Palladon Ret Kaps 16 Mg 60 Stk

Fachinformationen

Untersteht dem Bundesgesetz über die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe

Zusammensetzung

Wirkstoff: hydromorphoni hydrochloridum.

Hilfsstoffe

Palladon 1,3 mg: lactosum, color.: E 127; excip. pro capsula.

Palladon 2,6 mg: lactosum, color.: E 127; excip. pro capsula.

Palladon Retard 4 mg: color.: E 127, E 132; excip. pro capsula.

Palladon Retard 8 mg: color.: E 127; excip. pro capsula.

Palladon Retard 16 mg: excip. pro capsula.

Palladon Retard 24 mg: color.: E 132; excip. pro capsula.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Palladon Kapseln zu 1,3 mg bzw. 2,6 mg hydromorphoni hydrochloridum corresp. hydromorphonum 1,16 mg bzw. 2,32 mg (schnellfreisetzende Wirkstofffreigabe).

Palladon Retard Kapseln zu 4 mg, 8 mg, 16 mg bzw. 24 mg hydromorphoni hydrochloridum corresp. hydromorphonum 3,56 mg, 7,12 mg, 14,24 mg bzw. 21,36 mg (mit Wirkstoff­freigabe über ca. 12 h).

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Palladon Kapseln: mittelstarke bis starke akute und prolongierte Schmerzen bzw. bei ungenügender Wirksamkeit nicht-opioider Analgetika und/oder schwacher Opioide.

Palladon Retard Kapseln: mittelstarke bis starke prolongierte Schmerzen bzw. bei ungenügender Wirksamkeit nicht-opioider Analgetika und/oder schwacher Opioide.

Dosierung/Anwendung

Die Dosierung ist abhängig von der Stärke der Schmerzen, der vorausgegangenen analgetischen Therapie sowie dem Alter und Gewicht des Patienten. Wichtig ist eine individuelle Dosisanpassung.

Übliche Dosierung (Erwachsene und Kinder über 12 Jahre)

Palladon 1,3 und 2,6 mg Kapseln

1,3 mg Hydromorphonhydrochlorid oral entsprechen ungefähr einer analgetischen Wirkung von 10 mg oral appliziertem Morphinsulfat.

Die übliche Dosierung bei Behandlungsbeginn ist 1 Kapsel 1,3 mg oder 2,6 mg alle 4 Stunden. Bei ungenügender Wirksamkeit oder Zunahme der Schmerzen ist eine Dosissteigerung um 1,3 mg, 2,6 mg oder einer Kombination beider Dosierungsstärken erforderlich.

Palladon Retard 4, 8, 16, 24 mg Kapseln

4 mg Hydromorphonhydrochlorid oral entsprechen ungefähr einer analgetischen Wirkung von 30 mg oral appliziertem Morphinsulfat.

Die Dosierung von Palladon Retard wird mittels Dosistitration individuell eingestellt. Patienten, die erstmals mit einem opiatartigen Analgetikum behandelt werden, erhalten zunächst 1 Palladon Retard 4 mg alle 12 Stunden. Bei ungenügender Wirkung oder Zunahme der Schmerzen ist die Dosis gemäss untenstehender Tabelle resp. um die benötigte Menge an Reservemedikation (pro Tag verbrauchte Reservemedikation dividiert durch 2) zu steigern.

Normalerweise wird im 12-Stunden-Applikationsrhythmus weitergefahren (Tabelle, Spalte A). Eine Einnahme im 8-Stunden-Intervall kann versucht werden, wenn

– zu Beginn des 12-Stunden-Intervalls starke Nebenwirkungen auftreten (Wechsel von Spalte A zu Spalte B: die bisherige Tagesdosis wird ungefähr beibehalten, Aufteilung in 3 Einzeldosen, Verabreichung im 8 h-Intervall);

– gegen Ende des 12-Stunden-Intervalls vermehrt Schmerzdurchbrüche auftreten (Wechsel von Spalte A zu Spalte C: Steigerung der Tagesdosis um 50%, d.h. bisherige Einzeldosis im 8 h-Intervall).

Dosierungsschema

Tagesdosis  A              B             C          
in mg       mg             mg            mg         
            (12-Stunden-   (8-Stunden-   (8-Stunden-
            Intervall)     Intervall)    Intervall) 
8           4+4            –             4+4+4      
16          8+8            4+4+4         8+8+8      
24          (8+4)+(8+4)    8+8+8         (8+4)+(8+4)
                                         +(8+4)     
32          16+16          (8+4)+(8+4)   16+16+16   
                           +(8+4)                   
48          24+24          16+16+16      24+24+24   
Weitere                                             
Steigerungen                                        
30–50%                                              

Zur Behandlung von Schmerzdurchbrüchen sollten dem Patienten normalfreisetzende Palladon Kapseln (1,3 mg bzw. 2,6 mg) zur Verfügung stehen. Regelmässiger Gebrauch der Reserve bedeutet, dass eine Dosissteigerung notwendig ist (s. oben).

Spezielle Dosierungsanweisungen

Bei Patienten mit Nieren- und Leberschädigungen (akute Lebererkrankungen siehe «Kontraindikationen»), bei älteren Patienten und in Fällen von Hypothyreose oder Prostatahypertrophie muss Palladon mit Vorsicht angewendet werden, da hier schon niedrigere Dosen wirksam sein können.

Hinweis zur korrekten Art der Einnahme

Bei Schluckschwierigkeiten können die Kapseln geöffnet werden und der Inhalt auf weiche Nahrung gestreut eingenommen werden. In diesem Fall ist darauf zu achten, dass der ganze Kapselinhalt ohne Verzögerung und ohne zu kauen oder zu zerbeissen sofort eingenommen wird.

Kinder

Für Kinder unter 12 Jahren nicht empfohlen.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe gemäss Zusammensetzung.

Schwere Atemdepression mit Hypoxie oder Hyperkapnie, schwere obstruktive Atemwegserkrankungen.

Akutes Abdomen, paralytischer Ileus, akute Lebererkrankungen, verzögerte Magenentleerung.

Koma, Schädel-Hirn-Trauma und erhöhter intrakranieller Druck, konvulsive Störungen oder Delirium tremens.

Monoaminoxidase-Inhibitoren und Palladon/Palladon Retard dürfen nicht gleichzeitig verabreicht werden. Während 2 Wochen nach Absetzen eines MAO-Inhibitors ist Palladon/Palladon Retard kontraindiziert.

Die präoperative Verabreichung von Palladon Retard stellt keine gesicherte Indikation/Anwendung dar.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Eine Atemdepression ist die bedeutsamste Gefährdung einer Opioidüberdosierung.

Vorsicht bei der Anwendung ist geboten bei opioidabhängigen Patienten, Kopfverletzungen (wegen des Risikos von Zuständen mit erhöhtem Hirndruck), Alkoholismus, toxischer Psychose, Hypotonie bei Hypovolämie, Bewusstseinsstörungen, Gallenwegserkrankungen, Gallen- oder Nierenkolik, Pankreatitis, obstruktive oder entzündliche Darmerkrankungen, Prostatahypertrophie, Nebennierenrinden-Insuffizienz (z.B. Morbus Addison), Hypothyreose, chronisch obstruktiver Atemwegserkrankung, verminderter Atemreserve, bei Kindern unter 12 Jahren, bei älteren oder geschwächten Patienten und bei Patienten mit schwerer Beeinträchtigung der Nieren- oder Leberfunktion (siehe «Dosierung/Anwendung»). Bei allen vorgenannten Patienten kann eine niedrigere Dosierung ratsam sein.

Bei längerfristiger Anwendung von Palladon/Palladon Retard kann es zur Entwicklung einer Toleranz mit der Erfordernis höherer Dosen zum Erzielen des erwünschten analgetischen Effektes kommen. Eine Kreuztoleranz zu anderen Opioiden kann bestehen. Die chronische Anwendung von Palladon/Palladon Retard kann zu physischer Abhängigkeit führen, und bei abrupter Beendigung der Therapie kann ein Entzugssyndrom auftreten. Wenn die Therapie mit Hydromorphon nicht mehr länger erforderlich ist, kann es ratsam sein, die Tagesdosis allmählich zu reduzieren, um das Auftreten der Symptome eines Entzugssyndroms zu vermeiden.

Hydromorphon besitzt ähnlich wie andere starke Opioide ein Missbrauchpotenzial. Hydromorphon-haltige Produkte können daher von Personen mit latenten oder manifesten Suchterkrankungen bewusst missbraucht werden. Eine psychische Abhängigkeit (Arzneimittelsucht) kann sich nach Gabe opioidhaltiger Analgetika wie Palladon/Palladon Retard entwickeln. Daher ist Palladon/Palladon Retard bei anamnestischem Alkohol- oder Arzneimittelmissbrauch nur mit besonderer Vorsicht zu verordnen.

Bei einer Hyperalgesie, die sehr selten insbesondere bei hoher Dosierung auftreten kann, wird eine weitere Dosiserhöhung von Palladon/Palladon Retard zu keiner weiteren Schmerzreduktion führen. Eine Dosisreduktion oder der Wechsel zu einem anderen Opioid kann erforderlich werden.

Palladon/Palladon Retard darf nicht eingesetzt werden, wenn die Möglichkeit besteht, dass ein paralytischer Ileus auftritt. Sollte ein paralytischer Ileus vermutet werden oder während der Behandlung auftreten, muss die Behandlung mit Palladon/Palladon Retard sofort abgebrochen werden.

Palladon/Palladon Retard wird in den ersten 24 Stunden postoperativ oder vor Einsetzen der normalen Darmfunktion nicht empfohlen.

Patienten, die einer anderen zusätzlichen Schmerztherapie (z.B. Operation, Plexusblockade) unterzogen werden, sollten 4 Stunden vor dem Eingriff kein Palladon und 24 Stunden vor dem Eingriff kein Palladon Retard mehr erhalten. Falls eine Weiterbehandlung mit Palladon Palladon/Palladon Retard indiziert ist, sollte die Dosierung nach dem Eingriff den neuen Erfordernissen entsprechend angepasst werden.

Es ist zu beachten, dass Patienten nach erfolgter Einstellung auf wirksame Dosen (Titration) eines bestimmten Opioides nicht ohne ärztliche Beurteilung und sorgfältige bedarfsorientierte Neueinstellung auf ein anderes Opioid umgestellt werden sollten. Andernfalls ist eine kontinuierliche, analgetische Wirkung nicht gewährleistet.

Palladon bzw. Palladon Retard Kapseln sind für die orale Einnahme bestimmt. Eine missbräuchliche parenterale Verabreichung von Palladon bzw. Palladon Retard Kapseln kann zu schwerwiegenden, potenziell letalen unerwünschten Ereignissen führen.

Palladon Kapseln enthalten Lactose. Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-Intoleranz, Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten Palladon Kapseln nicht einnehmen.

Um die Retardierung der in den Palladon Retard Kapseln enthaltenen Pellets nicht zu beeinträchtigen, dürfen diese nicht zerteilt, zerkaut oder zerrieben werden. Die Anwendung zerteilter, zerkauter oder zerriebener Pellets führt zu einer schnellen Freisetzung und zur Resorption einer möglicherweise letalen Dosis von Hydromorphon (siehe «Überdosierung»).

Die Anwendung von Palladon/Palladon Retard kann bei Dopingkontrollen zu positiven Ergebnissen führen.

Interaktionen

Zentralwirksame Arzneimittel wie Anästhetika, Hypnotika, Sedativa, Tranquilizer, Alkohol, Antidepressiva, Antiemetika, Barbiturate, Phenothiazine (MAO-Hemmer s. «Kontraindikationen») und andere Opioide können die ZNS dämpfenden Effekte beider Arzneimittel, beispielsweise Sedierung, Atemdepression verstärken.

Arzneimittel mit anticholinerger Wirkung (z.B. Psychopharmaka, Antihistaminika, Antiemetika, Arzneimittel bei Morbus Parkinson) können anticholinerge Nebenwirkungen von Opioiden verstärken (z.B. Obstipation, Mundtrockenheit oder Störungen beim Wasserlassen).

Bei gleichzeitiger Langzeittherapie mit Cimetidin und Morphin wurden in vereinzelten Fällen erhöhte Morphin-Plasmakonzentrationen beobachtet. Für Hydromorphon ist eine derartige Wechselwirkung ebenfalls nicht auszuschliessen.

Es wurden keine Interaktionsstudien durchgeführt.

Schwangerschaft/Stillzeit

Es gibt klare Hinweise auf Risiken für den menschlichen Fötus. Tierstudien haben ebenfalls unerwünschte Effekte auf den Fötus gezeigt (Teratogenität). Hydromorphon sollte deshalb während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden.

Eine chronische Einnahme sollte während der gesamten Schwangerschaft vermieden werden, da sie zur Gewöhnung und nach der Geburt zu Entzugserscheinungen beim Neugeborenen führen kann.

Hydromorphon kann – vor oder während der Geburt gegeben – die Fähigkeit der Gebärmutter, sich zusammenzuziehen, hemmen. Beim Neugeborenen kann es zur Atemdepression führen, da Hydromorphon die Plazenta passiert.

Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass Hydromorphon mit der Muttermilch ausgeschieden wird, können auch nachteilige Wirkungen für den Säugling nicht ausgeschlossen werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Hydromorphon kann auch bei bestimmungsgemässem Gebrauch das Reaktionsvermögen verändern. Die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Strassenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen kann beeinträchtigt werden.

Unerwünschte Wirkungen

Die Häufigkeiten sind eingeteilt in «sehr häufig» (≥1/10), «häufig» (≥1/100, <1/10), «gelegentlich» (≥1/1’000, <1/100), «selten» (≥1/10’000, <1/1’000), «sehr selten» (<1/10’000), «nicht bekannt» (Häufigkeit aufgrund der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).

Immunsystem

Sehr selten: Überempfindlichkeitsreaktionen (einschliesslich Schwellungen im Bereich des Oropharynx).

Nicht bekannt: anaphylaktische Reaktionen.

Stoffwechsel und Ernährungsstörungen

Häufig: Anorexie.

Psychiatrische Erkrankungen

Häufig: Angst, Verwirrtheit, Schlaflosigkeit.

Gelegentlich: Depression, Dysphorie, Euphorie, Halluzinationen, Albträume, Missbrauch.

Selten: Abhängigkeit, Agitiertheit.

Störungen des Nervensystems

Häufig: Schwindel, Somnolenz.

Gelegentlich: Kopfschmerzen, Tremor, Myoklonus, Parästhesie.

Selten: Krampfanfälle, Sedierung.

Sehr selten: Hyperalgesie.

Augenerkrankungen

Gelegentlich: Miosis, Verschwommensehen.

Funktionsstörungen des Herzens

Gelegentlich: Tachykardie.

Selten: Bradycardie, Palpitationen.

Funktionsstörungen der Gefässe

Häufig: Hypotonie.

Atmungsorgane

Gelegentlich: Dyspnoe.

Selten: Atemdepression, Bronchospasmus.

Gastrointestinale Störungen

Häufig: abdominale Schmerzen, Obstipation, Mundtrockenheit, Übelkeit, Erbrechen.

Gelegentlich: Dyspepsie, Diarrhö, Geschmacksstörungen.

Sehr selten: paralytischer Ileus.

Funktionsstörungen der Leber und Galle

Selten: Gallenkoliken, Erhöhung von Pankreasenzymen.

Sehr selten: Erhöhung leberspezifischer Enzyme.

Funktionsstörungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Häufig: Pruritus, Schwitzen.

Gelegentlich: Hautausschlag (Rash), Urtikaria.

Selten: Rötung des Gesichtes.

Funktionsstörungen der Nieren und ableitenden Harnwege

Häufig: Harnretention, verstärkter Harndrang.

Funktionsstörungen des Reproduktionssystems und der Brust

Gelegentlich: verminderte Libido, Erektionsstörungen.

Allgemeine Erkrankungen und Reaktionen an der Applikationsstelle

Häufig: Asthenie.

Gelegentlich: Toleranz, Entzugserscheinungen*.

Sehr selten: periphere Ödeme.

* Entzugserscheinungen können auftreten und sich in Symptomen wie Agitiertheit, Angst, Nervosität, Schlaflosigkeit, Hyperkinesie, Tremor und gastrointestinalen Symptomen äussern.

Überdosierung

Symptome

Symptome einer Hydromorphon-Intoxikation bzw. Überdosierung umfassen Miosis, Atemdepression, Bradykardie, Hypotonie, fortschreitende Somnolenz bis hin zu Stupor und Koma. In schwereren Fällen können Kreislaufversagen und vertieftes Koma unter Umständen mit letalem Ausgang auftreten.

Behandlung

Intravenöse Verabreichung von 0,4–2 mg Naloxonhydrochlorid (Kinder: 0,01 mg/kg Körpergewicht). Falls notwendig 2–3× jeweils nach 2–3 Minuten wiederholen (siehe entsprechende Fachinformation), oder Verabreichung einer Infusion von 2 mg Naloxonhydrochlorid in 500 ml 0,9% NaCl bzw. in 5% Dextrose (0,004 mg/ml). Die Infusions-Geschwindigkeit soll entsprechend der Bolusinjektion eingestellt und der Reaktion des Patienten angepasst werden.

Die Wirkungsdauer von Naloxon ist relativ kurz (Plasmahalbwertszeit: t½ Naloxon = 60–90 Minuten, t½ Hydromorphon = 2–4 Stunden), während jene von Palladon Retard protrahiert ist. Der Patient ist deshalb auch nach Naloxon-Gabe längerfristig zu überwachen (Atmung, u.a.) und wiederholte Naloxon-Gaben können notwendig sein.

Die Atmung ist gegebenenfalls mittels künstlicher Beatmung zu unterstützen. Der Flüssigkeitshaushalt und die Elektrolytspiegel sind aufrecht zu erhalten. Eine Magenentleerung ist unter Umständen angezeigt. Bei sämtlichen Massnahmen ist zu beachten, dass im Magen-Darm-Trakt verbleibendes Palladon Retard noch über mehrere Stunden Hydromorphon freisetzt.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N02AA03

Wirkmechanismus

Hydromorphon ist ein halbsynthetisches Morphin-Derivat (Opioid).

Hydromorphon ist ein reiner Opiat-Rezeptoren-Agonist mit überwiegender Affinität zu µ-Rezeptoren bei gleichzeitiger geringer Affinität zu κ-Rezeptoren.

Über die im ZNS und in der Peripherie liegenden Rezeptoren entfaltet Hydromorphon seine supraspinale und spinale, analgetische und schmerzdistanzierende Wirkung. Hydromorphon ist 7–8× stärker wirksam als Morphin.

Hydromorphon wirkt stark analgetisch, sowie antitussiv, sedierend, atemdepressiv und hemmend auf die Motilität des Gastrointestinaltraktes.

Klinische Wirksamkeit

Palladon Kapseln weisen eine normale Freisetzung des Wirkstoffes auf und haben eine Wirkdauer von 3–4 Stunden.

Bei Palladon Retard Kapseln handelt es sich um eine Retard-Formulierung mit kontrollierter Freisetzung und einer Wirkdauer von ca. 9–12 Stunden.

Pharmakokinetik

Absorption und Distribution

Nach oraler Applikation wird Hydromorphon rasch aus dem Gastrointestinaltrakt resorbiert und unterliegt einem ausgeprägten first pass Effekt. Dies führt zu einer mittleren oralen Bioverfügbarkeit von ca. 32% (Bereich 17–62%).

Die Maximalkonzentrationen wurden mit Palladon Kapseln nach ca. 1 Stunde und mit Palladon Retard Kapseln unter steady state Bedingungen nach durchschnittlich 3 Stunden erreicht.

Palladon Retard Kapseln weisen typische Charakteristika einer gesteuerten Freisetzung auf (längere Aufrechterhaltung von therapeutisch wirksamen Plasmaspiegeln, verzögerte tmax bei tieferer Cmax).

Nach Erreichen des steady state wurde eine signifikant lineare Beziehung zwischen Hydromorphon-Dosis und AUC gemessen, und dies über den gesamten Dosierungsbereich von 6–216 mg/Tag, welcher in dieser Studie eingesetzt wurde.

Bereits bei Plasmakonzentrationen von über 0,25 ng/ml ist eine analgetische Wirkung zu erwarten.

Hydromorphonhydrochlorid passiert die Plazentaschranke. Angaben über die Ausscheidung in die Muttermilch liegen nicht vor.

Die Plasmaproteinbindung des Hydromorphons ist gering (<10%), wobei dieser Prozentsatz von 2,46 ng/ml bis zu sehr hohen Plasmaspiegeln von 81,99 ng/ml, die nur bei sehr hohen Hydromorphon-Dosen erreicht werden, konstant bleibt.

Hydromorphonhydrochlorid weist ein relativ hohes Verteilungsvolumen von 1,22 ± 0,23 l/kg (C.I.: 90%: 0,97–1,60 l/kg) auf (N= 6 männliche Probanden). Dies weist auf eine deutliche Gewebeaufnahme hin.

Aus dem Verlauf der Plasmakonzentrations-Zeit-Kurven nach einmaliger Gabe von Hydromorphonhydrochlorid 2 mg i.v. oder 4 mg oral an 6 gesunde Probanden im ran­domisierten Cross-over-Versuch ergab sich eine relativ kurze Eliminationshalbwertszeit von 2,64 ± 0,88 Stunden (1,68–3,87 Stunden).

Metabolismus

Hydromorphon wird durch direkte Konjugation oder durch Reduktion der Ketogruppe mit nachfolgender Konjugation metabolisiert. Nach Resorption wird Hydromorphon hauptsächlich zu Hydromorphon-3-Glukuronid, Hydromorphon-3-Glukosid und Dihydroisomorphin-6-Glukuronid metabolisiert. Zu einem kleineren Anteil wurden auch die Metabolite Dihydroisomorphin-6-Glukosid, Dihydromorphin und Dihydroisomorphin beobachtet.

Hydromorphonmetaboliten wurden im Plasma, Urin und in humanen Hepatozyten-Test-Systemen festgestellt. Es gibt keine Hinweise, dass Hydromorphon in vivo durch das Cytochrom P 450 Enzymsystem metabolisiert wird. In vitro hemmt Hydromorphon mit einer IC50 >50 µM nur geringfügig die rekombinanten CYP-Isoformen, einschliesslich CYP1A2, 2A6, 2C8, 2D6 und 3A4. Es ist deshalb nicht zu erwarten, dass Hydromorphon den Metabolismus von anderen Arzneistoffen, die durch diese CYP-Isoformen metabolisiert werden, inhibiert.

Elimination

Hydromorphon wird hepatisch metabolisiert und zum geringen Teil unverändert hauptsächlich renal ausgeschieden.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Siehe unter «Dosierung/Anwendung».

Präklinische Daten

An Ratten, die oral 5 mg/kg/Tag erhielten (30 mg/m²/Tag, was 1,4fach höher ist, als die für den Menschen nach Körperoberfläche errechnete, zu erwartende Dosis), wurden keine Auswirkungen auf die männliche oder weibliche Fertilität oder die Eigenschaften der Spermien beobachtet.

Hydromorphon-Dosen, welche auf das Muttertier toxisch wirkten, waren weder bei Ratten noch Kaninchen teratogen. Eine Beeinträchtigung der fötalen Entwicklung ergab sich bei Kaninchen in einer Dosis von 50 mg/kg (der No-Effect-Level für Entwicklungsparameter lag bei einer Dosis von 25 mg/kg oder 380 mg/m² mit einer Exposition (AUC), die annähernd 4fach über der beim Menschen zu erwartenden liegt). Ratten, die oral mit Hydromorphon 10 mg/kg (308 mg/m² mit einer AUC, die etwa 1,8-mal über der für den Menschen erwarteten liegt) behandelt wurden, zeigten keine fötale Schädigung.

Es wurden keine Studien mit juvenilen Tieren durchgeführt.

Peri- und postpartal stieg die Mortalität von Rattenbabies (F1) bei 2 und 5 mg/kg/Tag an und das Körpergewicht blieb während der Stillperiode reduziert.

Es wurden keine klinischen Befunde oder Befunde nach Autopsie erhoben, die im Zusammenhang mit der Gabe von Hydromorphon an das Muttertier standen.

Hydromorphon war nicht mutagen im Ames-Test und im Maus-Mikronukleus-Assay.

Ausserdem war Hydromorphon im Maus-Lymphoma-Test ohne exogene Metabolisierung (S9) ebenfalls nicht mutagen. Unter den Bedingungen exogener Metabolisierung war Hydromorphon in Konzentrationen ≤100 µg/ml nicht mutagen. Mutagene Eigenschaften konnten in Konzentrationen von ≥200 µg/ml beobachtet werden, welche signifikant höher liegen als die erwarteten durchschnittlichen Plasmaspitzenkonzentrationen im Menschen.

Langzeitstudien zur Kanzerogenität wurden nicht durchgeführt.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Medikament darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Vor Feuchtigkeit schützen, bei Raumtemperatur (15–25 °C) und in der Originalverpackung (Blister) lagern.

Hinweise für die Handhabung

Bei Schluckschwierigkeiten können die Kapseln geöffnet werden und der Inhalt auf weiche Nahrung gestreut eingenommen werden. In diesem Fall ist darauf zu achten, dass der ganze Kapselinhalt ohne Verzögerung und ohne zu kauen oder zu zerbeissen sofort eingenommen wird.

Zulassungsnummer

53222, 53223 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Mundipharma Medical Company, Hamilton/Bermuda, Zweigniederlassung Basel.

Stand der Information

Juni 2011.

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