Propycil Tabl 50 Mg 100 Stk

Propycil Tabl 50 Mg 100 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Propylthiouracilum.

Hilfsstoffe: Lactose, Maisstärke, Magnesiumstearat, hochdisperses Siliciumdioxid, Polyvidon K 30, prägelatinisierte Maisstärke.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Tabletten zu 50 mg.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Hyperthyreose, präoperative Behandlung vor subtotaler Thyreoidektomie, vor/nach Radiojodtherapie.

Dosierung/Anwendung

In der Regel wird Propylthiouracil 3 mal täglich alle 6 bis 8 Stunden verabreicht. Die Tabletten sind unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit zu einer Mahlzeit einzunehmen.

Erwachsene: Die Anfangsdosis beträgt 3 mal 75 mg bis 100 mg Propylthiouracil (1½–2 Tabletten) pro Tag. In schweren Fällen und nach Jodkontamination werden höhere Anfangsdosen von 300 mg bis 600 mg Propylthiouracil (6–12 Tabletten) täglich empfohlen, verteilt auf 4 bis 6 Einzeldosen. Die Erhaltungsdosis beträgt 25 bis 150 mg Propylthiouracil pro Tag.

Pädiatrie: Bei Kindern ab 10 Jahren und Jugendlichen erfolgt die Dosierung wie bei den Erwachsenen. Kinder zwischen 6 und 10 Jahren erhalten initial 50 mg bis 150 mg Propylthiouracil (1–3 Tabletten) täglich und als Erhaltungsdosis etwa 25–50 mg Propylthiouracil (½–1 Tablette) täglich.

Ältere Patienten: Bei älteren Patienten ist keine Dosisanpassung notwendig.

Patienten mit Niereninsuffizienz: Bei Niereninsuffizienz und Dialysepflicht ist nach bisherigen Erkenntnissen keine Dosisänderung erforderlich.

Patienten mit Leberinsuffizienz: Bei leichten bis mässiggradigen Lebererkrankungen sind die üblichen Dosierungen anzuwenden (siehe «Kontraindikationen» und «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Dauer der Behandlung: Über die Dauer der Anwendung ist individuell zu entscheiden. Erfahrungen haben gezeigt, dass die Gesamtdauer der Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion bei Morbus Basedow und dem autonomen Schilddrüsenadenom nach Möglichkeit mindestens ein Jahr betragen sollte. Zur Vorbereitung einer Operation oder Radiojodtherapie einer hyperthyreoten Schilddrüse ist die Behandlungsdauer individuell anzupassen.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegenüber Propylthiouracil oder einem der Hilfsstoffe, Agranulozytose bzw. schwere Störungen der Hämatopoese, schwere Leberinsuffizienz, Schilddrüsenkarzinom.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Während einer thyreostatischen Therapie sind wiederholte Kontrollen der Schilddrüsenfunktion (Messung der peripheren Schilddrüsenhormone und ggf. des TSH) in angemessenen Abständen erforderlich, um eine Überdosierung zu vermeiden. Ebenso sollten das Blutbild und die Leberwerte regelmässig kontrolliert werden.

Propycil 50 sollte bei bereits bestehenden Veränderungen des Blutbildes sowie bei Erhöhung von Transaminasen oder Cholestase-anzeigenden Enzymen nur unter besonders sorgfältiger ärztlicher Überwachung angewendet werden.

Eine Agranulozytose kann sich innerhalb weniger Stunden einstellen. Sie ist daher in den meisten Fällen trotz erfolgter Kontrolluntersuchungen des Blutbildes nicht vorhersehbar, insbesondere da schon im Rahmen der Hyperthyreose eine Leukopenie auftreten kann (10%). Die Patienten müssen deshalb über die klinischen Zeichen einer Agranulozytose (Fieber, Abgeschlagenheit, Angina tonsillaris, Mundschleimhautentzündungen) und die Notwendigkeit einer in einem solchen Fall rasch durchzuführenden Blutbildbestimmung aufgeklärt werden.

Da es unter Propylthiouracil zu Hypoprothrombinämie bzw. Blutungen kommen kann, sollte die Prothrombinzeit während der Therapie, insbesondere aber vor chirurgischen Eingriffen überprüft werden.

Propycil soll bei Kindern nur angewendet werden, wenn alle anderen vorhandenen Massnahmen zur Kontrolle der Schilddrüsenfunktion ungenügend sind.

Interaktionen

Die gleichzeitige Gabe von Thyroxin beeinflusst die thyreostatische Wirkung von Propylthiouracil.

Eine gleichzeitige oder vorausgegangene Verabreichung von jodhaltigen Arzneimitteln oder Röntgenkontrastmittel kann die thyreostatische Effektivität von Propycil 50 senken und den Eintritt der Euthyreose deutlich hinauszögern.

Unter einer Propylthiouracil-Behandlung kann sich die freie wirksame Fraktion von Propanolol und Cumarin-Derivaten erhöhen. Zudem hat Propylthiouracil eine Vitamin K-antagonistische Wirkung und kann die Wirkung von Antikoagulantien verstärken. Deshalb sollte der INR im Rahmen der Behandlung engmaschig kontrolliert werden.

In vitro führen Acetylsalicylsäure, Phenylbutazon und Warfarin zu einer signifikanten Erhöhung des freien Anteils von Propylthiouracil im Serum. Dieser Effekt wurde mit Nortriptylin, Phenazon, Phenytoin und Propanolol nicht beobachtet. Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Einnahme von Arzneimitteln, die eine Agranulozytose verursachen können.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Eine mütterliche Hyperthyreose während der Schwangerschaft geht einher mit erhöhten Abort-, Totgeburt- und Missbildungsraten. Eine mütterliche Hypothyreose führt ebenfalls zu erhöhten Abortraten. Die Missbildungsrate unter Propylthiouracil-Therapie unterscheidet sich nicht von der spontanen Rate.

In der 10. bis 14. Schwangerschaftswoche beginnt die fetale Hormonproduktion. Die Dosis eines thyreostatischen Arzneimittels muss möglichst niedrig gewählt werden, um Abort sowie Hypothyreose und Struma des Feten zu vermeiden. Im letzten Schwangerschaftsdrittel bessert sich eine Hyperthyreose oft spontan. Eine leichte Hyperthyreose wird von der Schwangeren und dem Feten besser toleriert als eine Hypothyreose.

In der Schwangerschaft ist somit eine besonders sorgfältige Überwachung von Mutter und Kind bei Gabe von Thyreostatika erforderlich. Die Parameter der freien Schilddrüsenhormone sollten sich im oberen Normalbereich befinden und die TSH-Werte sollten sehr gering oder nicht messbar sein.

Stillzeit

Propylthiouracil tritt in geringen Mengen in die Muttermilch über (10% der mütterlichen Plasmakonzentrationen). Es gibt nur wenig Daten zur Auswirkung auf das gestillte Kind. Bei Behandlung der Mutter mit Dosen bis zu 750 mg wurde keine Beeinflussung der Schilddrüsenwerte des Säuglings beobachtet. Sollte eine Behandlung der Mutter während der Stillperiode erforderlich sein, ist eine sorgfältige Überwachung des Neugeborenen anzuraten.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Spezielle Untersuchungen liegen nicht vor.

Unerwünschte Wirkungen

Unerwünschte Wirkungen sind mit einer Häufigkeit von ca. 3% berichtet. Sehr selten sind schwere unerwünschte Wirkungen wie Agranulozytose, Leberzellnekrose, nekrotische Dermatitis, Periarteriitis und Arzneimittelfieber. Eine Agranulozytose wurde vermehrt bei hohen Dosen und bei Patienten über 40 Jahre beobachtet.

Blut und lymphatisches System

Selten: Granulozytopenie, Thrombozytopenie, gestörte Erythropoese.

Sehr selten: Agranulozytose, Hypoprothrombinämie.

Immunsystem

Sehr selten: Hypersensitivitätsreaktionen, Lymphadenopathie, Arzneimittelfieber, Coombstest-positive hämolytische Anämie, Periarteriitis, Lupus-ähnliches Syndrom.

Endokrines System

Sehr selten: Hypothyreose.

Nervensystem

Selten: Schwindel, Kopfschmerzen, Somnolenz, Parästhesien, Neuritis, Geschmacks- und Geruchsstörungen.

Augen

Selten: Endokrine Ophthalmopathie.

Atemwege

Sehr selten: Interstitielle Pneumonitis, Asthma.

Gastrointestinaltrakt

Selten: Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchschmerzen, Sialadenopathie.

Leber

Selten: Ikterus, nekrotische Hepatitis.

Haut- und Unterhautgewebe

Selten: Pigmentverlust, Pruritus, Hautausschlag, Haarausfall.

Sehr selten: Nekrotische Dermatitis.

Muskuloskelettales System, Bindegewebe und Knochen

Selten: Myalgie, Gelenkschmerzen, Polyarthritis.

Nieren

Sehr selten: Glomerulonephritis.

Allgemeine Störungen

Selten: Periphere Ödeme.

Überdosierung

Fälle von akuten Intoxikationen mit Propylthiouracil sind nicht bekannt.

Bei einer chronischen Überdosierung kommt es aufgrund der spezifischen Wirkung der Thyreostatika zur Struma-Induktion und Hypothyreose mit vom Grad der Hypothyreose abhängigen Symptomen.

Spezielle Massnahmen bei einer Überdosierung sind nicht bekannt. Angesichts der raschen Resorption sind Massnahmen wie Magenspülung und endoskopische Entfernung von Tablettenresten von zweifelhaftem Wert.

Ist es als Folge einer chronischen Überdosierung zur Struma-Induktion und Hypothyreose mit vom Grade der Hypothyreose abhängigen Symptomen gekommen, ist Propycil 50 abzusetzen. Falls der Schweregrad von Hypothyreose oder Struma es erfordert, muss Thyroxin substituiert werden. Gewöhnlich kann jedoch die spontane Erholung der Schilddrüsenfunktion nach Abklingen der Propylthiouracil-Wirkung abgewartet werden.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: H03BA02

Propylthiouracil wirkt thyreostatisch durch Hemmung der intrathyreoidalen Peroxidase. Es hemmt die Oxidation von Iodid zu Iod, den Jodeinbau in die Tyrosinreste des Thyreoglobulins und die Kopplungsreaktion der Mono- und Dijodtyrosin-Verbindungen zu T3 und T4-Thyreoglobulin. Propylthiouracil vermindert auch die Konversion von Thyroxin zu Trijodthyronin im peripheren Gewebe.

Die volle Wirkung tritt nach 2–3 Wochen ein, d.h. wenn die in der Schilddrüse gespeicherten Hormone aufgebraucht sind.

Pharmakokinetik

Absorption

Propylthiouracil wird nach oraler Gabe gut und rasch resorbiert. Die Bioverfügbarkeit beträgt etwa 80%. Maximale Serumspiegel werden nach 1–2 Stunden erreicht. Die Einnahme zusammen mit Nahrung hat keinen Einfluss auf die Absorption.

Distribution

Die Plasmaproteinbindung beträgt 75%, das Verteilungsvolumen 14 Liter. Propylthiouracil akkumuliert geringfügig in der Schilddrüse. Es passiert die Plazentaschranke und ist in der Muttermilch nachweisbar; die Konzentration in der Muttermilch beträgt 1/10 der Plasmakonzentration.

Metabolismus

Propylthiouracil wird grösstenteils in der Leber metabolisiert. Es wird zu über 60% glucuronidiert, weiter auch S-methyliert und sulfatiert. Die Metaboliten sind nicht oder nur schwach aktiv.

Elimination

Die Elimination erfolgt überwiegend renal, zu ca. 60% in Form von Metaboliten, ca. 1/3 wird unverändert eliminiert. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt ca. 1–2 Stunden.

Klinik spezieller Patientengruppen

Patienten mit Leber- und Niereninsuffizienz: Bei Patienten mit Leber- und Niereninsuffizienz sind keine pharmakokinetischen Studien durchgeführt worden.

Ältere Patienten: Bei älteren Patienten ist die Pharmakokinetik nicht verändert.

Präklinische Daten

Allgemeine Toxizität

Reproduktion

In tierexperimentellen Untersuchungen an Ratten wurden neben übersteigerten pharmakodynamischen Wirkungen (perinatale Hypothyreose mit normochromer Anämie) sowohl endokrinologische als auch neurologische und Verhaltensauffälligkeiten bei den Jungtieren beobachtet.

Mutagenität

Propylthiouracil ist nur unzureichend bezüglich mutagener Wirkungen untersucht. Bisherige Ergebnisse aus mangelhaft durchgeführten In vitro-Tests waren negativ.

Karzinogenität

Im Tierexperiment wurden in mehreren Spezies nach oraler Verabreichung erhöhte Raten an Schilddrüsentumoren sowie Hypophysenadenome beobachtet. In Kombination mit bekannten Kanzerogenen wurde eine Steigerung des Effektes beobachtet. Zuverlässige Daten zur Tumorinduktion nach thyreostatischer Therapie mit Propylthiouracil beim Menschen liegen nicht vor.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit/Besondere Lagerungshinweise

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Aufbewahrung bei Raumtemperatur (15–25 °C) vor Licht geschützt in der Originalpackung.

Arzneimittel ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Zulassungsnummer

56300 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Pro Farma AG, Baar.

Stand der Information

November 2009.

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