Glutril Tabl 25 Mg 100 Stk

Glutril Tabl 25 Mg 100 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Glibornurid.

Hilfsstoffe: Excipiens pro compr.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Tabletten (Bruchrille) zu 25 mg.

1 Tablette enthält 268 mg Kohlenhydrate, entspr. 4,6 kJ.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Typ-2-Diabetes, wenn keine Notwendigkeit zur Therapie mit Insulin besteht und wenn eine Gewichtsreduktion oder eine Diätbehandlung (gegebenenfalls mit Gewichtsreduktion) nicht ausreicht.

Dosierung/Anwendung

Anpassung der Dosierung an die individuelle Stoffwechsellage; generell gilt:

Neueinstellung (nicht mit oralen Antidiabetika vorbehandelte Patienten): Mit ½ Tabl. täglich beginnen; falls ungenügend, allmählich auf 1–3 Tabl. steigern. Bei höheren Dosen morgens 2 Tabl. einnehmen, den Rest abends. Im Allgemeinen nicht mehr als 3 Tabl. täglich geben, weil höhere Dosen nicht zu besseren Resultaten führen.

Bei betagten Patienten und bei solchen mit Lebererkrankungen kann eine niedrige Dosierung angezeigt sein.

Umstellung (mit oralen Antidiabetika vorbehandelte Patienten): Die Dosierung von Glutril auf das vorher verabreichte Arzneimittel abstellen. 25 mg Glutril entsprechen ca. 1000 mg Tolbutamid, 500 mg Carbutamid, 250 mg Chlorpropamid, 5 mg Glipizid oder 5 mg Glibenclamid.

Bei versuchsweiser Umstellung übergewichtiger Diabetiker von Insulin auf Glutril richtet sich die Dosis nach dem Resultat der Stoffwechselkontrollen.

Kinder und Jugendliche

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Glutril bei Kindern und Jugendlichen sind nicht untersucht worden.

Kontraindikationen

Glutril ist kontraindiziert bei:

– Überempfindlichkeit auf den Wirkstoff, andere Sulfonylharnstoffe oder einen der Hilfsstoffe;

– Typ-1-Diabetes (inklusive prophylaktischer Verabreichung bei leichten Formen von nicht ketotischem Typ-1-Diabetes);

– in jedem Fall von Ketoazidose;

– bei diabetischem Koma und Präkoma;

– bei schwerer Nieren- und Leberinsuffizienz;

– bei schwerer Nebennierenrindeninsuffizienz;

– bei Funktionsstörungen der Schilddrüse und des Hypophysenvorderlappens;

– bei durch physische Stresssituation (z.B. schwere Infekte, Operationen) ausgelösten Hyperglykämien;

– bei Schwangerschaft und Stillzeit.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Glutril ist zur Dauertherapie bestimmt. Daher ist wie bei allen Antidiabetika eine ärztliche Kontrolle zur Vornahme von Dosiskorrekturen bei Nahrungsumstellungen, bei Änderungen der körperlichen Tätigkeit oder interkorrenten Erkrankungen erforderlich.

Hypoglykämie: Sämtliche Sulfonylharnstoffe können schwere Hypoglykämien verursachen, und protrahierte hypoglykämische Zustände sind auch im Fall von Glutril beschrieben worden, zum Beispiel bei nicht zweckmässiger Auswahl der Patienten, bei Nichteinhalten der Dosis und/oder der Diätvorschriften, bei Niereninsuffizienz, bei älteren Patienten. Die ersten Anzeichen dafür bestehen in Hungergefühl, Schwitzen, Übelkeit, Verwirrung. In solchen Fällen ist etwas Zucker, aufgelöst in Wasser, zu nehmen. Auf jeden Fall muss der behandelnde Arzt möglichst rasch konsultiert werden.

Eine Nieren- oder Leberinsuffizienz kann erhöhte Glibornurid-Spiegel verursachen, und die Leberinsuffizienz kann die Fähigkeit zur Glukoneogenese vermindern. Beide Faktoren erhöhen die Gefahr ernsthafter hypoglykämischer Reaktionen. Patienten mit Nebennieren- oder Hypophyseninsuffizienz sind besonders gefährdet. Bei älteren und bei mit Sympatholytika (u.a. Betablocker, Clanidin, Reserpin) behandelten Patienten ist eine Hypoglykämie oft schwer zu erkennen. Zu einer Hypoglykämie kommt es häufiger bei ungenügender Kalorienzufuhr, nach stärkeren und länger dauernden körperlichen Anstrengungen, nach Alkoholgenuss, und bei Anwendung von mehr als einem blutzuckersenkenden Arzneimittel.

Die Gefahr einer Hypoglykämie, vor allem die Möglichkeit einer nächtlichen Hypoglykämie, ihrer Symptome und Behandlung und die Faktoren, die ihr Auftreten begünstigen, sollten dem Patienten und den Familienmitgliedern erklärt werden, ebenso das sekundäre und primäre Versagen.

Nachlassen der Wirkung auf den Blutzucker: Bei Stress, wie z.B. Fieber, Traumata, Infektionen oder chirurgischen Eingriffen, kann der Blutzucker ausser Kontrolle geraten und die Notwendigkeit eintreten, Glutril vorübergehend durch Insulin zu ersetzen.

Bei Therapieversagen sollte eine Umstellung auf Insulin nicht hinausgezögert werden. Beim Typ-1-Diabetes und bei Zeichen einer Ketoazidose ist Insulin das Mittel der Wahl.

Andere Risikofaktoren: Vorsicht ist ebenfalls geboten bei nachgewiesener Allergie gegen Sulfonamide, sowie bei Vorliegen von kardiovaskulären Risikofaktoren (Hypertonie, Rauchen).

Pädiatrie: Sicherheit und Wirksamkeit von Glutril bei Kindern und Jugendlichen sind nicht untersucht worden.

Interaktionen

Eine Verstärkung der blutzuckersenkenden Wirkung oraler Antidiabetika vom Sulfonylharnstofftyp ist grundsätzlich möglich bei gleichzeitiger Anwendung von: ACE-Hemmern, Betablockern, (s. auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen») Guanethidin, Disopyramid, MAO-Hemmern, Fluoxetin, Fenfluramin, Tetracyclinen, Chinolon-Antibiotika, Sulfonamiden, Chloramphenicol, Cyclophosphamid und Derivaten, anabolen Steroiden, nichtsteroidalen Entzündungshemmern, Salicylaten, Cumarin-Derivaten, anderen oralen Antidiabetika, Pentoxifyllin (parenteral hochdosiert), Probenecid, H2-Blockern, Bezafibrat, Clofibrat, Inhibitoren von CYP2C9 (Miconazol, Fluconazol).

Interaktionsstudien haben jedoch gezeigt, dass Sulfaphenazol, Phenylbutazon und Phenprocoumon nicht zu einer wesentlichen Verlängerung der Halbwertzeit von Glibornurid führen.

Eine Abschwächung der blutzuckersenkenden Wirkung ist möglich bei gleichzeitiger Gabe von: Danazol, Calciumantagonisten, Diazoxid, Diuretika (Acetazolamid), Tetracosactid, Sympathikomimetika, nikotinsäurehaltigen Präparaten, trizyklischen Antidepressiva (in Einzelfällen), Chlorpromazin, Isoniazid, Phenothiazinen, oralen Kontrazeptiva, Östrogenen, Gestagenen, Glucagon Schilddrüsenhormonen, Kortikosteroiden, Induktoren von CYP2C9 (Rifampicin, Barbiturate, Phenytoin).

Da Interaktionen anderer Substanzgruppen mit Sulfonylharnstoffen bzw. Eigeneffekten der Substanzen auf den Blutzuckerspiegel möglich sind, sollte generell bei einer Co-Medikation der Patienten zu Beginn sorgfältig überwacht werden.

Zudem besteht bei Patienten unter Sulfonylharnstoff die Gefahr einer Hypoglykämie (bzw. Hyperglykämie), wenn ein gleichzeitig verabreichtes Arzneimittel, das eine Hyperglykämie (bzw. Hypoglykämie) verursachen kann, plötzlich abgesetzt wird.

Schwangerschaft/Stillzeit

Das Präparat bewirkt eine unerwünschte Stimulierung des Pankreas des Föten bzw. Neugeborenen (Hyperplasie der Beta-Zellen, fötale Hypoglykämie, Übergewicht des Fötus oder des Neugeborenen).

Bei Neugeborenen, deren Mütter zur Zeit der Geburt ein Sulfonylharnstoff-Präparat einnahmen, wurden langanhaltende (4–10 Tage), schwere Hypoglykämie beobachtet und zwar häufiger nach Anwendung von Substanzen mit langer Halbwertzeit. Aus diesen Gründen ist Glutril während der Schwangerschaft kontraindiziert, und die Patientin ist auf Insulin umzustellen.

Stillzeit

Über die Ausscheidung von Glibornurid in die Muttermilch ist nichts bekannt, doch wurde sie für andere Sulfonylharnstoff-Derivate beschrieben. Aus Vorsichtsgründen ist deshalb während der Stillzeit auf Insulin umzustellen oder abzustillen.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Eine Hypoglykämie kann die Aufmerksamkeit des Patienten/der Patientin und deshalb die Sicherheit beim Autofahren und Bedienen von Maschinen beeinträchtigen.

Unerwünschte Wirkungen

Die meisten Nebenwirkungen sind dosisabhängig und vorübergehend und verschwinden nach Dosisreduktion oder Absetzen des Arzneimittels. Wie bei anderen Sulfonylharnstoffen können einige mit einer Überempfindlichkeit in Zusammenhang gebrachte Nebenwirkungen schwer oder sehr schwer verlaufen.

Blut- und Lymphsystem

Selten: Leukopenie, Agranulozytose, Thrombozytopenie, hämolytische Anämie, Panzytopenie.

Stoffwechselstörungen

Selten: Hypoglykämie, Hyponatriämie, hepatische Porphyrie, Porphyria cutanea tarda.

Nervensystem

Gelegentlich: Schwindelzustände, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen.

Gastrointestinal-Trakt

Selten: Übelkeit, Völlegefühl, Diarrhö, Obstipation.

Leber

Cholestatischer Ikterus (bei Auftreten eines cholestatischen Ikterus ist die Behandlung abzubrechen). Leichte bis mittelgradige Erhöhung der SGOT, LDH, der alkalischen Phosphatase.

Haut

Selten: Allergische Hauterscheinungen (z.B. makulopapulose Ausschläge, Urticaria, Pruritus).

Niere

Leichte bis mittelgradige Erhöhung des Blut-Harnstoff- Stickstoffs und des Kreatinins.

Bei Patienten die sich unregelmässig ernähren, kann es zu Hypoglykämie kommen (s. «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen», «Interaktionen» und «Überdosierung»). Gegebenenfalls ist die Dosis entsprechend anzupassen.

Die Hypoglykämie kann über längere Zeit andauern und eine Hospitalisation notwendig machen.

Überdosierung

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: A10BB04

Wirkungsmechanismus

Hochwirksames orales Antidiabetikum der Sulfonylharnstoffgruppe, das durch Freisetzung des endogenen Insulins aus den Beta-Zellen des Pankreas wirkt; deshalb nur bei Typ-2-Diabetes (sogenannter Altersdiabetes) wirksam, nicht aber beim Typ-1-Diabetes (sogenannter juveniler Diabetes), bei dem ein absoluter Insulinmangel besteht. Bei langdauernder Verabreichung scheinen extrapankreatische Effekte zu seiner Wirkung beizutragen. Glutril wirkt nicht gegen Mikroorganismen.

Pharmakokinetik

Absorption

Die Resorption erfolgt im Gastrointestinaltrakt, im Mittel zu 91% (Bioverfügbarkeit). Die maximale Plasmakonzentration nach oraler Verabreichung einer Einzeldosis von 50 mg wird in 2–4 Stunden erreicht und beträgt rund 2 µg pro ml. Die therapeutisch wirksame Serumkonzentration von Glibornurid liegt bei 1–2 µg/ml oder weniger, doch besteht keine direkte Beziehung zwischen Plasmaspiegel und hypoglykämischer Wirkung. Glibornurid wird zu über 90% an Plasmaeiweiss gebunden.

Distribution

Es ist nicht bekannt, ob Glibornurid die Placentaschranke passiert oder ob es in die Muttermilch übertritt.

Metabolismus

Der Abbau erfolgt rasch und umfassend. Die für die Wirkung irrelevanten Metaboliten werden zu zwei Dritteln über die Nieren und zu einem Drittel über die Galle mit dem Stuhl ausgeschieden. Die mittlere Eliminationshalbwertzeit von Glibornurid beträgt 8 Stunden.

Die Wirkungsdauer ist etwa 24 Stunden.

Elimination

Bei schwerer Niereninsuffizienz kann die Halbwertzeit auf etwa 30 Stunden ansteigen und die Ausscheidung hauptsächlich mit dem Stuhl erfolgen. Über den Einfluss von Leberschäden auf die Elimination von Glutril liegen keine Untersuchungsergebnisse vor.

Kinetik in besonderen klinischen Situationen

Es ist nicht bekannt, ob Erkrankungen, bei denen der Plasmaspiegel von Albumin sinkt, die Verteilung und Wirkung von Glibornurid beeinflussen.

Präklinische Daten

Die akut toxische Wirkung bei Versuchstieren ist sehr schwach. Letale Einzeldosen liegen weit über den pharmakologisch aktiven Dosierung (um einen Faktor von mehr als 21’000).

Die Behandlungsdauer von bis zu 52 Wochen führte zu keinen histologischen Organveränderungen bei Ratten und Hunden. In-life wurden folgende Befunde ermittelt: Hypoglykämie, Erhöhung der Lebergewichte, erhöhte Werte für die alkalische Phosphatase (ALP), Störungen der Leberfunktion und vereinzelt Cholestase.

Glibornurid zeigte in zwei unterschiedlichen Testsystemen keine mutagene Wirkung.

Es gibt keine Hinweise für eine karzinogene Wirkung von Glibornurid. Entsprechende spezifische Untersuchungen sind jedoch nicht durchgeführt worden.

In reproduktionstoxikologischen Studien beeinträchtigte Glibornurid weder die Fertilität, noch die fötale und postnatale Entwicklung.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Nicht über 25 °C lagern.

Zulassungsnummer

36466 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

MEDA Pharma GmbH, 8602 Wangen-Brüttisellen.

Stand der Information

Dezember 2006.

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