Bleomycin Baxter 15000 I.u. Durchstf 10 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Bleomycinum ut Bleomycini sulfas.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Trockensubstanz zur parenteralen Anwendung.

Durchstechflaschen zu 15’000 I.U.

1000 I.U. (Internationale Einheiten) entsprechen 1 Einheit nach USP. Der Begriff Milligramm Aktivität ist irreführend und wird daher nicht mehr verwendet.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Plattenepithel-Karzinom, besonders im Bereich von Mund, Pharynx, Nasen-Nebenhöhlen, Larynx, Ösophagus, Bronchien, Zervix, Vagina, Penis und Haut. Gut differenziert Tumoren reagieren besser als anaplastische Formen.

Morbus Hodgkin, malignes Lymphom, Mycosis fungoides.

Hodenteratom.

Maligner Pleuraerguss.

Dosierung/Anwendung

Bleomycin kann allein angewendet werden. In der Regel wird es jedoch in Kombination mit anderen zytotoxischen Wirkstoffen oder einer Radiotherapie verwendet.

Bleomycin wird parenteral als intramuskuläre Injektion, intravenöse Injektion oder Infusion, intraarterielle Injektion oder Infusion, als subkutane oder intratumorale Injektion sowie intrapleural angewendet.

Die Injektion oder Infusion in die den Tumor versorgende Arterie scheint eine Tendenz zu höherer Wirksamkeit zu haben als andere systemische Verabreichungswege. Die toxischen Wirkungen sind identisch zu denjenigen bei in­travenöser Injektion oder Infusion.

Übliche Dosierung

Erwachsene

Plattenepithel-Karzinome

10–15× 10³ I.U./m² Körperoberfläche/Woche als intravenöse (5–10 Minuten) oder intramuskuläre Injektion oder 10–15× 10³ I.U /m² Körperoberfläche/Tag als intravenöse Infusion (6–24 Stunden) an 4–7 aufeinander folgenden Tagen alle 3–4 Wochen.

Morbus Hodgkin, maligne Lymphome und Mycosis fungoides

5–10× 10³ I.U /m² Körperoberfläche als intravenöse (5–10 Minuten) oder intramuskuläre Injektion 1–2-mal wöchentlich.

Da bei Lymphompatienten kurz nach Verabreichung des Wirkstoffes anaphylaktische Reaktionen, gefolgt von Fieber, auftreten können, muss die Dosis während den ersten zwei Anwendungen niedrig, d.h. bei 1–2× 10³ I.U., gehalten werden.

Bei Ausbleiben von anaphylaktischen Reaktionen kann die berechnete Dosis verabreicht werden.

Hodenteratome

15–30× 10³ I.U./m² Körperoberfläche als intravenöse (5–10 Minuten) oder intramuskuläre Injektion 1–2-mal wöchentlich oder 15–30× 10³ I.U./m² Körperoberfläche/Tag als intravenöse Infusion (6–24 Stunden) an 5–6 aufeinander folgenden Tagen alle 3–4 Wochen in Kombination mit anderen Zytostatika.

Maligne Pleuraergüsse

60× 10³ I.U. intrapleural als einmalige Gabe; bei Bedarf Wiederholung.

Die kumulative Dosis von Bleomycin darf 400× 10³ I.U. (entsprechend etwa 225× 10³ I.U./m² Körperoberfläche) nur überschreiten, wenn der Lungenbefund dies erlaubt.

Bei Morbus Hodgkin und Hodenteratomen tritt eine Besserung schnell ein (innerhalb von zwei Wochen). Eine Besserung ist unwahrscheinlich, wenn sie nicht in dieser Zeit auftritt. Plattenepithel-Karzinome sprechen langsamer an. Es kann bis zu 3 Wochen dauern, bevor eine Besserung beobachtet werden kann.

Die Dosierung bei subkutaner, intraarterieller und intratumoraler Verabreichung sollte der entsprechenden Fachliteratur entnommen werden.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Ältere Patienten

Bei älteren Patienten sollte die Dosis bei 1-mal wöchentlicher Injektion entsprechend dem Alter reduziert werden.

Alter           Kumulative Dosis    Dosis pro Woche 
≥80 Jahre       100× 10³ I.U.       15× 10³ I.U.   
70–79 Jahre     150–200× 10³ I.U.   30× 10³ I.U.    
60–69 Jahre     200–300× 10³ I.U.   30–60× 10³ I.U. 
<60 Jahre       400× 10³ I.U.       30–60× 10³ I.U. 

Kinder und Jugendliche

Falls eine Behandlung mit Bleomycin bei Kindern und Jugendlichen indiziert ist, muss die Gesamtdosis entsprechend der reduzierten Körperoberfläche verringert werden.

Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion

Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion sollte die Dosis verringert werden. Wenn die Kreatinin-Clearance auf 20 ml/min reduziert ist, sollte nur noch 50% der Bleomycin-Dosis verabreicht werden.

Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion

Es ist keine Dosisanpassung notwendig.

Kombinationstherapie

In Kombination mit Radiotherapie sollte die Bleomycin-Dosis reduziert werden. Bei Kombination mit anderen Zytostatika kann eine Dosisreduktion erforderlich sein.

Kontraindikationen

Bleomycin ist kontraindiziert

bei Patienten mit einer reduzierten Lungenfunktion oder bei Kreislaufstörungen der Lunge,

bei Patienten mit akuter Lungenentzündung,

bei Patienten, die eine Überempfindlichkeit oder idiosynkratische Reaktion auf Bleomycin gezeigt haben,

in der Schwangerschaft und Stillzeit.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Patienten, die eine Chemotherapie mit Bleomycin erhalten, sollten von einem erfahrenen Onkologen überwacht werden.

Die Patienten sollten hinsichtlich Zeichen einer Funktionsstörung der Lungen beobachtet werden. Häufige Röntgenuntersuchungen der Brust (vorzugshalber wöchentlich) werden empfohlen und sollten bis zu 4 Wochen nach Ablauf der Behandlung weitergeführt werden.

Obwohl die pulmonale Toxizität von Bleomycin dosisabhängig zu sein scheint, wenn die kumulative Dosis 400× 10³ I.U. (ungefähr 225× 10³ I.U./m² Körperoberfläche) übersteigt, kann eine pulmonale Toxizität auch unter geringeren Dosen auftreten. Dies ist vor allem der Fall bei älteren Patienten, Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, vorbestehenden Lungenerkrankungen, vorhergehender Bestrahlungstherapie im Brustbereich und bei Patienten, denen Sauerstoff verabreicht werden muss.

Die Empfindlichkeit auf Bleomycin steigt im Alter an. Falls Atemnot oder Lungeninfiltrationen auftreten, muss die Verabreichung von Bleomycin sofort gestoppt werden und die Patienten sollten mit Kortikosteroiden und Breitspektrum-Antibiotika behandelt werden.

Aufgrund der Möglichkeit von anaphylaktischen Reaktionen bei Lymphompatienten (bei 1% dieser Patienten berichtet) sollten diese anfänglich eine Testdosis von 1–2× 10³ I.U. erhalten. Bei Ausbleiben einer akuten Reaktion kann die berechnete Dosis verabreicht werden.

Bleomycin kann erbgutschädigend wirken. Männer, die mit Bleomycin behandelt werden, sollten vor Therapiebeginn über eine Spermakonservierung beraten werden und während der Behandlung und bis zu 6 Monate danach kein Kind zeugen.

Beim Auftreten von kutanen Nebenwirkungen bei AIDS-Patienten sollte die Bleomycin-Behandlung abgebrochen und nicht wieder aufgenommen werden.

Interaktionen

Bei einer Kombinationstherapie sollen Zytostatika mit ähnlichem Toxizitätsprofil wie Bleomycin vermieden werden.

Ein erhöhtes Risiko für eine pulmonale Toxizität wurde bei der gleichzeitigen Verabreichung von Carmustin, Mitomycin C, Cyclophosphamid und Methotrexat beschrieben.

Vorhergehende oder gleichzeitige Radiotherapie der Brust erhöht das Vorkommen und den Schweregrad von pulmonaler Toxizität.

Bei Patienten, welche während der Operation Sauerstoff erhalten, ist die pulmonale Toxizität von Bleomycin erhöht. Eine Reduktion der eingeatmeten Sauerstoffmenge während und nach der Operation wird deshalb empfohlen.

Bei Patienten mit Hodenkrebs, die mit einer Kombination von Bleomycin und Vinca-Alkaloiden behandelt wurden, wurde ein dem Morbus Raynaud entsprechendes Syndrom beschrieben. Die Ischämie kann zu einer Nekrotisierung von peripheren Teilen des Körpers (Finger, Zehen, Nasenspitze) führen.

Bei Patienten, die mit einer Kombinationstherapie mit Cisplatin, Vinblastin und Bleomycin behandelt wurden, wurde eine positive Korrelation zwischen der glomerulären Filtrationsrate und der Lungenfunktion beobachtet. Deshalb sollte Bleomycin bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung nur mit Vorsicht verwendet werden (siehe auch Dosierung/Anwendung). Eine weitere Studie zeigte, dass eine Erhöhung der Cisplatin-Dosis mit einer Verminderung der Kreatinin-Clearance und der Elimination von Bleomycin verbunden war.

Nach der Verabreichung von G-CSF oder GM-CSF kann die Erhöhung der Neutrophilenzahl und die damit verbundene verstärkte Bildung von Superoxidradikalen das Risiko für Lungenschädigungen erhöhen.

Eine verminderte Absorption auf 22% und daraus resultierende verringerte Plasmaspiegel von Phenytoin wurden bei einer jüngeren Patientin gefunden, die mit einer Kombination von Cisplatin, Vinblastin und Bleomycin behandelt wurde. Nach Absetzen dieses Therapieregimes stiegen die Phenytoin-Spiegel über den therapeutischen Bereich an. Der Mechanismus dieser Interaktion ist bisher nicht bekannt. Der Phenytoin-Spiegel muss bei gleichzeitiger Behandlung mit Bleomycin sorgfältig kontrolliert und die Dosis gegebenenfalls angepasst werden.

Die Geschwindigkeit und das Ausmass der Absorption von oral verabreichtem Acetyldigoxin kann durch die Behandlung mit Bleomycin vermindert sein.

Schwangerschaft/Stillzeit

Die Behandlung mit Bleomycin kann erbgutschädigend wirken. Bei vitaler Indikation zur Behandlung einer Patientin ist während des 1. Trimenons der Schwangerschaft eine medizinische Beratung zur Schwangerschaftsunterbrechung zwingend erforderlich. Nach dem 1. Trimenon der Schwangerschaft sollte bei nicht aufzuschiebender Dringlichkeit der Therapie eine Chemotherapie nur nach vorheriger Aufklärung über das geringe, aber nicht auszuschliessende Risiko einer Missbildung durchgeführt werden.

Frauen sollten während der Behandlung mit Bleomycin nicht schwanger werden. Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung und bis zu 6 Monate danach eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Tritt während der Behandlung dennoch eine Schwangerschaft ein, so ist die Möglichkeit einer genetischen Beratung zu nutzen.

Es ist nicht bekannt, ob Bleomycin in die Muttermilch übertritt. Während der Behandlung darf daher nicht gestillt werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es wurden keine Studien zu den Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen durchgeführt. Die möglichen Nebenwirkungen einer Chemotherapie mit Bleomycin wie Übelkeit oder Erbrechen können die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen jedoch indirekt beeinflussen.

Unerwünschte Wirkungen

Wie die meisten zytotoxisch wirksamen Substanzen kann Bleomycin unmittelbare und verspätete toxische Wirkungen zeigen. Die unmittelbarste Wirkung ist Fieber am Tage der Injektion. Appetitlosigkeit, Müdigkeit oder Brechreiz können auch auftreten. Über Schmerzen an der Einstichstelle oder in der Tumorregion wird gelegentlich berichtet. Andere unerwünschte Wirkungen, die nicht häufig auftreten, sind Hypotonie und lokale Thrombophlebitis nach intravenöser Verabreichung.

Blut- und Lymphsystem

Bleomycin hat nur eine geringgradige myelosuppressive Wirkung. Eine selten auftretende Thrombozytopenie wird mit einem erhöhten Verbrauch an Thrombozyten erklärt.

Immunsystem

Über eine idiosynkratische Reaktion, klinisch ähnlich einer Anaphylaxie, wurde bei ca. 1% der mit Bleomycin behandelten Lymphompatienten berichtet. Die Reaktion kann unmittelbar auftreten oder um mehrere Stunden verspätet sein und tritt normalerweise nach der ersten oder zweiten Dosis auf. Sie besteht in Hypotonie, Verwirrtheit, Fieber, Schüttelfrost und Keuchen. Die Behandlung erfolgt symptomatisch, einschliesslich Volumenexpansion und Verabreichung von blutdruckerhöhenden Mitteln, Antihistaminika und Kortikosteroiden.

Herz und Gefässe

Über Gefässtoxizität im Zusammenhang mit der Verwendung von Bleomycin in Kombination mit anderen antineoplastischen Substanzen wurde selten berichtet. Die Vorkommnisse sind klinisch heterogen und können einen Herzinfarkt, ein zerebrovaskuläres Ereignis, eine thrombotische Mikroangiopathie oder eine zerebrale Arteriitis einschliessen. Es wurde auch über Raynaud’s Phänomene bei Patienten, die mit Bleomycin allein oder in Kombination behandelt wurden, berichtet.

In einigen Fällen wurde eine Perikarditis mit plötzlichen Brustschmerzen beobachtet, wenn Bleomycin als Infusion und in Kombination mit anderen Zytostatika verabreicht wurde.

Atmungsorgane

Pulmonale Nebenwirkungen sind die ernsthaftesten der unter einer Bleomycin-Therapie auftretenden unerwünschten Wirkungen. Sie treten bei ca. 10% der behandelten Patienten während oder gelegentlich nach der Behandlung auf. Die häufigste Form ist eine interstitielle Pneumonie (bis 2–10% der Patienten). Falls sie nicht rechtzeitig erkannt und sofort behandelt wird, kann sie sich zu einer Lungenfibrose entwickeln. Etwa 1% der behandelten Patienten starben infolge einer Lungenfibrose. Die pulmonale Toxizität ist dosis- und altersabhängig. Sie tritt häufiger bei Patienten von über 70 Jahren und bei Patienten, die mit einer kumulativen Bleomycin-Dosis von über 400× 10³ I.U. behandelt wurden, auf. Durch Bestrahlung des Thoraxbereichs und durch Hyperoxie während einer Anästhesie kann die pulmonale Toxizität signifikant erhöht werden. Die intramuskuläre Verabreichung verursacht weniger Lungennebenwirkungen als die intravenöse Injektion.

Die pulmonale Toxizität ist allerdings nicht vorhersehbar. Sie wurde gelegentlich auch bei jungen Patienten, die mit niedrigen Dosen von Bleomycin behandelt wurden, beobachtet. Es entstehen vaskuläre Veränderungen in der Lunge, die teilweise die Elastizität der Gefässwände zerstören. Das erste Symptom einer bleomycinbedingten pulmonalen Toxizität ist Atemnot. Feine Rasselgeräusche sind das erste Zeichen. Wenn pulmonale Veränderungen bemerkt werden, ist die Behandlung sofort abzusetzen bis festgestellt ist, ob die Veränderungen substanzbedingt sind. Die Patienten sollten mit einem Breitspektrum-Antibiotikum und Kortikosteroiden behandelt werden.

Gastrointestinale Störungen

Gastrointestinale Störungen wie Übelkeit oder Erbrechen werden häufig bei Behandlung mit hohen Dosen beobachtet. Hier können Antiemetika eingesetzt werden. Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust sind häufig und können bis lange nach Beendigung der Behandlung anhalten. Eine Mukositis tritt ebenfalls häufig auf.

Haut

Haut- und Schleimhautveränderungen sind die häufigsten Nebenwirkungen bei bis zu 50% der behandelten Patienten. Die Veränderungen bestehen in Erythemen, Pruritus, Rash, Striae, Bläschenbildung, Hyperpigmentation sowie Empfindlichkeit und Anschwellen der Fingerspitzen. Krankhafte Verhärtungen, Ödeme, Hyperkeratose, Nagelveränderungen sowie Blasenbildung an Druckpunkten wie Ellbogen, Alopezie, Sklerodermie und Stomatitis können auftreten. Diese unerwünschten Wirkungen sind selten schwerwiegend und verschwinden normalerweise nach Beendigung der Behandlung. Schleimhautulzerationen scheinen schlimmer zu sein, wenn Bleomycin mit Bestrahlung oder anderen Substanzen, die auf die Schleimhäute toxisch wirken, kombiniert wird. Die Hauttoxizität von Bleomycin tritt relativ spät in Erscheinung und korreliert mit der kumulativen Dosis. Sie entwickelt sich normalerweise in der zweiten und dritten Behandlungswoche nach Verabreichung von 150–250 × 10³ I.U Bleomycin.

Muskelskelettsystem

Myalgie und Arthralgie treten selten auf.

Allgemeine Störungen und Reaktionen an der Applikationsstelle

Fieber ist häufig und kann 2–6 Stunden nach der ersten Injektion auftreten. Bei hartnäckigem und gravierendem Fieber kann die Verabreichung von Antipyretika notwendig sein. Mit fortgesetzten Injektionen reduziert sich das Auftreten. Phlebitis und andere lokale Reaktionen treten selten auf.

Überdosierung

Die akute Reaktion auf eine Überdosis Bleomycin würde wahrscheinlich in Senkung des Blutdrucks, Fieber, schnellem Puls und allgemeinen Schocksymptomen zu erkennen sein. Es gibt kein spezifisches Antidot. Beobachtungen zeigen, dass Bleomycin mittels Dialyse kaum schneller eliminiert wird. Die Behandlung ist rein symptomatisch. Im Falle von Atemproblemen sollte der Patient mit Kortikosteroiden und einem Breitspektrum-Antibiotikum behandelt werden.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: L01DC01

Bleomycin ist eine Mischung aus basischen, wasserlöslichen Glykopeptiden mit zytostatischer Wirkung. Bleomycin bindet in Form eines Eisenkomplexes an Guanin-Cytosin-reiche Regionen der DNA (Desoxyribonukleinsäure) und verursacht über die Bildung von hochreaktiven Sauerstoffradikalen Brüche von Einzelstrang-DNA und in geringerem Ausmass von Doppelstrang-DNA. Dadurch wird die Zellteilung (in der G2-Phase) und das Tumorwachstum gehemmt. Zu einem geringen Grad beeinflusst Bleomycin die RNA (Ribonukleinsäure) und die Proteinsynthese.

Als Hauptmechanismus der Bleomycin-Resistenz wurde eine metabolische Inaktivierung von Bleomycin über intrazelluläre Hydrolasen beschrieben. Die Verteilung der Hydrolasen ist gewebespezifisch und erklärt teilweise die Gewebeselektivität der Wirkung und Nebenwirkungen von Bleomycin. Epithelzellen der Haut und der Lunge haben eine geringe Bleomycin-Hydrolaseaktivität; Leber, Knochenmark und Dünndarmepithelzellen eine hohe Aktivität.

Bleomycin wirkt pyrogen.

Bleomycin wirkt nicht immunsuppressiv und nicht beziehungsweise minimal myelosuppressiv.

Pharmakokinetik

Absorption/Distribution

Bleomycin wird parenteral verabreicht. Nach intramuskulären Injektionen von 15× 10³ I.U. werden Spitzenkonzentrationen von 1 I.U./ml in ungefähr 30 Minuten erreicht. Die Bioverfügbarkeit liegt zwischen 75 und 100%. Die Absorption nach subkutaner Injektion erfolgt nur langsam, die Bioverfügbarkeit ist mit einer intravenösen Gabe vergleichbar. Bei intrapleuraler Verabreichung werden etwa 45% der Dosis systemisch aufgenommen. Nach einer intravenösen Bolusverabreichung von 15× 10³ I.U./m² Körperoberfläche werden Spitzenkonzentrationen von 1–10 I.U./ml im Plasma erreicht. Kontinuierliche intravenöse Bleomycin-Infusionen von 30× 10³ I.U. täglich während 4–5 Tagen resultieren in einer durchschnittlichen «steady-state»-Plasmakonzentration («trough level») von 0,1–0,3 I.U./ml.

Bleomycin ist nur zu einem geringen Teil an Plasmaproteine gebunden. Bleomycin wird rasch in das Gewebe verteilt, mit höchsten Konzentrationen in Haut, Lunge, Peritoneum und im lymphatischen System. Niedrigere Konzentrationen finden sich im Knochenmark.

Bleomycin überwindet die Blut-Hirn-Schranke nicht. Bleomycin scheint die Plazentabarriere zu passieren. Das Verteilungsvolumen beträgt 0,27 ± 0,09 l/kg.

Metabolismus

Die Biotransformation ist nicht vollständig bekannt. Eine teilweise Inaktivierung erfolgt durch enzymatischen Abbau durch die Bleomycin-Hydrolase vor allem im Plasma, der Leber und anderen Organen, zu einem geringen Ausmass in der Haut und den Lungen.

Elimination

Die systemische Clearance ist schnell und verläuft über 2 Phasen. Wenn Bleomycin in Form einer intravenösen Bolusinjektion von 15× 10³ I.U./m² Körperoberfläche verabreicht wird, beträgt die initiale respektive terminale Halbwertszeit 0,5 respektive 4 Stunden. Wenn Bleomycin in Form einer intravenösen Infusion verabreicht wird, in einer täglichen Dosierung von 30× 10³ I.U. während 4–5 Tagen, betragen die initiale respektive terminale Halbwertszeit 1,3 respektive 9 Stunden.

Die Elimination erfolgt hauptsächlich über den Urin. 45–62% der verabreichten Menge werden unverändert mit dem Urin ausgeschieden (glomeruläre Filtration). Nach intrapleuraler Verabreichung ist die Elimination nur langsam und die Recovery im Urin ist reduziert (auf 17% der Dosis).

Kinetik in besonderen klinischen Situationen

Niereninsuffizienz

Die Exkretionsrate ist stark abhängig von der Nierenfunktion. Die Plasmakonzentrationen sind bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion stark erhöht. Bei Niereninsuffizienz mit einer Kreatinin-Clearance <35 ml/min ist die Elimination verringert. Nach einer intravenösen Bolusinjektion beträgt die Eliminationshalbwertszeit bei einer Kreatinin-Clearance von 20 ml/min 5,7 Stunden und bei einer Kreatinin-Clearance von 10 ml/min und darunter 21 Stunden. Beobachtungen zeigten, dass Bleomycin mittels Dialyse kaum schneller eliminiert wird.

Leberinsuffizienz

Bei Leberinsuffizienz ist keine Änderung der Pharmakokinetik zu erwarten.

Präklinische Daten

Tierversuche haben gezeigt, dass Bleomycin teratogen und karzinogen wirken kann. Bleomycin induzierte sowohl in vitro wie in vivo genotoxische Effekte.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Bleomycin-Lösungen sollten nicht gemischt werden mit Lösungen, die essentielle Aminosäuren, Aminophyllin, Ascorbinsäure, Benzylpenicillin, Carbenicillin, Cefalotin, Cefazolin, Dexamethason, Diazepam, Glucose, Wasserstoffperoxid, Hydrocortison-Natriumsuccinat, Methotrexat, Mitomycin, Nafcillin, Riboflavin, Terbutalin oder Thiole (wie z.B. Glutathion) enthalten.

Haltbarkeit/Besondere Lagerungshinweise

Im Kühlschrank (2–8 °C) lagern.

Bleomycin in der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.

Bleomycin darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «Exp» bezeichneten Datum verwendet werden.

Für Kinder unerreichbar aufbewahren.

Hinweise für die Handhabung

Hinweis betreffend Zytostatika

Bei der Zubereitung der Bleomycin-Lösung sind die Vorschriften zur Handhabung von Zytostatika einzuhalten: Arbeiten in speziell dafür vorgesehenem Raum, wenn möglich im Laminar-Flow, Tragen von Schutzhandschuhen, -brille und -maske etc. Bei Haut- oder Schleimhautkontakt gründlich mit viel Wasser spülen.

Zur Handhabung von Urin, der bis 72 Stunden nach der Verabreichung von Bleomycin ausgeschieden wird, sollte Schutzkleidung getragen werden.

Nicht verwendete Lösungen, leere Durchstechflaschen sowie Abfallmaterial sind sachgemäss zu entsorgen.

Art der Anwendung und Zubereitung der Lösung

Zur Herstellung der Lösung wird der gesamte Inhalt einer Durchstechflasche (15× 10³ I.U.) in der entsprechenden Menge 0,9% NaCl-Lösung gelöst (siehe unten bei den einzelnen Applikationen). Von dieser Lösung wird ein Anteil, der den benötigten Einheiten entspricht, entnommen.

Beispiel:

Benötigte Dosis = 8,5× 10³ I.U. (5× 10³ I.U./m²× 1,7 m²).

Der Inhalt einer Durchstechflasche (15× 10³ I.U.) wird in 5 ml 0,9% NaCl-Lösung gelöst; davon werden so präzise wie möglich 2,83 ml (8,5× 10³ I.U.) zur Applikation entnommen.

Intramuskuläre Injektion

Den Inhalt einer Durchstechflasche Bleomycin in 1–5 ml 0,9% NaCl-Lösung lösen. Da wiederholte intramuskuläre Injektionen an derselben Stelle örtliches Unbehagen verursachen können, empfiehlt es sich, die Injektionsstelle zu wechseln. Falls nötig, kann ein Lokalanästhetikum, z.B. 1,5–2 ml 1% Lidocain-Hydrochlorid, der Lösung beigefügt werden.

Intravenöse Injektion

Den Inhalt einer Durchstechflasche Bleomycin in 5–10 ml 0,9% NaCl-Lösung lösen und langsam, innerhalb von 5–10 Minuten injizieren. Eine rasche Bolusinjektion muss vermieden werden, da es zu einer hohen Konzentration im Lungenkreislauf führt, welche das Risiko der Lungenschädigung erhöht.

Intravenöse Infusion

Bleomycin in 5–10 ml 0,9% NaCl-Lösung lösen und mit 200–1000 ml derselben Lösung verdünnen. Die Infusion erfolgt über 6–24 Stunden.

Intraarterielle Injektion

Der Inhalt einer Durchstechflasche Bleomycin wird in 5 ml 0,9% NaCl-Lösung gelöst und über einen Zeitraum von 5–10 Minuten verabreicht.

Intraarterielle Infusion

Bleomycin in 5–10 ml 0,9% NaCl-Lösung lösen und mit 200–1000 ml derselben Lösung verdünnen. Die Infusion kann über einen Zeitraum von einigen Stunden bis zu mehreren Tagen verabreicht werden. Um eine Thrombose an der Einstichstelle zu vermeiden, kann, vor allem wenn die Infusion über eine lange Zeit gegeben wird, Heparin verabreicht werden.

Subkutane Injektion

Der Inhalt einer Durchstechflasche Bleomycin wird in 2 ml 0,9% NaCl-Lösung gelöst und über einen Zeitraum von 5–10 Minuten verabreicht. Eine intradermale Injektion ist zu vermeiden.

Intratumorale Injektion

Bleomycin in einer Konzentration von 1–3× 10³ I.U./ml in 0,9% NaCl-Lösung lösen und in den Tumor sowie dessen umliegendes Gewebe injizieren. Diese Art der Verabreichung wird nur selten angewendet.

Intrapleurale Verabreichung

Im Anschluss an eine Aspiration der Pleurahöhle wird in 100 ml 0,9% NaCl-Lösung gelöstes Bleomycin durch die Nadel oder den Katheter instilliert, welcher für die Aspiration des malignen Ergusses verwendet wurde. Die Nadel oder der Katheter werden daraufhin entfernt. Um eine einheitliche Verteilung von Bleomycin innerhalb der serösen Pleurahöhle sicherzustellen, sollte die Position des Patienten während 20 Minuten alle 5 Minuten gewechselt werden.

Die extravasale Verabreichung von Bleomycin erfordert normalerweise keine besonderen Vorsichtsmassnahmen. In Zweifelsfällen (konzentrierte Lösung, sklerotisches Gewebe etc.) kann eine Spülung mit 0,9% NaCl-Lösung durchgeführt werden.

Bei Rekonstitution in 5 ml 0,9% NaCl-Lösung wurde eine chemische und physikalische Stabilität für die lichtgeschützte Lösung für 7 Tage bei Raumtemperatur (15–25 °C) nachgewiesen. Bleomycin enthält kein Konservierungsmittel. Aus mikrobiologischen Gründen sollte die rekonstituierte Bleomycin-Lösung sofort nach der Herstellung verwendet werden. Wird sie nicht sofort verwendet, liegen die Haltbarkeit und die Aufbewahrungsbedingungen in der Verantwortung des Anwenders und sollten in der Regel 24 Stunden bei 2–8 °C nicht überschreiten, es sei denn die Rekonstitution erfolgte unter kontrollierten und validierten aseptischen Bedingungen.

Verdünnte Bleomycin-Lösungen sind sofort nach der Herstellung zu verwenden. Die Infusionsdauer soll 24 Stunden nicht überschreiten.

Zulassungsnummer

35856 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Baxter AG, 8604 Volketswil.

Stand der Information

November 2005.

Verwendung dieser Informationen

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