Santuril Tabl 500 Mg 100 Stk

Santuril Tabl 500 Mg 100 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff:  Probenecidum

Hilfsstoffe:  Excipiens pro compresso

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 Tablette enthält 500 mg Probenecid.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Zur Behandlung der symptomatischen Hyperurikämie (Gichtarthritis) bei Patienten, die mit anderen die Harnsäure senkenden Arzneimitteln nicht behandelt werden können. Santuril ist nicht geeignet zur Anfangstherapie bei einem akuten Gichtanfall sowie zur Behandlung von Patienten mit erhöhter Harnsäure-Ausscheidung, Niereninsuffizienz oder Nierensteinen. Die Behandlung eines erhöhten Harnsäurespiegels im Blut ohne spezielle Symptome ist nicht angezeigt.

Dosierung/Anwendung

Zu Beginn der Behandlung beträgt die empfohlene Tagesdosis eine Woche lang 2 x 1/2 Tablette Santuril (entspr. 2 x 250 mg Probenecid), danach 2 x 1 Tablette Santuril (entspr. 2 x 500 mg Probenecid). Die Behandlung mit dieser Tagesdosis ist bis zur Normalisierung der Serumharnsäure-Werte und einem Abbau der Urat-Depots im Gewebe fortzusetzen. Danach kann eventuell schrittweise eine Reduktion der Dosis erfolgen.

Zu Beginn der Behandlung erfolgt eine hohe Harnsäure-Ausscheidung, so dass eine einschleichende Dosierung, eine reichliche Flüssigkeitszufuhr sowie eine entsprechende Einstellung des Urin-pH (pH 6,5-6,8) unerlässlich sind.

Die Einnahme erfolgt unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit zu einer Mahlzeit. Die Tabletten sind teilbar.

Kinder:

Die empfohlene Tagesdosis für Kinder ab 2 Jahren beträgt 25 mg/kg Körpergewicht (bzw. 0,7 g/m2 Körperoberfläche) zur Behandlungseinleitung und anschliessend 40 mg/kg (bzw. 1,2 g/m2 Körperoberfläche) jeweils auf 4 Einzeldosen verteilt; Kinder über 50 kg erhalten die Erwachsenendosis.

Dieses Arzneimittel ist wegen des hohen Wirkstoffgehalts für Kinder unter 20 kg Körpergewicht nicht geeignet.

Kontraindikationen

•Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe

•eingeschränkte Nierenfunktion

•Nierensteindiathese

•Kindern unter 2 Jahren

•akuter Gichtanfall

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Santuril sollte nicht angewendet werden während der Schwangerschaft und Stillzeit (siehe «Schwangerschaft / Stillzeit»).

Eine sorgfältige ärztliche Überwachung während der Behandlung ist erforderlich bei Patienten, die in der Vergangenheit bereits unter Magen-Darm-Ulzeration gelitten haben, bei Patienten mit Magen-Darm-Beschwerden sowie bei Patienten mit vorbestehenden Blutbildungsstörungen. Bei vorbestehenden Blutbildungsstörungen ist eine regelmässige Kontrolle des Blutbildes erforderlich.

Probenecid beeinflusst die aktive tubuläre Sekretion und kann daher die Spiegel zahlreicher Arzneimittel beeinflussen, welche über diesen Mechanismus eliminiert werden. Die Komedikation ist daher zu berücksichtigen und in Zweifelsfällen ein anderes Urikosurikum zu wählen.

Interaktionen

Die urikosurische Wirkung von Probenecid wird durch gleichzeitige Verabreichung von Salicylaten abgeschwächt. Eine Wirkungsabschwächung bzw. ein Wirkungsverlust von Probenecid tritt ein bei Kombination mit Diuretika und Pyrazinamid. Bei gleichzeitiger Behandlung mit Cisplatin kann eine Dosisanpassung von Probenecid aufgrund Cisplatin-bedingter Harnsäureerhöhung erforderlich werden.

Bei gleichzeitiger Anwendung mit Probenecid können wegen verlangsamter Ausscheidung die Plasmaspiegel folgender Wirkstoffe erhöht und die Wirkungen und Nebenwirkungen verstärkt sein; Dosisanpassungen können erforderlich werden:

Captopril, Indometacin und andere nicht-steroidale Entzündungshemmer wie z.B. Ketoprofen, Ketorolac, Naproxen, Sulindac, Paracetamol, Penicilline (Amoxicillin) und Cephalosporine (z.B. Cefazolin), Chinolone (z.B. Ciprofloxacin, Norfloxacin), Dapson, Sulfonamide; Nitrofurantoin, Nalidixinsäure, Sulfonylharnstoff, Thiopental, Lorazepam, p-Aminosalicylsäure (PAS), Rifampicin, Entacapon, Virustatika (z.B. Cidofovir, Aciclovir, Valaciclovir, Zidovudin, Ganciclovir, Zalcitapin), Methotrexat, Clofibrat, Diprophyllin, Famotidin. Probenecid kann zu einer Abschwächung der Wirkung von Schleifendiuretika wie z.B. Furosemid führen.

Bei gleichzeitiger Gabe von Probenecid und Phenprocoumon kann eine Wirkungsabschwächung von Phenprocoumon auftreten.

Probenecid erhöht die Absorptionsrate von Olanzepin und führt somit zu einer erhöhten Wirkstoffkonzentration (cmax).

Probenecid wirkt hemmend auf multiresistenz-assoziierte Proteine, wodurch die Akkumulation und Verteilung von Arzneistoffen beeinflusst werden kann.

Morphin (siehe unter «Eigenschaften / Wirkungen»)

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft:

Santuril sollte während der gesamten Schwangerschaft nicht angewendet werden, da das Risiko einer Fruchtschädigung nicht abgeklärt ist.

Stillzeit:

Der Wirkstoff geht in die Muttermilch über. Deshalb sollte abgestillt werden, wenn das Arzneimittel eingenommen werden muss.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es wurden keine spezifischen Studien zur Auswirkung von Probenecid auf die Fahrtüchtigkeit oder die Fähigkeit zur Bedienung von Maschinen durchgeführt. Dieses Arzneimittel kann auch bei bestimmungsgemässem Gebrauch das Reaktionsvermögen so weit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Strassenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem Masse im Zusammenwirken mit Alkohol.

Unerwünschte Wirkungen

Zu Beginn einer Probenecid-Behandlung besteht neben der Gefahr eines reaktiven Gichtanfalles die Möglichkeit, dass als Folge der erhöhten Harnsäure-Ausscheidung in der Niere und in den ableitenden Harnwegen Harnsäurekristalle bzw. Harnsäuresteine gebildet werden.

Sehr häufig:  ≥1/10

Häufig:  <1/10, ≥1/100

Gelegentlich:  <1/100, ≥1/1000

Selten:  <1/1000, ≥1/10'000

Sehr selten:  <1/10'000

Infektionen und parasitäre Erkrankungen

Häufig: Zahnfleischentzündungen

Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems

Sehr selten: Blutbildveränderungen wie z.B. Leukopenie, Thrombozytopenie, aplastische Anämie, hämolytische Anämie bei Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel.

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Häufig: Anorexie

Erkrankungen des Nervensystems

Gelegentlich: Kopfschmerz, Benommenheit

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Häufig: Gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Brechreiz, Völlegefühl

Leber- und Gallenerkrankungen

Sehr selten: Ikterus mit Leberzellschädigung

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Häufig: Hautreaktionen z.B. Rötung, allergisch bedingtes Exanthem, Haarausfall und Hautjucken

Sehr selten: schwere Hautreaktionen wie Erythema exsudativum multiforme und Lyell-Syndrom

Erkrankungen der Nieren und Harnwege

Sehr selten: Nephrotisches Syndrom

Allgemeine Erkrankungen

Sehr selten: Fieber

Bei HIV-Patienten wird in der Literatur ein erhöhtes Risiko an Überempfindlichkeits-reaktionen der Haut beschrieben.

Überdosierung

Ein spezielles Probenecid-Vergiftungsbild ist ebenso wie ein spezifisches Antidot nicht bekannt. Als mögliche Folgen einer Überdosierung wurde in der Literatur das Auftreten von Erbrechen, Krampfanfällen, Gichtanfall, Atemstillstand, Stupor und Koma beschrieben.

Beim Verdacht auf akzidentielle oder gewollte extreme Überdosierung sind resorptionsmindernde und eliminationsbeschleunigende Massnahmen angezeigt (Aktivkohle, forcierte Diurese, Hämodialyse). In der späteren Phase sollten sich intensivmedizinische Massnahmen an den Symptomen orientieren.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC Code: M04AB01

Wirkungsmechanismus

Probenecid hemmt die tubuläre Reabsorption von Harnsäure und führt durch die so bewirkte Urikosurie zu einer signifikanten Erniedrigung der Serumharnsäure-Werte und zu einer Mobilisierung von Urat-Depots im Gewebe. Um eine Kristallisation bzw. Ablagerung der vermehrt über die Niere ausgeschiedenen Harnsäure zu vermeiden, ist eine reichliche Flüssigkeitszufuhr sowie zu Beginn der Behandlung eine Verbesserung der Löslichkeit der Harnsäure durch Neutralisation des Harns unerlässlich.

Pharmakodynamik

Probenecid hemmt multiresistenz-assoziierte Proteine und somit den Transport von Glutathion, Metalloxyanionen und Konjugaten. Probenecid hemmt dosisabhängig die human-OAT1- und human-OAT3-abhängige Aufnahme von Anionen.

Studien an humanen Tumorzellen zeigten eine reverse Resistenz von Probenecid gegen Methothrexat. Probenecid verstärkt die Sensitivität von resistenten Parasiten gegenüber Antifolaten und verringert die Aufnahme von Folsäure, was auf eine Beeinflussung des Transportmechanismus schliessen lässt. Probenecid hemmt auch die Freigabe von Folat-Analoga aus Tumorzellen.

Die gleichzeitige Anwendung von Probenecid und Morphin führt zu einem verringerten Efflux von Morphin über die Blut-Hirnschranke durch Beeinflussung des Probenecid-sensitiven Carriers.

Klinische Wirksamkeit

Mit Santuril wurden keine eigenen klinischen Studien durchgeführt. Die klinische Wirksamkeit von Probenecid ist in der Literatur umfassend belegt.

Pharmakokinetik

Absorption

Nach oraler Verabreichung wird Probenecid rasch und vollständig resorbiert. Die Plasmaproteinbindung beträgt dosisabhängig 83-94%.

Für das Präparat Santuril liegen keine Untersuchungen der Bioverfügbarkeit am Menschen vor. Die Angaben zur Pharmakokinetik werden aus der Literatur übernommen.

Distribution

Der Wirkstoff kann die Blut-Hirn-Schranke passieren.

Metabolismus

Probenecid unterliegt einer intensiven Biotransformation.

Elimination

Für die Eliminationshalbwertzeit wurde eine Dosisabhängigkeit nachgewiesen:

Im therapeutischen Dosisbereich (0,5-1 g/Tag) beträgt sie 2-6 Stunden, bei Tagesdosen von 2 g und darüber ist sie auf 4-12 Stunden verlängert.

Bei einer insgesamt bei 77-88% liegenden renalen Elimination beträgt der Anteil an unverändert ausgeschiedenem Wirkstoff nur 5-17%, im Übrigen werden Dealkylierungs- und Oxidationsprodukte sowie ein Esterglukuronid ausgeschieden. Das Ausmass einer möglichen hepatischen Elimination bei Menschen ist nicht bekannt.

Präklinische Daten

Tumorerzeugendes und mutagenes Potential

Karzinogenitätsuntersuchungen an Mäusen zeigten histopathologisch keine toxischen Effekte oder erhöhte Tumoraktivität.

Reproduktionstoxizität

Probenecid ist unzureichend auf reproduktionstoxische Eigenschaften untersucht. Es liegen zwei Untersuchungen an Mäusen mit nur jeweils einer Dosis (1200 bzw. 1300 mg/kg/Tag) vor. Bei täglich oraler Applikation von 1200 mg/kg Körpergewicht (6-13 p.c.) wurden eine leicht verminderte Trächtigkeitsrate und Gewichtszunahme bei den Muttertieren sowie eine leicht verringerte Überlebensrate der Nachkommen beobachtet.

Der postnatale Gewichtszuwachs war in den ersten drei Lebenstagen gegenüber der Kontrollgruppe erniedrigt. Angaben zur weiteren Gewichtsentwicklung und zu eventuell auftretenden Anomalien fehlen. In der zweiten Mäusestudie traten bei 1300 mg/kg Körpergewicht (6-15 p.c.) maternal letale Effekte auf und die Überlebensrate der Jungtiere war vermindert. Probenecid ist plazentagängig. Die Substanz geht in die Muttermilch über und hat dort eine vergleichsweise lange Halbwertszeit. Es liegen keine publizierten Erfahrungsberichte über die Anwendung bei Schwangeren vor.

Sonstige Hinweise

Beeinflussung diagnostischer Methoden

Beeinflussung von Labortests: Verringerung der Ausscheidung von Paraamino- hippursäure. Bei der Harnzuckerbestimmung, basierend auf der Kupferreduktionsmethode (z.B. Clinitest) kann es unter der Therapie von Probenecid zu falsch positiven Ergebnissen kommen.

Probenecid vermindert die Ausscheidung von Natriumjodomethamat und verwandten jodierten organischen Säuren.

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Nicht über 25 °C lagern.

Arzneimittel ausser Reich- und Sichtweite von Kindern aufbewahren.

Zulassungsnummer

57365 (Swissmedic)

Zulassungsinhaberin

Lipomed AG

Fabrikmattenweg 4

4144 Arlesheim

Stand der Information

März 2015

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