Lioresal Tabl 25 Mg 50 Stk

Lioresal Tabl 25 Mg 50 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Baclofenum [Beta-(Aminomethyl)-p-chlorhydro-Zimtsäure].

Hilfsstoffe: Excip. pro compr.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Tabletten (mit Bruchrille) zu 10 mg und 25 mg.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Schwere, aber reversible muskuläre Spastizität bei Multipler Sklerose.

Kann bei spinaler Spastizität infektiösen, degenerativen, traumatischen oder neoplastischen Ursprungs angewendet werden.

Dosierung/Anwendung

Die Behandlung soll mit kleinen Dosen Lioresal begonnen und langsam gesteigert werden. Es wird empfohlen, die tiefste, noch wirksame Dosis zu verwenden. Die optimale Dosierung muss den individuellen Bedürfnissen des Patienten so angepasst werden, dass Klonus, Flexor- und Extensor-Spasmen und Spastizität reduziert werden unter bestmöglicher Vermeidung von unerwünschten Wirkungen.

Um übermässige Schwäche und Stürze der Patienten zu vermeiden, ist Lioresal mit Vorsicht anzuwenden, wenn die Spastizität erforderlich ist, um die aufrechte Körperhaltung und das Gleichgewicht des Bewegungsapparats oder sonstige Funktionen beizubehalten. Ein bestimmter Grad an Muskeltonus sowie gelegentliche Spasmen können zur Unterstützung der Kreislauffunktionen und möglicherweise zur Verhütung einer tiefen Venenthrombose wichtig sein.

Zu Beginn der Therapie sind engmaschige Kontrollen notwendig, um mögliche Nebenwirkungen wie allgemeine Muskelschwäche und u.U. abrupten Tonusverlust (Sturzgefahr!), Müdigkeit oder Verwirrtheitszustände rasch zu erkennen und eine Dosisanpassung vornehmen zu können.

Bei längerer Anwendungsdauer (länger als 2-3 Monate) sollte beim Absetzen von Baclofen die Dosis, ausser bei Notfällen infolge Überdosierung oder nach Auftreten schwerwiegender unerwünschter Wirkungen (s. «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»), schrittweise innert etwa 3 Wochen reduziert werden, da bei abruptem Absetzen gelegentlich Angst- und Verwirrtheitszustände, Halluzinationen, zerebrale Krampfanfälle, Dyskinesie, Tachykardie oder Hyperthermie auftreten können. Das Absetzen von Baclofen sollte ausschleichend erfolgen, weil ein transienter «Rebound-Effekt» erfolgen kann, der mit erhöhter Frequenz bzw. erhöhtem Schweregrad von Spasmen einhergeht (s. «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Tritt innerhalb von 6-8 Wochen nach Erreichen der maximalen Dosierung kein Erfolg ein, ist zu überlegen, ob die Therapie mit Lioresal noch fortgeführt werden sollte.

Erwachsene

Die Dosierung erfolgt einschleichend mit 3× 5 mg/d in 3 Einzeldosen. Die Einzeldosis sollte je nach Ansprechen in dreitägigen Abständen um jeweils 5 mg vorsichtig gesteigert werden. Als durchschnittlicher Richtwert für die Tagesdosis werden 30-80 mg/d angesehen; in Einzelfällen kann (unter stationärer Überwachung) 100 bis 120 mg/d gegeben werden.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Kinder und Jugendliche

Über die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen liegen nur beschränkte Erfahrungen vor. Das Mindestalter ist 12 Monate.

Die Therapie wird gewöhnlich in sehr niedriger Dosierung begonnen, z.B. 0.3 mg/kg/d auf 4 Einzelgaben verteilt. Die Dosierung sollte vorsichtig, in Abständen von etwa 1-2 Wochen erhöht werden, bis sie den individuellen Erfordernissen entspricht. Die Tagesdosis für die Erhaltungstherapie liegt bei 0.75-2 mg/kg. Im Alter von über 10 Jahren jedoch kann eine maximale Tagesdosis von 2.5 mg/kg gegeben werden.

Die Tagesdosis für Kinder unter 8 Jahren sollte 40 mg/d nicht übersteigen. Bei Kindern über 8 Jahren jedoch kann eine maximale Tagesdosis von 60 mg gegeben werden.

Ältere Patienten (65 Jahre und älter) und Patienten mit Spastizität zerebralen Ursprungs

Besonders langsame Dosissteigerungen sind angezeigt bei älteren und geschwächten Patienten, die unter hirnorganischen Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, unter Ateminsuffizienz oder eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion leiden und bei Patienten mit Spastizität zerebralen Ursprungs.

Anwendung bei eingeschränkter Nierenfunktion

Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion soll Lioresal mit Vorsicht gegeben werden. Da bei Patienten unter chronischer Hämodialyse die Baclofenkonzentrationen im Plasma erhöht sind, ist die Dosierung von Lioresal besonders niedrig, etwa mit 5 mg/d anzusetzen. Bei Verabreichung von mehr als 5 mg pro Tag in dieser klinischen Situation wurde über Symptome einer Überdosierung berichtet (s. «Überdosierung»).

Bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz sollte Lioresal nur dann angewendet werden, wenn der erwartete Nutzen einer weiteren Behandlung das potenzielle Risiko übersteigt. Diese Patienten müssen sorgfältig auf frühe Anzeichen einer Überdosierung überwacht werden (z.B. Somnolenz, Lethargie) s. «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen», bzw. «Überdosierung».

Art der Anwendung

Lioresal ist während der Mahlzeiten mit etwas Flüssigkeit einzunehmen.

Kontraindikationen

Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Baclofen oder einem der Hilfsstoffe gemäss Zusammensetzung.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Psychiatrische Störungen

Patienten mit Spastik, die ausserdem an psychotischen Zuständen, Schizophrenie oder Verwirrtheitszuständen leiden, sind mit Vorsicht und unter strenger ärztlicher Kontrolle mit Lioresal zu behandeln, da Exazerbationen dieser Krankheitszustände auftreten können.

Epilepsie

Besondere Vorsicht ist bei Patienten mit Epilepsie angezeigt, da sich die Krampfschwelle herabsetzen kann. Gelegentlich wurde über Anfälle beim Absetzen von Lioresal oder bei Überdosierung berichtet. Bei sorgfältiger Überwachung des Patienten sollte die entsprechende Antikonvulsiva-Therapie fortgesetzt werden.

Andere

Da bei älteren Patienten und Patienten mit Spastizität zerebralen Ursprungs das Auftreten unerwünschter Wirkungen wahrscheinlicher ist, sollte bei diesen Patienten ein vorsichtiges Dosierungsschema verwendet werden (s. «Dosierung/Anwendung»).

Anwendung bei eingeschränkter Nierenfunktion

Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion sollte Lioresal mit Vorsicht angewendet werden, bei terminaler Niereninsuffizienz nur dann, wenn der erwartete Nutzen einer Behandlung das potenzielle Risiko übersteigt (s. «Dosierung/Anwendung»).

Spezielle Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Gabe von Lioresal mit Arzneimitteln, die einen schädlichen Effekt auf die Nierenfunktion haben. Dabei ist die Nierenfunktion des Patienten sorgfältig zu überwachen und die Tagesdosis Lioresal entsprechend anzupassen, um einer toxischen Wirkung von Baclofen vorzubeugen.

Anwendung bei eingeschränkter Leberfunktion

Es wurden keine Studien an Patienten mit Leberfunktionsstörungen unter Lioresal-Therapie durchgeführt. Die Leber ist nicht signifikant am Metabolismus von Baclofen nach oraler Gabe von Lioresal beteiligt (s. «Pharmakokinetik»). Dennoch können die Leberenzyme durch Lioresal erhöht werden. Lioresal sollte an Patienten mit Leberfunktionsstörungen mit Vorsicht verschrieben werden.

Bei Patienten, die eine schwerwiegende Baclofen-Intoxikation zeigen, kann nebst dem Absetzen der Medikation eine zusätzliche Hämodialyse vorgesehen werden. Baclofen wird durch Hämodialyse aus dem Körper entfernt. Sie reduziert die klinischen Symptome der Überdosierung und verkürzt die Erholungszeit des Patienten.

Harnretention

Da unter der Behandlung mit Lioresal einerseits neurogene Blasenentleerungsstörungen gebessert werden können, andererseits bei Patienten mit bereits erhöhtem Sphinkter-Tonus akute Harnretention auftreten kann, sollte das Präparat bei diesen Patienten mit Vorsicht angewandt werden.

Baclofen darf nur mit besonderer Vorsicht eingesetzt werden bei älteren Patienten, bei schweren Leberfunktionsstörungen, bei akuten oder chronischen Verwirrtheitszuständen und bei zerebralen Anfallsleiden.

Aufgrund der hauptsächlich nach einem Schlaganfall schlechten Verträglichkeit von Baclofen ist bei diesen Patienten ganz besondere Vorsicht angebracht.

Baclofen ist vorsichtig zu dosieren in den Fällen, in denen die Spastizität für den aufrechten Gang und die Fortbewegungsfähigkeit gebraucht wird.

Lioresal ist mit Vorsicht anzuwenden bei Patienten mit Ulcus ventriculi und duodeni (auch in der Anamnese), zerebrovaskulären Erkrankungen, respiratorischer, hepatischer oder renaler Insuffizienz.

Da in seltenen Fällen erhöhte Werte von Aspartataminotransferase, alkalischer Phosphatase und Glukose im Serum aufgetreten sind, sollten periodisch entsprechende Laboruntersuchungen bei Patienten mit Lebererkrankungen oder Diabetes mellitus vorgenommen werden, um sicherzustellen, dass keine medikamentös bedingte Veränderung der Grundkrankheit vorliegt.

Lioresal Tabletten enthalten Weizenstärke; diese kann zwar Gluten enthalten, aber nur spurenweise. Die Anwendung von Lioresal Tabletten bei Patienten mit Zöliakie wird deshalb im Allgemeinen als zulässig beurteilt. Auf mögliche gastrointestinale Symptome sollte aber geachtet werden.

Nach intrauteriner Exposition mit oralem Lioresal wurde über postnatale Krämpfe berichtet (s. «Schwangerschaft/Stillzeit»).

Abruptes Absetzen

Abruptes Absetzen von Baclofen vermeiden. Nach mehrmonatiger, hochdosierter Baclofen-Behandlung kann es nach plötzlichem Absetzen der Therapie oder abrupter Dosisreduktion zu Angst, Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit, Delirium, visuellen und akustischen Halluzinationen, psychotischer Störung, Agitierheit, Manie, Paranoia, Krampfanfälle (Status epilepticus), Dyskinesie, Tachykardie, Hyperthermie sowie – als Rebound-Erscheinung – zu einer zeitweisen Verstärkung der Spastizität kommen.

Nach dem abrupten Absetzen der intrathekalen Formulierungen von Lioresal wurde ein klinisches Bild beschrieben, das einer autonomen Dysreflexie, maligner Hyperthermie, einem malignem neuroleptischen Syndrom oder anderen Zuständen ähnelte, die mit einem hypermetabolen Zustand oder einer ausgedehnten Rhabdomyolyse einhergehen.

Ausser in Notfällen oder bei Auftreten schwerwiegender Nebenwirkungen sollte Baclofen nach längerer Anwendungsdauer (länger als 2-3 Monate) nur ausschleichend innerhalb von etwa 3 Wochen abgesetzt werden.

Körperhaltung und Gleichgewicht

Lioresal sollte mit Vorsicht angewendet werden, wenn die Spastizität erforderlich ist, um die aufrechte Körperhaltung und das Gleichgewicht in der Fortbewegung beizubehalten (s. «Dosierung/Anwendung»).

Interaktionen

Levodopa/Dopa Decarboxylase (DDC) Hemmer (Carbidopa)

Bei gleichzeitiger Behandlung von Morbus-Parkinson-Patienten mit Lioresal und Levodopa (allein oder in Kombination mit einem DDC Hemmer, Carbidopa) wurde über Konfusionen, Halluzinationen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Agitiertheit berichtet. Über Verschlechterung der Parkinson-Symptome wurde ebenfalls berichtet. Daher ist Vorsicht geboten bei gleichzeitiger Verabreichung von Lioresal und Levodopa/Carbidopa.

Arzneimittel, die das Zentralnervensystem (ZNS) dämpfen

Eine verstärkte Sedierung kann vorkommen bei gleichzeitiger Verabreichung von Lioresal mit anderen Arzneimittel, die eine ZNS-Depression verursachen, einschliesslich andere Muskelrelaxantien (wie Tizanidin, mit synthetischen Opiaten oder mit Alkohol (s. «Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen» und «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»). Das Risiko einer Atemdepression ist ebenfalls erhöht. Ferner wurde über Hypotonie berichtet bei gleichzeitiger Anwendung von Morphin und intrathekalem Baclofen. Die sorgfältige Überwachung der Atem- und Herz-Kreislauffunktionen ist besonders bei Patienten mit Herz-Lungen-Erkrankungen und Schwächung der Atemmuskulatur wichtig.

Insbesondere ist gleichzeitiger Alkoholgenuss zu vermeiden, da die Wechselwirkungen mit Alkohol unvorhersehbar sind.

Antidepressiva

Die gleichzeitige Behandlung mit trizyklischen Antidepressiva kann die Wirkung von Lioresal verstärken und zu erheblicher Muskelhypotonie führen.

Lithium

Die gleichzeitige Anwendung von oral verabreichtem Lioresal und Lithium verursachte schwere hyperkinetische Symptome. Deshalb ist Vorsicht angezeigt, wenn Lioresal gleichzeitig mit Lithium angewendet wird.

Antihypertensiva

Da die gleichzeitige Behandlung mit Antihypertensiva die Blutdrucksenkung wahrscheinlich verstärkt, sollte die Dosierung der antihypertensiven Medikation entsprechend angepasst werden.

Arzneimittel, die die Nierenfunktion herabsetzen

Die gleichzeitige Gabe von Arzneimitteln, die einen Einfluss auf die Nierenfunktion haben, kann zu einer toxischen Überdosierung durch Reduktion der Baclofen-Ausscheidung führen.

Schwangerschaft/Stillzeit

Die Substanz ist plazentagängig. Im Tierversuch wurden reproduktionstoxikologische Effekte beobachtet (s. «Präklinische Daten»). Es liegen keine Studien bei schwangeren Frauen vor. Unter diesen Umständen soll das Arzneimittel während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn es ist klar notwendig.

Fetotoxizität

Bei einem 1-Woche alten Säugling, dessen Mutter während der Schwangerschaft Baclofen eingenommen hatte, wurde ein Fall von einer vermuteten Entzugsreaktion (generalisierte Krämpfe) beobachtet. Die Krämpfe, die nicht auf eine Behandlung mit verschiedenen Antikonvulsiva ansprachen, liessen nach Gabe von Baclofen an den Säugling innerhalb von 30 Minuten nach. Die humanen Daten sind bislang nicht ausreichend, um das embryonale/fetale Risiko bestimmen zu können. In einem solchen Fall sollten andere mögliche Ursachen (z.B. Infektionen, Elektrolytentgleisungen, intrakranielle Pathologien etc.) ausgeschlossen werden und ein sekundärer Hirnschaden des Säuglings infolge prolongierter Konvulsionen vermieden werden.

Stillzeit

Es treten lediglich kleine Mengen von Baclofen in die Muttermilch über. Zu möglichen Auswirkungen auf das Kind fehlen detaillierte Angaben und die Substanz sollte deshalb während der Stillzeit nicht angewendet werden.

Fertilität

Es liegen keine Daten zur Auswirkung von Baclofen auf die Fertilität des Menschen vor. Beim Tier beeinträchtigte Baclofen in nicht toxischen Dosen weder die männliche noch die weibliche Fertilität (s. «Präklinische Daten»).

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Während der Behandlung mit Baclofen kann die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Strassenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen erheblich beeinträchtigt sein. Dies gilt besonders wenn während der Behandlung Alkohol konsumiert wird. Aus diesem Grunde sollten während des Beginns der Behandlung das Führen von Fahrzeugen oder die Bedienung von Maschinen oder andere gefahrvolle Tätigkeiten von der Entscheidung des behandelnden Arztes abhängig gemacht werden, wobei die individuelle Reaktion und die jeweilige Dosierung berücksichtigt werden müssen.

Lioresal kann unerwünschte Wirkungen wie Benommenheit, Sedierung, Schläfrigkeit, Schwindel und Sehschwäche verursachen (s. «Unerwünschte Wirkungen»), was die Reaktionsfähigkeit des Patienten beeinträchtigen kann. Patienten, bei denen diese unerwünschten Wirkungen auftreten, sollten angewiesen werden, kein Fahrzeug zu führen oder Maschinen zu bedienen.

Patienten, die an gefahrvollen Arbeitsplätzen beschäftigt sind, sollten genaue Anweisungen gegeben werden.

Unerwünschte Wirkungen

Unerwünschte Wirkungen treten vornehmlich am Anfang der Behandlung (z.B. Sedierung, Schläfrigkeit), bei zu rascher Dosissteigerung, bei plötzlichem Absetzen nach längerer Anwendung oder bei Anwendung hoher Dosen auf. Sie sind oft vorübergehend und können durch Dosisreduktion vermindert oder beseitigt werden. Selten sind sie so stark, dass ein Absetzen des Präparats erforderlich ist. Bei Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen in der Anamnese oder mit zerebrovaskulären Affektionen (z.B. apoplektischer Insult) sowie bei alten Patienten ist im Allgemeinen mit ernsteren unerwünschten Wirkungen zu rechnen.

Eine Herabsetzung der Krampfschwelle und Anfälle sind insbesondere bei Epilepsiepatienten möglich.

Einzelne Patienten zeigten eine erhöhte Muskelspastizität als paradoxe Reaktion auf das Arzneimittel.

Häufigkeit: «Sehr häufig» (>1/10), «häufig» (>1/100 <1/10), «gelegentlich» (>1/1000 <1/100), «selten» (>1/10'000 <1/1000), «sehr selten» (<1/10'000), «Einzelfälle».

Immunsystem

Selten: Überempfindlichkeitsreaktionen.

Psychiatrische Störungen

Häufig: Erschöpfung, Verwirrtheit, Euphorie, Depression, Halluzinationen, Albträume.

Nervensystem

Sehr häufig: Sedierung und Schläfrigkeit (10.2%).

Häufig: Benommenheit, Ermüdung, Schwindel, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Ataxie, Tremor, Mundtrockenheit.

Selten: Parästhesie, Dysarthrie, Agitiertheit, Dysgeusia.

Sehr selten: Akute Enzephalopathie mit EEG-Veränderungen.

Bei Patienten mit Niereninsuffizienz treten aufgrund von Akkumulation unter Umständen toxische Symptome wie Psychose und Myoklonie auf. Ältere Patienten weisen ein erhöhtes Risiko von ZNS-Nebenwirkungen auf.

Augen

Häufig: Akkommodationsstörungen, Nystagmus, Sehschwäche.

Herz

Häufig: Herzzeitvolumen vermindert.

Nicht bekannt: Bradykardie

Gefässe

Häufig: Hypotonie.

Atmungsorgane

Gelegentlich: Atemdepression.

Gastrointestinale Störungen

Sehr häufig: Übelkeit (10.9%).

Häufig: Magen-Darmstörungen, Brechreiz, Erbrechen, Verstopfung, Diarrhoe.

Selten: Abdominalschmerzen.

Leber und Galle

Selten: Leberfunktionsstörungen.

Haut

Häufig: Hyperhidrosis, Hautausschlag.

Nicht bekannt: Urtikaria.

Muskelskelettsystem

Häufig: Muskelschmerzen, Muskelschwäche.

Nieren und Harnwege

Häufig: Pollakisurie, Enuresis, Dysurie.

Selten: Harnretention.

Reproduktionssystem und Brust

Selten: erektile Dysfunktion.

Allgemeine Störungen

Sehr selten: Hypothermie.

Nicht bekannt: Arzneimittelentzugssyndrom (s. «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Untersuchungen

Nicht bekannt: Blutglukose erhöht.

Überdosierung

Symptome

Im Vordergrund steht die Hemmung zentralnervöser Funktionen: Schläfrigkeit, Bewusstseinstrübung, Koma, Atemdepression.

Ferner können auftreten:

Abnormes EEG («Burst suppression»-Muster, triphasische Wellen), Akkommodationsstörungen, gestörter Pupillenreflex, generalisierte Muskelhypotonie, Myoklonie, Hyporeflexie oder Areflexie, periphere Vasodilatation, Hypotonie oder Hypertonie, Bradykardie oder Tachykardie, Herzrhythmusstörungen, Hypothermie, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Hypersekretion von Speichel, erhöhte Leberenzymwerte (LDH-, SGOT- und AP-Werte).

Eine Verschlechterung kann eintreten, falls diverse am Zentralnervensystem angreifende Substanzen bzw. Pharmaka gleichzeitig eingenommen wurden, z.B. Alkohol, Diazepam, trizyklische Antidepressiva.

Therapie

Ein spezifisches Antidot ist nicht bekannt.

Bei Hinweisen auf Überdosierung mit Baclofen ist der Patient sofort intensiv zu überwachen. Supportive Massnahmen und symptomatische Behandlung der Komplikationen, wie Hypotonie, Hypertonie, Konvulsionen, gastrointestinale Störungen, Atem- oder Herz-Kreislauf-Depression sind angezeigt.

Da Ateminsuffizienz auftreten kann, ist eine intensive Überwachung der Atemfunktion und ggf. eine assistierte Beatmung notwendig.

Eine Hämodialyse sollte durchgeführt werden bei schwerer Baclofen-Intoxikation und Nierenversagen (s. «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»). Da Baclofen vorwiegend renal ausgeschieden wird, sollte ausreichend Flüssigkeit zugeführt werden, ggf. eine forcierte Diurese durchgeführt werden.

Physostigmin kann ZNS-Effekte rückgängig machen. Es ist jedoch Vorsicht geboten, da Physostigmin Herzleitungsstörungen, Bradykardie und/oder epileptische Anfälle erzeugen kann.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: M03BX01

Wirkungsmechanismus

Lioresal ist ein Antispastikum mit spinalem Angriffspunkt. Baclofen dämpft sowohl die mono- als auch die polysynaptische Reflexübertragung im Rückenmark durch Stimulation der GABAB-Rezeptoren, wodurch die Freisetzung der exzitatorischen Aminosäuren Glutamat und Aspartat gehemmt wird.

Pharmakodynamik

Die neuromuskuläre Reizübertragung wird durch Baclofen nicht beeinflusst. Baclofen übt einen antinozizeptiven Effekt aus. Bei neurologischen Krankheiten, die mit Spastizität der Skelettmuskulatur einhergehen, zeigen sich die klinischen Wirkungen von Lioresal durch günstige Beeinflussung der reflektorischen Muskelkontraktionen und deutliche Verminderung von schmerzhaften Spasmen, Automatismen und Kloni. Lioresal verbessert die Beweglichkeit des Patienten und erleichtert dadurch Alltagsaktivitäten, Katheterisierung und Physiotherapie. Als indirekte Wirkung der Behandlung mit Lioresal wurden eine Verhinderung und schnellere Heilung von Dekubitus beobachtet, ferner verbesserter Schlaf aufgrund der Beseitigung schmerzhafter Muskelspasmen und Verbesserung der Blasen- und Sphinkterfunktion, wodurch die Lebensqualität des Patienten verbessert werden kann.

Baclofen stimuliert die Sekretion von Magensäure.

Pharmakokinetik

Absorption

Baclofen wird rasch und vollständig aus dem Magen-Darmtrakt resorbiert.

Nach oralen Einzeldosen von 10, 20 und 30 mg Baclofen wurden innerhalb von 0.5-1.5 h im Plasma maximale Wirkstoffkonzentrationen von durchschnittlich etwa 180, 340 und 650 ng/ml erreicht. Die zugehörigen Flächen unter den Serum-Konzentrationskurven (AUC) betrugen ca. 1'135, 2'345 und 3'353 ng × h/ml, sie vergrösserten sich proportional zur Dosierung.

Distribution

Das Verteilungsvolumen von Baclofen beträgt 0.7 l/kg. Die Serumproteinbindung beträgt ungefähr 30% und bleibt im Konzentrationsbereich von 10 ng/ml bis 300 μg/ml konstant. Der Wirkstoff erreicht im Liquor cerebrospinalis ca. 8.5-mal niedrigere Konzentrationen als im Plasma.

Metabolismus

Baclofen wird nur geringfügig metabolisiert. Durch Desaminierung entsteht als Hauptmetabolit die pharmakologisch unwirksame Beta-(p-Chlorphenyl)-Gamma-Hydroxybuttersäure.

Elimination

Die Plasma-Eliminationshalbwertszeit liegt im Mittel bei 3-4 h. Baclofen wird grösstenteils in unveränderter Form ausgeschieden. Innerhalb von 72 h werden ca. 75% der Dosis renal ausgeschieden, ungefähr 5% davon in Form von Metaboliten. Der Rest der Dosis, davon 5% als Metaboliten, wird mit den Faeces ausgeschieden.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Ältere Patienten (>65 Jahre)

Die Pharmakokinetik von Baclofen bei älteren Patienten entspricht praktisch der bei Patienten unterhalb von 65 Jahren. Nach Gabe einer oralen Einzeldosis zeigen ältere Patienten eine langsamere Elimination, aber eine vergleichbare systemische Exposition von Baclofen wie Erwachsene unter 65 Jahren. Die Extrapolation dieser Daten auf eine Mehrfachgabe lässt auf keine signifikanten pharmakokinetischen Unterschiede zwischen Patienten unter 65 Jahren und ältere Patienten schliessen.

Kinder

Nach oraler Gabe von 2.5 mg Lioresal Tabletten an Kinder (2 bis 12 Jahre) betrug Cmax 62.8±28.7 ng/ml und Tmax 0.95-2 h. Die mittlere Plasmaclearance (Cl) betrug 315.9 ml/h/kg, das Verteilungsvolumen (Vd) 2.58 l/kg und die Halbwertszeit (T1⁄2) 5.10 h.

Leberfunktionsstörungen

Es sind keine pharmakokinetischen Daten nach Gabe von Lioresal an Patienten mit Leberfunktionsstörung verfügbar. Da die Leber nicht siginifikant an der Disposition von Baclofen beteiligt ist, ist es unwahrscheinlich, dass die Pharmakokinetik von Baclofen in Patienten mit Leberfunktionsstörungen in klinisch signifikantem Ausmass verändert wird.

Nierenfunktionsstörungen

Es sind keine Daten aus kontrollierten, klinischen pharmakokinetischen Studien nach Gabe von Lioresal an Patienten mit Nierenfunktionsstörungen verfügbar. Baclofen wird hauptsächlich unverändert im Urin ausgeschieden. Wenige Plasmakonzentrationswerte, die nur in weiblichen Patienten unter chronischer Hämodialyse oder nach kompensiertem Nierenversagen gemessen wurden, weisen bei diesen Patientinnen auf eine signifikant erniedrigte Clearance und eine erhöhte Halbwertszeit von Baclofen hin. Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen sollte eine Dosisanpassung basierend auf dem systemischen Spiegel erwogen werden; sofortige Hämodialyse ist eine effiziente Methode, um erhöhte Konzentrationen von Baclofen im systemischen Kreislauf zu reduzieren.

Präklinische Daten

Reproduktionstoxizität

Oral verabreichtes Baclofen in maternal nicht toxischen Dosen zeigte keine unerwünschten Wirkungen auf die Fertilität oder die postnatale Entwicklung von Ratten. Baclofen ist nicht teratogen in Ratten in Dosierungen, die mindestens das 0.4-Fache der maximalen oralen Erwachsenendosis betragen. Oral verabreichtes Lioresal erhöhte in Dosen von ca. dem 1.6-Fachen der maximalen oralen Erwachsenendosis die Inzidenz von Omphalocelen (Bauchwandhernien) bei Rattenfoeten. Diese Fehlbildung wurde bei Mäusen und Kaninchen nicht beobachtet. Die parenterale Gabe hoher Dosen von GABA-Agonisten inklusive Baclofen (2.4-fache humane Maximaldosis) induzierte Malformationen vom Spina bifida-Typ in Ratten. Oral verabreichtes Lioresal zeigte in Dosen, welche bei Mäusen, Ratten und Kaninchen maternal toxisch waren (0.8 bis 1.6-Faches der maximalen oralen Erwachsenendosis), eine Verlangsamung des foetalen Wachstums (Ossifikation der Knochen).

Mutagenität und Kanzerogenität

Baclofen zeigte in Tests an Bakterien, Säugetierzellen, Hefe und chinesischen Hamstern kein genotoxisches Potential.

In einer 2-Jahresstudie an Ratten zeigte Baclofen kein kanzerogenes Potential. Bei weiblichen Ratten, die 2 Jahre lang Baclofen erhalten hatten, beobachtete man eine dosisabhängige Zunahme der Inzidenz von Ovarialzysten und bei maximaler Dosis (50 bis 100 mg/kg entsprechend dem 4-Fachen der humanen Maximaldosis) eine Zunahme von vergrösserter und/oder hämorrhagischen Nebennieren.

Sonstige Hinweise

Besondere Lagerungshinweise

Lioresal soll vor Feuchtigkeit geschützt und nicht über 25 °C aufbewahrt werden.

Zulassungsnummer

36083 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Novartis Pharma Schweiz AG, Risch; Domizil: 6343 Rotkreuz.

Stand der Information

Juni 2013.

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