Videx Ec Kaps 250 Mg 30 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Didanosinum.

Hilfsstoffe: Natriumsalze, Color.: Indigocarmin E132 (Kapseln zu 200 mg und 250 mg) in Druckfarbe, Excipiens pro capsula.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Hartgelatine-Kapseln zu 125 mg, 200 mg, 250 mg und 400 mg.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

In Kombination mit anderen antiretroviralen Substanzen bei HIV-infizierten Erwachsenen.

Dosierung/Anwendung

Die Therapie sollte durch einen Arzt bzw. eine Ärztin mit Erfahrung in der HIV-Behandlung initiiert werden.

Einnahme von Videx EC

Weil die Absorption von Didanosin durch gleichzeitige Nahrungseinnahme vermindert wird, sollen Videx EC Kapseln ungeöffnet, auf nüchternen Magen (bzw. 2 Std vor oder nach einer Mahlzeit) mit mindestens 100 ml Wasser eingenommen werden. Siehe auch «Pharmakokinetik: Einfluss von Nahrung auf die Absorption».

Übliche Dosierung

Die tägliche Dosierung von Videx EC ist abhängig vom Körpergewicht und kann im Rahmen eines 2x oder 1x täglichen Dosierungsschemas verabreicht werden:

Dosierungsrichtlinien für Erwachsene

KörpergewichtTägliche DosierungDosierungsschema Videx EC
≥60 kg400 mg2x tägl. 1 Kapsel zu 200 mgoder1x tägl. 1 Kapsel zu 400 mg
<60 kg250 mg2x tägl. 1 Kapsel zu 125 mgoder1x tägl. 1 Kapsel zu 250 mg

Spezielle Dosierungsanweisungen

Eingeschränkte Nierenfunktion: Mit Videx EC Kapseln können nur niereninsuffiziente Patienten mit einem Körpergewicht ≥60 kg und einer Kreatinin-Clearance von 30-59 ml/Min therapiert werden. Bei diesen Patienten wird eine tägliche Dosis von 200 mg Videx EC Kapseln empfohlen.

Für andere niereninsuffiziente Patienten sind Videx EC Kapseln nicht geeignet.

Die Einnahme von Didanosin sollte nach der Dialyse erfolgen; eine zusätzliche Dosis nach der Hämodialyse ist nicht erforderlich.

Eingeschränkte Leberfunktion: Bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion ist keine Dosierungsanpassung erforderlich (siehe auch «Pharmakokinetik: Kinetik bei speziellen Patientengruppen»).

Erhöhung Serumamylase (Pankreatitis-Risiko): Bei einer signifikanten Erhöhung der Serumamylase sollte die Behandlung sofort abgebrochen werden und sorgfältig auf die Möglichkeit einer Pankreatitis geachtet werden, auch wenn keine Symptome vorliegen. Eine fraktionierte Amylasebestimmung kann zur Unterscheidung von einer Amylase-Erhöhung durch vermehrte Speichelbildung dienen. Nur nach Ausschluss einer Pankreatitis oder wenn sich die klinischen und biologischen Parameter normalisiert haben, soll weiterbehandelt werden, falls die Behandlung mit Videx EC als zwingend erachtet wird. Die Dosierung soll initial tief angesetzt und wenn nötig vorsichtig erhöht werden (siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Periphere Neuropathie: Bei Symptomen von peripherer Neuropathie (üblicherweise charakterisiert durch fortbestehendes Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Schmerzen in den Füssen und/oder Händen) sollten die Patienten auf eine alternative Therapie umgestellt werden. In den seltenen Fällen, wo dies nicht möglich ist, sollte eine Dosisreduktion von Didanosin in Erwägung gezogen werden. Dabei müssen die Symptome der peripheren Neuropathie engmaschig überwacht und eine genügende virologische Kontrolle muss sichergestellt werden. Der mögliche Nutzen einer Dosisreduktion soll im Einzelfall gegen das Risiko dieser Massnahme (z.B. reduzierte intrazelluläre Konzentrationen) abgewogen werden.

Pädiatrie: Videx EC ist bei pädiatrischen Patienten nicht untersucht worden. Die Verwendung von Videx EC bei Kindern ist deshalb nicht angezeigt.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegenüber Didanosin oder einem der Hilfsstoffe (siehe auch «Zusammensetzung»).

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Obwohl die wirksame Virussuppression durch eine antiretrovirale Therapie das Risiko einer sexuellen Übertragung erheblich reduziert, kann ein Restrisiko nicht ausgeschlossen werden. Es sollen die entsprechenden Vorsichtsmassnahmen zur Vermeidung einer Übertragung gemäss den relevanten Therapie-Richtlinien beachtet werden.

Eingeschränkte Nierenfunktion

Bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance <60 ml/Min besteht möglicherweise aufgrund einer verminderten Arzneimittel-Clearance ein grösseres Nebenwirkungsrisiko. Siehe dazu auch unter «Dosierung/Anwendung: Spezielle Dosierungsanweisungen».

Eingeschränkte Leberfunktion

Der Metabolismus von Didanosin kann bei Patienten mit schwereren Leberfunktionsstörungen oder anderen Formen einer eingeschränkten Leberfunktion verändert sein (siehe auch «Dosierung/Anwendung: Spezielle Dosierungsanweisungen»).

Kontrolle der Leberenzyme: Die Patienten sollten auf Erhöhung der Leberenzyme untersucht werden, da bei einzelnen Patienten Leberinsuffizienz/-versagen unbekannter Ätiologie auftrat. Die Behandlung mit Videx EC Kapseln sollte unterbrochen werden, wenn die Leberenzyme klinisch signifikant über die Norm (>5x oberer Normwert) ansteigen (siehe auch «Unerwünschte Wirkungen»). Eine erneute Behandlung sollte nur dann in Betracht gezogen werden, wenn der mögliche Nutzen das Risiko eindeutig überwiegt.

Lebererkrankung/Hepatitis: Die Sicherheit und Wirksamkeit von Didanosin wurde bei Patienten mit bestehender signifikanter Lebererkrankung nicht untersucht. Patienten mit chronischer Hepatitis B oder C unter antiretroviraler Kombinationstherapie haben ein erhöhtes Risiko für schwere, möglicherweise letale Nebenwirkungen der Leber. Bei einer Begleitmedikation gegen Hepatitis B oder C bitte die Fachinformation dieser Arzneimittel beachten.

Da bei Patienten mit bestehenden Leberfunktionsstörungen (inkl. chronische aktive Hepatitis) unter antiretroviraler Kombinationstherapie vermehrt Veränderungen der Leberwerte festgestellt wurden, müssen diese Patienten adäquat überwacht werden. Bei Hinweis auf eine Verschlimmerung der Lebererkrankung muss ein Unterbruch oder Abbruch der Therapie in Erwägung gezogen werden.

Patienten mit natriumarmer Diät

Der Natriumgehalt der Videx EC Kapseln beträgt:

  • 0,53 mg für 1 Videx EC Kapsel zu 125 mg.
  • 0,85 mg für 1 Videx EC Kapsel zu 200 mg.
  • 1,06 mg für 1 Videx EC Kapsel zu 250 mg.
  • 1,70 mg für 1 Videx EC Kapsel zu 400 mg.

Antikonzeptionelle Massnahmen

Geeignete antikonzeptionelle Massnahmen (Präservative) sind zur HIV-Ansteckungsprophylaxe und wegen des nicht geklärten erbgutschädigenden Potentials von Didanosin angezeigt.

Nicht empfohlene Kombinationstherapien

Videx EC Kapseln mit Hydroxyurea: Bei HIV-infizierten Patienten unter Didanosinbehandlung in Kombination mit Hydroxyurea und Stavudin wurde Pankreatitis (fatal und nicht fatal) und periphere Neuropathie (in einigen Fällen schwerwiegend) beobachtet. In der Postmarketing-Phase wurde bei HIV-Patienten unter antiretroviraler Therapie mit Hydroxyurea über Hepatotoxizität und Leberversagen mit tödlichem Ausgang berichtet, wobei die Todesfälle meist bei Patienten beobachtet wurden, welche die Kombination Stavudin/Hydroxyurea/Didanosin erhielten. Daher wird Hydroxyurea nicht in Kombination mit einer Anti-HIV-Therapie empfohlen.

Videx EC Kapseln mit Tenofovir: Die gleichzeitige Anwendung von Tenofovir Disoproxilfumarat und Didanosin führt zu einem Anstieg der systemischen Exposition von Didanosin um 40-60%, wodurch das Risiko für Didanosin bedingte Nebenwirkungen erhöht sein kann (siehe auch «Interaktionen»). Über seltene Fälle von Pankreatitis und Laktatazidose, mitunter tödlich, wurde berichtet.

Um eine überhöhte Exposition von Didanosin im Falle einer gleichzeitigen Anwendung von Tenofovir Disoproxilfumarat zu verhindern, wurde eine reduzierte Dosis von Didanosin (250 mg) getestet. Dies wurde allerdings mit Berichten über eine hohe Rate an frühem virologischen Versagen und Resistenzbildung innerhalb mehrerer getesteter Kombinationen assoziiert. Die gleichzeitige Anwendung von Tenofovir Disoproxilfumarat und Didanosin ist daher nicht zu empfehlen, insbesondere bei Patienten mit einer hohen Viruslast und einer niedrigen CD4-Zellzahl. Falls diese Kombination als unbedingt notwendig erachtet wird, sollten die Patienten sorgfältig auf Wirksamkeit und Didanosin bedingte Nebenwirkungen beobachtet werden.

Videx EC Kapseln mit Ribavirin: In vitro Daten zeigen, dass Ribavirin die intrazellulären Triphosphatspiegel von Didanosin erhöht. Bei Patienten unter Therapie mit Didanosin und Ribavirin (mit oder ohne Stavudin) wurde über Leberversagen mit tödlichem Ausgang, periphere Neuropathie, Pankreatitis und symptomatische Hyperlaktatämie/Laktatazidose berichtet.

Die kombinierte Verabreichung von Ribavirin und Didanosin wird aufgrund möglicher unerwünschter Wirkungen, besonders infolge eines erhöhten Risikos mitochondrialer Toxizität, nicht empfohlen. Siehe auch den nachfolgenden Absatz «Fehlfunktion der Mitochondrien».

Didanosin mit Xanthin-Oxidase-Hemmern: Das Enzym Xanthin-Oxidase ist an der Metabolisierung von Didanosin beteiligt. Inhibitoren der Xanthin-Oxidase (z.B. Allopurinol) führten bei gleichzeitiger Anwendung zu einem Anstieg der Didanosin-Exposition und können somit das Risiko für Didanosin-assoziierte Nebenwirkungen erhöhen (siehe auch «Interaktionen»). Es wird empfohlen, diese Arzneimittel nicht in Kombination anzuwenden. Patienten unter Didanosin-Behandlung, welche Xanthin-Oxidase-Hemmer benötigen, sollen auf eine alternative Therapie umgestellt werden.

Pankreatitis

Pankreatitis ist eine bekannte schwere unerwünschte Wirkung, welche bei HIV-infizierten Patienten auftreten kann. Pankreatitis (in einigen Fällen mit tödlichem Verlauf) wurde auch im Zusammenhang mit einer Behandlung unter Didanosin beobachtet. Daher sollten Videx EC Kapseln bei Patienten mit Pankreatitis in der Anamnese nur mit grösster Vorsicht angewendet werden. Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Risiko einer Pankreatitis und der täglichen Dosis von Didanosin. Wenn immer möglich, sollte bei Anzeichen von klinischen Symptomen einer Pankreatitis die Behandlung mit Videx EC Kapseln abgebrochen werden, bis eine Pankreatitis durch Labor- bzw. bildgebende Untersuchungen ausgeschlossen wurde. Wo andere Arzneimittel, die für das Pankreas toxisch sind, eingesetzt werden (z.B. Pentamidin i.v.), sind Videx EC Kapseln abzusetzen. Falls eine Kombinationsbehandlung unumgänglich ist, sollte eine sorgfältige Überwachung des Patienten erfolgen. Die Dosis sollte reduziert oder die Therapie abgesetzt werden, wenn biochemische Parameter, die auf eine Pankreatitis hinweisen, signifikant über die Normwerte erhöht sind; auch dann, wenn keine Symptome vorliegen. Die fraktionierte Bestimmung der Serumamylase kann helfen, eine Hyperamylasis differenziert zu beurteilen (siehe auch unter «Spezielle Dosierungsanweisungen»).

Deutlich erhöhte Triglyzeride können auch zu einer Pankreatitis führen und erfordern eine sorgfältige Überwachung.

Periphere Neuropathie

Bei Patienten unter Didanosin-Therapie kann eine periphere Neuropathie auftreten, die sich üblicherweise durch fortbestehendes Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Schmerzen in den Füssen und/oder Händen äussert. Siehe auch «Dosierung/Anwendung: Spezielle Dosierungsanweisungen».

Generalisierte motorische Schwäche

Eine generalisierte motorische Schwäche wurde sehr selten bei Patienten beobachtet, die eine kombinierte antiretrovirale Therapie (inkl. Didanosin) erhielten. Viele der Fälle, aber nicht alle, traten im Rahmen einer Laktatazidose auf. Diese motorische Schwäche kann klinisch ein Guillain-Barré Syndrom inkl. respiratorischer Insuffizienz imitieren. Die Symptome können nach Beendigung der Therapie ggf. weiter bestehen bleiben bzw. sich weiter verschlechtern (siehe auch «Unerwünschte Wirkungen»).

Laktatazidose

Im Zusammenhang mit der Anwendung von Nukleosidanaloga (inkl. Didanosin) wurde über Laktatazidose berichtet, die üblicherweise mit Hepatomegalie und Hepatosteatose assoziiert war. Frühsymptome (symptomatische Hyperlaktatämie) umfassen gutartige Verdauungsbeschwerden (Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen), unspezifisches Unwohlsein, Appetitverlust, Gewichtsverlust, respiratorische Symptome (beschleunigtes und/oder vertieftes Atmen) oder neurologische Symptome (einschliesslich motorischer Schwäche). Laktatazidose hat eine hohe Mortalitätsrate und kann mit Pankreatitis, Leberinsuffizienz/-versagen, Niereninsuffizienz/-versagen oder motorischer Lähmung verbunden sein. Laktatazidose trat im allgemeinen nach einigen bis mehreren Monaten Behandlung auf. Die Behandlung mit Nukleosidanaloga sollte bei symptomatischer Hyperlaktatämie und metabolischer Azidose/Laktatazidose, progressiver Hepatomegalie oder rasch ansteigenden Transaminasespiegeln abgebrochen werden. Vorsicht ist geboten, wenn Nukleosidanaloga an Patienten (insbesondere übergewichtige Frauen) mit Hepatomegalie, Hepatitis oder bekannten Risikofaktoren für eine Lebererkrankung und eine Hepatosteatose (einschliesslich bestimmter Medikamente und Alkohol) verabreicht werden. Patienten mit gleichzeitiger Hepatitis-C-Infektion, die mit Alpha-Interferon und Ribavirin behandelt werden, können ein besonderes Risiko haben.

Patienten mit erhöhtem Risiko sollten engmaschig überwacht werden. Siehe auch «Schwangerschaft/Stillzeit» und «Unerwünschte Wirkungen».

Patienten, bei denen unter der Behandlung mit Didanosin Pankreatitis, periphere Neuropathien und Neuropathien in Verbindung mit Muskelschwäche oder Laktatazidose aufgetreten sind, müssen auch nach Absetzen der Behandlung für mindestens einen Monat engmaschig auf das Wiederauftreten dieser Symptome überwacht werden. Siehe auch oben «Pankreatitis», «Periphere Neuropathie», «Generalisierte motorische Schwäche» und «Laktatazidose».

Fehlfunktion der Mitochondrien

Für Nukleosid- und Nukleotidanaloga wurde in vitro und in vivo nachgewiesen, dass sie mitochondriale Schädigungen unterschiedlichen Ausmasses verursachen.

Es liegen Berichte über mitochondriale Funktionsstörungen bei HIV-negativen Kleinkindern vor, die in utero und/oder postnatal gegenüber Nukleosidanaloga exponiert waren.

Die hauptsächlich berichteten unerwünschten Ereignisse waren hämatologische Störungen (Anämie, Neutropenie) und Stoffwechselstörungen (Hyperlaktatämie, erhöhte Serum-Lipase-Werte). Diese Ereignisse sind meistens vorübergehend. Über einige spät auftretende neurologische Störungen (Hypertonie, Konvulsionen, Verhaltensänderungen) wurde berichtet. Ob diese neurologischen Störungen vorübergehend oder bleibend sind, ist derzeit nicht bekannt.

Jedes Kleinkind, das in utero gegenüber Nukleosid- bzw. Nukleotidanaloga exponiert war, auch HIV-negative Kleinkinder, soll klinisch und anhand von Laborparametern nachuntersucht werden und soll im Falle von relevanten Anzeichen oder Symptomen vollständig auf mögliche mitochondriale Funktionsstörungen hin untersucht werden.

Diese Erkenntnisse haben keinen Einfluss auf die derzeitigen nationalen Empfehlungen zur Anwendung der antiretroviralen Therapie bei schwangeren Frauen zur Prävention einer vertikalen HIV-Transmission.

Lipodystrophie und metabolische Störungen

Die antiretrovirale Kombinationstherapie wurde mit einer Umverteilung des Körperfetts (Lipodystrophie) bei HIV-Patienten in Verbindung gebracht. Die Langzeitwirkungen dieser Ereignisse sind derzeit nicht bekannt. Die Kenntnisse über den Mechanismus sind unvollständig. Ein Zusammenhang zwischen viszeraler Lipomatose und Proteasehemmern sowie Lipoatophie und nukleosidanalogen Reverse-Transkriptase-Hemmern wird angenommen. Ein erhöhtes Risiko für eine Lipodystrophie wurde mit individuellen Faktoren (z.B. höheres Alter) und mit arzneimittelabhängigen Faktoren (z.B. länger dauernde antiretrovirale Behandlung und den damit verbundenen metabolischen Störungen) assoziiert. Im Rahmen der klinischen Untersuchung sollte auf körperliche Anzeichen von Fettumverteilung geachtet werden. Siehe auch «Unerwünschte Wirkungen».

Osteonekrose

Obwohl eine multifaktorielle Ätiologie angenommen wird (darunter Anwendung von Kortikosteroiden, Alkoholkonsum, schwere Immunsuppression, höherer Body-Mass-Index), wurden Fälle von Osteonekrose, insbesondere bei Patienten mit fortgeschrittener HIV-Erkrankung und/oder Langzeitanwendung einer antiretroviralen Kombinationstherapie (ART) berichtet. Die Patienten sind darauf hinzuweisen, bei Auftreten von Gelenkbeschwerden und -schmerzen, Gelenksteife oder Schwierigkeiten bei Bewegungen den Arzt aufzusuchen.

Opportunistische Infektionen

Wie mit anderen antiretroviralen Substanzen, können auch bei Patienten unter Videx EC-Therapie nach wie vor opportunistische Infektionen oder andere mit der HIV-Infektion verbundene Komplikationen auftreten.

Immunrekonstitutionssyndrom

Bei HIV-Patienten mit schwerer Immundefizienz bei Beginn einer antiretroviralen Kombinationstherapie kann eine entzündliche Reaktion gegenüber asymptomatischen oder residuellen opportunistischen Pathogenen auftreten. Dies kann zu gravierenden klinischen Komplikationen oder zu einer Verschlechterung bestehender Symptome führen. Solche Reaktionen (z.B. Retinitis verursacht durch Zytomegalovirus, generalisierte und/oder lokalisierte mykobakterielle Infektionen, Pneumonie verursacht durch Pneumocystis carinii) wurden innerhalb der ersten Wochen oder Monate nach Beginn einer antiretroviralen Kombinationstherapie beobachtet. Alle auftretenden entzündlichen Symptome sollten evaluiert und, falls erforderlich, adäquat behandelt werden.

Es liegen auch Berichte über Autoimmunerkrankungen (wie z.B. Morbus Basedow) vor, die im Rahmen einer Immunreaktivierung auftreten. Allerdings ist der Zeitpunkt des Auftretens sehr variabel, und diese Ereignisse können viele Monate nach Beginn der Behandlung auftreten.

Veränderungen der Netzhaut oder des Sehnervs

Bei Patienten unter Behandlung mit Didanosin wurden selten Läsionen der Netzhaut oder des Sehnervs beobachtet, insbesondere in höherer als der empfohlenen Dosierung.

Bei einer Therapie mit Didanosin sollte jährlich oder beim Auftreten von Sehstörungen eine ophthalmologische Untersuchung, inkl. Bestimmung der Sehschärfe, des Farbsehens und einer dilatierten Fundusexamination (Untersuchung des Augenhintergrundes mit erweiterten Pupillen), in Erwägung gezogen werden.

Selten wurden bei pädiatrischen Patienten unter Didanosin-Therapie ebenfalls Veränderungen der Netzhaut oder des Sehnervs beobachtet. Eine Behandlung pädiatrischer Patienten mit Didanosin ist nicht angezeigt (siehe auch «Dosierung/Anwendung»).

Nicht-zirrhotische portale Hypertension

Im Postmarketing wurde über nicht-zirrhotische portale Hypertension berichtet, inkl. Fälle, die zu Lebertransplantation oder Tod führten. Im Zusammenhang mit Didanosin wurde bei Patienten ohne Anzeichen einer viralen Hepatitis über Fälle von nicht-zirrhotischer portaler Hypertension berichtet, die durch Leberbiopsie bestätigt wurden. Entsprechende Symptome (wie z.B. erhöhte Leberenzyme, oesophageale Gefässe, Hämatemesis, Ascites, Splenomegalie) traten Monate bis Jahre nach Beginn einer Behandlung mit Didanosin auf.

Bei Patienten unter Behandlung mit Didanosin sollte während der Routine-Untersuchungen auf frühzeitige Anzeichen einer portalen Hypertension (z.B. Thrombozytopenie und Splenomegalie) geachtet werden. Geeignete Laboruntersuchungen inkl. Bestimmung von Leberenzymen, Serum-Bilirubin, Albumin, Blutbild, INR (International Normalized Ratio) und Ultrasonographie sollten in Erwägung gezogen werden. Didanosin soll bei Patienten mit Anzeichen einer nicht-zirrhotischen portalen Hypertension abgesetzt werden.

Interaktionen

Didanosin mit verschiedenen Substanzen

Interaktionsstudien wurden mit Videx Kautabletten und Zidovudin, Stavudin, Ranitidin, Loperamid, Metoclopramid, Foscarnet, Trimethoprim, Sulfamethoxazol, Dapson und Rifabutin durchgeführt, ohne dass Hinweise auf Interaktionen beobachtet wurden.

Gleichzeitige Verabreichung von Didanosin mit Arzneimitteln, von denen bekannt ist, dass sie eine periphere Neuropathie oder eine Pankreatitis verursachen können, kann deren diesbezügliches Risiko erhöhen. Patienten, die auch solche Arzneimittel einnehmen, müssen sorgfältig überwacht werden (siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Videx EC Kapseln mit Hydroxyurea

Bei Patienten unter Didanosinbehandlung in Kombination mit Hydroxyurea und Stavudin wurden Fälle von Pankreatitis, peripherer Neuropathie und Hepatotoxizität beobachtet (siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»). Daher sollte Hydroxyurea nicht mit einer Anti-HIV-Therapie kombiniert werden.

Videx EC Kapseln mit Tenofovir

Bei Verabreichung von Videx EC Kapseln 2 Std. vor oder gleichzeitig mit Tenofovir Disoproxilfumarat wurde eine Erhöhung der AUC von Didanosin im Durchschnitt um 48% bzw. 60% nachgewiesen. Die pharmakokinetischen Parameter von Tenofovir Disoproxilfumarat blieben bei der Einnahme von Tenofovir mit einer leichten Mahlzeit unverändert. Bei Komedikation von Didanosin mit Tenofovir Disoproxil Fumarat und Lamivudin (1x tägl. Dosierungsschema) wurde zu einem frühen Zeitpunkt über eine hohe Rate von virologischem Versagen und Resistenzentwicklung berichtet.

Die gleichzeitige Anwendung von Tenofovir Disoproxilfumarat und Didanosin ist nicht zu empfehlen (siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Videx EC Kapseln mit Ribavirin

Aufgrund des Risikos schwerer unerwünschter Wirkungen wird die kombinierte Verabreichung von Didanosin und Ribavirin nicht empfohlen. Siehe auch Kapitel «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen», Abschnitte «Nicht empfohlene Kombinationstherapien» und «Fehlfunktion der Mitochondrien».

Didanosin mit Xanthin-Oxidase-Hemmern

Bei der kombinierten Verabreichung von Didanosin und Allopurinol (einem Xantin-Oxidase-Hemmer) an 14 gesunden Probanden wurde eine signifikante Erhöhung der AUC (um 105%) und der Cmax (um 71%) von Didanosin beobachtet. Aufgrund des Risikos von Didanosin-assoziierten Nebenwirkungen wird die Kombination dieser Arzneimittel nicht empfohlen (siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Patienten unter Didanosin-Behandlung, welche Allopurinol benötigen, sollen auf eine alternative Therapie umgestellt werden.

Das Enzym Xanthin-Oxidase ist an der Metabolisierung von Didanosin beteiligt. Andere Inhibitoren der Xanthin-Oxidase können bei Co-Medikation zu einem Anstieg der Didanosin-Exposition führen und somit das Risiko für Didanosin-assoziierte Nebenwirkungen erhöhen. Patienten unter Didanosin-Behandlung, welche Xanthin-Oxidase-Hemmer benötigen, sollen auf eine alternative Therapie umgestellt werden.

Didanosin mit Ganciclovir

Die Verabreichung von Didanosin 2 Std. vor bzw. gleichzeitig mit der Einnahme von oralem Ganciclovir führte zu einer durchschnittlichen Erhöhung der AUC-Werte von Didanosin im Steady-State um 111%. Bei der Einnahme von Didanosin 2 Std. vor der Ganciclovir-Gabe konnte eine geringe Abnahme der AUC-Werte im Steady-State von Ganciclovir um 21% beobachtet werden, jedoch nicht bei gleichzeitiger Einnahme beider Arzneimittel.

Es ist nicht bekannt, ob diese Änderungen die Sicherheit von Didanosin oder die Wirksamkeit von Ganciclovir beeinflussen.

Bei beiden Substanzen wurde keine Veränderung in der renalen Clearance beobachtet.

Es gibt keine Anzeichen, dass Didanosin die myelosuppressiven Eigenschaften von Ganciclovir oder Zidovudin potenziert.

Videx EC Kapseln mit Ketoconazol

Eine Studie mit 24 Probanden bei gleichzeitiger Verabreichung von Videx EC Kapseln und Ketoconazol zeigte eine 30%ige Erhöhung der AUC und der Cmax von Ketoconazol (bei 3 Probanden wurde eine AUC-Erhöhung von Ketoconazol um das 8- bis16-fache beobachtet). Daher kann eine Interaktion mit Ketoconazol nicht ganz ausgeschlossen werden, und die Verabreichung beider Medikamente sollte mit Vorsicht erfolgen.

Unterschied Videx Kautabletten/Videx EC Kapseln

Videx EC Kapseln enthalten kein Antazidum. Daher sind keine Interaktionen durch einen veränderten pH-Wert im Magen oder durch die Anwesenheit grosser Mengen zweiwertiger Kationen zu erwarten, wenn Videx EC Kapseln mit Arzneimitteln verabreicht wird, deren Absorption durch das saure Milieu des Magens beeinflusst wird.

Videx EC mit Methadon

Die Einnahme von Videx EC Kapseln bei opiatabhängigen Patienten unter chronischer Therapie mit Methadon führte zu verminderter Didanosin-Exposition im Vergleich zu historischen Kontrolldaten ohne Methadon.

Wenn Videx EC mit Methadon kombiniert wird, müssen die Patienten daher engmaschig auf ein adäquates klinisches Ansprechen überwacht werden.

Didanosin mit Alkohol

Die gleichzeitige Einnahme von Didanosin mit Alkohol kann das Reaktionsvermögen stark beeinflussen.

Videx EC Kapseln mit Nahrung

Die gleichzeitige Einnahme von Nahrung und Videx EC Kapseln reduziert die Absorption von Didanosin signifikant (siehe auch «Pharmakokinetik: Absorption»).

Schwangerschaft/Stillzeit

Reproduktionstoxikologische Studien in der Ratte liessen in der Laktationsphase leicht toxische Effekte an Muttertier und Jungtieren erkennen (verminderte Futteraufnahme und Gewichtsentwicklung). Die Entwicklung der Jungtiere wurde aber nicht beeinträchtigt. Embryotoxische oder teratogene Wirkungen wurden in der Ratte und im Kaninchen nicht beobachtet. Nach oraler Gabe wurden Didanosin und/oder seine Metaboliten mit der Milch von laktierenden Ratten ausgeschieden.

Schwangerschaft

Es liegen keine ausreichenden klinischen Erfahrungen mit Didanosin während der Schwangerschaft vor.

Laktatazidose, die in einigen Fällen tödlich verlief, trat bei schwangeren Frauen auf, die eine Kombination aus Didanosin und Stavudin, mit oder ohne andere antiretrovirale Behandlung, erhielten (siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» sowie «Unerwünschte Wirkungen»).

Videx EC Kapseln sollen in der Schwangerschaft nur bei eindeutiger Indikationsstellung angewendet werden und nur, wenn der potentielle Nutzen die möglichen Risiken übersteigt.

Stillzeit

Während der Einnahme von Videx EC Kapseln soll nicht gestillt werden, da Nebenwirkungen für gestillte Säuglinge nicht auszuschliessen sind. HIV-infizierte Frauen sollten nicht stillen, um die HIV-Übertragung auf den Säugling zu vermeiden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Obwohl es keine Hinweise gibt, dass Didanosin das Reaktionsvermögen verändert, ist nicht auszuschliessen, dass es auch bei bestimmungsgemässem Gebrauch das Reaktionsvermögen so weit verändern kann, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Strassenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird.

Die gleichzeitige Einnahme von Didanosin und Alkohol kann das Reaktionsvermögen stark beeinflussen.

Unerwünschte Wirkungen

Die meisten der beobachteten schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen bei Erwachsenen reflektierten insgesamt den bekannten Verlauf einer HIV-Infektion.

In Bezug auf das Sicherheitsprofil von Didanosin sind die nachstehenden Angaben aus einem 3-fach-Kombinationsschema (Tritherapie) im Vergleich zu früheren Daten aus Monotherapien nicht unterschiedlich. In Vergleichsstudien mit Videx Kautabletten (1x und 2x tägl. Gabe) wurden hinsichtlich der Häufigkeit von Pankreatitis und peripherer Neuropathie keine signifikanten Unterschiede beobachtet.

Pankreatitis

Pankreatitis, die in einigen Fällen tödlich verlaufen kann, wurde bei weniger als 1% der Patienten berichtet, die mit Videx EC Kapseln behandelt wurden. Bei Patienten mit fortgeschrittener HIV-Erkrankung oder mit Pankreatitis in der Anamnese kann ein erhöhtes Pankreatitis-Risiko bestehen.

Nebenwirkungsprofil Videx Kautabletten und Videx EC Kapseln

In einer offenen klinischen Studie an 482 Patienten, die mit Videx Kautabletten, Stavudin und Nelfinavir behandelt wurden sowie in einer klinischen Studie mit 255 nicht vorbehandelten HIV-infizierten Erwachsenen, die Videx EC Kapseln als Teil einer Tritherapie erhielten, wurde über die nachstehend aufgeführten unerwünschten Wirkungen berichtet (Schweregrad mässig bis schwerwiegend; Häufigkeit ≥2%; möglicher Zusammenhang mit der Studientherapie). Die Häufigkeiten sind definiert als «sehr häufig» (≥1/10), «häufig» (≥1/100 bis <1/10), «gelegentlich» (≥1/1'000 bis <1/100), «selten» (≥1/10'000 bis <1'000), und «sehr selten» (<1/10'000).

Nervensystem

Häufig: periphere neurologische Symptome (inkl. Neuropathie), Kopfschmerzen.

Gastrointestinale Störungen

Sehr häufig: Diarrhöe (bis zu 18%).

Häufig: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen.

Haut:

Häufig: Ausschlag (Rash).

Allgemeine Störungen

Häufig: Müdigkeit.

Laborwertveränderungen: Folgende Laborwertveränderungen (Grad 3-4) wurden in den beiden Studien beobachtet:

Videx Kautabl.Videx EC Kapseln
Anstieg Lipase7%5%
Anstieg ALT3%6%
Anstieg AST3%5%
Anstieg Harnsäure2%2%
Anstieg Bilirubin1%<1%
Neutropenie (Grad 3-4)2%2%
Anämie<1%1%
Thrombozytopenie1%<1%

Postmarketing-Erfahrung

Die folgenden Ereignisse (selten bis sehr selten) wurden im Postmarketing unter Didanosin-Therapie beobachtet:

Infektionen: Sialoadenitis.

Blut und Lymphsystem: Anämie, Leukopenie, Thrombozytopenie.

Immunsystem: Anaphylaktische Reaktionen.

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen: Laktatazidose, Anorexie, Diabetes mellitus, Hypoglykämie, Hyperglykämie.

Auge: Trockene Augen, Depigmentierung der Retina, optische Neuritis.

Gastrointestinale Störungen: Blähungen, Vergrösserung der Glandula parotis, Mundtrockenheit.

Leber und Galle: Hepatosteatose, Hepatitis, Leberversagen, nicht-zirrhotische portale Hypertension.

Haut: Alopezie.

Muskelskelettsystem: Myalgie (mit und ohne Anstieg der Kreatinkinase), Rhabdomyolyse (inkl. akutes Nierenversagen und Hämodialyse), Arthralgie, Myopathie.

Allgemeine Störungen: Asthenie, Schüttelfrost, Fieber, Schmerzen.

Laboruntersuchungen: Erhöhte, ausserhalb der Norm liegende Serum-Amylase, alkalische Phosphatase und Kreatin-Phosphokinase.

Unerwünschte Wirkungen mit antiretroviralen Kombinationstherapien

Generalisierte motorische Schwäche: Sehr selten wurde unter der Behandlung mit Didanosin eine generalisierte motorische Schwäche beobachtet, welche klinisch einem Krankheitsbild wie dem Guillain-Barré-Syndrom ähnlich war. Eine solche motorische Schwäche kann mit und ohne Hyperlaktatämie inkl. respiratorischer Insuffizienz auftreten. Siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» sowie unter «Laktatazidose».

Laktatazidose: Im Zusammenhang mit der Anwendung von Nukleosidanaloga wurde über Laktatazidose, die in manchen Fällen tödlich verlief und die üblicherweise mit Hepatomegalie und Hepatosteatose assoziiert war, berichtet (siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» sowie «Schwangerschaft/Stillzeit»).

Lipodystrophie und metabolische Störungen: Die Kombinationstherapie mit antiretroviralen Arzneimitteln ist bei einigen HIV-Patienten mit einer Umverteilung des Körperfetts (Lipodystrophie) verbunden. Dazu gehören Verlust des subkutanen Fetts an der Peripherie und im Gesicht, eine Zunahme des intraabdominalen und viszeralen Fetts, Mammahypertrophie sowie dorsozervikale Fettakkumulation (Büffelnacken). Die Kombinationstherapie mit antiretroviralen Arzneimitteln wurde auch mit metabolischen Veränderungen assoziiert, wie z.B. Hypertriglyzeridämie, Hypercholesterinämie, Insulinresistenz, Hyperglykämie und Hyperlaktatämie. Siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen».

Osteonekrose: Fälle von Osteonekrose wurden insbesondere bei Patienten mit allgemein bekannten Risikofaktoren, fortgeschrittener HIV-Erkrankung oder Langzeitanwendung einer antiretroviralen Kombinationstherapie (ART) berichtet. Die Häufigkeit des Auftretens ist unbekannt (siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Immunrekonstitutionssyndrom: Bei HIV-infizierten Patienten mit schwerer Immundefizienz bei Beginn einer antiretroviralen Kombinationstherapie kann eine entzündliche Reaktion gegenüber asymptomatischen oder residuellen opportunistischen Pathogenen auftreten (siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Es liegen auch Berichte über Autoimmunerkrankungen (wie z.B. Morbus Basedow) vor, die im Rahmen einer Immunreaktivierung auftreten. Allerdings ist der Zeitpunkt des Auftretens sehr variabel, und diese Ereignisse können viele Monate nach Beginn der Behandlung auftreten.

Überdosierung

Bisher ist kein Antidot gegen eine Überdosierung mit Didanosin bekannt. Die erwarteten Nebenwirkungen einer Didanosin-Überdosierung sind vermutlich Pankreatitis, periphere Neuropathie, Hyperurikämie oder Leberdysfunktion.

Didanosin ist durch Peritonealdialyse nicht dialysierbar. Durch Hämodialyse können bei einer Dialysedauer von 3-4 Stunden ca. 20-35% der im Körper vorhandenen Wirkstoffmenge entfernt werden.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: J05AF02

Nukleosid-Reverse-Transkriptase-Inhibitor (NRTI)

Wirkungsmechanismus/Pharmakodynamik

Videx EC Kapseln (EC = «enteric coated») sind Hartgelatine-Kapseln, welche mit magensaftresistenten Granula gefüllt sind. Diese Granula enthalten den Wirkstoff Didanosin.

Didanosin hemmt in vitro in menschlichen Zellkulturen und Zellinien die Vermehrung des humanen Immundefizienzvirus (HIV, auch unter HTLV III, LAV oder ARV bekannt). Nachdem Didanosin in die Zelle eingedrungen ist, wird es enzymatisch in Dideoxyadenosintriphosphat (ddATP), den aktiven Metaboliten, umgewandelt. Der Einbau dieses Dideoxynukleosids bei der Replikation der viralen Nukleinsäure verhindert die Kettenverlängerung und damit die Virusvermehrung.

Zusätzlich hemmt ddATP die HIV-reverse Transkriptase, indem es kompetitiv mit dATP um die Bindung an der aktiven Stelle des Enzyms konkurriert und so die provirale DNS-Synthese hemmt.

Klinische Wirksamkeit von Didanosin

Resistenzentwicklung: Wegen der Gefahr einer Resistenzentwickung sollte weder eine Monotherapie mit Videx EC noch eine Kombination mit nur einer zweiten antiretroviralen Substanz verwendet werden. Siehe auch unter «Resistenzprofil» am Schluss des Kapitels.

Die Wirksamkeit von Didanosin wurde in mehreren Studien mit Videx Kautabletten im Rahmen eines 2x oder 1x täglichen Dosierungsschemas evaluiert, während die Wirksamkeit von Didanosin in Kapselform (Videx EC) im Rahmen einer 3-fachen Kombinationstherapie in 2 Studien evaluiert wurde.

Didanosin hat eine sehr lange intrazelluläre Halbwertszeit (>24 Stunden) mit einer Akkumulation seines pharmakologisch aktiven ddATP-Anteils über einen langen Zeitraum. Daher wurde die Verabreichung der Tagesdosis im Rahmen eines 1x täglichen Dosierungsschemas in mehreren klinischen Studien evaluiert.

Klinische Wirksamkeit von Videx EC Kapseln

Die Wirksamkeit von Videx EC Kapseln, als Teil einer 3-fach-Therapie, wurde in 2 randomisierten offenen klinischen Studien über 24 bzw. 48 Wochen bei HIV-infizierten Erwachsenen untersucht. Die Wirksamkeit bei Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung oder bei stark antiretroviral vorbehandelten Patienten wurde nicht untersucht.

In der Studie AI 454-152 an 466 Patienten wurde Videx EC bei 1x täglicher Dosierung in Kombination mit Stavudin und Nelfinavir gegen Zidovudin/Lamivudin/Nelfinavir verglichen. Der Anteil von Patienten mit HIV-RNA-Spiegeln <400 Kopien/ml in Woche 48 waren für die Kombination mit Videx EC und den Referenzarm vergleichbar. Die Reduktion der log10 Plasma-HIV-RNA gegenüber dem Ausgangswert (time averaged difference) war in beiden Behandlungsarmen vergleichbar.

In der Studie AI 454-158 an 138 Patienten wurden die Verträglichkeit und die antivirale Aktivität von Videx EC Kapseln mit Videx Kautabletten verglichen, wobei beide Präparate 1x täglich in Kombination mit Stavudin und Nelfinavir verabreicht wurden. Nach 24 Wochen war die Reduktion der log10 Plasma-HIV-RNA gegenüber dem Ausgangswert (time averaged difference) in beiden Behandlungsarmen vergleichbar. Der Prozentsatz von Patienten mit einer Viruslast unterhalb der Nachweisgrenze von <400 Kopien/ml war in beiden Behandlungsarmen gleich gross. Aufgrund der hohen Abbruchrate (55%) in dieser Studie konnten keine eindeutigen Schlüsse aus den Langzeitdaten gezogen werden.

Resistenzprofil

Didanosin-resistente Isolate wurden in vivo isoliert; sie sind mit spezifischen Veränderungen des Genotyps in der Codon-Region der reversen Transkriptase assoziiert: Codon L74V (am häufigsten), K65R, M184V und T69S/G/D/N. Klinische Isolate mit einer verminderten Empfindlichkeit gegenüber Didanosin wiesen eine oder mehrere Didanosin-assoziierte Mutationen auf. Virusmutanten mit einer L74V-Substitution zeigen eine verminderte Virulenz und entwickeln sich in Abwesenheit von Didanosin rasch zum Wildtyp zurück. Eine Kreuzresistenz zwischen Didanosin und Proteasehemmern oder NNRTI ist unwahrscheinlich. Eine Kreuzresistenz zwischen Didanosin und NRTI wurde bei Isolaten beobachtet, die multiresistente Mutationen wie Q151M und T69SXX (Aminosäure-Substitution mit Insertion von 2 Aminosäuren) oder die multiple, mit Nukleosidanaloga assoziierte Mutationen enthalten.

Pharmakokinetik

Absorption

Didanosin wird bei saurem pH schnell abgebaut. Die magensaftresistenten Granula, die in den Videx EC Kapseln enthalten sind, setzen Didanosin erst im höheren pH-Bereich des Dünndarms frei.

Bei gesunden Probanden und HIV-infizierten Personen wurden für Videx EC Kapseln und für Videx Kautabletten äquivalente AUC-Werte festgestellt. Die Absorptionsrate ist bei Videx EC Kapseln im Vergleich zu Videx Kautabletten verzögert. Die Cmax für Videx EC Kapseln beträgt 60% derjenigen von Videx Kautabletten. Tmax für Videx EC beträgt ca. 2 Std. und für Videx Kautabletten weniger als 1 Stunde.

Einfluss von Nahrung auf die Absorption: Die Einnahme von Videx EC mit einer fettreichen Mahlzeit führte, im Vergleich zu einer Verabreichung auf nüchternen Magen, zu einer signifikanten Reduktion der AUC (19%) und der Cmax (46%) von Didanosin.

Die Einnahme von Videx EC zusammen mit, 1 Stunde vor oder 2 Stunden nach einer leichten Mahlzeit führte, im Vergleich zu einer Verabreichung auf nüchternen Magen, zu einer signifikanten Reduktion der AUC (27%, 24% bzw. 10%) und der Cmax (22%, 15% bzw. 15%).

In einer weiteren Studie wurden nach Verabreichung von Videx EC Kapseln 1,5, 2 bzw. 3 Stunden vor einer leichten Mahlzeit äquivalente Cmax- und AUC-Werte gemessen wie bei Einnahme auf nüchternen Magen.

Im Vergleich zur Einnahme einer ungeöffneten Videx EC Kapsel auf nüchternen Magen resultierte die Verabreichung des magensaftresistenten Granulats aus der geöffneten Kapsel mit Joghurt oder Apfelmus in einer signifikanten Verringerung der AUC (20% bzw. 18%) und der Cmax (30% bzw. 24%).

Bei 30 Patienten, die Videx EC in einer Dosierung von 400 mg 1x tägl. auf nüchternen Magen erhielten, betrug der AUC-Wert der Einzeldosis 2432 ± 919 ng x h/ml (38%) (Mittelwert ± SD [% CV]); die Cmax war 933 ± 434 ng/ml (47%).

Bezüglich Einnahme von Videx EC Kapseln: siehe «Dosierung/Anwendung: Einnahme von Videx EC».

Distribution

Das Verteilungsvolumen im Steady-State beträgt ca. 54 Liter; dies wird mit einer Aufnahme von Didanosin in das Körpergewebe interpretiert. Der Didanosin-Spiegel in der Zerebrospinalflüssigkeit beträgt 1 Stunde nach einer Infusion durchschnittlich 21% des gleichzeitigen Plasmaspiegels.

Die Plasmaproteinbindung von Didanosin ist vernachlässigbar klein (<5%), so dass eine Interaktion mit Arzneimitteln, die eine hohe Eiweissbindung aufweisen, nicht zu erwarten ist.

Metabolismus

Der Metabolismus von Didanosin beim Menschen wurde nicht untersucht. Aufgrund der Resultate aus Tierexperimenten wird angenommen, dass die Metabolisierung analog den für Purine bekannten Ausscheidungsmechanismen verläuft.

Elimination

Die durchschnittliche Eliminationshalbwertszeit nach intravenöser Verabreichung von Didanosin beträgt ca. 1,4 Stunden, die des aktiven Metaboliten Dideoxyadenosin ca. 12 Stunden. Die renale Clearance beträgt 50% der Gesamtkörperclearance (800 ml/Min). Dies zeigt, dass Didanosin ausser durch glomeruläre Filtration auch durch tubuläre Sekretion renal ausgeschieden wird. Im Harn können nach oraler Verabreichung ca. 20% der Dosis nachgewiesen werden. Es gibt keine Hinweise auf eine Akkumulation von Didanosin nach oraler Verabreichung über 4 Wochen.

Kinetik bei speziellen Patientengruppen

Eingeschränkte Nierenfunktion: Die durchschnittliche Eliminationshalbwertszeit von Didanosin nach oraler Verabreichung erhöhte sich von 1,4 Std. bei Patienten mit normaler Nierenfunktion auf 4,1 Std. bei Patienten mit stark beeinträchtigter Nierenfunktion, die einer Dialyse bedurften. Nach oraler Verabreichung war Didanosin in der Peritonealdialyse-Flüssigkeit nicht nachweisbar. Im Hämodialysat wurden zwischen 0,6 und 7,4% der verabreichten Dosis nach einer 3- bis 4-stündigen Dialysedauer nachgewiesen. Bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance <60 ml/Min., bei denen möglicherweise ein erhöhtes Nebenwirkungsrisiko besteht, empfiehlt sich eine Dosisreduktion (siehe auch «Dosierung/Anwendung»).

Eingeschränkte Leberfunktion: Nach einer einmaligen i.v. oder oralen Applikation von Didanosin konnte keine signifikante Veränderung in der Pharmakokinetik von Didanosin bei hämophilen Patienten mit chronisch persistierenden Leberenzymerhöhungen (n = 5), welche eine Leberfunktionsstörung vermuten lassen, bei hämophilen Patienten mit normalen oder gering erhöhten Leberenzymwerten (n = 8) sowie bei nichthämophilen Patienten mit normalen Leberenzymwerten (n = 8) beobachtet werden.

Die Pharmakokinetik von Didanosin wurde auch bei 12 nicht-HIV-infizierten Patienten mit mässiger (n = 8) bis schwerer (n = 4) Einschränkung der Leberfunktion (Child-Pugh Class B oder C) untersucht.

Die durchschnittlichen Werte der AUC und der Cmax nach einer einmaligen Dosis von 400 mg Didanosin waren bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion im Vergleich zu Patienten ohne Funktionsstörung der Leber ca. 13% bzw. 19% höher. Die AUC- und Cmax-Werte bei den Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion waren ähnlich wie jene bei gesunden Probanden in anderen Studien und befinden sich innerhalb der pharmakokinetischen Variabilität von Didanosin. Siehe auch «Dosierung/Anwendung: Spezielle Dosierungsanweisungen».

Kinder: Zurzeit liegen keine pharmakokinetischen Daten mit Videx EC Kapseln bei Kindern vor.

Präklinische Daten

Kanzerogenität

In Kanzerogenitätsstudien wurden nicht-neoplastische Veränderungen, inkl. Skelettmuskel-Myopathien, Leberveränderungen und Verschlimmerung der spontanen altersbedingten Kardiomyopathie beobachtet.

Bei Mäusen und Ratten wurden lebenslange Kanzerogenitätsuntersuchungen (Verabreichung mit dem Futter) über 22 bzw. 24 Monate durchgeführt. Bei keiner der mit Didanosin behandelten Gruppen von Mäusen wurden substanzbedingte Neoplasmen während oder am Ende der Behandlung beobachtet. Bei Ratten wurden statistisch signifikante Erhöhungen der Inzidenz von Granulosazelltumoren bei den Weibchen der hohen Dosisgruppe, von subkutanen Fibrosarkomen und histiozytären Sarkomen bei den Männchen der hohen Dosisgruppe sowie von Hämangiomen bei den Männchen der mittleren und hohen Dosisgruppe beobachtet. Der Zusammenhang mit der Substanz und die klinische Relevanz dieser statistischen Daten waren unklar.

Genotoxizität

Bei Untersuchungen der Mutagenität von Didanosin wurde in E. coli eine nicht dosisabhängige Erhöhung der Revertanten beobachtet. In menschlichen Lymphozyten traten bei überhöhten Konzentrationen Chromosomenbrüche auf, wie sie auch bei der Behandlung mit natürlichen Nukleosiden auftreten. Bei pharmakologisch relevanter Dosierung ist Didanosin nicht mutagen.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Verfalldatum anwenden.

Besondere Lagerungshinweise

In der Originalverpackung und nicht über 25 °C aufbewahren.

Zulassungsnummer

55611 (Swissmedic)

Zulassungsinhaberin

Bristol-Myers Squibb SA, Steinhausen.

Stand der Information

April 2015.

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