Anesderm Creme 5 % Tb 5 G

Anesderm Creme 5 % Tb 5 G

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoffe: Lidocainum, Prilocainum.

Hilfsstoffe: Excipiens ad unguentum.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 g Anesderm 5% enthält: Lidocain 25 mg, Prilocain 25 mg.

Anesderm 5% Crème ist eine Öl/Wasser-Emulsion, in der die ölige Phase aus einem eutektischen Gemisch von Lidocain und Prilocain im Verhältnis 1:1 besteht.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Topische Anästhesie der Haut in Verbindung mit Nadeleinstichen wie zum Beispiel dem Einführen von i.v. Kathetern, bei Blutentnahmen oder oberflächlichen chirurgischen Massnahmen.

Topische Anästhesie der Genitalschleimhaut für oberflächliche operative Eingriffe (z.B. Condylomata acuminata).

Topische Anästhesie zur mechanischen Reinigung und Wundausschneidung (Debridement) bei Ulkus cruris (Bein-Ulkus).

Dosierung/Anwendung

1 g Anesderm Crème aus der 30 g Tube entspricht einem ca. 3,5 cm langen Crème-Streifen.

Intakte Haut

Allgemeine Dosierungs-/Anwendungshinweise bei Erwachsenen

In dicker Schicht auf die Haut auftragen und mit einem Okklusiv-Verband abdecken. Eine Dosierung von ungefähr 1,5 g pro 10 cm² wird empfohlen. Der Okklusiv-Verband kann bis zu 5 Stunden belassen werden. Nach längerer Applikationszeit nimmt die analgetische Wirkung ab.

Die Zeit, um eine zuverlässige Analgesie der Haut zu erreichen, beträgt 1–2 Stunden. Anesderm Crème muss unter Verschluss (Okklusion) angewendet werden.

Bei einer Applikationszeit von 1–2 Stunden bleibt die Wirkung nach dem Entfernen des Okklusiv-Verbandes mindestens 2 Stunden erhalten.

Kleinere Eingriffe (Nadeleinstiche und chirurgische Eingriffe von lokalen Läsionen)

Ca. 2 g (½ Tube Anesderm Crème zu 5 g) wie oben beschrieben auftragen. Minimale Applikationszeit vor dem Eingriff: 1 Stunde, maximale Applikationszeit 5 Stunden.

Nach längerer Applikationszeit nimmt die anästhesierende Wirkung ab.

Dermale Eingriffe auf grösseren Hautbezirken

Oberflächliche chirurgische Massnahmen, z.B. Hauttransplantationen, Spalthautentnahme

Eine dicke Schicht auf die betroffenen Hautbezirke auftragen (ca. 1,5–2 g/10 cm²). Minimale Applikationszeit vor dem Eingriff: 2 Stunden, maximale Applikationszeit 5 Stunden. Nach längerer Applikationszeit nimmt die anästhesierende Wirkung ab.

Die maximale Behandlungsfläche ist 600 cm² mit einer minimalen Applikationszeit von 1 Stunde und einer maximalen Applikationszeit von 5 Stunden (max. Menge 60 g).

Spezielle Dosierungsanweisung bei Erwachsenen

Genitalschleimhaut

Allgemein: Für die chirurgische Behandlung lokaler Läsionen bei Erwachsenen z.B. zur Condylom-Entfernung und/oder vor der Injektion von Lokalanästhetika, wird eine Dosierung von 5–10 g empfohlen. Der gesamte Hautbezirk, inklusive Schleimhautfalten, sollte mit der Crème bedeckt sein. Die Crème sollte 5–10 Minuten vor dem Eingriff aufgetragen werden. Nach längerer Applikationszeit nimmt die anästhesierende Wirkung ab.

Ein Okklusivverband ist nicht nötig. Der chirurgische Eingriff sollte sofort nach Entfernung der Crème erfolgen.

Genitalhaut

Männer: Einen dicken Streifen Anesderm Crème (1 g/10 cm²) mit einem Okklusivverband für 15 Minuten, vor der Injektion des Lokalanästhetikums, anwenden.

Frauen: Einen dicken Streifen Anesderm Crème (1–2 g/10 cm²) mit einem Okklusivverband für 60 Minuten, vor der Injektion des Lokalanästhetikums, anwenden.

Ulcus cruris (Bein-Ulkus)

Bei der mechanischen Reinigung und/oder für Wundausschneidungen bei Ulcus cruris wird Anesderm Crème in dicker Schicht (ca. 1–2 g/10 cm² bis zu insgesamt 10 g) aufgetragen und mit einem Okklusiv-Verband abgedeckt. Anesderm Crème wurde zur Behandlung des Ulcus cruris bis zu 15 mal innerhalb von 1–2 Monaten angewendet, ohne dass ein Wirkungsverlust oder eine erhöhte lokale Reaktion festgestellt wurde.

Die maximale Plasmakonzentration bei grösseren Applikationsmengen als 10 g Crème zur Behandlung des Ulcus cruris wurde nicht geprüft.

Die Applikationszeit sollte mindestens 30 Minuten betragen. Eine Verlängerung der Applikationszeit bis zu 60 Minuten kann die Anästhesie weiter vertiefen. Nach Entfernung der Crème sollte sofort mit der Reinigung begonnen werden.

Allgemeine Dosierungs-/Anwendungsanweisungen bei Kindern

Bei kleineren Eingriffen, wie z.B. Nadeleinstichen und chirurgischen Eingriffen bei lokalen Läsionen: Eine Schicht von ca. 1,0 g/10 cm² auf die Haut applizieren, mindestens 1 Stunde vor dem Eingriff.

Neugeborene und Säuglinge (0–2 Monate): bis zu 1 g/10 cm²

Die total aufgetragene Menge Anesderm Crème darf 1 g nicht überschreiten. Der insgesamt behandelte Hautbezirk darf nicht grösser sein als 10 cm².

Längere Applikationszeiten als 1 Stunde wurden nicht untersucht.

Wird Anesderm Crème zur Zirkumzision (Beschneidung) bei Neugeborenen angewendet, hat sich eine Applikationsmenge von 1,0 g auf die Vorhaut als sicher erwiesen.

Bei Frühgeborenen sollte Anesderm Crème nicht angewendet werden, da für diese Altersgruppe keine ausreichenden Daten vorliegen.

Säuglinge 3–12 Monate: bis zu 2 g/20 cm²

Die total aufgetragene Menge Anesderm Crème darf 2 g nicht überschreiten. Der insgesamt behandelte Hautbezirk darf nicht grösser sein als 20 cm².

Bei einer Applikationsfläche von 16 cm² und einer Applikationszeit bis zu 4 Stunden wurde keine klinisch signifikante Erhöhung des Methämoglobinspiegels beobachtet.

Kinder 1–5 Jahre: bis zu 10 g/100 cm²

Die total aufgetragene Menge Anesderm Crème darf 10 g nicht überschreiten. Der insgesamt behandelte Hautbezirk darf nicht grösser sein als 100 cm². Applikationszeit: minimal 1 Stunde, maximal 5 Stunden.

Kinder 6–11 Jahre: bis zu 20 g/200 cm²

Die total aufgetragene Menge Anesderm Crème darf 20 g nicht überschreiten. Der insgesamt behandelte Hautbezirk darf nicht grösser sein als 200 cm². Applikationszeit: minimal 1 Stunde, maximal 5 Stunden.

Anesderm Crème sollte bei Säuglingen zwischen 0–12 Monaten, die Methämoglobin induzierende Arzneimittel erhalten, nicht angewendet werden (siehe Kapitel «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Spezielle Dosierungsanweisung

Bei Patienten mit atopischer Dermatitis soll Anesderm mit einer kürzeren Applikationszeit von 15–30 Minuten angewendet werden, um die hier häufiger auftretenden Nebenwirkungen wie Purpura zu vermeiden (siehe Kapitel «Eigenschaften/Wirkungen»).

Es ist nicht bekannt, ob bei grossflächiger Anwendung vermehrt unerwünschte Wirkungen auftreten. Untersucht wurden Flächen von max. 62,5 cm², bei einer maximalen Applikationsmenge von 10 g (2,5× 2,5 cm/g).

Übersichtstabelle für die Dosierungen von Anesderm

Allgemeine Dosierung

– bei kleineren Eingriffen, wie z.B. Nadeleinstiche;

– bei chirurgischen Eingriffen bei lokalen Läsionen.

Alter Max. Max. Applikations-
Dosis Haut- zeit vor
bereich Eingriff
Neugeborene 1 g 10 cm² 1 h
(0 bis
2 Monate)
Säuglinge 2 g 20 cm² 1 h–max. 4 h
3–12 Monate
Kinder 10 g 100 cm² 1 h–max. 5 h
1–5 Jahre
Kinder 20 g 200 cm² 1 h–max. 5 h
6–11 Jahre
Erwachsene 1,5 g/10 cm² 600 cm² 1 h–max. 5 h

Dosierung bei speziellen Indikationen bei Erwachsenen

Lokalisation Indikation Empfoh- Applika-
lene tionszeit
Dosis vor
Eingriff
Genital- Lok. Läsionen: 5–10 g 5–10 min.
schleimhaut Condylom-
Entfernung, vor
Injektion von
Lokalanästhetika
Bein Ulcus cruris 1–2 g/ 30–60 min.
10 cm²,
max. 10 g
Dermale Hauttrans- 1,5–2 g/ min. 2 h–
Eingriffe auf plantationen 10 cm² max. 5 h
grösseren Spalthaut-
Hautbezirken entnahme

Kontraindikationen

Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Lokalanästhetika vom Amidtyp wie die Wirkstoffe Lidocain oder Prilocain oder einem der Hilfsstoffe.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Systemische Wirkung

a) Patienten mit Glukose-6-Phosphatdehydrogenase Mangel oder angeborener oder idiopathischer Methämoglobinämie sind für eine medikamenteninduzierte Methämoglobinämie mehr empfänglich.

Bei Säuglingen und Neugeborenen unter 3 Monaten wurde im Allgemeinen eine vorübergehende, jedoch klinisch nicht signifikante Erhöhung des Methämoglobin-spiegels bis 12 Stunden nach Applikation beobachtet.

b) Wiederholte Applikationen von Anesderm können die Plasmakonzentration von Lidocain und Prilocain erhöhen. Bei folgenden Patienten ist Anesderm mit Vorsicht anzuwenden:

– akut kranke, schwache oder ältere Patienten,

– Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz.

c) Aufgrund unzureichender Dokumentation soll Anesderm ausser bei Ulcus cruris nicht auf offenen Wunden angewendet werden.

Anesderm soll nicht auf Wunden, Schleimhaut sowie auf der Genitalschleimhaut von Kindern angewendet werden, da zurzeit noch ungenügende Daten über die Absorption in diesem Bereich vorliegen.

d) Patienten, die mit Antiarrhythmika der Klasse III (z.B. Amiodarone) behandelt werden, sollten überwacht und ein EKG-Monitoring sollte in Betracht gezogen werden, da die kardialen Wirkungen additiv sein können.

Lokale Wirkung

a) Vorsicht ist geboten, dass Anesderm nicht in Kontakt mit den Augen kommt, da es Irritationen der Augen verursachen kann. Weiter kann der Verlust von Schutzreflexen zu Hornhautirritationen und möglicher Ablösung führen. Falls Anesderm mit den Augen in Kontakt kommt, müssen diese unverzüglich mit Wasser oder verdünnter Kochsalzlösung gespült und geschützt werden, bis die Sinnesempfindung wiederkehrt.

b) Anesderm sollte nicht auf ein geschädigtes Trommelfell appliziert werden.

Eine Studie an Meerschweinchen hat bei Instillation ins Mittelohr eine ototoxische Wirkung gezeigt. In der gleichen Studie zeigten die Tiere mit einem intakten Trommelfell keine Abnormalität, wenn eine 5%ige Crème von Lidocain und Prilocain in den äusseren Gehörgang appliziert wurde.

Spezielle Situationen

Bis weitere klinische Dokumentationen vorliegen, sollte Anesderm in den nachfolgenden Fällen nicht angewendet werden:

Anesderm Crème sollte nicht angewendet werden zur Vorbereitung einer intrakutanen Injektion von lebendem BCG-Impfstoff, da eine Interaktion zwischen den aktiven Wirkstoffen von Anesderm und dem Impfstoff nicht ausgeschlossen werden kann.

Bei Neugeborenen und Säuglingen von 0–12 Monaten, die mit Methämoglobin induzierenden Substanzen behandelt werden, soll Anesderm nicht appliziert werden (siehe «Unerwünschte Wirkungen»).

Anesderm soll nicht angewendet werden bei Frühgeborenen, die vor der 37sten Schwangerschaftswoche geboren wurden.

Interaktionen

Bei gleichzeitiger Gabe von Arzneimitteln, die eine Methämoglobinämie verursachen können (z.B. Sulfonamide), kann Anesderm diese Wirkung verstärken.

Bei Patienten, die andere Lokalanästhetika oder strukturverwandte Substanzen erhalten, sollte das Auftreten zusätzlicher systemisch toxischer Auswirkungen bei der Anwendung grosser Dosen Anesderm in Betracht gezogen werden.

Spezifische Interaktionsstudien mit Lidocain/Prilocain und Antiarrhythmika der Klasse III (z.B. Amiodaron) wurden nicht durchgeführt, jedoch ist Vorsicht geboten (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Schwangerschaft/Stillzeit

Tierstudien haben keine Risiken hinsichtlich Schwangerschaft, embryonale bzw. fetale Entwicklung, Geburt oder postnataler Entwicklung gezeigt, aber man verfügt über keine kontrollierten Studien bei schwangeren Frauen.

Die Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit soll nur erfolgen, wenn es eindeutig erforderlich ist.

Schwangerschaft

Es wurde weder über spezifische Störungen im Fortpflanzungsprozess noch über eine erhöhte Missbildungsrate oder eine direkt oder indirekt schädliche Wirkung auf den Feten berichtet.

Lidocain und Prilocain können die Plazentaschranke durchdringen und vom Feten aufgenommen werden.

Stillzeit

Lidocain und Prilocain gehen in die Muttermilch über. Das Risiko von Nebenwirkungen beim Kind ist jedoch infolge der niedrigen systemischen Absorption bei Anwendung von therapeutischen Dosen minimal.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Bei den empfohlenen Dosierungen ist kein Einfluss zu erwarten.

Unerwünschte Wirkungen

Haut

Häufig (>1% und <10%): Vorübergehende lokale Reaktionen am Applikationsort wie z.B. Blässe, Erythem (Rötung) und Ödem, Hautreaktionen mit anfänglich leichtem Gefühl von Brennen und Jucken.

Gelegentlich (>0,1% und <1%): Anfängliches leichtes Brennen und Jucken bei intakter Haut.

Selten (<0,1%): Purpura, petechiale Reaktionen und Hyperpigmentation am Applikationsort.

Augen

Hornhautirritationen nach versehentlicher Applikation in die Augen.

Generelle Störungen

Hohe Dosen von Prilocain können die Methämoglobinbildung verstärken. Bei Kindern und Neugeborenen unter 3 Monaten wurde im Allgemeinen eine vorübergehende, jedoch klinisch nicht signifikante Erhöhung des Methämoglobinspiegels bis 12 Stunden nach Applikation beobachtet.

Bei der Anwendung lokaler Anästhetika wurde über allergische und anaphylaktische Reaktionen wie Urticaria, Angioödem, Bronchospasmus und anaphylaktischer Schock berichtet. Die Inzidenz für systemische Reaktionen ist wegen der geringen Absorption von Lidocain und Prilocain gering.

Die Toxizität von Lokalanästhetika manifestiert sich durch exzitatorische Symptome des zentralen Nervensystems oder Dämpfung des ZNS (Nervosität, Angst, Euphorie, Verwirrtheit, Schwindel, Schläfrigkeit, Tinnitus, Diplopie oder unscharfes Sehen, Erbrechen, Hitze-, Kälte- oder Taubheitsgefühl, Tremor, Konvulsionen, Bewusstlosigkeit, Atemdepression oder -stillstand).

Erregungszustände können kurz sein oder gar nicht auftreten. In solchen Fällen kann sich zuerst eine Somnolenz, später eine Bewusstlosigkeit einstellen. Zu den kardiovaskulären Manifestationen zählen Bradykardie, Hypotonie, kardio-vaskulärer Kollaps bis zum Herzkreislaufstillstand.

Überdosierung

In seltenen Fällen wurde von klinisch signifikanter Methämoglobinämie bei Kindern berichtet. Prilocain in hohen Dosen kann den Methämoglobin-Plasmaspiegel insbesondere bei gleichzeitiger Gabe von Methämoglobin induzierenden Stoffen (z.B. Sulfonamiden) erhöhen (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Klinisch signifikante Methämoglobinämie soll durch langsame intravenöse Injektion von Methylenblau behandelt werden.

Sollten andere Symptome einer systemischen Toxizität auftreten, wird erwartet, dass diese ähnlich verlaufen wie bei der Gabe von zu hohen Dosen an Lokalanästhetika, die auf eine andere Applikationsart verabreicht werden.

Die Toxizität von Lokalanästhetika manifestiert sich durch exzitatorische Symptome des zentralen Nervensystems und in schweren Fällen durch Dämpfung des zentralen Nervensystems und eines Kreislaufzusammenbruchs.

Schwere neurologische Symptome (Konvulsionen, ZNS-Depression) müssen symptomatisch durch Unterstützung der Atmung und durch Gabe von Antikonvulsiva therapiert werden.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N01BB20

Die lokalanästhesierende Wirkung beruht auf der Freisetzung von Lidocain und Prilocain aus Anesderm in die epidermalen und dermalen Hautschichten.

Lidocain und Prilocain akkumulieren in unmittelbarer Nähe von dermalen Schmerzrezeptoren und Nervenenden. Lidocain und Prilocain sind Lokalanästhetika vom Amidtyp. Sie stabilisieren die neuronalen Membrane, indem sie den Ionenfluss blockieren, der für die Entstehung und Weiterleitung der Impulse notwendig ist. Dadurch entsteht die lokalanästhesierende Wirkung.

Die Anästhesiequalität ist abhängig von Applikationsdauer und Applikationsmenge.

In klinischen Studien an intakter Haut wurden zwischen geriatrischen Patienten (65 bis 96 Jahre) und jüngeren Patienten keine Unterschiede hinsichtlich Sicherheit und Wirksamkeit (einschliesslich anästhesierendem Wirkungseintritt) beobachtet.

Im Vergleich zur Wundausschneidung mit Placebo-Crèmen vermindert Anesderm Crème die Häufigkeit der Post-Reinigungsschmerzen bis zu 4 Stunden nach Wundausschneidungen und die Anzahl der nötigen Reinigungsvorgänge, um eine vollständige Reinigung des Ulkus zu erhalten.

Es wurden keine negativen Auswirkungen auf den Heilungsvorgang des Ulcus cruris oder bezüglich Bakterienflora beobachtet.

Die Verwendung von Anesderm vor Masern-Mumps-Röteln oder intramuskulären Diphtherie-Pertussis-Tetanus inaktiviertem Poliovirus, Haemophilus influenzae b oder Hepatitis B Impfstoffen, beeinträchtigt weder die durchschnittlichen Antikörpertiter, Serokonversionsrate noch den Anteil der Patienten, die nach Immunisierung schützende und positive Antikörpertiter erreichen, im Vergleich zu Placebo behandelten Patienten.

Anesderm verursacht eine biphasische vaskuläre Antwort. Der anfänglichen Vasokonstriktion folgt eine Vasodilatation (siehe «Unerwünschte Wirkungen»).

Bei Patienten mit atopischer Dermatitis wird eine ähnliche, aber kürzere Reaktion beobachtet, die nach 30–60 Minuten zu einer Hautrötung führt. Dies weist auf eine schnellere Absorption durch die Haut hin (siehe «Spezielle Dosierungsanweisung»).

Pharmakokinetik

Die systemische Absorption der in Anesderm enthaltenen Wirkstoffe Lidocain und Prilocain ist abhängig von Applikationsmenge, Applikationsort und Applikationszeit.

Bei der Applikation auf die Haut sind die Hautdicke, welche je nach Körperstelle variiert, und andere Eigenschaften der Haut entscheidend. Bei der Indikation Ulcus cruris spielt die Charakteristik des Ulkus eine wichtige Rolle.

Intakte Haut

Oberschenkel: Nach der Applikation auf dem Oberschenkel eines Erwachsenen (60 g Crème/400 cm² während 3 Stunden) beträgt die Absorption für Lidocain und Prilocain je ungefähr 5%.

Die maximale Plasmakonzentration von Lidocain und Prilocain (im Durchschnitt 0,12 resp. 0,07 µg/ml) wird nach 2–6 Stunden nach Applikation erreicht.

Gesicht: Nach der Applikation (10 g/100 cm² während 2 Stunden) im Gesicht beträgt die systemische Absorption ungefähr 10%. Die maximale Plasmakonzentration von Lidocain und Prilocain (im Durchschnitt 0,16 resp. 0,06 µg/ml) wird 1,5–3 Stunden nach der Applikation erreicht.

Die Plasmaspiegel von Lidocain und Prilocain bei geriatrischen und nicht-geriatrischen Patienten sind nach Applikation von Anesderm auf intakter Haut sehr niedrig und deutlich unterhalb potentiell toxischer Spiegel.

Genitalschleimhaut

Die Absorption durch die Vaginalschleimhaut erfolgt schneller als durch die Haut. Nach 10minütiger Applikation von 10 g Crème wird die maximale Plasmakonzentration von Lidocain und Prilocain (im Durchschnitt 0,18 resp. 0,15 µg/ml) 20–45 Minuten nach der Applikation erreicht.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Pädiatrie

Neugeborene und Säuglinge unter 3 Monaten

Nach Applikation von 1,0 g Crème auf ungefähr 10 cm² während 1 Stunde beträgt die maximale Plasmakonzentration von Lidocain 0,135 µg/ml und von Prilocain 0,107 µg/ml.

Säuglinge zwischen 3 und 12 Monaten

Nach Applikation von 2,0 g Crème auf eine Fläche von ungefähr 16 cm² während 4 Stunden beträgt die maximale Plasmakonzentration von Lidocain 0,155 µg/ml und von Prilocain 0,131 µg/ml.

Kinder zwischen 2 und 3 Jahren

Nach Applikation von 10,0 g Crème auf eine Fläche von ungefähr 100 cm² während 2 Stunden beträgt die maximale Plasmakonzentration von Lidocain 0,315 µg/ml und von Prilocain 0,215 µg/ml.

Kinder zwischen 6 und 8 Jahren

Nach Applikation von 10,0–16,0 g Crème auf ungefähr 100–160 cm² während 2 Stunden beträgt die maximale Plasmakonzentration von Lidocain 0,299 µg/ml und von Prilocain 0,110 µg/ml.

Ulcus cruris

Nach einmaliger Applikation von 5–10 g Crème während 30 Minuten, wird die maximale Plasmakonzentration innerhalb 1–2,5 Stunden erreicht und beträgt für Lidocain 0,05–0,25 µg/ml (ein einziger Wert betrug 0,84 µg/ml) und für Prilocain 0,02–0,08 µg/ml.

Nach einer Applikationszeit von 24 Stunden werden die maximalen Plasmaspiegel in der Regel innerhalb 2–4 Stunden erreicht und betragen für Lidocain 0,19–0,71 µg/ml und für Prilocain 0,06–0,28 µg/ml.

Eine wiederholte Applikation (3–7 mal pro Woche, bzw. 15 Einzeldosen über eine Periode von einem Monat) von 2–10 g Crème während 30–60 Minuten, führte zu keiner ersichtlichen Plasmaakkumulation von Lidocain und seinen Metaboliten Monoglycin-Xylidid und 2,6-Xylidine oder Prilocain und seinem Metaboliten ortho-Toluidin.

Die beobachtete maximale Plasmakonzentration für Lidocain, Monoglycin-Xylidid und 2,6-Xylidin betragen 0,41, 0,03 resp. 0,01 µg/ml. Die maximale Plasmakonzentration für Prilocain und ortho-Toluidin beträgt 0,08 resp. 0,01 µg/ml.

Präklinische Daten

Kanzerogenität/Mutagenität

Keines der beiden Lokalanästhetika zeigte ein mutagenes Potential weder in in vitro noch in vivo Mutagenitätstests.

Karzinogenitätsstudien wurden weder mit Lidocain oder Prilocain allein noch in Kombination durchgeführt, aufgrund von Indikation und Dauer bei der therapeutischen Verwendung dieses Arzneimittels.

Ein Metabolit von Lidocain, 2,6-Xylidin zeigte schwache Hinweise auf eine Aktivität in einigen Genotoxizitäts-Tests. In toxikologischen Studien zur Evaluation chronischer Exposition wurde gezeigt, dass der Metabolit 2,6-Xylidin ein karzinogenes Potenzial hat.

Eine Risikobeurteilung, bei welcher die Exposition des kalkulierten Maximums im Mensch bei sporadischer Anwendung von Lidocain mit der in präklinischen Studien verwendeten Exposition verglichen wurde, zeigte einen breiten Sicherheitsbereich für den klinischen Einsatz.

In einer Kanzerogenitätsstudie mit transplanzentarer Exposition und nachgeburtlicher Behandlung von Ratten über 2 Jahre mit 2,6-Xylidin wurden bösartige und gutartige Tumore vor allem in der Nasenhöhle (Ethmoturbinalia) beobachtet. Eine Relevanz dieser Befunde für den Menschen erscheint nicht völlig unwahrscheinlich. Daher sollte Anesderm nicht über längere Zeit in hohen Dosen verabreicht werden.

Prilocain zeigt in Mutagenitätstests keine mutagene Wirkungen. Hinweise auf mutagenes Potential beruhren auf Erkenntnissen zum Metaboliten o-Toluidin, der in verschiedenen Testsystemen in vitro Veränderungen des Erbmaterials und des Zellwachstums bewirkte (Chromosomenmutationen, Aneuploidien, DNA-Reparatur, Zelltransformation).

Kanzerogenitätsstudien an Ratten und Mäusen mit hohen Dosen des Metaboliten o-Toluidin zeigten erhöhte Tumorhäufigkeiten in Milz und Harnblase. Eine Bedeutung beider Befunde scheint für den Menschen in Anbetracht der kurzen therapeutischen Anwendungsdauer von Prilocain nicht gegeben zu sein, jedoch sollten aus Sicherheitsgründen hoch dosierte Gaben über längere Zeiträume unterbleiben.

Reproduktionstoxizität

Lidocain hat bei Dosen unterhalb des maternal-toxischen Bereichs bei der Ratte keinen Einfluss auf die Postnatalentwicklung der Nachkommen. Eine Beeinträchtigung der Fertilität von männlichen oder weiblichen Ratten durch Lidocain oder Prilocain wurde nicht beobachtet.

Lidocain passiert die Plazenta mittels einfacher Diffusion. Die embryofetale Dosis im Verhältnis zur maternalen Serumkonzentration beträgt 0,4 bis 1,3.

Sonstige Hinweise

Inkompatiblitäten

Keine bekannt.

Besondere Lagerungshinweise

Das Arzneimittel ausserhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.

Bei Raumtemperatur (15–25 °C) aufbewahren; das Verfalldatum auf der Verpackung beachten.

Zulassungsnummer

56682 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Pierre Fabre (Suisse) SA, Allschwil.

Stand der Information

Juni 2010.

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