Ditropan Tabl 60 Stk

Ditropan Tabl 60 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Oxybutynini hydrochloridum.

Hilfsstoffe: Lactosum anhydricum, Cellulosum microcristallinum, Calcii stearas, Color: Indigocarminum (E132), 14% Indigocarmin-Aluminiumsalz.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 Tablette (mit Bruchrille) enthält: 5 mg Oxybutynini hydrochloridum.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Häufiger imperativer Harndrang tagsüber oder nachts und Inkontinenz, beide Symptome im Zusammenhang mit:

  • einer instabilen Harnblase bei der Frau;
  • Einnässen (Enuresis) bei Kindern über 5 Jahren aufgrund einer unreifen Harnblase (Einnässen tagsüber);
  • einer spastischen neurogenen Blase.

Dosierung/Anwendung

Erwachsene: 1 Tablette zu 5 mg 3× täglich. Bei nicht ausreichender Wirkung kann die Tagesdosis bis auf maximal 20 mg erhöht werden.

Kinder über 5 Jahre: ½ Tablette zu 5 mg täglich während 2–3 Tagen, dann Dosis schrittweise erhöhen bis zum Erreichen der wirksamen Dosis (maximale Kinderdosierung: 15 mg/Tag).

Kinder unter 5 Jahre: siehe «Kontraindikationen».

Besondere Dosierungsempfehlungen

Ältere Patienten: Die Sicherheit und Wirksamkeit von Ditropan wurden bei älteren Patienten nicht spezifisch untersucht. Es können daher keine Dosierungsempfehlungen gemacht werden.

Eingeschränkte Nierenfunktion: Ditropan wurde nicht bei Patienten mit gestörter Nierenfunktion untersucht. Es kann daher keine Dosierungsempfehlung gegeben werden. Ditropan ist kontraindiziert bei Patienten, bei welchen eine Pollakisurie oder Nykturie Folge einer Niereninzuffizienz ist.

Eingeschränkte Leberfunktion: Ditropan wurde nicht bei Patienten mit gestörter Leberfunktion untersucht. Es kann daher keine Dosierungsempfehlung gegeben werden.

Kontraindikationen

  • Miktionsstörungen organischer Ursache, z.B. infolge Prostatahyperplasie oder Harnröhrenstriktur
  • Stenosen im Bereich der oberen Harnwege
  • Pollakisurie oder Nykturie infolge Herzinsuffizienz oder Niereninsuffizienz (hier steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund)
  • Engwinkelglaukom oder flache vordere Augenkammer
  • Stenose des Gastrointestinaltraktes
  • Colitis ulcerosa.
  • Toxisches Megakolon
  • Darmverschluss
  • Hiatushernie mit Refluxösophagitis
  • Tachyarrhythmie
  • Myasthenia gravis
  • Zerebralsklerose
  • Chronische Bronchitis
  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe gemäss Zusammensetzung

Die meisten Kontraindikationen leiten sich von der anticholinergen Komponente der Oxybutyninwirkung ab.

Oxybutynin darf ferner nicht bei Kindern unter 5 Jahren eingesetzt werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Ditropan muss mit Vorsicht angewendet werden bei älteren Patienten und bei Kindern (bei beiden Gruppen besteht ein hohes Risiko für eine unerwünschte Produktwirkung), bei Patienten mit autonomer Neuropathie, bei Patienten mit Parkinson-Krankheit, im Fall von hepatischer oder renaler Insuffizienz oder bei schweren gastrointestinalen Motilitätsstörungen.

Bei Verabreichung von Ditropan in hohen Dosen bei Patienten mit Colitis ulcerosa kann sich die intestinale Motilität soweit verringern, dass ein paralytischer Ileus entstehen kann.

Ditropan kann kognitive Störungen, Symptome einer Hyperthyreose, einer Herzkrankheit, einer Hypertonie sowie einer Prostatahyperplasie verschlimmern.

Falls Oxybutynin in einer warmen Umgebung verwendet wird, kann aufgrund der verminderten Schweissproduktion ein Hitzschlag auftreten.

Symptome einer Oxybutynin-Abhängigkeit wurden berichtet, insbesondere bei Patienten mit einer Abhängigkeit oder mit absichtlich überdosierten Einnahmen von diesem Wirkstoff in der Anamnese. Darüber hinaus haben die berichteten Fälle gezeigt, dass es beim Absetzen von Oxybutynin nach mehrjähriger Behandlung zu Entzugssymptomen (z.B. Nervosität, Angstgefühle, verstärkte Transpiration, Flush) kommt.

Ditropan Tabletten enthalten Lactose. Patienten mit einer seltenen hereditären Galactose-Intoleranz, Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption dürfen Ditropan daher nicht einnehmen.

Interaktionen

Pharmakodynamische Interaktionen

Verstärkung anticholinerger Effekte

Wie nach anderen Anticholinergika ist auch unter der Therapie mit Oxybutynin mit einer Verstärkung unerwünschter parasympatholytischer Wirkungen zu rechnen durch:

Atropin und andere anticholinerg wirkende Pharmaka;

Antihistaminika;

Neuroleptika und trizyklische Antidepressiva;

Antiparkinsonmittel;

Amantadin;

Herzglykoside;

Chinidin.

Die gleichzeitige Verabreichung von Ditropan und einem anderen Arzneimittel mit anticholinergen Eigenschaften muss daher vermieden werden.

Verminderung erwünschter cholinerger Effekte

Oxybutynin kann als Anticholinergikum die Wirkung von Prokinetika antagonisieren.

Pharmakokinetische Interaktionen

Die anticholinerge Wirkung von Oxybutynin führt zu einer verlangsamten Darmpassage und kann dadurch die Resorption anderer Arzneimittel beeinflussen. Für Atropin sind entsprechende Auswirkungen auf die Bioverfügbarkeit von Nitrofurantoin (erhöht) bzw. Levodopa und Phenothiazine (vermindert) beschrieben, ohne dass allerdings die klinische Relevanz dieses Effektes gesichert ist.

Interaktionen mit Phenobarbital, Phenytoin, Warfarin, Phenylbutazon und Tolbutamid konnten dagegen ausgeschlossen werden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Zur Sicherheit von Ditropan während einer Schwangerschaft liegen keine Daten vor. Es liegen keine hinreichenden tierexperimentellen Studien zur Auswirkung auf Schwangerschaft, Embryonal- und Foetalentwicklung, Geburt oder die postnatale Entwicklung vor.

Die Anwendung von Oxybutynin während der Schwangerschaft darf daher nur in zwingenden Fällen in Betracht gezogen werden.

Eine geringe Menge Oxybutynin wird in die Muttermilch ausgeschieden. Ditropan darf in der Stillzeit nicht eingenommen werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Ditropan kann die Leistungsfähigkeit und die Aufmerksamkeit beeinträchtigen und Schläfrigkeit oder verschwommenes Sehen verursachen. Patienten, die Ditropan einnehmen, sollten über dieses Risiko informiert werden, insbesondere wenn sie ein Fahrzeug lenken oder Maschinen bedienen. Ferner ist der Patient vor gleichzeitigem Alkoholgenuss zu warnen, da eine solche Kombination die unerwünschten Wirkungen verstärken kann.

Unerwünschte Wirkungen

In klinischen Studien mit mehr als 3000 gegenüber Oxybutyninhydrochlorid exponierten Patienten wurden die unerwünschten Wirkungen vorwiegend durch die anticholinergen Effekte des Arzneimittels verursacht. Dabei war Mundtrockenheit die häufigste unerwünschte Wirkung.

Die genannten unerwünschten Wirkungen erfordern nicht notwendigerweise ein Absetzen der Behandlung. Sie können durch eine Dosisanpassung vermindert werden und klingen nach Beendigung der Behandlung in der Regel vollständig ab.

Nachfolgend sind die unerwünschten Wirkungen nach Organsystem und Häufigkeit angegeben, welche in klinischen Studien und nach der Marktzulassung beobachtet wurden.

Die Häufigkeitsangaben sind wie folgt definiert: Sehr häufig (≥1/10), häufig (≥1/100 bis <1/10), gelegentlich (≥1/1000 bis <1/100), selten (≥1/10'000 bis <1/1000), sehr selten (<1/10'000), nicht bekannt (die Daten basieren auf Spontanmeldungen im Rahmen der Marktüberwachung, wobei die Inzidenz nicht genau angegeben werden kann).

Erkrankungen des Immunsystems

Selten: allergische Reaktionen (wie Rash oder Urtikaria).

Nicht bekannt: Angioödem.

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Gelegentlich: Appetitlosigkeit.

Psychiatrische Erkrankungen

Gelegentlich: Nervosität.

Selten: Verwirrung, Halluzinationen.

Nicht bekannt: Ängstlichkeit, Unruhe, Albträume, depressive Symptome, kognitive Störungen (insbesondere bei älteren Patienten), Paranoia, Oxybutynin-Abhängigkeit (bei Patienten mit Medikamenten- oder Substanzmissbrauch in der Anamnese).

Erkrankungen des Nervensystems

Gelegentlich: Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit/Müdigkeit.

Selten: Schlaflosigkeit, Geschmacksstörung.

Nicht bekannt: Krampfanfälle.

Augenerkrankungen

Häufig: Sehstörungen (wie verschwommenes Sehen, Diplopie, Akkomodationsstörungen).

Gelegentlich: Pupillenerweiterung.

Selten: trockene Augen, erhöhter Augeninnendruck.

Nicht bekannt: Entwicklung eines Glaukoms (Engwinkelglaukom).

Gefässerkrankungen

Häufig: Flush.

Gelegentlich: Tachykardie, Arrythmien.

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums

Gelegentlich: Epistaxis.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Sehr häufig: Mundtrockenheit (22%).

Häufig: Übelkeit, Abdominalbeschwerden, Obstipation.

Gelegentlich: Blähungen, Durchfall, Erbrechen.

Selten: Dysphagie, gastroösophagealer Reflux, intestinale Pseudoobstruktion bei Risikopatienten (ältere Patienten oder Patienten mit Obstruktion, die mit anderen Medikamenten behandelt werden, die die gastrointestinale Motilität reduzieren).

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Gelegentlich: Hauttrockenheit, Pruritus.

Selten: Erythem.

Nicht bekannt: Lichtempfindlichkeit.

Erkrankungen der Nieren und Harnwege

Häufig: Miktionsstörungen (wie Dysurie, erschwertes Wasserlassen).

Gelegentlich: Harnverhaltung.

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Gelegentlich: periphere Ödeme.

Nicht bekannt: Hitzschlag.

Pädiatrische Patienten:

Das Sicherheitsprofil von Oxybutynin bei Kindern (ab 5 Jahren) und Jugendlichen entspricht im Wesentlichen jenem bei Erwachsenen. Flush wurde bei Kindern häufiger, Mundtrockenheit hingegen seltener beobachtet als bei erwachsenen Patienten. Über Epistaxis wurde ausschliesslich bei pädiatrischen Patienten berichtet.

Unter anderen Oxybutynin-Präparaten wurde ausserdem über folgende unerwünschte Wirkungen berichtet:

Harnwegsinfektionen, Appetitsteigerung, Parästhesien, Tremor, Gedächtnisstörungen, Photophobie, Palpitationen, verstopfte Nase, verminderte Schweisssekretion, Rückenschmerzen, gesteigerter Harndrang, Restharnbildung.

Überdosierung

Im Falle einer Überdosierung kann eine Verstärkung der unerwünschten Wirkungen auftreten: Zeichen einer atropinergen Intoxikation (Mydriasis, starke Reduktion des Speichelflusses, Lähmung der glatten Muskulatur).

Es wurde auch von euphorisierender Wirkung bei absichtlicher Überdosierung berichtet. Im Falle einer Überdosierung sollten folgende Massnahmen getroffen werden:

  1. Sofortige Magenspülung.
  2. Langsame i.v.-Injektion von Physostigmin.

Erwachsene: 0,5 bis 2 mg langsam i.v., eventuell wiederholen bis zu einer Gesamtmenge von 5 mg.

Kinder: 30 μg langsam i.v., eventuell wiederholen bis zu einer Gesamtmenge von 2 mg.

Das Fieber muss behandelt werden.

Im Fall von schwerer Unruhe oder Erregung: Diazepam 10 mg i.v..

Im Fall von Tachykardie kann Propranolol als i.v.-Injektion verabreicht werden.

Im Fall einer Harnretention muss eine Katheterisierung erfolgen.

Im Fall einer Lähmung der Atemmuskulatur ist eine künstliche Beatmung erforderlich.

Falls der Patient unter einer schweren Mydriasis leidet, sollte er in einem dunklen Zimmer platziert werden; gegebenenfalls sind Pilocarpin-Augentropfen zu verabreichen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: G04BD04

Wirkungsmechanismus

Oxybutynin ist aufgrund seiner Struktur den neuromuskulotropen Spasmolytika zuzuordnen. Neurotrope Spasmolytika (Parasympatholytika, m-Cholinrezeptorenblocker) verdrängen kompetitiv Acetylcholin von den Muskarinrezeptoren in den postganglionären parasympathischen Erfolgsorganen.

Oxybutynin besitzt eine direkte antispastische Wirkung und hemmt den muskarinischen Effekt des Acetylcholins auf die glatte Muskulatur.

Muskulotrope Wirkungen von Oxybutynin werden wie die Wirkungen von Papaverin auf eine Änderung der intrazellulären Calcium-Ionenkonzentration zurückgeführt. Die daraus resultierende Tonusabnahme betrifft alle glatten Muskeln, einschliesslich Gefässmuskulatur, Bronchial- und Darmmuskulatur sowie die Muskulatur der abführenden Gallen- und Harnwege. Besonders ausgeprägt ist die Wirkung der muskulotropen Spasmolytika, wenn primär eine Tonussteigerung (Spasmus) der glatten Muskulatur vorliegt, wie dies bei der hyperaktiven Blase der Fall ist.

Darüber hinaus nimmt die Speichel-, Bronchial-, Magen- und Pankreassekretion ab. In höherer Dosierung wird die Herzfrequenz beschleunigt. Am Auge kommt es durch Lähmung des Musculus sphincter pupillae zur Pupillenerweiterung und durch Lähmung des Musculus ciliaris zu Sehstörungen.

Klinische Wirksamkeit

Ditropan bessert die durch Hyperkontraktilität des Blasenmuskels bedingten Miktionsbeschwerden.

Die anticholinerge Wirkung des Ditropans auf den Detrusor entspricht einem Zehntel bis Zwanzigstel jener des Atropins, die antispastische Wirkung hingegen ist vier- bis zehnmal stärker.

Pharmakokinetik

Absorption

Bioverfügbarkeit: 6%.

Oxybutynin wird rasch und vollständig aus dem Gastrointestinaltrakt resorbiert, unterliegt aber einem erheblichen First-pass-Effekt.

Nach Einnahme von 5 mg Oxybutynin werden maximale Serumkonzentrationen von unverändertem Oxybutynin (6–8 μg/l) innerhalb von einer Stunde gemessen.

Distribution

Oxybutynin wird zu 83-85% an Plasmaalbumin gebunden.

Metabolismus

Oxybutynin wird zu Desethyloxybutynin und hydrolytisch zu 2,3-Cyclohexylphenyl-glycolsäure bzw. 4-Hydroxy-cyclohexyl-phenylglycolsäure metabolisiert. Von diesen Metaboliten besitzt Desethyloxybutynin noch eine pharmakologische Wirkung, ohne dass hierzu allerdings quantitative Angaben vorliegen.

Elimination

Die Plasmahalbwertszeit von Oxybutynin beträgt weniger als 2 Stunden, wobei die totale Ausscheidung in weniger als acht Stunden erfolgt. Oxybutynin wird vorwiegend durch die Nieren ausgeschieden.

Bei wiederholter oraler Applikation werden diese Parameter nicht modifiziert. Dies lässt darauf schliessen, dass es nicht zu einer Akkumulation kommt.

Präklinische Daten

Die präklinischen Daten der herkömmlichen Studien zur allgemeinen Toxizität, zur Genotoxizität und Karzinogenität ergaben keine Hinweise auf besondere Risiken für den Menschen, die über die Informationen in den anderen Abschnitten hinausgehen.

In einer Embryo-Foetotoxizitätsstudie bei trächtigen Ratten wurden Missbildungen am Herzen beobachtet. Zusätzlich wurden höhere Dosierungen mit überzähligen Rippen im Thoraco-Lumbal Bereich sowie mit einer erhöhten Toxizität bei den Jungtieren in Verbindung gebracht. Aufgrund fehlender Angaben zur Zahl der exponierten Fälle ist die klinische Relevanz dieser Beobachtungen bisher nicht geklärt.

Der analgetische Effekt ist im Tierexperiment nach subkutaner Injektion auf Gewichtsbasis stärker ausgeprägt als jener von Acetylsalicylsäure. Die lokalanästhetische Wirksamkeit entspricht jener von Lidocain.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Medikament darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «Exp.» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

In der Originalverpackung bei Raumtemperatur (15–25 °C) ausserhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.

Zulassungsnummer

46680 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

sanofi-aventis (schweiz) ag, 1214 Vernier/GE.

Stand der Information

August 2016.

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