Proglicem Kaps 25 Mg 100 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Diazoxidum.

Hilfsstoffe: Excip. pro capsula.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 Kapsel enthält 25 mg Diazoxid.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Endokrin-aktive Tumoren (Inselzell-Adenom/Karzinom oder extrapankreatische maligne Tumoren) mit Hypoglykämie. Eine Langzeitbehandlung ist indiziert bei Nichtansprechen auf eine chirurgische Behandlung.

Leucin-Sensibilität mit Hypoglykämie.

Therapierefraktäre maligne Hypertonie bei Niereninsuffizienz.

Dosierung/Anwendung

Die Kapseln sollen unzerkaut mit etwas Flüssigkeit eingenommen werden.

Endokrin-aktive Tumoren mit Hypoglykämie, Leucin-Sensibilität mit Hypoglykämie

Die Dosierung von Proglicem muss der Schwere der Hypoglykämie und dem klinischen Ansprechen des Patienten individuell angepasst werden. Die empfohlene Initialdosis beträgt 3 mg/kg/Tag, verabreicht in 3 gleichen Dosen etwa alle 8 Stunden und kann je nach Ansprechen erhöht werden. Die Tagesdosis bewegt sich zwischen 3 und 8 mg/kg. Klinisches Ansprechen und Blutzuckerspiegel sollten solange engmaschig überprüft werden, bis sich der Zustand des Patienten stabilisiert hat. Dies ist in den meisten Fällen innerhalb von einigen Tagen erreicht. Tritt nach 2-3 Wochen keine Wirkung ein, sollte Proglicem abgesetzt werden.

Therapierefraktäre maligne Hypertonie

Die Behandlung mit Proglicem wird mit einer Dosis von 100 mg 2-3 mal täglich eingeleitet und die Dosis im Weiteren nach Ansprechen oder Verträglichkeit individuell angepasst.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Patienten mit Nierenfunktionsstörungen

Da die Plasmahalbwertszeit von Diazoxid bei Patienten mit Störung der Nierenfunktion verlängert ist, sollten die Dosierung bei endokrin-aktiven Tumoren mit Hypoglykämie herabgesetzt und die Serum-Elektrolytwerte periodisch ausgewertet werden.

Patienten mit Leberfunktionsstörungen

Zur Behandlung von Patienten mit Leberfunktionsstörungen liegen keine Daten vor.

Geriatrie

Zur Behandlung von Geriatrie-Patienten liegen keine Daten vor.

Pädiatrie

Zur Behandlung von endokrin-aktiven Tumoren mit Hypoglykämie und Leucin-Sensibilität mit Hypoglykämie bei Kindern über 2 Jahren und Jugendlichen wird gemäss obigen Angaben dosiert. Zur Behandlung der therapierefraktären malignen Hypertonie liegen keine Daten vor.

Erfahrungen bei Kindern <2 Jahren sind limitiert.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit auf Diazoxid oder andere Thiazide.

Phäochromozytom, Diabetes mellitus.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Bei einer Langzeitbehandlung sollten der Urin des Patienten periodisch auf Zucker und Ketone untersucht sowie der Blutzucker überprüft werden, besonders bei Stress-Situationen, da sich eine Ketoazidose oder ein hyperosmolares Koma entwickeln kann.

Die hyperglykämische Wirkung von Diazoxid ist bei Vorliegen einer Hypokaliämie verstärkt.

Hyperglykämie, Ketoazidose und nicht-ketonisches hyperosmolares Koma wurden bei einigen Patienten unter Langzeitbehandlung mit Proglicem berichtet. Diese Erscheinungen sprechen allgemein auf eine konventionelle Therapie an, einschliesslich Verabreichung von Insulin und entsprechenden Massnahmen zur Wiederherstellung des Gleichgewichts des Flüssigkeits- und Elektrolythaushaltes.

Die antidiuretische Eigenschaft von Diazoxid kann zu einer signifikanten Retention von Natrium und Flüssigkeit führen, die bei Patienten mit verminderter Herzleistung eine akute Herzinsuffizienz zur Folge haben kann. Dieser Zustand kann mit konventioneller Therapie mit Diuretika behoben werden.

Der Harnsäurespiegel im Serum sollte regelmässig überprüft werden, insbesondere bei Patienten mit Hyperurikämie oder einer anamnestischen Gicht.

Die Wirkung von Diazoxid auf das hämatopoietische System sollte auch in Betracht gezogen werden. Bluttests auf hämatologische Abweichungen von den Normwerten sollten periodisch durchgeführt werden (siehe «Unerwünschte Wirkungen»).

Interaktionen

Die gleichzeitige Gabe von Thiaziden oder anderen Diuretika kann die hyperglykämische, hyperurikämische und antihypertensive Wirkung von Diazoxid potenzieren.

Das Risiko einer Hyperglykämie kann durch die gleichzeitige Verabreichung von Phenytoin, Kortikosteroiden und Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparaten erhöht werden.

Die hyperglykämische Wirkung von Diazoxid kann durch α-Blocker vermindert werden.

Die antihypertensive Wirkung von anderen Arzneimitteln kann durch Proglicem verstärkt werden, weshalb bei der gleichzeitigen Verabreichung anderer Antihypertonika Vorsicht geboten ist.

Da Diazoxid stark an Serumproteine gebunden ist, kann es andere stark serumprotein-gebundene Substanzen, wie Coumarin-Antikoagulantien, verdrängen und eine Anpassung der Coumarin-Dosis erforderlich machen. Ferner kann die gleichzeitige Verabreichung von Diazoxid und Phenytoin zu einem Verlust der Anfallskontrolle führen.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Es gibt keine Daten zur Anwendung bei Schwangeren. In tierexperimentellen Studien fand sich eine Embryotoxizität (siehe «Präklinische Daten»). Während der Schwangerschaft darf Diazoxid nicht angewendet werden, es sei denn dies ist unbedingt erforderlich.

Stillzeit

Da nicht bekannt ist, ob Diazoxid in die Muttermilch übertritt und da für den Säugling das Risiko für potentiell schwere Nebenwirkungen besteht, sollten Frauen, die während der Stillzeit mit Proglicem behandelt werden müssen, abstillen.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Auf Grund möglicher Nebenwirkungen wie Nausea und Schwindel kann Proglicem die Fahrtüchtigkeit und die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen, beeinträchtigen.

Unerwünschte Wirkungen

Blut- und Lymphsystem

Häufig: Neutropenie und Thrombozytopenie mit und ohne Purpura (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Häufig: Hyperglykämie oder Glycosurie mit Progredienz zu einer Ketoazidose oder hyperosmolarem Koma, Hyperurikämie.

Nervensystem

Häufig: Kopfschmerzen, Schwindelanfälle. Bei Langzeitbehandlung können extrapyramidale Symptome auftreten.

Augen

Häufig: Sehstörungen.

Herz und Gefässe

Häufig: Flüssigkeits-Retention, Hypotonie, Tachykardie, Palpitationen.

Gastrointestinale Störungen

Häufig: Übelkeit, Erbrechen, Anorexie, Bauchschmerzen, Geschmacksverlust.

Gelegentlich: Diarrhöe, Obstipation.

Selten: Pankreatitis, Ileus.

Haut

Häufig: Hautausschlag, Photosensibilität, Hirsutismus.

Nieren und Harnwege

Häufig: Hypokaliämie, Natriumretention.

Allgemeine Störungen und Reaktionen an der Applikationsstelle

Häufig: Schwäche.

Erfahrungen seit der Markteinführung

Pulmonale Hypertonie bei Neugeborenen, Säuglingen und Kindern (besserte sich in den meisten berichteten Fällen nach dem Absetzen von Diazoxid).

Überdosierung

Eine Überdosierung von Proglicem kann eine starke Hyperglykämie und eine mögliche Ketoazidose hervorrufen. Diese Erscheinungen sprechen gewöhnlich auf eine konventionelle Therapie mit Insulin an. Hohe Konzentrationen von Proglicem können durch Peritoneal- oder Hämodialyse reduziert werden. Patienten sollten wegen der langen Halbwertszeit von Diazoxid während längerer Zeit überwacht werden.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Codes: C02DA01/V03AH01

Wirkungsmechanismus

Proglicem ist ein oral wirksames Hyperglykämikum und Antihypertensivum, das als Wirksubstanz Diazoxid, ein antidiuretisches Benzothiazin-Derivat enthält.

Diazoxid bewirkt einen raschen und befristeten dosisabhängigen Anstieg des Blutzuckerspiegels, im Allgemeinen über eine Dauer von weniger als 8 Stunden. Der Anstieg des Blutzuckerspiegels scheint im Zusammenhang mit der Hemmung der Freisetzung von Insulin und einer extrahepatischen Wirkung zu stehen, die möglicherweise auf die Erhöhung der Katecholamine zurückzuführen sind. Diazoxid senkt die renale Ausscheidung der p-Aminohippursäure und der Harnsäure ohne nennenswerten Effekt auf die glomeruläre Filtration und verursacht eine Retention von Natrium, Chlorid und Wasser. Die antidiuretische Wirkung kann in der üblichen Dosierung bei Hypoglykämie klinisch signifikant sein und eine Überwachung erfordern. Diazoxid bewirkt des Weiteren eine Verringerung des peripheren vaskulären Widerstands und somit des Blutdrucks. Diese Wirkung ist bei maligner Hypertonie besonders ausgeprägt.

Pharmakokinetik

Absorption

Diazoxid wird nach oraler Gabe rasch und vollständig resorbiert, was zu maximalen Plasmaspiegeln innerhalb von 1-2 Stunden führt. Der Einfluss von Nahrung auf die Absorption wurde nicht untersucht.

Distribution

Diazoxid wird stark (>90%) an Plasmaproteine gebunden. Es passiert die Blut-Hirn- und die Plazentaschranke, doch ist nicht bekannt, ob es auch in die Muttermilch übertritt.

Metabolismus

Diazoxid wird in der Leber teilweise durch Oxidation und Sulfatkonjugation metabolisiert.

Elimination

Bei gesunden Probanden beträgt die Plasma-Halbwertszeit nach i.v. Verabreichung von Diazoxid 28 ± 8 Stunden und nach oraler Gabe zwischen 24-36 Stunden. Die Elimination erfolgt als unveränderte Substanz und Metaboliten primär über die Niere.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Die Bindung von Diazoxid an Plasmaproteine ist bei Patienten mit chronischer Urämie stark herabgesetzt.

Die Eliminationshalbwertszeit ist bei Patienten mit Niereninsuffizienz verlängert.

Bei Kindern (4monatig bis 6jährig) variierte die Halbwertszeit von 9,5 bis 24 Stunden.

Präklinische Daten

Obgleich die Daten nicht schlüssig sind, zeigen Reproduktions- und Teratogenitätsstudien bei verschiedenen Tierspezies, dass Diazoxid bei einer Verabreichung während der kritischen Periode der Embryogenese die normale fetale Entwicklung beeinträchtigen kann, möglicherweise über eine Veränderung des Glukosemetabolismus.

Bei Tieren, die zum Geburtstermin behandelt wurden, kam es gelegentlich zu einer protrahierten Geburt.

Die intravenöse Verabreichung von Diazoxid an trächtige Schafe, Ziegen und Schweine führte beim Fötus zu einem deutlichen Anstieg der Blutzuckerwerte und zur Degeneration der β-Zellen in den Langerhans-Inseln. Die Reversibilität dieser Wirkungen wurde nicht untersucht.

Reproduktionsstudien mit oraler Verabreichung von Diazoxid an Ratten zeigten eine verstärkte fetale Resorption und eine verzögerte Geburt sowie fetale Skelettanomalien. Hinweise auf skelettale und kardiale teratogene Wirkungen bei Kaninchen wurden nach intravenöser Verabreichung festgestellt. Untersuchungen am Tier haben gezeigt, dass die Substanz eine Degeneration der β-Zellen der fetalen Bauchspeicheldrüse verursachen kann.

Sonstige Hinweise

Beeinflussung diagnostischer Methoden

Diazoxid hemmt die durch Glucagon induzierte Freisetzung von Insulin und führt zu einem falsch negativen Ansprechen der Insulinsekretion auf Glucagon.

Besondere Lagerungshinweise

Das Arzneimittel nicht in Reichweite von Kindern aufbewahren.

Proglicem Kapseln sind bei Raumtemperatur (15-25 °C) und vor Licht geschützt aufzubewahren.

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Verpackung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Zulassungsnummer

39081 (Swissmedic)

Zulassungsinhaberin

MSD MERCK SHARP & DOHME AG, Luzern.

Stand der Information

Mai 2013.

S-006783-PRG-MTL-CCDS.3/ MK6783-CHE-2013-007088

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