Tradonal One Ret Tabl 200 Mg 50 Stk

Tradonal One Ret Tabl 200 Mg 50 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Tramadoli hydrochloridum.

Hilfsstoffe: Excip. pro compresso obducto.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 Retard-Tablette enthält 150 mg, 200 mg, 300 mg bzw. 400 mg Tramadoli hydrochloridum.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Mittelstarke bis starke prolongierte Schmerzen bzw. bei ungenügender Wirksamkeit nicht-opioider Analgetika.

Dosierung/Anwendung

Die Dosierung und Therapiedauer sind abhängig von der Stärke der Schmerzen und sollten individuell angepasst werden.

Die Tabletten retard werden 1× täglich, in Abständen von 24 Stunden mit etwas Flüssigkeit eingenommen. Nicht zerkauen oder zerkleinern.

Erwachsene und Kinder über 14 Jahre: Die Initialdosis beträgt normalerweise 1 Tradonal ONE 150 mg Retard-Tablette 1× täglich. Bei ungenügender Wirksamkeit oder Zunahme der Schmerzen ist eine Steigerung der Dosis erforderlich. Die korrekte Dosierung für einen Patienten ist die, welche genügt, um den Schmerz für volle 24 Stunden ohne oder mit erträglichen Nebenwirkungen zu kontrollieren.

Bei Umstellung von normal freisetzenden Tramadolpräparaten auf Tradonal ONE Retard-Tabletten wird die Tagesdosis berechnet und mit der nahestmöglichen Dosis der Tradonal ONE Retard-Tabletten gestartet (1:1 Wechsel). Anschliessend kann eine Dosistitration notwendig sein.

Dosissteigerungen sollten langsam erfolgen, um vorübergehende Nebenwirkungen zu verringern. Eine Tagesdosis von 400 mg sollte nicht überschritten werden, ausser in speziellen Situationen.

Kinder

Für Kinder unter 14 Jahren aufgrund der Dosisstärke nicht geeignet.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Bei Patienten mit Nieren- oder Leberinsuffizienz oder älteren Patienten kann die Eliminationshalbwertszeit verlängert sein. Eine Dosisreduktion kann angebracht sein. Dosissteigerungen sollten sorgfältig überwacht werden.

Wenn der Patient seine Tabletteneinnahme zur üblichen Zeit vergisst, so kann er diese innerhalb von 16 Stunden nachholen und im bisherigen Zeitplan weiterfahren. Ist der Einnahmezeitpunkt um mehr als 16 Stunden verpasst, so ist die Zeit bis zum nächsten Einnahmezeitpunkt mit Reservemedikation zu überbrücken.

Kontraindikationen

Tradonal ONE darf nicht angewendet werden bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Tramadol oder einen der Hilfsstoffe, bei akuten Alkohol-, Schlafmittel-, Analgetika- oder Psychopharmakaintoxikationen sowie bei Patienten, die MAO-Hemmer (inkl. Selegilin) erhalten oder innerhalb der letzten 14 Tage angewendet haben (siehe «Interaktionen»).

Tramadol darf nicht bei Epilepsie angewendet werden, die durch Behandlung nicht ausreichend kontrolliert werden kann.

Tradonal ONE darf nicht zur Drogensubstitution angewendet werden. Obwohl Tramadol ein Opiatagonist ist, kann es Morphinentzugssymptome nicht unterdrücken.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Nicht geeignet für Kinder unter 14 Jahren.

Tradonal ONE darf nur unter besonderer Vorsicht angewendet werden bei Abhängigkeit von Opioiden, Kopfverletzungen, Schock, Bewusstseinsstörungen unklarer Genese, Störungen des Atemzentrums und der Atemfunktion, Zuständen mit erhöhtem Hirndruck.

Bei Patienten, die auf Opiate empfindlich reagieren, soll das Arzneimittel nur mit Vorsicht angewendet werden.

Bei der Einnahme von Tramadol in der empfohlenen Dosis ist über Krampfanfälle berichtet worden. Ein erhöhtes Risiko kann bei der Verabreichung von Dosierungen bestehen, die über die empfohlene Tagesdosis (400 mg) hinausgehen. Patienten, die an Epilepsie leiden oder zu Krampfanfällen neigen, sollen nur in zwingenden Ausnahmefällen mit Tramadol behandelt werden (siehe «Unerwünschte Wirkungen, Nervensystem»). Es wurden zerebrale Krampfanfälle beobachtet, welche überwiegend bei der gleichzeitigen Einnahme von Arzneimitteln auftraten, welche die Krampfschwelle erniedrigen, oder die adrenerge Effekte im Bereich des ZNS verursachen können, wie trizyklische Antidepressiva, Neuroleptika, MAO-Hemmer und Serotonin-Reuptake-Inhibitoren.

In wenigen Einzelfällen wurde im zeitlichen Zusammenhang mit der therapeutischen Anwendung von Tramadol in Kombination mit anderen serotoninerg wirkenden Arzneimitteln wie z.B. selektiven Serotonin-Reuptake-Inhibitoren (SSRIs) über ein Serotonin-Syndrom berichtet (siehe «Interaktionen»).

Tramadol hat ein geringes Abhängigkeitspotential. Bei längerem Gebrauch können sich Toleranz, psychische und physische Abhängigkeit entwickeln.

Bei Patienten, die zu Arzneimittelmissbrauch oder Medikamentenabhängigkeit neigen, ist daher eine Behandlung mit Tradonal ONE nur kurzfristig und unter strengster ärztlicher Kontrolle durchzuführen. Tradonal ONE eignet sich nicht als Ersatzdroge bei Opiat-Abhängigkeit. Obwohl Tramadol ein Opiat-Agonist ist, kann es Morphinentzugssymptome nicht unterdrücken (siehe «Kontraindikationen»).

Bei Patienten mit vorausgegangener Opiatabhängigkeit wurden Rückfälle unter Tradonal ONE beobachtet.

Interaktionen

Bei gleichzeitiger Anwendung von Tradonal ONE und Substanzen, die ebenfalls dämpfend auf das zentrale Nervensystem wirken, einschliesslich Alkohol, ist mit einer gegenseitigen Verstärkung der zentralen Effekte zu rechnen.

Bei der Kombination von Tramadol mit z.B. Barbituraten wird tierexperimentell eine Verlängerung der Narkosedauer beobachtet. Zugleich darf aber bei der Kombination von Tradonal ONE mit z.B. einem Tranquilizer ein günstiger Effekt auf das Schmerzempfinden erwartet werden.

Bei gleichzeitiger oder vorheriger Applikation von Cimetidin ist aufgrund vorliegender pharmakokinetischer Ergebnisse nicht mit klinisch relevanten Wechselwirkungen zu rechnen.

Bei gleichzeitiger oder vorheriger Gabe von Carbamazepin können eine Verringerung des analgetischen Effekts und eine Verkürzung der Wirkungsdauer eintreten.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Tramadol und Cumarin-Derivaten (z.B. Warfarin) sollten die Patienten sorgfältig überwacht werden, da bei einigen Patienten verminderte Quick-Werte und Ekchymosen beobachtet wurden.

Andere CYP3A4-hemmende Substanzen, wie Ketoconazol und Erythromycin, können sowohl den Metabolismus von Tramadol (N-Demethylierung) als auch möglicherweise den des aktiven O-demethylierten Metaboliten hemmen. Die klinische Bedeutung dieser Interaktion ist nicht bekannt.

Tramadol kann Krampfanfälle auslösen und das krampfauslösende Potential von selektiven Serotonin-Reuptake-Inhibitoren, trizyklischen Antidepressiva, Antipsychotika und anderen die Krampfschwelle herabsetzenden Arzneimitteln erhöhen.

Tradonal ONE darf nicht mit MAO-Hemmern kombiniert werden.

In wenigen Einzelfällen wurde in zeitlichem Zusammenhang mit der therapeutischen Anwendung von Tramadol in Kombination mit anderen serotoninerg wirkenden Arzneimitteln wie z.B. selektiven Serotonin-Reuptake-Inhibitoren (SSRIs) über ein Serotonin-Syndrom berichtet. Anzeichen für ein Serotonin-Syndrom können zum Beispiel Verwirrung, Agitation, Fieber, Schwitzen, Ataxie, übermässige Reflexerregbarkeit, Myoklonus und Diarrhoe sein. Das Absetzen der Arzneimittel mit serotoninergen Eigenschaften bringt hierbei in der Regel rasche Besserung. Die medikamentöse Therapie richtet sich nach Art und Schwere der aufgetretenen Symptome.

Schwangerschaft/Stillzeit

Tierstudien mit Tramadol zeigten bei sehr hohen Dosen Auswirkungen auf Organentwicklung, Knochenwachstum und Sterblichkeitsrate bei Neugeborenen. Teratogene Wirkungen wurden nicht beobachtet. Tramadol überwindet die Plazenta. Über die Unbedenklichkeit von Tramadol in der Schwangerschaft beim Menschen liegen keine ausreichenden Beweise vor. Deshalb sollte Tradonal ONE nicht an schwangere Frauen verabreicht werden.

Tramadol beeinflusst – vor oder während der Geburt – die Kontraktionsfähigkeit des Uterus nicht. Beim Neugeborenen kann es zu in der Regel klinisch nicht relevanten Veränderungen der Atemfrequenz führen. Tramadol wird etwa zu einem Anteil von 0,1% der mütterlichen Plasmakonzentration während der Stillzeit mit der Muttermilch ausgeschieden. Tradonal ONE sollte nicht an stillende Frauen verabreicht werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Tramadol kann auch bei bestimmungsgemässem Gebrauch das Reaktionsvermögen verändern. Die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Strassenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen kann beeinträchtigt werden. Dies gilt in verstärktem Masse in Kombination mit Alkohol oder anderen psychotrop wirkenden Substanzen.

Unerwünschte Wirkungen

Als häufigste Nebenwirkungen treten bei jeweils über 10% der Patienten Übelkeit und Schwindel auf.

Nervensystem

Sehr häufig (>10%): Schwindel (14%).

Häufig (1–10%): Kopfschmerzen, Benommenheit.

Selten (0,01–0,1%): Appetitveränderungen, Parästhesien, Tremor, Atemdepression, epileptiforme Krämpfe.

Bei erheblicher Überschreitung der empfohlenen Dosierungen und bei gleichzeitiger Anwendung von anderen zentraldämpfenden Substanzen (siehe «Interaktionen») kann eine Atemdepression auftreten.

Epileptiforme Krampfanfälle traten überwiegend nach hoher Tramadol-Dosierung auf oder nach gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln, welche die Krampfschwelle erniedrigen können (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» und «Interaktionen»).

Psychiatrische Störungen

Selten (0,01–0,1%): Halluzinationen, Verwirrtheit, Schlafstörungen und Albträume.

Nach Anwendung von Tradonal ONE können verschiedenartige psychische Nebenwirkungen auftreten, die hinsichtlich Stärke und Art individuell unterschiedlich (je nach Persönlichkeit und Medikationsdauer) in Erscheinung treten. Darunter sind Stimmungsveränderungen (meist gehobene Stimmung, gelegentlich Dysphorie), Veränderungen der Aktivität (meist Dämpfung, gelegentlich Steigerung) und Veränderungen der kognitiven und sensorischen Leistungsfähigkeit (z.B. Entscheidungsverhalten, Wahrnehmungsstörungen).

Es kann zu einer Abhängigkeit kommen.

Augen

Selten (0,01–0,1%): Verschwommene Sicht.

Herz und Gefässe

Gelegentlich (0,1–1%): Beeinflussung der Kreislaufregulation (Herzklopfen, Tachykardie, orthostatische Hypotonie oder Kreislaufkollaps). Diese unerwünschten Wirkungen können insbesondere bei aufrechter Körperhaltung, intravenöser Applikation und bei Patienten auftreten, die körperlich belastet werden.

Selten (0,01–0,1%): Bradykardie, erhöhter Blutdruck.

Atmungsorgane

Über eine Verschlimmerung von Asthma wurde berichtet. Ein Kausalzusammenhang konnte jedoch nicht hergestellt werden.

Gastrointestinale Störungen

Sehr häufig (>10%): Übelkeit (15%).

Häufig (1–10%): Erbrechen (9%), Obstipation, Mundtrockenheit.

Gelegentlich (0,1–1%): Brechreiz, gastrointestinale Irritationen (z.B. Magendruck, Völlegefühl).

Leber und der Galle

Sehr selten (<0,01%) wurde im zeitlichen Zusammenhang mit der therapeutischen Anwendung von Tramadol über Leberenzymwerterhöhungen berichtet.

Haut

Häufig (1–10%): Schwitzen.

Gelegentlich (0,1–1%): Hautreaktionen (z.B. Juckreiz, Hautrötung, Urtikaria).

Sehr selten (<0,01%): sind in zeitlichem Zusammenhang mit der Gabe von Tramadol schwerwiegende Hautreaktionen wie das Stevens-Johnson-Syndrom und die toxisch, epidermale Nekrolyse aufgetreten. Zumeist waren hiervon multimorbide Patienten betroffen, die unter multipler medikamentöser Therapie standen.

Muskelskelettsystem

Selten (0,01–1%): motorische Schwäche.

Nieren und Harnwege

Selten (0,01–0,1%): Miktionsstörungen (Schwierigkeiten beim Wasserlassen und Harnverhalten).

Allgemeine Störungen

Selten (0,01–0,1%): Allergische Reaktionen (z.B. Dyspnoe, Bronchospasmus, Giemen, angioneurotisches Ödem) und Anaphylaxie.

Symptome einer Entzugsreaktion, ähnlich wie bei Opiaten, können auftreten. Solche Symptome sind: Agitation, Ängstlichkeit, Nervosität, Schlafstörungen, Hyperkinesie, Tremor und gastrointestinale Symptome.

Zu den weiteren Symptomen, die beim Absetzen von Tramadol in sehr seltenen Fällen (<0,01%) beobachtet wurden, gehören: Panikanfälle, starke Ängstlichkeit, Halluzinationen, Parästhesien, Tinnitus und ungewöhnliche ZNS-Symptome.

Überdosierung

Grundsätzlich ist bei Intoxikationen mit Tradonal ONE eine Symptomatik wie bei anderen Opioiden zu erwarten. Insbesondere ist mit Miosis, Erbrechen, Kreislaufkollaps, Benommenheit bis Bewusstseinsverlust, Koma, Krämpfen und Atemdepression bis Atemlähmung zu rechnen.

Es gelten die allgemeinen Notfallregeln zum Freihalten der Atemwege (Aspiration). Aufrechterhaltung von Atmung und Kreislauf je nach Symptomatik. Nach oraler Aufnahme von Tradonal ONE Magenentleerung durch Erbrechen (wacher Patient) oder Magenspülung. Als Antidot bei Atemdepression Naloxon. Bei Krämpfen war in tierexperimentellen Untersuchungen Naloxon wirkungslos; hier sollte Diazepam i.v. angewendet werden. Die Interaktion Opiat/Benzodiazepine muss in Betracht gezogen werden (Risiko einer Atemdepression).

Tramadol ist nur gering dialysierbar. Aus diesem Grund sind Hämodialyse oder Hämofiltration allein zur Behandlung der akuten Intoxikation mit Tradonal ONE nicht geeignet.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N02AX02

Wirkungsmechanismus, Pharmakodynamik

Der Wirkstoff Tramadol ist ein Cyclohexanol-Derivat. Die analgetische Wirkung erfolgt einerseits durch monoaminerge Effekte der Muttersubstanz Tramadol, andererseits durch agonistische Wirkung des aktiven Hauptmetaboliten O-Desmethyltramadol auf Opioid-Rezeptoren.

Die Wirkstärke wird mit 1⁄10–1⁄6 derjenigen von Morphin angegeben.

Pharmakokinetik

Absorption

Tramadol wird nach einmaliger, oraler Gabe rasch und nahezu vollständig resorbiert. Die absolute Bioverfügbarkeit beträgt nach oraler Applikation unabhängig von gleichzeitiger Nahrungsaufnahme im Mittel 68%.

Der First-Pass-Effekt stellt sich auf maximal 30% ein.

Nach oraler Applikation von 100 mg Wirkstoff in flüssiger Form beträgt nach 1,2 h (tmax) die maximale Plasmakonzentration Cmax 309 ± 90 ng/ml.

Nach Verabreichung einer Tradonal ONE 200 mg Retard-Tablette im Nüchternzustand wurde eine mittlere Cmax von 186 ng/ml nach einer mittleren tmax von 6 Stunden (Bereich 4–8 Stunden) erreicht. Die mittlere Cmin betrug 100,6 ng/ml.

Es besteht eine Korrelation zwischen Serumkonzentration und analgetischer Wirkung, jedoch mit grossen Abweichungen im Einzelfall. Eine Serumkonzentration von 100–300 ng/ml ist im Regelfall wirksam.

Distribution

Tramadol weist eine hohe Gewebeaffinität auf. Das Verteilungsvolumen beträgt 203 ± 40 l. Tramadol überwindet die Blut-Hirn-Schranke und die Plazenta. Die Plasmaeiweissbindung beträgt etwa 20%.

Metabolismus/Elimination

Die Eliminationshalbwertszeit t½β von Tramadol beträgt etwa 6 Stunden. Aufgrund der prolongierten Absorption bei Tradonal ONE Retard-Tabletten beträgt hier die Eliminationshalbwertszeit ca. 16 Stunden.

Bei Patienten über 65 Jahren ist sie geringfügig verlängert.

Tramadol wird im Wesentlichen durch N- und O-Demethylierung sowie durch Konjugation der O-Demethylierungsprodukte mit Glukuronsäure metabolisiert. Nur O-Desmethyltramadol ist pharmakologisch aktiv, tritt im Blut aber in geringerer Konzentration auf als Tramadol selbst. Bei den weiteren Metaboliten bestehen in quantitativer Hinsicht beträchtliche interindividuelle Unterschiede. Im Urin wurden bisher 11 Metaboliten gefunden. Nach tierexperimentellen Befunden übertrifft O-Desmethyltramadol die Wirkungsstärke der Muttersubstanz um den Faktor 2–4. Seine Halbwertszeit t½β (6 gesunde Probanden) beträgt 7,9 h (Range 5,4–9,6 h) und liegt in der gleichen Grössenordnung wie Tramadol. Die scheinbare Eliminationshalbwertszeit von O-Desmethyltramadol nach Einmalgabe von Tradonal ONE Retard-Tabletten beträgt im Mittel 21,5 Stunden.

Tramadol und seine Metaboliten werden fast vollständig renal ausgeschieden. Die kumulative Urinausscheidung beträgt 90% der Gesamtradioaktivität der verabfolgten Dosis.

Bioverfügbarkeit von Tradonal ONE Retard-Tabletten verglichen mit schneller freisetzenden Präparaten

Nach Einmalgabe konnte eine lineare Pharmakokinetik von Tramadol und O-Desmethyltramadol nach Einnahme von Tradonal ONE 200, 300 und 400 mg Retard-Tabletten gezeigt werden. In einer Steady-State-Studie wurde Bioequivalenz zwischen 150 mg und 200 mg Tabletten nachgewiesen. Diese Studie zeigte auch, dass Tradonal ONE 150 mg Retard-Tabletten im Vergleich zu einer normal freisetzenden Tramadol 50 mg Kapsel (Einnahme alle 8 Stunden) eine equivalente Bioverfügbarkeit haben.

Eine weitere Steady-State-Studie hat gezeigt, dass eine Applikation von normal freisetzenden Kapseln alle 6 Stunden zu höheren Plasmakonzentrationen führt als aufgrund von Single-Dose-Studien erwartet. Diese Beobachtung ist die Folge einer nicht-linearen Elimination von Tramadol. Im Gegensatz dazu sind die Steady-State-Konzentrationen von Tradonal ONE 200 mg Retard-Tabletten 1× täglich mit Single-Dose-Daten konsistent. Das bedeutet, dass die kontrollierte Freisetzung aus Tradonal ONE Retard-Tabletten die nicht-lineare Kinetik bei schneller freisetzenden Präparaten minimiert, was die Dosistitration vereinfachen kann.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Bei Störungen der Leber- oder Nierenfunktion muss mit einer Verlängerung der Halbwertszeit gerechnet werden, die jedoch relativ gering ist, solange eines dieser beiden Ausscheidungsorgane weitgehend intakt ist. Bei Patienten mit Leberzirrhose wurden Eliminationshalbwertszeiten von 13,3 ± 4,9 h (Tramadol) bzw. 18,5 ± 9,4 h (O-Desmethyltramadol), im Extremfall von 22,3 h bzw. 36 h bestimmt. Bei Patienten mit Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance <5 ml/min) betrugen die Werte 11 ± 3,2 h bzw. 16,9 ± 3 h, im Extremfall 19,5 h bzw. 43,2 h.

Bei niereninsuffizienten Patienten wurde nach Einnahme von Tradonal ONE Retard-Tabletten eine höhere Bioverfügbarkeit von Tramadol verglichen zu gesunden Probanden festgestellt. Schwere Niereninsuffizienz scheint die im Urin ausgeschiedene Menge Tramadol und O-Desmethyltramadol zu verringern.

Bei schwerer Niereninsuffizienz ist vorsichtig zu dosieren.

Tramadol wird nur sehr langsam durch Hämodialyse oder Hämofiltration entfernt.

Präklinische Daten

Bei wiederholter oraler und parenteraler Applikation von Tramadol über 6 bis 26 Wochen an Ratten und Hunden sowie oral über 12 Monate an Hunden ergaben die hämatologischen, klinisch-chemischen und histologischen Untersuchungen keinen Anhalt für substanzbedingte Veränderungen. Erst nach hohen Dosen, die weit über der therapeutischen Dosis lagen, traten zentralnervös bedingte Erscheinungen auf: Bewegungsunruhe, Salivation, Krämpfe, verminderte Gewichtszunahme. Reaktionslos vertrugen Ratten und Hunde Dosen von 20 mg/kg bzw. 10 mg/kg Körpergewicht oral sowie Hunde 20 mg/kg Körpergewicht rektal.

Tramadoldosierungen ab 50 mg/kg pro Tag verursachten bei Ratten toxische Effekte bei Muttertieren und führten zu einem Anstieg der Neugeborenensterblichkeit. Bei den Nachkommen traten Retardierungen in Form von Ossifikationsstörungen und verzögerter Vaginal- und Augenöffnung auf. Die Fertilität männlicher Ratten wurde nicht beeinträchtigt. Weibchen zeigten nach höheren Dosierungen (ab 50 mg/kg pro Tag) eine geringere Trächtigkeitsrate. Bei Kaninchen traten ab 125 mg/kg toxische Effekte bei Muttertieren sowie Skelettanomalien bei den Nachkommen auf.

In einigen In-vitro-Testsystemen wurden Hinweise auf mutagene Effekte gesehen. In-vivo-Untersuchungen ergaben keine Hinweise auf einen mutagenen Effekt. Tramadol ist nach vorliegendem Erkenntnismaterial als nicht mutagene Substanz einzustufen.

Studien zum tumorerzeugenden Potential von Tramadolhydrochlorid wurden an Ratten und Mäusen durchgeführt. Aus der Studie an Ratten ergaben sich keine Hinweise auf substanzbedingt erhöhte Tumorinzidenzen. In der Studie an Mäusen wurden eine erhöhte Inzidenz für Leberzelladenome bei männlichen Tieren (ab 15 mg/kg dosisabhängig, nicht signifikant erhöht) und ein Anstieg der Lungentumore bei weiblichen Tieren aller Dosisgruppen (signifikant, aber nicht dosisabhängig erhöht) beobachtet.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Bei 15–30 °C und für Kinder unerreichbar aufbewahren.

Zulassungsnummer

55175 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

MEDA Pharma GmbH, 8602 Wangen-Brüttisellen.

Stand der Information

September 2005.

Verwendung dieser Informationen

Die Informationen auf dieser Seite sind für Fachpersonal gedacht. Bei Fragen lassen Sie sich von einer Fachperson (z.B. Arzt oder Apotheker) beraten und lesen Sie die Packungsbeilage auf unserer Produktseite.