Rhophylac Inj Loes 300 Mcg/2ml Fertigspr 2 Ml

Rhophylac Inj Loes 300 Mcg/2ml Fertigspr 2 Ml

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Humanes Anti-D Immunglobulin.

Rhophylac 300 enthält maximal 30 mg/ml Plasmaproteine vom Menschen; davon entfallen 10 mg/ml auf den Stabilisator Albumin. Mindestens 95% der übrigen Plasmaproteine bestehen aus IgG, welches zu mindestens 90% in monomerer und dimerer Form vorliegt. Der IgA-Gehalt liegt unter der Nachweisgrenze von 5 Mikrogramm/ml.

Hilfsstoffe

Humanalbumin 10 mg/ml.

Glycin 20.6 mg/ml.

Natriumchlorid ≤250 mmol/l.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Injektionslösung zur intravenösen und intramuskulären Anwendung.

Eine 2 ml Fertigspritze enthält 300 µg (1'500 IE) humanem Anti-D Immunglobulin G (IgG).

Rhophylac 300 ist eine klare, farblose bis leicht gelbliche Immunglobulinlösung. Die Lösung ist leicht hypertonisch.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

A) Prophylaxe der Rh(D) Immunisierung bei Rh(D)-negativen Frauen:

Anti-D Immunglobulin wird zur Verhinderung eines durch Rh(D)-Antikörper bedingten Morbus haemolyticus neonatorum eingesetzt. Bei Rh(D)-negativen Frauen kann die Sensibilisierung durch in den mütterlichen Blutkreislauf eingeschwemmte fetale Rh(D)-positive Erythrozyten erfolgen.

Rhophylac wird bei folgenden Konstellationen verabreicht:

a) Bei Rh(D)-negativen Frauen (inklusive partial D) zur routinemässigen antepartalen Prophylaxe in der 28. bis 30. Schwangerschaftswoche zur Verhinderung einer Rh(D) Immunisierung in Folge von spontan im letzten Trimester auftretenden feto-maternalen Transfusionen (FMH, fetomaternal haemorrhage).

b) Zur postpartalen Prophylaxe wenn die Mutter Rh(D)-negativ (inklusive partial D) und das Kind Rh(D)-positiv ist.

c) Bei Komplikationen während der Schwangerschaft bei Rh(D)-negativen Frauen (inklusive partial D):

  • Eingriffe während der Schwangerschaft, zum Beispiel invasive pränatale Diagnostik (wie Amniozentese, Chorionzottenbiopsie, Chordozentese/fetale Blutentnahme) oder intrauterine Eingriffe (wie Einsetzen von Shunts, Embryo-Reduktion), äussere Kindswendung und therapeutischer Abort.
  • Zwischenfälle während der Schwangerschaft, wie antepartale Blutungen, spontaner Abort, rupturierte Eileiterschwangerschaft, ektopische Schwangerschaft, Totgeburt, intrauterinem Tod und Bauchtrauma.

B) Prophylaxe der Rh(D) Immunisierung bei Rh(D)-negativen Personen nach inkompatiblen Transfusionen von Rh(D)-positivem Blut oder Blutprodukten, die Rh(D)-positive Erythrozyten enthielten.

Dosierung/Anwendung

Rhophylac kann sowohl intravenös als auch intramuskulär verabreicht werden.

Nach intravenöser Verabreichung ist die Gesamtdosis unmittelbar verfügbar, während Anti-D Immunglobulin nach intramuskulärer Verabreichung nach und nach in den Blutkreislauf eintritt. Die intravenöse Anwendung von Rhophylac wird immer dann empfohlen, wenn eine sofortige Wirkung der Gesamtdosis erwünscht ist, zum Beispiel im Falle von grossen FMH nach der Geburt oder nach anderen risikoreichen Ereignissen (zum Beispiel traumatische Geburten einschliesslich Kaiserschnitt, Totgeburten, intrauteriner Tod, Bauchtrauma im dritten Trimester). Die intravenöse Verabreichung wird auch empfohlen, wenn grössere Volumina von Rhophylac injiziert werden müssen, zum Beispiel im Falle von inkompatiblen Transfusionen von Rh(D)-positivem Blut oder Erythrozyten Konzentraten.

Das Risiko einer Rh(D) Immunisierung nimmt mit dem Ausmass und der Häufigkeit von FMH zu und ist in der späten Schwangerschaft und während der Geburt, wenn der Fetus voll entwickelt und das fetoplazentale Volumen am grössten ist, am höchsten. Nur rund 1% der Frauen hat jedoch bei der Geburt eine FMH von mehr als 5 ml.

30 µg Anti-D Immunglobulin neutralisieren 1.5 ml Rh(D)-positive Erythrozyten. Dementsprechend reicht eine Einzeldosis von 300 µg zur Neutralisierung einer FMH von 15 ml Rh(D)-positiven Erythrozyten und zum Schutz der überwiegenden Mehrzahl Rh(D)-negativer Frauen.

Bei bekannter oder vermuteter übermässiger FMH sollte die Anzahl fetaler Erythrozyten im mütterlichen Kreislauf mit dem Kleihauer-Betke-Test oder einem anderen geeigneten Testverfahren (z.B. Durchflusszytometrie) bestimmt werden. Wird eine übermässige transplazentale Blutung festgestellt, sollte zusätzliches Rhophylac (20 µg pro 1 ml fetale Erythrozyten) bevorzugt intravenös injiziert werden. Steht kein Test zur Verfügung und kann eine übermässige FMH nicht ausgeschlossen werden, sollte eine zusätzliche Dosis von 300 µg injiziert werden.

Dosierung

A) Prophylaxe einer Rh(D) Immunisierung in Rh(D)-negativen Frauen (inklusive partial D):

a) Routinemässige antepartale Prophylaxe:

Eine Dosis von 300 µg, verabreicht in der 28. bis 30. Schwangerschaftswoche durch intravenöse oder intramuskuläre Injektion, wird empfohlen.

b) Postpartale Prophylaxe:

300 µg sollten so rasch wie möglich nach der Geburt und nicht später als 72 Stunden danach intravenös oder intramuskulär verabreicht werden. Falls die 72 Stunden Frist überschritten wurde, sollte dennoch Rhophylac verabreicht werden.

c) Prophylaxe nach Komplikationen während der Schwangerschaft:

  • Eingriffe und Zwischenfälle: 300 µg sollten so rasch wie möglich und nicht später als 72 Stunden nach Eintreten der Komplikation intravenös oder intramuskulär appliziert werden.
  • Invasive pränatale Diagnostik: Unabhängig vom Zeitpunkt des Eingriffes sollten 300 µg so rasch wie möglich und nicht später als 72 Stunden nach dem Eingriff intravenös oder intramuskulär appliziert werden.

Falls die 72 Stunden Frist überschritten wurde, sollte Rhophylac dennoch verabreicht werden. Anschliessend ist eine Anti-D IgG Gabe alle 12 Wochen bis zur Geburt zu wiederholen.

B) Inkompatible Transfusionen:

Die Dosis beträgt 20 µg Anti-D Immunglobulin pro 2 ml transfundiertes Rh(D)-positives Blut respektive pro 1 ml Erythrozytenkonzentrat. Es wird die intravenöse Verabreichung empfohlen. Im Falle einer intramuskulären Anwendung sollten grosse Dosen verteilt über mehrere Tage verabreicht werden. Eine Gesamtdosis von 3000 µg wird ausreichen, sogar wenn mehr als 300 ml Rh(D)-positives Blut respektive 150 ml Erythrozytenkonzentrat transfundiert wurden.

Kinder und Jugendliche

Da die Dosierung im Falle von inkompatiblen Transfusionen vom Volumen des verabreichten Rh(D)-positiven Blutes oder Erythozytenkonzentrats abhängt, ist die empfohlene Dosis für Kinder und Jugendliche (0-18 Jahre) nicht anders als die von Erwachsenen. Die adäquate Dosis sollte jedoch in Absprache mit einem Transfusionsspezialisten bestimmt werden.

Art der Anwendung

Rhophylac 300 ist gebrauchsfertig und sollte bei der Anwendung Raum- oder Körpertemperatur haben.

Rhophylac 300 kann entweder durch langsame intravenöse oder langsame intramuskuläre Injektion verabreicht werden. Im Falle von Gerinnungsstörungen und kontraindizierter intramuskulärer Verabreichung sollte Rhophylac 300 intravenös injiziert werden. Wenn grosse Dosen (>5 ml) intramuskulär verabreicht werden sollen, ist es ratsam, diese auf verschiedene Applikationsstellen zu verteilen.

Nach der Verabreichung wird eine Nachbeobachtungszeit von mindestens 20 Minuten empfohlen.

Übergewichtige Patienten

Bei Patienten mit einem Body Mass Index (BMI) ≥30 wird eine intravenöse Verabreichung empfohlen (siehe auch Kapitel «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegen humane Immunglobuline.

Überempfindlichkeit gegen irgendeinen der Hilfsstoffe (siehe Kapitel «Zusammensetzung»).

Die intramuskuläre Anwendung ist bei Personen mit schwerer Thrombozytopenie oder anderen Störungen des Gerinnungssystems kontraindiziert.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Die postpartale Prophylaxe erfolgt an der Mutter. Anti-D Immunglobulin soll nicht dem Neugeborenen verabreicht werden.

Das Produkt ist weder für die Gabe an Rh(D)-positive Individuen noch für Personen gedacht, die bereits gegen Rh(D) Antigen immunisiert wurden.

Überempfindlichkeit

Anti-D Immunglobulin kann allergische Reaktionen selbst bei Patienten hervorrufen, die frühere Anwendungen toleriert haben. Es wird deshalb empfohlen, die Patienten über frühe Anzeichen einer Überempfindlichkeitsreaktion zu informieren. Solche Anzeichen können sein: Nesselfieber, generalisierte Urtikaria, Druck auf der Brust, Atemnot, Blutdruckabfall und Anaphylaxie. Die erforderliche Behandlung hat sich nach der Art und Schwere der Nebenreaktion zu richten. Beim Auftreten von Schocksymptomen sind die aktuellen medizinischen Richtlinien zur Schockbehandlung zu beachten. Beim Auftreten allergischer oder anaphylaktischer Reaktionen ist die Verabreichung sofort abzubrechen.

Die Konzentration von IgA in Rhophylac 300 liegt unterhalb der Nachweisgrenze von 5 μg/ml. Dennoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Produkt Spuren von IgA enthält. Personen mit IgA Mangel können Antikörper gegen IgA entwickeln und nach der Verabreichung von IgA-haltigen Blutbestandteilen mit anaphylaktischen Symptomen reagieren. Es liegt in der Verantwortung des Arztes, den Nutzen einer Behandlung mit Rhophylac 300 gegen das mögliche Risiko einer Überempfindlichkeitsreaktion abzuwägen.

Hämolytische Reaktionen

Patienten, die nach einer inkompatiblen Transfusion mit grossen Anti-D Immunglobulin Dosen behandelt werden, sollten wegen des Risikos einer hämolytischen Reaktion anhand von klinischen und biologischen Parametern überwacht werden.

Obesitas (Fettleibigkeit)

Es liegen Meldungen vor, dass bei der intramuskulären Verabreichung von Rhophylac bei Patienten mit einem Body Mass Index (BMI) ≥30 das Risiko einer mangelnden Wirksamkeit besteht. Daher wird bei Patienten mit einem BMI ≥30 die intravenöse Verabreichung empfohlen.

Zur Sicherheit bezüglich übertragbaren Erregern

Standardmassnahmen zur Verhinderung von Infektionen, die aus der Anwendung von aus menschlichem Blut oder Plasma hergestellten Arzneimitteln resultieren könnten, beinhalten die Spenderauswahl, die Testung einzelner Spenden und Plasmapools auf spezifische Marker für Infektiosität und die Einführung wirksamer Herstellungsschritte zur Inaktivierung/Elimination von Viren. Dennoch kann bei der Verabreichung von Arzneimitteln, die aus menschlichem Blut oder Plasma hergestellt wurden, die Möglichkeit einer Übertragung infektiöser Erreger nicht vollständig ausgeschlossen werden. Dies gilt auch für bislang unbekannte oder neu aufkommende Viren und andere Krankheitserreger.

Die angewendeten Verfahren werden als wirksam angesehen gegen umhüllte Viren wie HIV, HBV und HCV. Sie können bei nicht umhüllten Viren wie HAV und Parvovirus B19 von eingeschränktem Wert sein.

Die klinische Erfahrung zeigt, dass Übertragungen von Hepatitis A- oder Parvovirus B19-Infektionen durch Immunglobuline nicht vorkommen, und es wird zudem angenommen, dass der Antikörpergehalt einen wichtigen Beitrag zur Virussicherheit liefert.

Bei jeder Verabreichung von Rhophylac 300 an einen Patienten sind der Name und die Chargennummer des Präparates zu dokumentieren, um einen Zusammenhang zwischen Patient und Produktcharge herzustellen.

Interaktionen

Attenuierte Virus-Lebend-Impfstoffe

Nach Gabe von Anti-D Immunglobulin ist ein Abstand von mindestens 3 Monaten zur Impfung mit Virus-Lebend-Impfstoffen (zum Beispiel gegen Masern, Mumps, Röteln oder Varizellen) einzuhalten, da sonst der Impferfolg in Frage gestellt wird. Wird Anti-D Immunglobulin innerhalb von 2 bis 4 Wochen nach Impfung mit einem Virus-Lebend-Impfstoff verabreicht, kann dadurch die Wirksamkeit der Impfung beeinträchtigt werden.

Interferenz mit serologischen Bestimmungen

Bei serologischen Untersuchungen nach der Gabe von Immunglobulinen ist zu berücksichtigen, dass der vorübergehende Anstieg verschiedener, passiv übertragener Antikörper im Blut des Patienten zu falsch-positiven Testresultaten führen kann.

Blutgruppen- und Antikörperbestimmungen in Neugeborenen, einschliesslich des Coombs oder Antiglobulin Tests, werden durch die Verabreichung von Anti-D Immunglobulin wesentlich beeinflusst, d.h., die Gabe von Anti-D Immunglobulin kann zu einem positiven Ergebnis des direkten Coombs Tests beim Neugeborenen führen. Ein solches Ergebnis weist aber nicht auf das Vorliegen einer Rhesusinkompatibilität hin.

Rhophylac 300 kann Antikörper gegen andere Erythrozyten-Antigene enthalten, zum Beispiel anti-A, B, C, E Antikörper, die mit empfindlichen serologischen Testverfahren nachgewiesen werden können.

Schwangerschaft/Stillzeit

Dieses Präparat wird in der Schwangerschaft und postpartal angewendet. Im Hinblick auf Schwangerschaftsverlauf und/oder das Neugeborene sind keine negativen Auswirkungen bekannt.

Dieses Arzneimittel kann während der Stillzeit eingesetzt werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es liegen keine Hinweise auf beeinträchtigende Wirkungen auf die aktive Teilnahme am Verkehr und das Bedienen von Maschinen vor.

Unerwünschte Wirkungen

Die folgenden Nebenwirkungen wurden aus klinischen Studien mit 592 Patienten berichtet und beruhen auf Analysen von Postmarketing Daten. Die untenstehende Übersichtstabelle ist nach MedDRA Systemorganklassen klassifiziert (SOC und Preferred Term Level (PT)). Die folgenden Standard-Kategorien von Häufigkeit werden verwendet: sehr häufig (≥1/10), häufig (≥1/100 und <1/10), gelegentlich (≥1/1′000 und <1/100), selten ( ≥1/10′000 und <1/1′000), sehr selten (<1/10′000).

Systemorganklasse (SOC, MedDRA)Nebenwirkung (MedDRA PT)Häufigkeit der Nebenwirkung

Erkrankungen des Immunsystems

Überempfindlichkeitsreaktion, anaphylaktischer Schock

Selten

Erkrankungen des Nervensystems

Kopfschmerz

Gelegentlich

Herzerkrankungen

Tachykardie

Selten

Gefässerkrankungen

Blutdruckabfall

Selten

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und des Mediastinums

Dyspnoe

Selten

Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes

Übelkeit, Erbrechen

Selten

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Hautreaktion, Erythem, Pruritus

Gelegentlich

Skelettmuskulatur-, Bindegewebe- und Knochenerkrankungen

Arthralgie

Selten

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Fieber, Unwohlsein, Schüttelfrost

Gelegentlich

An der Injektionsstelle: Schwellung, Schmerz, Erythem, Verhärtung, Wärme, Pruritus, Hautausschlag

Selten

Es liegen spontane Berichte von schwerwiegender intravaskulärer Hämolyse nach intravenöser Anwendung von Anti-D bei Rh(D)-positiven Patienten mit primärer Immunthrombozytopenie (ITP) (off label use) vor. Hämolyse-Fälle mit Todesfolge wurden gemeldet. Die exakte Häufigkeit dieser unerwünschten Wirkung ist nicht bekannt.

Wenn anti-D Immunglobuline intramuskulär verabreicht werden, können lokale Schmerzen und Empfindlichkeit an der Injektionsstelle auftreten.

Informationen über die Virussicherheit: siehe Kapitel «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen».

Überdosierung

Zur Überdosierung sind keine Daten verfügbar. Die Folgen einer Überdosierung sind nicht bekannt.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: J06BB01

Pharmakotherapeutische Gruppe: Immunseren und Immunglobuline: Anti-D (Rh) Immunglobulin

Rhophylac 300 enthält spezifische IgG Antikörper gegen das Rh(D) Antigen menschlicher Erythrozyten.

Rhophylac 300 wird aus gepooltem humanem Plasma hergestellt. Ausgangsmaterial ist das Plasma von Rh(D)-negativen Personen, die bereits in der Vergangenheit durch inkompatible Schwangerschaft (Frauen) oder die mit Rh(D)-positiven Erythrozyten immunisiert wurden.

Das in Rhophylac 300 enthaltene Immunglobulin wird durch Ionenaustauschchromatographie gewonnen. Die Methode ist äusserst schonend und verhindert eine spontane Komplementakti­vierung; dadurch eignet sich das Präparat zur intravenösen Anwendung. Dieses Verfahren verändert die Bindungseigenschaften des Immunglobulins nicht; es behält damit bei der Bindung an das Rh(D)-Antigen alle seine biologischen Funktionen.

Durch die spezielle Isolierungsmethode werden die gewünschten Anti-D Immunglobuline spezifisch angereichert.

Wirkungsmechanismus/Pharmakodynamik

Anti-D Immunglobulin verhindert bei rhesus-negativen Müttern die Bildung von Antikörpern gegen eingeschwemmte fetale Rh(D)-positive Erythrozyten. Der Mechanismus verläuft wahrscheinlich über eine Bindung des Anti-D Antikörpers an das Rh(D)-Antigen Rh(D)-positiver Erythrozyten und anschliessenden Abbau des gebildeten Komplexes durch Zellen des monozytären Phagozytensystems, hauptsächlich in der Milz. Durch die postpartal verabreichte Standarddosis von 300 µg werden 90% aller Sensibilisierungen im Rh(D)-System verhindert. Die Schutzwirkung der postpartalen Prophylaxe wird durch die zusätzliche antenatale Prophylaxe auf 99% gesteigert.

In klinischen Studien an gesunden männlichen Rh(D)-negativen Versuchspersonen konnte gezeigt werden, dass sowohl die intravenöse als auch die intramuskuläre Verabreichung von Rhophylac 300 zu einer effizienten Entfernung von Rh(D)-positiven Erythrozyten aus der Zirkulation führt. Verglichen mit der intravenösen Verabreichung ist die Elimination der Erythrozyten bei der intramuskulären Verabreichung verzögert, da das Anti-D Immunglobulin vom Injektionsort zuerst absorbiert werden muss.

Klinische Wirksamkeit

In klinischen Studien wurde gezeigt, dass die ante- und postpartale Gabe von Rhophylac 300 eine Rh(D) Immunisierung bei Rh(D)-negativen Frauen wirksam verhindert.

Rhophylac 300 wurde in zwei klinischen Studien an Rh(D)-negativen Frauen in der 28. Schwangerschaftswoche und innerhalb 72 Stunden nach der Geburt eines Rh(D)-positiven Kindes verabreicht. 222 Frauen erhielten die antepartale Gabe von Rhophylac 300 intravenös und 224 Frauen erhielten sie intramuskulär verabreicht. In mehr als 99% der Fälle war der Verabreichungsmodus der post- mit der der antepartalen Gabe identisch.

6 bis 11 Monate nach der Geburt standen insgesamt 256 der 278 Frauen, die ein Rh(D)-positives Kind gebaren, für eine Nachuntersuchung zu Verfügung. Bei keiner der Frauen konnten Anti-D Antikörper nachgewiesen werden, was darauf hindeutet, dass keine Rhesus-Immunisierung stattgefunden hat.

Pharmakokinetik

Distribution

Nach der intravenösen Injektion ist das Anti-D Immunglobulin sofort verfügbar, während nach der intramuskulären Injektion messbare Anti-D IgG Serumspiegel erst nach ca. 4 Stunden erzielt werden. Die maximale Anti-D IgG Serumkonzentration wird im Durchschnitt nach 5 Tagen erreicht. Nach 2 bis 3 Wochen gleichen sich die Serumspiegel aneinander an, so dass zwischen den beiden Applikationsformen kein Unterschied mehr besteht.

Elimination

Die durchschnittliche Halbwertszeit von Anti-D IgG bei schwangeren Frauen beträgt 17 Tage.

IgG und IgG-Komplexe werden in den Zellen des retikuloendothelialen Systems abgebaut.

Kinetik in besonderen klinischen Situationen

Bisher gibt es keine Hinweise dafür, dass die pharmakokinetischen Eigenschaften von Anti-D IgG bei Nierenerkrankungen oder mit zunehmendem Alter verändert würden.

Die biologische Halbwertszeit ist vom IgG-Plasmaspiegel abhängig, d.h., bei Patienten mit Hypogammaglobulinämie kann sie bis auf 70 Tage ansteigen, bei solchen mit Hypergammaglobulinämie kann sie sich bis auf 11 Tage verkürzen.

Präklinische Daten

Immunglobuline sind normale Bestandteile des menschlichen Körpers. Toxizitätsuntersuchungen mit Einzeldosen sind nicht aussagekräftig, da höhere Dosen zur Proteinüberladung bei Tieren führen. Toxizitätstests mit wiederholten Dosen und embryo-fetale Studien können nicht durchgeführt werden, da sie Bildung von und Interferenzen mit Antikörpern bewirken. Auswirkungen des Produktes auf das Immunsystem des Neugeborenen wurden nicht untersucht.

Da es aus klinischer Sicht keine Anhaltspunkte für onkogene oder mutagene Wirkungen von Immunglobulinen gibt, sind experimentelle Studien, besonders an heterologen Spezies, nicht notwendig.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Rhophylac 300 darf nicht mit anderen Arzneimitteln gemischt werden.

Haltbarkeit und besondere Lagerungshinweise

Im Kühlschrank bei +2 bis +8 °C lagern. Nicht einfrieren. Die Fertigspritze (Blister ungeöffnet) im Umkarton aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen. Nach Ablauf des aufgedruckten Verfalldatums («EXP») soll das Präparat nicht mehr verwendet werden.

Hinweise für die Handhabung

Die Lösung sollte klar oder schwach opaleszierend sein. Lösungen, welche trüb sind oder Ablagerungen zeigen, sollen nicht verwendet werden.

Rhophylac 300 ist zur einmaligen Anwendung bestimmt; nicht verwendetes Produkt oder überflüssiges Material soll den lokalen Anforderungen entsprechend entsorgt werden.

Zulassungsnummer

53609 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

CSL Behring AG, Bern.

Stand der Information

März 2016.

Verwendung dieser Informationen

Die Informationen auf dieser Seite sind für Fachpersonal gedacht. Bei Fragen lassen Sie sich von einer Fachperson (z.B. Arzt oder Apotheker) beraten.