M Retard Helvepharm Ret Filmtabl 10 Mg 30 Stk

M Retard Helvepharm Ret Filmtabl 10 Mg 30 Stk

Fachinformationen

Untersteht dem Bundesgesetz über die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe

Zusammensetzung

Wirkstoff: Morphini hydrochloridum trihydricum.

Hilfstoffe

Filmtabletten zu 10 mg: Lactosum monohydricum, Excip. pro compr. obducto.

Filmtabletten zu 30 mg: Lactosum monohydricum, Color.: E 104, E 132; Excip. pro compr. obducto.

Filmtabletten zu 60/100 mg: Lactosum monohydricum, Color.: E 104, E 110; Excip. pro compr. obducto.

Filmtabletten zu 200 mg: Lactosum monohydricum, Color.: E 110, E 124; Excip. pro compr. obducto.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Filmtabletten zu 10 mg, 30 mg, 60 mg, 100 mg, 200 mg (corresp. Morphinum 7,6 mg, 22,8 mg, 45,6 mg, 75,9 mg, 151,8 mg).

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Mittelstarke bis starke prolongierte Schmerzen bzw. bei ungenügender Wirksamkeit nicht-opioider Analgetika und/oder schwacher Opioide.

Dosierung/Anwendung

Die Filmtabletten M-retard Helvepharm sind mit etwas Wasser einzunehmen und dürfen nicht zerteilt, zerkaut oder zerrieben werden.

M-retard Helvepharm wird in der Regel in einem 12-Stunden-Intervall eingenommen. Die Dosierung soll an die Schmerzintensität und an die individuelle Empfindlichkeit, das Alter und das Gewicht des Patienten angepasst werden. Es gelten folgende allgemeine Dosierungsempfehlungen:

Prolongierte Schmerzen

Erwachsene und Jugendliche über 12 Jahre

Patienten, die erstmals mit einem opioiden Analgetikum behandelt werden, erhalten zunächst eine tägliche Dosierung von 2× 1 M-retard Helvepharm 30 mg, bei ausserordentlich geschwächtem Allgemeinbefinden kann zu Beginn eine geringere Dosierung versucht werden.

Bei ungenügender Wirksamkeit oder Zunahme der Schmerzen ist eine Steigerung der Dosis erforderlich, bis eine ausreichende Analgesie erreicht wird. Dabei können die verschiedenen Dosisstärken von M-retard Helvepharm kombiniert werden. Eine tägliche Erhöhung in der Grössenordnung 30–50% kann als angemessen betrachtet werden. Die korrekte Dosierung für einen Patienten ist die, welche genügt, um den Schmerz für volle 12 Stunden ohne oder mit erträglichen unerwünschten Wirkungen zu kontrollieren.

Patienten, die von anderen oral oder rektal verabreichten Morphinpräparaten umgestellt werden, erhalten innerhalb von 24 Stunden die gleiche Morphindosis, verteilt auf je eine Gabe morgens und abends.

Bei Umstellung von parenteral verabreichtem Morphin ist mit einem zwei- bis dreimal höheren Bedarf an oral angebotenem Morphin zu rechnen. Wichtig ist die individuelle Dosisanpassung. Folgendes Vorgehen hat sich als günstig erwiesen: parenterale Morphin-Tagesdosis × 3 = neue M-retard Helvepharm Tagesdosis. Diese Dosis geteilt durch 2 entspricht einer Einzeldosis (12 h Dosierung).

Postoperative Schmerzen

Bei postoperativen Schmerzen können folgende Dosierungen empfohlen werden:

Patienten unter 70 kg: 20 mg M-retard Helvepharm, alle 12 Stunden.

Patienten über 70 kg: 30 mg M-retard Helvepharm, alle 12 Stunden.

Die Anwendung von M-retard Helvepharm in den ersten 24 Stunden nach einer Operation oder vor Einsetzen der normalen Darmfunktion ist nicht zu empfehlen.

Zusätzlich können parenterale Morphingaben notwendig sein, jedoch unter sorgfältiger Berücksichtigung der Morphingesamtdosis und der prolongierten Wirkung von M-retard Helvepharm.

Übertragbarkeit

Die Bioäquivalenz von Morphinpräparaten mit kontrollierter Freisetzung verschiedener Anbieter ist nicht als sichergestellt zu betrachten. Es muss daher betont werden, dass bei Patienten, einmal eingestellt auf eine wirksame Dosis M-retard Helvepharm, ein Wechsel auf ein anderes Produkt mit langsamer, verzögerter oder kontrollierter Freisetzung von Morphin (oder einem anderen stark wirksamen Analgetikum) nicht ohne Neuanpassung und klinische Überprüfung erfolgen kann.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Bei Patienten mit Nieren- bzw. Leberschädigungen, bei älteren Patienten und in Fällen von Hypothyreose oder Prostatahypertrophie sind meist niedrigere Dosen wirksam.

Kinder unter 12 Jahre

Für Kleinkinder ab 1 Jahr und Kinder liegen bisher wenig publizierte Erfahrungen über die Anwendung von retardiertem Morphin vor. Aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse wird bei starken Krebsschmerzen empfohlen, mit einer Anfangsdosis im Bereich 0,2–0,8 mg/kg im 12-Stunden-Rhythmus zu beginnen. Danach sollte eine individuelle Dosistitration analog zum Erwachsenen erfolgen.

Die Anwendung bei postoperativen Schmerzen ist bei Kindern nicht empfohlen.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe gemäss Zusammensetzung.

Schädel-Hirn-Trauma und erhöhter intrakranieller Druck.

Atemdepression mit Hypoxie oder Hyperkapnie, obstruktive Erkrankungen der Atemwege.

Akutes Abdomen, paralytischer Ileus, akute Lebererkrankungen, verzögerte Magenentleerung.

Monoaminoxidase-Inhibitoren und M-retard Helvepharm dürfen nicht gleichzeitig verabreicht werden. Während 2 Wochen nach Absetzen eines MAO-Inhibitors ist M-retard Helvepharm kontraindiziert.

Kinder unter 1 Jahr.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Besondere Vorsicht ist geboten bei der Anwendung von M-retard Helvepharm bei:

Opioidabhängigkeit;

Epilepsie oder erhöhte Neigung zu Krampfanfällen (Morphin senkt die Anfallsschwelle);

Hypothyreose;

Nebenniereninsuffizienz;

eingeschränkter Atmung, insbesondere bei schwerem Asthma bronchiale;

schwerem Cor pulmonale;

Hypotension bei Hypovolämie und Schock;

schweren Leber- und Nierenfunktionsstörungen;

Gallenwegserkrankungen;

Pankreatitis;

entzündlichen Darmerkrankungen;

Prostatahypertrophie;

älteren Patienten.

Auf eine mögliche Maskierung von Hirndruck-Symptomen ist zu achten.

Bei längerfristiger Anwendung von M-retard Helvepharm kann es zur Entwicklung einer Toleranz mit der Erfordernis höherer Dosen zum Erzielen des erwünschten analgetischen Effektes kommen. Die chronische Anwendung von M-retard Helvpeharm kann zu physischer Abhängigkeit führen, und bei abrupter Beendigung der Therapie kann ein Entzugssyndrom auftreten. Wenn die Therapie mit Morphin nicht mehr länger erforderlich ist, kann es ratsam sein, die Tagesdosis allmählich zu reduzieren, um das Auftreten der Symptome eines Entzugssyndroms zu vermeiden.

Morphin besitzt ähnlich wie andere starke Opioide ein Missbrauchspotenzial. Morphinhaltige Produkte können daher von Personen mit latenten oder manifesten Suchterkrankungen bewusst missbraucht werden. Eine psychische Abhängigkeit (Arzneimittelsucht) kann sich nach Gabe opioidhaltiger Analgetika wie M-retard Helvepharm entwickeln. Daher ist M-retard Helvepharm bei anamnestischem Alkohol- oder Arzneimittelmissbrauch nur mit besonderer Vorsicht und bei zwingenden Gründen zu verordnen.

Eine Hyperalgesie, bei der eine weitere Dosiserhöhung von M-retard Helvepharm zu keiner weiteren Schmerzreduktion führen wird, kann sehr selten insbesondere bei hoher Dosierung auftreten. Eine Reduktion der Morphin-Dosis oder der Wechsel zu einem anderen Opioid kann dann erforderlich werden.

Bei Verdacht auf paralytischen Ileus oder bei Auftreten während der Behandlung muss M-retard Helvepharm sofort abgesetzt werden. Patienten, die sich einer Chordotomie oder einem anderen schmerzlindernden Eingriff unterziehen müssen, dürfen während 24 Stunden vor der Operation kein M-retard Helvepharm erhalten. Wenn danach eine weitere Behandlung mit M-retard Helvepharm angezeigt ist, muss eine Neuanpassung der Dosierung erfolgen.

M-retard Helvepharm Filmtabletten sind für die orale Einnahme bestimmt. Eine missbräuchliche parenterale Verabreichung kann zu schwerwiegenden, potenziell letalen unerwünschten Ereignissen führen.

Um die Retardierung der M-retard Helvepham Filmtabletten nicht zu beeinträchtigen, dürfen diese nicht zerteilt, zerkaut oder zerrieben werden. Die Anwendung zerteilter, zerkauter oder zerriebener Filmtabletten führt zu einer schnellen Freisetzung und zur Resorption einer möglicherweise letalen Dosis von Morphin (siehe «Überdosierung»).

Die Filmtabletten M-retard Helvepharm enthalten Lactose. Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-Intoleranz, Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten M-retard Helvepharm nicht einnehmen.

M-retard Helvepharm 60 mg und 100 mg enthalten den Azofarbstoff Gelborange S (E 110). Die Filmtabletten zu 200 mg enthalten den Azofarbstoff Ponceau 4R (E 124). Bei Patienten mit Überempfindlichkeit gegenüber Azofarbstoffen, Acetylsalicylsäure und anderen Prostaglandinhemmern sollen M-retard Helvepharm 60, 100, 200 mg Filmtabletten mit Vorsicht angewendet werden.

Die Anwendung von M-retard Helvepharm kann bei Dopingkontrollen zu positiven Ergebnissen führen.

Interaktionen

Die gleichzeitige Anwendung von Morphin und anderen zentral dämpfend wirkenden Arzneimitteln wie Tranquilizer, Anästhetika, Hypnotika und Sedativa, Neuroleptika, Barbiturate, Antidepressiva, Gabapentin, Antihistaminika/Antiemetika und andere Opioide, Alkohol oder Antihypertensiva kann zu einer Verstärkung der unerwünschten Wirkungen von Morphin bei üblicher Dosierung führen. Dies betrifft insbesondere die Möglichkeit einer Atemdepression, Sedierung, Hypotonie oder auch eines Komas.

Cimetidin und andere den Leberstoffwechsel beeinflussende Substanzen hemmen die Metabolisierung von Morphin, können Plasmakonzentrationen von Morphin und damit seine Wirksamkeit erhöhen und seine Wirkungsdauer verlängern.

Muskelrelaxantien können die Wirkung von Morphin verstärken.

Bei Vorbehandlung von Patienten mit bestimmten Antidepressiva (MAO-Hemmer) innerhalb der letzten 14 Tage vor der Opioid-Anwendung sind lebensbedrohende Interaktionen auf Zentralnervensystem, Atmungs- und Kreislauffunktion mit Pethidin beobachtet worden. Dies ist auch mit Morphin nicht auszuschliessen.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Es gibt klare Hinweise auf Risiken für den menschlichen Fötus und das Neugeborene. Nach Behandlung der Mutter können beim Neugeborenen Atemdepression sowie Entzugssymptome auftreten.

Während der Schwangerschaft darf M-retard Helvepharm daher nicht verabreicht werden, es sei denn dies ist eindeutig erforderlich.

Stillzeit

Morphin wird mit der Muttermilch ausgeschieden und erreicht höhere Konzentrationen als im mütterlichen Plasma. Da beim Säugling klinisch relevante Konzentrationen erreicht werden können, ist vom Stillen dringend abzuraten.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

M-retard Helvepharm kann die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen, beeinträchtigen. Dies ist insbesondere zu Beginn einer Morphin-Therapie, nach Dosiserhöhung oder Präparatewechsel sowie beim Zusammenwirken von Morphin mit Alkohol oder anderen ZNS-dämpfenden Substanzen zu erwarten. Deshalb sollten Patienten mit ihrem behandelnden Arzt besprechen, ob sie Auto fahren oder Maschinen bedienen dürfen.

Unerwünschte Wirkungen

Die Häufigkeiten sind eingeteilt in «sehr häufig» (≥1/10), «häufig» (≥1/100, <1/10), «gelegentlich» (≥1/1’000, <1/100), «selten» (≥1/10’000, <1/1’000), «sehr selten» (<1/10’000), «nicht bekannt» (Häufigkeit aufgrund der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).

Immunsystem

Gelegentlich: allergische Reaktionen.

Nicht bekannt: anaphylaktische und anaphylaktoide Reaktionen.

Stoffwechsel und Ernährungsstörungen

Häufig: Anorexie.

Psychiatrische Erkrankungen

Häufig: Verwirrtheit, Insomnie.

Gelegentlich: Agitiertheit, Euphorie, Halluzinationen, Stimmungsveränderung.

Nicht bekannt: Denkstörungen, Arzneimittelabhängigkeit, Dysphorie.

Störungen des Nervensystems

Häufig: Schwindel, Kopfschmerzen, unwillkürliche Muskelkontraktionen, Sedierung.

Gelegentlich: Konvulsionen, Muskelhypertonie, Parästhesie, Synkope.

Nicht bekannt: Hyperalgesie.

Augenerkrankungen

Gelegentlich: Verschwommensehen.

Nicht bekannt: Miosis.

Funktionsstörungen des Ohrs und des Innenohrs

Gelegentlich: Vertigo.

Funktionsstörungen der Herzens

Gelegentlich: Palpitationen.

Nicht bekannt: Bradykardie.

Funktionsstörungen der Gefässe

Gelegentlich: Gesichtsrötung, Hypotonie (v.a. orthostatische Hypotonie).

Atmungsorgane

Gelegentlich: Lungenödem, Atemdepression, Bronchospasmus.

Nicht bekannt: Verminderung des Hustens.

Gastrointestinale Störungen

Sehr häufig: Obstipation (34%), Übelkeit (11%).

Häufig: abdominale Schmerzen, Mundtrockenheit, Erbrechen (besonders zu Beginn der Therapie).

Bei Obstipation sollte ein geeignetes Laxans verabreicht werden. Ernährungsbezogene Massnahmen werden empfohlen.

Bei der Dauerbehandlung sind Übelkeit und Erbrechen ungewöhnlich und können gegebenenfalls mit einem Antiemetikum behandelt werden.

Gelegentlich: Ileus, Geschmacksstörungen, Dyspepsie.

Nicht bekannt: Geruchsinnsstörungen.

Funktionsstörungen der Leber und Galle

Gelegentlich: Erhöhung leberspezifischer Enzyme.

Nicht bekannt: Gallenschmerzen (Gallenkoliken, Spasmen der Gallenwege).

Funktionsstörungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Häufig: Hyperhydrosis, Hautausschlag (Rash), Pruritus.

Gelegentlich: Urtikaria.

Funktionsstörungen der Nieren und ableitenden Harnwege

Gelegentlich: Harnretention.

Funktionsstörungen des Reproduktionssystems und der Brust

Nicht bekannt: Amenorrhö, verminderte Libido, Erektionsstörungen.

Allgemeine Erkrankungen

Häufig: Schwächezustände.

Gelegentlich: periphere Ödeme.

Nicht bekannt: Toleranzentwicklung, Arzneimittelentzugssyndrom.

Überdosierung

Symptome: Anzeichen einer Morphin-Intoxikation bzw. Überdosierung umfassen Miosis, Atemlähmung und tiefen Blutdruck. Kreislaufversagen und Koma können in schweren Fällen auftreten.

Behandlung: Wichtig ist, dass die Atemwege frei gehalten werden und die Atmung entsprechend unterstützt und kontrolliert wird.

Je nach Schweregrad der Überdosierung: intravenöse Verabreichung von 0,4–2 mg Naloxonhydrochlorid (Kinder: 0,01 mg/kg Körpergewicht). Falls notwendig 2–3× jeweils nach 2–3 Minuten wiederholen (siehe entsprechende Fachinformation), oder Verabreichung einer Infusion von 2 mg Naloxonhydrochlorid in 500 ml 0,9% NaCl bzw. in 5% Dextrose (0,004 mg/ml). Die Infusions-Geschwindigkeit soll entsprechend der Bolusinjektion eingestellt und der Reaktion des Patienten angepasst werden.

Die Wirkungsdauer von Naloxon ist relativ kurz (Plasmahalbwertszeit: t½ Naloxon = 60–90 Minuten, t½ Morphin = 2–4 Stunden), während jene von M-retard Helvepharm protrahiert ist. Der Patient ist deshalb auch nach Naloxon-Gabe längerfristig zu überwachen (Atmung, u.a.) und wiederholte Naloxon-Gaben können notwendig sein.

Naloxon sollte bei Absenz von klinisch signifikanter Atemdepression oder Kreislaufstörung nicht verabreicht werden. Naloxon sollte mit Vorsicht bei Personen verwendet werden, die möglicherweise physisch von Morphin abhängig sind. Eine abrupte oder vollständige Aufhebung der Opioideffekte kann zu einem akuten Entzugssyndrom führen.

Eine Magen- oder Darmentleerung ist unter Umständen angezeigt, um nicht resorbierte Substanz zu entfernen.

Bei sämtlichen Massnahmen ist zu beachten, dass im Magen-Darm-Trakt verbleibendes M-retard Helvepharm noch über mehrere Stunden Morphin freisetzt.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N02AA01

Morphin, Haupt-Alkaloid des Schlafmohns (Papaver somniferum), ist ein reiner Opioidrezeptoragonist mit ausgeprägter Affinität zu µ-Rezeptoren und geringer Affinität zu κ-Rezeptoren.

Wirkungen auf das Zentralnervensystem

Morphin wirkt analgetisch, antitussiv, sedierend, tranquillisierend, atemdepressiv, miotisch, antidiuretisch, emetisch und antiemetisch (Späteffekt) und geringfügig Blutdruck und Herzfrequenz senkend.

Periphere Wirkungen

Über periphere Opioid-Rezeptoren unterstützt Morphin die analgetische Wirkung, bewirkt eine Reduktion der Motilität und Erhöhung des Tonus der glatten Muskulatur des Gastrointestinaltraktes (spastische Obstipation), Kontraktion der Sphinkteren der Gallenwege, Steigerung des Tonus der Harnblasenmuskulatur und des Blasenschliessmuskels, Verzögerung der Magenentleerung durch Pyloruskonstriktion, Hautrötung, Urtikaria und Juckreiz durch Histaminfreisetzung sowie bei Asthmatikern Bronchospasmus, Beeinflussung der hypophysar-hypo­tha­la­mi­schen Achse und damit Beeinflussung der Hormon­wirkung von Korti­ko­iden, Sexualhormonen, Prolactin und antidiuretischem Hormon. Eine Manifestation klinischer Symptome aufgrund dieser Hormonveränderungen kann möglich sein.

Pharmakokinetik

Absorption

Morphin wird nach oraler Gabe rasch resorbiert, inaktiviert und wieder ausgeschieden. Durch die Retardsysteme wird das Morphin kontrolliert und verzögert freigesetzt. Dadurch werden über längere Zeit wirksame Plasmaspiegel aufrechterhalten.

Nach einmaliger Gabe von 30 mg retardiertem Morphin resultieren folgende tmax und Cmax:

tmaxCmax
Tablette retardca. 3 h11 ng/ml

Im Steady State wurden für die Tabletten retard tmax von ca. 4 Stunden und Cmax von 25 ng/ml gemessen.

Resorbiertes Morphin unterliegt nach oraler Gabe in der Leber einem first pass Metabolismus. Die absolute orale Bioverfügbarkeit von Morphin beträgt 20–40%.

Distribution

Das Verteilungsvolumen von Morphin beträgt 3–4 l/kg. Die Proteinbindung im Plasma beträgt ca. 35%.

Metabolismus

Bei der Metabolisierung in der Leber wird Morphin vor allem in Morphin-3-Glukuronid (nicht analgetisch wirksam) umgewandelt. Weitere Metaboliten, die in geringerer Menge gebildet werden, sind Morphin-6-Glukuronid (stärker und länger wirksam als Morphin) und Normorphin.

Elimination

Die Halbwertszeit von Morphin im Plasma beträgt 2–4 Stunden, die totale Plasma-Clearance 15–30 ml/min/kg. Die Ausscheidung von Morphin erfolgt über die Galle mit anschliessender Sekretion in den Intestinaltrakt. Dort werden die Konjugate hydrolysiert und das freie Morphin erneut resorbiert (enterohepatischer Kreislauf). Die finale Exkretion erfolgt neben der Galle (7–10% in den Fäzes) über die Nieren.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Es ist bekannt, dass bei älteren Patienten der Morphin-Meta­bo­lis­mus verlangsamt sein kann, so dass höhere Maximalkonzentrationen und längere Halbwertszeiten resultieren.

Bei Neugeborenen ist die Clearance stark vermindert mit Werten um 5 ml/kg/min. Die Morphin-Clearance von Kleinkindern zwischen dem 6. und 30. Lebensmonat erreicht Werte wie bei Erwachsenen. In jedem Fall ist eine Dosistitration notwendig wegen hoher interindividueller Unterschiede.

Präklinische Daten

Es liegen zur Mutagenität klar positive Befunde vor, die darauf hindeuten, dass Morphin klastogen wirkt und eine solche Wirkung auch auf Keimzellen ausübt. Aufgrund der Ergebnisse mehrerer Mutagenitätstests ist Morphin als mutagen wirkende Substanz anzusehen; eine derartige Wirkung muss auch im Menschen angenommen werden.

Langzeituntersuchungen am Tier auf ein kanzerogenes Potenzial von Morphin liegen nicht vor.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Das Arzneimittel ist vor Licht geschützt bei Raumtemperatur (15–25 °C) und ausser Reichweite von Kindern zu lagern.

Zulassungsnummer

53644 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Helvepharm AG, Frauenfeld.

Stand der Information

August 2011.

Verwendung dieser Informationen

Die Informationen auf dieser Seite sind für Fachpersonal gedacht. Bei Fragen lassen Sie sich von einer Fachperson (z.B. Arzt oder Apotheker) beraten und lesen Sie die Packungsbeilage auf unserer Produktseite.