Puregon Inj Loes 300 E Fuer Pen Amp

Puregon Inj Loes 300 E Fuer Pen Amp

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Follitropinum beta ADNr (rekombinantes humanes Follitropin-beta aus Chinese hamster ovary-Zellen hergestellt).

Hilfsstoffe: Saccharum, Natrii citras, Polysorbatum 20, l-Methioninum, Conserv. (Alcohol benzylicus 10 mg/ml), aqua q.s. ad solutionem.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Injektionslösung.

Injektionslösung; Zylinderampullen zu 400 I.E., 700 I.E. bzw. 1025 I.E. in 0,48 ml, 0,84 ml bzw. 1,23 ml (Nettoinhalt: 300, 600 bzw. 900 I.E.).

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Bei der Frau

  • Sterilität infolge Anovulation (einschliesslich polyzystisches Ovarialsyndrom, PCOS)
  • Kontrollierte ovarielle Hyperstimulation zur Induktion der Entwicklung multipler Follikel bei ärztlich assistierten Reproduktionsprogrammen [z.B. In-vitro-Fertilisation/Embryo-Transfer (IVF/ET), intratubarer Gametentransfer (GIFT) und intrazytoplasmatische Spermien-Injektion (ICSI)].

Beim Mann

  • Ungenügende Spermatogenese infolge hypogonadotropem Hypogonadismus.

Dosierung/Anwendung

Die Behandlung mit Puregon sollte nur von einem Arzt vorgenommen werden, der mit der Therapie von Fertilitätsstörungen vertraut ist und nur, wenn alle Einrichtungen für eine adäquate klinische und endokrinologische Kontrolle der Behandlung verfügbar sind. Die erste Injektion von Puregon sollte unter direkter medizinischer Überwachung durchgeführt werden.

Beim Gebrauch des Puregon Pens sollte beachtet werden, dass dieser ein Präzisionsinstrument ist und die eingestellte Dosis genau abgibt. Es hat sich gezeigt, dass im Vergleich mit einer konventionellen Spritze durchschnittlich eine 18% höhere Menge an FSH aus dem Pen verabreicht wird. Dies kann insbesondere bei einer Umstellung vom Pen zu einer konventionellen Spritze während eines Behandlungszyklus relevant sein. Speziell bei einer Umstellung von einer Spritze zum Pen können kleine Dosisanpassungen erforderlich sein, um eine Überdosierung zu verhindern.

Dosierung bei der Frau

Es bestehen grosse inter- und intraindividuelle Unterschiede im Ansprechen der Ovarien auf exogene Gonadotropine. Daher ist ein einheitliches Dosierungsschema nicht möglich, die Dosierung muss je nach ovariellem Ansprechen individuell angepasst werden. Dies erfordert eine sonographische Verlaufskontrolle der Follikelentwicklung; eine Bestimmung der Serumestradiol-Spiegel kann ebenfalls sinnvoll sein.

In vergleichenden klinischen Studien konnte eine höhere Wirksamkeit von Puregon gegenüber urinärem FSH gezeigt werden. Es fanden sich unter Puregon eine niedrigere Gesamtdosierung sowie eine kürzere Behandlungsdauer zur Erreichung präovulatorischer Bedingungen.

Deshalb wird empfohlen, für Puregon eine niedrigere Dosis als für urinäres FSH zu wählen. Ob damit auch das Risiko einer ungewollten ovariellen Hyperstimulation herabgesetzt wird, wurde bisher nicht nachgewiesen.

Nach pituitärer Suppression mittels eines GnRH Agonisten könnte eine höhere Puregon Dosierung notwendig sein, um eine ausreichende follikuläre Reaktion zu erreichen.

Die klinische Erfahrung mit Puregon basiert auf jeweils bis zu 3 Behandlungszyklen in beiden Indikationen. Die gesamte Erfahrung mit IVF zeigt auf, dass im Allgemeinen die Erfolgsrate während der ersten 4 Versuche stabil bleibt und danach graduell abnimmt.

Anovulation

Bei menstruierenden Frauen sollte die Behandlung in den ersten sieben Tagen des Menstruationszyklus beginnen.

Im Allgemeinen wird ein sequentielles Behandlungsschema empfohlen. Es beginnt mit der täglichen Verabreichung von 50 I.E. FSH. Diese Anfangsdosis wird für mindestens 7 Tage beibehalten. Erfolgt kein ovarielles Ansprechen, ist die Tagesdosis allmählich zu erhöhen, bis zum Follikelwachstum und/oder bis der Estradiol-Plasmaspiegel eine ausreichende pharmakodynamische Reaktion zeigt. Sollte eine Patientin nach vierwöchiger Behandlung nicht auf die Therapie ansprechen, sollte dieser Behandlungszyklus abgebrochen werden. Ein täglicher Anstieg der Estradiolspiegel um 40-100% wird als optimal erachtet. Die Tagesdosis wird dann beibehalten, bis präovulatorische Bedingungen erreicht werden. Diese sind erreicht, wenn es sonographische Hinweise auf einen dominanten Follikel von mindestens 18 mm Durchmesser gibt und/oder wenn Estradiol-Plasmaspiegel von 300-900 pg/ml (1000-3000 pmol/l) erreicht sind. Für gewöhnlich sind 7-14 Tage Behandlungsdauer ausreichend, um dies zu erreichen. Die Verabreichung von Puregon ist dann zu beenden, und die Ovulation kann durch Gabe von 5'000-10'000 I.E. Human-Choriongonadotropin (hCG) induziert werden.

Wenn die Anzahl entsprechender Follikel zu hoch ist oder die Estradiolspiegel zu rasch ansteigen, z.B. mehr als eine tägliche Verdopplung der Estradiolspiegel während zwei oder drei aufeinanderfolgenden Tagen, sollte die Tagesdosis herabgesetzt werden.

Da Follikel mit einer Grösse über 14 mm zu Schwangerschaften führen können, besteht beim Vorhandensein mehrerer präovulatorischer Follikel ≥14 mm das Risiko von Mehrlingsschwangerschaften. In diesem Falle sollte hCG nicht mehr verabreicht und eine Gravidität vermieden werden, damit es nicht zu einer Mehrlingsschwangerschaft kommt.

Kontrollierte ovarielle Hyperstimulation bei ärztlich assistierten Reproduktionsprogrammen

Es werden verschiedene Stimulationsprotokolle angewandt. Als Startdosis wird mindestens für die ersten vier Tage eine Tagesdosis von 100-225 I.E. empfohlen. Danach sollte - je nach ovarieller Reaktion - individuell dosiert werden. Klinische Studien haben gezeigt, dass Erhaltungsdosen zwischen 75-375 I.E. während 6-12 Tagen i.d.R. ausreichend sind, jedoch kann eine längere Therapie notwendig sein.

Puregon kann entweder allein oder - um eine vorzeitige Luteinisierung zu verhindern - in Kombination mit einem GnRH-Agonisten gegeben werden. Im letzteren Fall könnte eine höhere Behandlungs-Gesamtdosis erforderlich sein, um eine ausreichende Follikelreaktion zu erzielen.

Die ovarielle Reaktion wird sonographisch überwacht. Eine Bestimmung der Serumestradiol-Spiegel kann ebenfalls sinnvoll sein. Wenn die Sonographie auf das Vorhandensein von mindestens drei Follikeln mit einer Grösse von 16-20 mm hindeutet und Anzeichen für ein gutes Ansprechen auf Estradiol [Plasmaspiegel von etwa 300-400 pg/ml (1000-1300 pmol/l) für jeden Follikel mit einem Durchmesser über 18 mm] vorliegen, wird 24-48 Stunden nach der letzten Verabreichung von Puregon die Endphase der Follikelreifung durch Gabe von hCG in einer Dosis von 5'000-10'000 I.E. eingeleitet. Die Eizell-Entnahme erfolgt 34-35 Stunden später.

Wenn Puregon in Kombination mit einem GnRH Agonisten verabreicht wird, können nach dem Embryotransfer zur Unterstützung der Lutealphase innerhalb von neun Tagen 2-3 Wiederholungs-Injektionen von je 1000-3000 I.E. hCG gegeben werden.

Dosierung beim Mann

Ungenügende Spermatogenese

Um normale Testosteronspiegel zu erreichen, ist eine Vorbehandlung mit hCG notwendig. Nach alleiniger Behandlung mit hCG in einer für die Vervollständigung der Virilisierung und die Normalisierung des Testosteronspiegels (>9 mmol/l) ausreichend hohen Dosierung ist Puregon (kombiniert mit hCG) in einer Dosierung von 450 I.E. pro Woche, wenn möglich aufgeteilt in 3 Dosen von je 150 I.E., zu verabreichen. Eine Wiederherstellung der Spermatogenese kann erst nach 3-4 Monaten Behandlung mit Puregon und hCG beobachtet werden. Wenn ein Patient nach dieser Zeitdauer auf die Kombinationstherapie nicht reagiert hat, kann die Therapie fortgeführt werden. Die klinische Praxis zeigt, dass eine Behandlungsdauer von bis zu 18 Monaten nötig sein kann, um eine Spermatogenese zu erreichen.

Spezielle Dosierungsempfehlungen

Kinder/Jugendliche: Follitropin beta wurde bei Kindern und Jugendlichen nicht untersucht. In dieser Altersgruppe besteht keine Indikation.

Ältere Patienten: Eine Dosisanpassung in Abhängigkeit vom Alter ist nicht erforderlich.

Eingeschränkte Nierenfunktion: Puregon wurde bei Patienten mit Niereninsuffizienz nicht untersucht. Es können daher keine Dosierungsempfehlungen gemacht werden.

Eingeschränkte Leberfunktion: Puregon wurde bei Patienten mit Leberinsuffizienz nicht untersucht. Es können daher keine Dosierungsempfehlungen gemacht werden.

Korrekte Art der Verabreichung

Puregon Zylinderampullen sind zur subkutanen Anwendung im Puregon Pen entwickelt worden. Bei Verwendung des Pens ist dessen Gebrauchsanweisung strikt zu befolgen.

Die Injektionsstelle sollte jeweils gewechselt werden, um eine Lipoatrophie zu vermeiden sowie aufgrund einer möglichen lokalen Reaktion auf Benzylalkohol.

Nach entsprechender Schulung durch den Arzt in der Verwendung des Pens kann die subkutane Injektion von Puregon auch durch die Patienten oder deren Partner vorgenommen werden. Die Eigeninjektion sollte jedoch nur von Patienten durchgeführt werden, die entsprechend motiviert und hinreichend geschult sind, sowie die Möglichkeit haben fachlichen Rat einzuholen.

Kontraindikationen

  • primäre Hodeninsuffizienz
  • Tumore von Ovar, Brust, Uterus, Hoden, Hypophyse oder Hypothalamus
  • Vaginale Blutungen unbekannter Ätiologie
  • Primäre Ovarialinsuffizienz
  • Ovarialzysten oder hypertrophes Ovar ohne Beziehung zum polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS)
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Missbildungen der Fortpflanzungsorgane, die mit einer Schwangerschaft nicht vereinbar sind
  • Uterusmyome, die eine Schwangerschaft nicht zulassen
  • bekannte Überempfindlichkeit gegenüber humanen Gonadotropinen oder gegenüber einem anderen Inhaltsstoff von Puregon.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

  • Bevor mit einer Behandlung begonnen wird, müssen die Ursachen der Infertilität des Paares genau abgeklärt und mögliche Kontraindikationen für eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Insbesondere sollten Tumore der Hypophyse oder des Hypothalamus, sowie endokrinologische Erkrankungen wie Hyperprolaktinämie, Hypothyreose oder Nebennierenrindeninsuffizienz ausgeschlossen werden.
  • Vor Beginn der Behandlung sollte eine Untersuchung zum Ausschluss anatomischer Anomalien der Genitalorgane erfolgen.
  • Ein primäres Gonadenversagen sollte durch Bestimmung der Gonadotropinspiegel ausgeschlossen werden.
  • Eine Antikörperbildung gegen Follitropin oder andere vom Zellwirt stammende Proteine wurde unter der Therapie mit Puregon bisher nicht beobachtet.
  • Spuren von Streptomycin und/oder Neomycin können in Puregon enthalten sein. Diese Antibiotika können bei entsprechend sensibilisierten Personen Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen.
  • Das in Puregon enthaltene Konservierungsmittel Benzylalkohol kann in seltenen Fällen allergische Reaktionen auslösen.

Bei Frauen

Ovarielles Hyperstimulationssyndrom (OHSS)

Eine gewisse Vergrösserung der Ovarien ist bei einer kontrollierten ovariellen Hyperstimulation zu erwarten. Ein OHSS, welches sich bei 5-6% der Patientinnen unter einer kontrollierten ovariellen Hyperstimulation entwickelt, stellt jedoch ein medizinisches Ereignis dar, das sich von einer unkomplizierten Vergrösserung der Ovarien unterscheidet. Bei einem OHSS kommt es infolge hoher Sexualsteroid-Konzentrationen zu einer erhöhten Gefässpermeabilität, was zu einer Flüssigkeitsverschiebung in den peritonealen und pleuralen, selten auch in den perikardialen Raum führen kann.

In jeder Einrichtung, in welcher ovarielle Stimulationsbehandlungen durchgeführt werden, sollte eine Standardbehandlung des OHSS implementiert sein und ggf. entsprechend durchgeführt werden.

Ein OHSS kann in drei Schweregraden auftreten:

  • Klinische Zeichen eines leichten OHSS (Grad I) sind Unterleibsschmerzen und eine geringe Vergrösserung der Ovarien (auf 5-7cm). Leichte Fälle eines OHSS bilden sich meist spontan zurück. Die Patientin sollte sorgfältig überwacht werden, eine Therapie ist jedoch meist nicht erforderlich.
  • Bei einem mittelschweren OHSS (Grad II) treten zusätzlich Abdominalschmerzen, Übelkeit und Diarrhoe sowie eine deutliche Vergrösserung der Ovarien (auf 8-10 cm) und eventuell Ovarialzysten auf. Zusätzlich kann Aszites auftreten. In solchen Fällen ist eine klinische Überwachung sowie ggf. (bei stärkerer Hämokonzentration) ein intravenöser Volumenersatz angezeigt.
  • Klinische Zeichen eines schweren OHSS (Grad III) sind eine Vergrösserung der Ovarien auf >12 cm, grosse Ovarialzysten, akuter Abdominalschmerz, aufgetriebenes Abdomen, Aszites, Pleuraerguss, Hydrothorax, Dyspnoe, Salzretention, Oligurie, Hämokonzentration, hämatologische Veränderungen und Gewichtszunahme. In seltenen Fällen können im Zusammenhang mit einem OHSS auch venöse oder arterielle Thromboembolien auftreten. Vorübergehende Anomalien der Leberwerte, die auf eine hepatische Dysfunktion hindeuten (mit oder ohne morphologische Veränderungen bei einer Leberbiopsie), wurden ebenfalls im Zusammenhang mit OHSS berichtet. Weitere, sehr seltene Komplikationen eines OHSS stellen Ovarialtorsion und Hämoperitoneum dar.

Ein schweres OHSS kann lebensbedrohlich sein. Geeignete Massnahmen zur Erhaltung der Vitalfunktionen und Wiederherstellung des Elektrolyt-Gleichgewichtes sollten eingeleitet werden.

Ein OHSS tritt meist erst dann auf, wenn humanes Choriongonadotropin (hCG) verabreicht wurde oder wenn eine Schwangerschaft eingetreten ist. Ein OHSS kann sich rasch (innerhalb von 24 Stunden bis hin zu einigen Tagen) entwickeln und zu einem schwerwiegenden medizinischen Notfall werden. Ein frühes OHSS tritt normalerweise innerhalb von 10 Tagen nach hCG-Verabreichung auf und kann mit einem übermässigen Ansprechen der Ovarien auf die Gonadotropin-Stimulation zusammenhängen. Ein spätes OHSS tritt mehr als 10 Tage nach der hCG Verabreichung auf, als Folge der hormonellen Veränderungen während einer Schwangerschaft. Aufgrund des Risikos für die Entwicklung eines OHSS sollten die Patientinnen über mindestens zwei Wochen nach hCG-Verabreichung beobachtet werden.

Frauen mit bekannten Risikofaktoren für eine starke ovarielle Reaktion können besonders anfällig für die Entwicklung eines OHSS während oder nach der Behandlung mit Puregon sein. Für Frauen im ersten Zyklus einer ovariellen Stimulation, bei denen die Risikofaktoren nur teilweise bekannt sind, wird eine engmaschige Überwachung (alle 1-2 Tage) auf mögliche Frühsymptome eines OHSS empfohlen.

Um das Risiko eines OHSS zu verringern, sollte vor und in regelmässigen Abständen während der Behandlung die Follikelentwicklung sonographisch überprüft werden. Eine Bestimmung der Estradiolspiegel im Serum kann ebenfalls angezeigt sein. Bei einer ART besteht ein erhöhtes Risiko für ein OHSS ab 18 oder mehr Follikeln mit einem Durchmesser von ≥11 mm. Liegen insgesamt 30 oder mehr Follikel vor, wird empfohlen kein hCG zu verabreichen.

In Abhängigkeit vom Ansprechen der Ovarien können folgende Massnahmen dazu beitragen, das Risiko eines OHSS zu reduzieren:

  • Unterbrechung der Stimulation mit einem Gonadotropin für maximal 3 Tage (Coasting);
  • Verabreichung von weniger als 10'000 I.E. urinärem hCG für die Auslösung der abschliessenden Eizellreifung, z.B. 5000 I.E. urinäres hCG oder 250 μg rec-hCG (was etwa 6500 I.E. urinärem hCG entspricht);
  • Vollständiger Verzicht auf die hCG-Verabreichung und Abbruch des Behandlungszyklus
  • Verzicht auf den Embryotransfer und Kryokonservierung der Eizellen oder der befruchteten Eizellen (im Vorkernstadium);
  • Vermeidung einer Verabreichung von hCG zur Unterstützung der Lutealphase.

Patientinnen mit polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS) weisen ein erhöhtes Risiko für ein OHSS auf.

Auch bei einer einfachen ovariellen Stimulation kann ein OHSS auftreten, das entsprechende Risiko ist hier aber geringer. In diesem Fall wird das Risiko eines OHSS durch Einhaltung der empfohlenen Dosierung und Überwachungsintervalle reduziert. Ggf. sollte kein hCG verabreicht und die Patientin angewiesen werden, für mindestens 4 Tage auf Geschlechtsverkehr zu verzichten oder eine geeignete nicht-hormonale Kontrazeptionsmethode anzuwenden.

Die Patientin und ihr Partner müssen vor Beginn der Behandlung mit Puregon über das Risiko eines OHSS und die entsprechenden Symptome informiert werden.

Mehrlingsschwangerschaften

Nach einer Ovulationsinduktion mit gonadotropen Hormonen ist die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft gegenüber der spontanen Konzeption erhöht. Bei der Mehrzahl der Mehrlingsschwangerschaften handelt es sich um Zwillingsschwangerschaften.

Mehrlingsschwangerschaften (insbesondere jene höherer Ordnung) gehen mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen bei Mutter und Kind einher (Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen, sowie niedriges Geburtsgewicht).

Bei anovulatorischen Frauen, die sich einer Ovulationsinduktion unterziehen, wird eine sorgfältige Überwachung der ovariellen Reaktion mittels transvaginaler Sonographie und ggf. eine Anpassung der Gonadotropindosis empfohlen, um das Risiko von Mehrlingsschwangerschaften zu minimieren. Eine Bestimmung der Estradiolspiegel im Serum kann ebenfalls angezeigt sein.

Bei Frauen, die sich einer ART unterziehen, hängt das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft hauptsächlich von der Anzahl transferierter Embryonen ab. Die Häufigkeit von Mehrlingsschwangerschaften liegt unter solchen Programmen bei etwa 20%.

Die Patientin und ihr Partner sollten vor Beginn der Behandlung über das potentielle Risiko für Mehrlingsschwangerschaften aufgeklärt werden.

Ektopische Schwangerschaften

Infertile Frauen, die sich einer ART unterziehen, weisen eine erhöhte Inzidenz ektopischer Schwangerschaften auf. Es ist daher wichtig, frühzeitig das Vorliegen einer intrauterinen Schwangerschaft sonographisch zu bestätigen, insbesondere bei Patientinnen mit bekannten Tubenabnormalitäten.

Aborte

Bei Schwangerschaften im Rahmen assistierter Reproduktionsprogramme ist die Abortrate gegenüber der Allgemeinbevölkerung erhöht, liegt aber in derselben Grössenordnung wie bei der Gesamtheit der Frauen mit Fertilitätsstörungen.

Missbildungen

Die Häufigkeit von Missbildungen nach der assistierten Reproduktionstechnologie (ART) kann etwas höher sein als bei der natürlichen Konzeption. Dies kann im Zusammenhang mit unterschiedlichen Voraussetzungen bei den Eltern (z.B. Alter der Mutter, Spermienqualität) und der erhöhten Inzidenz von Mehrlingsschwangerschaften nach ART stehen. Es gibt keine Anzeichen, dass die Anwendung von Gonadotropinen während der ART an sich mit einem erhöhten Risiko an Missbildungen in Verbindung steht.

Ovarielle Torsion

Es gibt Berichte über eine ovarielle Torsion nach Behandlung mit Gonadotropinen, einschliesslich Puregon. Die ovarielle Torsion steht möglicherweise in Zusammenhang mit anderen Risikofaktoren wie OHSS, Schwangerschaft, vorausgehenden abdominalen Operationen, ovarieller Torsion in der Anamnese, bestehenden oder vorausgehenden ovariellen Zysten und polyzystischen Ovarien. Eine Schädigung der Ovarien aufgrund der reduzierten Blutzufuhr kann durch eine frühe Diagnose und sofortige Detorsion reduziert werden.

Thromboembolische Ereignisse

Unter bzw. nach Behandlung mit Gonadotropin-Präparaten wie Puregon wurde (insbesondere in Verbindung mit einem OHSS, aber auch ohne Vorliegen einer Hyperstimulation) über thromboembolische Ereignisse berichtet. Bei Frauen mit bekannten Risikofaktoren für thromboembolische Ereignisse, wie positiver Eigen- oder Familienanamnese, Adipositas [Body-Mass-Index (BMI) >30 kg/m2] oder Thrombophilie, besteht ein erhöhtes Risiko für das Auftreten venöser und/oder arterieller Thromboembolien während oder nach der Behandlung mit Gonadotropinen. Bei diesen Frauen sollte der Nutzen einer Gonadotropin Verabreichung gegen die Risiken abgewogen werden. Es ist jedoch zu beachten, dass während einer Schwangerschaft das Risiko thromboembolischer Ereignisse ebenfalls erhöht ist.

Ovarielle und andere Neoplasien des Reproduktionssystems

Es liegen Berichte über ovarielle Neoplasien und andere benigne und maligne Neoplasien des Reproduktionssystems bei Frauen vor, welche sich zur Behandlung ihrer Infertilität mehreren Behandlungszyklen unterzogen haben. Es ist nicht gesichert, ob die Behandlung mit Gonadotropinen das Risiko für diese Tumore bei infertilen Frauen erhöht.

Bei Männern

Zur Beurteilung des Behandlungserfolges beim Mann empfiehlt sich eine Untersuchung des Spermas 4-6 Monate nach Behandlungsbeginn.

Beim Mann sind erhöhte endogene FSH-Serumspiegel Anzeichen einer primären Hodenfunktionsstörung. Bei diesen Patienten bleibt ein Behandlungserfolg unter Puregon aus.

Interaktionen

Die gleichzeitige Anwendung von Puregon und Clomiphencitrat (oder anderen Substanzen, die zur Stimulation der Ovarien verwendet werden) kann die Follikelreaktion verstärken.

Nach Hypophysensuppression mittels eines GnRH-Agonisten ist mitunter eine höhere Dosis von Puregon notwendig, um eine ausreichende Follikelreaktion auszulösen.

Schwangerschaft/Stillzeit

Puregon ist während der Schwangerschaft kontraindiziert.

Bei einer ungewollten Exposition während der Schwangerschaft kann eine teratogene Wirkung des rekombinanten FSH aufgrund fehlender klinischer Daten nicht ausgeschlossen werden.

Follitropin beta kann die Milchproduktion beeinflussen. Puregon ist daher während der Stillzeit kontraindiziert.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Studien zum Einfluss von Puregon auf die Fahrtüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen wurden nicht durchgeführt. Soweit bekannt ist, hat dieses Arzneimittel jedoch keinen Einfluss auf die Aufmerksamkeit und die Konzentrationsfähigkeit.

Unerwünschte Wirkungen

Die klinische Anwendung von Puregon kann bei subkutaner oder intramuskulärer Applikation zu lokalen Reaktionen an der Einstichstelle (z.B. Rötung, Schwellung, Schmerzen, Hämatomen und Juckreiz) führen (bei 3% aller Patienten). Meistens sind diese Reaktionen schwach und vorübergehender Natur. Gelegentlich (bei ca. 0,2% aller Patienten) wurden generalisierte Überempfindlichkeitsreaktionen beobachtet.

Die schwerwiegendsten unerwünschten Wirkungen im Zusammenhang mit dem Einsatz von FSH sind in der Rubrik «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» beschrieben. Die nachfolgend nach Organsystem und Häufigkeit geordneten unerwünschten Wirkungen wurden in klinischen Studien mit Puregon oder nach der Marktzulassung beobachtet. Die Häufigkeitskategorien werden wie folgt definiert: häufig ≥1/100, <1/10; gelegentlich ≥1/1000, <1/100; selten <1/1000.

Allgemein:

Immunsystem

Gelegentlich: generalisierte Überempfindlichkeitsreaktionen (z.B. Hautrötung, Exanthem, Pruritus, Urtikaria; in Einzelfällen wurde auch über Dyspnoe und/oder Symptome eines Angioödems berichtet).

Nervensystem

Häufig: Kopfschmerzen.

Allgemeine Störungen und Reaktionen an der Applikationsstelle

Häufig: Reaktionen an der Injektionsstelle (wie Rötung, Schwellung, Juckreiz, Schmerzen, Hämatom, Induration).

Bei der Frau:

Gefässe

Selten: venöse oder arterielle Thromboembolien (auch ausserhalb eines OHSS).

Gastrointestinaltrakt

Häufig: Blähungen, Bauchschmerzen.

Gelegentlich: Übelkeit, Diarrhoe, Erbrechen, Obstipation.

Reproduktionssystem und Brust

Häufig: Unterleibsschmerzen, ovarielles Hyperstimulationssyndrom.

Gelegentlich: Vergrösserung der Ovarien, vaginale Blutungen, Brustbeschwerden (wie Spannungsgefühl, Schmerzen, Schwellung sowie schmerzhafte Brustwarzen), Ovarialzysten, Metrorrhagie, Grössenzunahme des Uterus, Fluor vaginalis, Dysmenorrhoe, ovarielle Torsion.

Beim Mann:

Die Angaben beim Mann basieren auf einer einzelnen Studie (an n=30 Patienten). Jede unerwünschte Wirkung, welche dort beobachtet wurde, hat damit eine Inzidenz von >1% und muss als häufig klassifiziert werden.

Haut

Häufig: Exanthem, Akne.

Reproduktionssystem und Brust

Häufig: Gynäkomastie, Nebenhodenzyste.

Überdosierung

Die akute Toxizität von Gonadotropin-Präparaten ist nachweislich sehr gering. Eine zu hohe Dosierung für mehr als einen Tag kann allerdings zur Hyperstimulation der Ovarien führen (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: G03GA06

Wirkungsmechanismus

Puregon enthält rekombinantes humanes Follitropin (FSH) aus CHO-Zellen (Chinese hamster ovary). FSH ist unentbehrlich für das Wachstum und die Reifung der weiblichen und männlichen Gameten sowie für die Steroidproduktion der Gonaden.

Bei der Frau ist die Menge an FSH entscheidend für den Beginn und die Dauer der Follikelentwicklung und folglich für die zeitliche Abstimmung und die Zahl der Follikel, die zur Reifung kommen.

Klinische Wirksamkeit

Bei Frauen:

Bei der Frau lässt sich Puregon zur Stimulation der Follikelentwicklung sowie für die Produktion von Steroiden bei bestimmten Störungen der Gonadenfunktion verwenden.

Darüber hinaus kann Puregon eingesetzt werden, um eine multiple Follikelentwicklung bei ärztlich assistierten Reproduktionsprogrammen zu fördern. [In vitro Fertilisation/Embryo-Transfer (IVF/ET), intratubarer Gametentransfer (GIFT) und intrazytoplasmatischer Spermien-Injektion (ICSI)].

Nach einer Behandlung mit Puregon wird in der Regel hCG verabreicht, um die Endphase der Follikelreifung, die Wiederaufnahme der Meiose und den Follikelsprung zu induzieren.

Bei Männern:

In einer offenen, multizentrischen klinischen Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit wurden insgesamt 30 Männer wegen hypogonadotropem Hypogonadismus behandelt. Die Patienten erhielten pro Woche 450 I.E. Puregon, verteilt auf 2-3 Dosen. Die mittlere Behandlungsdauer betrug 323 Tage. Untersuchungen zur Wirksamkeit der Behandlung bestehend aus einer Spermienanalyse und einer Bestimmung der Hormonkonzentration im Serum wurden alle 6 Wochen durchgeführt. Die Behandlung wurde bei 43% der untersuchten Männer als erfolgreich angesehen. Diese wiesen nach einer medianen Behandlungsdauer von 165 Tagen mehr als 1 Mio./ml Spermien auf. Unter der knapp einjährigen Behandlung wurden keine klinisch relevanten unerwünschten Wirkungen registriert. Auch wurden nach einer Behandlungsdauer von 48 Wochen keine Antikörper gegen FSH oder gegen CHO-Zellen nachgewiesen.

Pharmakokinetik

Absorption/Distribution

Nach intramuskulärer oder subkutaner Applikation von Puregon werden die maximalen Serumspiegel von FSH innerhalb von etwa 12 Stunden erreicht. Nach wiederholter Gabe der gleichen Dosis liegen im Steady State (das nach 4 Tagesdosen erreicht wird) aufgrund der relativ langen Eliminationshalbwertszeit die FSH-Plasmakonzentrationen ungefähr 1,5-2,5 mal höher als nach einer Einzelgabe. Diese Erhöhung trägt dazu bei, therapeutische FSH-Konzentrationen zu erzielen.

Zwischen der intramuskulären und der subkutanen Applikation von Puregon gibt es keine signifikanten pharmakokinetischen Unterschiede. In beiden Fällen beträgt die absolute Bioverfügbarkeit ca. 77%.

Metabolismus/Elimination

Rekombinantes FSH ist biochemisch dem urinären, humanen FSH sehr ähnlich und wird auf die gleiche Weise verteilt, metabolisiert und ausgeschieden. Spezifische Studien zu Distribution, Metabolisierung und Exkretion von Puregon wurden jedoch nicht durchgeführt.

Aufgrund der verzögerten Freisetzung an der Injektionsstelle und der Eliminationshalbwertszeit von ungefähr 40 Stunden (Bereich von 12 bis 70 Stunden) bleiben die FSH-Spiegel 24-48 Stunden lang hoch.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Die Pharmakokinetik von Follitropin beta nach Verabreichung von Puregon wurde bei Patienten mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion nicht untersucht.

Präklinische Daten

Nach einmaliger Gabe von Puregon wurden bei Ratten keine toxischen Wirkungen festgestellt. Auch nach wiederholter Verabreichung an Ratten (2 Wochen) und Hunden (13 Wochen) mit einer bis 100fach höheren Dosis als sie beim Menschen angewendet werden soll, wurden keine signifikanten toxischen Wirkungen beobachtet. Puregon zeigte keine mutagenen Wirkungen im Ames-Test oder im in-vitro-Chromosomen-Aberrations-Test mit humanen Lymphozyten.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Da keine Kompatibilitätsstudien durchgeführt wurden, darf dieses Arzneimittel nicht mit anderen Arzneimitteln gemischt werden.

Beeinflussung diagnostischer Methoden

Bisher keine bekannt.

Haltbarkeit

Puregon kann bis zu dem auf der Packung angegebenen Verfalldatum «Exp.» verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Beim Grossisten und in der Apotheke:

Bei 2-8 °C im Kühlschrank aufbewahren. Nicht einfrieren.

Beim Patienten:

Zwei Optionen sind möglich:

  1. Bei 2-8 °C im Kühlschrank aufbewahren. Nicht einfrieren.
  2. Maximal für 3 Monate kann Puregon bei einer Temperatur unter 25 °C gelagert werden.

In der Originalverpackung vor Licht geschützt aufbewahren.

Sobald die Gummiplombe in der Ampulle durchgestochen wird, kann die Injektionslösung noch während max. 28 Tagen verwendet werden.

Hinweise für die Handhabung

Es darf nur klare, partikelfreie Lösung verwendet werden. Die Zylinderampullen Puregon wurden zur Anwendung mit dem Puregon Pen entwickelt. Die Hinweise zur korrekten Verwendung des Pens müssen befolgt werden.

Vor der Injektion sind Luftblasen aus der Zylinderampulle zu entfernen (vgl. Gebrauchsanleitung des Pens).

Leere Zylinderampullen dürfen nicht wieder gefüllt werden. Puregon Zylinderampullen sind nicht dazu geeignet, den Inhalt mit andern Arzneimitteln innerhalb der Zylinderampullen zu mischen (siehe auch «Inkompatibilitäten»).

Gebrauchte Nadeln sind sofort nach der Injektion zu entsorgen.

Gebrauchte Zylinderampullen (einschliesslich des Restvolumens) sind nach der letzten Injektion des Behandlungszyklus ebenfalls zu entsorgen.

Zulassungsnummer

55453 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

MSD Merck Sharp & Dohme AG, Luzern.

Stand der Information

März 2014.

S-CCDS-MK8328-SOi-082013a/8328-CHE-2014-010116

Verwendung dieser Informationen

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