Penicillin Gruenenthal Trockensub 1 Mega 10 Vial

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Benzylpenicillin (= Penicillin G).

Hilfsstoff

1 Mega: 1,7 mmol Na+ ≡ 38,6 mg Na+ (aus Benzylpenicillin-Natrium).

10 Mega: 17 mmol Na+ ≡ 386 mg Na+ (aus Benzylpenicillin-Natrium).

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Trockensubstanz zur Herstellung einer Lösung zur intravenösen oder intramuskulären Injektion.

Penicillin «Grünenthal» 1 Mega

1 Injektionsflasche enthält: 1 Million U.I., Benzylpenicillin in Form von 599 mg Benzylpenicillin-Natrium.

Penicillin «Grünenthal» 10 Mega

1 Infusionsflasche enthält: 10 Millionen U.I., Benzylpenicillin in Form von 5,988 g Benzylpenicillin-Natrium.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Systemische und/oder lokale Infektionen, die durch Benzylpenicillin-empfindliche Erreger verursacht sind, insbesondere solche durch Streptokokken, Pneumokokken, Gonokokken, Meningokokken und Spirochäten, wie z.B.:

Infektionen des Hals-Nasen-Ohren-Bereiches;

Infektionen der unteren Atemwege;

Infektionen des gynäkologischen Bereiches;

Aktinomykose;

Diphtherie;

Endokarditis und Endoplastitis;

Erysipel;

Gasbrand;

Meningitis und Hirnabszess;

Osteomyelitis;

Peritonitis;

Septikämien;

Tetanus;

Wundinfektionen.

Gegebenenfalls ist die Kombination mit einem weiteren geeigneten Antibiotikum angezeigt.

Wo immer möglich sollte die Keimempfindlichkeit geprüft werden.

Bei überwiegend durch Staphylokokken verursachten Infektionen wie Osteomyelitis und Wundinfektionen muss heute von Benzylpenicillin-resistenten Staphylokokken ausgegangen werden. Eine Therapie mit Penicillin «Grünenthal» ist nur nach Resistenzprüfung indiziert.

Penicillin «Grünenthal» darf bei schweren Infektionen durch unbekannte Erreger nicht in Monotherapie angewendet werden.

Offizielle Empfehlungen zum angemessenen Gebrauch von Antibiotika sollen beachtet werden, insbesondere Anwendungsempfehlungen zur Verhinderung der Zunahme von Antibiotikaresistenzen.

Dosierung/Anwendung

Der Internationale Biologische Referenzstandard für Benzylpenicillin wurde 1968 abgeschafft, nachdem die Sub­stanz vollständig durch analytische Prüfmethoden charakterisiert werden konnte. Für die quantitative Angabe der Dosierung bevorzugt man jedoch noch die (biologischen) Einheiten.

Für Einheiten und Masseangaben gelten folgende Beziehungen:

1 mg Benzylpenicillin-Natrium entspricht 1670 Einheiten.

1 Million Einheiten Benzylpenicillin entsprechen 598,9 mg Benzylpenicillin-Natrium.

Im Allgemeinen betrachtet man 600 mg Benzylpenicillin-Natrium als äquivalent zu 1 Million Einheiten Benzylpenicillin.

Benzylpenicillin hat einen breiten Dosierungsspielraum, wobei sich die Art der Anwendung, die Höhe der Dosis und das Dosierungsintervall nach Art und Empfindlichkeit des Erregers, der Schwere der Infektion und dem Zustand des Patienten richten.

Bei Erwachsenen und Kindern über 12 Jahren wird bei normalempfindlichen Keimen eine Tagesdosis von 1 Million E Benzylpenicillin (entsprechend 600 mg Benzylpenicillin-Natrium) alle 6–8 Stunden empfohlen. Bei schweren Infektionen wie z.B. bakterieller Endokarditis oder Meningitis sollten die Tagesdosen auf 20–60 Millionen E Benzylpenicillin (entsprechend 12’000–36’000 mg Benzylpenicillin-Natrium) verteilt auf 4–6 Einzelgaben erhöht werden.

Kinder (1.–12. Lebensjahr)

0,2–0,5 Millionen E Benzylpenicillin (entsprechend 120–300 mg Benzylpenicillin-Natrium)/kg KG und Tag in 4–6 Einzelgaben.

Säuglinge (1.–12. Lebensmonat)

0,2–1,0 Millionen E Benzylpenicillin (entsprechend 120–600 mg Benzylpenicillin-Natrium)/kg KG und Tag in 3–4 Einzelgaben.

Cave: Bei zu rascher Infusion kann es zu cerebralen Krämpfen kommen.

Neugeborene (bis 4. Lebenswoche)

0,05–0,1 (–0,5) Millionen E Benzylpenicillin (entsprechend 30–60 [–300] mg Benzylpenicillin-Natrium)/kg KG und Tag in 2 Einzelgaben.

Bei Früh- und Neugeborenen sollte wegen der Leberunreife und der verminderten Exkretion von Benzylpenicillin ein Dosierungsintervall von 12 Stunden nicht unterschritten werden.

Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion

Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion ist die Initialdosis gleich der bei Nierengesunden.

Die Erhaltungsdosis sollte jedoch reduziert bzw. das Dosierungsintervall verlängert werden. Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion werden folgende Dosierungen (bezogen auf ein Körpergewicht von 70 kg) empfohlen:

Glomeruläre Filtrationsrate(ml/min)Serum-Kreatinin(mg/100 ml)Dosis Mio E Benzylpenicillin(mg Benzyl-penicillin-Natrium)Dosierungs-intervall(h)
1200,85 (3000)6
452,05 (3000)8
183,54 (2400)8
86,05 (3000)12
215,53 (1800)12
unter 22 (1200)12

Art und Dauer der Anwendung

Penicillin «Grünenthal» wird intravenös injiziert oder infundiert oder intramuskulär verabreicht.

Die Behandlungsdauer ist vom Ansprechen der Erreger bzw. dem klinischen Erscheinungsbild abhängig, sie sollte mindestens 3 Tage über die Entfieberung hinaus fortgeführt werden.

Sollte nach 3–4 Tagen ein Therapieeffekt nicht erkennbar sein, ist eine erneute Sensibilitätsbestimmung durchzuführen und das Präparat gegebenenfalls zu wechseln.

Kontraindikationen

Wegen der Gefahr eines anaphylaktischen Schocks darf Penicillin «Grünenthal» bei Patienten mit erwiesener Penicillin-Überempfindlichkeit nicht angewendet werden.

Bei einer Überempfindlichkeit gegen andere Beta-Laktam-Antibiotika (z.B. Cephalosporine, Carbapeneme) ausgenommen Monobactame (Aztreonam), kann eine Kreuzallergie bestehen.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Siehe auch Rubrik «Pharmakokinetik/Kinetik spezieller Patientengruppen/Vorsichtsmassnahmen bei Risikogruppen».

Die Antibiotikabehandlung kann zu einem Überwuchern durch nicht empfindliche Keime führen.

Im Rahmen einer hochdosierten Penicillin-Therapie sind neurotoxische Reaktionen möglich (s. «Unerwünschte Wirkungen», «Wirkungen auf das Nervensystem»). Bei cerebralen Krämpfen ist eine Behandlung mit Diazepam (5–10 mg i.v.) angezeigt. In schweren Fällen sollte eine Kohle-Hämoperfusion erfolgen.

Anaphylaktische Schockreaktionen treten bei 1–5 von 10’000 mit Penicillin behandelten Patienten auf (siehe Rubrik «Unerwünschte Wirkungen», «Überempfindlichkeitsreaktionen»).

Therapie des anaphylaktischen Schocks

Neben anderen gebräuchlichen Notfallmassnahmen (Atemwege freihalten!) medikamentöse Sofortmassnahmen:

Sofort: Epinephrin (Adrenalin) i.v.

Nach Verdünnen von 1 ml der handelsüblichen Lösung (1:1000) auf 10 ml oder unter Verwendung einer Epinephrin-Fertigspritze (1:10’000) wird zunächst davon 1 ml (= 0,1 mg Epinephrin) unter Puls- und Blutdruckkontrolle langsam intravenös injiziert (cave: Herzrhythmusstörungen!). Die Epinephrin-Gabe kann wiederholt werden.

Danach: Antihistaminika; Volumensubstitution i.v., z.B. Plasmaexpander, Humanalbumin, Vollelektrolytlösung.

Anschliessend: Glukokortikoide i.v., z.B. 250–1000 mg Prednisolon (oder äquivalente Menge eines Derivats). Die Glukokortikoid-Gabe kann wiederholt werden.

Bei Kindern ist die Dosierung der genannten Präparate dem Körpergewicht bzw. dem Alter entsprechend zu reduzieren.

Weitere Therapiemassnahmen sind zu erwägen, z.B. künstliche Beatmung, Sauerstoffinhalation.

Eine sorgfältige Überwachung des Patienten ist erforderlich, da die Symptome rezidivieren können.

Bei Patienten mit Herzerkrankungen schweren Elektrolytstörungen anderer Genese und Patienten mit einer ausgeprägten Niereninsuffizienz (z.B. unter Dialysebehandlung) sollte auf die zusätzliche Natriumzufuhr durch Penicillin «Grünenthal» geachtet werden insbesondere bei länger andauernder Therapie in hoher Dosierung und bei Patienten mit oben genannten Erkrankungen sollte in regelmässigen Abständen eine Kontrolle des Blutbildes, der Nierenfunktion und der Serumelektrolyte durchgeführt werden.

Bei Patienten mit Dermatomykosen sind bereits bei erstmaliger Gabe von Penicillin «Grünenthal» paraallergische Reaktionen möglich.

Dosierungsanpassung bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion s. Rubrik «Dosierung/Anwendung».

Interaktionen

Die Kombinationstherapie mit geeigneten Antibiotika kann zu einem synergistischen Effekt führen. Penicillin «Grünenthal» sollte jedoch nicht mit bakteriostatisch wirkenden Chemotherapeutika, wie z.B. Tetracyclinen, Chloramphenicol, Makroliden, Sulfonamiden, kombiniert werden.

Die gleichzeitige Gabe von Probenecid führt durch Hemmung der tubulären Sekretion von Benzylpenicillin zu erhöhten Serumkonzentrationen und zu einer Verlängerung der Eliminationshalbwertszeit. Darüber hinaus hemmt Probenecid auch den Penicillin-Transport aus der Zerebrospinalflüssigkeit, so dass bei gleichzeitiger Gabe von Probenecid die ohnehin schlechte Penetration von Benzylpenicillin in das Gehirngewebe noch verringert wird.

Die Eliminationshalbwertszeit von Benzylpenicillin wird gleichfalls unterschiedlich verlängert durch Salicylate, Phenylbutazon, Indometacin und Sulfinpyrazon.

Die gleichzeitige Behandlung mit Penicillinen kann zu einer Erhöhung der Serumspiegel von Methotrexat führen und dessen toxische Wirkung verstärken. Eine Überwachung der Methotrexat-Serumspiegel ist daher erforderlich.

Unter der Therapie mit Penicillin «Grünenthal» kann die Wirksamkeit hormoneller Kontrazeptiva beeinträchtigt sein. Es empfiehlt sich deshalb, zusätzlich andere Methoden der Empfängnisverhütung anzuwenden.

Treten Durchfälle auf, so kann die Resorption anderer oral verabreichter Arzneimittel gestört und somit deren Wirkung beeinträchtigt werden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Aus tierexperimentellen Untersuchungen und den bisherigen Erfahrungen mit der Anwendung von Benzylpenicillin bei Schwangeren haben sich keine Anhaltspunkte für fruchtschädigende Wirkungen ergeben. Eine Anwendung von Penicillin «Grünenthal» während der gesamten Schwangerschaft ist bei entsprechender Indikationsstellung möglich.

Die Milchgängigkeit von Benzylpenicillin ist gering. Die Konzentration in der Muttermilch kann 2–15% der mütterlichen Serumwerte erreichen. Obwohl bislang bei mit Muttermilch ernährten Säuglingen keine Nebenwirkungen berichtet wurden, muss die Möglichkeit einer Sensibilisierung oder einer Beeinträchtigung der Darmflora in Betracht gezogen werden (s.a. Rubrik «Präklinische Daten», «Toxikologische Eigenschaften»).

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es wurden keine Studien zur Wirkung von Penicillin auf die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen durchgeführt. Ein Einfluss darauf ist unwahrscheinlich. Allerdings wurden bei hoher Dosierung neurotoxische Reaktionen (Bsp. Benommenheit) beobachtet, die diese Fähigkeiten beeinflussen können (siehe Rubrik «Unerwünschte Wirkungen»).

Unerwünschte Wirkungen

Überempfindlichkeitsreaktionen

Die Häufigkeitsangaben über das Auftreten allergischer Reaktionen schwanken in einem weiten Bereich von 0,6–10%. Anaphylaktische Schockreaktionen treten bei 1–5 von 10’000 mit Penicillin behandelten Patienten auf.

Milde Verlaufsformen manifestieren sich als polymorphes (morbilli- oder skarlatiniformes) Exanthem mit und ohne Eosinophilie.

Schwerwiegender sind urtikarielle oder ödematöse Haut­erscheinungen, angioneurotisches Ödem, Larynxödem, allergische Vasculitis, Erythema nodosum, allergische Purpura, arterielle Gefässverschlüsse, eosinophile pulmonale Infiltrate, Bronchospasmus, Arzneimittelfieber, Serumkrankheits-Syndrom und anaphylaktische Reaktionen.

Eine urtikarielle Sofortreaktion muss immer als bedrohliches Zeichen angesehen werden und zwingt strikt zum Therapieabbruch.

In Einzelfällen kann es zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock kommen.

Im Zusammenhang mit einer Benzylpenicillin-Therapie wurde in Einzelfällen über das Auftreten schwerer, zum Teil lebensbedrohlicher bullöser Hautreaktionen, in der Regel mit Schleimhautbeteiligung, berichtet (Stevens-Johnson-Syndrom, Lyell-Syndrom).

Zwischen Penicillinen und Stoffwechselprodukten von Dermatophyten kann eine Antigengemeinschaft bestehen, so dass bei Patienten mit Dermatomykosen bereits bei erstmaliger Gabe von Penicillin «Grünenthal» allergische Reaktionen auftreten können.

Zur Therapie des anaphylaktischen Schocks siehe Rubrik «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen».

Wirkungen auf Blut und Blutbestandteile

In Einzelfällen kann es bei hoher Dosierung und längerer Anwendung zu Auswirkungen auf das Blutbild kommen in Form von Leukopenie, Neutropenie, Granulozytopenie, Agranulozytose, Thrombozytopenie, Eosinophilie und Panzytopenie. Ferner können Blutgerinnungsstörungen, ein positiver direkter Coombs-Test sowie eine hämolytische Anämie auftreten.

Ein positiver direkter Coombs-Test entwickelt sich bei ca. 3% der Patienten, die 10 Millionen E (entsprechend 6 g) Benzylpenicillin oder mehr pro Tag erhalten. Nur ein geringer Prozentsatz hiervon entwickelt eine immunvermittelte hämolytische Anämie. Voraussetzung dafür ist eine längerdauernde, hochdosierte Therapie. Als mittlere Totaldosis wurden 411 Millionen E (entsprechend 246,6 g) Benzylpenicillin errechnet, die während einer mittleren Behandlungszeit von 20 Tagen gegeben wurden. Andere allergische Manifestationen sind gewöhnlich nicht vorhanden. Nach Absetzen des Penicillins kann der direkte Antiglobulin-Test noch während 6–8 Wochen positiv bleiben und die Hämolyse anhalten.

Ebenfalls nach längerer, hochdosierter Benzylpenicillin-Therapie kann es zum Auftreten einer dosisabhängigen Neutropenie kommen. Bei Totaldosen von über 200 Millionen E (entsprechend 120 g) Benzylpenicillin liegt die Inzidenz bei 5–15%, unterhalb dieser Dosis ist diese sehr gering. Nach Absetzen der Therapie kommt es in 90% der Fälle innerhalb von 2–8 Tagen zu einer raschen Erholung. Bei Weiterführung der Therapie kann es zur vollständigen Agranulozytose kommen.

Blutgerinnungsstörungen infolge Hemmung der Thrombozytenaggregation unter der Therapie mit Benzylpenicillin sind ebenfalls dosisabhängig. Eine relevante Verlängerung der Blutungszeit tritt bei Nierengesunden oberhalb einer Tagesdosis von 20 Millionen E (entsprechend 12 g) Benzylpenicillin ein. Die Störung tritt innerhalb von 24 Stunden nach Beginn der Therapie ein und persistiert bis zu 4 Tage nach Absetzen von Benzylpenicillin. Bei höheren Konzentrationen können zusätzlich Störungen der plasmatischen Gerinnung auftreten, und zwar durch Störung der Fibrinpolymerisation, einer erhöhten Antithrombin-III-Aktivität und einer Hemmung der Faktor-Xa-Aktivierung.

Wirkungen auf die Niere

In seltenen Fällen wurde nach hochdosierter, längerdauernder Therapie mit Benzylpenicillin über das Auftreten einer interstitiellen Nephritis berichtet. Die tägliche Benzylpenicillin-Dosis variierte zwischen 12 und 60 Millionen E bzw. 7,2 und 36 g (im Mittel 28 Millionen E bzw. 16,8 g), die Therapiedauer betrug 7–42 Tage (im Mittel 17 Tage). Neben Proteinurie und Hämaturie bestehen meist Fieber, Eosinophilie und Exantheme. Es kann sich aber auch eine schwere Niereninsuffizienz mit Anurie einstellen. Ebenfalls beschrieben wurden angiitische und glomerulonephritische Läsionen sowie ein akutes Nierenversagen mit vollständiger Anurie nach einer einzigen Penicillin-Injektion. Ein ursächlicher Zusammenhang mit der Penicillin-Therapie ist jedoch fraglich.

Wirkungen auf die Leber

In Einzelfällen wurde über das Auftreten einer Hepatitis und/oder Cholestase berichtet. Diese Reaktionen traten im Gefolge von oder begleitend mit Schock, Exanthem, exfoliativer Dermatitis, Fieber und/oder Eosinophilie oder einem Serumkrankheits-Syndrom auf.

Wirkungen auf das Nervensystem

Unter hochdosierter Benzylpenicillin-Therapie, insbesondere bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion oder Krampfbereitschaft (Epilepsie), kann es häufig zu neurotoxischen Effekten in Form von Benommenheit, Halluzinationen, Hyperreflexie und Myoklonien kommen. Letztere können in fokale, später generalisierte Krampfanfälle und komatöse Zustände übergehen. In wenigen Fällen wurde über einen letalen Verlauf berichtet.

Neurotoxische Reaktionen wurden bei Benzylpenicillin-Tagesdosen von 40–60 Millionen E (entsprechend 24–36 g) bei Nierengesunden, von 20 Millionen E (entsprechend 12 g) bei Patienten mit leicht- bis mittelgradig eingeschränkter Nierenfunktion und von 10 Millionen E (entsprechend 6 g) bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz beobachtet.

Besondere Dispositionen sind auch gegeben bei Säuglingen und alten Menschen, bei Patienten mit Septikämien durch gramnegative Erreger, Endokarditis oder herzchirurgischen Eingriffen mit Herz-Lungen-Maschinen.

Bei neurotoxischen Reaktionen, die meist 12–72 Stunden nach Beginn der Therapie auftreten, sollte Penicillin «Grünenthal» sofort abgesetzt oder gegebenenfalls die Dosis reduziert werden.

Zur symptomatischen Therapie cerebraler Krämpfe siehe Rubrik «Überdosierung».

Elektrolytstörungen

Natriumintoxikationen (Hypokaliämie, metabolische Alkalose) wurden nach Gabe von 100 Millionen E (entsprechend 60 g) Benzylpenicillin-Natrium/Tag beobachtet. Obwohl Natriumintoxikationen bei Einhalten der beschriebenen Tageshöchstdosis von 60 Millionen E nicht zu erwarten sind, wird empfohlen bei Patienten unter notwendiger Natriumrestriktion (z.B. bei Herzerkrankungen, terminaler Niereninsuffizienz, schweren Elektrolytverschiebungen) regelmässig die Elektrolyte, insbesondere den Natriumspiegel, zu kontrollieren.

Zu Beeinflussung diagnostischer Methoden siehe Rubrik «Sonstige Hinweise».

Beeinflussung des Magen-Darm-Traktes

Glossitis, Stomatitis, Lingua villosa nigra, Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle sind in seltenen Fällen möglich. Beim Auftreten von schweren, wässrigen Durchfällen während oder nach der Therapie, die mit Fieber oder Bauchschmerzen einhergehen können, ist an eine antibiotikabedingte pseudomembranöse Enterokolitis zu denken, die lebensbedrohlich sein kann. In diesen sehr seltenen Fällen ist Penicillin «Grünenthal» sofort abzusetzen und eine geeignete Therapie einzuleiten, z.B. Vancomycin oral, 4× 250 mg täglich. Peristaltikhemmende Mittel sind kontraindiziert.

Jarisch-Herxheimer-Reaktion

Bei der Behandlung von Spirochäteninfektionen (Lues, Borreliose) kann es (meist 2–12 Stunden nach der ersten Dosis) zum Auftreten einer Jarisch-Herxheimer-Reaktion kommen, die durch Fieber, Schüttelfrost, Allgemein- und Herdsymptome gekennzeichnet ist.

Lokale Reaktionen

Häufig treten bei intramuskulärer Gabe Schmerzen an der Injektionsstelle auf. Bei intravenöser Verabreichung kann es zu Reizungen der Venenwand bis hin zur Thrombo­phlebitis kommen.

Sonstige Nebenwirkungen

Die langfristige und wiederholte Anwendung von Penicillin «Grünenthal» kann zu Superinfektionen mit resistenten Bakterien und Sprosspilzen führen.

Überdosierung

Spezielle Massnahmen bei Überdosierung, ausser dem Absetzen von Penicillin «Grünenthal», sind nicht erforderlich. Benzylpenicillin ist hämodialysierbar.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: J01CE01

Wirkungsmechanismus/Pharmakodynamik

Benzylpenicillin ist ein biosynthetisches, nicht penicillinasefestes, bakterizid wirkendes Antibiotikum, das die Zellwandbiosynthese proliferierender Mikroorganismen durch Blockierung der bakteriellen Transpeptidase hemmt. Keime im Ruhestadium werden nur in geringem Masse bakterostatisch beeinflusst.

Klinische Wirksamkeit

Das Wirkungsspektrum von Benzylpenicillin umfasst folgende Keime:

Actinomyces spp., Arachnia propionica, Bacillus anthracis, Bifidobacterium, Borrelien, Clostridium perfringens, Corynebacterium diphtheriae, Erysipelothrix rhusiopathiae, Fusobacterium spp., Gaffkya anaerobius, Gardnerella vaginalis, Lactobacillus sp., Listeria monocytogenes, Neisseria gonorrhoeae, Neisseria meningitidis, Pasteurella multocida, Peptococcus spp., Peptostreptococcus spp., Propionibacterium spp., Streptococcus agalactiae, Streptococcus pneumoniae, Streptococcus pyogenes, Streptokokken der Gruppe C und G, Streptokokken der Viridans-Gruppe, Treponema pallidum, Veillonella parvulva.

Unterschiedlich bzw. schwach empfindlich sind:

Actinobacillus actinomycetem-comitans, Bacteroides melaninogenicus, Eikenella corrodens, Leptospira spp., Staphylococcus aureus, Staphylococcus epidermidis, Enterococcus faecalis, Enterococcus faecium.

Stets oder meist resistent sind:

Bacteroides fragilis und andere Bacteroides spp., Brucella, Chlamydien, Enterobacteriaceae (Enterobacter, Escherichia coli, Klebsiella u.a.), Haemophilus influenzae, Legionellen, Mycoplasmen, Nocardien, Pseudomonas spp., Vibrionen.

Eine Kreuzresistenz von Benzylpenicillin besteht mit Oralpenicillinen und teilweise mit Ampicillin.

Pharmakokinetik

Absorption

Benzylpenicillin ist nicht säurestabil und daher nur parenteral anwendbar.

Die Alkalisalze von Benzylpenicillin werden nach i.m. Injektion rasch und nahezu vollständig resorbiert.

Nach intramuskulärer Injektion von 0,2; 0,5; 1 bzw. 5 Millionen E (entsprechend 120; 300; 600 bzw. 3000 mg) Benzylpenicillin-Natrium werden nach 1 Stunde Plasmakonzentrationen von 1,7; 4,8; 12 bzw. 42 mg/l gemessen.

Nach intravenöser Injektion von 1 bzw. 5 Millionen E (entsprechend 600 bzw. 3000 mg) Benzylpenicillin-Natrium betragen die maximalen Plasmakonzentrationen 45 bzw. 234 mg/l.

Nach 1 stündiger Kurzinfusion von 1; 5 bzw. 10 Millionen E (entsprechend 600; 3000 bzw. 6000 mg) Benzylpenicillin-Natrium werden maximale Plasmakonzentrationen von ca. 15; 78 bzw. 240 mg/l erreicht.

Distribution

Benzylpenicillin ist gut gewebegängig, in den meisten Organen und Körperflüssigkeiten werden therapeutisch wirksame Konzentrationen erreicht. Die Diffusion in Muskulatur, Knochen, Nervengewebe und Gehirn ist schlecht. Die Liquorgängigkeit ist gering, bei entzündeten Meningen allerdings deutlich erhöht, so dass im Liquorraum bis zu 50% der Serumspiegel erreicht werden.

Benzylpenicillin ist plazentagängig. Im fetalen Kreislauf findet man 10–30% der mütterlichen Plasmakonzentrationen. Hohe Konzentrationen werden auch im Fruchtwasser erreicht. Dagegen ist der Übergang in die Milch gering (2–15% der mütterlichen Plasmawerte).

Das Verteilungsvolumen beträgt etwa 0,3–0,4 l/kg, bei Kindern etwa 0,75 l/kg. Benzylpenicillin bindet zu ca. 45–65% an Plasmaproteine.

Elimination

Benzylpenicillin wird fast ausschliesslich renal ausgeschieden, und zwar zu 90% durch tubuläre Sekretion und zu 10% durch glomeruläre Filtration. Ein geringer Teil wird biliär ausgeschieden.

Bei i.v. Gabe werden 50–70% der Dosis in antibakteriell aktiver Form renal eliminiert, weitere 20% in Form von inaktiven Zerfallsprodukten, von denen Penicilloinsäure den Hauptanteil bildet.

Die Plasmahalbwertszeit beträgt im Mittel 30–40 Minuten bei Nierengesunden. Sie verlängert sich im Alter bis 1,5 Stunden, bei Kindern bis 2 Stunden und bei Säuglingen bis 3 Stunden.

Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist die Halbwertszeit ebenfalls verlängert, bei Anurie kann sie 10 Stunden betragen.

Kinetik spezieller Patientengruppen/Vorsichtsmassnahmen bei Risikogruppen

Bei Diabetikern ist mit einer verzögerten Resorption aus dem intramuskulären Depot zu rechnen.

Präklinische Daten

Toxikologische Eigenschaften

Mutagenes und tumorerzeugendes Potential

Benzylpenicillin wurde nur unzureichend auf mutagene Wirkungen untersucht. Mehrere bakterielle Tests ergaben keine Hinweise auf eine Induktion von Genmutationen. In-vitro- und In-vivo-Tests zum Nachweis von Chromosomenaberrationen sind methodisch unzulänglich, ergeben aber keine relevanten Verdachtsmomente.

Langzeituntersuchungen am Tier auf ein tumorerzeugendes Potential liegen nicht vor.

Reproduktionstoxizität

Benzylpenicillin ist placentagängig. 1–2 Stunden post applicationem werden im fetalen Serum der mütterlichen Serumwerte entsprechende Konzentrationen erreicht. Bisherige Erfahrungen mit Schwangeren sowie Untersuchungen an Ratten, Kaninchen und Affen haben keine Hinweise auf ein teratogenes Potential ergeben.

Sonstige Hinweise

Hinweise für die Handhabung

Penicillin ist mit vielen Arzneistoffen und Lösungsmitteln nicht kompatibel. Deshalb sollten nur die untenstehenden Lösungsmittel verwendet werden und der Zusatz von anderen Arzneimitteln sollte unterbleiben (vgl. auch Rubrik «Inkompatibilitäten»).

Zur Herstellung der Injektions- bzw. Infusionslösung sollte die Trockensubstanz in Wasser für Injektionszwecke gelöst werden. Um 10 Millionen I.E. in einem Endvolumen von 20 ml aufzulösen, werden bei 20 °C 16 ml Aqua ad injectabilia benötigt.

Als Lösungsmittel kann auch 5 %ige Glucoselösung verwendet werden.

Die Injektions- bzw. Infusionslösungen von Penicillin «Grünenthal» sind vor der Gabe stets frisch zuzubereiten und auf Klarheit zu prüfen. Lösungen mit Trübungen oder Ausfällungen sind nicht anzuwenden.

Intravenöse Injektion und Infusion

Bei der intravenösen Injektion oder Infusion sollten isotonische Lösungen angestrebt werden.

Isotonische Lösungen enthalten ca. 100’000 E Benzylpenicillin (entsprechend 60 mg Benzylpenicillin-Natrium)/ml Wasser für Injektionszwecke.

Dosen über 2 Millionen E Benzylpenicillin (entsprechend 1200 mg Benzylpenicillin-Natrium) sollten langsam (höchstens 0,5 Millionen E bzw. 300 mg/min) verabreicht werden, um zentralnervöse Störungen zu vermeiden.

Intramuskuläre Injektion

Lösungen die bis zu 100’000 E/ml Benzylpenicillin (entsprechend 60 mg Benzylpenicillin-Natrium)/ml Wasser für Injektionszwecke enthalten, werden am besten toleriert. Die intramuskuläre Gabe höher konzentrierter Lösungen von Benzylpenicillin, z.B. 0,5–1,0 Millionen E (entsprechend 300–600 mg Benzylpenicillin-Natrium)/ml Wasser für Injektionszwecke ist möglich, sie ist jedoch aufgrund der Hypertonie nicht ganz schmerzfrei. Letzteres trifft in verstärktem Masse für Lösungen von Benzylpenicillin in isotonischer Natriumchloridlösung zu.

Es empfiehlt sich nicht, Einzeldosen von mehr als 10 Millionen E Benzylpenicillin (entsprechend 6000 mg Benzylpenicillin-Natrium), gelöst in 10–20 ml Wasser für Injektionszwecke, intramuskulär zu verabreichen.

Hinweise zur topischen Anwendung

Benzylpenicllin sollte, wie alle anderen Penicilline, nicht topisch, z.B. in Form von Salben, Pudern oder Tropfen, eingesetzt werden, da die allergisierende Potenz bei topischer Anwendung besonders gross ist.

Inkompatibilitäten

Penicillin ist unbeständig gegenüber Säuren, Alkalien, Oxidationsmitteln, Alkoholen, Schwermetallionen und erhöhten Temperaturen. Der Zusatz weiterer Medikamente zur Penicillin-Lösung sollte unterbleiben, Injektionsspritzen, die mit Alkohol in Berührung gekommen sind, sollen vor der Durchführung einer Penicillin-Behandlung sorgfältig mit Aqua ad iniectabilia ausgespült werden.

Penicillin ist mit allen Infusionslösungen, deren pH-Wert im deutlich sauren oder alkalischen Bereich liegen (pH <5 bzw. >8) nicht kompatibel.

Benzylpenicillin-Lösungen sind am stabilsten im pH-Bereich 6–7 (Optimum pH 6,8).

Benzylpenicillin ist in Lösung u. a. inkompatibel mit:

Chlorpromazin-HCl.

Heparin-Na.

Hydroxyzin-HCl.

Lincomycin-HCl.

Oxytetracyclin-HCl.

Prochlorperazinmesylat.

Tetracyclin-HCl.

Thiopental-Na.

Benzylpenicillin ist nicht kompatibel mit Vitamin-B-Komplex und Ascorbinsäure in gemeinsamer Lösung.

Benzylpenicillin sollte auch nicht gemischt werden mit Metaraminoltartrat, Pentobarbital, Hydrogencarbonaten oder Lactaten.

Beeinflussung diagnostischer Methoden

Die Eiweissbestimmung im Urin mittels Präzipitationsverfahren (Sulfosalicylsäure, Trichloressigsäure), dem Folin-Ciocalteus-Reagens nach Lowry oder der Biuret-Methode kann zu falsch positiven Ergebnissen führen.

Die Eiweissbestimmung im Harn sollte entweder mit dem Bromphenolblau-Test oder nach Dialyse des Harns durchgeführt werden.

Ebenfalls zu falsch positiven Ergebnissen kann die Aminosäurebestimmung im Urin mittels der Ninhydrin-Methode führen.

Penicilline binden an Albumin. In elektrophoretischen Methoden zur Albumin-Bestimmung kann dadurch eine Pseudobisalbuminämie vorgetäuscht werden.

Unter der Therapie mit Benzylpenicillin kann der nichtenzymatische Harnzuckernachweis und der Urobilinogennachweis falsch positiv ausfallen.

Bei der Bestimmung von 17-Ketosteroiden (mittels der Zimmermann-Reaktion) im Urin, können unter der Therapie mit Benzylpenicillin erhöhte Werte auftreten.

Lagerungshinweise

Bei Raumtemperatur (15–25 °C) lagern. Für Kinder unerreichbar aufbewahren.

Penicillin «Grünenthal» Trockensubstanz darf nach dem auf der Packung aufgedruckten Verfalldatum «EXP» nicht mehr angewendet werden.

Die Zubereitung enthält kein Konservierungsmittel.

Chemische und physikalische in-use Stabilität wurde für 24 Stunden bei 2-8 °C gezeigt.

Aus mikriobiologischen Gründen ist die gebrauchsfertige Zubereitung unmittelbar nach Anbruch zu verwenden.

Zulassungsnummer

56271 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Grünenthal Pharma AG, Glarus Süd, Anschrift: 8756 Mitlödi.

Stand der Information

Juni 2012.

Verwendung dieser Informationen

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