle oder eine Magenspülung indiziert.

Wegen des erhöhten Krampfpotentials ist die Aktivkohle der Magenspülung vorzuziehen. Bei schweren Vergiftungen bzw. bei verminderten Schutzreflexen ist der Patient vorgängig zu intubieren. Die Dekontaminationsmethode der Wahl bei Retardpräparaten ist die orthograde Darmspülung mit elektrolytbalancierter Polyethylenglykollösung (z.B. Fordtransche Lösung). 

Zur beschleunigten Elimination (sekundäre Dekontamination) ist bei einigen trizyklischen Antidepressiva die wiederholte orale Gabe von Aktivkohle möglicherweise wirksam. Die Hämodialyse zur sekundären Dekontamination ist unwirksam. 

Bei arterieller Hypotonie und/oder ventrikulären Arrythmien mit Verbreiterung des QRS-Komplexes im EKG (>100 msec) ist die Behandlung mit Natriumbikarbonat (1 mmol/kg) als Bolus oder als Kurzinfusion (5 Min.) angezeigt. Dies kann wiederholt werden, bis der Blutdruck ansteigt und die EKG-Veränderungen sich bessern, aber höchstens bis zu einem maximalen arteriellen pH von 7.55. Evtl. zusätzlich Lidocain i.v. Bei Bradyarrythmien ist die Einlage eines provisorischen Schrittmachers indiziert. Bei polymorpher Kammertachykardie vom Typ Torsade de Pointes: Gabe von Magnesiumsulfat 0.5 bis 1.5 g i.v. als einmalige Injektion. 

Bei Krampfanfällen: Behandlung mit einem Benzodiazepin i.v. 

Bei Koma und/oder Ateminsuffizienz: Intubation und künstliche Beatmung.

Hyperventilation zur Erhöhung des arteriellen pH nur, wenn nicht gleichzeitig Bikarbonat verabreicht wird (Gefahr der massiven Alkalose). 

Pyridostigmin und Physostigmin zur Therapie peripherer und zentraler anticholinerger Symptome sind wegen der kardialen Effekte kontraindiziert.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N06AA09 

Wirkungsmechanismus/Pharmakodynamik

Amitriptylin hemmt gleichmässig die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin in das präsynaptische Neuron. Der anticholinerge und antihistaminische Effekt von Amitriptylin ist relativ stark. Toxikologische Untersuchungen haben ergeben, dass Saroten Retard eine signifikant niedrigere akute Toxizität hat als dieselbe Dosis Amitriptylin-Substanz. 

Saroten Retard wirkt stark stimmungsaufhellend, angst- und spannungslösend, agitationsdämpfend und schlaffördernd. Die antidepressive/stimmungsaufhellende Wirkung tritt in der Regel nach spätestens 2-4 Wochen ein, wogegen der anxiolytisch-sedative Effekt schnell erkennbar ist. Der Schlaf-Wach-Rhythmus normalisiert sich relativ rasch. Speziell bei depressiven Patienten, bei Schlaflosigkeit und frühzeitigem Erwachen am Morgen, mit Angst und Unruhe kombiniert, kann Saroten Retard auf Grund des pharmakokinetischen Profils der Retardform vorteilhaft eingesetzt werden. Es sollte am besten 2 Stunden vor dem Schlafengehen eingenommen werden. Nach der initialen Sedierung und affektiven Abschirmung bessern sich die depressiv bedingten psychovegetativen und psychosomatischen Funktionsstörungen. Mit zunehmender Stimmungsaufhellung wird der quälende Leidensdruck kontinuierlich gemildert und das gestörte Vegetativum ins Gleichgewicht gebracht. Je nach Art und Schweregrad der vorliegenden Erkrankung dauert die Stabilisierung im gesamten psychischen und somatischen Bereich eine gewisse, individuell verschiedene Zeit, in der Regel einige Wochen.

Pharmakokinetik

Absorption

Amitriptylin wird schnell resorbiert, mit Plasmaspitzenwerten nach 3 bis 6 Stunden. Wegen der langsamen Amitriptylin-Abgabe von Saroten Retard wird jedoch die Absorption von Amitriptylin langsam während der Passage im Magen-Darm-Kanal folgen. Hierdurch wird eine ziemlich flach verlaufende Serumkonzentrationskurve erreicht, so dass hohe Maximumwerte mit erhöhtem Risiko für kardiale Komplikationen vermieden werden. Die Serumkonzentration von Amitriptylin ist, falls Saroten Retard abends gegeben wird, am Ende der Nacht am höchsten, im Laufe des Tages fällt sie ab. Die Konzentration des aktiven Metaboliten, Nortriptylin, ist rund um die Uhr konstant und dominiert somit bei Tage. Die biologische Verfügbarkeit nach peroraler Verabreichung beträgt etwa 48 (±11)% (first pass metabolism); Steady-state-Konzentrationen von Amitriptylin und seinem Hauptmetaboliten Nortriptylin werden nach 7-10 Tagen erreicht. 

Distribution 

Therapeutische Plasmakonzentrationen von Amitriptylin und Nortriptylin liegen bei endogenen Depressionen bei 100-250 ng/ml (370-925 nmol/l). Konzentrationen über 300-400 ng/ml können vermehrt Störungen in der Reizleitung des Herzens in Form von verlängerten QRS-Komplexen oder AV-Blocks hervorrufen.

Das theoretische Verteilungsvolumen liegt bei etwa 14 (±2) l/kg. Die Bindung an Plasmaproteine beträgt etwa 95 (±1)%. Hohe Konzentrationen der Wirksubstanz und deren Metaboliten finden sich in Leber, Darm, Lungen und Hirn, niedrige in Herz, Nieren und Milz und beträchtlich niedrigere im Blut. Amitriptylin und Nortriptylin durchqueren die Plazentaschranke. Amitriptylin und Nortriptylin werden mit der Muttermilch ausgeschieden; das Verhältnis Milchkonzentration/Serumkonzentration beträgt 1:2. 

Metabolismus 

Der Metabolismus erfolgt praktisch vollständig. Die Hauptmetabolisierung erfolgt durch Demethylierung und Hydroxylierung und unterliegt einem genetischen Polymorphismus. Die intraindividuelle Variation ist gering. Der potenteste aktive Metabolit ist Nortriptylin. Nortriptylin hemmt die Aufnahme von Noradrenalin stärker als die Aufnahme von Serotonin, wogegen Amitriptylin die Aufnahme von Serotonin und Noradrenalin etwa gleich stark hemmt. Die weiteren Metaboliten, wie die Cis- und Transformen von 10-Hydroxyamitriptylin und 10-Hydroxynortriptylin, haben ein ähnliches Wirkprofil wie Nortriptylin, sie sind jedoch weniger potent. Desmethylnortriptylin und Amitriptylin-N-oxid sind nur in geringem Masse im Plasma vorhanden; das letztere ist nahezu inaktiv. Alle Metaboliten sind weniger anticholinerg wirksam als Amitriptylin und Nortriptylin. Im Plasma überwiegt das 10-Hydroxynortriptylin; die meisten Metaboliten sind gebunden. 

Elimination 

Die Ausscheidung erfolgt hauptsächlich renal. Die biologische Halbwertszeit von Amitriptylin beträgt 16 (±6) Stunden und diejenige des Hauptmetaboliten Nortriptylin 31 (±13) Stunden. Die systemische Clearance ist 12.5 (±2.8) ml × min -1 × kg -1. Die renale Elimination von unverändertem Amitriptylin ist gering (2%). Die extrarenale Dosisfraktion bei gesunden Personen, Qo, ist praktisch 1. Der Qo-Wert von Nortriptylin ist praktisch ebenfalls 1. 

Kinetik spezieller Patientengruppen 

Beeinträchtigung der Leberfunktion kann zu erhöhten Plasmawerten führen, wogegen Nierenversagen kaum Einfluss auf die Kinetik ausübt.

Präklinische Daten

Mutagenes und tumorerzeugendes Potential

Amitriptylin wurde nur unzureichend bezüglich mutagener Wirkung geprüft. Neben mehreren negativen Befunden liegen in der Fachliteratur auch positive Befunde aus in-vivo-Untersuchungen an Mäusen vor. Die Relevanz dieser Befunde ist aufgrund methodischer Mängel fraglich. Langzeituntersuchungen auf ein tumorerzeugendes Potential am Tier wurden nicht durchgeführt. 

Reproduktionstoxizität

Extrem hohe Dosen verursachen bei verschiedenen Tierspezies teratogene und fetotoxische Effekte. Tagesdosen von 200 mg Amitriptylin/kg Körpergewicht p.o. vom 4. bis 13. Trächtigkeitstag oder 35 mg Amitriptylin/kg Körpergewicht während der gesamten Trächtigkeitsdauer führten bei der Ratte zu keinen toxischen Effekten. Von anderen Antidepressiva liegen Hinweise auf Verhaltensstörungen der pränatal exponierten Nachkommen im Tierexperiment vor. Für Amitriptylin sind keine entsprechenden Untersuchungen bekannt. Beim Menschen liegen keine ausreichenden Erfahrungen in der Schwangerschaft vor.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden. 

Besondere Lagerungshinweise

Trocken und nicht über 25 °C lagern.

Ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Zulassungsnummer

37360 (Swissmedic)

Zulassungsinhaberin

Lundbeck (Schweiz) AG, Opfikon.

Stand der Information

August 2014.

19082014FI

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