Helixate M2v Trockensub 500 Ie C Solv Durchstf

Helixate M2v Trockensub 500 Ie C Solv Durchstf

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Octocog alfa.

Hilfsstoffe

Helixate M2V 250/500/1000 IE

Trockensubstanz: Glycinum 58 mg, Natrii chloridum 4,4 mg, Calcii chloridum dihydricum 0,7 mg, Histidinum 8,0 mg, Saccharum 28,0 mg, Polysorbat 80 0,2 mg.

Lösungsmittel: 2,5 ml Aqua ad injectabilia.

Helixate M2V 2000 IE

Trockensubstanz: Glycinum 116 mg, Natrii chloridum 8,8 mg, Calcii chloridum dihydricum 1,4 mg, Histidinum 16,0 mg, Saccharum 56,0 mg, Polysorbat 80 0,4 mg;

Lösungsmittel: 5 ml Aqua ad injectabilia.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung zu 250 IE, 500 IE, 1000 IE, 2000 IE pro Durchstechflasche. Nach Rekonstitution enthält die gebrauchsfertige Lösung 100 IE/ml, 200 IE/ml bzw. 400 IE/ml.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Bei angeborenem Blutgerinnungsfaktor-VIII-Mangel (Hämophilie A) zur Therapie und Prophylaxe von Blutungen (sowohl bei zuvor mit Faktor-VIII-Konzentraten behandelten als auch bei nicht vorbehandelten Patienten).

Helixate M2V enthält keinen von Willebrand-Faktor und ist deshalb bei von Willebrand-Jürgens-Syndrom nicht angezeigt.

Dosierung/Anwendung

Dosierung mit Einzel- und Tagesgaben

Mit jeder injizierten Einheit Faktor VIII pro kg Körpergewicht lässt sich im Mittel ein Anstieg der Faktor-VIII-Aktivität im Plasma von etwa 2% erreichen. Nach folgenden Formeln kann daher der mit einer gegebenen Dosis zu erwartende Anstieg des Faktor-VIII-Plasmaspiegels ungefähr berechnet werden:

Erwarteter Faktor-VIII-Anstieg (in % der Norm) = 2× verabreichte Einheiten: Körpergewicht (in kg).

Benötigte Einheiten = Körpergewicht (in kg) × gewünschter Faktor-VIII-Anstieg (in % der Norm) × 0,5.

Die Dosierung und die Dauer der Faktor-VIII-Gabe richten sich nach dem Gewicht des Patienten, dem Grad des Faktor-VIII-Mangels, Ort und Ausmass der Blutung, Hemmkörpertiter und gewünschter Faktor-VIII-Plasmaspiegel.

Dosierung mit kontinuierlicher Infusion

In einer klinischen Studie mit erwachsenen Hämophilie A Patienten, bei denen ein grösserer chirurgischer Eingriff durchgeführt wurde, konnte gezeigt werden, dass Helixate M2V für die Anwendung als kontinuierliche Infusion bei chirurgischen Eingriffen verwendet werden kann (prä- und postoperativ). In dieser Studie wurde, wie auch bei anderen intravenösen Langzeitinfusionen üblich, zur Vermeidung einer Thrombophlebitis an der Infusionsstelle Heparin eingesetzt.

Die Clearance, die für die Berechnung der initialen Infusionsrate benötigt wird, kann entweder durch die präoperative Bestimmung des individuellen FVIII-Abfalls oder könnte, aufgrund der Ergebnisse einer PK-Studie, durch Verwendung eines initialen Durchschnittswertes (3,0-3,5 ml/h/kg) mit entsprechender nachfolgender Anpassung der Infusionsrate anhand der gemessenen FVIII-Werte erhalten werden.

Infusionsrate (in I.E./kg/h) = Clearance (in ml/h/kg) × gewünschten Faktor-VIII-Plasmaspiegel (in I.E./ml).

Therapie von Blutungen

Die folgende Tabelle enthält Richtwerte für eine Faktor-VIII-Mindestaktivität (in % der Norm), die während des angegebenen Zeitraums nicht unterschritten werden sollten:

Schwere der Blutung/Art des chirurgischen EingriffsBenötigter Faktor-VIII-Plasmaspiegel(%) (I.E./dl)Häufigkeit der Dosierung (Stunden)/Behandlungsdauer (Tage)

Blutungen

Gelenkblutungen im Frühstadium, Muskelblutungen, Blutungen im Mundbereich20–40Injektion alle 12 bis 24 Stunden; mindestens 1 Tag, bis die (durch Schmerzen erkennbare) Blutung sistiert bzw. Wundheilung erreicht ist.
Ausgeprägte Gelenkblutungen, Muskelblutungen oder Hämatome30–60Injektion alle 12 bis 24 Stunden für 3 bis 4 Tage oder länger wiederholen, bis die Schmerzen und Behinderungen beseitigt sind.
Lebensbedrohliche Blutungen wie Gehirnblutungen, Blutungen im Rachenbereich, schwere Blutungen im Bauchbereich60–100Injektion alle 8 bis 24 Stunden wiederholen, bis die Gefahr für den Patienten vorüber ist.

Chirurgische Eingriffe

Kleinere Eingriffe einschliesslich Zahnextraktion30–60Injektion alle 24 Stunden; mindestens 1 Tag, bis die Wundheilung erreicht ist.
Grössere Eingriffe80–100 (prä- und postoperativ)a) Bolus-InjektionInjektion alle 8 bis 24 Stunden wiederholen, bis ausreichende Wundheilung erreicht ist; dann für mindestens 7 Tage einen Faktor-VIII-Spiegel von 30%-60% aufrecht erhalten.b) Kontinuierliche InfusionPräoperative Erhöhung der Faktor-VIII-Aktivität durch initiale Bolus Injektion und direkt anschliessender kontinuierlicher Infusion (in I.E./kg/h). Dann Anpassung entsprechend der täglichen Clearance des Patienten und des gewünschten Faktor-VIII-Plasmaspiegels für mindestens 7 Tage.

Die Dosis und das Dosierungsintervall sollten im Einzelfall aufgrund der klinischen Wirksamkeit festgesetzt werden. Insbesondere zu Beginn der Behandlung können höhere Dosen notwendig sein.

Helixate M2V eignet sich für Patienten aller Altersstufen.

Langzeitprophylaxe bei schwerer Hämophilie A

Für die blutungsvorbeugende Dauerbehandlung bei schwerer Hämophilie A sind, soweit nicht anders verordnet, im Abstand von 2 bis 3 Tagen 10 bis 50 IE Helixate M2V pro kg Körpergewicht zu verabreichen. In manchen Fällen, besonders bei jüngeren Patienten, können kürzere Dosierungsabstände oder höhere Einzeldosen erforderlich sein.

Art und Dauer der Anwendung

Die gebrauchsfertige Helixate M2V-Lösung wird intravenös injiziert oder infundiert.

Die Trockensubstanz wird im beigefügten Lösungsmittel nach Erwärmen auf Raumtemperatur (nicht über 37 °C) unter kreisenden Bewegungen vollständig gelöst. Bei der Herstellung und anschliessenden i.v. Gabe der Lösung ist darauf zu achten, dass sterile Bedingungen eingehalten werden. In in-vitro-Studien konnte nach Rekonstitution die chemische und physikalische Stabilität der Lösung bei max. 30 °C für 3 Stunden gezeigt werden. Aus mikrobiologischer Sicht sollte die gebrauchsfertige Lösung jedoch umgehend verwendet werden.

Für die Verwendung von Helixate M2V-Lösung mit kontinuierlicher Infusion, sollte der Infusionsbeutel alle 24 Stunden erneuert werden. In-vitro-Studien haben gezeigt, dass rekonstituierte Lösung von Helixate M2V in PVC Beuteln während 24 Stunden bei 30 °C stabil bleibt. Dies sollte berücksichtigt werden, falls die kontinuierliche Infusion nicht unmittelbar nach der Rekonstitution gestartet wird.

Mit den angegebenen Dosierungsformeln kann der wirkliche Bedarf an Faktor VIII nur annähernd errechnet werden. Das Erreichen einer gewünschten Faktor-VIII-Aktivität im Plasma muss gerinnungsanalytisch überprüft werden. Besonders bei grösseren chirurgischen Eingriffen sind Kontrollen der Faktor-VIII-Plasmaspiegel unerlässlich.

Patienten mit Faktor-VIII-Hemmkörpern

Wird der erwartete Faktor-VIII-Spiegel nicht erreicht oder wird die Blutung mit der errechneten Dosis nicht beherrscht, ist an das Vorhandensein eines Faktor-VIII-Hemmkörpers (Inhibitor) zu denken. Mit geeigneten Labortests sollte das Vorhandensein von Hemmkörpern überprüft werden.

Beträgt der Hemmkörpertiter weniger als 10 Bethesda-Einheiten (B.E.) pro ml, kann die Gabe von zusätzlichem rekombinantem Faktor VIII die Hemmkörper neutralisieren und die Fortsetzung einer klinisch effektiven Therapie mit Helixate M2V ermöglichen. Die notwendige Dosis ist jedoch bei Vorhandensein von Hemmkörpern variabel und muss entsprechend der klinischen Wirksamkeit und den Ergebnissen der Faktor-VIII-Aktivitätsbestimmung im Plasma angepasst werden. Bei Patienten mit einem Hemmkörpertiter von mehr als 10 B.E. oder einem grossen Faktor VIII-Bedarf in der Anamnese muss die Gabe von (aktiviertem) Prothrombin-Komplex-Konzentrat (PPSB) oder von rekombinantem aktivierten Faktor VII (rFVIIa) erwogen werden. Diese Therapien sollten nur von Ärzten durchgeführt werden, die über Erfahrung in der Behandlung von Patienten mit Hämophilie verfügen.

Kontraindikationen

Bekannte Allergie auf Helixate M2V oder einen Inhaltsstoff.

Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Maus- oder Hamsterproteine kann die Gabe von Helixate M2V kontraindiziert sein (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Helixate M2V enthält Spuren von Mäuse- und Hamstereiweiss. Bei Patienten mit bekannter Allergie auf solche Proteine ist Vorsicht geboten, obwohl in klinischen Studien bisher keine solchen Reaktionen beobachtet wurden.

Patienten sollten auf mögliche frühe Anzeichen einer Überempfindlichkeitsreaktion oder einer anaphylaktischen Reaktion während der Infusion (Auftreten von Brustbeklemmungen, Schwindel, milder Blutdruckabfall, Übelkeit) hingewiesen werden. Eine symptomatische Behandlung der Überempfindlichkeitsreaktion sollte in angemessener Form eingeleitet werden. Allergische oder anaphylaktische Reaktionen erfordern einen sofortigen Abbruch der Injektion/Infusion. Die Regeln der modernen Schocktherapie sollten befolgt werden.

Obwohl die benötigte Dosis anhand der erwähnten Berechnungen geschätzt werden kann, wird dringend empfohlen, die angestrebte Faktor-VIII-Aktivität im Plasma in angemessenen Zeitabständen mit geeigneten Gerinnungstests zu überprüfen. Besonders bei grösseren chirurgischen Eingriffen sind Kontrollen der Faktor-VIII-Plasmaspiegel erforderlich.

Hämophilie Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren oder kardiovaskulären Erkrankungen haben dasselbe Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis wie Nicht-Hämophilie-Patienten, sobald sich ihre Blutgerinnung mit der Faktor VIII Behandlung normalisiert hat.

Die Bildung von neutralisierenden Antikörpern (Hemmkörpern) gegen Faktor VIII ist eine bekannte Komplikation bei der Behandlung von Patienten mit Hämophilie A. Diese Hemmkörper sind stets gegen die prokoagulatorische Aktivität von Faktor VIII gerichtete IgG-Immunglobuline, die in modifizierten Bethesda-Einheiten (B.E.) quantifiziert werden. Das Risiko, Hemmkörper zu entwickeln, ist mit der Exposition gegenüber Blutgerinnungsfaktor VIII korreliert, wobei dieses Risiko innerhalb der ersten 20 Expositionstage am grössten ist. Selten können sich Hemmkörper nach mehr als 100 Expositionstagen entwickeln. Patienten, die mit rekombinantem Faktor VIII behandelt wurden, sollten sorgfältig klinisch überwacht und mittels geeigneter Labortests auf die Entwicklung von Hemmkörpern untersucht werden (siehe auch «Unerwünschte Wirkungen»). Bei vorbehandelten Patienten (Exposition >100 Tage) mit einer Geschichte von Hemmkörperbildung wurde beim Wechsel der Medikation von einem rekombinanten Faktor-VIII-Präparat zu einem anderen in einzelnen Fällen ein Wiederauftreten von Hemmkörpern (mit tiefem Titer) beobachtet.

Interaktionen

Wechselwirkungen sind bisher nicht bekannt.

Acetylsalicylsäure, Phenylbutazon und Indometacin beeinträchtigen die Plättchenfunktion und erhöhen die Gefahr von Blutungen. Diese Mittel dürfen bei Blutern nicht angewandt werden. Vorsicht ist auch bei anderen nicht-steroidalen Antiphlogistika geboten.

Schwangerschaft/Stillzeit

Kontrollierte Studien bei Tieren können mit Faktor VIII nicht durchgeführt werden, da durch das Fremdprotein eine Immunantwort induziert wird.

Aufgrund des sehr seltenen Auftretens von Hämophilie A bei Frauen liegen über die Anwendung von Helixate M2V während Schwangerschaft und Stillzeit keine Erfahrungen vor. Helixate M2V sollte in Schwangerschaft und Stillzeit nur bei eindeutiger Indikationsstellung angewandt werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es wurden keine Auswirkungen auf die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Strassenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beobachtet.

Unerwünschte Wirkungen

Folgende Nebenwirkungen wurden bei klinischen Studien beobachtet.

Die Häufigkeiten werden wie folgt angegeben:

Sehr häufig: ≥10%.

Häufig: ≥1% <10%.

Gelegentlich: ≥0,1% <1%.

Selten: ≥0,01% <0,1%.

Sehr selten: <0.01%.

Störungen des Blut- und Lymphsystems

Sehr häufig: Bildung von Hemmkörpern gegen Faktor VIII bei PUPs/MTPs.

Gelegentlich: Bildung von Hemmkörpern gegen Faktor VIII bei PTPs.

Störungen des Immunsystems

Häufig: Überempfindlichkeitsreaktionen an der Haut.

Sehr selten: Überempfindlichkeitsreaktionen (z.B. Benommenheit, Übelkeit, Schmerzen in der Brust/Unwohlsein, leichter Blutdruckabfall). Weiterhin kann die Möglichkeit eines anaphylaktischen Schocks nicht ausgeschlossen werden (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Funktionsstörungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Häufig: Hautausschlag/Juckreiz.

Störungen des Nervensystems

Sehr selten: Dysgeusie (Störungen des Geschmackssinnes).

Allgemeine Störungen und Reaktionen an der Applikationsstelle

Häufig: lokale Reaktionen an der Injektionsstelle (z.B. Brennen oder vorübergehende Hautrötung).

Sehr selten: Fieber.

Die am häufigsten beobachtete Nebenwirkung ist die Bildung von neutralisierenden Antikörpern. Diese Hemmkörper gegen Faktor VIII traten vor allem bei nicht vorbehandelten Patienten (PUPs/MTPs) auf. Die Inzidenz der Antikörperbildung entspricht ungefähr der Häufigkeit, die bei Plasma-Faktor-VIII-Konzentraten in vergleichbaren Patientenkollektiven beobachtet wurde und liegt aufgrund verfügbarer Registerdaten für PUPs mit schwerer Hämophilie A im Bereich von 28-38%.

Die Patienten sollten sorgfältig klinisch beobachtet und geeigneten Labortests auf Hemmkörperbildung unterzogen werden.

In klinischen Studien mit Helixate M2V entwickelten 9 von 60 (15%) nicht vorbehandelten und minimal vorbehandelten Hämophilie-Patienten (PUPs/MTPs) neutralisierende Antikörper, davon entwickelten 6 von 60 (10%) einen Hemmkörpertiter von mehr als 10 B.E. und 3 von 60 (5%) einen Hemmkörpertiter von weniger als 10 B.E. Die Zahl der Expositionstage bis zum Nachweis der Hemmkörper betrug im Median 9 Tage (Bereich: 3–18 Tage).

Vier der fünf Patienten, die keine 20 Expositionstage erreicht hatten am Ende der Studie, erreichten schliesslich mehr als 20 Behandlungstage in der Nachbeobachtungsphase. Einer dieser Patienten entwickelte einen niedrigtitrigen Hemmkörperspiegel. Ein Patient konnte nicht nachbeobachtet werden.

In klinischen Studien mit 73 vorbehandelten Hämophilie-Patienten (PTP, definiert als Patienten mit ≥100 Expositionstagen), die über 4 Jahre durchgeführt wurden, wurde kein de-novo Hemmkörper beobachtet.

In umfangreichen, nach Erhalt der Zulassung mit Helixate M2V durchgeführten Beobachtungsstudien mit mehr als 1000 Patienten wurde folgendes beobachtet: In der PUP/MTP Untergruppe entwickelten weniger als 11% de-novo Hemmkörper. In der Gruppe der vorbehandelten Hämophilie-Patienten (PTP) entwickelten weniger als 0,2% einen de-novo Hemmkörper.

In einer Beobachtungsstudie mit Helixate M2V lag die Inzidenz der Hemmkörperbildung bei nicht vorbehandelten Patienten mit schwerer Hämophilie A bei 64/183 (37.7%) (beobachtet über bis zu 75 Expositionstage).

Es gab bisher keine Hinweise, dass die während der klinischen Prüfung mit Helixate M2V vereinzelten Anstiege von Antikörpern gegen die in Spuren im Präparat vorhandenen Maus- oder Hamsterproteine klinisch relevant waren. Vorsicht ist bei Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit gegen Bestandteile dieses Präparates geboten (siehe «Kontraindikationen» sowie «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Überdosierung

Symptome durch Überdosierung von Helixate M2V sind bisher nicht bekannt.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: B02BD02

Hämophilie A ist eine angeborene Störung der plasmatischen Blutgerinnung aufgrund einer verminderten Aktivität des Faktors VIII. Die aktivierte partielle Thromboplastinzeit (aPTT) ist bei Hämophilie A verlängert, ebenso bei Hämophilie B (verminderte Faktor- IX-Aktivität) und anderen Störungen des intrinsischen Blutgerinnungs-Systems.

Nach Gabe sowohl von Helixate M2V (rekombinanter humaner Blutgerinnungsfaktor VIII) als auch eines aus Plasma gewonnenen Faktor-VIII-Konzentrats wird eine vergleichbare Normalisierung der aPTT beobachtet. Der Wirkstoff von Helixate M2V besitzt die gleichen pharmakologischen Eigenschaften wie der aus Plasma gewonnene Faktor VIII.

In klinischen Studien ist mit jeder injizierten Einheit Helixate M2V pro kg Körpergewicht ein mittlerer Anstieg der Faktor-VIII-Aktivität von 2% erreicht worden. Dieser Wert ist mit dem für aus Plasma gewonnenen Faktor VIII vergleichbar.

Pharmakokinetik

Durch die i.v. Applikation ist das Präparat sofort und vollständig bioverfügbar.

Nach Gabe von Helixate M2V verläuft die Elimination von FVIII aus dem Plasma biphasisch mit einer klinisch relevanten Halbwertzeit, die mit der mittleren terminalen Halbwertzeit von Plasma-Faktor-VIII (ca. 13 Stunden) vergleichbar ist.

Präklinische Daten

Spezifische Untersuchungen mit mehrfacher Gabe von Octocog alfa z.B. zu Reproduktionstoxizität, chronischer Toxizität und Kanzerogenität wurden wegen der zu erwartenden Immunreaktion auf Fremdproteine bei allen nicht-menschlichen Säugern nicht durchgeführt.

Mit Helixate M2V wurden keine Mutagenitätsstudien durchgeführt, da für das Vorgängerprodukt von Helixate M2V in vitro und in vivo kein mutagenes Potential festgestellt werden konnte.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Helixate M2V darf nicht mit anderen Arzneimitteln und Infusionslösungen gemischt werden, da dadurch die Gerinnungsaktivität beeinträchtigt werden kann.

Es dürfen ausschliesslich die mitgelieferten Behandlungssets benutzt werden, da die Therapie als Folge einer Adsorption von humanem Gerinnungsfaktor VIII an inneren Oberflächen mancher Infusionssets versagen kann.

Haltbarkeit

Das auf der Packung unter «EXP» angegebene Datum darf auf keinen Fall überschritten werden.

Besondere Lagerungshinweise

Fertigarzneimittel

Das Arzneimittel soll in der Originalverpackung im Kühlschrank (2-8 °C) und ausser Reichweite von Kindern aufbewahrt werden. Vor Licht schützen. Flaschen in der Faltschachtel aufbewahren. Nicht einfrieren.

Das verpackte Produkt kann für eine begrenzte Periode von 12 Monaten bei Raumtemperatur (15–25 °C) aufbewahrt werden. In diesem Fall verfällt das Produkt am Ende der 12-Monatsperiode; das neue Verfalldatum muss auf der Faltschachtel notiert werden. Dieses neue Verfalldatum darf jedoch auf keinen Fall länger sein als das auf der Packung unter «EXP» angegebene Datum.

Gebrauchsfertige Lösung - Bolusinjektion

Gelöstes Helixate M2V nicht mehr kühlen und möglichst sofort, längstens innerhalb von 3 Stunden, injizieren.

In in-vitro-Studien konnte nach Rekonstitution die chemische und physikalische Stabilität der Lösung bei max. 30 °C für 3 Stunden gezeigt werden. Aus mikrobiologischer Sicht sollte die gebrauchsfertige Lösung jedoch umgehend verwendet werden. Geschieht dies nicht, liegen die Aufbewahrungszeiten und -bedingungen in der Verantwortung des Anwenders.

Dieses Arzneimittel ist nur zur einmaligen Anwendung vorgesehen. Reste der Lösung sind zu verwerfen.

Helixate M2V nicht verwenden, wenn nach der Zubereitung der Lösung Partikel oder eine Trübung bemerkt werden.

Gebrauchsfertige Lösung – Kontinuierliche Infusion

Die Lösung muss unter sterilen Bedingungen vorbereitet werden. Die gebrauchsfertige Lösung weist in PVC Beuteln eine Haltbarkeit von 24 Stunden auf.

Sowohl in-vitro wie unter klinischen Bedingungen konnte gezeigt werden, dass der Wirkstoff in einer beweglichen Pumpe mit einem PVC-Reservoir stabil war.

Hinweise für die Handhabung

Sollte eine der Komponenten von Helixate M2V geöffnet oder beschädigt sein, darf diese Komponente nicht verwendet werden.

Helixate M2V sollte mit den Komponenten, die mitgeliefert werden, aufbereitet und angewendet werden. Es ist wichtig, das beiliegende Anwendungsbesteck zu verwenden, da es einen eingebauten Filter enthält, der allfällige Partikel zurückhalten würde. Falls nicht das mitgelieferte Anwendungsbesteck verwendet werden kann (z.B. bei direkter Infusion über einen peripheren oder zentralen Zugang), muss die Wirkstofflösung über einen geeigneten, kompatiblen Filter infundiert werden. Kompatible Filter haben einen Luer-Adapter mit einem Polyacryl-Gehäuse; das intergrierte Filterelement sollte eine Mesh-Grösse von 5-20 µm haben.

Das mitgelieferte Anwendungsbesteck darf nicht verwendet werden, um Blutentnahmen zu machen, da es einen on-line-Filter enthält. Falls eine Blutentnahme vorgängig zu einer Helixate M2V-Infusion nötig ist, muss ein Anwendungs-Set ohne Filter verwendet und die Helixate M2V-Lösung anschliessend über einen separaten Filter infundiert werden.

Verabreichung mittels kontinuierlicher Infusion

Helixate M2V kann mittels kontinuierlicher Infusion angewendet werden. Die Infusionsrate sollte anhand der Clearance und des gewünschten Faktor-VIII-Plasmaspiegels berechnet werden.

Beispiel

Für einen 75 kg schweren Patienten mit einer Clearance von 3 ml/h/kg beträgt die initiale Infusionsrate 3 I.E./h/kg, um einen Faktor VIII-Plasmaspiegel von 100% zu erreichen. Zur Berechnung der Infusionsrate in ml/Stunde muss die Infusionsrate in I.E./h/kg mit dem Körpergewicht (in kg)/Konzentration der Lösung (in I.E./ml) multipliziert werden.

Gewünschter Faktor-VIII-PlasmaspiegelInfusionsrate (I.E./h/kg)Infusionsrate für einen 75 kg schweren Patienten (ml/h)
Clearance:3 ml/h/kgKonzentration der rFVIII-Lösung (in I.E./ml)
100200400
100% (1 I.E./ml)3.02.251.1250.56
60% (0.6 I.E./ml)1.81.350.680.34
40% (0.4 I.E./ml)1.20.90.450.225

Höhere Infusionsraten können unter Bedingungen einer erhöhten Clearance bei starken Blutungen oder bei erheblichen Gewebeschäden bei chirurgischen Eingriffen erforderlich sein. Die nachfolgenden Infusionsraten sollten anhand des aktuellen Faktor VIII-Plasmaspiegels und der an jedem postoperativen Tag ermittelten Clearance nach folgender Gleichung berechnet werden:

Clearance = Infusionsrate/aktuellen Faktor-VIII-Plasmaspiegel.

Handhabung des Anwendungsbestecks

Bei der Herstellung und anschliessenden i.v. Gabe der Lösung ist darauf zu achten, dass aseptische Bedingungen eingehalten werden.

Die gebrauchsfertige Lösung ist möglichst sofort, längstens innerhalb von 3 Stunden, zu verwenden. Sie muss vor der Verwendung filtriert werden, um allfällige Partikel zu entfernen. Die Filtration erfolgt über den beiliegenden Mix2Vial-Adapter (siehe auch «Hinweise für die Handhabung»).

  1. Hände gründlich mit warmem Wasser und Seife waschen.
  2. Die beiden ungeöffneten Durchstechflaschen mit den Händen auf Körpertemperatur (nicht mehr als 37 °C) erwärmen.
  3. Vor dem Öffnen der Mix2Vial Packung die Flip-Off-Kappen der Lösungsmittel- und Produktflaschen entfernen und die Stopfen mit einer aseptischen Lösung behandeln und anschliessend trocknen lassen.
  4. Das Deckpapier von der Mix2Vial Packung entfernen. Das Mix2Vial nicht aus der Blisterpackung nehmen!
  5. Die Lösungsmittelflasche auf eine ebene, saubere Fläche stellen und festhalten. Das Mix2Vial Set mit der Blisterpackung greifen und mit der Spitze der blauen Seite durch den Stopfen auf die Lösungsmittelflasche fest aufstecken.
  6. Vorsichtig die Blisterverpackung vom Mix2Vial Set entfernen, indem Sie sie am Rand festhalten und nach oben abziehen. Dabei ist darauf zu achten, dass nur die Packung und nicht das Mix2Vial entfernt wird.
  7. Die Produktflasche auf eine feste ebene Unterlage stellen. Die Lösungsmittelflasche mit dem aufgesetzten Set umdrehen und die Spitze des transparenten Adapters durch den Stopfen auf die Produktflasche fest aufstecken. Das Lösungsmittel fliesst automatisch in die Produktflasche.
  8. Mit der einen Hand die Produktseite und mit der anderen Hand die Lösungsmittelseite des Mix2Vial greifen und das Set vorsichtig gegen den Uhrzeigersinn auseinander schrauben. Die Lösungsmittelseite mit dem blauen Adapter entsorgen.
  9. Die Produktflasche mit aufgesetztem transparentem Adapter vorsichtig schwenken, bis das Produkt vollständig aufgelöst ist. Nicht schütteln.
  10. Luft (3 ml) in eine leere, sterile Spritze aufziehen. Die Produktflasche aufrecht halten, die Spritze mit dem Mix2Vial Set durch Drehen im Uhrzeigersinn verbinden und die Luft in die Produktflasche injizieren.
  11. Den Stempel der Spritze gedrückt halten, das gesamte System umdrehen und das Produkt durch langsames Zurückziehen des Stempels in die Spritze aufziehen.
  12. Nachdem das Produkt vollständig in die Spritze überführt ist, den Spritzenzylinder fassen (dabei den Spritzenstempel gezogen halten) und die Spritze durch Drehen gegen den Uhrzeigersinn vom transparenten Mix2Vial Adapter trennen. Den Stempel bei aufrecht gehaltener Spritze so weit hineindrücken, bis keine Luft mehr in der Spritze ist.
  13. Stauschlauch anlegen.
  14. Injektionsstelle lokalisieren und desinfizieren.
  15. Vene punktieren und das Venenpunktionsbesteck mit einem Pflaster fixieren.
  16. Nachdem Blut bis an das offene Ende des Venenpunktions-Bestecks gelaufen ist, die Spritze mit dem Konzentrat aufstecken. Dabei ist darauf zu achten, dass kein Blut in die Spritze gelangt.
  17. Stauschlauch lösen!
  18. Lösung über einen Zeitraum von mehreren Minuten intravenös injizieren, dabei Nadelposition kontrollieren! Die Injektionsgeschwindigkeit richtet sich nach Ihrem persönlichen Befinden (maximale Injektionsgeschwindigkeit: 2 ml/Minute).
  19. Wenn eine weitere Dosis erforderlich ist, muss eine neue Spritze verwendet werden! Zuvor das Pulver wie oben beschrieben auflösen. Wiederholen Sie dazu die Schritte 2.-12.
  20. Wenn keine weitere Dosis erforderlich ist, wird das Venenpunktionsbesteck zusammen mit der Spritze entfernt. Bei gestrecktem Arm einen Tupfer ca. 2 Minuten fest auf die Injektionsstelle drücken. Injektionsstelle mit einem kleinen Druckverband versorgen.

Nicht alle Schritte wurden bebildert. Bitte Text unbedingt beachten!

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Zulassungsnummer

60181(Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

CSL Behring AG, Bern.

Stand der Information

April 2015.

Verwendung dieser Informationen

Die Informationen auf dieser Seite sind für Fachpersonal gedacht. Bei Fragen lassen Sie sich von einer Fachperson (z.B. Arzt oder Apotheker) beraten.