Vectibix Inf Konz 100 Mg/5ml Durchstf 5 Ml

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Panitumumab.

Hilfsstoffe: Natriumchlorid, Natriumacetat, Wasser für Injektionszwecke.

Panitumumab ist ein humaner monoklonaler IgG2-Antikörper, der mittels rekombinanter DNA-Technologie in einer Säugerzelllinie (CHO) produziert wird.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung (20 mg/ml).

Durchstechflaschen mit Panitumumab zum Einmalgebrauch: 100 mg/5 ml, 400 mg/20 ml.

Vectibix ist eine farblose Lösung, die vereinzelt durchsichtige bis weisse, sichtbare amorphe, proteinöse Panitumumab-Partikel enthalten kann.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Vectibix ist indiziert zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom (mCRC, metastatic colorectal cancer) mit RAS-Wildtyp

  • in der Erstlinientherapie in Kombination mit FOLFOX oder FOLFIRI.
  • in der Zweitlinientherapie in Kombination mit FOLFIRI bei Patienten, die in der Erstlinientherapie eine Fluoropyrimidin-haltige Chemotherapie erhalten haben (ausgenommen Irinotecan).
  • als Monotherapie nach Versagen von Fluoropyrimidin-, Oxaliplatin- und Irinotecan-haltigen Chemotherapieregimen.

Dosierung/Anwendung

Die Behandlung mit Vectibix sollte von einem in der Krebstherapie erfahrenen Arzt überwacht werden.

Vor Beginn der Behandlung mit Vectibix muss der EGFR-Status und der RAS-Wildtyp-Status (KRAS und NRAS) durch ein erfahrenes Labor mittels einer validierten Test-Methode zur Detektion von KRAS (Exons 2, 3, und 4)- und NRAS (Exons 2, 3 und 4)-Mutationen bestimmt werden.

Die empfohlene Dosierung von Vectibix beträgt 6 mg/kg Körpergewicht einmal alle zwei Wochen. Vor der Infusion ist Vectibix in 0,9% Natriumchlorid-Infusionslösung auf eine Endkonzentration, die 10 mg/ml nicht überschreitet, zu verdünnen (Hinweise für die Handhabung siehe Abschnitt «Sonstige Hinweise»).

Die empfohlene Infusionsdauer beträgt ungefähr 60 Minuten. Wenn die erste Infusion toleriert wird, können weitere Infusionen über einen Zeitraum von 30 bis 60 Minuten verabreicht werden. Für Dosierungen über 1’000 mg wird eine Infusionsdauer von ungefähr 90 Minuten empfohlen (Hinweise für die Handhabung siehe Abschnitt «Sonstige Hinweise»).

Bei Infusionsreaktionen muss die Infusionsrate von Vectibix reduziert werden (siehe Abschnitt «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Nicht als rasche intravenöse Injektion oder Bolus verabreichen.

Dosisanpassung aufgrund unerwünschter Wirkungen

Entwickelt ein Patient Hauterscheinungen des Schweregrads 3 (NCI-CTC/CTCAE) oder höher, oder sind die Erscheinungen unerträglich, so sollen beim erstmaligen Auftreten 1 oder 2 Vectibix-Dosen ausgesetzt werden. Falls sich die Reaktionen bessern (< Grad 3), kann die Infusion mit 100% der Anfangsdosis fortgesetzt werden. Andernfalls soll die Behandlung mit Vectibix abgebrochen werden. Beim zweiten Auftreten sollen 1 oder 2 Vectibix-Dosen ausgesetzt werden. Falls sich die Reaktionen bessern (< Grad 3), kann die Infusion mit 80% der Anfangsdosis fortgesetzt werden. Andernfalls soll die Behandlung mit Vectibix abgebrochen werden. Beim dritten Auftreten sollen 1 oder 2 Vectibix-Dosen ausgesetzt werden. Falls sich die Reaktionen bessern (< Grad 3), kann die Infusion mit 60% der Anfangsdosis fortgesetzt werden. Andernfalls soll die Behandlung mit Vectibix abgebrochen werden. Beim vierten Auftreten soll die Behandlung mit Vectibix abgebrochen werden.

Spezielle Populationen

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Vectibix sind bei nieren- oder leberinsuffizienten Patienten nicht untersucht worden.

Bei älteren Patienten ist keine Dosisanpassung erforderlich.

Pädiatrische Population

Zur Anwendung bei Kindern liegt keine Erfahrung vor. Daher sollte Vectibix bei Patienten unter 18 Jahren nicht angewendet werden.

Kontraindikationen

Vectibix ist kontraindiziert bei Patienten mit einer Vorgeschichte schwerer oder lebensbedrohlicher Überempfindlichkeitsreaktionen gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile.

Interstitielle Lungenerkrankung oder Lungenfibrose.

Bei Patienten mit RAS-mutiertem mCRC oder unbekanntem RAS-mCRC-Status ist die Kombination von Vectibix mit einer Oxaliplatin-haltigen Chemotherapie kontraindiziert (siehe Abschnitt «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Haut- und Weichteiltoxizität

Bei nahezu allen (ungefähr 90%) der mit Vectibix behandelten Patienten wurden unerwünschte Hautreaktionen beobachtet, die mehrheitlich leicht bis mässig schwer waren.

In klinischen Studien beobachtete man im Zusammenhang mit Hautreaktionen und Stomatitis Infektionen und Sepsis, in seltenen Fällen mit tödlichem Verlauf. Weiterhin traten lokale Abszesse auf, welche eine Inzision und Drainage erforderten.

Bei Auftreten von Hautausschlägen/Hauttoxizität ist den Patienten zu empfehlen ein Sonnenschutzpräparat anzuwenden, einen Hut zu tragen und die Sonne zu meiden, da Sonnenlicht die Hautreaktionen verschlimmern kann.

Für Dosisanpassungen aufgrund dermatologischer Toxizität, siehe «Dosisanpassung aufgrund unerwünschter Wirkungen» im Abschnitt «Dosierung/Anwendung».

Patienten, welche unter Vectibix eine Haut- oder Weichteiltoxizität entwickeln oder deren Reaktionen sich unter Behandlung mit Vectibix verschlechtern, sind hinsichtlich infektiöser Komplikationen zu überwachen und eine adäquate Behandlung ist unverzüglich einzuleiten. Lebensbedrohliche und tödliche infektiöse Komplikationen, einschliesslich Fälle von nekrotisierender Fasziitis und/oder Sepsis, wurden bei Patienten beobachtet, die mit Vectibix behandelt wurden. Bei Haut- oder Weichteiltoxizitäten verbunden mit schwerwiegenden oder lebensbedrohlichen entzündlichen oder infektiösen Komplikationen ist von einer Behandlung mit Vectibix abzusehen oder die Therapie abzubrechen.

Nach Marktzulassung wurde über seltene Fälle von Stevens-Johnson Syndrom und toxischer epidermaler Nekrolyse berichtet bei Patienten, die mit Vectibix behandelt wurden. Bei Verdacht auf diese Toxizität ist die Behandlung mit Vectibix zu unterbrechen und/oder zu beenden.

Eine proaktive Behandlung der Haut mit Feuchtigkeitscreme, Sonnenschutzmittel (LSF >15 für UVA und UVB) oder topischer Steroidcreme (max. 1% Hydrocortison) und die Gabe eines oralen Antibiotikums (z.B. Doxycyclin) können bei der Behandlung von Hautreaktionen von Nutzen sein. Die Patienten sollten angehalten werden, während der Behandlungszeit die Feuchtigkeitscreme und das Sonnenschutzmittel jeden Morgen auf Gesicht, Hände, Füsse, Hals, Rücken und Brust und topische Steroide jeden Abend auf Gesicht, Hände, Füsse, Hals, Rücken und Brust aufzutragen.

Pulmonale Komplikationen

Interstitielle Lungenerkrankungen (ILD, Interstitial Lung Disease) mit teilweise tödlichem Ausgang sind mit EGFR-Inhibitoren einschliesslich Vectibix beobachtet worden. Im Fall von akut einsetzenden oder sich verschlechternden Lungensymptomen ist die Behandlung mit Vectibix zu unterbrechen und die Symptome sind unverzüglich abzuklären. Falls eine interstitielle Lungenerkrankung diagnostiziert wird, ist Vectibix dauerhaft abzusetzen und der Patient adäquat zu behandeln. Bei Patienten mit einer interstitiellen Pneumonitis oder einer pulmonalen Fibrose in der Vorgeschichte oder mit Anzeichen einer interstitiellen Pneumonitis oder einer pulmonalen Fibrose muss der Nutzen einer Behandlung mit Panitumumab gegen das Risiko von pulmonalen Komplikationen sorgfältig abgewogen werden.

Labortests – Elektrolyte

Bei einigen Patienten wurde eine schwere (Grad 4) Hypomagnesiämie beobachtet. Daher sollten Patienten vor Beginn und bis zu 8 Wochen nach Abschluss der Vectibix-Behandlung periodisch hinsichtlich einer Hypomagnesiämie und einer Hypokalzämie überwacht werden. Eine angemessene Supplementierung mit Magnesium wird empfohlen.

Auch andere Elektrolytstörungen, u.a. eine Hypokalämie, wurden beobachtet. Eine Überwachung wie oben beschrieben und eine angemessene Supplementierung mit den jeweiligen Elektrolyten werden ebenfalls empfohlen.

Dieses Arzneimittel enthält 0,150 mmol Natrium (was 3,45 mg Natrium entspricht) pro ml des Konzentrates. Dies sollte bei Patienten, die eine kontrollierte Natrium-Diät erhalten, berücksichtigt werden.

Infusionsreaktionen

In klinischen Studien zur Monotherapie und Kombinationstherapie beim mCRC wurde bei ca. 4% der mit Vectibix behandelten Patienten über Infusionsreaktionen (innerhalb von 24 Stunden nach einer Infusion) berichtet, von denen <1% schwerwiegend waren (Grad 3 und 4, CTCAE V4.0).

Auch in der Post-Marketing Phase wurden bei <1% der Patienten schwere Infusionsreaktionen beobachtet, sehr selten mit tödlichem Ausgang (bei <0,01% der Patienten).

In der Post-Marketing Phase gab es auch Berichte über Infusionsreaktionen, welche mehr als 24 Stunden nach der Infusion auftraten. Diese schliessen einen tödlichen Fall eines Angioödems ein bei einem Patienten, welcher in der Vergangenheit eine Überempfindlichkeitsreaktion gegenüber Panitumumab gezeigt hatte. Zeichen und Symptome dieser verzögerten Infusionsreaktionen können das Auftreten eines Bronchospasmus, eines Ödems, einer Anaphylaxie, eines Angioödems, oder einer Hypotonie einschliessen. Es wird empfohlen, Patienten über die Möglichkeit einer spät einsetzenden Infusionsreaktion aufzuklären und sie anzuweisen, ihren Arzt zu kontaktieren, falls Symptome einer Infusions-abhängigen Reaktion auftreten.

Falls eine schwere oder lebensbedrohliche (NCI-CTC Grad 3 oder 4) Infusionsreaktion auftritt, muss die Infusion gestoppt werden. Je nach Schweregrad und/oder Dauer der Reaktion ist ein endgültiges Absetzen von Vectibix in Betracht zu ziehen. Bei Patienten mit einer milden oder moderaten Infusionsreaktion (NCI-CTC Grad 1 und 2) soll die Infusionsrate für die Dauer dieser Infusion um 50% reduziert werden. Es wird empfohlen, diese niedrigere Infusionsrate für alle nachfolgenden Infusionen beizubehalten.

Vectibix in Kombination mit einer IFL-Chemotherapie (Irinotecan, Bolus 5-Fluorouracil und Leucovorin)

In einer einarmigen Studie (n = 19) kam es bei Patienten unter Behandlung mit Vectibix in Kombination mit der IFL-Chemotherapie (Bolus 5-Fluorouracil [500 mg/m²], Leucovorin [20 mg/m²] und Irinotecan [125 mg/m²]) mit hoher Inzidenz zu schwerer Diarrhö (siehe Abschnitt «Unerwünschte Wirkungen»). Deshalb ist die Gabe von Vectibix in Kombination mit IFL zu vermeiden (siehe Abschnitt «Interaktionen»).

Vectibix in Kombination mit Bevacizumab und Chemotherapien

In einer randomisierten offenen multizentrischen Studie (PACCE-Studie) mit 1’053 Patienten wurde die Wirksamkeit von Bevacizumab und Oxaliplatin- oder Irinotecan-haltigen Chemotherapien mit und ohne Vectibix zur First-Line-Behandlung von metastasierendem Kolon- oder Rektumkarzinom untersucht. Bei Patienten, die Vectibix in Kombination mit Bevacizumab und Chemotherapie erhielten, wurden eine Verkürzung des progressionsfreien Überlebens und häufigere Todesfälle beobachtet. Auch wurden in den Behandlungsarmen, in denen Vectibix in Kombination mit Bevacizumab und Chemotherapie eingesetzt wurde, häufiger eine Lungenembolie, Infektionen (überwiegend dermatologischen Ursprungs), Diarrhö, Elektrolytstörungen, Übelkeit, Erbrechen und Dehydrierung beobachtet.

Eine weitere Analyse der Wirksamkeitsdaten dieser Studie im Hinblick auf den KRAS-Status identifizierte keine Patienten-Subgruppe, die von der Behandlung mit Vectibix in Kombination mit Oxaliplatin- oder Irinotecan-haltiger Chemotherapie und Bevacizumab profitierte. Es wurden ein Trend zu schlechterem Überleben unter Behandlung mit Vectibix in der KRAS-Wild-Typ-Subgruppe der Bevacizumab- und Oxaliplatin-Kohorte und ein Trend zu schlechterem Überleben mit Vectibix in der Bevacizumab- und Irinotecan-Kohorte unabhängig vom KRAS-Mutationsstatus beobachtet.

Daher sollte Vectibix nicht in Kombination mit Bevacizumab-haltiger Chemotherapie angewendet werden (siehe Abschnitte «Interaktionen» und «Klinische Wirksamkeit»).

Vectibix in Kombination mit Oxaliplatin-haltiger Chemotherapie bei mCRC-Patienten mit RAS-Mutationen oder unbekanntem RAS-Mutationsstatus

Bei mCRC-Patienten mit RAS-Mutationen oder unbekanntem RAS-Mutationsstatus sollte Vectibix nicht in Kombination mit einer Oxaliplatin-haltigen Chemotherapie verabreicht werden (siehe Abschnitt «Kontraindikationen»).

In der Primäranalyse einer Phase-III-Studie (n = 1’183, 656 Patienten mit KRAS (Exon 2)-Wildtyp und 440 Patienten mit KRAS-Mutationen) wurde Vectibix in Kombination mit einer Infusionstherapie aus 5‑Fluorouracil, Leucovorin und Oxaliplatin (FOLFOX) im Vergleich zur alleinigen FOLFOX-Erstlinientherapie bei mCRC untersucht. Dabei wurde eine signifikante Verkürzung des progressionsfreien Überlebens (PFS) bei Patienten mit KRAS-mutierten Tumoren beobachtet, die Vectibix und FOLFOX (n = 221) versus alleiniger FOLFOX-Therapie (n = 219) erhielten (Hazard Ratio (HR): 1,27 (95% KI: 1,04, 1,55)). Bei Patienten mit KRAS (Exon 2)-Mutationen war das mediane PFS 1,5 Monate kürzer für die Kombination Vectibix plus FOLFOX als für FOLFOX allein in der Primäranalyse. Zudem wurde auch ein Trend zu einem verkürzten Gesamtüberleben (OS) in der Patientenpopulation mit KRAS-mutierten Tumoren festgestellt (HR: 1,17 (95% KI: 0,95, 1,45)).

In einer vordefinierten retrospektiven Subgruppenanalyse von 641 der 656 Patienten mit KRAS (Exon 2)-Wildtyp mCRC aus der Phase‑III-Studie wurden bei 16% (n = 108) der Patienten zusätzliche RAS-Mutationen (KRAS [Exons 3 und 4] oder NRAS [Exons 2, 3 und 4]) festgestellt. Es wurde eine Verkürzung des PFS und des OS beobachtet bei Patienten mit RAS-mutiertem mCRC, welche Vectibix und FOLFOX (n = 51) versus alleiniger FOLFOX-Therapie (n = 57) erhielten. Bei Patienten mit RAS-Mutationen war das mediane PFS 1,4 Monate kürzer, HR 1,31 (95% KI: 1,07, 1,60) und das mediane OS war 3,6 Monate kürzer, HR 1,25 (95% KI: 1,02, 1,55) für die Kombination Vectibix plus FOLFOX im Vergleich zu FOLFOX allein.

Patienten mit ECOG-Performance-Status 2, die mit Vectibix in Kombination mit Chemotherapie behandelt werden

Bei Patienten mit ECOG Performance Status 2 wird vor Einleitung einer Behandlung mit Vectibix in Kombination mit einer Chemotherapie zur Behandlung von mCRC eine Nutzen-Risiko-Analyse empfohlen. Ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis konnte für Patienten mit ECOG Performance Status 2 nicht belegt werden. In einer Phase‑III-Studie (n = 1’183; 656 Patienten mit KRAS (Exon 2)-Wildtyp und 440 Patienten mit KRAS-mutiertem mCRC) zur Untersuchung von Vectibix als First-Line Therapie in Kombination mit FOLFOX im Vergleich zu FOLFOX allein wurde bei Patienten mit ECOG Performance Status 2 (n = 40) eine erhöhte Toxizität und ein signifikant kürzeres PFS beobachtet als mit ECOG Performance Status 0 oder 1 (n = 616). Bei Patienten mit ECOG Performance Status 2 betrug das mediane PFS 4,8 Monate für Vectibix plus FOLFOX (n = 20) und 7,5 Monate für FOLFOX allein (n = 20), verglichen mit 10,8 Monaten für Vectibix plus FOLFOX (n = 305) und 8,7 Monaten für FOLFOX allein (n = 311) bei Patienten mit ECOG Performance Status 0 oder 1.

Akutes Nierenversagen

Bei Patienten, die eine schwere Diarrhö und Dehydrierung entwickeln, wurde akutes Nierenversagen beobachtet.

Okuläre Toxizität

Nach der Zulassung wurde selten über schwerwiegende Fälle von Keratitis und ulzerativer Keratitis berichtet. Patienten, bei denen Anzeichen und Symptome vorliegen, die auf eine Keratitis hindeuten, wie akute oder sich verschlechternde Entzündung des Auges, Tränensekretion, Lichtempfindlichkeit, verschwommenes Sehen, Schmerzen im Auge und/oder gerötete Augen, sollten umgehend einen Augenarzt aufsuchen.

Bei Bestätigung der Diagnose einer ulzerativen Keratitis sollte die Behandlung mit Vectibix unterbrochen oder abgebrochen werden. Wenn eine Keratitis diagnostiziert wurde, sollten der Nutzen und die Risiken einer Weiterbehandlung sorgfältig abgewogen werden.

Vectibix sollte bei Patienten mit einer Vorgeschichte von Keratitis, ulzerativer Keratitis oder schwerer Form eines trockenen Auges mit Vorsicht angewendet werden. Die Verwendung von Kontaktlinsen ist auch ein Risikofaktor für Keratitis und Ulzeration.

Interaktionen

Vectibix sollte nicht in Kombination mit einer IFL-Chemotherapie oder Bevacizumab-haltiger Chemotherapie angewendet werden. Eine hohe Inzidenz schwerer Diarrhöen wurde beobachtet, wenn Panitumumab in Kombination mit einer IFL-Therapie angewendet wurde. Eine erhöhte Toxizität und vermehrte Todesfälle wurden beobachtet, wenn Panitumumab mit Bevacizumab und Chemotherapie kombiniert wurde.

Schwangerschaft/Stillzeit

Es gibt keine hinreichenden Daten zur Anwendung von Vectibix bei Schwangeren. Studien am Tier haben toxische Wirkungen auf die Fortpflanzungsfunktion gezeigt (siehe Abschnitt «Präklinische Daten»). Das mögliche Risiko beim Menschen ist unbekannt. Der EGFR spielt jedoch bei der Steuerung der pränatalen Entwicklung eine Rolle und könnte für die normale Organogenese, Proliferation und Differenzierung des sich entwickelnden Embryos wesentlich sein.

Vectibix darf während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, es ist klar notwendig.

Da menschliches IgG die Plazentaschranke passiert, könnte Panitumumab von der Mutter auf den sich entwickelnden Fötus übertragen werden. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung mit Vectibix und während 2 Monaten nach der letzten Dosis für zuverlässige Kontrazeption sorgen. Wird während der Schwangerschaft mit Vectibix behandelt oder wird eine Frau während der Behandlung schwanger, so ist sie über das Risiko eines möglichen Verlusts der Leibesfrucht oder die Gefährdung des Fötus zu informieren.

Frauen, die während der Behandlung mit Vectibix schwanger werden, sollten am Schwangerschaftsüberwachungs-Programm von Amgen teilnehmen. Kontaktangaben werden dem behandelnden Arzt von Amgen Switzerland AG mitgeteilt.

Es ist nicht bekannt, ob Panitumumab in die Muttermilch übertritt. Da menschliches IgG in die Muttermilch sezerniert wird, könnte auch Panitumumab sezerniert werden. Das Potenzial für Resorption und für eine Schädigung des Kindes nach Aufnahme mit der Muttermilch ist unbekannt. Es wird empfohlen, während der Therapie mit Vectibix und 2 Monate nach der letzten Dosis nicht zu stillen.

Frauen, die während der Behandlung mit Vectibix stillen, sollten am Stillzeitüberwachungs-Programm von Amgen teilnehmen. Kontaktangaben werden dem behandelnden Arzt von Amgen Switzerland AG mitgeteilt.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es wurden keine Studien zu den Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen durchgeführt. Sofern bei Patienten behandlungsbedingte Symptome auftreten, die das Sehen und/oder die Konzentrationsfähigkeit bzw. das Reaktionsvermögen beeinträchtigen, sollte den Patienten solange vom Autofahren und vom Bedienen von Maschinen abgeraten werden, bis die Symptome wieder abklingen.

Unerwünschte Wirkungen

Basierend auf einer Analyse aller mCRC-Patienten, die Vectibix in klinischen Studien als Monotherapie oder in Kombination mit einer Chemotherapie erhalten haben (n = 2’588), wurde am häufigsten über Hautreaktionen berichtet, die bei etwa 93% der Patienten auftraten. Sie stehen mit den pharmakologischen Wirkungen des Präparats in Zusammenhang und erreichen bei 70% Grad 1 oder 2, bei 27% Grad 3 und bei <1% Grad 4 NCI-CTC.

Beobachtete unerwünschte Wirkungen, die bei ≥20% der Patienten auftraten, waren: gastrointestinale Störungen (Diarrhö [50%], Übelkeit [41%], Erbrechen [27%], Obstipation [23%] und Bauchschmerzen [23%]); allgemeine Störungen (Fatigue [37%], Pyrexie [20%]); Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen (Anorexie [27%]); Infektionen und Infestationen (Paronychie [20%]); und Störungen der Haut und des Unterhautzellgewebes (Hautausschlag [45%], akneiforme Dermatitis [39%], Pruritus [35%], Erythem [30%] und Hauttrockenheit [22%]).

Für die Häufigkeit der aufgeführten unerwünschten Reaktionen gilt die folgende Konvention: sehr häufig (≥1/10); häufig (≥1/100, <1/10); gelegentlich (≥1/1’000, <1/100); selten (≥1/10’000, <1/1’000); sehr selten (<1/10’000).

Infektionen und Infestationen

Sehr häufig: Paronychie (20%).

Häufig: Infektionen der Haut und des Unterhautgewebes, Follikulitis, lokale Infektionen, pustulöser Hautausschlag, Harnwegsinfektion.

Gelegentlich: Augenentzündung, Infektion des Augenlids.

Störungen des Blut- und Lymphsystems

Sehr häufig: Anämie (12%).

Häufig: Leukopenie.

Störungen des Immunsystems

Häufig: Infusionsreaktionen.

Selten: Anaphylaxie.

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Sehr häufig: Hypokalämie (12%), Anorexie (27%), Hypomagnesiämie (18%).

Häufig: Dehydratation, Hypokalzämie, Hyperglykämie, Hypophosphatämie.

Psychiatrische Störungen

Sehr häufig: Schlaflosigkeit (10%).

Häufig: Angst.

Störungen des Nervensystems

Häufig: Schwindel, Kopfschmerzen.

Augenleiden

Sehr häufig: Konjunktivitis (11%).

Häufig: Blepharitis, trockene Augen, Augenreizung, Augenpruritus, Wimpernwachstum, verstärkter Tränenfluss, okuläre Hyperämie.

Gelegentlich: Augenlidreizung.

Funktionsstörungen des Herzens

Häufig: Tachykardie.

Gelegentlich: Zyanose.

Funktionsstörungen der Gefässe

Häufig: Tiefe Venenthrombose, Hypotonie, Hypertonie, Flushing.

Respiratorische, thorakale und mediastinale Funktionsstörungen

Sehr häufig: Dyspnoe (12%), Husten (11%).

Häufig: Lungenembolie, Epistaxis.

Gelegentlich: Bronchospasmus, trockene Nase.

Gastrointestinale Störungen

Sehr häufig: Diarrhö (50%), Erbrechen (27%), Bauchschmerzen (23%), Nausea (41%), Konstipation (23%), Stomatitis (18%).

Häufig: Rektale Hämorrhagie, trockener Mund, Dyspepsie, Stomatitis aphthosa, Cheilitis, gastroösophageales Rückflusssyndrom.

Gelegentlich: Spröde Lippen, trockene Lippen.

Funktionsstörungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Sehr häufig: Hautausschlag (45%), Akneiforme Dermatitis (39%), Akne (12%), Erythema (30%), Hautfissuren (16%), Pruritus (35%), Alopezie (13%), trockene Haut (22%).

Häufig: Hauttoxizität, Hautexfoliation, pruriginöse Hautausschläge, exfoliative Dermatitis, Hypertrichosis, Nagelerkrankungen, brüchige Nägel, palmar-plantare Erythrodysästhesie, erythematöser Hautausschlag, generalisierter Hautausschlag, makulöser Ausschlag, makulopapulärer Ausschlag, papulärer Ausschlag, Wundschorf, Hautläsionen, Hautgeschwüre, Hyperhidrose, Dermatitis.

Gelegentlich: Angioödem, Hirsutismus, eingewachsene Nägel, Onycholysis.

Selten: Hautnekrose (PMS), inkl. Fälle von nekrotisierender Fasziitis, Stevens-Johnson Syndrom (PMS), toxische epidermale Nekrolyse (PMS).

Funktionsstörungen des Bewegungsapparates, des Bindegewebes und der Knochen

Sehr häufig: Rückenschmerzen (11%).

Häufig: Schmerzen in den Extremitäten.

Allgemeine Störungen und Störungen an der Applikationsstelle

Sehr häufig: Pyrexie (20%), Asthenie (15%), Fatigue (37%), Schleimhautentzündung (16%), periphere Ödeme (11%).

Häufig: Brustschmerzen, Schmerzen, Schüttelfrost.

Gelegentlich: Infusionsreaktionen.

Untersuchungen

Sehr häufig: Gewichtsabnahme (13%).

Häufig: Niedrige Magnesiumspiegel.

Beschreibung ausgewählter unerwünschter Wirkungen

Ein Hautausschlag war am häufigsten im Gesicht, auf der oberen Brustpartie und auf dem Rücken lokalisiert, konnte sich aber auf die Extremitäten ausbreiten. Im Anschluss an schwere Reaktionen der Haut und Subkutis kam es zu infektiösen Komplikationen einschliesslich Sepsis, in seltenen Fällen mit tödlichem Verlauf, zu Infektionen der Haut und des Unterhautgewebes inkl. nekrotisierende Fasziitis und zu örtlichem Abszess mit erforderlicher Inzision und Drainage. Die mittlere Dauer bis zum ersten Symptom der dermatologischen Reaktionen betrug 10 Tage und die mittlere Dauer bis zur Rückbildung nach der letzten Dosis von Vectibix 28 Tage.

Besondere Patientengruppen

Bezüglich Sicherheit und Wirksamkeit wurden bei älteren Patienten (≥65 Jahren), die mit Vectibix als Monotherapie behandelt wurden keine grundsätzlichen Unterschiede festgestellt. Allerdings traten bei älteren Patienten, die mit Vectibix in Kombination mit einer Irinotecan-haltigen Chemotherapie behandelt wurden mehr schwerwiegende Nebenwirkungen auf als bei Patienten unter alleiniger Chemotherapie.

Überdosierung

Dosen von etwa bis zum Zweifachen der empfohlenen therapeutischen Dosis (12 mg/kg) führten zu unerwünschten Wirkungen wie Hauttoxizität, Diarrhö, Dehydrierung und Fatigue.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: L01XC08

Pharmakotherapeutische Gruppe: Antineoplastische Wirkstoffe, monoklonale Antikörper

Wirkungsmechanismus

Panitumumab ist ein rekombinanter, vollständig humaner monoklonaler Antikörper der Immunglobulin-Klasse IgG2, der sich mit hoher Affinität und Spezifität an den Rezeptor für den humanen epidermalen Wachstumsfaktor (EGFR, epidermal growth factor receptor) bindet. Beim EGFR handelt es sich um ein transmembranäres Glykoprotein, das zu einer Unterfamilie der Typ-I-Rezeptor-Tyrosinkinasen gehört, wozu EGFR (HER1/c-ErbB-1), HER2, HER3 und HER4 zählen. EGFR fördert das Zellwachstum in normalen epithelialen Geweben einschliesslich Haut und Haarfollikeln und wird auf diversen Tumorzelllinien exprimiert.

Panitumumab bindet sich an die Liganden-bindende Domäne des EGFR und hemmt kompetitiv die von allen bekannten EGFR-Liganden induzierte Rezeptor-Autophosphorylierung. Die Bindung von Panitumumab an den EGFR führt zur Verlagerung des Rezeptors ins Innere der Zelle, Hemmung des Zellwachstums, Induktion der Apoptose und verminderten Produktion von Interleukin 8 und vaskulärem endothelialem Wachstumsfaktor.

KRAS (Kirsten rat sarcoma 2 viral oncogene homologue) und NRAS (Neuroblastoma RAS viral oncogene homologue) sind eng verwandte Mitglieder der RAS-Onkogen-Familie. KRAS- und NRAS-Gene kodieren ein kleines GTP-bindendes Protein, das an der Signaltransduktion beteiligt ist. Eine Vielzahl von Stimuli, unter anderem EGFR, aktivieren KRAS und NRAS, welche in Folge andere intrazelluläre Proteine stimulieren, die wiederum die Zellproliferation, das Zellüberleben und die Angiogenese fördern.

Bei verschiedenen menschlichen Tumoren treten häufig aktivierende Mutationen der RAS-Gene auf, welche sowohl mit der Onkogenese als auch mit dem Tumorprogress in Zusammenhang gebracht worden sind.

Pharmakodynamik

In-vitro-Tests und in-vivo-Untersuchungen am Tier haben ergeben, dass Panitumumab das Wachstum und Überleben von EGFR-exprimierenden Tumorzellen hemmt. An humanen Tumor-Xenotransplantaten ohne EGFR-Expression zeigten sich keine antitumoralen Wirkungen von Panitumumab. In Tierversuchen bewirkte die Zugabe von Panitumumab zu Chemotherapie oder anderen gezielten Therapeutika eine erhöhte antitumorale Wirkung im Vergleich zu Chemotherapie oder gezielten Therapeutika allein.

Immunogenität

Die Entwicklung von anti-Panitumumab-Antikörpern wurde mit zwei verschiedenen immunologischen Testmethoden zum Nachweis bindender anti-Panitumumab-Antikörper untersucht (ein ELISA zum Nachweis hochaffiner Antikörper und ein Biosensor-Test zum Nachweis hochaffiner und wenig affiner Antikörper). Bei Patienten, die in einem der beiden immunologischen Testverfahren positiv getestet wurden, wurde ein in-vitro-Bioassay zum Nachweis neutralisierender Antikörper durchgeführt.

Der Nachweis der Antikörperbildung hängt von der Sensitivität und Spezifität des Tests ab. Die mit einem Test beobachtete Inzidenz der Antikörper wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, darunter dem Testverfahren, die Handhabung des Untersuchungsmaterials, dem Zeitpunkt der Probenentnahme, Begleitmedikation und zugrunde liegende Krankheiten. Daher kann ein Vergleich der Inzidenz von Antikörpern mit anderen Präparaten irreführend sein.

Klinische Wirksamkeit als Monotherapie

Die Wirksamkeit von Vectibix als Monotherapie bei Patienten mit metastasierendem kolorektalem Karzinom (mCRC) und Tumorprogression während oder nach der Chemotherapie wurde in zwei randomisierten kontrollierten Studien im Vergleich zur besten supportiven Behandlung (463 Patienten) und im Vergleich zu Cetuximab (1'010 Patienten) sowie in offenen einarmigen Studien (585 Patienten) untersucht. Patienten mit einer bekannten interstitiellen Lungenerkrankung oder Lungenfibrose bzw. Patienten, bei denen Evidenzen für diese Erkrankungen vorlagen, wurden von den klinischen Studien ausgeschlossen.

463 Patienten mit EGFR-exprimierendem metastasierendem Karzinom des Kolons oder Rektums wurden nach bestätigtem Versagen Oxaliplatin- und Irinotecan-haltiger Behandlungsschemata in eine multinationale randomisierte kontrollierte Studie aufgenommen. Die Patienten wurden randomisiert im Verhältnis 1:1 einer von zwei Behandlungen zugeteilt: Vectibix 6 mg/kg alle zwei Wochen plus beste supportive Behandlung (ohne Chemotherapie) (n = 231) oder beste supportive Behandlung allein (n = 232). Die Patienten wurden bis zur Krankheitsprogression oder bis zum Auftreten nicht akzeptabler toxischer Wirkungen behandelt. Nach Progression des Tumorleidens konnten Patienten mit alleiniger bester supportiver Behandlung in eine Begleitstudie wechseln und erhielten Vectibix 6 mg/kg alle zwei Wochen.

Der primäre Endpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS).

Post-hoc wurden KRAS-Wildtyp versus KRAS-Mutationen anhand von archiviertem, in Paraffin eingebettetem Tumorgewebe untersucht. 427 (92%) Patienten konnten bezüglich des KRAS-Status ausgewertet werden; 184 davon wiesen Mutationen auf. In einer Analyse, bei der der potentielle systematische Fehler durch unplanmässige Auswertungen bereinigt wurde, war die Hazard Ratio für PFS 0,49 (95% KI: 0,37; 0,65) zugunsten von Vectibix in der KRAS-Wildtyp Gruppe und 1,07 (95% KI: 0,77; 1,48) in der Gruppe mit KRAS-Mutationen. Der Unterschied im medianen PFS der KRAS-Wildtyp Gruppe war 8 Wochen. Der Unterschied in der Gruppe mit KRAS-Mutationen betrug 0 Wochen. In keiner der beiden Gruppen wurde ein Unterschied im Gesamtüberleben gesehen. In der KRAS-Wildtyp Gruppe war die Ansprechrate 17% für Vectibix und 0% für die beste supportive Behandlung. In der Gruppe mit KRAS-Mutationen war in keinem der beiden Behandlungsarme ein Ansprechen zu verzeichnen.

In einer explorativen Analyse an aufbewahrten Tumorproben aus der Phase-III-Monotherapie-Studie konnte bei 11 von 72 Patienten (15%) mit RAS-Wildtyp Tumoren, welche Panitumumab erhielten, ein objektives Ansprechen festgestellt werden. Im Vergleich dazu zeigte nur 1 von 95 Patienten (1%) mit RAS-mutierten Tumoren ein objektives Ansprechen. Im Vergleich zur besten supportiven Behandlung war die Panitumumab-Therapie zudem verbunden mit einem verlängerten progressionsfreien Überleben bei Patienten mit RAS-Wildtyp Tumoren (HR (95% KI): 0,38 (0,27; 0,56)), jedoch nicht bei Patienten mit RAS-mutierten Tumoren (HR (95% KI): 0,98 (0,73; 1,31)).

Die Wirksamkeit von Vectibix wurde auch in einer offenen Studie bei Patienten mit KRAS (Exon 2)-Wildtyp mCRC untersucht. Insgesamt 1‘010 Chemotherapie-refraktäre Patienten wurden im Verhältnis 1:1 in eine Vectibix- oder Cetuximab-Behandlung randomisiert, um zu prüfen, ob Vectibix gegenüber Cetuximab nicht unterlegen ist. Der primäre Endpunkt war das Gesamtüberleben (OS). Die sekundären Endpunkte schlossen progressionsfreies Überleben (PFS) und objektive Ansprechrate (ORR) ein.

Das mediane OS betrug 10,4 Monate für Vectibix vs. 10,0 Monate für Cetuximab (HR 0,97 (95% KI: 0,84, 1,11)). Das mediane PFS war 4,1 Monate für Vectibix vs. 4,4 Monate für Cetuximab (HR 1,00 (95% KI: 0,88, 1,14)).

Insgesamt war das Sicherheitsprofil von Vectibix dem von Cetuximab ähnlich, insbesondere bezüglich Hauttoxizitäten. Allerdings traten Infusionsreaktionen häufiger mit Cetuximab auf (13% vs. 3%), während Elektrolytstörungen, insbesondere Hypomagnesiämie (29% vs. 19%), mit Vectibix häufiger auftraten.

Klinische Wirksamkeit in Kombination mit Chemotherapie

Bei Patienten mit RAS-Wildtyp mCRC wurde bei den Patienten, die Panitumumab plus Chemotherapie (FOLFOX oder FOLFIRI) erhielten, im Vergleich zu denjenigen, die alleinige Chemotherapie erhielten, das PFS, OS und ORR verbessert. Patienten mit zusätzlichen, über KRAS Exon 2 hinausgehenden RAS-Mutationen, profitierten wahrscheinlich nicht von einer Kombination von FOLFIRI mit Panitumumab. Bei diesen Patienten wurde ein nachteiliger Effekt bei der Kombination von FOLFOX mit Panitumumab beobachtet. BRAF-Mutationen in Exon 15 wurden als prognostischer Faktor für einen schlechteren Krankheitsverlauf identifiziert. BRAF-Mutationen waren für das Ergebnis einer Panitumumab-Behandlung in Kombination mit FOLFOX oder FOLFIRI nicht prädiktiv.

Klinische Wirksamkeit in der First-Line Therapie in Kombination mit FOLFOX

Die Wirksamkeit von Vectibix in Kombination mit Oxaliplatin, 5‑Fluorouracil (5‑FU) und Leucovorin (FOLFOX) vs. FOLFOX allein wurde in einer randomisierten, kontrollierten Studie an 1'183 Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom untersucht. Der primäre Endpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS = Progression Free Survival). Sekundäre Endpunkte umfassten das Gesamtüberleben (OS = Overall Survival) und die objektive Ansprechrate (ORR = Objective Response Rate). Die Studie wurde hinsichtlich des KRAS (Exon 2)-Tumorstatus analysiert, welcher bei 93% der Patienten bestimmt werden konnte.

In einer vordefinierten retrospektiven Analyse wurden 641/656 Patienten mit KRAS (Exon 2)-Wildtyp auf weitere Mutationen im KRAS Exon 3 (Codon 61) und Exon 4 (Codons 117/146) und NRAS Exon 2 (Codons 12/13), Exon 3 (Codon 61) und Exon 4 (Codons 117/146) sowie BRAF Exon 15 (Codon 600) untersucht mittels bidirektionaler Sequenzierung nach Sanger und Surveyor®/Wave® Analyse.

Die Häufigkeit dieser zusätzlichen RAS-Mutationen in der KRAS-Exon 2-Wildtyp Population betrug ungefähr 16%. Durch Ausschluss der Patienten mit diesen neu erfassten Mutationen und der Patienten mit unbekanntem Mutationsstatus wurde die RAS-Wildtyp-Population (n = 512) definiert. In dieser Gruppe betrug das mediane PFS 10,1 Monate mit Panitumumab plus FOLFOX vs. 7,9 Monate mit FOLFOX allein. Der absolute Unterschied betrug 2,2 Monate; die Hazard Ratio betrug 0,72 (95% KI: 0,58; 0,90), p = 0,004, und war statistisch signifikant.

Das mediane Gesamtüberleben war 26,0 Monate vs. 20,2 Monate, die absolute Differenz betrug 5,8 Monate. Die Hazard Ratio lag bei 0,78 (95% KI: 0,62; 0,99), p = 0,043, und war signifikant besser bei der Kombination Panitumumab plus FOLFOX.

Bei Patienten mit RAS-Mutationen war dagegen das PFS bei der Kombination Panitumumab plus FOLFOX 1,4 Monate kürzer, Hazard Ratio 1,31 (95% KI: 1,07, 1,60) und das Gesamtüberleben 3,6 Monate kürzer, HR 1,25 (95% KI: 1,02, 1,55) als mit FOLFOX allein.

In dieser Analyse waren BRAF-Mutationen nicht prädiktiv für eine negative Wirkung einer Panitumumab-Behandlung.

Im Anschluss an die vordefinierte Analyse wurden zusätzliche Mutationen im Exon 3 des KRAS- und NRAS-Gens (Codon 59) identifiziert (n = 7). In einer explorativen Analyse schien Codon 59 ebenfalls prädiktiv für eine negative Wirkung einer Panitumumab-Behandlung zu sein.

Klinische Wirksamkeit in Kombination mit einer Irinotecan-haltigen Chemotherapie

Die Wirksamkeit von Vectibix in der Second-Line Therapie in Kombination mit Irinotecan, 5-Fluorouracil (5-FU) und Leucovorin (FOLFIRI) wurde in einer randomisierten, kontrollierten Studie an 1’186 Patienten mit mCRC untersucht. Die primären Endpunkte waren Gesamtüberleben (OS = Overall Survival) und progressionsfreies Überleben (PFS = Progression Free Survival).

Bei 586 der 597 Patienten mit KRAS (Exon 2)-Wildtyp mCRC wurde eine vordefinierte retrospektive Subgruppenanalyse durchgeführt. Die RAS/BRAF-Bestimmungsrate betrug insgesamt 85% (1‘014 von 1‘186 randomisierten Patienten). Die Inzidenz dieser zusätzlichen RAS-Mutationen (KRAS Exons 3, 4 und NRAS Exons 2, 3, 4) in der KRAS (Exon 2)-Wildtyp Population lag bei ungefähr 19%. BRAF-Exon 15-Mutationen traten in der KRAS (Exon 2)-Wildtyp Population mit einer Inzidenz von ungefähr 8% auf.

Bei Patienten mit RAS-Wildtyp mCRC betrugen die medianen PFS-Zeiten 6,4 Monate (95% KI: 5,5, 7,4) im Arm mit Panitumumab plus FOLFIRI und 4,6 Monate (95% KI: 3,7, 5,6) im Arm mit FOLFIRI allein. Die Hazard Ratio lag bei 0,701 (95% KI: 0,542, 0,907), zugunsten des Arms mit Panitumumab plus FOLFIRI. Das mediane OS betrug 16,2 Monate (95% KI: 14,5, 19,7) im Arm mit Panitumumab plus FOLFIRI und 13,9 Monate (95% KI: 11,9, 16,0) im Arm mit FOLFIRI allein. Die Hazard Ratio lag bei 0,807 (95% KI: 0,634, 1,027), zugunsten des Arms mit Panitumumab plus FOLFIRI.

Bei mCRC Patienten mit RAS-Mutationen betrug das mediane PFS 4,8 Monate (95% KI: 3,7, 5,5) im Arm mit Panitumumab plus FOLFIRI und 4,0 Monate (95% KI: 3,6, 5,5) im Arm mit FOLFIRI allein. Die Hazard Ratio lag bei 0,861 (95% KI: 0,705, 1,053). Das mediane OS betrug 11,8 Monate (95% KI: 10,4, 13,1) im Arm mit Panitumumab plus FOLFIRI und 11,1 Monate (95% KI: 10,2, 12,4) im Arm mit FOLFIRI allein. Die Hazard Ratio lag bei 0,914 (95% KI: 0,759, 1,101).

Die Wirksamkeit von Vectibix in der First-Line Therapie in Kombination mit FOLFIRI wurde in einer einarmigen Studie mit 154 Patienten anhand des primären Endpunktes objektive Ansprechrate (ORR) ermittelt. Andere entscheidende Endpunkte schlossen das progressionsfreie Überleben (PFS) mit ein.

Es wurde eine vordefinierte, retrospektive Subgruppenanalyse von 143 der 154 Patienten mit KRAS (Exon 2)-Wildtyp mCRC durchgeführt, in welcher Tumorproben dieser Patienten auf zusätzliche RAS-Mutationen untersucht wurden. Die Inzidenz dieser zusätzlichen RAS-Mutationen (KRAS Exons 3, 4 und NRAS Exons 2, 3, 4) in der KRAS (Exon 2)-Wildtyp-Population betrug ungefähr 10%.

Die objektive Ansprechrate betrug 59% (95% KI: 46, 71) bei Patienten mit RAS-Wildtyp (n = 69) und 41% (95% KI: 30, 53) bei Patienten mit RAS-Mutationen (n = 74).

Das mediane PFS war 11,2 Monate (95% KI: 7,6, 14,8) bei Patienten mit RAS-Wildtyp und 7,3 Monate (95% KI: 5,8, 7,5) bei Patienten mit RAS-Mutationen.

Pharmakokinetik

Die Pharmakokinetik von Vectibix zeigt bei Anwendung als Monotherapie oder in Kombination mit Chemotherapie keine linearen Verläufe.

Nach einer einzelnen Panitumumab-Anwendung als einstündige Infusion stieg der Bereich unter der Konzentration-Zeit-Kurve (AUC = Area Under the Curve) überproportional an und die Clearance (CL) von Panitumumab fiel mit steigender Dosis von 0,75 auf 9 mg/kg KG von 30,6 auf 4,6 ml/Tag/kg KG. Bei Dosierungen von über 2 mg/kg KG stieg die AUC von Panitumumab jedoch etwa proportional zur Dosis an.

Nach der empfohlenen Dosis (6 mg/kg KG einmal alle 2 Wochen als einstündige Infusion) erreichten die Panitumumab-Konzentrationen bei der dritten Infusion das Fliessgleichgewicht mit einer mittleren maximalen Konzentration von 213 ± 59 µg/ml und einer mittleren minimalen Konzentration von 39 ± 14 µg/ml. Der mittlere Wert (± SD) für die AUC0–t betrug 1’306 ± 374 µg × Tag/ml und 4,9 ± 1,4 ml/Tag/kg KG für die CL. Die Eliminations-Halbwertszeit betrug etwa 7,5 Tage (Bereich: 3,6 bis 10,9 Tage).

In einer pharmakokinetischen Populationsanalyse wurde die mögliche Auswirkung ausgewählter Co-Variaten auf die Pharmakokinetik von Panitumumab untersucht. Alter (21–88), Geschlecht, Rasse, Leber- und Nierenfunktion, chemotherapeutische Wirkstoffe und die Expression von EGFR (1+, 2+, 3+) auf Tumorzellen hatten keine offensichtliche Auswirkung auf die Pharmakokinetik von Panitumumab.

Es wurden keine klinischen Untersuchungen zur Pharmakokinetik von Panitumumab bei Patienten mit Nieren- oder Leberinsuffizienz durchgeführt.

Präklinische Daten

Mutagenität und Kanzerogenität

Es wurden keine Studien zum mutagenen und karzinogenen Potenzial von Panitumumab durchgeführt.

Reproduktionstoxikologie

In Studien zur embryo-fötalen Entwicklung bei Cynomolgus-Affen konnte gezeigt werden, dass Panitumumab zum Abort führen konnte, wenn es während der Organogenese in Dosierungen verabreicht wurde, welche die für Menschen empfohlene Dosis auf mg/kg Basis um das ca. 1,25- bis 5­-fache überstiegen.

Formale Studien zur männlichen Fertilität liegen nicht vor, doch zeigte die mikroskopische Untersuchung der Fortpflanzungsorgane männlicher Cynomolgus-Affen, die Panitumumab während bis zu 26 Wochen in Dosierungen bis zur ungefähr 5-fachen Dosis beim Menschen (bezogen auf mg/kg) erhielten, keinen Unterschied im Vergleich zu männlichen Affen der Kontrollgruppe.

Tierexperimentelle Studien an Affen haben reversible Wirkungen auf den Menstruationszyklus und eine verminderte weibliche Fruchtbarkeit gezeigt. Panitumumab könnte daher die Empfängnisfähigkeit bei Frauen beeinträchtigen.

Bisher wurden keine tierexperimentellen Studien mit Panitumumab durchgeführt, die den Effekt auf die prä- und postnatale Entwicklung untersuchen. Daher sollten alle Patienten vor Beginn der Vectibix-Therapie hinsichtlich des potenziellen Risikos von Panitumumab auf die prä- und postnatale Entwicklung hingewiesen werden.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Dieses Arzneimittel darf ausser den unter «Hinweise für die Handhabung und Entsorgung» aufgeführten, nicht mit anderen Arzneimitteln gemischt werden.

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «Exp» bezeichneten Datum verwendet werden.

Die zubereitete Lösung von Vectibix ist physikalisch und chemisch bei 25 °C während 24 Stunden stabil.

Vectibix enthält kein antimikrobielles Konservierungsmittel oder bakteriostatische Wirkstoffe. Aus mikrobiologischer Sicht sollte das zubereitete Präparat sofort verwendet werden. Falls dies nicht möglich ist, liegen Aufbrauchsfristen und Lagerbedingungen in der Verantwortung des Anwenders und sollten normalerweise nicht länger als 24 Stunden bei 2–8 °C betragen. Verdünnte Lösung nicht einfrieren.

Besondere Lagerungshinweise

Im Kühlschrank lagern (2–8 °C).

Nicht einfrieren.

Nicht schütteln.

In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.

Für Kinder unzugänglich aufbewahren.

Für Lagerungsbedingungen des verdünnten Präparats siehe Abschnitt «Haltbarkeit» in der Rubrik «Sonstige Hinweise».

Hinweise für die Handhabung und Entsorgung

Vectibix ist nur für den Einmalgebrauch vorgesehen. Vectibix ist von einer medizinischen Fachperson in 0,9%iger Natriumchlorid-Infusionslösung unter aseptischen Bedingungen zu verdünnen. Die Durchstechflasche darf nicht geschüttelt oder heftig bewegt werden. Vor der Verabreichung sollte Vectibix optisch überprüft werden. Die Lösung sollte farblos sein und kann sichtbare durchscheinende bis weisse, amorphe, proteinöse Partikel enthalten (welche durch die In-Line-Filtration entfernt werden). Verabreichen Sie Vectibix nicht, falls es nicht so aussieht, wie zuvor beschrieben. Ziehen Sie die erforderliche Menge von Vectibix für eine Dosis von 6 mg/kg auf. Dazu dürfen nur 21‑Gauge-Injektionsnadeln oder solche mit einem kleineren Durchmesser verwendet werden. Benutzen Sie kein nadelfreies Hilfsmittel (z.B. Adapter für die Durchstechflasche) zur Entnahme des Inhalts der Durchstechflasche. Auf ein Gesamtvolumen von 100 ml verdünnen. Die endgültige Konzentration darf 10 mg/ml nicht überschreiten. Eine Dosis über 1'000 mg ist in 150 ml 0,9%iger Natriumchlorid-Infusionslösung zu verdünnen (siehe Abschnitt «Dosierung/Anwendung»). Verdünnte Lösung durch vorsichtiges Umwenden mischen, nicht schütteln.

Verwerfen Sie die Durchstechflasche und allenfalls darin verbliebene Flüssigkeit nach dem Einmalgebrauch.

Die Verabreichung von Vectibix erfolgt als intravenöse (IV) Infusion über eine Infusionspumpe durch einen peripheren Venenkatheter oder Verweilkatheter unter Verwendung eines In-line-Filters mit einer Porengrösse von 0,2 oder 0,22 Mikrometern und niedriger Protein-Bindungskapazität.

Vor und nach der Verabreichung von Vectibix ist der Infusionsschlauch mit Natriumchloridlösung zu spülen, um ein Vermischen mit anderen Medikamenten oder i.v.-Lösungen zu vermeiden.

Es wurden keine Inkompatibilitäten festgestellt zwischen Vectibix und 0,9% Natriumchlorid-Injektionslösung in Polyvinyl- oder Polyolefin-Beuteln.

Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist gemäss den örtlichen Bestimmungen zu entsorgen.

Zulassungsnummer

57872 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Amgen Switzerland AG, 6301 Zug.

Stand der Information

August 2016.

Version #090416

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