Naloxon Orpha Inj Loes 0.4 Mg/ml 10 Amp 1 Ml

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Naloxonhydrochlorid.

Hilfsstoffe: Natriumchlorid, Wasser für Injektionszwecke.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Injektionslösung: 0,4 mg/ml in 1 ml Ampulle.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Naloxon wird zur völligen oder teilweisen Aufhebung opio­idinduzierter zentralnervöser Dämpfungszustände eingesetzt, insbesondere bei der Atemdepression, die durch Opioide wie natürliche und synthetische Narkotika, Fentanyl, Dextropropoxyphen, Methadon sowie bestimmte Agonist-Antagonist-Analgetika wie Pentazocin, Butorphanol und Nalbuphin verursacht werden.

Naloxon dient auch zur Diagnose und Therapie bei Verdacht auf akute Opioid-Überdosierung.

Naloxon OrPha ist zur Anwendung bei Erwachsenen und Kindern bestimmt.

Bei Neugeborenen kann Naloxon OrPha nach Verdünnung zur völligen oder teilweisen Aufhebung opioid-induzierter zentral nervöser Dämpfungszustände eingesetzt werden, wenn die Mutter einer der oben erwähnten Substanzen erhalten hat.

Dosierung/Anwendung

Bekannte oder vermutete Opioid-Überdosierung

Erwachsene erhalten im Allgemeinen als Initialdosis 0,4–2 mg Naloxonhydrochlorid i.v., i.m. oder s.c. injiziert.

Falls der erwünschte Grad der Antagonisierung und Verbesserung der Atemfunktion nicht unmittelbar nach der ersten i.v. Gabe erzielt wird, kann sie in Abständen von 2 bis 3 Minuten intravenös wiederholt werden. Bleibt eine 2- bis 3-malige Verabreichung wirkungslos, kann man daraus schliessen, dass der Zustand des Patienten teilweise oder vollständig auf andere Krankheitsbilder oder nicht-morphinartige Substanzen zurückzuführen ist. Wenn nach Gabe von 10 mg Naloxonhydrochlorid keinerlei Wirkung beobachtet wird, sollte die Diagnose einer opioidbedingten Vergiftung in Frage gestellt werden. Ausnahmen sind Buprenorphin und hohe Dosen von agonist-antagonistisch wirkenden Opioiden.

Bei Kindern beträgt die übliche Initialdosis 0,01 mg Naloxonhydrochlorid pro kg Körpergewicht i.v. Falls diese Dosis nicht zur gewünschten Verbesserung des klinischen Bildes führt, können weitere Dosen von je 0,01 mg/kg Körpergewicht entsprechend den Richtlinien für die postoperative Anwendung beim Erwachsenen gegeben werden. Wenn kein intravenöser Zugang besteht, kann Naloxon i.m. oder s.c. in fraktionierten Dosen gegeben werden.

Postoperative opioidinduzierte Atemdepression

Zur teilweisen Aufhebung der zentralnervösen Dämpfung nach Anwendung von Opioiden während der Operation sind üblicherweise geringe Naloxon-Dosen ausreichend.

Die Dosis sollte nach der Reaktion des Patienten austitriert werden, d.h. Naloxon sollte zur initialen Aufhebung der Atemdepression in fraktionierten Gaben von 0,1 bis 0,2 mg Naloxonhydrochlorid intravenös in Abständen von 2 bis 3 Minuten verabreicht werden, bis der gewünschte Grad der Antagonisierung erreicht ist, was sich an ausreichender Atemfunktion und Vigilanz ohne signifikante Schmerzen oder Unwohlsein erkennen lässt.

Je nach Art und Menge des Opioids (z.B. kurz- oder langwirksam) und der Zeit, die nach der letzten Gabe des Narkotikums verstrichen ist, können weitere Gaben von Naloxon im Abstand von 1 bis 2 Stunden nach der Operation notwendig werden. Es hat sich gezeigt, dass durch zusätzliche intramuskuläre Gaben die Wirkung von Naloxon länger anhält.

Infusionstherapie

Zur intravenösen Infusion kann Naloxon mit NaCl 0,9% oder 5%iger Glucoselösung gemischt werden. Ein Zusatz von 2 mg Naloxonhydrochlorid (entspricht 5 Ampullen Naloxon) zu 500 ml der jeweiligen Lösung ergibt eine Konzentration von 0,004 mg/ml. Infusionsgeschwindigkeiten von 0,4 mg/30 Min. bzw. 3,7 µg/kg/h einer solchen Naloxon-Infusionslösung sind eingesetzt worden, um eine Atemdepression nach Gabe langwirkender Opioide zu verhindern. Die Tropfgeschwindigkeit sollte jedoch nach der Reaktion des Patienten auf die Naloxon-Infusion und die vorher applizierten Bolusinjektionen austitriert werden.

Aufhebung der Atemdepression und anderer zentralnervöser Dämpfungszustände beim Neugeborenen, wenn die Mutter Opioide erhalten hat

Vor der Anwendung bei Neugeborenen muss die Lösung verdünnt werden.

Beim Neugeborenen beträgt die übliche Initialdosis 0,01 mg Naloxonhydrochlorid pro kg Körpergewicht i.v. Ist die Wirkung nicht ausreichend, kann die Gabe nach 2 bis 3 Min. wiederholt werden. Bleibt eine 2- bis 3-malige Verabreichung wirkungslos, ist die Atemdepression nicht opioidbedingt.

Wenn kein intravenöser Zugang besteht, kann Naloxon OrPha i.m. oder s.c. in fraktionierten Dosen gegeben werden.

Sollen grössere Mengen von Naloxon verabreicht werden, ist die Anwendung einer Lösung höherer Konzentration in Betracht zu ziehen, um eine Flüssigkeitsüberladung des Neugeborenen zu vermeiden.

Anleitung zur Verdünnung: Naloxon 1 Ampulle (0,4 mg/ml) auf 10 ml NaCl 0,9% verdünnen. 1 ml dieser Lösung entspricht 0,04 mg Naloxon und reicht für eine Initialdosis bei einem Kind von 4 kg Körpergewicht.

Kontraindikationen

Naloxon soll bei Naloxon-Überempfindlichkeit nicht gegeben werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Vorsicht ist geboten bei Patienten, einschliesslich Neugeborenen von Müttern, die hohe Opioid-Dosen erhalten haben oder bei denen der Verdacht besteht oder bekannt ist, dass sie physisch opioidabhängig sind. In solchen Fällen kann eine plötzliche oder vollständige Antagonisierung der Opioid-Wirkungen ein akutes Entzugssyndrom provozieren.

Wenn die Injektion von Naloxon ein akutes Entzugssyndrom auslöst, muss man unter Umständen wieder eine Dosis des betreffenden Opioids injizieren, um die akuten Symptome unter Kontrolle zu bringen.

Naloxon ist wirkungslos bei nichtopioidbedingter Atemdepression.

Zur Aufhebung der durch Buprenorphin induzierten Atemdepression ist Naloxon begrenzt und in hohen Dosen von 5 bis 10 mg geeignet. Bei unzureichender Wirkung von Naloxon sollte zusätzlich künstlich beatmet werden.

Bei Patienten mit vorbestehender Herzerkrankung sollte Naloxon mit Vorsicht angewandt werden, da über vereinzelte Fälle von Hypotonie, Hypertonie, ventrikulärer Tachykardie, Kammerflimmern sowie Lungenödem bei Anwendung in der postoperativen Phase berichtet wurde; ein direkter ursächlicher Zusammenhang zwischen der Anwendung von Naloxon und dem Auftreten dieser Nebenwirkungen konnte allerdings nicht festgestellt werden.

Interaktionen

Zur Untersuchung von Interaktionen wurden Versuche mit anderen Medikamenten durchgeführt, und zwar nicht nur mit Substanzen aus dem Bereich der Opioide oder deren Antagonisten, sondern auch mit solchen, die ähnliche klinische Effekte hervorrufen und ZNS-depressorische Eigenschaften besitzen. Obwohl Naloxon sich als hochwirksam gegenüber Opioiden und gemischt wirkenden Agonisten erwiesen hat, zeigt es in vergleichbaren Dosen gegen nicht-opioidartig wirkende Medikamente wie Barbiturate keine Wirksamkeit. Im Falle einer Opioid-Überdosis wirkt Naloxon sehr rasch. Patienten mit einer Mehrfachvergiftung durch Opioid und Barbiturat oder Opioid mit gleichzeitiger Intoxikation durch Alkohol können nach Gabe von Naloxon weniger ausgeprägt reagieren, abhängig von der für die Vergiftung dominierenden Substanz.

Obwohl ein direkter ursächlicher Zusammenhang nicht festgestellt werden konnte, sollte Naloxon bei Patienten mit vorbestehender Herzerkrankung mit Vorsicht angewandt werden. Das gleiche gilt auch für Patienten, die unter Medikation mit möglicherweise kardiotoxischen Substanzen stehen.

Schwangerschaft/Stillzeit

Tierexperimentell bestehen bisher keine Anhaltspunkte für eine keimschädigende Wirkung, aber man verfügt über keine Studien bei schwangeren Frauen. Naloxon sollte während der Schwangerschaft nur gegeben werden, wenn nach der Einschätzung des Arztes die potentiellen Vorteile die möglichen Risiken überwiegen. Naloxon kann jedoch unter der Geburt gegeben werden, um eine opio­idinduzierte Atemdepression beim Neugeborenen aufzuheben.

Es ist nicht bekannt, ob Naloxon in die Muttermilch übergeht oder einen Einfluss auf gestillte Säuglinge hat. Daher ist das Stillen bis mindestens 24 Stunden nach Applikation von Naloxon zu unterbrechen.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

In Anbetracht der Indikation nicht zutreffend.

Unerwünschte Wirkungen

Die unerwünschten Wirkungen sind nach Organklassen und Häufigkeitsgraden gegliedert unter Berücksichtigung folgender Definition: sehr häufig (≥1/10), häufig (≥1/100, <1/10), gelegentlich (≥1/1000, <1/100), selten (≥1/10’000, <1/1000), sehr selten (<1/10’000).

Immunsystem

Selten: Allergische Reaktionen (Urtikaria, Rhinitis, Dyspnoe, Quincke-Ödem).

Nervensystem

Häufig: Schwitzen, Schwindel, leichte Benommenheit, Tremor.

Selten: Epilepsie.

Herz

Selten: Tachykardie, Herzstillstand.

Gefässe

Häufig: Hypertonie.

Atmungsorgane

Gelegentlich: Hyperventilation.

Selten: Lungenödem.

Gastrointestinale Störungen

Häufig: Übelkeit, Erbrechen.

Nach überhöhter Dosierung wurden Übelkeit und Erbrechen beobachtet, eine Dosis-Wirkungsbeziehung konnte jedoch nicht festgestellt werden.

Postoperativ

Nach der Operation kann eine überhöhte Dosierung von Naloxon bei Patienten zu deutlicher Aufhebung der Analgesie führen. Auch wurden Fälle von Fibrillation beobachtet.

Überdosierung

Die therapeutische Breite von Naloxon ist sehr gross.

Einzeldosen von 10 mg Naloxonhydrochlorid i.v. und kumulierte Dosen bis zu 90 mg/Tag s.c. sind ohne Nebenwirkungen oder Veränderungen von Laborwerten vertragen worden.

Bisher sind keine Fälle mit Intoxikationssymptomen berichtet worden.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: V03AB15

Naloxonhydrochlorid ist ein reiner Opioid-Antagonist, d.h. Naloxon besitzt selbst keine agonistischen oder morphin­ähnlichen Eigenschaften. In Abwesenheit von Opioiden oder gemischt wirkenden Agonisten zeigt Naloxon im Wesentlichen keine pharmakologische Eigenwirkung.

Wirkungseintritt und -dauer: Am schnellsten tritt die Wirkung nach i.v. Verabreichung ein; daher wird empfohlen, Naloxon in Notfällen i.v. zu verabreichen. Nach i.m. Gabe setzt die Wirkung nur unwesentlich später ein, hält aber länger an. Wirkungseintritt und -dauer sind abhängig von der Dosis und der Applikationsart. Da die Wirkungsdauer einiger Opioide die von Naloxonhydrochlorid übertrifft, sollte der Patient, auch wenn er zunächst zufriedenstellend auf Naloxon ansprach, ständig beobachtet werden, damit bei Bedarf die Naloxon-Applikation wiederholt werden kann.

Pharmakokinetik

2 Minuten nach i.v. Applikation von 0,4 mg Naloxonhydrochlorid wurden bei gesunden Probanden Serumkonzentrationen von 0,01 µg/ml gemessen; nach 5 Minuten betrug die Serumkonzentration 0,0043 µg/ml.

Die Eliminations-Halbwertszeit nach i.v.-Applikation beträgt beim Erwachsenen etwa 70 Minuten; beim Neugeborenen wurden nach intravenöser Gabe Plasmahalbwertszeiten von 2,5–3,5 Stunden gemessen. Naloxon wird überwiegend in der Leber metabolisiert und über die Niere ausgeschieden; Hauptmetabolit ist Naloxonglucuronid.

Die Plasmaproteinbindung von Naloxon liegt im Bereich von 32–45%.

Präklinische Daten

Es liegen keine präklinischen Daten vor, welche für die Anwendung von Naloxon beim Menschen relevant sind.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Naloxon sollte nicht mit Zubereitungen gemischt werden, die Bisulfit, Metabisulfit, langkettige Anionen oder solche mit hohem Molekulargewicht enthalten. Auch sollte es nicht mit alkalischen Lösungen gemischt werden.

Haltbarkeit

Nach Ablauf des Verfalldatums nicht mehr anwenden! Nach Ampullenöffnung muss der nicht benötigte Rest weggeworfen werden.

Besondere Lagerungshinweise

Bei Raumtemperatur (15 bis 25 °C) und vor Licht geschützt lagern.

Zulassungsnummer

56952 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

OrPha Swiss GmbH, 8700 Küsnacht.

Stand der Information

Januar 2009.

Verwendung dieser Informationen

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