Diamox Tabl 250 Mg 25 Stk

Diamox Tabl 250 Mg 25 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Injektionspräparat und Tabletten:

Wirkstoff: Acetazolamidum.

Tabletten:

Hilfsstoffe: Povidonum K 30, Natrii amylum glycolas, Calcii hydrogenophosphas dihydricus, Maydis amylum, Magnesii stearas.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Injektionspräparat:

1 Trockenampulle (= Praeparatio cryodessicata) enthält: Acetazolamidum 500 mg ut Acetazolamidum natricum (pH 9.2) pro vitro.

Tabletten:

1 Tablette enthält: Acetazolamidum 250 mg.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Glaukom, Ödeme unterschiedlicher Genese, Ateminsuffizienz mit respiratorischer Azidose, Epilepsie, Hirnödem, Pankreatitis, Pankreasfisteln, Prophylaxe der Höhenkrankheit.

Dosierung/Anwendung

Glaukom:

Erwachsene:

In akuten Fällen ½-2 Ampullen oder 1-4 Tabletten (250-1000 mg) während 24 Stunden, je nach Fall in unterteilten Dosen, z.B. ½ Ampulle oder 1 Tablette alle 4 Stunden oder 2× täglich. Eventuell auch initial 1 Ampulle oder 2 Tabletten (500 mg) applizieren und alle 4 Stunden ¼-½ Ampulle.

Dauermedikation: ¼-1 Ampulle (125-500 mg) oder ½-1 Tablette (125-250 mg) täglich.

Sobald als möglich sollte auf die orale Therapie mit Diamox Tabletten zu 250 mg umgestellt werden.

Eine Kombination mit Miotika ist sinnvoll, da einerseits die Kammerwassersekretion reduziert, anderseits der Abfluss gefördert wird.

Ödeme:

Erwachsene:

Initial 2-3 Tage lang täglich morgens ½-¾ Ampulle (5 mg/kg Kpgw.) i.v. oder 1-1½ Tabletten (5 mg/kg Kpgw.), anschliessend 2× wöchentlich ½-¾ Ampulle i.v. oder 1-1½ Tabletten. Eine Dosiserhöhung ergibt keine gesteigerte, sondern u.U. sogar eine verminderte Diurese, wobei zugleich Schläfrigkeit und/oder Parästhesien auftreten können. Anderseits wurden unter bestimmten Voraussetzungen sehr hohe Dosen von Diamox mit anderen Diuretika verabreicht, um bei vollständig refraktärer Insuffizienz die Diurese zu sichern.

Ateminsuffizienz mit respiratorischer Azidose:

Erwachsene: Kontinuierliche tägliche Gabe von 1-1½ Ampullen oder 2-3 Tabletten (500-750 mg) Diamox über längere Zeit.

Epilepsie:

Erwachsene: ½-2 Ampullen oder 1-4 Tabletten (250-1000 mg) täglich in unterteilten Dosen. Der Therapiebeginn oder eine Umstellung auf Diamox hat einschleichend zu erfolgen. In Kombination mit anderen Antiepileptika beträgt die Anfangsdosis 250 mg täglich. Bei Status epilepticus 500 mg täglich (2× ½ Ampulle) i.v.

Akute Pankreatitis, Pankreasfisteln:

Erwachsene: 2-5 Ampullen (1000-2500 mg) täglich langsam i.v. oder als Dauertropfinfusion.

Zur Prophylaxe der Höhenkrankheit:

Erwachsene: 1 Tablette (250 mg) 2× täglich über mindestens 4 Tage, beginnend 1 Tag vor der Exposition.

Anwendung des Injektionspräparates:

Jede Ampulle ist in mindestens 5 ml Aqua bidest. zu lösen. Diamox parenteral wird bevorzugt langsam intravenös injiziert oder im Dauertropf infundiert. Es kann auch intramuskulär appliziert werden, die Injektion ist jedoch der alkalischen Lösung wegen schmerzhaft.

Anwendung bei Kindern und Jugendlichen

Die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen ist bisher nicht geprüft worden.

Kontraindikationen

Bei erniedrigtem Natrium- und/oder Kaliumspiegel, schweren Nieren- oder Lebererkrankungen oder -dysfunktion (einschliesslich Zirrhose, da es das Risiko einer hepatischen Enzephalopathie erhöhen könnte), Nebennierenrindeninsuffizienz sowie bei hyperchlorämischer Azidose ist die Anwendung von Diamox kontraindiziert.

Eine Diamox-Langzeitbehandlung ist kontraindiziert bei Patienten mit chronischem, nicht kongestivem Winkelblockglaukom, da eine Verschärfung des Glaukoms durch den erniedrigten Augeninnendruck maskiert werden kann.

Bei Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Sulfonamiden oder Sulfonamidderivaten oder gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe gemäss Zusammensetzung ist die Anwendung von Diamox kontraindiziert.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Eine höhere Dosis erhöht die Diurese nicht, könnte jedoch das Auftreten von Schläfrigkeit und/oder Parästhesien erhöhen.

Suizidgedanken und -verhalten wurden bei Patienten, die für verschiedene Indikationen mit antiepileptischen Mitteln behandelt wurden, beobachtet. Eine Meta-Analyse von randomisierten Placebo-kontrollierten Studien mit antiepileptischen Mitteln zeigte eine leichte Erhöhung des Risikos von Suizidgedanken und-verhalten. Der Mechanismus für diesen Effekt ist unbekannt und die verfügbaren Daten schliessen die Möglichkeit eines erhöhten Risikos für Acetazolamid nicht aus. Folglich sollten Patienten entsprechend auf Suizidgedanken und -verhalten überwacht werden und eine angemessene Behandlung ist zu berücksichtigen. Patienten (sowie Pfleger bzw. Pflegerinnen) sollten ärztlichen Rat suchen, falls Anzeichen von Suizidgedanken und -verhalten auftreten.

Während einer Langzeittherapie mit Diamox sind spezielle Vorsichtsmassnahmen empfohlen. Der Patient sollte angehalten werden, jeden Hautausschlag sofort zu melden. Die Überwachung der Blutzellen- und Elektrolyt-Spiegel ist vor Behandlungsbeginn und dann regelmässig während der Behandlung empfohlen.

Während einer Langzeittherapie mit Diamox muss für eine ausreichende Zufuhr von Kalium gesorgt werden. Hierzu eignen sich Diätmassnahmen (Gemüse, Obst, vor allem getrocknete Aprikosen) oder Gabe von Kaliumpräparaten.

Infolge schwerer Reaktionen gegenüber Sulfonamiden (Acetazolamid inbegriffen) wie etwa Stevens-Johnson-Syndrom und toxische epidermale Nekrolyse, fulminante hepatische Nekrose, Agranulozytose, aplastische Anämie und andere Blutdyskrasien sowie Anaphylaxie, ereigneten sich selten Todesfälle. Bei einer starken Abnahme der gebildeten roten Blutkörperchen oder beim Auftreten von toxischen Hautreaktionen sollte die Behandlung mit Diamox sofort abgebrochen werden.

Überempfindlichkeitsreaktionen könnten wieder auftreten, falls ein Sulfonamid oder Sulfonamidderivat erneut angewendet wird, unabhängig von der Art der Anwendung. Beim Auftreten von Überempfindlichkeitsreaktionen oder anderen schweren Reaktionen ist die Behandlung mit Diamox abzubrechen.

Die Behandlung mit Acetazolamid kann Elektrolyt- und Säure-Base-Gleichgewichtsstörungen verursachen, wie Hyponatriämie und Hypokaliämie, sowie metabolische Azidose.

Besondere Vorsicht wird empfohlen bei Patienten, die an Elektrolyt- oder Säure-Base-Gleichgewichtsstörungen leiden oder dafür prädisponiert sind, wie z.B. Patienten mit einer Nierenbeeinträchtigung (insbesondere ältere Patienten), bei Lungenobstruktion und Emphysem (aufgrund eingeschränkter alveolärer Ventilation), bei Patienten mit Diabetes mellitus.

Sowohl eine Erhöhung als auch eine Verminderung des Blutzuckerspiegels wurden während der Behandlung mit Acetazolamid beschrieben. Bei Patienten mit eingeschränkter Glukosetoleranz oder mit Diabetes mellitus ist dies zu berücksichtigen.

Bei Patienten mit einer Nierenstein-Anamnese sollte der Nutzen gegenüber dem Risiko, neue Nierensteine zu bilden, abgewogen werden.

Der pH von parenteralem Acetazolamid ist 9.2. Sorgfalt ist bei intravenöser Verabreichung basischer Präparationen erforderlich, um eine Extravasation und die mögliche Bildung von Hautnekrosen zu vermeiden.

Die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen ist bisher nicht geprüft worden.

Interaktionen

Die Wirkung von Acetazolamid wird durch Probenecid und Sulfinpyrazon verstärkt. Seinerseits verstärkt es die Wirkung von Sulfonylharnstoffen, oralen Antikoagulantien und Barbituraten sowie die Toxizität von Methotrexat.

Die gleichzeitige Anwendung von Acetazolamid und Acetylsalicylsäure in hohen Dosen kann zu schwerer metabolischer Azidose und zu erhöhter ZNS-Toxizität führen.

Acetazolamid ist ein Diuretikum mit kaliuretischem Effekt; Vorsicht ist deshalb geboten, wenn es bei Patienten angewendet wird, die schon Diuretika (z.B. Furosemid oder Hydrochlorothiazid) erhalten, da dies das Risiko von Elektrolyt-Anomalien und Dehydrierung erhöhen könnte.

Wegen des kaliuretischen Effekts ist Vorsicht geboten, wenn Acetazolamid bei Patienten angewendet wird, die aufgrund eines Vorhofflimmerns oder einer Kardiomyopathie mit Digoxin behandelt werden, da eine Hypokaliämie das Risiko einer junktionaler Bradykardie oder anderer Formen der Digoxin-Toxizität erhöht.

Die gleichzeitige Anwendung von Droperidol und kaliumtreibenden Diuretika erhöht das Risiko einer QT-Intervall-Verlängerung und anschliessender Arrhythmien.

Bei gleichzeitiger Verabreichung verändert Acetazolamid den Metabolismus von Phenytoin. Dadurch werden die Serumkonzentrationsspiegel von Phenytoin erhöht.

Schwere Osteomalazie wurde bei einigen Patienten beobachtet, die Acetazolamid in Kombination mit anderen Antiepileptika einnahmen.

Es gab vereinzelte Meldungen von reduzierten Primidon- und erhöhten Carbamazepin-Serumspiegeln bei gleichzeitiger Anwendung von Acetazolamid.

Von einer gleichzeitigen Anwendung mit anderen Carboanhydrasehemmern ist wegen möglichen additiven Effekten abzuraten.

Änderungen des Blutzuckerspiegels wurden bei Acetazolamid-behandelten Patienten beschrieben.

Durch Alkalisierung des tubulären Harns vermindert Acetazolamid die Harnausscheidung von Amphetaminen und Chinidin (in der Schweiz nicht zugelassen) und kann somit Ausmass und Dauer der Wirkung von Amphetaminen sowie die Wirkung von Chinidin fördern.

Mit Hexamethylentetramin besteht die Gefahr der Konkrementbildung im Urin.

Acetazolamid fordert die Lithiumausscheidung. Die Wirkung von Lithiumpräparaten kann erniedrigt werden.

Wenn gleichzeitig angewendet kann Acetazolamid den Blutspiegel von Ciclosporin erhöhen. Bei einer Anwendung von Acetazolamid bei Patienten, die mit Ciclosporin behandelt werden, wird Vorsicht empfohlen.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

In Tierstudien wurden teratogene und embryotoxische Effekte beobachtet (siehe «Präklinische Daten»).

Es fehlen kontrollierte Studien bei schwangeren Frauen. Deshalb sollte Diamox während der Schwangerschaft, vor allem während dem 1. Trimester, nicht angewendet werden, es sei denn dies ist absolut notwendig.

Stillzeit

Acetazolamid tritt in die Muttermilch über. Da ein Risiko für das Neugeborene nicht ausgeschlossen werden kann, ist eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Beurteilung vorzunehmen und ggf. abzustillen.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Gewisse unerwünschte Wirkungen von Acetazolamid, wie Hypotonie, Schläfrigkeit, Müdigkeit und Kurzsichtigkeit können die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen sowie die Teilnahme am Strassenverkehr beeinflussen.

Unerwünschte Wirkungen

Meist zu Beginn einer Acetazolamidtherapie werden häufig Parästhesien und leichte gastrointestinale Beschwerden beobachtet. Diuresebedingt kann es zu Müdigkeit, Schwindel und Kopfschmerzen kommen. Diese Nebenwirkungen klingen jedoch in den meisten Fällen nach mehrtägiger Behandlung wieder ab.

Vor allem bei Langzeittherapie kann es zu Störungen des Elektrolythaushalts mit Muskelverspannungen oder Wadenkrämpfen kommen. Gelegentlich wird das Auftreten einer metabolischen Azidose und daraus folgend Hypercalciurie mit Bildung von Nierensteinen beobachtet. Die metabolische Azidose kann durch Zufuhr von Bicarbonat behoben werden.

Nach Langzeittherapie kann Acetazolamid zu Osteomalazie führen. Eine Anwendung von Acetazolamid bei Kindern kann Wachstumsverzögerungen hervorrufen.

Sehr selten werden typische Sulfonamidnebenwirkungen, wie Exanthem, anaphylaktische Reaktionen, Fieber, Blutbildveränderungen, Leberfunktions­störungen oder cholestatischer Ikterus beobachtet. Bei Auftreten solcher Reaktionen ist das Präparat unverzüglich abzusetzen und eine geeignete Therapie einzuleiten.

Bei Patienten mit Herz- oder Lungenkrankheiten kann Diamox eine bestehende Azidose verstärken und damit zu vermehrten Atembeschwerden führen.

Unerwünschte Wirkungen gemäss Systemorganklassen und Häufigkeit:

Sehr häufig (≥1/10), häufig (≥1/100, <1/10), gelegentlich (≥1/1000, <1/100), selten (≥1/10'000, <1/1000), sehr selten (<1/10000), unbekannt (aus vorhandenen Daten nicht abschätzbar).

Blut- und Lymphsystem

Sehr selten: Blutbildveränderungen (aplastische Anämie, Leukozytopenie, Thrombozytopenie, Agranulozytose).

Unbekannt: Knochenmarkdepression, Panzytopenie.

Immunsystem

Sehr selten: Exanthem (einschliessich Erythema exsudativum multiforme, Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Necrolyse), thrombozytopenische Purpura, Photosensibilisierung und anaphylaktische Reaktionen bis hin zum Schock.

Endokrine Störungen

Unbekannt: Hyperglykämie und Hypoglykämie möglich.

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Unbekannt: Vor allem bei Langzeittherapie sind metabolische Azidose und Störungen des Elektrolythaushalts (inbegriffen Hypokaliämie und Hyponaträmie) möglich.

Gichtanfälle wurden beobachtet.

Nervensystem

Häufig: Parästhesien (einschliesslich Taubheitsgefühl und Kribbeln an Extremitäten und Gesicht), Hitzegefühl und Leistungsabfall, Schwindel und Kopfschmerzen.

Gelegentlich: Nach längerer Behandlungsdauer, wurden Verwirrtheit, Erregung, Depressionen, Ataxie, schlaffe Lähmungen und Konvulsionen beobachtet.

Augen

Gelegentlich: Transitorische Myopie.

Ohr und Innenohr

Gelegentlich: Hörstörungen und Ohrgeräusche (Tinnitus).

Herzbeschwerden

Sehr selten: Lungenödem.

Gefässe

Gelegentlich: Diuresebedingt, Blutdrucksenkung.

Atmungsorgane

Gelegentlich: Bei Patienten mit Herz- oder Lungenkrankheiten, vermehrte Atembeschwerden.

Gastrointestinale Störungen

Häufig: Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, krampfartige Beschwerden, Melaena (Teerstühle), Appetitlosigkeit oder Geschmacksstörungen.

Leber und Galle

Selten: Hepatitis, cholestatischer Ikterus.

Sehr selten: Leberfunktionsstörungen, fulminante Lebernekrose.

Haut

Unbekannt: Urticaria, Exanthem (Rash).

Muskelskelettsystem

Gelegentlich: Bei Langzeittherapie, Muskelverspannungen oder Wadenkrämpfen, Osteomalazie und Wachstumsverzögerungen bei Kindern.

Nieren und Harnwege

Gelegentlich: Diuresebedingt, vermehrter Harndrang. Bei Langzeittherapie, Hypercalciurie mit Bildung von Nierensteinen, Hyperurikämie, Kristallausscheidung im Urin und Nierenversagen.

Sehr selten: Hämaturie, Glukosurie.

Unbekannt: Nieren- und Harnröhren-Kolik.

Allgemeine Störungen und Reaktionen an der Applikationsstelle

Häufig: Müdigkeit.

Gelegentlich: Durst und Mundtrockenheit.

Unbekannt: Fieber, Flush, verminderte Libido.

Nach parenteraler Verabreichung von Acetazolamid kann es zu Schmerzen an der Injektionsstelle kommen.

Überdosierung

Es gibt kein spezifisches Antidot für Acetazolamid. Überdosierungen sollten mit unterstützenden Massnahmen behandelt werden.

Gestörtes Elektrolytgleichgewicht, Entwicklung eines azidotischen Zustandes sowie zentralnervöse Effekte sind zu erwarten. Elektrolytserumspiegel (insbesondere Kalium) und Blut-pH sollten überwacht werden, zusätzlich die Nieren- und Leberwerte.

Unterstützende Massnahmen sind nötig, um Elektrolyt- und pH-Gleichgewicht wiederherzustellen. Der azidotische Zustand kann üblicherweise durch Bikarbonat-Gabe korrigiert werden.

Trotz hoher Verteilung in Erythrozyten und seiner hohen Plasmaprotein-Bindung kann Acetazolamid dialysiert werden, was für die Behandlung einer durch ein bestehendes Nierenversagen erschwerten Acetazolamid-Überdosierung besonders wichtig sein kann.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: S01EC01

Wirkungsmechanismus/Pharmakodynamik

Acetazolamid ist ein potenter Hemmer des Enzyms Carboanhydrase. Durch Gabe von Diamox wird deshalb die Reaktion CO2 + H2O = H+ + HCO3- verlangsamt. Die Folge ist eine verringerte Abgabe von Wasserstoffionen an das Lumen der Nierentubuli und eine verringerte tubuläre Rückresorption von Bicarbonat- und Natriumionen. Die verstärkte Ausscheidung von Bicarbonat-, Natrium- und Kaliumionen führt zur Diurese.

Durch diese Hemmung bewirkt Acetazolamid im Auge eine Reduktion der Kammerwasserbildung und dadurch eine Senkung des Augeninnendrucks. Diamox wird deshalb zur Glaukombehandlung eingesetzt. Bei Ateminsuffizienz mit respiratorischer Azidose führt Diamox durch Bicarbonatausschwemmung zur verbesserten Ansprechbarkeit des Atemzentrums. Hirnödem und bestimmte Epilepsieformen werden günstig beeinflusst. Im Pankreas wird die Sekretion vermindert.

Pharmakokinetik

Absorption

Acetazolamid wird schnell und fast vollständig vom Gastrointestinaltrakt absorbiert.

Der Wirkungseintritt nach parenteraler oder oraler Verabreichung erfolgt ca. 1 Stunde nach Applikation.

Distribution

Ca. 93% des Wirkstoffes im Plasma sind proteingebunden. Der Wirkstoff verteilt sich jedoch schnell in andere Gewebe und konzentriert sich vor allem in den Erythrozyten und der Nierenrinde, im welchen die Carboanhydrase in hohen Konzentration anwesend ist. Acetazolamid kumuliert nicht in den Geweben.

Metabolismus

Bei den Tabletten liegen max. Serumkonzentrationen von 26 µg/ml nach 2 Stunden, min. Serumkonzentrationen von 13 µg/ml nach 6 Stunden vor.

Nach Mehrfachapplikation stellen sich innert 7 Tagen max. Serumkonzentrationen von mehr als 10 µg/ml über 12 Stunden hinweg ein.

Die Serumhalbwertszeit von Acetazolamid beträgt durchschnittlich 6,3 Stunden.

Die Eliminations-Plasmahalbwertszeit nach intravenöser Applikation von Dosierungen im Bereich von 5-20 mg/kg beträgt 95 Minuten.

Elimination

In den ersten 24 Stunden werden über den Urin 70-100%, im Durchschnitt 90% des Acetazolamids unverändert ausgeschieden.

Die renale Clearance wird in einem alkalischen Urin gefördert.

Acetazolamid durchdringt die Plazentaschranke in nicht bekannter Menge und geht in die Muttermilch über.

Präklinische Daten

Nach oraler oder parenteraler Verabreichung von Acetazolamid wurden in Ratten, Mäusen, Hamstern und Kaninchen teratogene (Missbildung von Gliedmassen) und embryotoxische Effekte beobachtet.

Die Bedeutung dieser Ergebnisse aus tierexperimentellen Studien für den Menschen ist unklar.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten:

Keine bekannt.

Beeinflussung diagnostischer Methoden:

Acetazolamid kann einen erhöhten Kristallgehalt im Harn bewirken.

Acetazolamid beeinträchtigt die HPLC-Nachweismethoden von Theophylin. Diese Beeinflussung ist vom verwendeten Auszugsmittel abhängig; andere Theophylin-Nachweismethoden sollten Acetazolamid eher nicht beeinträchtigen.

Besondere Lagerungshinweise:

Das Arzneimittel ist ausser Reichweite von Kindern aufzubewahren.

Diamox parenteral und Diamox Tabletten dürfen nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Physikalische Haltbarkeit:

Im Kühlschrank (2-8 °C) ist die Lösung max. 24 Std. haltbar.

Mikrobielle Haltbarkeit:

Die Lösung enthält keine Konservierungsmittel und ist deshalb sofort nach Zubereitung zu verwenden. Restmengen sind zu verwerfen.

Hinweise für die Handhabung:

Keine.

Zulassungsnummer

22002, 21191 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Vifor SA, Villars-sur-Glâne.

Herstellerin

Mercury Pharma Ltd, Croydon (UK).

Stand der Information

Februar 2013.

Verwendung dieser Informationen

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