Tachosil Schwamm 9.5x4.8cm

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoffe: humanes Fibrinogen, humanes Thrombin.

Hilfsstoffe: Kollagen vom Pferd, humanes Albumin, Riboflavin (E 101), Natriumchlorid, Natriumcitrat, L-Argininhydrochlorid.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

TachoSil ist eine gelblich-weisse wirkstoffhaltige Versiegelungsmatrix. Die aktive Seite der Matrix, die mit Fibrinogen und Thrombin beschichtet ist, ist mit gelber Farbe gekennzeichnet.

TachoSil enthält pro cm2:

Fibrinogen vom Menschen: 5,5 mg.

Thrombin vom Menschen: 2,0 IU.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

TachoSil wird zur unterstützenden Behandlung in der Chirurgie zur Verbesserung der Hämostase angewendet, zur Förderung der Gewebeversiegelung und zur Nahtsicherung in der Gefässchirurgie, wenn Standardtechniken insuffizient sind (siehe Abschnitt «Eigenschaften/Wirkungen»).

Dosierung/Anwendung

Dosierung

Die Verwendung von TachoSil ist erfahrenen Chirurgen vorbehalten.

Die Erfahrung mit der Anwendung bei Kindern ist unzureichend.

Die Anzahl der zu verwendenden TachoSil Matrices sollte sich stets nach der zugrunde liegenden klinischen Situation des Patienten richten.

Die Anzahl der zu verwendenden TachoSil Matrices hängt von der Grösse der Wundfläche ab.

Die Anwendung von TachoSil durch den behandelnden Chirurgen muss individuell angepasst werden. In klinischen Studien schwankten die individuellen Dosen typischerweise zwischen 1–3 Matrices (9,5 cm × 4,8 cm); über die Anwendung von bis zu 7 Matrices wurde berichtet. Für kleinere Wunden, z.B. in der Minimal-invasiven Chirurgie werden die kleineren Matrices (4,8 cm × 4,8 cm oder 3,0 cm × 2,5 cm) oder die vorgerollte Matrix (basierend auf der Matrix 4,8 cm × 4,8 cm) empfohlen.

Art und Dauer der Anwendung

Nur zum Auftragen auf die Wunde.

Für genauere Anweisungen siehe unter Abschnitt «Sonstige Hinweise».

Kontraindikationen

TachoSil darf nicht intravaskulär angewendet werden.

Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe oder einen der Hilfsstoffe gemäss Zusammensetzung.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Nur zum Auftragen auf die Wunde. Nicht intravaskulär anwenden. Bei versehentlicher intravaskulärer Anwendung kann es zu lebensbedrohlichen thromboembolischen Komplikationen kommen.

Spezifische Daten zur Anwendung des Produktes in der Neurochirurgie oder bei gastrointestinalen Anastomosen liegen nicht vor.

Wie bei jedem eiweisshaltigen Präparat ist das Auftreten von allergischen Reaktionen möglich. Zeichen allergischer Reaktionen sind Urtikaria, generalisierte Urtikaria, Engegefühl im Brustkorb, Atemgeräusche, Hypotension und Anaphylaxie. Bei Auftreten dieser Symptome muss die Anwendung sofort abgesetzt werden.

Im Falle eines Schocks sind die gängigen medizinischen Massnahmen der Schockbehandlung durchzuführen.

Standardmethoden zur Vermeidung von Infektionen, die durch die Anwendung von Arzneimitteln, die aus menschlichem Blut oder Plasma hergestellt sind, resultieren, beinhalten die Auswahl von Spendern, das Screening von individuellen Spenden und Plasmapools auf spezifische Marker von Infektionen und die Einbeziehung effektiver Herstellungsschritte zur Inaktivierung/Entfernung von Viren. Trotzdem kann die Möglichkeit der Übertragung infektiöser Agenzien bei der Anwendung von Arzneimitteln, die aus menschlichem Blut oder Plasma hergestellt wurden, nicht völlig ausgeschlossen werden. Dies gilt auch für unbekannte oder neu entstehende Viren oder andere Pathogene.

Die angewendeten Massnahmen gelten als effektiv gegenüber behüllten Viren, wie HIV, HBV und HCV und dem nicht behüllten Virus HAV. Die angewendeten Massnahmen sind bei nicht behüllten Viren, wie dem Parvovirus B19, möglicherweise von begrenzter Wirksamkeit. Infektionen mit Parvovirus B 19 können für Schwangere (fetale Infektion) und für Personen mit Immunschwäche oder gesteigerter Erythropoese (z.B. hämolytische Anämie) schwerwiegende Folgen haben.

Es wird dringend empfohlen, dass bei jeder Anwendung von TachoSil der Name des Patienten und die Chargennummer des Produktes dokumentiert wird, um eine Verbindung zwischen dem Patienten und der Charge des Produktes herzustellen.

Interaktionen

Es wurden keine formalen Interaktionsstudien durchgeführt.

Ähnlich wie bei vergleichbaren Arzneimitteln oder Thrombinlösungen, kann die versiegelnde Matrix durch alkohol-, jod- oder schwermetallhaltige Lösungen (z.B. antiseptische Lösungen) denaturiert werden. Solche Substanzen sollten so weit wie möglich vor Applikation der Matrix entfernt werden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Die Sicherheit von TachoSil bei Verwendung während der Schwangerschaft oder Stillzeit wurde in kontrollierten klinischen Studien nicht untersucht. Tierexperimentelle Studien reichen nicht aus, um die Sicherheit hinsichtlich der Fortpflanzung, der Entwicklung des Embryos oder Feten, des Gestationsverlaufes und der peri- und postnatalen Entwicklung zu bewerten.

Deshalb sollte TachoSil bei Schwangeren und Stillenden nur bei strenger Indikationsstellung angewendet werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Nicht zutreffend.

Unerwünschte Wirkungen

Bei Patienten, die mit Fibrinkleber/Hämostatika behandelt wurden, kann es in seltenen Fällen zu Hypersensitivität oder allergischen Reaktionen kommen (inklusive Angioödem, Brennen und Stechen an der Applikationsstelle, Bronchospasmus, Schüttelfrost, Flush, generalisierte Urtikaria, Kopfschmerz, Nesselausschlag, Hypotonie, Lethargie, Übelkeit, Ruhelosigkeit, Tachykardie, Engegefühl in der Brust, Kribbeln, Erbrechen, keuchende Atmung). In Einzelfällen können diese Reaktionen bis zur schweren Anaphylaxie führen. Derartige Reaktionen können insbesondere bei wiederholter Anwendung oder bei Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit gegenüber einem der Bestandteile des Präparates auftreten.

Antikörper gegen Komponenten von Fibrinkleberprodukten können in seltenen Fällen auftreten.

Bei versehentlicher intravaskulärer Anwendung kann es zu thromboembolischen Komplikationen kommen.

Virale Sicherheit siehe unter Abschnitt «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen».

Häufigkeit der Nebenwirkungen von TachoSil basierend auf sämtlichen unerwünschten Arzneimittelwirkungen aus sechs klinischen Studien, zwei Sicherheitsstudien nach Erteilung der Zulassung und auf Spontanberichten.

Zusammenfassung des Sicherheitsprofils

Das Sicherheitsprofil von TachoSil spiegelt die mit den im Rahmen der klinischen Studien durchgeführten chirurgischen Eingriffen allgemein einhergehenden auch postoperativen Komplikationen sowie die Grunderkrankung der Patienten wider.

Tabellarische Zusammenfassung der unerwünschten Reaktionen

Die Daten aus sechs kontrollierten klinischen Studien, die der Zulassungsinhaber durchgeführt hat, wurden in einem Datenpaket gepoolt. Die Frequenz der in dieser Fachinformation angeführten unerwünschten Reaktionen wurde an Hand dieses Datenpools erhoben. In die Analyse wurden 521 mit TachoSil behandelte Patienten und 511 Patienten mit einer vergleichenden Behandlung einbezogen. Aus praktischen Gründen (Vergleich zur chirurgischen Standardversorgung und Standardblutstillung) war eine Verblindung in den TachoSil-Studien nicht möglich, folglich wurden diese in einem offenen Design durchgeführt.

Die folgenden Kategorien wurden der Bewertung von Nebenwirkungen aufgrund ihrer Häufigkeit zugrunde gelegt: sehr häufig (≥1/10); häufig (≥1/100 bis <1/10); gelegentlich (≥1/1'000 bis <1/100); selten (≥1/10'000 bis <1/1'000); sehr selten (<1/10'000), nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).

Immunsystem

Gelegentlich: Überempfindlichkeit.

Gefässe

Sehr selten: Thromboembolie (bei intravaskulärer Anwendung).

Allgemeine Störungen und Reaktionen an der Applikationsstelle

Häufig: Fieber (trat bei 6,3% der mit TachoSil behandelten Patienten, und bei 5,9% der Patienten, die der Vergleichsbehandlung unterzogen wurden, auf).

Überdosierung

Es wurden keine Fälle von Überdosierung berichtet.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: B02BC30 (Lokale Hämostatika, Kombinationen)

ATC-Code: V03AK (Gewebekleber)

Wirkungsmechanismus

TachoSil enthält Fibrinogen und Thrombin als trockene Beschichtung auf der Oberfläche einer Kollagenmatrix. Bei Kontakt mit physiologischen Flüssigkeiten, z.B. mit Blut, Lymphe oder physiologischer Kochsalzlösung lösen sich die Komponenten der Beschichtung und diffundieren zum Teil in die Wundoberfläche. Die dann einsetzende Fibrinogen-Thrombin-Reaktion initiiert die letzte Phase der physiologischen Blutgerinnung. Hierbei wird Fibrinogen in Fibrinmonomere umgewandelt, welche spontan zu einem Fibringerinnsel polymerisieren, das die Kollagenmatrix fest mit der Wundoberfläche verbindet. Durch endogen vorhandenen Faktor XIII wird dann Fibrin vernetzt, wobei sich ein festes, mechanisch stabiles Netzwerk mit guten adhäsiven Eigenschaften bildet und zudem eine Versiegelung gewährleistet.

Klinische Wirksamkeit

In klinischen Studien an insgesamt 240 Patienten mit Leberteilresektion und 185 Patienten mit Resektion eines oberflächlichen Nierentumors wurde die Wirksamkeit bei der Blutstillung belegt.

Eine weitere kontrollierte Studie an 119 Patienten zeigte die Wirksamkeit zur Gewebeversiegelung, Blutstillung und Nahtsicherung mittels TachoSil bei herzgefäss-chirurgischen Eingriffen. Die Gewebeversiegelung in der Lungenchirurgie wurde in zwei kontrollierten Studien untersucht. Die erste klinische Studie (n = 189) zur Untersuchung der Gewebeversiegelung in der Lungenchirurgie reichte nicht aus, um die Überlegenheit gegenüber der Standardtherapie, gemessen an der Luftdurchlässigkeit, zu belegen. Die zweite Studie an 299 Patienten mit intraoperativer Messung der Luftdurchlässigkeit zeigte eine Überlegenheit von TachoSil gegenüber der Standard-Behandlung.

Pharmakokinetik

TachoSil ist nur zum Auftragen auf die Wunde geeignet. Intravaskuläre Anwendung ist kontraindiziert.

Infolge dessen wurden keine pharmakokinetischen Studien am Menschen durchgeführt.

Absorption, Distribution

Keine Angaben.

Metabolismus, Elimination

Fibrinkleber/Hämostatika werden auf die gleiche Weise wie endogenes Fibrin durch Fibrinolyse und Phagozytose metabolisiert.

In tierexperimentellen Untersuchungen wird TachoSil nach Aufbringen auf eine Wundoberfläche mit wenigen Überbleibseln nach 13 Wochen biologisch abgebaut. In manchen Tieren wurde ein kompletter Abbau von TachoSil 12 Monate nach der Anwendung an einer Leberwunde beobachtet, während bei anderen noch kleine Reste gefunden wurden. Der Abbau war von einer Infiltration mit Granulozyten und der Bildung von resorptivem Granulationsgewebe begleitet, das die abgebauten Überreste von TachoSil umschloss. Es wurden keine Hinweise auf eine lokale Unverträglichkeit in Tierversuchen beobachtet.

Aus der Erfahrung am Menschen sind Einzelfälle einer zufälligen Auffindung von Überresten bekannt, ohne Anzeichnen einer funktionellen Beeinträchtigung.

Präklinische Daten

Toxizitätsstudien mit Einzeldosen an verschiedenen Tierspezies lassen keine Zeichen eines akuten toxischen Effektes erkennen. In einer Studie an Minipigs waren Wirksamkeit und Sicherheit von konventionellen und vorgerollten TachoSil Matrices bei der Anwendung in minimal-invasiven chirurgischen Eingriffen vergleichbar.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Nicht zutreffend.

Beeinflussung diagnostischer Methoden

Nicht zutreffend.

Haltbarkeit

Das Präparat darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Verfalldatum verwendet werden.

TachoSil sofort nach Öffnen der äusseren Verpackung verwenden.

Besondere Lagerungshinweise

Nicht über 25 °C lagern.

Hinweise für die Handhabung

TachoSil ist gebrauchsfertig in sterilen Packungen verpackt und muss entsprechend gehandhabt werden. Nur unbeschädigte Packungen verwenden. Resterilisation bereits geöffneter Packungen ist nicht möglich. Die äussere Aluminiumverbundfolie kann im nicht-sterilen Bereich des Operationssaales geöffnet werden. Der innere sterile Blister muss im sterilen Bereich des Operationssaales geöffnet werden. TachoSil ist sofort nach Öffnen der inneren sterilen Verpackung zu verwenden. TachoSil wird unter sterilen Bedingungen angewendet. Vor Anwendung sollte die Wundfläche gereinigt werden z.B. von Blut, Desinfektionsmitteln und anderen Flüssigkeiten. Nach Entnahme des konventionellen, flachen TachoSils aus der sterilen Packung sollte die Matrix mit Kochsalzlösung angefeuchtet und dann sofort appliziert werden. Die gelbe, aktive Seite der Matrix wird auf die blutende/sickernde Oberfläche aufgelegt und mit leichtem Druck über einen Zeitraum von 3 bis 5 Minuten angedrückt. Dies ermöglicht eine einfache Verklebung von TachoSil mit der Wundoberfläche.

Nach Entnahme des vorgerollten TachoSils aus der sterilen Packung sollte die Matrix sofort, ohne sie zu befeuchten durch den Trokar appliziert werden. Während dem Entrollen wird die gelbe, aktive Seite der Matrix auf die blutende/sickernde Oberfläche aufgelegt (z.B. mit einer gereinigten Klemme) und mit leichtem Druck mit einer feuchten Kompresse über einen Zeitraum von 3 bis 5 Minuten angedrückt. Dies ermöglicht eine einfache Verklebung von TachoSil mit der Wundoberfläche.

Der Druck wird mit befeuchteten Handschuhen oder einer befeuchteten Kompresse ausgeübt. Aufgrund der hohen Affinität des Kollagens zu Blut kann TachoSil auch an Blut benetzten chirurgischen Instrumenten oder Handschuhen haften. Dies kann durch Reinigung der chirurgischen Instrumente und der Handschuhe mit physiologischer Kochsalzlösung vor der Applikation verhindert werden. Nachdem TachoSil auf die Wunde geklebt wurde, müssen Handschuhe oder Kompresse vorsichtig entfernt werden. Um zu verhindern, dass sich TachoSil ablöst, kann es an einem Ende, z.B. mit einer Pinzette, festgehalten werden. Alternativ, z.B. im Falle stärkerer Blutungen, kann TachoSil ohne Vorbefeuchten, unter leichtem Druck für 3-5 Minuten, auf die Wunde appliziert werden. Die aktive Seite von TachoSil sollte 1-2 cm über die Wundränder hinaus reichen. Werden mehrere Matrices benötigt, so sollten diese überlappend aufgelegt werden. Wenn TachoSil zu gross ist, kann die Matrix auf die passende Grösse zugeschnitten und angepasst werden.

Vorgerolltes TachoSil kann bei offen und bei minimal invasiven chirurgischen Eingriffen verwendet werden. Es kann durch einen Zugang oder ein Trokar von 10 mm oder grösser passieren.

Es ist auf die vollständige Adhärenz der entrollten Matrix auf die blutende/sickernde Oberfläche zu achten.

Nicht verwendetes Produkt oder Abfallmaterial sind entsprechend den lokalen Anforderungen zu entsorgen.

Zulassungsnummer

00670 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Takeda Pharma AG, Freienbach.

Stand der Information

März 2016.

Verwendung dieser Informationen

Die Informationen auf dieser Seite sind für Fachpersonal gedacht. Bei Fragen lassen Sie sich von einer Fachperson (z.B. Arzt oder Apotheker) beraten.