Copaxone Inj Loes 20 Mg/ml 28 Fertigspr 1 Ml

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Glatirameracetat.

Hilfsstoffe: Mannitol, Aqua ad iniectabilia.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Injektionslösung in Fertigspritzen (1 ml): à 20 mg.

20 mg/ml Glatirameracetat entsprechend 18 mg/ml Glatiramer-Base.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Copaxone ist indiziert zur Behandlung von Patienten mit einem ersten klinischen auf eine multiple Sklerose hinweisenden neurologischen Ereignis («Clinically isolated Syndrom», CIS), bei denen ein hohes Risiko für die Entwicklung einer klinisch definitiven Multiple Sklerose besteht.

Copaxone ist indiziert zur Reduktion der Schubfrequenz sowie zur Verlangsamung des Fortschreitens von Behinderungsgrad, Intensität und Schwere der Krankheit bei Patienten mit schubförmiger MS und einem Score von ≤5 auf der EDSS. In klinischen Studien zeigte sich dies durch mindestens 2 Schübe mit neurologischen Dysfunktionen über die vorausgehenden 2 Jahre (siehe Rubrik «Eigenschaften/Wirkungen»).

Die Wirksamkeit von Copaxone bei Patienten mit primär oder sekundär progredienter MS sowie sekundär progredienter MS mit überlagerten Schüben wurde bislang nicht nachgewiesen.

Bei Patienten unter 18 Jahren bzw. über 50 Jahren wurde die Wirksamkeit nicht untersucht. Erfahrungen aus kontrollierten Studien mit einer Laufzeit von über 3 Jahren fehlen ebenfalls.

Dosierung/Anwendung

Beginn und Wiederaufnahme der Behandlung mit Copaxone müssen unter Aufsicht eines Neurologen oder Arztes mit Erfahrung auf dem Gebiet der MS-Behandlung durchgeführt werden.

Daten aus nicht kontrollierten Studien über einen Behandlungszeitraum von mindestens 6 Jahren sind verfügbar.

Die Patienten müssen in der Technik der Selbstinjektion instruiert werden, und bei der ersten Selbstinjektion und den darauf folgenden 30 Minuten von einer Fachperson beaufsichtigt werden.

Erwachsene: Die empfohlene Dosierung von Copaxone bei der Behandlung einer schubweise verlaufenden MS ist die subkutane Verabreichung von 20 mg Copaxone täglich.

Eine Langzeitbehandlung wird empfohlen; sie sollte nur auf Empfehlung des behandelnden Arztes abgebrochen werden.

Falls während der Behandlung mit Copaxone wiederholt Schübe auftreten, ist der Nutzen einer Behandlungsfortführung nicht bewiesen.

Betagte und niereninsuffiziente Personen: Copaxone wurde bei diesen Populationen nicht spezifisch untersucht.

Kinder und Jugendliche: Bei Kindern oder Jugendlichen wurden keine prospektiven randomisierten, kontrollierten, klinischen Studien oder pharmakokinetische Studien durchgeführt. Begrenzte Daten aus Publikationen lassen ein ähnliches Sicherheitsprofil von Copaxone bei Jugendlichen (zwischen 12 und 18 Jahren) und Erwachsenen und einen ähnlichen Effekt annehmen. Bei Kindern unter 12 Jahren sollte Copaxone nicht verabreicht werden.

Verabreichungsstelle

Die subkutane Injektion kann an Oberarmen, Abdomen, Gesäss/Hüfte und Oberschenkeln vorgenommen werden. Es wird empfohlen, die Injektionsstelle täglich zu wechseln, um Reizungen und Schmerzen im Gefolge der Injektion zu vermeiden.

Kontraindikationen

Copaxone ist kontraindiziert bei Patienten mit bekannter Hypersensibilität gegenüber Glatirameracetat oder Man­nitol.

Ebenso ist Copaxone bei schwangeren Frauen kontraindiziert.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Die einzige empfohlene Verabreichungsart ist die subkutane Injektion. Copaxone soll weder intravenös noch intramuskulär verabreicht werden.

Die Patienten müssen über die Technik der Selbstinjektion instruiert werden, und bei der ersten Selbstinjektion und den darauf folgenden 30 Minuten bei Beginn oder Wiederaufnahme der Behandlung von einer Fachperson beaufsichtigt werden (siehe auch «Dosierung/Anwendung»).

Innerhalb von Minuten nach einer Injektion von Copaxone können Reaktionen mit mindestens einem der folgenden Symptome auftreten: Gefässerweiterung (Flush), Brustschmerzen, Dyspnoe, Herzklopfen oder Tachykardie (siehe auch «Unerwünschte Wirkungen»). Der Patient ist vom behandelnden Arzt über das mögliche Auftreten solcher Reaktionen aufzuklären. Die meisten dieser Reaktionen sind von kurzer Dauer und gehen spontan ohne weitere Folgen zurück. Bei Auftreten einer schweren unerwünschten Reaktion muss der Patient die Anwendung von Copaxone unverzüglich abbrechen und seinen behandelnden Arzt bzw. einen Notfallarzt benachrichtigen. Über die Einleitung einer symptomatischen Behandlung entscheidet der betreffende Arzt.

Es gibt keine Hinweise dafür, dass für bestimmte Patientengruppen bezüglich dieser Reaktionen ein besonderes Risiko besteht. Trotzdem ist Vorsicht geboten, wenn Copaxone bei Patienten mit bereits bestehenden Herzerkrankungen verabreicht wird. Diese Patienten sollten während der Behandlung regelmässig nachkontrolliert werden.

In seltenen Fällen kann es zu ernsthaften Überempfindlichkeitsreaktionen (z.B. Bronchospasmus, Anaphylaxie oder Urtikaria) kommen. Bei schwerwiegenden Reaktionen ist eine entsprechende Therapie einzuleiten und die Behandlung mit Copaxone abzubrechen.

Über Konvulsionen und/oder anaphylaktoide oder allergische Reaktionen wurde selten berichtet.

Bei niereninsuffizienten Patienten sollte während der Behandlung mit Copaxone die Nierenfunktion regelmässig kontrolliert werden. Obwohl es keine Hinweise auf eine Ablagerung von Immunkomplexen in den Glomeruli beim Menschen gibt, kann diese Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden.

Interaktionen

Interaktionen zwischen Copaxone und anderen Medikamenten sind nicht systematisch untersucht worden.

Die gleichzeitige Verabreichung von Kortikoiden bis zu 28 Tagen bei Copaxone-Patienten wurde gut toleriert.

Daten aus in vitro-Studien legen nahe, dass Glatirameracetat stark an Plasmaproteine gebunden wird, aber weder durch Phenytoin oder Carbamazepin verdrängt wird, noch diese verdrängt. Trotzdem muss aufgrund der Tatsache, dass Copaxone theoretisch die Verteilung stark plasmaproteinbindender Moleküle beeinflussen kann, die gleichzeitige Verschreibung solcher Präparate unter strikter Aufsicht vorgenommen werden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Es liegen keine hinreichenden tierexperimentellen Studien zur Auswirkung auf Schwangerschaft, Embryonalentwicklung, Entwicklung des Fötus und/oder die postnatale Entwicklung vor. Das potentielle Risiko für den Menschen ist nicht bekannt.

Die Unbedenklichkeit der Anwendung von Copaxone während einer Schwangerschaft ist nicht nachgewiesen, da keine kontrollierten Studien an schwangeren Frauen vorliegen. Copaxone ist während der Schwangerschaft kontraindiziert. Während der Anwendung von Copaxone bei Frauen im gebärfähigen Alter sollten zuverlässige kontrazeptive Massnahmen in Erwägung gezogen werden.

Copaxone soll nur mit allergrösster Vorsicht bei stillenden Frauen angewendet werden, da keine Angaben zur Passage von Glatirameracetat und seinen Metaboliten in die Muttermilch vorliegen. Zu erwartende Vorteile und Risiken für Mutter und Kind müssen gegeneinander abgewogen werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es wurden keine Studien zu den Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen durchgeführt.

Unerwünschte Wirkungen

Im Verlaufe der klinischen Entwicklung wurde Copaxone rund 3500 Patienten und gesunden Probanden verabreicht.

Als häufigste unerwünschte Wirkung wurden Reaktionen an der Injektionsstelle, berichtet. (70% Verum vs. 37% Placebo). Die häufigsten lokalen Reaktionen, waren: Erythem, Schmerz, Quaddelbildung, Pruritus, Ödem, Entzündung und Überempfindlichkeit an der Injektionsstelle.

Unmittelbare Post-Injektions-Reaktionen innerhalb von Minuten nach der Injektion (Post-Injektion Reaktion) wurden in folgenden Symptomen beschrieben: Gefässerweiterung, Brustschmerz, Dyspnoe, Herzklopfen oder Tachykardie. (31% der Patienten, die mit Copaxone behandelt wurden, gegenüber 13% der Patienten, die Placebo erhielten).

In der Mehrzahl der Fälle waren diese Ereignisse vorübergehender Natur, klangen spontan ab und hinterliessen keine Folgen; sie erforderten keine spezifische Behandlung. Diese Effekte können sowohl zu Beginn der Behandlung wie auch nach mehreren Monaten auftreten; sie können sowohl einmalig als auch mehrfach bei demselben Patienten auftreten. Es liegen keine Daten vor, die die Identifikation spezieller Risikogruppen für diese Reaktionen erlauben würden.

Alle unerwünschten Ereignisse, die unter Copaxone häufiger aufgetreten sind als unter Placebo (* mehr als 2% höhere Inzidenz unter Copaxone als unter Placebo), sind in der untenstehenden Liste aufgeführt. Diese Daten stammen aus vier pivotalen, doppeltblinden, placebo-kontrollierten Studien, in denen insgesamt 512 Patienten mit Copaxone und 509 Patienten mit Placebo behandelt wurden (maximale Therapiedauer: 36 Monate). Drei dieser klinischen Studien umfassten insgesamt 269 Patienten mit schubförmig-remittierender MS (RRMS), welche mit Copaxone behandelt wurden, und 271 RRMS Patienten, welche mit Placebo behandelt wurden (maximale Therapiedauer: 35 Monate). Die vierte Studie wurde bei Patienten, welche eine erste klinische Episode erlebt hatten und ein hohes Risiko für die Entwicklung einer klinisch definitiven MS aufwiesen, durchgeführt und umfasste 243 Patienten welche mit Copaxone und 238 Patienten welche mit Placebo behandelt wurden (maximale Therapiedauer: 36 Monate).

Während der anschliessenden offenen Extension über bis zu fünf Jahren wurde keine Änderung des bereits bekannten Copaxone-Risikoprofils festgestellt.

Es soll explizit darauf hingewiesen werden, dass die in der Liste aufgeführten Werte keine Rückschlüsse auf die Inzidenz der Nebenwirkungen in der täglichen Praxis zulassen.

Infektionen

Sehr häufig (>1/10): Infektion (31,8%), Influenza (15,4%).

Häufig (>1/100, ≤1/10): Bronchitis, Gastroenteritis, Herpes simplex, Otitis media, Rhinitis, Zahnabszess, Candida-Mykose der Vagina*.

Gelegentlich (>1/1000, ≤1/100): Abszess, Zellulitis, Furunkulose, Herpes zoster, Pyelonephritis.

Neoplasmen

Häufig (>1/100, ≤1/10): benigne Neoplasien der Haut, Neoplasien.

Gelegentlich (>1/1000, ≤1/100): Hautkarzinom.

Selten (>1/10’000, <1000): T-Zellen-Lymphom.

Störungen des Blut- und Lymph-Systems

Häufig (>1/100, ≤1/10): Lymphadenopathie*.

Gelegentlich (>1/1000, ≤1/100): Leukozytose, Leukopenie, Splenomegalie, Thrombozytopenie, abnormale Lymphozytenmorphologie.

Störungen des Immunsystems

Häufig (>1/100, ≤1/10): Hypersensibilität.

Gelegentlich (>1/1000, ≤1/100): Anaphylaxie.

Endokrine Störungen

Gelegentlich (>1/1000, ≤1/100): Struma, Hyperthyreose.

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Häufig (>1/100, ≤1/10): Anorexie, Gewichtszunahme*.

Gelegentlich (>1/1000, ≤1/100): Alkohol-Intoleranz, Gicht, Hyperlipidämie, erhöhtes Blutnatrium, reduziertes Serum-Ferritin.

Psychiatrische Störungen

Sehr häufig (>1/10): Angst (11,1%)*, Depression (13,1%).

Häufig (>1/100, ≤1/10): Nervosität.

Gelegentlich (>1/1000, ≤1/100): abnorme Träume, Verwirrtheit, Euphorie, Halluzinationen, Feindseligkeit, manische Reaktionen, Persönlichkeitsstörung, Suizidversuch.

Nervensystem

Sehr häufig (>1/10): Kopfschmerzen (30,9%).

Häufig (>1/100, ≤1/10): Geschmacksstörungen, spastisch erhöhter Muskeltonus, Migräne, Sprachstörungen, Synkope, Tremor*.

Gelegentlich (>1/1000, ≤1/100): Karpal-Tunnel-Syndrom, kognitive Störung, Konvulsion, Schreibstörung, Dyslexie, Dystonie, motorische Störung, Myoklonus, Neuritis, neuromuskuläre Sperre, Nystagmus, Lähmung, peroneale Nervenlähmung, Stupor, Gesichtsfeldstörungen, Aphasie.

Augen

Häufig (>1/100, ≤1/10): Diplopie, Funktionsstörungen der Augen*.

Gelegentlich (>1/1000, ≤1/100): Katarakt, Kornealäsionen, trockene Augen, Augenblutung, Ptosis, Mydriasis, Optikusatrophie.

Ohr und Innenohr

Häufig (>1/100, ≤1/10): Ohrenschmerzen.

Herz

Häufig (>1/100, ≤1/10): Herzklopfen*, Tachykardie*.

Gelegentlich (>1/1000, ≤1/100): Extrasystolen, Sinusbradykardie, paroxysmale Tachykardie.

Selten (>1/10’000, <1000): akutes Herzversagen.

Gefässe

Sehr häufig (>1/10): Vasodilatation (18,0%)*.

Gelegentlich (>1/1000, ≤1/100): Krampfadern.

Atmungsorgane

Sehr häufig (>1/10): Dyspnoe (13,3%)*.

Häufig (>1/100, ≤1/10): Husten, saisonale Rhinitis.

Gelegentlich (>1/1000, ≤1/100): Apnoe, Erstickungsgefühl, Nasenbluten, Hyperventilation, Laryngospasmus, Funktionsstörung der Lunge, Atmungsstörung.

Gastrointestinale Störungen

Sehr häufig (>1/10): Übelkeit (14,5%)*.

Häufig (>1/100, ≤1/10): rektale Funktionsstörungen, Obstipation, Zahnkaries, Dyspepsie, Dysphagie, Darminkontinenz, Erbrechen*.

Gelegentlich (>1/1000, ≤1/100): Kolitis, Kolonpolyp, Enterokolitis, Aufstossen, ösophageales Geschwür, Periodontitis, rektale Blutung, Vergrösserung der Speicheldrüse.

Leber und Galle

Häufig (>1/100, ≤1/10): abnormaler Leberfunktionstest.

Gelegentlich (>1/1000, ≤1/100): Cholelithiasis, Hepatomegalie.

Haut

Sehr häufig (>1/10): Rash (13,7%)*.

Häufig (>1/100, ≤1/10): Ekchymose, Schwitzen, Juckreiz, Störung der Haut*, Urtikaria.

Gelegentlich (>1/1000, ≤1/100): Angioödem, Kontakt-Dermatitis, Erythema Nodosum, Hautknötchen.

Muskelskelettsystem:

Sehr häufig (>1/10): Arthralgien (10,4%), Rückenschmerzen (13,5%)*.

Häufig (>1/100, ≤1/10): Nackenschmerzen.

Gelegentlich (>1/1000, ≤1/100): Arthritis, Bursitis, Flankenschmerzen, Muskelatrophie, Osteoarthritis.

Nieren- und Harnwege

Häufig (>1/100, ≤1/10): Harndrang, häufiges Harnlassen, Harnretention.

Gelegentlich (>1/1000, ≤1/100): Hämaturie, Nephrolithiasis, Störungen des Harnapparates, Harnanomalie.

Schwangerschafts-, Wochenbett- und Perinatalbeschwerden

Gelegentlich (>1/1000, ≤1/100): Abort.

Reproduktionssystem und Brust

Gelegentlich (>1/1000, ≤1/100): Brustschwellung, erektile Dysfunktion, Beckenprolaps, Priapismus, Funktionsstörungen der Prostata, abnormaler Ceravixabstrich, Störung der Testis, Vaginalblutung, Störung der Vulva und der Vagina.

Allgemeine Störungen und Reaktionen an der Applikationsstelle

Sehr häufig (>1/10): Asthenie (23,8%), Brustschmerzen (12,5%)*, Reaktionen an der Injektionsstelle*¹ (69,5%), Schmerzen (19,0%)*.

Häufig (>1/100, ≤1/10): Schüttelfrost*, Gesichtsödem*, Atrophie an der Injektionsstelle², lokale Reaktionen*, peripheres Ödem, Ödem, Fieber.

Gelegentlich (>1/1000, ≤1/100): Zyste, Katergefühl, allgemeine Unterkühlung, nicht näher beschriebene Entzündung, Nekrose an der Injektionsstelle, Schleimhautstörung.

Verletzungen, Vergiftungen und Verfahrenskomplikationen

Gelegentlich (>1/1000, ≤1/100): Post-Impfungs-Syndrom.

* Mehr als 2% (>2/100) höhere Inzidenz in der Copaxone-Behandlungsgruppe als in der Placebo-Gruppe. Nebenwirkungen ohne das «*» Symbol stellen ein Unterschied von weniger oder gleich als 2% dar.

¹ Der Begriff «Reaktionen an der Injektionsstelle» (verschiedene Arten) umfasst alle unerwünschten Ereignisse an der Injektionsstelle, mit Ausnahme von Atrophie und Nekrose an der Injektionsstelle, die gesondert aufgelistet sind.

² Begriffe, welche sich auf lokalisierte Lipoatrophie an den Injektionsstellen beziehen, sind eingeschlossen.

Überdosierung

Im Falle von Überdosierung müssen die Patienten überwacht werden und es ist eine geeignete symptomatische oder ergänzende Behandlung einzuleiten.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: L03AX13

Wirkungsmechanismus

Copaxone ist eine immunmodulierende Substanz und wird zur Behandlung der multiplen Sklerose eingesetzt.

Die Wirksubstanz von Copaxone, Glatirameracetat, ist das Salz eines synthetischen Polypeptides, das aus 4 natürlichen Aminosäuren besteht: L-Glutaminsäure, L-Alanin, L-Tyrosin und L-Lysin, mit relativen molaren Anteilen von 0,141, 0,427, 0,093 und 0,337. Das mittlere Molekulargewicht von Glatirameracetat liegt zwischen 5000 und 9000 Dalton.

In vorklinischen Studien wurde eine Wirkung von Glatirameracetat bei akuten und remittierenden Formen der experimentellen allergischen Enzephalomyelitis (EAE) bei Maus, Ratte und Meerschweinchen (sowohl bei jungen als auch adulten Tieren), bei Kaninchen und Primaten (Rhesusaffe und Pavian) gezeigt.

Glatirameracetat induziert über Bindung am Haupthistokompatibilitätskomplex Klasse II Molekül auf den Antigen-präsentierenden Zellen antigen-spezifische T-lymphozyten. Diese erkennen das basische Myelin-Protein, welches für die Auslösung der EAE verantwortlich ist.

Nach Durchquerung der Blut-Hirn-Schranke werden die T-Lymphozyten durch das MBP im Tiermodell reaktiviert und sezernieren entzündungshemmende Zytokine, welche für therapeutische Effekte im Zentralnervensystem verantwortlich sind.

Es sind keine Daten bekannt, die auf einen generellen immunsuppressiven Effekt von Glatirameracetat hinweisen.

Die Wirkung wurde durch zerebrale MRI-Untersuchungen gezeigt, bei welchen 2 Monate nach Beginn der Copaxone-Behandlung eine Reduktion der Bildung neuer Läsionen beobachtet wurde (sowohl in T1- als auch T2-gewichteten Aufnahmen). Diese Beobachtung wurde mit der Wirkung auf die Aktivität der Krankheit und die Schübe der multiplen Sklerose in Verbindung gebracht.

Klinische Wirksamkeit

Schubförmig-remittierende MS (RRMS)

Insgesamt wurden 269 Patienten mit schubförmig-remittierender MS, welche mindestens zwei Attacken neurologischer Funktionsstörungen (Exazerbationen) in den vorangegangenen zwei Jahren hatten, in drei kontrollierten Studien behandelt. Bei der ersten handelt es sich um eine Zwei-Jahres-Studie bei 50 Patienten (Copaxone n= 25, Placebo n= 25). In der zweiten Studie wurden 251 Patienten über bis zu 35 Monate (Copaxone n= 125, Placebo n= 126) behandelt. Bei der dritten Studie handelt es sich um eine Neun-Monate-Studie bei 239 Patienten (Copaxone n= 119, Placebo n= 120). Hier musste zusätzlich eine Gadolinium anreichernde Läsion im MRI vorhanden sein.

Die Behandlung mit Copaxone führte zu einer signifikanten Reduktion der Schubzahlen, einer Zunahme des Anteils der Patienten, welche keine Schübe erlitten sowie eine Verlängerung des zeitlichen Abstandes zwischen den Schüben. Ebenfalls konnten positive Auswirkungen auf die bei remittierenden Formen der MS relevanten MRI-Parameter gezeigt werden.

Während der gesamten Dauer der Behandlung war der Anteil der neurologisch stabilen oder gebesserten Patienten in der mit Copaxone behandelten Gruppe höher als in der Placebo-Gruppe, und der Verlauf der Patientenscores auf der EDSS (Expanded Disability Status Scale) nach Kurtzke fiel ebenfalls zu Gunsten von Copaxone aus.

Es liegen Daten zu dieser Therapie über eine Zeitspanne von mindestens 6 Jahren vor.

Clinically Isolated Syndrom

Eine Placebo-kontrollierte Studie mit 481 Patienten (Copaxone n= 243, Placebo n= 238) wurde bei Patienten mit einem gut definierten, einzelnen, unifokalen neurologischen Ereignis (CIS) und einem auffälligen MRI, (mindestens zwei cerebrale T2-gewichtete Läsionen über 6 mm Durchmesser), über 3 Jahre durchgeführt. Andere Krankheiten, mussten ausgeschlossen werden.

Während der offenen Extension für weitere 2 Jahre wurden 198/243 der Copaxone Gruppe und 211/238 der Placebogruppe eingeschlossen.

Im Vergleich zu Placebo während des placebo-kontrollierten Behandlungszeitraums von bis zu drei Jahren, verzögerte Copaxone das Fortschreiten vom ersten klinischen Ereignis zur klinisch definitiven Multiplen Sklerose (CMDS) (Hazard-Ratio = 0,55; 95% KI [0,40; 0,77], p-Wert = 0,0005). Copaxone verlängerte die Zeit bis zur CDMS, von 336 Tage in der Placebo-Gruppe auf 722 Tage in der Copaxone-Gruppe Die Anzahl der neuen T2-Läsion war statistisch signifikant tiefer für Patienten unter Copaxone (p-Wert <0,0001), Das T2-Läsionsvolumen, zeigte eine statistisch signifikante Reduktion von 25% im T2-Läsions-Volumen (p-Wert = 0,0002). Der Anteil der Patienten, welche eine MS entwickelten, betrug (43% bei Placebo- und 25% bei Copaxone (p-Wert <0,0001).

Das Risiko, innerhalb der nächsten drei Jahre in Abhängigkeit von der Ausgangssymptomatik eine CDMS zu entwickeln, war bei der Gruppe «cerebral» ausgeprägter als in der Gruppe «optic» oder «spinal».

Im Serum von Patienten, welche mit Copaxone behandelt wurden, hat man Antikörper gegen Glatirameracetat festgestellt. Der maximale Antikörper-Titer wurde im Mittel nach 3–4 Monaten Therapie gemessen, anschliessend sank der Titer ab und stabilisierte sich auf einem gegenüber dem Basistiter leicht erhöhten Niveau. Die vorliegenden Studien lassen keinen Rückschluss auf eine neutralisierende Wirkung der Antikörper gegen Glatirameracetat, oder eine Beeinflussung der klinischen Wirksamkeit von Copaxone zu.

Die während der Placebo-kontrollierten Phase erzielte Wirkung hielt auch während der Langzeitbeobachtungsphase von bis zu fünf Jahren an. Die Zeit bis zum Fortschreiten zur CDMS wurde durch eine frühzeitige Behandlung mit Copaxone verlängert. Im Vergleich zu einer späteren Behandlung verringerte die Frühbehandlung das Risiko eines Fortschreitens zur CDMS gemessen an den Poser-Kriterien signifikant (p= 0,0005). Die günstige Wirkung einer Frühbehandlung mit Copaxone im Vergleich zu einer späteren Behandlung konnte auch an Hand von MRI-Parametern belegt werden.

Pharmakokinetik

Pharmakokinetische Studien beim Menschen sind nicht durchgeführt worden. Man nimmt an, dass Glatirameracetat am Ort der subkutanen Injektion eine immunmodulierende Wirkung entfaltet. Die therapeutische Wirkung wird durch eine systemische Diffusion der lokal aktivierten T-Zellen vermittelt. Deshalb wären Blutspiegel von Glatirameracetat oder seiner Metaboliten, auch wenn sie messbar wären, in keiner Weise zur Vorhersage der therapeutischen Wirksamkeit geeignet.

In vivo- und in vitro-Studien, bei denen mit radioaktivem Iod markiertes Glatirameracetat bei Mäusen, Ratten und Affen verwendet wurde, haben gezeigt, dass die Substanz vollständig resorbiert und rasch zu kleinermolekularen Fragmenten abgebaut wurde, die rasch eliminiert wurden.

Bei wiederholter Verabreichung wurden die nach Gabe einer radioisotopenmarkierten Einzeldosis beobachteten pharmakokinetischen Basisparameter nicht verändert.

Präklinische Daten

Präklinische Daten aus Studien zur pharmakologischen Sicherheit, Toxizität nach wiederholter Gabe, genetischen Toxizität oder Kanzerogenität erbrachten keine Hinweise auf eine spezielle Gefährdung von Menschen.

Bei Ratten und Affen liegen nach sechsmonatiger Behandlung Berichte über Immunkomplex-ablagerungen in den Glomeruli der Nieren vor.

Reproduktionsstudien sind unzureichend bezüglich der Auswirkung auf Embryonalfötale sowie postnatale Entwicklung.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Fertigspritzen

Der Inhalt der Copaxone Fertigspritzen darf mit keinem anderen Arzneimittel gemischt werden.

Haltbarkeit

Dar Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit «Exp» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Ausser Reichweite von Kindern lagern.

Copaxone Fertigspritzen müssen vor Licht geschützt in der Originalverpackung im Kühlschrank zwischen 2 °C und 8 °C gelagert werden. Ausnahmsweise ist es möglich, Copaxone Fertigspritzen lichtgeschützt in der Originalverpackung während maximal einmal 1 Monat bei Raumtemperatur (zwischen 15 °C und 25 °C) zu lagern. Copaxone Fertigspritzen nicht einfrieren.

Hinweise für die Handhabung

Fertigspritzen sind ausschliesslich zur einmaligen Verwendung bestimmt.

Zulassungsnummer

56363 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Teva Pharma AG, Basel.

Herstellerin

Teva Pharmaceutical Industries Ltd, Israël.

Stand der Information

Oktober 2012.

Verwendung dieser Informationen

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