Phenobarbital Bichsel 10% 200 Mg/2ml 10 Amp 2 Ml

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff

Injektionslösung 2%: Phenobarbital.

Injektionslösung 10%: Phenobarbital als Phenobarbital natricum.

Hilfsstoffe

Injektionslösung 2%: Ethanol 96% 61 mg/ml, Propylenglykol, Wasser für Injektionszwecke.

Injektionslösung 10%: Ethanol 96% 94 mg/ml, Propylenglykol, Wasser für Injektionszwecke.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Injektionslösung. Einmaldosis zur einmaligen Anwendung.

1 Ampulle Phenobarbital 2% (1 ml = 20 mg) enthält: Phenobarbital 20 mg.

1 Ampulle Phenobarbital 10% (2 ml = 200 mg) enthält: Phenobarbital-Natrium 219 mg (entspricht 200 mg Phenobarbital).

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Behandlung des Status epilepticus bei Erwachsenen und Kindern, wenn Benzodiazepine und/oder Phenytoin nicht zum Ziel führen.

Vorübergehende Behandlung von Epilepsien bei Erwachsenen und Kindern anstelle der oralen Behandlung, wenn eine orale Verabreichung nicht möglich ist.

Dosierung/Anwendung

Zur intramuskulären oder in Ausnahmefällen langsam i.v. Verabreichung.

Die Dosierung soll für jeden Patienten individuell angepasst werden. Dabei gelten folgende Richtlinien:

Status epilepticus: Erwachsene 200–600 mg; Kinder 100–400 mg. Der maximale Effekt kann erst 30 min. nach Applikation erwartet werden.

Ersatzbehandlung, wenn orale Gabe nicht möglich: Erwachsene: 1–3 mg/kg KG; Kinder: 3–4 mg/kg KG.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Bei der i.v. Applikation von Phenobarbital kann Atemdepression auftreten, vor allem wenn das Präparat zu schnell infundiert wird. Phenobarbital soll nicht schneller als 60 mg/min. infundiert werden und die Reanimationsmassnahmen müssen jederzeit verfügbar sein.

Barbiturate sollen Kindern und geriatrischen Patienten vorsichtig gegeben werden; es können Hyperaktivität und Reizbarkeit bei Kindern und paradoxe Erregungszustände und Verwirrtheit bei alten Menschen auftreten.

Phenobarbital-Lösungen haben einen hohen pH-Wert von 8,5–10,5. Die i.v. Applikation kann Hypotonie, Schock und Apnoe auslösen. Die subcutane Applikation kann lokale Nekrosen verursachen.

Phenobarbital besitzt ein primäres Abhängigkeitspotential. Bereits bei täglicher Anwendung über wenige Wochen ist die Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung gegeben. Dies gilt nicht nur für den missbräuchlichen Gebrauch besonders hoher Dosen, sondern auch für den therapeutischen Dosisbereich.

Bei längerer Anwendungsdauer (länger als eine Woche) sollte beim Absetzen von Phenobarbital «Bichsel» Injektionslösung die Dosis schrittweise reduziert werden. Hierbei ist das vorübergehende Auftreten möglicher Absetzphänomene zu berücksichtigen.

Während der Behandlung sollte grundsätzlich Alkoholent­haltsamkeit geübt werden.

Phenobarbital «Bichsel» enthält Alkohol. Wegen des als Lösungsmittel verwendeten Alkohols in der Injektionslösung sind Interaktionen mit alkoholunverträglichen Arzneimitteln zu beachten. Aufgrund der Möglichkeit einer Photosensibilisierung (erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut) ist während der Anwendung starke Sonnenbestrahlung zu vermeiden.

Bei Absenzen und Myoklonien ist Phenobarbital nicht wirksam.

Interaktionen

Bei gleichzeitiger Gabe anderer zentral wirksamer Arzneimittel (bestimmte Psychopharmaka, Narkotika, Schmerz- und Schlafmittel, Antihistaminika) sowie Alkohol kann Phenobarbital deren Wirkung und deren Nebenwirkungen verstärken. Phenobarbital ist ein starker Enzymstimulator der Leberenzyme und kann eine Wirkabnahme vieler Wirkstoffe infolge schnelleren Abbaus bewirken (z.B. orale Antikoagulantien, Corticoide, Lamotrigin, Schilddrüsenhormone, Doxycyclin, Chloramphenicol, Antimycotika vom Azol-Typ, Griseofulvin, orale Kontrazeptiva). Bei gleichzeitiger Behandlung mit Felbamat und Phenobarbital kann die Plasmakonzentration von Phenobarbital erhöht und die von Felbamat erniedrigt werden. Valproinsäure verstärkt die Wirkung und teilweise die Nebenwirkungen von Phenobarbital (durch Erhöhung der Serumkonzentration von Phenobarbital), was sich insbesondere bei Kindern in verstärkter Müdigkeit äussern kann. Phenobarbital hingegen führt durch beschleunigte Valproinsäure-Ausscheidung zu einer Wirkungsabschwächung von Valproinsäure.

Von Barbituraten ist bekannt, dass sie die Methotrexat-Toxizität verstärken, die Corticoid-Wirkung (Glucocorticoide) vermindern. Phenytoin kann die Plasmakonzentration von Phenobarbital erhöhen. Andererseits kann Phenobarbital die Phenytoin-Konzentration sowohl erhöhen als auch erniedrigen.

Wegen des als Lösungsmittel verwendeten Alkohols in der Injektionslösung sind Interaktionen mit alkoholunverträglichen Arzneimitteln zu beachten.

Schwangerschaft/Stillzeit

Barbiturate sind plazentagängig und können empryotoxisch wirken, daher wird von einer Anwendung während der Schwangerschaft abgeraten. Sollte trotzdem eine Dauerbehandlung in der Schwangerschaft nötig sein, so ist auf eine strenge Inikationsstellung besonders in den ersten 3 Monaten zu achten; dabei ist die Dosierung, besonders zwischen dem 20. und 40. Schwangerschaftstag, so gering wie möglich zu halten. Eine Kombination mit weiteren Antikonvulsiva oder anderen Medikamenten ist während dieser Zeit zu vermeiden. Die Verabreichung von Barbituraten kurz vor oder während der Geburt kann zu Atemdepression des Neugeborenen führen. Ausserdem sind bei Neugeborenen Gerinnungsstörungen sowie hämorrhagische Komplikationen beschrieben.

Zur Vermeidung von Blutungskomplikationen bei Neugeborenen wird die prophylaktische Gabe von Vitamin K1 in den letzten 2 Wochen der Schwangerschaft an die Mutter bzw. post partum an das Neugeborene angeraten.

Einige Barbiturate gehen in die Muttermilch über. Daher verbietet sich eine Anwendung während der Stillperiode.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Phenobarbital verursacht eine starke Sedierung. Auf das Bedienen von Fahrzeugen und Maschinen muss unter Phenobarbitaltherapie verzichtet werden.

Unerwünschte Wirkungen

Sehr häufig ≥10%; häufig ≥1–<10%; gelegentlich ≥0,1–<1%; selten ≥0,01–<0,1%; sehr selten <0,01% und Einzelfälle.

Mit folgenden Nebenwirkungen ist sehr häufig zu rechnen: Unerwünscht starke Beruhigung sowie Müdigkeit (Schläfrigkeit, Mattigkeit, Benommenheit, verlängerte Reaktionszeit), Schwindelgefühl, Kopfschmerz, Störung der Koordination von Bewegungsabläufen (Ataxie), kognitive Störungen, Verwirrtheit, Störung der Sexualfunktion (verminderte Libido, Impotenz). Am Morgen nach der abendlichen Verabreichung können Überhangeffekte (Konzentrationsstörung, Restmüdigkeit) die Reaktionszeit beeinträchtigen. Bei Kindern und älteren Patienten können häufig paradoxe Erregungszustände auftreten.

Gelegentlich kommt es zu Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Oberbauchbeschwerden oder zu Unverträglichkeitsreaktionen (Fieber, Leberfunktionsstörungen, Hepatits, Lymphknotenschwellung, Leukozytose [Vermehrung der weissen Blutkörperchen], Lymphozytose, erhöhte Lichtempfindlichkeit [Phototsensibilisierung], Hautausschlag, auch schwere Hautreaktionen, z.B. exfoliative Dermatitis, Erythema multiforme, Stevens-Johnson-Syndrom, Lyell-Syndrom) sowie zu Leber-, Nieren- oder Knochenmarkschäden. Ferner können gelegentlich depressive Verstimmungszustände, Kreislaufstörungen, einhergehend mit erniedrigtem Blutdruck, bis hin zum Schock und nach Langzeitanwendung eine Störung der Blutbildung (Megaloblastenanämie) auftreten.

Wegen möglicher Beeinflussung des Knochenstoffwechsels sind regelmässige Kontrollen angezeigt. Ein Zusammenhang zwischen der Behandlung mit Barbituraten und dem gelegentlichen Auftreten von Polyfibromatose (Bindegewebsvermehrung) wird diskutiert.

In sehr seltenen Fällen kommt es zu einer Dupuytrenschen Kontraktur, die üblicherweise beidseitig auftritt, häufig mit einer Verdickung der Fingergelenke und Bindegewebsvermehrung an den Fusssohlen vergesellschaftet ist sowie zu einer Periarthritis humeroscapularis («frozen shoulder»).

In Einzelfällen ist eine Minderung der Serumkonzentration der Schilddrüsenhormone beobachtet worden, dies gilt insbesondere bei einer kombinierten Therapie mit anderen Antiepileptika.

Es wurde in einzelnen Fällen über einen Pemphigus vulgaris (schwere blasenbildende Hauterkrankung) berichtet.

Phenobarbital kann zu einer Atemdepression führen. Darüber hinaus wurde ein Absinken des Folsäurespiegels beobachtet.

Unter der Behandlung mit Phenobarbital kann es bei Kindern zu Verhaltensstörungen, insbesondere zu Hyperaktivität, kommen.

In der Literatur finden sich Hinweise darauf, dass unter der Therapie mit Phenobarbital Blutbildveränderungen wie Leukozytose, Lymphozytose, Leukopenie, Agranulozytose oder Thrombozytopenie (Vermehrung oder Verminderung weisser Blutkörperchen, Verminderung von Blutplättchen) auftreten können.

Ein abruptes Absetzen nach Langzeitbehandlung kann zum Entzugssyndrom führen.

Überdosierung

Symptome der Intoxikation

Leitsymptome der Phenobarbitalintoxikation sind eine ZNS-Depression, die von Somnolenz bis Koma gehen kann, eine Atemdepression und ein Kreislaufversagen (Vasodilatation und verminderte myokardiale Kontraktilität). Im Weiteren treten häufig Ataxie, Dysarthrie, abgeschwächte Sehnenreflexe, Nystagmus, Hypothermie und Bullae (Hautblasen) auf. Als Komplikationen sind eine Aspirationspneumonie und eine Rhabdomyolyse möglich.

Therapie von Intoxikationen

Bei Barbituratvergiftungen sollte folgendermassen verfahren werden: Überwachung von Atmung, Kreislauf, Bewusstsein und Temperatur; bei Bedarf supportive Therapie.

Als primäre Dekontaminationsmassnahme nach peroraler Überdosierung kommt die Magenspülung oder die Verabreichung von Kohle (1 g/kg) in der ersten Stunde nach Überdosierung in Frage (cave Aspirationsgefahr bei schon eingetrübtem Patienten).

Als sekundäre Dekontaminationsmassnahme kann zur Erhöhung der Elimination repetitiv Kohle verabreicht werden (0,5 g/kg Körpergewicht pro Stunde alle 2–4 h verabreicht, unter regelmässiger Kontrolle der Dramtätigkeit). Alternativ oder kombiniert mit der wiederholten Kohlegabe erhöht eine Alkalinisierung des Urins mit Ziel-pH 8 die Elimination von Phenobarbital.

Zusätzliche Möglichkeiten: Hämodialyse, Hämoperfusion.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N03AA02

Phenobarbital wirkt krampflösend und je nach Dosis sedierend bis hypnotisch. Die ausgedehnte hemmende Wirkung auf die zerebralen Funktionen wird durch die verlängerte Öffnungszeit der Cl-Ionen-Kanäle an postsynaptischen neuronalen Membranen ausgelöst. Die dadurch verursachte Hyperpolarisation der Membran verhindert die Weiterleitung von Nervenimpulsen. Die Substanz stimuliert die mikrosomalen Leberenzyme und beschleunigt so den Abbau vieler Arzneistoffe aber auch körpereigener Stoffe wie Bilirubin.

Pharmakokinetik

Absorption

Nach i.m. Gabe ist die Absorption nahezu 100% und die Wirkdauer ca. 4–6 Stunden.

Bei i.v. Applikation beginnt die Wirkung innerhalb von 5 Minuten und erricht ihr Maximum innerhalb von 30 Minuten.

Distribution

Die Plasma-Protein Bindung beträgt 20–45%. Phenobarbital hat eine lange Plasma-Halbwertszeit von 2–6 Tagen. Das Verteilungsvolumen beträgt beim Erwachsenen 0,66–0,88 l/kg und bei Kindern 0,56–0,97 l/kg.

Metabolismus

Phenobarbital wird in der Leber durch oxydative Hydroxylierung in inaktive Metaboliten transformiert.

Elimination

25% einer Dosis erscheinen unverändert im Urin, 75% werden als glucuronidierte und sulfatierte Konjugate über die Niere ausgeschieden.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Niereninsuffizienz

Bei eingeschränkter Nierenfunktion verzögert sich die Ausscheidung erheblich, weshalb die zu verabreichende Dosis zu reduzieren ist.

Leberzirrhose

Bei Leberzirrhose steigt die Plasmahalbwertszeit auf 4–8 Tage an. Alkalische Reaktion des Harns führt zu verminderter tubulärer Resorption, wodurch die renale Elimination beschleunigt wird (Hilfsmassnahme bei Phenobarbital-Intoxikation).

Präklinische Daten

Es sind keine für die Anwendung relevanten präklinischen Daten vorhanden.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Phenobarbital «Bichsel» Injektionslösungen dürfen wegen Ausfällungsgefahr nicht mit Infusionslösungen gemischt werden.

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besonderer Lagerungshinweis

Die Ampullen bei Raumtemperatur (15–25 °C) und vor Licht geschützt in der Originalverpackung aufbewahren.

Für Kinder unzugänglich aufbewahren.

Hinweise für die Handhabung

Die Lösung ist zur einmaligen Anwendung bestimmt und unmittelbar nach Anbruch zu verwenden. Allfällige Reste der Lösung sind zu verwerfen. Nur klare Lösungen verwenden.

Zulassungsnummer

56469, 60489 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Grosse Apotheke Dr. G. Bichsel AG, 3800 Interlaken.

Stand der Information

Mai 2009.

Verwendung dieser Informationen

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