Mogadon Tabl 5 Mg 50 Stk

Mogadon Tabl 5 Mg 50 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Nitrazepam.

Hilfsstoffe: Lactose, Excipiens pro compresso.

1 Tablette enthält 90 mg Kohlenhydrate, entsprechend 1,5 kJ.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 Tablette (Bruchrille) zu 5 mg.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Schlafstörungen

Mogadon ist bei behandlungsbedürftigen Schlafstörungen, die z.B. durch Reizbarkeit, Überbeanspruchung, Ärger, Angst, Sorge, Spannung und Bedrückung verursacht werden, ebenso angezeigt wie bei organischen Schlafstörungen im Zusammenwirken mit der spezifischen Therapie der Grundkrankheit.

Epilepsie

Blitz-Nick-Salaam-Krämpfe mit Hypsarrhythmie (West-Syndrom) und epileptische Enzephalopathie beim Kind mit langsamen diffusen spitzen Wellen (Lennox-Syndrom).

Dosierung/Anwendung

Schlafstörungen

Erwachsene: 1 Tablette (5 mg) abends.

Diese Durchschnittsdosis kann je nach Ansprechen des Patienten reduziert oder bis auf 10 mg, stationär bis auf 20 mg, erhöht werden.

Ältere Patienten: ½-1 Tablette. Bei Vorliegen von organischen Hirnveränderungen sollte die Dosis in dieser Patientengruppe 5 mg nicht übersteigen.

Mogadon wird abends vor dem Schlafengehen eingenommen.

Die Tabletten können zerkaut, ganz oder in Flüssigkeit gelöst eingenommen werden.

Die Dosierung sollte individuell angepasst werden und die Behandlung sollte möglichst intermittierend erfolgen. Die Behandlung sollte von möglichst kurzer Dauer sein und mit der tiefst möglichen Dosis begonnen werden. Die Maximaldosis sollte nicht überschritten werden.

Im Allgemeinen liegt die Behandlungsdauer zwischen wenigen Tagen und 2 Wochen, mit einem Maximum von 4 Wochen einschliesslich der schrittweisen Absetzphase.

In bestimmten Fällen kann eine Behandlung über die maximale Behandlungsdauer hinaus notwendig sein. Dies sollte jedoch nicht ohne Neu-Überprüfung des Patienten geschehen. Eine kontinuierliche Langzeitbehandlung wird nicht empfohlen. Es könnte von Nutzen sein, die Patienten zu Beginn der Behandlung darüber zu informieren, dass die Behandlung von beschränkter Dauer sein wird und zu erklären, wie die Dosis reduziert werden wird. Die Patienten sollten auch über mögliche Entzugserscheinungen (siehe «Unerwünschte Wirkungen») aufgeklärt werden, so dass die Angst vor solchen Symptomen – falls sie beim Absetzen des Arzneimittels auftreten - verringert werden kann. Die Behandlung mit Mogadon sollte nicht abrupt abgebrochen, sondern ausgeschlichen werden.

Bei langwirksamen Benzodiazepinen sollten die Patienten zu Beginn der Behandlung regelmässig überwacht und die Dosis oder die Häufigkeit der Einnahme falls notwendig reduziert werden, um eine Überdosierung infolge Akkumulation zu verhindern.

Epilepsie

Mit Ausnahme der Behandlung von Epilepsie (Blitz-Nick-Salaam-Krämpfe mit Hypsarrhythmie (West-Syndrom) und epileptische Enzephalopathie beim Kind mit langsamen diffusen spitzen Wellen (Lennox-Syndrom)) ist Mogadon bei Kindern kontraindiziert.

Kinder bis 1 Jahr: 1-2 Tabletten.

Kinder von 2-14 Jahren: 3 Tabletten.

Diese Tagesdosen sind möglichst auf drei Einzeldosen zu verteilen.

Beim Säugling mit Epilepsie können diese hohen Dosen eine Hypersekretion in den Bronchien hervorrufen; deshalb muss man sich vor Beginn der Behandlung versichern, dass die oberen Luftwege frei sind.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Bei Patienten mit chronisch pulmonaler Insuffizienz und bei Patienten mit chronischen Nieren- oder Lebererkrankungen muss die Dosis allenfalls reduziert werden.

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber Nitrazepam, anderen Benzodiazepinen bzw. einem der Hilfsstoffe gemäss Zusammensetzung. Überempfindlichkeitsreaktionen auf Benzodiazepine wie Ausschlag, Angioödem und Hypotonie wurden selten bei empfindlichen Personen berichtet.
  • schwere respiratorische Insuffizienz,
  • Phobische oder obsessive Zustände,
  • Chronische Psychose,
  • Myasthenia gravis,
  • Schlafapnoe-Syndrom,
  • schwere Leberinsuffizienz,
  • spinale und zerebelläre Ataxien,
  • akute Vergiftung mit Alkohol, Sedativa, Hypnotika, Analgetika oder Psychopharmaka (Neuroleptika, Antidepressiva, Lithium),
  • Kurzzeitbehandlung von Schlaflosigkeit bei Kindern und Jugendlichen.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Vor dem Einsatz von Benzodiazepinen zur symptomatischen Behandlung sollte die zugrunde liegende Ursache für die Schlaflosigkeit ermittelt werden.

Benzodiazepine werden nicht zur Primärbehandlung von phobischen oder obsessiven Zuständen sowie von chronischer Psychose oder psychotischen Erkrankungen empfohlen.

Toleranzentwicklung

Ein gewisser Verlust der hypnotischen Wirkung kann sich bei Benzodiazepinen nach einer wiederholten Anwendung während einiger Wochen entwickeln.

Abhängigkeit

Die Einnahme von Benzodiazepinen kann zur Entwicklung von psychischer und physischer Abhängigkeit führen. Dieses Risiko steigt mit der Dosis und der Dauer der Behandlung. Insbesondere bei Patienten mit Alkohol- oder Drogenmissbrauch in der Vorgeschichte oder bei Patienten mit ausgeprägten Persönlichkeitsstörungen ist dieses Risiko erhöht.

Die regelmässige Überwachung dieser Patienten ist sehr wichtig. Eine routinemässige Wiederholung der Verschreibungen soll vermieden und die Behandlung sollte schrittweise beendet werden.

Um das Risiko einer Abhängigkeit auf ein Minimum zu reduzieren, sollten Benzodiazepine nur nach sorgfältiger Prüfung der Indikation verschrieben und über möglichst kurze Dauer (als Hypnotikum zum Beispiel in der Regel nicht länger als vier Wochen) eingenommen werden. Ob eine Weiterführung der Behandlung notwendig ist, muss periodisch überprüft werden. Eine längere Behandlung ist nur bei bestimmten Patienten indiziert und der Nutzen im Vergleich zu Risiken weniger klar.

Entzugserscheinungen

Die Entzugssymptomatik tritt vor allem nach abruptem Absetzen sogar bei Patienten auf, die während einer kurzen Dauer mit normalen therapeutischen Dosen behandelt wurden. Dabei können Depression, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwäche, Muskelschwäche, Nervosität, aussergewöhnliche Angst, Spannungszustände, Tremor, Ruhelosigkeit, Verwirrung, Stimmungsveränderungen, Rebound-Schlafstörungen, Reizbarkeit, Schwitzen, Diarrhöe, Muskel- und Bauchkrämpfe, Wahrnehmungsstörungen sowie in seltenen Fällen Delirien und zerebrale Krampfanfälle auftreten.

In schweren Fällen könnten folgende Symptome hervorgerufen werden: Verfremdete Wahrnehmung der Umwelt, Persönlichkeitsstörungen, Taubheit und Kribbeln in den Extremitäten, Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und physischem Kontakt, Halluzinationen oder epileptische Anfälle. Über Missbrauch von Benzodiazepinen wurde berichtet.

Das Einsetzen von Entzugserscheinungen schwankt je nach Wirkungsdauer der Substanz zwischen ein paar Stunden und einer Woche oder mehr nach Absetzen der Therapie.

Zur Vermeidung von Entzugserscheinungen empfiehlt sich in jedem Falle, die Behandlung durch schrittweise Reduktion der Dosis zu beenden. Bei Auftreten von Entzugserscheinungen ist eine engmaschige ärztliche Überwachung und Unterstützung des Patienten erforderlich.

Rebound-Schlaflosigkeit und Angst

Nach dem Absetzen der Therapie mit Mogadon, kann es zum vorübergehenden Auftreten von Rebound-Schlaflosigkeit kommen. Dabei können die initialen Symptome, die zu einer Behandlung mit Benzodiazepinen führten, in verstärkter Form wieder auftreten. Als Begleitreaktionen sind Stimmungswechsel, Angstzustände und Unruhe möglich. Da das Risiko von Entzugs- bzw. Absetz-Phänomenen nach plötzlichem Beenden der Therapie höher ist, wird empfohlen, die Behandlung durch schrittweise Reduktion der Dosis zu beenden.

Amnesie

Benzodiazepine können anterograde Amnesien verursachen. Der Zustand tritt üblicherweise einige Stunden nach der Einnahme auf und kann mehrere Stunden andauern. Das bedeutet, dass nach erfolgter Arzneimitteleinnahme unter Umständen Handlungen ausgeführt werden, an die sich der Patient später nicht mehr erinnern kann. Dieses Risiko steigt mit der Höhe der Dosierung und bei gleichzeitiger Einnahme von Alkohol, kann jedoch durch eine ausreichend lange, ununterbrochene Schlafdauer (7–8 Stunden) verringert werden.

Wenn ein Patient während der Periode der höchsten Wirkung des Arzneimittels geweckt wird, kann die Erinnerung vermindert sein.

Psychiatrische und «paradoxe» Reaktionen

Bei der Anwendung von Benzodiazepinen kann es zu psychiatrischen sowie «paradoxen» Reaktionen wie Aggressivität, Aufregung, Verwirrung, Unruhe, Reizbarkeit, Erregbarkeit, Wahnvorstellungen, Wutausbrüchen, Alpträumen, Halluzinationen, Psychosen, auffälligem Verhalten und anderen Verhaltensstörungen kommen, sowie zur Manifestierung einer vorbestehenden Depression mit suizidalen Tendenzen. In solchen Fällen sollte das Arzneimittel abgesetzt werden. Die Reaktionen treten häufiger bei Kindern und älteren Patienten auf.

Bei Verwendung langwirksamer Benzodiazepine wie Mogadon sollte unbedingt davor gewarnt werden, die Behandlung auf ein kurzwirksames Benzodiazepin umzustellen, da sonst Entzugserscheinungen auftreten können.

Gleichzeitige Einnahme von Alkohol und/oder von Arzneimitteln mit zentral dämpfender Wirkung

Die gleichzeitige Einnahme von Nitrazepam mit Alkohol und/oder mit Arzneimitteln mit dämpfender Wirkung auf das Zentralnervensystem sollte vermieden werden, da dies möglicherweise zu einer Verstärkung der klinischen Wirkung von Nitrazepam führen könnte, einschliesslich schwerer Sedierung sowie klinisch relevanter respiratorischer und/oder kardiovaskulärer Depression (siehe «Interaktionen»).

Spezifische Patientengruppen

Vorsicht ist bei bekannter kardiorespiratorischer Insuffizienz geboten, da Sedativa, wie Mogadon, eine bestehende Atemdepression verstärken können. Umgekehrt kann sich der beruhigende Effekt bei gewissen Patienten günstig auswirken, indem er die zum Atmen erforderliche Anstrengung einschränkt.

Vorsicht ist auch geboten bei Patienten und chronischer pulmonaler Insuffizienz und bei Patienten mit chronischen Nieren- oder Lebererkrankungen. Diese Patienten benötigen eventuell eine tiefere Dosierung. Bei Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz sind Benzodiazepine kontraindiziert.

Während einer Behandlung mit Benzodiazepinen, einschliesslich Nitrazepam, können bereits bestehende Depressionen zum Vorschein kommen oder sich verschlimmern. Benzodiazepine können bei depressiven Patienten suizidale Tendenzen verstärken und dürfen ohne angemessene antidepressive Behandlung nicht eingesetzt werden.

Mogadon darf nur mit grösster Vorsicht bei Patienten mit vorangegangener Diagnose eines Alkohol-, Arzneimittel- oder Drogenmissbrauches angewendet werden.

Nitrazepam sollte bei Säuglingen und Kleinkindern nur mit besonderer Vorsicht angewendet werden, unter Berücksichtigung einer eventuell auftretenden Hypersalivation, Hypersekretion im Bereich der Luftwege und Schläfrigkeit, die zur Beeinträchtigung der Atmung führen kann. Vorsicht ist ebenfalls geboten bei vorbestehenden Problemen wie Dysphagie, Aspirationstendenz und gastroösophagealem Reflux.

Die sorgfältige, individuelle Einstellung der Dosierung sollte auf einer kinderneurologischen Abteilung erfolgen.

In Fällen eines erlebten Verlustes oder Trauerfalls könnte die psychologische Anpassung durch Benzodiazepine behindert sein.

Aufgrund der muskelrelaxierenden Wirkung besteht ein Risiko für Stürze und daraus folgenden Hüftfrakturen, besonders bei älteren Menschen, wenn sie in der Nacht aufstehen.

Mit steigendem Alter wurde eine Erhöhung von Intensität und Häufigkeit einer ZNS-Toxizität beobachtet, vor allem bei hohen Dosen. Bei älteren Patienten sollte eine Mogadon-Dosierung von 5 mg nicht überschritten werden (siehe «Dosierung/Anwendung»).

Mogadon enthält Lactose. Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-Intoleranz, einem Lapp-Lactase-Mangel oder einer Glucose-Galactose-Malabsorption sollten das Arzneimittel nicht einnehmen.

Interaktionen

Bei der Kombination von Mogadon mit anderen zentral wirkenden Pharmaka, wie Barbiturate, Antipsychotika, Tranquilizern, Antidepressiva, Hypnotika, Anxiolytika, Antikonvulsiva, Analgetika und Anästhetika, sedierenden Antihistaminika, Antihypertensiva, Betablocker sowie Muskelrelaxantien ist zu berücksichtigen, dass sich diese Arzneimittel in ihren Wirkungen und Nebenwirkungen gegenseitig verstärken können. Die gleichzeitige Behandlung mit Theophyllin oder Aminophyllin kann die sedierende Wirkung von Benzodiazepinen reduzieren.

Die gleichzeitige Einnahme von Benzodiazepinen mit Natriumoxybat kann die Wirkung von Natriumoxybat verstärken. Die gleichzeitige Einnahme von Baldrian kann die Wirkung von Nitrazepam verstärken oder vermindern.

Die gleichzeitige Einnahme von Alkohol soll vermieden werden. Die sedative Wirkung kann verstärkt werden, wenn das Arzneimittel in Kombination mit Alkohol verwendet wird. Dies kann die Fahrtüchtigkeit oder das Bedienen von Maschinen beeinträchtigen.

Die Kombination mit narkotischen Analgetika (z.B. Opiaten) kann zu einer Verstärkung der euphorisierenden Wirkung und damit zu beschleunigter psychischen Abhängigkeitsentwicklung führen. Ältere Menschen benötigen spezielle Überwachung.

Substanzen, die bestimmte Leberenzyme (Cytochrom P 450) hemmen, können die Wirkung von Benzodiazepinen und Benzodiazepin-ähnlichen Wirkstoffen verstärken. Hierzu zählen z.B.

  • H2-Blocker wie Cimetidin
  • Einige Azol-Antimykotika
  • Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol
  • Antiretrovirale Proteasehemmer
  • Antikonzeptiva («Pille»)
  • Makrolidantibiotika
  • Kalziumkanalblocker
  • Selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRIs)
  • Disulfiram
  • Antiepileptika wie Valproinsäure, Topiramat.

Bekannte Induktoren von hepatischen Enzymen (z.B. Rifampicin oder Johanniskraut) können die Clearance von Benzodiazepinen erhöhen.

Wenn Mogadon gemeinsam mit Antikonvulsiva, v.a. Hydantoin und Barbituraten oder Kombinationen mit diesen Substanzen, verwendet wird, können unerwünschte Wirkungen und Toxizität verstärkt sein. Dies erfordert spezielle Vorsicht bei der Anpassung der Dosierung zu Beginn der Behandlung.

Schwangerschaft/Stillzeit

Fertilität

Humane Daten sind nicht verfügbar. In Studien mit Nitrazepam an Mäusen und Ratten zeigte sich eine Beeinträchtigung der Spermatogenese bei männlichen Tieren (siehe «Präklinische Daten»).

Schwangerschaft

Nitrazepam passiert die Plazentaschranke. Das fötomaternale Verhältnis der Plasmakonzentration beträgt in der Frühschwangerschaft ca. 0,6 und in der Spätschwangerschaft ca. 0,9.

Es liegen nur limitierte Daten zur Anwendung von Nitrazepam bei Schwangeren vor. In Einzelberichten von Suizidversuchen führten sehr hohe Dosierungen von Nitrazepam (durchschnittlich 204 mg) beim Menschen zu kongenitalen Abnormitäten.

Bei Anwendung von Benzodiazepinen, einschliesslich Nitrazepam, während des letzten Trimesters der Schwangerschaft oder während der Entbindung wurde über neonatale Symptome wie z.B. Unregelmässigkeiten der fötalen Herzfrequenz, verminderter Muskeltonus, Trinkschwäche, Hypothermie oder Atemdepression berichtet.

Für Säuglinge, deren Mütter während der späten Stadien der Schwangerschaft chronisch Benzodiazepine zu sich nahmen, besteht ein gewisses Risiko, in der Postnatalphase Entzugssymptome zu entwickeln.

Tierexperimentellen Studien zeigten eine reproduktive Toxizität. Hohe Nitrazepam Dosierungen in der frühen Trächtigkeit führten bei Ratten zu Malformationen (siehe «Präklinische Daten»).

Mogadon darf während der Schwangerschaft, vor allem während dem ersten und letzten Trimester, nicht angewendet werden, es sei denn, dies ist eindeutig erforderlich.

Gebärfähige Frauen sollten darüber informiert werden, dass sie das Absetzen des Präparates mit Ihrem Arzt erwägen müssen, falls sie vermuten schwanger zu sein oder es werden möchten.

Stillzeit

Da Nitrazepam in die Muttermilch übertritt und im Säugling zu einer klinisch relevanten Exposition führen kann, sollte die Einnahme von Mogadon in der Stillzeit vermieden werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Mogadon hat einen ausgeprägten Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit oder die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen. Patienten, die Mogadon einnehmen, sollten vor dem Verrichten von Tätigkeiten, welche die volle geistige Aufmerksamkeit erfordern, gewarnt werden. Sedierung, Amnesie, verminderte Konzentrationsfähigkeit und beeinträchtigte Muskelfunktion können sich nachteilig auf das Bedienen von Maschinen oder die Fahrtüchtigkeit auswirken. Dies gilt insbesondere nach unzureichender Schlafdauer. Ferner ist der Patient vor gleichzeitigem Alkoholgenuss zu warnen, da dies die Leistungsbeeinträchtigung verstärken kann.

Unerwünschte Wirkungen

Bei der Bewertung der unerwünschten Wirkungen werden folgende Häufigkeiten zugrunde gelegt:

«Sehr häufig» (≥1/10), «häufig» (<1/10, ≥1/100), «gelegentlich» (<1/100, ≥1/1000), «selten» (<1/1000, ≥1/10'000), «sehr selten» (<1/10'000), unbekannt (kann aufgrund der verfügbaren Daten nicht geschätzt werden).

Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems

Selten: Änderung des Blutbildes.

Erkrankungen des Immunsystems

Selten: Allergische Hautreaktionen.

Sehr selten: Anaphylaktische Reaktionen, Angioödem.

Psychiatrische Erkrankungen

Häufig: Emotionale Störungen, Verwirrtheit, Depression (eine vorbestehende Depression kann demaskiert werden).

Gelegentlich: Delirium, Schlaflosigkeit, kognitive Beeinträchtigung.

Selten: Libidoveränderungen, Abhängigkeit, Entzugserscheinungen, Stimmungsveränderungen, Angst, Unruhe, Arzneimittelmissbrauch, Erregung, Aggressivität, Wahnvorstellungen, Wut, Albträume, Halluzinationen, psychotische Störungen.

Da das Risiko von Entzugserscheinungen/Rebound‑Phänomenen nach abruptem Abbruch der Behandlung grösser ist, empfiehlt sich eine allmähliche Reduktion der Dosis.

Erkrankungen des Nervensystems

Ältere Patienten reagieren besonders empfindlich auf Arzneimittel mit dämpfender Wirkung auf das Zentralnervensystem.

Häufig: Benommenheit, Kopfschmerzen, Schwindel, anterograde Amnesie.

Gelegentlich: Gleichgewichtsstörungen, Bewegungsstörung (Hypokinese), Zittern (Tremor).

Selten: Epilepsie, Drehschwindel (Vertigo).

Unbekannt: Dysarthrie.

Augenerkrankungen

Häufig: Doppeltsehen.

Selten: Sehstörungen.

Gefässerkrankungen

Selten: Hypotonie.

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums

Häufig: Atemdepression, verstärkte Bronchialsekretion.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Selten: Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall (Diarrhoe), Mundtrockenheit, Verstopfung (Obstipation), vermehrter Speichelfluss (Hypersalivation) und Magen-Darm-Störungen.

Leber- und Gallenerkrankungen

Selten: Erhöhte Werte der Leberenzyme (Transaminasen, alkalische Phosphatase), Gelbsucht (Ikterus).

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Selten: Hautausschlag, Urtikaria, Pruritus, Hautentzündung, Erythema multiforme, Stevens-Johnsons Syndrom.

Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen

Aufgrund der muskelrelaxierenden Wirkung gibt es ein Risiko für Stürze und in der Folge von Frakturen bei älteren Menschen.

Häufig: Muskelschwäche.

Selten: Muskelkrämpfe.

Erkrankungen der Nieren und Harnwege

Häufig: Harnverhalten und Inkontinenz.

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Häufig: Müdigkeit.

Gelegentlich: Ataxie.

Selten: Reizbarkeit, Rebound-Effekt.

Überdosierung

Eine absichtliche oder versehentliche Überdosierung von Mogadon allein ist selten lebensbedrohlich, es sei denn, es wurde zusammen mit anderen ZNS-wirksamen Substanzen – einschliesslich Alkohol - eingenommen. Bei der Behandlung einer Arzneimittelüberdosierung sollte immer in Betracht gezogen werden, dass allenfalls mehrere Substanzen zu sich genommen wurden.

Symptome der Überdosierung

Eine Überdosierung mit Benzodiazepinen ist gewöhnlich durch verschiedene Stadien der zentralen Dämpfung gekennzeichnet, die von Benommenheit bis zum Koma gehen kann. In leichten Fällen treten Symptome wie Benommenheit, geistige Verwirrtheit, Sprechstörungen und Lethargie auf. In schwereren Fällen können die Symptome Ataxie, verminderter Muskeltonus, Hypotonie, Atemdepression, selten Koma und sehr selten Tod umfassen.

Behandlung der Überdosierung

In leichten Fällen sollten die Patienten unter Kontrolle der Atem- und Kreislauffunktion ausschlafen. Induziertes Erbrechen wird nicht empfohlen. Durch die Verwendung von Aktivkohle kann die Resorption begrenzt werden. Eine Magenspülung wird nicht routinemässig empfohlen, jedoch kann diese in schweren Fällen eine Massnahme darstellen. In schweren Fällen können auch weitere Massnahmen wie Kreislauf-Stabilisierung oder Intensivüberwachung erforderlich werden.

Aufgrund der hohen Proteinbindung und des grossen Verteilungsvolumens von Nitrazepam erscheinen eine forcierte Diurese oder eine Hämodialyse von geringem Nutzen.

Die Verabreichung von Flumazenil (Anexate®) zur Antagonisierung der zentraldämpfenden Wirkung ist bei Vergiftungen mit schweren respiratorischen und kardiovaskulären Beeinträchtigungen indiziert. Kontrollen der Atem- und Herz-Kreislauffunktionen sollten aufrechterhalten werden.

Der Benzodiazepin-Antagonist Flumazenil ist bei Epilepsiepatienten, die mit Benzodiazepinen behandelt wurden, nicht indiziert. Die Aufhebung der Benzodiazepinwirkung könnte bei diesen Patienten Konvulsionen auslösen.

Bei Auftreten von Exzitation sollten keine Barbiturate eingesetzt werden.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N05CD02

Wirkungsmechanismus/Pharmakodynamik

Schlafstörungen

Mogadon wirkt innerhalb von 30-60 Minuten und bewirkt, abends eingenommen, einen sechs- bis achtstündigen Schlaf.

Epilepsie

Mogadon eignet sich zur Behandlung der Blitz-Nick-Salaam-Krämpfe mit Hypsarrhythmie (West-Syndrom) und der epileptischen Enzephalopathie beim Kind mit langsamen diffusen spitzen Wellen (Lennox-Syndrom). Wie alle Petit-mal-Präparate sollte Mogadon gleichzeitig mit Barbituraten oder Hydantoinen verabreicht werden, um das Auftreten von konvulsiven Krisen bei latentem Grand mal zu vermeiden.

Nitrazepam bindet an spezifische Benzdiazepinrezeptoren, die sich auf GABAergen Neuronen befinden und verstärkt so deren hemmenden Wirkungen im zentralen Nervensystem. Nach längerer Behandlung mit Nitrazepam wurde eine Toleranzentwicklung beobachtet. Die chronische Anwendung von Benzodiazepinen führt zu kompensatorischen Veränderungen im Zentralnervensystem. GABAA-Rezeptoren können weniger empfindlich auf die andauernde akute Wirkung von Benzodiazepinen werden – entweder auf Grund einer Adaptation des GABAA-Rezeptors selbst, wegen intrazellulären Mechanismen oder wegen Veränderungen im Neurotransmittersystem. Wahrscheinlich liegen gleichzeitig mehrere adaptive Mechanismen vor.

Eine Erhöhung von Inzidenz und Schweregrad der zentralnervösen Toxizität wird mit steigendem Alter beobachtet, vor allem bei hohen Dosierungen. Die Dosierung von Mogadon sollte deshalb bei älteren Patienten 5 mg nicht überschreiten (siehe «Dosierung/Anwendung»). Die erhöhte zentralnervöse Toxizität bei Älteren scheint das Resultat einer Kombination von pharmakokinetischen und pharmakodynamischen Faktoren zu sein.

Während der Behandlung mit Nitrazepam, v.a. mit 10 mg, wurde in mehreren Untersuchungen Beeinträchtigungen der psychomotorischen und kognitiven Leistungsfähigkeit beobachtet. Vor allem die Fahrtüchtigkeit ist betroffen (siehe «Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen»). Die psychomotorische Beeinträchtigung verstärkt sich mit der Behandlungsdauer. Bei älteren Patienten ist die Wirkung ausgeprägter.

Pharmakokinetik

Absorption

Die Substanz wird gut aus dem GI-Trakt resorbiert mit Plasmahöchstwerten innerhalb von 2 Stunden nach der Einnahme. Die Bioverfügbarkeit nach oraler Einnahme beträgt ca. 80%, mit bemerkenswerten intra-individuellen Unterschieden (53–97%). Die Resultate betreffend des Einflusses der Nahrungsaufnahme auf die Resorption von Nitrazepam sind nicht konsistent. Die gleichzeitige Nahrungsaufnahme kann zu einer Verminderung und Verzögerung der Resorption führen.

Distribution

Die Proteinbindung von Nitrazepam beträgt ca. 85-88% bei Erwachsenen und Kindern. Das Verteilungsvolumen liegt bei jüngeren Personen bei 2-2,5 l/kg, bei älteren Patienten ist es grösser (4,8 l/kg). Die Verteilungshalbwertszeit beträgt ca. 15 Minuten. Nach oraler Einnahme von 5 mg Nitrazepam werden maximale Serum­konzen­trationen von 35-40 ng/ml erreicht. Das prozentuale Verhältnis zwischen der mittleren Konzentration in der Zerebrospinal­flüssigkeit und dem Plasma stieg von 8% nach zwei Stunden bis auf 15,6% nach 36 Stunden. Die Konzentration in der Zerebrospinal­flüssigkeit entspricht somit der nicht-proteingebundenen Wirkstoff-Fraktion im Plasma.

Nitrazepam passiert die Plazentaschranke. Das foetomaternale Verhältnis der Plasmakonzentrationen beträgt etwa 0,6 in der Frühschwangerschaft und etwa 0,9 in der Spätschwangerschaft. Nitrazepam kann in der Muttermilch gefunden werden. Das Milch/Plasma-Verhältnis beträgt etwa 0,3.

Die Pharmakokinetik von Nitrazepam kann als offenes 2-Komparti­ment­modell beschrieben werden.

Metabolismus

Die wichtigsten Abbauwege bestehen aus Reduktion und weiterer Acetylierung der 7-Nitro-Gruppe. Die Hauptmetaboliten sind 7-Aminonitrazepam (ANZ) und 7-Acetamidonitrazepam (AANZ). Beide sind klinisch inaktiv. An der Metabolisierung von Nitrazepam sind CYP3A4 und CYP2D6 beteiligt. Nitrazepam ist weder ein Induktor noch ein Inhibitor von metabolischen Enzymen.

Elimination

Die durchschnittliche Eliminationshalbwertzeit von Nitrazepam liegt bei 30 Stunden. In der Zerebrospinal­flüssigkeit liegt die Halbwertszeit bei ca. 70 Stunden. Bei älteren Patienten steigt die Eliminationshalbwertszeit im Plasma auf 40 Stunden. Nitrazepam wird vor allem in Form von Metaboliten über den Urin ausgeschieden, 60% sind konjugiert. Steady-State-Spiegel werden innerhalb von 5 Tagen erreicht.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Parallel mit einer Vergrösserung des Verteilungsvolumens nimmt im Alter die durchschnittliche Eliminationshalbwertzeit auf rund 40 Stunden zu. Ähnliche Auswirkungen sind von einer gestörten Leberfunktion zu erwarten, während der Funktionszustand der Nieren von untergeordneter Bedeutung ist.

Präklinische Daten

Subchronische und chronische Toxizität

Untersuchungen zur chronischen Toxizität an Ratten und Hunden haben keine Hinweise auf toxische Effekte ergeben.

Mutagenes und tumorerzeugendes Potential

Zu Nitrazepam liegen aus mehreren Tests nicht abgeklärte Hinweise auf eine mutagene Wirkung vor.

Es wurden keine Karzinogenitätsstudien mit Nitrazepam durchgeführt. In chronischen Toxizitätsstudien mit Ratten und Hunden gab es jedoch keine Hinweise auf eine karzinogene Wirkung.

Reproduktionstoxikologie

Studien zur Reproduktions- und Entwicklungstoxizität, welche allerdings nicht dem heute üblichen Standard entsprechen, wurden an Mäusen, Ratten und Kaninchen mit Dosierungen von 1 bis 300 mg/kg/Tag durchgeführt. Bei Dosierungen ab 75 mg/kg/Tag an Ratten und Kaninchen kam es zu multiplen skelettalen Missbildungen (Ratte) und foetaler Resorption (Ratten und Kaninchen). Bei einer Dosis von 30 mg/kg/Tag traten bei Ratten vermehrt Skelettvariationen auf. Nitrazepam scheint bei der Ratte einen dosisabhängigen teratogenen Effekt zu haben mit einem Schwellenwert von 30 mg/kg/Tag und einem NOAEL (no observed adverse effect level) von 10 mg/kg/Tag. Das Fehlen der teratogenen Wirkung bei Mäusen könnte auf eine niedrigere Aktivität der N-Acetyltransferase- und –deacetylase und die dadurch bedingte fehlende Metabolisierung zu 7-Acetamidonitrazepam (AANZ), welches an den teratogenen Mechanismen beteiligt sein könnte, zurückgeführt werden.

Nitrazepam führt bei männlichen Ratten und Mäusen zu Störungen der Spermatogenese.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Verpackung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Bei Raumtemperatur (15-25 °C) und für Kinder unzugänglich aufbewahren.

Zulassungsnummer

31406 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

MEDA Pharmaceuticals Switzerland GmbH, 8602 Wangen-Brüttisellen.

Stand der Information

März 2015.

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