Paspertin Tropfen 100 Ml

Paspertin Tropfen 100 Ml

Fachinformationen

Zusammensetzung

Injektionslösung/Tropfen

Wirkstoff: Metoclopramidi hydrochloridum.

Hilfsstoffe

Injektionslösung: Natrii chloridum, aqua ad injectabilia.

Tropfen: Conserv.: Propylis parahydroxybenzoas (E 216), Methylis parahydroxybenzoas (E 218), Saccharinum natricum, Excipiens ad solutionem.

Filmtabletten

Wirkstoff: Metoclopramidi hydrochloridum anhydricum corresp. metoclopramidum.

Hilfsstoffe: Excipiens pro compresso obducto.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Injektionslösung

2 ml enthalten 10 mg Metoclopramidi hydrochloridum.

Tropfen

1 ml (12 Tropfen) enthält 4 mg Metoclopramidi hydrochloridum.

Filmtabletten

1 Filmtablette enthält 10 mg Metoclopramidi hydrochloridum anhydricum corresp. Metoclopramidum 8,9 mg.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Filmtabletten und Tropfen

Erwachsene

  • Vorbeugung von nach Chemotherapie verzögert auftretender Übelkeit und verzögert auftretendem Erbrechen (CINV)
  • Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen, die durch Strahlentherapie verursacht werden (RINV)
  • symptomatische Behandlung von Übelkeit und Erbrechen, einschliesslich Übelkeit und Erbrechen, die durch akute Migräne hervorgerufen werden. Metoclopramid kann in Kombination mit oralen Schmerzmitteln verwendet werden, um die Resorption des Schmerzmittels bei akuter Migräne zu fördern.

Kinder und Jugendliche

Paspertin Filmtabletten und Tropfen sind aufgrund ihrer Dosierungsstärke nicht für Kinder und Jugendliche geeignet.

Injektionslösung

Erwachsene

  • Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen nach Operationen (PONV)
  • symptomatische Behandlung von Übelkeit und Erbrechen, einschliesslich Übelkeit und Erbrechen, die durch akute Migräne hervorgerufen wurden
  • Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen, die durch Strahlentherapie verursacht werden (RINV).

Kinder und Jugendliche ab 1 Jahr

  • Vorbeugung von nach Chemotherapie verzögert auftretender Übelkeit und verzögert auftretendem Erbrechen (CINV) als Zweitlinienbehandlung,
  • Behandlung von etablierter Übelkeit und etabliertem Erbrechen nach Operationen (PONV) als Zweitlinienbehandlung.

Dosierung/Anwendung

Dosierung

Filmtabletten und Tropfen

Erwachsene

Die empfohlene Einzeldosis beträgt 10 mg bis zu dreimal täglich.

Maximale Tagesdosis beträgt 30 mg oder 0,5 mg/kg Körpergewicht (KG).

Die maximale Therapiedauer beträgt 5 Tage. Eine längere Behandlung wird nicht empfohlen, da ein erhöhtes Risiko für das Auftreten potentiell irreversible Spätdyskinesien besteht (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» und «Unerwünschte Wirkungen»).

Kinder und Jugendliche

Paspertin Filmtabletten und Tropfen sind aufgrund ihrer Dosierungsstärke nicht für Kinder und Jugendliche geeignet.

Injektionslösung

Erwachsene

Zur Vorbeugung der PONV wird eine Einzeldosis von 10 mg (eine Ampulle) empfohlen.

Zur symptomatischen Behandlung von Übelkeit und Erbrechen, einschliesslich Übelkeit und Erbrechen, die durch akute Migräne verursacht werden, und zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen, die durch Strahlentherapie ausgelöst werden (RINV) beträgt die empfohlene Einzeldosis 10 mg und kann bis zu dreimal täglich gegeben werden.

Die maximale empfohlene Tagesdosis beträgt 30 mg oder 0,5 mg/kg Körpergewicht. Die Dauer der parenteralen Anwendung sollte so kurz wie möglich sein und der Übergang zur oralen Behandlung sollte so bald wie möglich erfolgen.

Die maximale Therapiedauer beträgt 5 Tage. Eine längere Behandlung wird nicht empfohlen, da ein erhöhtes Risiko für das Auftreten potentiell irreversible Spätdyskinesien besteht (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» und «Unerwünschte Wirkungen»).

Kindern und Jugendlichen ab 1 Jahr

Die empfohlene Dosis beträgt 0,1 bis 0,15 mg/kg Körpergewicht und kann bis zu dreimal täglich als intravenöse Darreichung gegeben werden. Die maximale Dosis innerhalb von 24 Stunden beträgt 0,5 mg/kg Körpergewicht.

AlterKörpergewichtDosierungHäufigkeit
1-3 Jahre10-14 kg1 mgBis zu dreimal täglich
3-5 Jahre15-19 kg2 mgBis zu dreimal täglich
5-9 Jahre20-29 kg2,5 mgBis zu dreimal täglich
9-18 Jahre30-60 kg5 mgBis zu dreimal täglich
15-18 JahreMehr als 60 kg10 mgBis zu dreimal täglich

Die maximale Therapiedauer für die Behandlung von etablierter Übelkeit und etabliertem Erbrechen nach Operationen (PONV) beträgt 48 Stunden.

Die maximale Therapiedauer zur Vorbeugung von nach Chemotherapie verzögert auftretender Übelkeit und verzögert auftretendem Erbrechen (CINV) beträgt 5 Tage.

Eine längere Behandlung wird nicht empfohlen, da ein erhöhtes Risiko für das Auftreten potentiell irreversible Spätdyskinesien besteht (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» und «Unerwünschte Wirkungen»).

Besondere Patientengruppen

Kinder unter 1 Jahr

Aufgrund ungenügender Daten bezüglich Wirksamkeit und Sicherheit bei Kindern unter 1 Jahr ist Metoclopramid in dieser Patientengruppe kontraindiziert (siehe Abschnitt «Kontraindikationen».

Ältere Patienten

Bei älteren Patienten sollte eine Dosisreduzierung auf der Grundlage der Nieren- und Leberfunktion und der Gebrechlichkeit insgesamt erwogen werden.

Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion

Bei Patienten mit einer Nierenerkrankung im Endstadium (Kreatinin-Clearance ≤15 ml/min) sollte die Tagesdosis um 75% reduziert werden.

Bei Patienten mit mässiger bis schwerer Beeinträchtigung der Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance 15-60 ml/min) sollte die Dosis um 50% reduziert werden (siehe Abschnitt «Pharmakokinetik».).

Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion

Bei Patienten mit schwerer Leberfunktions-beeinträchtigung sollte die Dosis um 50% reduziert werden (siehe Abschnitt «Pharmakokinetik»).

Art der Anwendung

Filmtabletten

Paspertin Filmtabletten sind jeweils ca. 30 Minuten vor den Mahlzeiten unzerkaut mit etwas Flüssigkeit einzunehmen.

Injektionslösung

Die Lösung kann intravenös und intramuskulär angewendet werden.

Intravenöse Gaben müssen als langsame Bolusinjektion (über einen Zeitraum von mindestens 3 Minuten) erfolgen.

Alle Formen

Ein Abstand von mindestens 6 Stunden zwischen zwei Einnahmezeitpunkten muss eingehalten werden, selbst im Fall von Erbrechen oder Abstossen der Dosis (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Kontraindikationen

  • Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff Metoclopramid oder einem der sonstigen Bestandteile;
  • Gastrointestinalen Blutungen, Darmverschluss oder gastrointestinale Perforation, insbesondere wenn die Stimulierung der gastrointestinalen Motilität ein Risiko darstellt;
  • Verdacht auf oder bestätigte Geschwülste des Nebennierenmarks (Phäochromozytom) aufgrund des Risikos schwerer hypertensiver Episoden;
  • Prolaktin-abhängige Geschwülste;
  • Vorgeschichte neuroleptischer oder durch Metoclopramid verursachter Spätdyskinesie;
  • Epilepsie (gesteigerte Anfallshäufigkeit und -stärke);
  • Morbus Parkinson, Patienten mit extrapyramidalmotorischen Störungen;
  • Patienten mit vermehrter Krampfbereitschaft;
  • Kombination mit L-Dopa oder anderen Dopamin Agonisten (siehe Abschnitt «Interaktionen»);
  • bekannter Vorgeschichte von Methämoglobinämie mit Metoclopramid oder eines NADH-Cytochrom-b5- Reduktase-Mangels (siehe Abschnitt «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»);
  • Anwendung bei Neugeborenen und Kindern unter 1 Jahr, aufgrund des erhöhten Risikos extrapyramidaler Erkrankungen (siehe Abschnitt «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Aufgrund des Gehaltes an Methyl (4-hydroxybenzoat) und Propyl (4-hydroxybenzoat) können bei Anwendung von Paspertin Tropfen allergische Reaktionen wie z.B. Urtikaria auftreten. Möglich sind auch Spätreaktionen wie Kontaktdermatitis. Selten sind Sofortreaktionen mit Urtikaria und Bronchospasmus.

Vorsicht ist geboten bei Nähten im Magen-Darm-Bereich, bei Hypertonie (Steigerung der Konzentration zirkulierender Katecholamine), Brustkrebs (erhöhter Prolaktinspiegel) und bei Patienten, die an Depressionen leiden, insbesondere bei Suizidgefahr.

Es wird empfohlen, auf den Genuss alkoholischer Getränke zu verzichten.

Neurologische Erkrankungen

Extrapyramidale Erkrankungen können besonders bei Kindern und jungen Erwachsenen und/oder bei der Anwendung hoher Dosierungen auftreten. Diese Reaktionen treten normalerweise zu Beginn der Behandlung auf und können selbst nach nur einer einzigen Gabe auftreten. Metoclopramid muss im Falle extrapyramidaler Symptome unverzüglich abgesetzt werden. Diese Auswirkungen klingen nach dem Absetzen im Allgemeinen vollständig ab, bedürfen aber gegebenenfalls einer symptomatischen Behandlung (Benzodiazepine bei Kindern und/oder anticholinerge Antiparkinsonmittel bei Erwachsenen).

Das Verabreichungsintervall von mind. 6 Stunden, zwischen zwei Metoclopramid-Gaben (siehe «Dosierung/Anwendung»), sind auch bei Erbrechen und Abstossung der Dose einzuhalten, um eine Überdosierung zu vermeiden.

Erste Anzeichen einer Dyskinesie, vor allem im lingualen und digitalen Bereich, müssen engmaschig überwacht werden und die Behandlung abgesetzt werden.

Eine längere Behandlung mit Metoclopramid kann besonders bei älteren Patienten eine Spätdyskinesie verursachen (anhaltende und häufig irreversible hyperkinetische Syndrome mit anormalen, unwillkürlichen Bewegungen vor allem im Bereich Kiefer-und Gesichtsmuskeln, aber auch athetoische und ballistische Bewegungen der Extremitäten), die irreversibel sein kann. Die Behandlung sollte aufgrund des Risikos einer Spätdyskinesie 5 Tage nicht überschreiten (siehe Abschnitt «Unerwünschte Wirkungen»). Die Behandlung muss abgebrochen werden, wenn klinische Anzeichen einer Spätdyskinesie auftreten.

Das Auftreten eines malignen neuroleptischen Syndroms wurde für Metoclopramid in Kombination mit Neuroleptika sowie mit Metoclopramid-Monotherapie berichtet (siehe Abschnitt «Unerwünschte Wirkungen»). Metoclopramid muss im Fall von Symptomen eines malignen neuroleptischen Syndroms (Hyperthermie, extrapyramidale Symptome, eine Instabilität des autonomen Nervensystems und eine Erhöhung der CPK-Werte) unverzüglich abgesetzt und eine entsprechende Behandlung eingeleitet werden.

Als Sofortmassnahmen werden empfohlen: Absetzen von Paspertin, Kühlung, Dantrolen und/oder Bromocriptin, ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

Besondere Sorgfalt ist erforderlich bei Patienten mit zugrundeliegenden neurologischen Erkrankungen und bei Patienten, die mit zentral wirkenden Arzneimitteln behandelt werden (siehe Abschnitt «Kontraindikationen»)

Symptome von Morbus Parkinson können durch Metoclopramid ebenfalls verstärkt werden (siehe Abschnitt «Kontraindikationen»).

Methämoglobinämie

Es wurde über Methämoglobinämien berichtet, die in Zusammenhang mit einem NADH-Cytochrom-b5-Reduktase-Mangel stehen können. In solchen Fällen muss Metoclopramid unverzüglich und dauerhaft abgesetzt werden und entsprechende Massnahmen (wie eine Behandlung mit Methylenblau) sind einzuleiten (siehe Abschnitt «Kontraindikationen»).

Herzerkrankungen

Es gab Berichte schwerwiegender kardiovaskulärer unerwünschter Wirkungen, einschliesslich Fälle von Kreislaufkollaps, schwerwiegender Bradykardie, Herzstillstand und QT-Verlängerung im Anschluss an die parenterale Anwendung von Metoclopramid, insbesondere bei intravenöser Anwendung (siehe Abschnitt «Unerwünschte Wirkungen»).

Bei der Anwendung von Metoclopramid bei Patienten mit Erregungsleitungsstörungen (einschliesslich QT-Verlängerung), Patienten mit nicht korrigiertem Elektrolytungleichgewicht, Bradykardie und bei Patienten, die Arzneimittel einnehmen, von denen bekannt ist, dass sie das QT-Intervall verlängern, ist besondere Vorsicht geboten. Dies gilt insbesondere für die intravenöse Anwendung bei älteren Patienten.

Nieren- und Leberfunktionsstörungen

Bei Patienten mit Leberinsuffizienz und bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion sollte wegen der verzögerten Ausscheidung die Dosis der Funktionsstörung angepasst werden (siehe «Dosierung/Anwendung»).

Interaktionen

Kontraindizierte Kombinationen

Antiparkinsonpräparate wie L-Dopa, Dopaminagonisten, Anticholinergika und Bromocriptin

Verringerung der Wirksamkeit durch wechselseitigen Antagonismus.

Zu vermeidende Kombinationen

Alkohol

Verstärkung des sedierenden Effekts.

Zu berücksichtigende Kombinationen

Aufgrund der prokinetischen Wirkung von Metoclopramid kann sich die Resorption bestimmter Arzneimittel verändern.

Arzneimittel mit dämpfender Wirkung auf das Zentralnervensystem (Morphinderivate, Hypnotika, Anxiolytika, sedierende H1-Antihistaminika, sedierende Antidepressiva, Barbiturate, Clonidin und verwandte Substanzen) und Apomorphin

Verstärkung der sedierende Wirkung dieser Arzneimittel auf das Zentralnervensystem.

Neuroleptika

Bei gleichzeitiger Gabe von Paspertin und Neuroleptika können verstärkt extrapyramidale Störungen (z.B. Krampferscheinungen im Kopf-, Hals-, Schulterbereich) auftreten.

Starke CYP2D6-Inhibitoren

Metoclopramid ist ein CYP2D6 Substrat und Inhibitor. Die gleichzeitige Gabe von starken Inhibitoren des Cytochrom-P450-Isoenzyms 2D6 (z.B. Fluoxetin, Paroxetin) führt zu einer erhöhten Metoclopramid-Exposition wodurch das Potential einer pharmakokinetischen Interaktion mit Metoclopramid und das Risiko insbesondere für extrapyramidale Nebenwirkungen erhöht sein kann. Patienten welche gleichzeitig CYP2D6-Inhibitoren erhalten sollten auf Nebenwirkungen überwacht werden.

Serotonerge Arzneimittel

Bei gleichzeitiger Gabe von serotonergern Arzneimitteln wie z.B. Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRIs), vor allem solchen, die bekannt sind für ihre inhibitorische Wirkung auf das Cytochrom-P450-Isoenzym 2D6 (z.B. Fluoxetin, Paroxetin), kann es zu verstärktem Auftreten von extrapyramidalen Symptomen bis hin zu einem sogenannten Serotonin-Syndrom kommen.

Opiate und Anticholinergika

Wechselseitiger Antagonismus auf die gastrointestinale Motilität.

Digoxin

Verringerte Bioverfügbarkeit von Digoxin. Eine sorgfältige Überwachung der Digoxin-Plasmakonzentration ist erforderlich.

Ciclosporin

Erhöhte Bioverfügbarkeit von Ciclosporin (Cmax um 46% und Exposition um 22%). Eine sorgfältige Überwachung der Ciclosporin-Plasmakonzentration ist erforderlich. Die klinische Auswirkung ist unklar.

Mivacurium und Suxamethonium (Succinylcholin)

Verlängerung der neuromuskulären Blockade (durch Hemmung der Plasma-Cholinesterase).

MAO-Hemmer

Eventuell verstärkte Wirkungen durch Freisetzung von Katecholaminen.

Exogenes Insulin

Wegen des prokinetischen Effekts von Metoclopramid muss die Dosis angepasst werden.

Oraler Kontrazeptiva

Die systemische Absorption und die Wirksamkeit oraler Kontrazeptiva können bei gleichzeitiger Gabe von Metoclopramid vermindert werden. Zusätzliche empfängnisverhütende Massnahmen werden empfohlen.

Mexiletin, Paracetamol, Salizylate, Diazepam, Lithium, Tetrazykline

Erhöhter Effekt durch stärkere Absorption (erhöhte Bioverfügbarkeit).

Cimetidin

Verringerte Wirkung durch Hemmung der Resorption (verringerte Bioverfügbarkeit).

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Beim Menschen liegen Erfahrungen mit der Anwendung von Metoclopramid in der Schwangerschaft für etwa 1000 Mutter-Kind-Paare vor; ca. 330 davon wurden im ersten Trimenon exponiert. Es wurden keine nachteiligen Auswirkungen wie Fehlbildungen oder Fetotoxizität beschrieben. In tierexperimentellen Studien zeigt Metoclopramid keine teratogenen oder embryotoxischen Effekte (siehe «Präklinische Daten»). Dennoch sollte Paspertin während der Schwangerschaft nur unter strenger Indikationsstellung angewendet werden. Wenn die Gabe von Metoclopramid am Ende der Schwangerschaft erfolgt, kann das Auftreten eines extrapyramidalen Syndroms beim Neugeborenen aufgrund der pharmakologischen Eigenschaften (wie bei anderen Neuroleptika) nicht ausgeschlossen werden. Metoclopramid sollte am Ende der Schwangerschaft vermieden werden. Wenn Metoclopramid angewendet wird, muss eine neonatale Überwachung erfolgen.

Stillzeit

Metoclopramid geht in die Muttermilch über. Eine Wirkung von Metoclopramid auf das zentrale Nervensystem des gestillten Säuglings und damit verbundene Nebenwirkungen können nicht ausgeschlossen werden. Eine Anwendung von Metroclopramid während der Stillzeit wird daher nicht empfohlen. Bei stillenden Müttern sollte ein Abbruch der Behandlung in Betracht gezogen werden. Sollte eine Paspertin-Behandlung zwingend notwendig sein, wird empfohlen, abzustillen.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Paspertin kann auch bei bestimmungsgemässem Gebrauch zu Benommenheit, Schwindel, Dyskinesie und Dystonien führen und somit die visuelle Wahrnehmung und das Reaktionsvermögen so weit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Strassenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt sein kann. Dies gilt in verstärktem Masse im Zusammenwirken mit Alkohol und sedierenden Arzneimitteln (Beruhigungsmitteln).

Unerwünschte Wirkungen

Das Auftreten unerwünschter Wirkungen unter Metoclopramid hängt im Allgemeinen von der Dosis und der Behandlungsdauer ab.

Häufigkeitsangaben (Organklasse nach dem MedDra-System): sehr häufig (≥1/10), häufig (<1/10, ≥1/100), gelegentlich (<1/100, ≥1/1'000), selten (<1/1'000, ≥1/10'000), sehr selten (<1/10'000, einschliesslich Nebenwirkungen, deren Häufigkeit aufgrund der vorliegenden Daten nicht ermittelt werden kann).

Störungen des Blutes und des Lymphsystems

Sehr selten: Methämoglobinämie, möglicherweise durch einen Mangel an NADH-Cytochrome b5-Reduktase bedingt, insbesondere bei Neugeborenen (siehe Abschnitt «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»); Sulfhämoglobinämie, hauptsächlich bei gleichzeitiger Gabe hoher Dosen von Schwefel freisetzenden Arzneimitteln.

Funktionsstörungen des Herzens

Gelegentlich: Bradykardie, insbesondere nach parenteraler Gabe.

Sehr selten: Herzrhythmusstörungen wie supraventrikulären Extrasystolen, ventrikulären Extrasystolen und Tachykardie; Herzstillstand, insbesondere kurz nach parenteraler Gabe und als mögliche Folge einer Bradykardie (siehe Abschnitt «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»); atrioventrikulärer Block; Sinusknotenstillstand, insbesondere nach parenteraler Gabe; QT-Verlängerung im Elektrokardiogramm; Torsade de pointes; Herzrhythmusstörungen in Verbindung mit Tachykardie.

Endokrine Störungen*

Gelegentlich: Amenorrhö; Hyperprolaktinämie.

Selten: Galaktorrhö.

Sehr selten: Gynäkomastie.

Gastrointestinale Störungen

Häufig: Diarrhoe.

Selten: Übelkeit; Verstopfung.

Sehr selten: Mundtrockenheit.

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Häufig: Asthenie.

Störungen des Immunsystems

Gelegentlich: Überempfindlichkeitsreaktionen, insbesondere aufgrund des Gehaltes an Alkyl-4-hydroxybenzoaten (Parabenen) von Paspertin Tropfen bei entsprechend veranlagten Patienten.

Sehr selten: Anaphylaktische Reaktion (einschliesslich anaphylaktischer Schock, insbesondere bei intravenöser Anwendung).

Störungen des Nervensystems

Sehr häufig: Müdigkeit.

Häufig: Extrapyramidale Effekte wie akute Dystonie, Akut- und Spätdyskinesien, Parkinsonismus, Akathisie, vor allem bei Kindern und jungen Erwachsenen, selbst bei Verabreichung einer einzigen Dosis des Arzneimittels (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»);

Gelegentlich: Kopfschmerzen; Schwindel; getrübter Bewusstseinszustand.

Selten: Krämpfe besonders bei epileptischen Patienten.

Sehr selten: Malignes neuroleptisches Syndrom (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»); irreversible Spätdyskinesie, welche während oder nach einer Langzeittherapie, insbesondere bei älteren Patienten auftreten kann (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Psychiatrische Störungen

Häufig: Depression.

Gelegentlich: Halluzinationen; Schlaflosigkeit; Angst; Ruhelosigkeit.

Selten: Verwirrtheitszustand.

Funktionsstörungen der Gefässe

Häufig: Hypotonie, insbesondere nach intravenöser Anwendung.

Selten: Schock; Synkope nach Anwendung als Injektion; Akute Hypertonie bei Patienten mit Phäochromozytom (siehe «Kontraindikationen»).

Sehr selten: Hypertonie, insbesondere nach hochdosierter intravenöser Gabe.

Funktionsstörungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Selten: Kutane Überempfindlichkeit (Allergie).

Funktionsstörungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse

Sehr selten: Menstruationsbeschwerden.

* Endokrine Erkrankungen bei längerer Behandlung in Zusammenhang mit einer Hyperprolaktinämie (Amenorrhö, Galaktorrhö und Gynäkomastie).

Die folgenden Reaktionen, die manchmal gleichzeitig auftreten, werden bei hohen Dosierungen häufiger beobachtet:

  • Extrapyramidale Symptome: akute Dystonie und Dyskinesie, Parkinson-Syndrom, Akathisie, selbst im Anschluss an die Gabe einer einzelnen Dosis des Arzneimittels, besonders bei Kindern und jungen Erwachsenen (Siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).
  • Schläfrigkeit, Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit, Halluzination.

Überdosierung

Symptome

Extrapyramidale Erkrankungen, Schläfrigkeit, Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit, Halluzinationen, Reizbarkeit, Blutdruckanstieg bzw. -abfall und Herz- und Atemstillstand können auftreten. Bei mehreren Kleinkindern, die 50-100 mg Metoclopramid) eingenommen hatten, waren die Symptome verschiedenartig. Teilweise waren die Kinder völlig unauffällig, teilweise trat ein dyskinetisches Syndrom auf. Als weitere Symptome wurden Schläfrigkeit und starke Durchfälle beobachtet. Die Intoxikationen wurden komplikationslos überstanden.

Bei i.v. Applikation von Kurzinfusionen im Rahmen der hochdosierten Therapie bei zytostatikabedingtem Erbrechen wurden bei Verkürzung der Verabreichungszeit von 9 Stunden auf 4½ Stunden Plasmaspiegel von über 10'000 ng/ml erreicht. Ausser einem vermehrten Vorkommen des dyskinetischen Syndroms wurden keine Besonderheiten bemerkt. Herz-, Kreislauf-, Lungen- oder Leberfunktion wurden nicht beeinflusst.

Gegenmassnahmen

Ein spezifisches Antidot liegt nicht vor.

Die Behandlung von extrapyramidalen Störungen ist nur symptomatisch (Benzodiazepine bei Kindern und/oder anticholinerge Antiparkinsonmittel bei Erwachsenen).

Eine symptomatische Behandlung und eine anhaltende Überwachung der kardiovaskulären und respiratorischen Funktionen müssen in Einklang mit dem klinischen Zustand durchgeführt werden.

Das dyskinetische Syndrom kann mit langsamer i.v. Injektion von Biperiden zum Verschwinden gebracht werden (Dosierung des Herstellers beachten) (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Nach Einnahme hoher Dosen kann zur Entfernung von Metoclopramid aus dem Magen-Darm-Trakt ggf. eine Magenspülung vorgenommen werden bzw. medizinische Kohle und Natriumsulfat gegeben werden.

Bei der Behandlung des malignen neuroleptischen Syndroms wurden Dantrolen und/oder Bromocriptin eingesetzt.

Die Überwachung der Vitalfunktionen sollte bis zum Abklingen der Symptome fortgeführt werden.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: A03FA01

Die typischen Beschwerden bei Erkrankungen des Magen-Darmbereiches wie Druck- und Völlegefühl im Oberbauch, Schmerzen, Aufstossen, Appetitlosigkeit und Übelkeit sind meist Folge einer gestörten Magen-Darm-Motorik. Metoclopramid als Wirkstoff von Paspertin erhöht auf Grund seiner peripheren cholinergen Wirkung den Tonus in den unteren Oesophagusabschnitten und im Mageneingang, regt die Peristaltik des oberen Magen-Darm-Kanals an und befördert die Magenentleerung in die oberen Dünndarmabschnitte. Ausserdem beseitigt Paspertin Brechreiz und Erbrechen. Die antiemetische Wirkung wird über einen zentralen Angriffspunkt am Hirnstamm (Chemorezeptoren-Triggerzone des Brechzentrums), durch Blockierung der dopaminergen Rezeptoren erreicht. Peripher beruht die antiemetische und prokinetische Wirkung vorwiegend auf einem antiserotonergen und indirekt cholinergen Effekt.

Pharmakokinetik

Absorption

Nach oraler Gabe in nicht retardierter Darreichungsform wird Metoclopramid schnell resorbiert. Maximale Plasmakonzentrationen werden innerhalb von 30–120 Minuten, im Mittel nach ca. 1 Stunde, erreicht. Die Bioverfügbarkeit von oral appliziertem Metoclopramid beträgt im Mittel ca. 60–80%.

Distribution

Das Verteilungsvolumen liegt zwischen 2,2 und 3,4 l/kg.

Die Bindung an Plasmaproteine ist gering.

Metoclopramid passiert die Blut-Hirn-Schranke.

Metoclopramid ist placentagängig und tritt in die Muttermilch über.

Metabolismus

In Untersuchungen am Menschen wurden 78% einer markierten Metoclopramid-Dosis im 24-Stunden-Urin, in Form von unverändertem Metoclopramid, der konjugierten Form (Sulfat, Glukuronid) und 2-(2-Methoxy-4-amino-5-chlor-benzoyl)-Aminoessigsäure wiedergefunden.

Elimination

Die Ausscheidung verläuft zum grössten Teil renal. Die Eliminationshalbwertzeit beträgt je nach galenischer Form zwischen 2,6 bis 4,6 Stunden.

Eine Kumulation bei längerer Behandlung findet nicht statt.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion

Die Clearance von Metoclopramid wird bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung um bis zu 70% reduziert. Die Plasmaeliminationshalbwertzeit wird erhöht (circa 10 Stunden bei einer Kreatinin-Clearance von 10-50 ml/Minute und 15 Stunden bei einer Kreatinin-Clearance <10 ml/Minute) (siehe «Dosierung/Anwendung» und «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion

Bei Patienten mit einer Leberzirrhose wurde eine Akkumulation von Metoclopramid beobachtet, die mit einer 50%igen Verringerung der Plasma-Clearance verbunden war (siehe «Dosierung/Anwendung» und «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Präklinische Daten

Mutagenes und tumorerzeugendes Potential

Einer ausführlichen Mutagenitätsprüfung wurde Metoclopramid nicht unterzogen.

Untersuchungen zur Mutagenität von Metoclopramid an 3 bakteriellen Stämmen (Salmonella) erbrachten keinen Hinweis auf mutagene Eigenschaften.

In einer 77-Wochen-Studie zum tumorerzeugenden Potential an Ratten mit oralen Dosen, welche 40-fach über der humantherapeutischen Dosis lagen, liessen sich mit Ausnahme einer Erhöhung des Prolaktinspiegels keine weiteren Besonderheiten aufzeigen. Auch konnte bisher weder aus klinischen noch epidemiologischen Studien eine Korrelation zwischen chronischer Anwendung prolaktinstimulierender Substanzen und der Mamma-Tumorigenese gefunden werden.

Reproduktionstoxizität

Reproduktionsstudien wurden an drei verschiedenen Tierspezies (Maus, Ratte und Kaninchen) durchgeführt. Bis in den höchsten geprüften Dosisbereich (116,2 bzw. 200 mg/kg oral) ergaben sich keine Hinweise auf teratogene oder embryotoxische Eigenschaften.

Dosierungen, die zu einem Anstieg des Prolaktinspiegels führten, haben bei Ratten reversible Spermatogenesestörungen verursacht.

Sonstige Hinweise

Beeinflussung diagnostischer Methoden

Veränderung der Bestimmung von Hypophysenvorderlappen-Hormonen möglich.

Inkompatibilitäten

Paspertin 10 mg/2 ml darf nicht mit alkalischen Infusionslösungen vermischt werden.

Haltbarkeit

Paspertin Tropfen sollten 6 Monate nach Öffnung der Flasche nicht mehr verwendet werden.

Paspertin Injektionslösung sofort nach Anbruch verwenden, Reste verwerfen.

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Aufbewahrung bei Raumtemperatur (15-25 °C). Ampullen vor Licht schützen und in der Packung aufbewahren.

Arzneimittel ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Zulassungsnummer

32733, 32735, 42894 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

BGP Products GmbH, 6341 Baar.

Stand der Information

Dezember 2014.

[Version 102 D]

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