Furadantin Retard Kaps 100 Mg 20 Stk

Furadantin Retard Kaps 100 Mg 20 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

1 Kapsel enthält:

Wirkstoff: Nitrofurantoinum.

Hilfsstoffe: Color.: E 104, E 127; Excip. pro capsula.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 Kapsel enthält 100 mg Nitrofurantoinum.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Akute Infekte der ableitenden Harnwege, insbesondere wenn eine Resistenz auf andere antimikrobielle Stoffe besteht.

Chronische Infekte der ableitenden Harnwege.

Infektionsprophylaxe bei diagnostischen Untersuchungen oder nach chirurgischen Eingriffen am Harnwegssystem.

Offizielle Empfehlungen zum angemessenen Gebrauch von Antibiotika sollen beachtet werden, insbesondere Anwendungsempfehlungen zur Verhinderung zu Zunahme der Antibiotikaresistenz.

Dosierung/Anwendung

Akute Harnwegsinfekte

Erwachsene: 2–3mal täglich eine Kapsel Furadantin retard während 7–10 Tagen.

Chronische Harnweginfekte (Langzeitbehandlung)

Erwachsene: 1–2mal täglich eine Kapsel Furadantin retard über Wochen und Monate.

Korrekte Art der Einnahme

Nitrofurantoin soll der besseren Verträglichkeit wegen während oder unmittelbar nach den Mahlzeiten mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden.

Kinder

Furadantin retard ist für die Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren ungeeignet.

Kontraindikationen

Nitrofurantoin ist kontraindiziert:

  • Bei Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit gegen Nitrofurantoin oder andere Nitrofurane oder einen der sonstigen Bestandteile.
  • Bei Patienten mit Nierendysfunktion mit Kreatinin-Clearance unter 60 ml/min oder mit erhöhtem Kreatinin-Plasmaspiegel.
  • Bei Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase Mangel (s. «Schwangerschaft/Stillzeit»).
  • Bei akuter Porphyrie.
  • Bei Säuglingen unter 3 Monaten sowie am Ende der Schwangerschaft (während Wehen und Entbindung) wegen der theoretischen Möglichkeit einer hämolytischen Anämie beim Föten oder Neugeborenen (unter 3 Monaten), infolge unreifes Erythrozyten-Enzymsystems.

Oligurie, Anurie. Polyneuropathie, Neuritis. Lungenfibrose.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Nitrofurantoin sollte nur bei normaler Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance-Werte von über 60 ml/min) verabreicht werden und wenn risikoärmere Antibiotika und Chemotherapeutika nicht einsetzbar sind.

Bei renalen Eliminationsstörungen ist grösste Vorsicht geboten, da ungenügende Elimination zur Kumulation führen kann, gleichzeitig aber die Wirkstoffkonzentration im Harn wesentlich eingeschränkt wird.

Bei einer Langzeittherapie ist die Lungenfunktion des Patienten (insbesondere bei älteren Patienten) regelmässig zu kontrollieren. Die frühzeitige Erkennung von Nitrofurantoin-induzierten Überempfindlichkeitsreaktionen der Lunge und gegebenenfalls sofortiges Absetzen der Nitrofurantoin-Behandlung sind wichtig, um die Progression zu erschweren und potentiell irreversible Schäden zu vermeiden.

Chronische Lungenreaktionen (Lungenfibrose und diffuse interstitielle Pneumonie inbegriffen) können sich unbemerkt entwickeln und bei älteren Patienten häufig auftreten.

Bei rezidivierenden oder schweren Fällen sollte ein chirurgischer Infektionsgrund ausgeschlossen werden.

Da vorbestehende Zustände Lungen- oder Leber-Nebenwirkungen maskieren können, sollte Nitrofurantoin bei Patienten mit Lungenkrankheiten, Leberfunktionsstörungen, Nervenbeschwerden und allergische Diathese mit Vorsicht angewendet werden.

Eine periphere Neuropathie und eine Anfälligkeit für periphere Neuropathie, die schwer oder irreversibel werden kann, wurden beobachtet und können lebensbedrohend werden. Bei den ersten Anzeichen von Nervenbefall (Parästhesie) ist die Behandlung abzusetzen.

Vorsicht ist geboten bei Anämie, Diabetes mellitus, Elektrolytstörungen, motorischer Schwäche und Vitamin-B-Mangel (insbesondere Folatmangel), weil in diesen Fällen das Risiko einer peripheren Neuropathie erhöht ist. Nitrofurantoin ist bei den ersten Anzeichen von Kribbeln oder Taubheit in den Extremitäten sofort abzusetzen.

Patienten sollten für Zeichen einer Hepatitis eng überwacht werden (insbesondere bei länger dauernder Anwendung).

Nach Nitrofurantoin-Anwendung kann der Harn gelb oder braun gefärbt sein.

Bei mit Nitrofurantoin behandelten Patienten kann es zu falsch positiven Harnglukose-Tests kommen, wenn auf reduzierende Substanzen im Harn geprüft wird.

Bei Patienten mit vermuteter Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase Mangel ist Nitrofurantoin bei den ersten Anzeichen von Hämolyse abzusetzen.

Gastrointestinale Reaktionen können herabgesetzt werden, indem man das Arzneimittel mit Nahrung oder Milch einnimmt, oder durch Anpassung der Dosierung.

Bei einer Langzeittherapie ist der Patient um Auftreten von Leber- oder  Lungensymptomen oder anderem Toxizitätsbeweis eng zu überwachen.

Kontrollen des Blutbildes, der Nieren- und Leberfunktion wie auch neurologische Untersuchungen sind bei länger dauernder Therapie unbedingt durchzuführen.

Beim Auftreten von Lungen-, Leber-, Blut- oder Nervensyndromen, die nicht anders erklärbar sind, ist Nitrofurantoin abzusetzen.

Nicht indiziert ist Nitrofurantoin bei Harnwegsinfektionen, die mit Parenchymbeteiligung und/oder Bakteriämie einhergehen können (Pyelonephritis, akute Zystitis beim Mann) sowie bei Urethritis (die meist durch Gonokokken, Chlamydien und/oder Mykoplasmen bedingt ist) oder Prostatitis (nicht ausreichende Penetration von Nitrofurantoin in das Prostatasekret).

Bei Anwendung von Nitrofurantoin kann es zum Überwuchern mit nicht empfindlichen Keimen (insbesondere Pseudomonas) kommen. Beim Auftreten solcher Superinfektionen muss eine entsprechende Therapie eingeleitet werden.

Interaktionen

Nitrofurantoin antagonisiert in vitro die Wirksamkeit von Nalidixinsäure und anderen Gyrasehemmern, wobei die klinische Relevanz dieser Interaktion unklar ist.

Nitrofurantoin kann die Plasmakonzentrationen von Phenytoin erniedrigen, wodurch die Wirksamkeit von Phenytoin reduziert sein kann.

Propanthelin erhöht die Harnkonzentration von Nitrofurantoin, wahrscheinlich infolge einer Absorptionsverbesserung durch Hemmung der Magenentleerung.

Die gleichzeitige Anwendung von Sulfinpyrazon oder Probenecid kann die renale Exkretion hemmen und somit zu einer Wirkungsverminderung und Toxizitätssteigerung von Nitrofurantoin führen.

Magnesiumtrisilikat-Antacida können die Absorption von Nitrofurantoin vermindern und sollten deshalb nicht gleichzeitig, sondern mindestens 1 Stunde später verabreicht werden.

Durch Interaktion mit Natriumbicarbonat, Natriumlaktat und anderen harnalkalisierenden Pharmaka ist die Wirkung von Nitrofurantoin vermindert.

Die antibakterielle Wirkung wird durch Carboanhydrasehemmer und Harnalkalisierung vermindert.

Wechselwirkung mit gewissen Testen zur Harnglukose.

Da Nitrofurantoin zur Gruppe antibakterieller Mitteln gehört sind folgende Interaktionen zu erwarten:

  • Östrogene: Wie mit anderen Antibiotika kann Nitrofurantoin die Darmflora beeinträchtigen, was zu einer niedrigeren Östrogenabsorption und zu einer verminderten Wirksamkeit von Östrogen-enthaltenden Kontrazeptiva führt. Deshalb sind Patientinnen sachgemäss zu warnen und extra kontrazeptive Vorsichtsmassnahmen anzuwenden.
  • Oraler Typhusimpfstoff wird durch antibakterielle Mittel inaktiviert.

Schwangerschaft/Stillzeit

Es liegen keine hinreichenden Daten für die Anwendung von Nitrofurantoin bei Schwangeren vor. Tierexperimentelle Studien haben Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe «Präklinische Daten»). Die Anwendung in der Schwangerschaft ist während des letzten Trimenons kontraindiziert (Gefahr der hämolytischen Anämie beim Neugeborenen). In den ersten 6 Monaten der Schwangerschaft darf Furadantin retard nicht verwendet werden, es sei denn, es ist eindeutig erforderlich.

Wegen des möglichen Risikos einer Hämolyse der unreifen Erythrozyten des Neugeborenen wird Nitrofurantoin jedoch bei Säuglingen unter 3 Monaten sowie am Ende der Schwangerschaft (während Wehen und Entbindung) kontraindiziert.

Das Stillen von Säuglingen, welche vermuteterweise oder bekanntermassen an Erythrozyten Enzym-Mangel (G6PD-Mangel inbegriffen) leiden, ist zu vermeiden, da Nitrofurantoin in Spuren in der Muttermilch nachgewiesen wird.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Dieses Arzneimittel kann auch bei bestimmungsgemässem Gebrauch das Reaktionsvermögen so weit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Strassenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem Masse im Zusammenhang mit Alkohol.

Unerwünschte Wirkungen

Häufigkeit: «Sehr häufig» (≥1/10), «häufig» (≥1/100, <1/10), «gelegentlich» (≥1/1000, <1/100), «selten» (≥1/10’000, <1/1000), «sehr selten» (<1/10’000).

Blut und Lymphsystem

Selten: Agranulozytose, Eosinophilie, Leukopenie, Granulozytopenie, hämolytische Anämie, Glucose-6-phophat-Dehydrogenase-Mangel, Thrombozytopenie und megaloblastäre Anämie. Aplastische Anämie. Der Blutspiegel normalisierte sich im Allgemeinen nach Behandlungsabbruch.

Immunsystem

Selten: Exfoliative Dermatitis und Erythema multiforme (Stevens-Johnson- Syndrom inbegriffen). Lyell-Syndrom, anaphylaktischer Schock nach Nitrofurantoin, Autoimmunreaktionen nach Nitrofurantoin, meistens im Zusammenhang mit chronischen Lungen- oder Leberreaktionen.

Allergische Hautreaktionen wie makulopapulöse, erythematöse oder ekzematöse Ausschläge, Urtikaria, Rash, angioneurotisches Ödem und Pruritus.

Lupus-ähnlichen Syndrom, der mit Lungenreaktionen zu Nitrofurantoin verbunden ist.

Andere Überempfindlichkeitsreaktionen erfassen Anaphylaxie, Arzneimittelfieber und Arthralgien.

Nervensystem

Gelegentlich: Periphere Neuropathie (Sehnerventzündung inbegriffen) mit Symptomen sensorischer sowie motorischer Auswirkung, die stark oder irreversibel werden kann.

Weniger häufige Reaktionen unbekannter Ursache: Depression, Euphorie, Konfusion, psychotische Reaktionen, Nystagmus, Schwindel, Asthenie, Kopfschmerzen und Schläfrigkeit. Die Behandlung ist beim ersten Anzeichen neurologischer Auswirkung abzusetzen.

Atmungsorgane

Beim Auftreten irgendeiner der folgenden respiratorischen Reaktionen ist die Behandlung mit Furadantin retard abzusetzen.

Gelegentlich: allergische Lungeninfiltration (sog. Nitrofurantoin-Pneumonie) mit Hustenanfällen, Atembeschwerden, retrosternalem Schmerz; kann selten, insbesondere bei Dauertherapie, in eine irreversible Lungenfibrose übergehen.

Man unterscheidet eine akute, subakute und chronische Form der Lungenreaktion.

Die akute Form tritt unter dem Bild eines allergischen Lungenödems mit plötzlicher Atemnot, Husten, Fieber und besonders Lungeninfiltrationen (Nitrofurantoin-Pneumonie) meist einige Stunden nach der letzten Einnahme von Nitrofurantoin auf. Nach Absetzen des Arzneimittels klingt das Krankheitsbild nach 2–3 Wochen ab.

Die subakute Form, welche normalerweise etwa 1 Monat nach einer Nitrofurantoin-Therapie auftreten kann, ist gekennzeichnet durch Dyspnoe, Orthopnoe, Fieber, persistierenden Husten und interstitielle Pneumonitis und/oder Lungenfibrose; Fieber und Eosinophilie sind jedoch seltener zu beobachten. Die Besserung nach Absetzen des Arzneimittels verläuft langsamer.

Die Symptome der chronischen Form, die nach etwa 6 Monaten der Nitrofurantoin-Therapie auftreten können, sind dieselben der subakuten Form. Die Symptome und Schäden sind nur partiell reversibel.

Gastrointestinale Störungen

Übelkeit und Anorexie wurden gemeldet.

Gelegentlich: Erbrechen, Bauchschmerzen und Diarrhö.

Selten: Pankreatitis.

Leber und Galle

Selten: Hepatische Reaktionen, cholestatische Gelbsucht und chronisch aktive Hepatitis inbegriffen Todesfälle wurden gemeldet. Cholestatische Gelbsucht ist üblicherweise mit kurzen (bis 2 Wochen) Behandlungen verbunden. Eine chronisch aktive Hepatitis, gelegentlich zu hepatischer Nekrose führend, ist üblich mit langen (über 6 Monate) Behandlungen verbunden; sie kann schleichend und zunächst unbemerkt beginnen. Beim ersten Zeichen einer Hepatotoxizität ist die Behandlung abzusetzen.

Haut

Selten: Erythema nodosum und vorübergehender Haarausfall.

Nieren und Harnwege

Selten: Kristallurie.

Reproduktionssystem

Selten: reversible Störungen der Spermatogenese durch Schädigung der Epithelien der Samenkanälchen.

Allgemeine Störungen

Selten: Parotitis.

Sonstiges

Benigne intrakranielle Hypertension.

Wie mit anderen Antibiotika sind zusätzliche Infektionen durch Pilze oder resistente Keime wie Pseudomonas möglich.

Überdosierung

Eine Überdosierung kann zu vermehrtem Auftreten von Nebenwirkungen insbesondere Brechreiz, Erbrechen, Kopfschmerzen und Schwindel führen.

Bei akuter Intoxikation soll eine Magenspülung vorgenommen werden. Bei bereits erfolgter Resorption ist Nitrofurantoin, falls erforderlich, haemodialysierbar.

Überwachung des Blutbildes, der Leberfunktionsteste und Lungenfunktion wird empfohlen. Eine höhe Flüssigkeitseinnehme sollte eingehalten werden, um Harnausscheidung zu fördern.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: J01XE01

Nitrofurantoin ist ein gegen die meisten Erreger von Harnwegsinfektionen wirksames Antibiotikum. Er wirkt als Bakterizid in Nierengeweben und im Harntrakt. Das Spektrum der empfindlichen Keimen umfasst Escherichia coli, Enteroccus faecalis, Klebsiella species, Enterobacter species, Staphylococcus species (z.B. S. aureus, S. saprophyticus, S. epidermidis).

Klinisch sind die üblichsten Harnpathogene Nitrofurantoin-empfindlich.

Gewisse Stämme von Enterobacter und Klebsiella sind resistent. Nitrofurantoin ist gegen die meisten Stämmen von Proteus species oder Serratia species, sowie gegen Pseudomonas species unwirksam.

Der detaillierte Wirkmechanismus von Nitrofurantoin ist nicht genau bekannt. Seine Wirkung beruht wahrscheinlich auf der Interferenz mit verschiedenen Enzymsystemen der Bakterien (Eingriff in die Proteinsynthese). Der Wirkungstyp ist in niedrigen Konzentrationen primär bakteriostatisch und in höheren bakterizid auf proliferierende und ruhende Erreger. Antibakteriell wirksame Konzentrationen werden nur im Inneren der ableitenden Harnwege erreicht, nicht jedoch im Blut oder in anderen Geweben.

In-vitro-Empfindlichkeitsspektrum

Empfindliche Keime (MHK90 <32 µg/ml)

Enterococci, E. coli, Citrobacter sp., Streptococcus Gruppe B, Staphylococcus aureus, Staphylococcus epidermidis, Salmonella sp.; sowie Bacteroides sp. und Streptococcus pneumoniae, die jedoch selten Ursache für Infektionen im Harnwegssystem sind.

Teilweise oder mässig empfindliche Keime (MHK90 = 32–128 µg/ml)

Enterobacter sp., Klebsiella pneumoniae.

Resistente Keime (MHK90 >128 µg/ml)

Pseudomonas aeruginosa, Proteus sp., Pseudomonas cepacia, Providencia sp., Serratia sp., Acinetobacter.

Bei durch mässig empfindliche Keime verursachten Infektionen ist die Durchführung eines Empfindlichkeitstestes zu empfehlen, um eine eventuelle Resistenz ausschliessen zu können.

Resistenz/Kreuzresistenz

Unter der Therapie entwickelt sich eine Resistenz nur langsam und schrittweise. Gewisse Stämme von Enterobacter und Klebsiella sind resistent, während Acinetobacter, Providencia, Pseudomonas und Serratia allgemein immer resistent sind.

Eine Kreuzresistenz mit anderen Nitrofuranen kann auftreten; mit anderen antibakteriell wirksamen Substanzen ist jedoch bis heute keine Kreuzresistenz bekannt geworden.

Pharmakokinetik

Absorption

Nitrofurantoin wird schnell und fast vollständig aus dem Dünndarm resorbiert. Die makrokristalline Form wird langsamer freigesetzt, wodurch hohe lnitialkonzentrationen im Serum vermieden werden und Magenunverträglichkeiten seltener vorkommen als bei der üblichen mikrokristallinen Form. Therapeutisch wirksame Serumspiegel werden nach Standard-Dosen nicht erreicht. Nach einer Einmalgabe von 100 mg Furadantin retard betrug die mittlere maximale Plasmakonzentration 460 ng/ml. Die maximal erreichten Urinkonzentrationen lagen zwischen 13 und 88 ng/ml und wurden zumeist nach 2–6 Stunden erreicht.

Distribution

Das Verteilungsvolumen beträgt 0,3–0,7 l/kg, die Plasmaproteinbindung ca. 50–60%.

Nitrofurantoin passiert die Plazenta und geht in die Muttermilch über.

Metabolismus

Im Organismus findet eine rasche Metabolisierung statt. Ca. 40–50% werden in der Leber durch Glucuronidierung und N-Acetylierung inaktiviert.

Elimination

Die Ausscheidung von Nitrofurantoin erfolgt hauptsächlich über die Nieren. Ca. 40% der verabreichten Dosis erscheint unverändert im Urin. Die restlichen 60% werden u.a. in der Leber metabolisiert. Nitrofurantoin wird zu 16,7% glomerulär filtriert und zu 83,3% tubulär sezerniert. Die Rückresorption ist abhängig vom pH-Wert des Urins. Nitrofurantoin unterliegt als schwache Säure der nicht-ionischen Diffusion. Bei zunehmender Harnsäuerung wird ein erheblicher Teil der proximal ausgeschiedenen Menge in den distalen Nephronabschnitten rückresorbiert, während ein Alkalisieren des Urins höhere Nitrofurantoin-Konzentrationen im Urin zur Folge hat. Ein Alkalisieren des Urins zur Behandlung von Harnwegsinfektionen ist jedoch wenig sinnvoll, da die antibakterielle Wirksamkeit von Nitrofurantoin dadurch herabgesetzt wird. Bei Personen mit normaler Nierenfunktion beträgt die Serumhalbwertszeit nur 20 Minuten.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Bei Patienten mit stark eingeschränkter Nierenfunktion kumuliert Nitrofurantoin im Serum, die Plasmahalbwertszeit beträgt dann bis zu 1 Stunde. Bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance unter 60 ml/min darf Nitrofurantoin nicht gegeben werden, da Kumulationsgefahr und Wirkungsverlust zu erwarten sind.

Präklinische Daten

Mutagenese

Nitrofurantoin induziert bei bestimmten Arten von Salmonella typhimurium Punktmutationen und bei L5178Y Maus-Lymphona-Zellen Forward-Mutationen. In den CHO-Zellen induzierte Nitrofurantoin eine verstärkte Zahl von Schwesterchromotidfärbungen und Chromosomaberrationen, nicht aber in menschlichen Zellkulturen.

Die Ergebnisse des geschlechtsbasierten rezessiven letalen Assays für Drosophila nach Verabreichung von Nitrofurantoin-Gaben durch Füttern oder Einspritzen fielen negativ aus. Bei den Nagetierversuchstieren verursachte Nitrofurantoin keine vererbbare Mutation.

Kanzerogenität

Nitrofurantoin führte zu verstärktem Auftreten von Tubular-Adenoma, benignen Mischtumoren und Granulosa-Eierstockzelltumoren in Mäusen. In einer Studie, in der schwangeren weiblichen Mäusen 75 mg/kg Nitrofurantoin subkutan verabreicht wurde, wurden in der F1 Generation Papillar-Adenoma von unbekannter Schwere festgestellt. In männlichen Ratten wurde eine erhöhte Inzidenz verstärktes Auftreten ungewöhnlicher Tubuluszellen-Neoplasmen an der Niere, Knochensarkomen und Neoplasmen des Unterhautgewebes beobachtet.

Reproduktionstoxitizät

In tierexperimentellen Untersuchungen wurde eine erhöhte Missbildungsrate beobachtet.

Sonstige Hinweise

Beeinflussung diagnostischer Methoden

Nitrofurantoin ergibt falsch-positive Resultate für den Zuckernachweis mit Kupfersulfat-Lösung (Benedikt-Reagenz, Clinitest). Glukose-Oxidase-Methoden werden nicht beeinflusst (Clinistix, Tes-Tape).

Durch eine mögliche gelbbraune Verfärbung des Urins kann es zu erhöhten oder falsch-positiven Laborwerten (Bilirubin, Harnstoff-N im Blut) kommen.

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «Exp» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Das Arzneimittel muss in der Originalpackung bei Raumtemperatur (15–25 °C) gelagert werden. Es ist ausser Reichweite von Kindern aufzubewahren.

Zulassungsnummer

34921 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Vifor SA, Villars-sur-Glâne.

Stand der Information

März 2013.

Verwendung dieser Informationen

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