Cyanokit Trockensub 5 G Durchstf

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Hydroxocobalaminum

Hilfsstoff: Acidum hydrochloricum, Aqua ad iniectabilia.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Eine Glas-Durchstechflasche (250 ml) enthält 5 g Hydroxocobalamin (dunkelrotes, kristallines Pulver) zur Herstellung von 200 ml Infusionslösung (25 mg Hydroxocobalamin/ml) (siehe Hinweise für die Handhabung).

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Behandlung einer bekannten oder vermuteten Zyanidvergiftung in jeder Altersgruppe.

Cyanokit ist zusammen mit einer geeigneten Dekontamination sowie unterstützenden Massnahmen anzuwenden.

Dosierung/Anwendung

Allgemeine Dosierungsanweisung

Rekonstitution mit 200 ml Verdünnungsmittel ergibt eine Konzentration von 25 mg Hydroxocobalamin/ml (siehe Hinweise für die Handhabung).

Cyanokit wird als intravenöse Infusion angewendet.

Initialdosis

Erwachsene: 5 g (200 ml, Gesamtvolumen der rekonstituierten Lösung).

Säuglinge, Kinder, Jugendliche: 70 mg/kg Körpergewicht, maximal 5 g.

Körpergewicht in kg

5

10

20

30

40

50

60

Anfangsdosis in g

0.35

0.70

1.40

2.10

2.80

3.50

4.20

Anfangsdosis in ml

14

28

56

84

112

140

168

Die Initialdosis wird über die Dauer von 15 Minuten angewendet.

Folgedosis

Abhängig vom Schweregrad der Vergiftung und dem klinischen Ansprechen (siehe Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen) kann eine zweite Dosis gegeben werden.

Erwachsene: 5 g (200 ml, Gesamtvolumen der rekonstituierten Lösung).

Säuglinge, Kinder und Jugendliche: 70 mg/kg Körpergewicht, maximal 5 g.

Abhängig vom Zustand des Patienten beträgt die Infusionsdauer der zweiten Dosis 15 Minuten, bei extrem instabilen Patienten bis zu 2 Stunden.

Höchstdosis

Erwachsene: Die maximal empfohlene Gesamtdosis beträgt 10 g.

Säuglinge, Kinder und Jugendliche: Die maximal empfohlene Gesamtdosis beträgt 140 mg/kg Körpergewicht, maximal 10 g.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Patienten mit eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion:

Bei Patienten mit eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion wurde die Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Hydroxocobalamin nicht untersucht. Da Cyanokit nur als Notfallbehandlung in einer akuten lebensbedrohlichen Situation angewendet wird, ist bei diesen Patienten keine Dosisanpassung erforderlich.

Ältere Patienten:

Es ist keine Dosisanpassung notwendig.

Kontraindikationen

Keine.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Allgemeine Massnahmen

Sofortiges Freihalten der Atemwege, angemessene Sauerstoff- und Flüssigkeitszufuhr, kardiovaskuläre Unterstützung, Behandlung von Krampfanfällen. Abhängig von der Art und Weise der Zyanidaufnahme sind entsprechende Dekontaminationsmassnahmen zu erwägen.

Cyanokit ersetzt nicht eine Sauerstofftherapie. Cyanokit darf die Durchführung obiger Massnahmen nicht verzögern.

Oft ist zunächst nicht bekannt, ob und in welchem Umfang eine Zyanidvergiftung vorliegt. Es gibt keinen allgemein verfügbaren, schnellen Bluttest zum Nachweis von Zyanid. Über die Behandlung muss auf Grundlage der klinischen Anamnese und/oder der Symptome einer Zyanidvergiftung entschieden werden.

Eine Vergiftung mit Zyanid kann durch die Exposition gegenüber Rauchgasen bei Bränden in geschlossenen Räumen, durch Einatmen, orale Aufnahme oder durch Hautresorption entstehen. Mögliche Quellen für eine Zyanidvergiftung sind Cyanwasserstoff und seine Salze, cyanogene Verbindungen, einschliesslich cyanogener Pflanzen, aliphatische Nitrile oder eine länger anhaltende Exposition gegenüber Natriumnitroprussid.

Symptome einer Zyanidvergiftung

Häufige Symptome einer Zyanidvergiftung sind: Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörungen (z.B. Verwirrtheit, Desorientiertheit), Engegefühl in der Brust, Dyspnoe, Tachypnoe oder Hyperpnoe (anfangs), Bradypnoe oder Apnoe (später), Hypertonie (anfangs) oder Hypotonie (später), kardiovaskulärer Kollaps, Krampfanfälle oder Koma, Mydriasis sowie eine Plasma-Laktatkonzentration von >8 mmol/l.

Bei Grossschadensereignissen wie Terroranschlägen oder Chemiekatastrophen können Paniksymptome, einschliesslich Tachypnoe und Erbrechen, die Frühsymptome einer Zyanidvergiftung vortäuschen. Das Vorliegen von Bewusstseinsstörungen (Verwirrtheit und Desorientiertheit) und/oder einer Mydriasis deuten auf eine echte Zyanidvergiftung hin.

Rauchgasinhalation

Nicht alle Opfer einer Rauchgasinhalation leiden notwendigerweise auch unter einer Zyanidvergiftung; sie können jedoch Verbrennungen, Traumata und eine Exposition gegenüber weiteren toxischen Substanzen aufweisen, die das klinische Bild verschlimmern. Vor Anwendung von Cyanokit wird empfohlen, Betroffene auf das Vorliegen folgender Faktoren zu überprüfen:

•Rauchgasexposition bei Bränden in geschlossenen Räumen

•Russ um Mund, Nase und/oder Oropharynx

•Bewusstseinsstörungen

In diesem Fall besteht bei einer Hypotonie und/oder einer Plasma-Laktatkonzentration ≥10 mmol/l (ein Wert, der über der in Symptome einer Zyanidvergiftung erwähnten Konzentration liegt, da Kohlenmonoxid zur Laktatazidose beiträgt) ein starker Verdacht auf eine Zyanidvergiftung. Sind die oben aufgezählten drei Faktoren vorhanden, darf die Behandlung mit Cyanokit nicht verzögert werden, um zunächst die Plasma-Laktatkonzentration zu ermitteln.

Überempfindlichkeitsreaktionen

Vor der Anwendung von Cyanokit muss eine bekannte Überempfindlichkeit gegen Hydroxocobalamin oder Vitamin B12 bei der Nutzen-Risiko-Abwägung berücksichtigt werden, da bei Patienten, die mit Hydroxocobalamin behandelt werden, Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten können (siehe Unerwünschte Wirkungen).

Blutdruckanstieg

Eine vorübergehende, im Allgemeinen asymptomatische Erhöhung des Blutdrucks kann bei Patienten unter Hydroxocobalamin auftreten. Der höchste Blutdruckanstieg wurde gegen Infusionsende beobachtet (siehe Unerwünschte Wirkungen).

Auswirkungen auf den Zyanid-Bluttest

Hydroxocobalamin senkt die Zyanidkonzentrationen im Blut. Obwohl die Bestimmung der Zyanidkonzentration nicht erforderlich ist und eine Behandlung mit Hydroxocobalamin nicht verzögern darf, kann sie für die Dokumentation einer Zyanidvergiftung sinnvoll sein. Ist eine Bestimmung des Zyanidspiegels im Blut vorgesehen, wird empfohlen, die Blutprobe vor Behandlungsbeginn mit Cyanokit zu entnehmen.

Interferenz mit der Beurteilung von Verbrennungen

Aufgrund seiner tiefroten Farbe kann Hydroxocobalamin zu einer roten Verfärbung der Haut führen und daher die Beurteilung von Verbrennungen erschweren. Hautverletzungen, Ödeme und Schmerzen deuten jedoch stark auf Verbrennungen hin.

Beeinflussung diagnostischer Methoden siehe Sonstige Hinweise

Interferenz mit Hämodialyse

Wegen seiner tiefroten Farbe kann Hydroxocobalamin dazu führen, dass sich das Hämodialysegerät wegen der irrtümlichen Detektion eines ‚Blutlecks' abschaltet. Diese Möglichkeit ist bei Patienten, die mit Hydroxocobalamin behandelt wurden, vor Beginn einer Dialyse zu berücksichtigen.

Anwendung mit anderen Zyanid-Antidoten

Die Unbedenklichkeit einer gleichzeitigen Anwendung anderer Zyanid-Antidota mit Cyanokit wurde nicht untersucht. Falls entschieden wird, ein weiteres Zyanid-Antidot zusammen mit Cyanokit anzuwenden, dürfen beide Arzneimittel nicht gleichzeitig über denselben intravenösen Zugang gegeben werden (siehe Inkompatibilitäten).

Interaktionen

Es wurden keine entsprechenden Studien durchgeführt.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Tierexperimentelle Studien haben nach täglicher Exposition während der Organogenese teratogene Wirkungen gezeigt (siehe Präklinische Daten). Es liegen keine hinreichenden Daten für die Verwendung von Hydroxocobalamin bei schwangeren Frauen vor.

Da Hydroxocobalamin in potentiell lebensbedrohlichen Situationen angewendet wird, alternative Behandlungsmöglichkeiten fehlen und nicht mehr als zwei Infusionen verabreicht werden, kann Hydroxocobalamin bei Schwangeren angewendet werden. Bei einer eventuellen Schwangerschaft sind strenge Kontrollen durchzuführen.

Stillzeit

Da Hydroxocobalamin in potentiell lebensbedrohlichen Situationen angewendet wird, ist Stillen keine Kontraindikation für die Anwendung. Bei Anwendung des Präparates ist abzustillen.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es wurden keine entsprechenden Studien durchgeführt.

Unerwünschte Wirkungen

Bei den meisten Patienten tritt eine reversible rote Verfärbung der Haut und Schleimhäute auf, die bis zu 15 Tage anhalten kann. Alle Patienten zeigen eine dunkelrote Verfärbung des Urins, die an den ersten drei Tagen nach Anwendung deutlich ausgeprägt ist und bis zu 35 Tage anhalten kann.

Die folgenden unerwünschten Wirkungen wurden in Verbindung mit der Anwendung von Cyanokit berichtet. Schätzungen über die Häufigkeit sind jedoch aufgrund der beschränkten Datenlage nicht möglich.

Störungen des Blut- und Lymphsystems

Reduzierter Prozentsatz an Lymphozyten

Störungen des Immunsystems

Allergische Reaktionen einschliesslich Angioödem, Hautausschlag, Urtikaria und Pruritus

Psychische Störungen

Unruhe

Störungen des Nervensystems

Gedächtnisstörungen, Schwindel

Augenleiden

Schwellung, Reizung, Rötung

Funktionsstörungen des Herzens

Ventrikuläre Extrasystolen. Bei Patienten mit Zyanidvergiftung wurde eine Erhöhung der Herzschlagfrequenz beobachtet.

Funktionsstörungen der Gefässe

Vorübergehender Blutdruckanstieg, der sich normalerweise innerhalb einiger Stunden wieder normalisiert, Hitzewallungen. Bei Patienten mit Zyanidvergiftung wurde ein Abfall des Blutdrucks beobachtet.

Respiratorische, thorakale und mediastinale Funktionsstörungen

Pleuraerguss, Dyspnoe, Engegefühl im Hals, Halstrockenheit, Brustbeschwerden

Gastrointestinale Beschwerden

Abdominalbeschwerden, Dyspepsie, Diarrhoe, Erbrechen, Übelkeit, Dysphagie

Funktionsstörungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Reversible rote Verfärbung der Haut und Schleimhäute. Pustulärer Ausschlag, der mehrere Wochen bestehen kann und hauptsächlich Gesicht und Hals betrifft.

Funktionsstörungen der Nieren und ableitenden Harnwege

Chromaturie (siehe Unerwünschte Wirkungen)

Allgemeine Störungen und Reaktionen an der Applikationsstelle

Kopfschmerzen, Reaktionen an der Injektionsstelle, periphere Ödeme

Untersuchungen

Cyanokit kann eine rote Verfärbung des Plasmas verursachen, was zu einem künstlichen Anstieg oder Abfall der Spiegel bestimmter Laborparameter führt (siehe Beeinflussung diagnostischer Methoden).

Säuglinge, Kinder und Jugendliche

Begrenzte Daten bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen, die mit Hydroxocobalamin behandelt wurden, zeigten keine Unterschiede im Sicherheitsprofil von Hydroxocobalamin zwischen Erwachsenen und Kindern auf.

Überdosierung

Es wurden Dosen bis zu 15 g angewendet, ohne dass über spezifische dosisabhängige Nebenwirkungen berichtet wurde. Im Falle einer Überdosierung ist eine symptomatische Behandlung angezeigt. Unter solchen Umständen kann eine Hämodialyse wirksam sein, die aber nur bei einer schweren Vergiftung durch Hydroxocobalamin angezeigt ist. Allerdings kann Hydroxocobalamin wegen seiner tiefroten Farbe die Funktion von Hämodialysegeräten beeinflussen (siehe Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen).

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: V03AB33

Wirkungsmechanismus/Pharmakodynamik

Die Wirkung von Hydroxocobalamin bei der Behandlung einer Zyanidvergiftung basiert auf seiner Fähigkeit, mit Zyanidionen stabile Komplexe einzugehen und so das Zyanid zu binden. Jedes Hydroxocobalaminmolekül kann ein Zyanidion binden, indem der Hydroxoligand, der an das dreiwertige Cobalt-Ion gebunden ist, durch einen Cyanoliganden ersetzt wird. Das dabei entstandene Cyanocobalamin ist eine stabile, ungiftige Substanz, die im Urin ausgeschieden wird.

Patienten mit Zyanidvergiftung

Insgesamt 245 Patienten mit vermuteter oder bekannter Zyanidvergiftung wurden in die klinischen Studien zur Wirksamkeit von Hydroxocobalamin als Antidot eingeschlossen. Von 213 Patienten, bei denen das Ergebnis bekannt war, überlebten 58%. 63 der 89 Patienten, die verstarben, waren schon mit Herzstillstand angetroffen worden, was darauf hindeutet, dass viele dieser Patienten sehr wahrscheinlich vor der Anwendung von Hydroxocobalamin bereits irreparable Hirnschäden erlitten hatten. Von 144 Patienten ohne initialen Herzstillstand, bei denen die Ergebnisse bekannt waren, überlebten 118 Patienten (82%). Darüber hinaus überlebten 21 (62%) von 34 Patienten mit bekannten Zyanidkonzentrationen über dem Schwellenwert für Letalität (≥100 µmol/l) nach einer Behandlung mit Hydroxocobalamin.

Bei 17 von 21 Patienten (81%), die nach der Zyanidexposition einen erniedrigten Blutdruck aufwiesen (systolischer Blutdruck >0 und ≤90 mmHg), führte die Anwendung von Hydroxocobalamin gewöhnlich zu einer Normalisierung des Blutdrucks (systolischer Blutdruck >90 mmHg). In den Fällen, für die eine neurologische Beurteilung im zeitlichen Verlauf möglich war (bei 96 der 171 Patienten, die vor der Anwendung von Hydroxocobalamin neurologische Symptome aufwiesen), zeigten 51 mit Hydroxocobalamin behandelte Patienten (53%) eine Verbesserung oder vollständige Wiederherstellung.

Ältere Patienten

In klinischen Studien erhielten etwa 50 Patienten im Alter von 65 Jahren oder älter mit bekannter oder vermuteter Zyanidvergiftung Hydroxocobalamin. Im Allgemeinen war die Wirksamkeit von Hydroxocobalamin bei diesen Patienten vergleichbar mit der bei jüngeren Patienten.

Pädiatrische Patienten

Die Wirksamkeit wurde bei 54 pädiatrischen Patienten dokumentiert. Das Durchschnittsalter der pädiatrischen Patienten lag bei ca. sechs Jahren und die mittlere Dosis Hydroxocobalamin betrug ca. 120 mg/kg Körpergewicht. Die Überlebensrate von 41% war in hohem Masse von der klinischen Situation abhängig. Von 20 pädiatrischen Patienten ohne initialen Herzstillstand überlebten 18 (90%), vier davon mit Folgeschäden. Im Allgemeinen war die Wirksamkeit von Hydroxocobalamin bei pädiatrischen Patienten vergleichbar mit der bei Erwachsenen.

Pharmakokinetik

Distribution und Metabolismus

Nach intravenöser Gabe von Cyanokit erfolgt eine signifikante Bindung an Plasmaproteine und niedermolekulare physiologische Komponenten, wodurch sich unter Ersetzen des Hydroxoliganden verschiedene Cob(III)alamin-Komplexe bilden. Die entstandenen niedermolekularen Cob(III)alamine, einschliesslich Hydroxocobalamin, werden als freies Cob(III)alamin bezeichnet, die Summe der freien und proteingebundenen Cobalamine als Gesamt-Cob(III)alamin. Um die Exposition gegenüber allen Derivaten wiederzugeben, wurde anstelle der Pharmakokinetik von Hydroxocobalamin die von Cob(III)alamin untersucht. Dadurch wurde die Konzentrationseinheit µg eq/ml erforderlich (d.h. die Cob(III)alamin-Entität ohne spezifischen Liganden).

Die dosisproportionale Pharmakokinetik wurde nach intravenösen Einzeldosen von 2.5 bis 10 g Cyanokit bei gesunden Freiwilligen beobachtet. Die mittleren Cmax-Werte für freies bzw. Gesamt-Cob(III)alamin von 113 bzw. 579 µg eq/ml wurden nach einer Gabe von 5 g Cyanokit (der empfohlenen Anfangsdosis) bestimmt. Auf die gleiche Weise wurden die mittleren Cmax-Werte für freies bzw. Gesamt-Cob(III)alamin von 197 bzw. 995 µg eq/ml nach einer Gabe von 10 g Cyanokit bestimmt.

Elimination

Die vorherrschende mittlere Halbwertzeit von freiem und Gesamt-Cob(III)alamin betrug bei Dosen von 5 und 10 g circa 26 bis 31 Stunden.

Die mittlere Cob(III)alamin-Gesamtmenge, die während des Sammelzeitraums von 72 Stunden im Urin ausgeschieden wurde, betrug circa 60% einer 5-g-Dosis und circa 50% einer 10-g-Dosis. Allgemein wurde die Gesamtausscheidung im Urin auf mindestens 60 bis 70% der angewendeten Dosis berechnet. Die grösste Ausscheidung im Urin zeigte sich während der ersten 24 Stunden, rotgefärbter Urin wurde jedoch bis zu 35 Tage nach der intravenösen Infusion beobachtet.

Nach Angleichung des Körpergewichts ergaben sich zwischen männlichen und weiblichen Probanden keine grösseren Unterschiede hinsichtlich der pharmakokinetischen Parameter für freies und Gesamt-Cob(III)alamin im Plasma oder Urin nach der Anwendung von 5 g oder 10 g Cyanokit.

Bei Patienten mit Zyanidvergiftung geht man davon aus, dass Hydroxocobalamin Zyanid bindet und das daraus entstandene Cyanocobalamin im Urin ausgeschieden wird. In dieser Population könnte durch die Zyanidbelastung im Körper die Pharmakokinetik des Gesamt-Cob(III)alamins beeinflusst sein, da Cyanocobalamin nach Literaturangaben eine zwei- bis dreimal niedrigere Halbwertzeit aufweist als das Gesamt-Cob(III)alamin bei gesunden Freiwilligen.

Präklinische Daten

Hydroxocobalamin zeigte aufgrund seiner Eigenschaft, die Stickstoffmonoxid-Konzentration zu verringern, bei anästhesierten Kaninchen hämodynamische Effekte (erhöhter mittlerer arterieller Blutdruck und totaler peripherer Widerstand, vermindertes Herzzeitvolumen).Basierend auf den konventionellen Studien zur Toxizität nach Einmal- und Mehrfachgaben und zur Genotoxizität lassen die präklinischen Daten keine besonderen Gefahren für den Menschen erkennen. Leber und Nieren erwiesen sich als die Hauptzielorgane. Jedoch wurden diese Befunde nur bei Expositionswerten beobachtet, die höher eingeschätzt wurden als die maximale humantherapeutische Exposition. Die klinische Relevanz für den Menschen wird daher als gering bewertet. Insbesondere wurde bei Hunden nach 4-wöchiger Gabe von 300 mg/kg Hydroxocobalamin eine Leberfibrose beobachtet. Eine Relevanz dieses Ergebnisses für den Menschen ist unwahrscheinlich, da es nicht in Kurzzeitstudien mit Hydroxocobalamin berichtet wurde.

Nach täglichen Gaben von 150 mg/kg und höher wurde während der Organogenese bei Ratten und Kaninchen Teratogenität und generelle Entwicklungstoxizität beobachtet. Eine Dosis von 150 mg/kg entspricht in etwa der empfohlenen Höchstdosis für den Menschen.

Es liegen keine Daten zur männlichen und weiblichen Fertilität sowie zur peri- und postnatalen Entwicklung vor. Untersuchungen zum karzinogenen Potential von Hydroxocobalamin wurden nicht durchgeführt.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Das Arzneimittel darf, ausser mit den unter Hinweise für die Handhabung aufgeführten, nicht mit anderen Arzneimitteln gemischt werden.

Eine physikalische Inkompatibilität (Partikelbildung) wurde bei der Mischung einer rekonstituierten Hydroxocobalamin-Lösung mit den folgenden Arzneimitteln beobachtet: Diazepam, Dobutamin, Dopamin, Fentanyl, Nitroglycerin, Pentobarbital, Phenytoinnatrium, Propofol und Thiopental. Eine chemische Inkompatibilität wurde mit Epinephrin, Lidocainhydrochlorid, Adenosin, Atropin, Midazolam, Ketamin, Suxamethoniumchlorid, Amiodaronhydrochlorid, Natriumbicarbonat, Natriumthiosulfat und Natriumnitrit beobachtet und für Ascorbinsäure berichtet. Folglich dürfen diese und andere Arzneimittel nicht gleichzeitig mit Hydroxocobalamin über denselben intravenösen Zugang angewendet werden.

Die gleichzeitige Anwendung von Hydroxocobalamin und Blutprodukten (Vollblut, Erythrozytenkonzentrat, Thrombozytenkonzentrat und gefrorenes Frischplasma) über denselben intravenösen Zugang wird nicht empfohlen.

Beeinflussung diagnostischer Methoden

Aufgrund seiner tiefroten Farbe kann Hydroxocobalamin die Bestimmung von Laborparametern beeinträchtigen (z.B. klinische Chemie, Hämatologie, Gerinnung und Urinparameter). In-vitro-Tests weisen darauf hin, dass Ausmass und Dauer dieser Interferenz von zahlreichen Faktoren abhängen, wie z.B. der Hydroxocobalamindosis, dem Analyten, der Analytkonzentration, der Methodik, dem Analysegerät, den Konzentrationen von Cob(III)alamin einschliesslich Cyanocobalamin sowie teilweise von der Zeit zwischen Probenahme und Messung.

Basierend auf In-vitro-Studien und pharmakokinetischen Daten gesunder Freiwilliger sind in folgender Tabelle die Interferenzen mit Labortests, die nach Gabe von 5 g Hydroxocobalamin beobachtet werden können, aufgeführt. Es ist davon auszugehen, dass die Interferenzen nach der Gabe von 10 g noch bis zu weiteren 24 Stunden anhalten. Ausmass und Dauer der Interferenz bei Patienten mit Zyanidvergiftung können sich abhängig vom Schweregrad der Intoxikation unterscheiden. Auch können die Ergebnisse bei verschiedenen Analysegeräten beträchtlich variieren, weshalb bei der Analyse und Interpretation von Laborergebnissen Vorsicht angezeigt ist.

Beobachtete In-vitro-Interferenzen von Hydroxocobalamin mit Labortests

Laborparameter

Keine Interferenz beobachtet

Künstlich

erhöht*

Künstlich vermindert*

Nicht vorhersagbar***

Dauer der Interferenz nach einer Dosis von 5 g

Klinische Chemie

Kalzium

Natrium

Kalium

Chlorid

Harnstoff

Gamma-Glutamyltransferase (GGT)

Kreatinin

Gesamtbilirubin und konjugiertes Bilirubin**

Triglyzeride

Cholesterin

Gesamtprotein

Glukose

Albumin

Alkaline Phosphatase

Alaninamino­transferase (ALT)

Amylase

Phosphat

Harnsäure

Aspartatamino­transferase (AST)

Kreatinkinase (CK)

Kreatinkinase-Isoenzym MB (CKMB)

Laktatdehydrogenase (LDH)

24 Stunden mit Ausnahme von Bilirubin (bis zu 4 Tagen)

Hämatologie

Erythrozyten

Hämatokrit

MCV (mittleres korpuskuläres Volumen)

Leukozyten

Lymphozyten

Monozyten

Eosinophile

Neutrophile

Thrombozyten

Hämoglobin (Hb)

MCH (mittleres korpuskuläres Hämoglobin)

MCHC (mittlere korpuskuläre Hämoglobin-konzentration)

12-16 Stunden

Gerinnung

Aktivierte partielle Thromboplastinzeit (aPTT)

Prothrombinzeit (PT) Quick-Wert oder INR

24 Stunden

* ≥10% Interferenz, die bei mindestens einem Analysegerät beobachtet wurde

** Künstlich vermindert mit der Diazomethode

*** Inkonsistente Ergebnisse

Verwendete Analysegeräte: ACL Futura (Instrumentation Laboratory), Axsym/Architect (Abbott), BM Coasys 110 (Boehringer Mannheim), CellDyn 3700 (Abbott), Clinitek 500 (Bayer), Cobas Integra 700, 400 (Roche), Gen-S Coultronics, Hitachi 917, STA® Compact, Vitros 950 (Ortho Diagnostics)

Hydroxocobalamin kann für alle Urin-Parameter die kolorimetrische Bestimmung stören. Nach einer Dosis von 5 g dauert diese Interferenz üblicherweise 48 Stunden, kann jedoch auch länger bestehen. Testergebnisse durch kolorimetrische Bestimmung im Urin sind mit Vorsicht zu interpretieren, solange eine Chromaturie vorhanden ist.

Haltbarkeit des Hydroxocobalamin Pulvers zur Herstellung einer Infusionslösung

Cyanokit darf nur bis zu dem mit 'EXP' auf der Packung bezeichneten Datum verwendet werden.

Haltbarkeit der gebrauchsfertigen Infusionslösung

Die chemische und physikalische Stabilität der mit Natriumchlorid 9 mg/ml (0.9%) rekonstituierten Lösung wurde für 6 Stunden bei einer Temperatur zwischen 2 °C und 40 °C nachgewiesen.

Aus mikrobiologischer Sicht sollte die gebrauchsfertige Lösung sofort verwendet werden, es sei denn, die für die Rekonstitution benutzte Methode schliesst das Risiko einer mikrobiellen Kontamination aus. Falls die gebrauchsfertige Zubereitung nicht sofort eingesetzt wird, ist der Anwender für die Dauer und die Bedingungen der Aufbewahrung verantwortlich. In der Regel soll ein Zeitraum von 6 Stunden bei 2-8 °C nicht überschritten werden.

Besondere Lagerungshinweise

Cyanokit darf nicht über 25 °C gelagert und soll ausser Reichweite von Kindern aufbewahrt werden.

Für die ambulante Anwendung kann Cyanokit kurzzeitig den Temperaturschwankungen für einen normalen Transport (15 Tage bei Temperaturen zwischen 5 °C und 40 °C), einen Transport in der Wüste (4 Tage bei Temperaturen zwischen 5 °C und 60 °C) sowie von Gefrier-/Auftauzyklen (15 Tage bei Temperaturen zwischen -20 °C und 40 °C) ausgesetzt werden. Wenn diese zeitlich begrenzten Bedingungen überschritten werden, ist das Arzneimittel zu verwerfen.

Hinweise für die Handhabung

Die Durchstechflasche muss mit 200 ml Verdünnungsmittel unter Verwendung der mitgelieferten sterilen Überleitungskanüle rekonstituiert werden. Als Verdünnungsmittel wird eine 0.9%ige (9 mg/ml) Natriumchloridlösung empfohlen. Nur wenn keine 0.9%ige Natriumchloridlösung verfügbar ist, kann eine Ringer-Laktat-Lösung oder eine Glukose Injektionslösung 50 mg/ml (5%) verwendet werden.

Die Cyanokit Durchstechflasche muss mindestens 1 Minute zur Durchmischung der Lösung geschwenkt oder umgedreht werden. Sie darf nicht geschüttelt werden, da das Schütteln der Durchstechflasche zu Schaumbildung führen und damit das Überprüfen der Rekonstitution erschweren kann. Da die rekonstituierte Lösung eine dunkelrote Farbe hat, sind eventuell einige unlösliche Partikel nicht sichtbar. Verwenden Sie daher das im Kit beigepackte intravenöse Infusionsset, das einen entsprechenden Filter enthält, und befüllen Sie es mit der rekonstituierten Lösung.

Zulassungsnummer

60539 (Swissmedic)

Zulassungsinhaberin

Curatis AG, 4410 Liestal

Stand der Information

Februar 2011

Verwendung dieser Informationen

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