Voluven Inf Loes 6 % Balanced 20 Freeflex 500 Ml

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoffe: Hydroxyethylstärke (HES 130/0,4), NaCl, Na-acetat, KCl, MgCl2.

Hilfsstoff: Aqua ad injectabilia.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Infusionslösung.

1 Liter Voluven 6% balanced enthält: Poly(O-2-hydroxyethyl)stärke 60,00 g (Molarer Substitutionsgrad 0,38–0,45 Mw: 130'000).

Natriumchlorid 6,02 g, Natriumacetat trihydrat 4,63 g, Kaliumchlorid 0,30 g, Magnesiumchlorid hexahydrat 0,30 g.

Elektrolyte

Na+ 137 mmol/ l, K+ 4,0 mmol/ l, Mg2+ 1,5 mmol/ l, Cl 110 mmol/l, Acetat 34,0 mmol/l.

Osmolarität: 286,5 mOsm/l, pH-Wert: 5,7–6,5, Titrationsazidität: <2,5 mmol NaOH/l.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Therapie und Prophylaxe von Hypovolämie, Verfahren der Eigenblutspende und/oder der akuten normovolämischen Hämodilution. HES-haltige Infusionslösungen sollen nur als Mittel der zweiten Wahl bei nicht ausreichender Wirkung von kristalloiden Infusionslösungen angewendet werden.

Dosierung/Anwendung

Zur intravenösen Infusion.

Die ersten 10–20 ml sind langsam und unter sorgfältiger Beobachtung des Patienten zu infundieren (wegen möglicher anaphylaktoider Reaktionen).

Tagesdosis und Infusionsgeschwindigkeit richten sich nach dem Blutverlust und/oder der Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung der hämodynamischen Parameter und nach der Hämodilution.

Tagesdosis: Die notwendige Tagesdosis zur Volumensubstitution und -erhaltung liegt im Bereich von 500 ml bis 1000 ml. Bei akuten und schweren Blutungen werden höhere Infusionsmengen benötigt (Hämatokrit überwachen).

Bei kritisch Kranken sollte die niedrigst mögliche Dosis gegeben werden.

Die maximale Tagesdosis beträgt generell 50 ml/kg KG.

Dies entspricht 3,5 l Voluven 6% balanced für einen Patienten mit 70 kg KG.

Voluven 6% balanced kann über mehrere Tage gemäss Bedarf des Patienten verabreicht werden. Die Behandlungsdauer richtet sich nach Dauer und Ausmass der Hypovolämie, den hämodynamischen Effekten und der Hämodilution.

Es liegen keine klinischen Daten zur pädiatrischen Anwendung mit Voluven 6% balanced vor. Hingegen liegen begrenzte Daten zu pädiatrischen Anwendungen von Voluven vor. In einer klinischen Studie bei nicht-herzchirurgischen Eingriffen an Kindern <2 Jahren betrug die tägliche Dosierung von Voluven 16 ± 9 ml/kg KG. Die Dosierung bei Kindern soll individuell angepasst werden und richtet sich nach der Grunderkrankung, Hämodynamik, Urinproduktion und dem Hydrierungsstatus. Voluven darf Neu- und Frühgeborenen nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen gegenüber Risiko verabreicht werden.

Kontraindikationen

Sepsis, Verbrennungen, schwere Lebererkrankungen, Nierenfunktionsstörungen, Stärkeallergie (auch gegen substituierte Stärke), Hyperhydratationszustände, Herzinsuffizienz, Lungenödem, intrakranielle Blutung, Dialysepatienten, schwere Hypernatriämie oder Hyperchlorämie.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

In klinischen Situationen, wo eine Alkalisierung vermieden werden muss oder bei metabolischer Alkalose, soll Voluven 6% balanced nicht verwendet werden.

Bei Patienten mit schweren Blutgerinnungsstörungen z.B. bei schwerem von-Willebrand-Syndrom, ist besondere Vorsicht geboten.

Patienten, die Hydroxyethylstärke-Infusionen erhalten, müssen wegen möglicher anaphylaktoider Nebenreaktionen streng überwacht werden. Bei anamnestisch medikamentös bedingter Allergie ist der therapeutische Nutzen von HES-Infusionen sorgfältig gegen das Risiko möglicher anaphylaktoider Reaktionen abzuwägen. Sollten solche Reaktionen auftreten, ist die Verabreichung des Präparates sofort abzubrechen. Es ist durch kein Testverfahren voraussehbar, welche Patienten mit einer anaphylaktischen Reaktion reagieren. Ebenso ist der Verlauf einer Unverträglichkeitsreaktion nicht vorhersehbar. Deshalb müssen alle für eine Reanimation notwendigen allgemeinen und medikamentösen Massnahmen verfügbar sein.

Eine Volumenüberlastung durch zu hohe Dosierung (overload) ist generell zu vermeiden. Insbesonders bei Patienten mit Herzinsuffizienz und schweren Nierenfunktionsstörungen muss das erhöhte Risiko einer Hyperhydratation berücksichtigt werden.

Bei schweren Dehydratationszuständen sollte zunächst eine Therapie mit Kristalloiden erfolgen.

Spezielle Vorsicht ist geboten bei Patienten mit schweren Elektrolytabnormitäten wie Hyperkaliämie, Hypermagnesiämie. Bei Hyperchlorämie ist Voluven 6% balanced kontraindiziert.

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist sicherzustellen und die Nierenfunktion und Wasserbilanz sind zu kontrollieren.

Interaktionen

Bisher nicht beobachtet worden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Es liegen noch keine Erfahrungen mit der Anwendung von Voluven 6% balanced in der Schwangerschaft vor.

Tierversuche mit Dosen von 5 g HES/kg täglich haben unerwünschte Wirkung auf den Fötus gezeigt. Teratogene Wirkungen wurden nicht festgestellt.

Da das Risiko anaphylaktoider Reaktionen auch bei der Schwangeren besteht und beim Foetus zu akuter Hypoxie führen kann, soll das Arzneimittel in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn es ist eindeutig erforderlich.

Es ist nicht bekannt, ob HES in die Muttermilch übertritt und für den Säugling ein Risiko darstellt, daher soll Voluven 6% balanced während der Stillzeit nicht angewendet werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Nicht zutreffend.

Unerwünschte Wirkungen

Infusionslösungen mit Hydroxyethylstärke können in seltenen Fällen zu anaphylaktoiden Reaktionen (Hypersensibilität, Grippe-ähnliche Symptome, Bradykardie, Tachykardie, Bronchospasmus, nicht kardiales Lungenödem) führen. Bei Unverträglichkeitsreaktionen ist die Infusion sofort zu stoppen und die geeigneten Sofortmassnahmen sind einzuleiten.

Nach längerer Verabreichung von hohen Dosen kann Pruritus auftreten, welches eine bekannte unerwünschte Wirkung von Hydroxyethylstärke ist.

Die Konzentration der Serumamylase kann unter Gabe von HES erhöht sein und mit der Diagnostik von Pankreatitis interferieren. Bei hoher Dosierung kann es zu einer Verdünnung der Blutkomponenten wie z.B. der Gerinnungsfaktoren, anderen Plasmaproteinen und zu einem Abfall des Hematokrits kommen. Gerinnungsstörungen können selten auftreten und in Abhängigkeit der Dosierung, was allgemein für HES gilt.

Häufigkeit des Auftretens von unerwünschten Nebenwirkungen

Sehr häufig: ≥1/10, häufig: ≥1/100–<1/10, gelegentlich: ≥1/1'000–1/100, selten: ≥1/10'000–<1/1'000.

Blut und lymphatisches System

Häufig: Abfall Hämatokrit (dosisabhängig).

Selten: Gerinnungsstörungen, postoperative Blutungen (bei hohen Dosen).

Immunsystem

Selten: Anaphylaktische Reaktionen.

Haut und Subkutangewebe

Häufig: Pruritus (dosisabhängig).

Laborwerte

Häufig: Erhöhung Serumamylase, Abfall Plasmaproteine.

Überdosierung

Wie bei allen Volumenersatz Präparaten kann es bei Überdosierung zu einer Kreislaufüberlastung kommen (z.B. Lungenödem). In diesem Fall muss die Infusion sofort gestoppt werden und, wenn notwendig, ein Diuretikum (z.B. Furosemid) verabreicht werden.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: B05AA07

Voluven 6% balanced enthält als Wirkstoff Hydroxethylstärke (HES 130/0,4) und die Elektrolyte Na+, K+, Mg2+, Cl, Acetat in isotonischer Zusammensetzung.

Hydroxyethylstärke wird aus Amylopectin von hochverzweigten Stärken hergestellt, welche körpereigenem Glykogen strukturell sehr ähnlich ist. Das mittlere Molekulargewicht Mw von Voluven beträgt 130'000 und der Substitutionsgrad liegt bei 0,4, d.h. auf 10 Glucose-Einheiten des Amylopectin-Gerüstes kommen ca. 4 Hydroxyethylgruppen, vorwiegend in Position C2. Die Erweiterung des Plasmavolumens ist mit dem infundierten Volumen vergleichbar und hält für mindestens 4–6 Stunden an. Bei isovolämischem Austausch von Blut mit Voluven wird das Blutvolumen bis zu 6 Stunden aufrechterhalten.

Acetat ist ein metabolisches Anion, welches in verschiedenen Organen oxidiert wird und einen alkalisierenden Effekt hat. Deswegen wirkt Voluven 6% balanced einer metabolischen Acidose entgegen, speziell bei hoher Dosierung. Diese spezifische Zusammensetzung von Voluven 6% balanced verbindet die Effekte einer guten Elektrolytwirkung mit den Eigenschaften einer guten Volumenersatzwirkung durch HES. Bei Herzchirurgischen Patienten waren die Chlorid-Konzentrationen signifikant tiefer und der Basenexzess war weniger ausgeprägt bei Anwendung von Voluven 6% balanced im Vergleich zu Voluven.

In klinischen Notfallsituationen, wie akute und schwere Hemorrhagie, wurden bis zu 100 ml Voluven/kg KG über einen Tag verabreicht.

Pharmakokinetik

Die Pharmakokinetik von Hydroxyethylstärke ist komplex und abhängig vom Molekulargewicht sowie hauptsächlich vom molaren Substitutionsgrad. Nach intravenöser Verabreichung werden kleinere Moleküle, unterhalb der Nierenschwelle von 60'000–70'000 Dalton mit dem Urin ausgeschieden, während grössere Moleküle durch die α-Amylase im Plasma gespalten werden, bevor die Abbauprodukte über die Nieren ausgeschieden werden.

Das mittlere in vivo Molekulargewicht von Voluven 6% balanced im Plasma beträgt nach der Infusion 70'000–80'000 Dalton und verbleibt während der gesamten Wirkdauer oberhalb der Nierenschwelle.

Das Verteilungsvolumen beträgt ungefähr 5,9 Liter. 30 Minuten nach Infusionsende beträgt der Plasmaspiegel von Voluven 6% balanced noch 75% der Maximalkonzentration. Dieser fällt nach 6 Stunden auf 14% der Maximalkonzentration ab. Nach einer Einmaldosis von 500 ml Hydroxyethylstärkelösung (Voluven) ist im Plasma nach 24 Stunden annähernd der Nullwert erreicht.

Nach der Verabreichung von 500 ml Voluven 6% balanced beträgt die Plasma-Clearance 31,4 ml/Minute, mit einer Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve (AUC) von 14,3 mg/ml × Stunde, die eine nicht lineare Pharmakokinetik zeigt. Die Halbwertzeiten im Plasma betragen t½ α = 1,4 Stunden und t½ β = 12,1 Stunden nach Verabreichung einer Einzeldosis von 500 ml.

Nach Verabreichung derselben Menge (500 ml) an Patienten mit milder bis schwerer Niereninsuffizienz wurde die AUC leicht erhöht um den Faktor 1,7. Halbwertzeit und Maximalkonzentration wurde nicht beeinflusst. Bei einer Kreatinin Clearance ≥30 l/Min. wurden 59% der Wirksubstanz im Urin ausgeschieden, bei einer Kreatinin Clearance von 15 ml–30 ml/Min. 51%.

Auch nach einer 10tägigen Verabreichung von 500 ml/Tag einer 10%igen Lösung der in Voluven 6% balanced enthaltenen Hydroxyethylstärke trat keine signifikante Plasmaakkumulation auf.

Nach wiederholter Verabreichung von 0,7 g/kg Körpergewicht/Tag von Voluven 6% balanced über 18 Tage wurden im Tierversuch an Ratten 52 Tage nach der letzten Gabe eine Gewebespeicherung von 0,6% der insgesamt verabreichten Substanzmenge beobachtet.

Zum Verhalten bei Dialyse liegen bislang keine Erfahrungen vor.

Präklinische Daten

Standardmässige Untersuchungen zur akuten und chronischen Toxizität ergaben keine Hinweise auf besondere Risiken beim Menschen. In den Untersuchungen zur Genotoxiztät, lokalen Toleranz, Allergenität und zum Hämolyseverhalten konnten keine adversen Effekte beobachtet werden.

Reproduktionstoxizität: Die in Voluven 6% balanced enthaltene Hydroxyethylstärke hatte bei Ratten und Kaninchen keine teratogenen Wirkungen. Embryoletale Wirkungen wurden bei Kaninchen bei 5 g/kg KG/Tag beobachtet. Die Behandlung während Trächtigkeit und Laktation führte bei den Nachkommen von Ratten, denen dieses Volumen als Bolusinjektion verabreicht wurde, zu einer Verminderung des Gewichts und zu Entwicklungsverzögerungen. Die Muttertiere zeigten Anzeichen von Volumenüberlastung. Studien zur Fertilität von direkt exponierten Tieren wurden nicht durchgeführt.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Vor dem Mischen mit anderen Arzneimitteln ist auf Kompatibilität, hygienisches Zuspritzen und gute Durchmischung zu achten.

Besondere Lagerungshinweise

Nicht über 25 °C aufbewahren. Nicht einfrieren.

Voluven 6% balanced darf nur bis zu dem auf dem Behältnis mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Nur verwenden, wenn Lösung klar und Behältnis unverletzt.

Nach dem Öffnen des Behältnisses sofort zu verbrauchen.

Zulassungsnummer

57819 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Fresenius Kabi (Schweiz) AG, 6370 Oberdorf NW.

Stand der Information

August 2014.

Verwendung dieser Informationen

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