Deanxit Drag 100 Stk

Deanxit Drag 100 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoffe: Melitracen und Flupentixol.

Hilfsstoffe: Laktose, Kartoffelstärke, Gelatine, Talk, Magnesiumstearat, im Überzug: Gelatine, Saccharose, gebleichtes Wachs, Carnaubawachs, Color: E127 (Erythrosin), E132 (Indigocarmin).

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Dragées zu 10 mg Melitracen (als Melitracenhydrochlorid) und 0.5 mg Flupentixol (als Flupentixoldihydrochlorid).

Aussehen der Dragées: Rund, biconvex, dunkelrosa.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Leichte bis mittelschwere Zustände depressiver Gehemmtheit und Angst.

Dosierung/Anwendung

Erwachsene

In der Regel 2 Dragées täglich: morgens und mittags je 1 Dragée. In schweren Fällen kann morgens die Dosis auf 2 Dragées erhöht werden. Die tägliche Maximaldosis beträgt 4 Dragées.

Ältere Patienten (über 65 Jahre)

Morgens 1 Dragée. In schweren Fällen morgens und mittags je 1 Dragée.

Kinder und Jugendliche (<18 Jahre)

Deanxit wird nicht für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren empfohlen, da keine klinischen Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit vorliegen.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Bei herabgesetzter Nieren- sowie Leberfunktion kann Deanxit in der empfohlenen Dosierung verabreicht werden.

Hinweis: Bei Auftreten von Schlafstörungen oder starker Unruhe unter Deanxit ist eine Dosisreduktion zu erwägen oder eventuell zusätzlich abends ein leichtes Sedativum zu verabreichen.

Die Dragées werden mit Wasser geschluckt.

Falls eine Dosis vergessen wurde, soll der Patient diese auslassen und die nächste Dosis zur gewohnten Zeit einnehmen. Die Dosis soll nicht verdoppelt werden.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegen Melitracen, Flupentixol oder gegen in Deanxit Dragées enthaltene Hilfsstoffe (siehe «Zusammensetzung»).

Bei Kreislaufkollaps, herabgesetztem Bewusstseinszustand (z.B. akute Alkohol-, Barbiturat- oder Opiatvergiftungen), komatösem Zustand, Phäochromozytom und Blutdyskrasien ist Deanxit kontraindiziert. Deanxit ist kontraindiziert nach einem kürzlich erfolgten akuten Herzinfarkt, bei Herzblock jeden Grades, bei Erregungsleitungsstörungen sowie bei koronarer Insuffizienz.

Die gleichzeitige Verabreichung mit MAO-Hemmern ist kontraindiziert (siehe «Interaktionen»).

Bei gleichzeitiger Verabreichung von Melitracen und einem MAO-Hemmer (nicht-selektive wie auch selektive MAO-A-Hemmer [Moclobemid] und MAO-B-Hemmer [Selegilin]) kann ein Serotonin-Syndrom auftreten. Die Symptomatik äussert sich u.a. in Hyperthermie, Myoklonie, Rigidität, Tremor, Agitiertheit, Verwirrung, Bewusstseinsstörungen, autonomer Dysfunktion (Kreislaufinstabilität).

Wie andere trizyklische Antidepressiva sollte Melitracen nicht an Patienten verabreicht werden, die MAO-Hemmer einnehmen. Die Behandlung mit Deanxit darf erst 14 Tage nach Absetzen der Behandlung mit nicht-selektiven MAO-Hemmern sowie Selegilin und frühestens einen Tag nach Absetzen der Behandlung mit Moclobemid begonnen werden. Nach Beendigung einer Deanxit-Therapie soll 14 Tage gewartet werden, bis eine MAO-Hemmer-Therapie eingeleitet wird.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Deanxit sollte bei Patienten mit organischen Hirnschäden, Krampfanfällen, Harnverhalt, Schilddrüsenüberfunktion, Parkinson-Syndrom, Myasthenia gravis, fortgeschrittener Lebererkrankung sowie bei Herz-Kreislaufstörungen mit Vorsicht angewandt werden.

Deanxit ist aufgrund seiner aktivierenden Eigenschaften bei leicht erregbaren und hyperaktiven Patienten nicht zu empfehlen. Falls der Patient vorgängig mit sedierenden Arzneimitteln, wie Tranquilizern oder Neuroleptika behandelt wurde, müssen diese ausschleichend abgesetzt werden.

Wie bei allen Neuroleptika kann sich ein potentiell lebensbedrohliches malignes neuroleptisches Syndrom (Hyperthermie, Rigor, Bewusstseinsstörungen, Instabilität des autonomen Nervensystems) entwickeln.

Extrapyramidale Störungen können in sehr seltenen Fällen vor allem am Anfang einer Behandlung mit Flupentixol auftreten. Bei länger dauernder Behandlung mit Neuroleptika wie Flupentixol sind potentiell irreversible Spätdyskinesien möglich.

Bei Patienten unter langfristiger Therapie mit Flupentixol müssen der psychologische und der neurologische Status, das Blutbild und die Leberfunktion regelmässig überwacht werden.

Wie bei anderen Arzneimitteln der therapeutischen Klasse der Neuroleptika, könnte auch Flupentixol zu einer QT-Intervall Verlängerung führen. Persistierende QT-Intervall Verlängerungen können das Risiko für maligne Arrhythmien erhöhen. Deshalb sollte Deanxit bei empfindlichen Patienten (mit Hypokaliämie, Hypomagnesiämie oder einer genetischen Prädisposition) mit Vorsicht verabreicht werden; ebenso bei Patienten mit anamnestisch bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, z.B. QT-Intervall Verlängerung, signifikanter Bradykardie (<50 Schläge pro Minute), einem kürzlich erfolgten akuten Herzinfarkt, dekompensierter Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen. Gleichzeitiger Gebrauch von anderen Arzneimitteln, welche zu einer QT-Intervall Verlängerung führen können, sollte vermieden werden (siehe «Interaktionen»).

Suizid/Suizidgedanken oder klinische Verschlechterung

Eine Depression geht einher mit einem erhöhten Risiko von Suizidgedanken, selbstschädigendem Verhalten und Suizid (suizidale Ereignisse).

Dieses Risiko dauert an, bis es zu einer signifikanten Besserung der Symptome der Depression kommt. Da die Besserung der Symptomatik nicht unbedingt während der ersten Wochen der Behandlung auftritt, sollen Patienten bis zum Eintritt der Besserung engmaschig überwacht werden. Die klinische Erfahrung zeigt, dass das Suizidrisiko in den frühen Phasen der Besserung ansteigen kann.

Bei Patienten mit Selbstmordversuchen in der Vorgeschichte oder mit Suizidgedanken bei Behandlungsbeginn, ist das Risiko von Selbstmordgedanken oder -versuchen erhöht; solche Patienten sind während der Therapie besonders sorgfältig zu überwachen.

Eine Meta-Analyse von Placebo-kontrollierten klinischen Studien zur Anwendung von Antidepressiva bei Erwachsenen mit psychiatrischen Störungen zeigte für Patienten unter 25 Jahren, die Antidepressiva einnahmen, ein erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten im Vergleich zu Placebo.

Eine sorgfältige Überwachung der Patienten, vor allem der Patienten mit erhöhtem Risiko, soll speziell bei Therapiebeginn und bei Dosisänderungen erfolgen. Patienten (und deren Betreuer) sollen auf die Notwendigkeit aufmerksam gemacht werden, auf jegliche klinische Verschlechterung, suizidales Verhalten oder Suizidgedanken und ungewöhnliche Verhaltensänderungen sorgfältig zu achten und bei Auftreten derartiger Symptome unverzüglich medizinischen Rat zu suchen.

Auch nach Beendigung der Behandlung müssen die Patienten gut überwacht werden wegen des Risikos eines Depressionsrückfalls (mit erneutem Potential für suizidales Verhalten) oder Entzugssymptomen.

Obwohl ein kausaler Zusammenhang zwischen Unruhe-Symptomen inkl. Akathisie (innere Unruhe, psychomotorische Agitiertheit) und Suizidalität nicht klar feststeht, sollten Patienten engmaschig überwacht werden bezüglich solcher Symptome während der antidepressiven Therapie.

Andere psychiatrische Diagnosen als eine Depression können ebenfalls mit einem erhöhten Risiko von Suizidverhalten einhergehen.

Diese psychiatrischen Erkrankungen können zusammen mit einer Depression auftreten. Deshalb müssen bei diesen Erkrankungen die gleichen Vorsichtsmassnahmen bezüglich Suizidrisiko wie bei einer Depression beachtet werden.

Deanxit soll bei Patienten, die selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) einnehmen, mit Vorsicht angewendet werden.

Behandlung von Patienten unter 18 Jahren

Deanxit soll nicht in der Behandlung von Patienten unter 18 Jahren eingesetzt werden, da keine Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit vorliegen.

Venöse Thromboembolien

Unter Behandlung mit Neuroleptika sind Fälle von venösen Thromboembolien (VTE) berichtet worden. Patienten, die mit Neuroleptika behandelt werden, zeigen oftmals erworbene Risikofaktoren für VTE. Deshalb sollten alle möglichen Risikofaktoren für VTE vor und während der Behandlung mit Deanxit identifiziert und präventive Massnahmen ergriffen werden.

Ältere Patienten

Cerebrovaskuläre Ereignisse

In randomisierten, Placebo-kontrollierten klinischen Studien zeigten Patienten mit Demenz, die mit atypischen Antipsychotika behandelt wurden, ein um etwa das Dreifache erhöhte Risiko für unerwünschte cerebrovaskuläre Ereignisse. Der Mechanismus dieses erhöhten Risikos ist unbekannt. Ein erhöhtes Risiko kann für andere Antipsychotika und andere Patientenpopulationen nicht ausgeschlossen werden. Deanxit sollte daher bei Patienten, die ein erhöhtes Schlaganfallrisiko aufweisen, mit Vorsicht angewendet werden.

Erhöhtes Todesfallrisiko bei älteren Patienten mit Demenz:

Die Daten von zwei grossen Anwendungsbeobachtungsstudien zeigten, dass ältere Menschen mit Demenz, welche mit Neuroleptika behandelt werden, ein leicht erhöhtes Todesfallrisiko haben im Vergleich zu Nicht-Behandelten. Es existieren nicht genügend Daten, um eine abschliessende Beurteilung des genauen Ausmasses des Risikos zu geben. Die Ursache des erhöhten Risikos ist nicht bekannt.

Deanxit ist nicht zugelassen zur Behandlung von demenz-bezogenen Verhaltensstörungen.

Wie mit anderen Psychopharmaka beschrieben, kann Deanxit die Glukose- und Insulintoleranz verändern; eine Anpassung der antidiabetischen Behandlung kann notwendig sein.

Bei Patienten mit Engwinkelglaukom oder flachem vorderem Kammerwinkel kann Deanxit durch Pupillenerweiterung einen akuten Glaukomanfall auslösen.

Anästhetika, welche während einer Therapie mit tri-/tetrazyklischen Antidepressiva verabreicht werden, können das Risiko von Arrhythmien und Hypotonie erhöhen. Wenn möglich sollte eine Deanxit-Behandlung einige Tage vor einer geplanten Operation unterbrochen werden. In Notfällen, wo die Therapie im Voraus nicht abgesetzt werden kann, ist der Anästhesist zu informieren.

Fertilität

Bei Menschen wurden unerwünschte Ereignisse berichtet, die einen negativen Einfluss auf die weibliche oder männliche Sexualfunktion oder die Fertilität haben könnten. Wenn klinisch signifikante Hyperprolaktinaemie, Galaktorrhoe, Amenorrhoe oder sexuelle Dysfunktion auftreten, sollte eine Dosisreduktion (falls möglich) oder das Absetzen des Arzneimittels in Betracht gezogen werden.

Die unerwünschten Ereignisse sind nach dem Absetzen der Therapie reversibel.

Deanxit Dragées enthalten Laktose und Saccharose. Patienten mit der seltenen hereditären Galactose- oder Fructose-Intoleranz, dem Lapp-Lactase-Mangel, der Glucose-Galactose-Malabsorption oder der Saccharose-Isomaltose Intoleranz sollten dieses Arzneimittel nicht einnehmen.

Interaktionen

Kontraindizierte Kombinationen

MAO-Hemmer

Die gleichzeitige Verabreichung mit MAO-Hemmern (nicht-selektive wie auch selektive MAO-A-Hemmer [Moclobemid] und MAO-B-Hemmer [Selegilin]) ist kontraindiziert (siehe «Kontraindikationen»).

Nicht empfohlene Kombinationen

Sympathomimetika

Melitracen kann die kardiovaskuläre Wirkung von folgenden Wirkstoffen verstärken: Adrenalin, Ephedrin, Isoprenalin, Noradrenalin, Phenylephrin und Phenylpropanolamin (z.B. in Anästhetika und abschwellenden Mitteln für die Nasenschleimhaut enthalten).

Adrenerge Neuronenblocker

Deanxit kann der blutdrucksenkenden Wirkung von Guanethidin, Betanidin, Reserpin, Clonidin und Methyldopa entgegen wirken. Während der Therapie mit einem trizyklischen Antidepressivum sollte die antihypertensive Behandlung überwacht werden.

Anticholinergika

Trizyklische Antidepressiva können die Wirkung dieser Arzneimittel auf Auge, ZNS, Herz, Darm und Harnblase verstärken. Die gleichzeitige Verabreichung sollte wegen erhöhtem Risiko von paralytischem Ileus, erhöhtem Augeninnendruck, Harnverhalt, Hyperpyrexie etc. vermieden werden.

ZNS dämpfende Mittel

Deanxit kann die Wirkung von Alkohol, Barbituraten sowie von anderen das ZNS dämpfenden Arzneimitteln (z.B. Hypnotika, Anxiolytika, Antihistaminika, Opiate, Anästhetika) verstärken.

Arzneimittel, welche eine QT-Verlängerung hervorrufen:

Eine durch Neuroleptika induzierte QT-Intervall Verlängerung könnte sich bei der Gabe von anderen signifikanten QT-Intervall verlängernden Arzneimitteln verschlimmern. Die gleichzeitige Gabe von solchen Arzneimitteln sollte vermieden werden.

Zu diesen Arzneimitteln zählen:

  • Antiarrhythmika der Klasse Ia und III (z.B. Chinidin, Amiodaron, Sotalol, Dofetilid)
  • einige Neuroleptika (z.B. Thioridazin, Haloperidol, Quetiapin)
  • einige Makrolide (z.B. Erythromycin)
  • einige Antihistaminika (z.B. Terfenadin, Astemizol)
  • einige Chinolonantibiotika (z.B. Gatifloxacin, Moxifloxacin)

Diese Liste ist nicht vollständig; einzelne andere Arzneimittel, die bekanntlich auch das QT-Intervall verlängern (z.B. Cisaprid, Lithium), sollten ebenfalls vermieden werden.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln, die zu einem Elektrolyt-Ungleichgewicht führen, wie z.B. Diuretika aus der Gruppe der Thiazide (Hypokaliämie) und bei Arzneimitteln, die die Plasmakonzentration von Flupentixol erhöhen, sollte Vorsicht geboten sein. Das Risiko einer QT-Intervall Verlängerung und Arrhythmien könnte erhöht sein (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Lithium:

Die gleichzeitige Verabreichung von Neuroleptika (Flupentixol) und Lithium erhöht das Risiko einer Neurotoxizität.

Levodopa:

Deanxit kann die Wirkung von Levodopa vermindern und das Risiko für kardiale Nebenwirkungen erhöhen.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Für die Kombination der beiden Wirkstoffe, Melitracen und Flupentixol, haben Reproduktionsstudien bei Tieren keine Risiken für die Föten gezeigt, aber man verfügt über keine kontrollierten Studien bei schwangeren Frauen.

Nicht-teratogene Effekte:

Bei Neugeborenen, deren Mütter während des dritten Trimenons der Schwangerschaft Antipsychotika (einschliesslich Flupentixol) einnahmen, besteht nach der Geburt das Risiko für extrapyramidalmotorische Symptome und/oder Entzugssymptome. Diese Symptome bei Neugeborenen können Agitation, ungewöhnlich erhöhten oder verminderten Muskeltonus, Tremor, Schläfrigkeit, Schwierigkeiten beim Atmen oder Probleme beim Füttern einschliessen. Diese Komplikationen können einen unterschiedlichen Schweregrad aufweisen. Bei einigen Fällen waren sie selbst limitierend, in anderen Fällen benötigten die Neugeborenen eine Überwachung auf der Intensivstation oder eine längere Hospitalisation.

Flupentixol soll während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, es ist klar notwendig. Ist während der Schwangerschaft ein Absetzen der Behandlung erforderlich, so soll dies möglichst nicht abrupt geschehen.

Stillzeit

Flupentixol wird mit der Muttermilch in kleinen Mengen ausgeschieden. Das Verhältnis Milchkonzentration/Serumkonzentration ist bei Frauen im Durchschnitt 1:3. Bei therapeutischer Dosierung ist eine Einwirkung auf das Kind unwahrscheinlich. Die vom Kind aufgenommene Menge ist weniger als 0.5% der gewichtsbezogenen (mg/kg) Dosis der Mutter.

Zur Ausscheidung von Melitracen in der Muttermilch gibt es weder Studien am Tier noch am Menschen.

Andere Trizyklika jedoch, z.B. Amitriptylin und Nortriptylin, werden nur in geringen Mengen mit der Muttermilch ausgeschieden. Die vom Kind aufgenommene Dosis beträgt etwa 2% der gewichtsbezogenen (mg/kg) Dosis der Mutter. Während der Behandlung mit Amitriptylin und Nortriptylin darf gestillt werden. Da Melitracen die gleichen lipophilen Eigenschaften wie Amitriptylin aufweist, kann man annehmen, dass es in der Muttermilch in ähnlichen Konzentrationen vorkommt. Während einer Deanxit-Therapie kann gestillt werden; es wird jedoch empfohlen, den Säugling zu überwachen, vor allem während den ersten 4 Wochen nach der Geburt.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Die Grundkrankheit, das Arzneimittel oder die Kombination von beiden können die Aufmerksamkeit und die Reaktionsbereitschaft beeinträchtigen. Patienten unter Deanxit sollten kein Motorfahrzeug lenken oder gefährliche Maschinen bedienen, bis sie ihre persönlichen Reaktionen auf das Arzneimittel kennen.

Unerwünschte Wirkungen

Mundtrockenheit, Schwindel, Tremor, Nervosität, verschwommenes Sehen und Schlaflosigkeit sind die am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen.

Häufigkeiten wurden aus klinischen Studien und von Spontanmeldungen abgeleitet.

Häufigkeiten sind folgendermassen definiert:

sehr häufig: ≥1/10

häufig: <1/10, ≥1/100

gelegentlich: <1/100, ≥1/1'000

selten: <1/1'000, ≥1/10'000

sehr selten: <1/10'000 einschliesslich Einzelfälle

Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems:

Sehr selten: Thrombozytopenie, Leukopenie, Agranulozytose.

Psychiatrische Erkrankungen:

Häufig: Schlafstörungen (6%), Unruhe (2.5%), Agitation (1.7%).

Gelegentlich: Abnormale Träume, Angst, Verwirrtheit.

Häufigkeit unbekannt: Suizidgedanken, suizidales Verhalten*.

* Während der Deanxit-Therapie oder kurz nach Behandlungsabbruch wurden Fälle von Suizidgedanken oder Suizidverhalten berichtet (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Erkrankungen des Nervensystems:

Häufig: Schwindel (2.1%), Tremor (2.1%), Schläfrigkeit (1.1%)

Sehr selten: Extrapyramidale Symptome (z.B. Spätdyskinesien, Dyskinesien), Parkinsonismus, malignes neuroleptisches Syndrom

Augenerkrankungen:

Häufig: Akkommodationsstörungen (1.5%).

Herzerkrankungen:

Gelegentlich: Tachykardie, Arrhythmien.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts:

Häufig: Mundtrockenheit (5.4%), Verstopfung (1.5%).

Selten: Nausea, Dyspepsie.

Affektionen der Leber und Gallenblase:

Gelegentlich: Abnormale Leberfunktionstests.

Sehr selten: Cholestase/Gelbsucht, Hepatopathie.

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes:

Gelegentlich: Ausschlag, Alopezie.

Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen:

Gelegentlich: Myalgie.

Schwangerschaft, Wochenbett und perinatale Erkrankungen:

Häufigkeit unbekannt: Extrapyramidalmotorische Symptome und/oder Entzugserscheinungen beim Neugeborenen.

Allgemeine Erkrankungen:

Häufig: Müdigkeit (1.1%).

Gelegentlich: Asthenie.

Untersuchungen:

Häufig: verlängertes QT im Elektrokardiogramm

Fälle von Entzugssyndrom traten auf.

Unter Behandlung mit Neuroleptika sind Fälle von venösen Thromboembolien (VTE), Lungenembolien und tiefen Venenthrombosen berichtet worden, mit unbekannter Häufigkeit.

Die oben erwähnten psychischen unerwünschten Wirkungen können auch Symptome der Depression sein. Diese Symptome klingen im Allgemeinen ab, wenn sich der depressive Zustand bessert.

Post-Marketing-Erfahrung:

Vereinzelte Fälle von cholestatischer Hepatitis wurden gemeldet.

Überdosierung

Bei Vergiftung steht die Melitracen-Wirkung mit schweren anticholinergen Symptomen im Vordergrund. Nur selten manifestieren sich die extrapyramidal-motorischen Symptome einer Flupentixol-Vergiftung.

Symptome

Schläfrigkeit, Erregbarkeit, Agitiertheit, Halluzinationen, anticholinerge Wirkungen (Mydriasis, Tachykardie, Harnverhalt, trockene Schleimhäute, herabgesetzte Darmmotilität), Konvulsionen, Fieber, eingeschränkter Bewusstseinszustand, Koma, Atemdepression, kardiale Symptome (Arrhythmien [ventrikuläre Tachyarrhythmien, Torsade de Pointes, Kammerflimmern], Herzversagen, Hypotonie, kardiogener Schock), metabolische Azidose, Hypokaliämie.

Behandlung

Bei Vergiftungen mit hohen Dosen trizyklischer Antidepressiva ist bei nicht retardierten Präparaten innerhalb der ersten Stunden nach Einnahme eine primäre Dekontamination mit Aktivkohle oder eine Magenspülung indiziert. Wegen des erhöhten Krampfpotentials ist die Aktivkohle der Magenspülung vorzuziehen. Bei schweren Vergiftungen bzw. bei verminderten Schutzreflexen ist der Patient vorgängig zu intubieren.

Zur beschleunigten Elimination (sekundäre Dekontamination) ist bei einigen trizyklischen Antidepressiva die wiederholte orale Gabe von Aktivkohle möglicherweise wirksam. Die Hämodialyse zur sekundären Dekontamination ist unwirksam.

Bei arterieller Hypotonie und/oder ventrikulären Arrhythmien mit Verbreiterung des QRS-Komplexes im EKG (>100 msec) ist die Behandlung mit Natriumbikarbonat (1 mmol/kg) als Bolus oder als Kurzinfusion (5 Min.) angezeigt. Dies kann wiederholt werden, bis der Blutdruck ansteigt und die EKG Veränderungen sich bessern, aber höchstens bis zu einem maximalen arteriellen pH von 7.55. Evtl. zusätzlich Lidocain i.v. Bei Bradyarrhythmien ist die Einlage eines provisorischen Schrittmachers indiziert. Bei polymorpher Kammertachykardie von Typ Torsades de Pointes: Gabe von Magnesiumsulfat 0.5 bis 1.5 g i.v. als einmalige Injektion.

Bei Krampfanfällen: Behandlung mit einem Benzodiazepin i.v.

Bei Koma und/oder Ateminsuffizienz: Intubation und künstliche Beatmung. Hyperventilation zur Erhöhung des arteriellen pH nur, wenn nicht gleichzeitig Bikarbonat verabreicht wird (Gefahr der massiven Alkalose).

Pyridostigmin und Physostigmin zur Therapie peripherer und zentraler anticholinerger Symptome sind wegen der kardialen Effekte kontraindiziert.

Extrapyramidale Symptome können mit Biperiden (2.5 bis 5 mg langsam i.v. oder i.m., bzw. 10 mg p.o.) behandelt werden.

Erwachsene haben Einnahmen von bis zu 100 Dragées (1'000 mg Melitracen und 50 mg Flupentixol) überlebt. Ein knapp 3-jähriges Kind hat die Einnahme von 27 Dragées (270 mg Melitracen und 13.5 mg Flupentixol) überlebt.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N06CA02

Wirkungsmechanismus

Deanxit ist ein Kombinationspräparat aus Flupentixol und Melitracen.

Flupentixol, ein Neuroleptikum der Thioxanthenreihe, hat in kleinen Dosen eine angstlösende, antidepressive und stimmungsstabilisierende Wirkung. Bei Dosen von weniger als 3 mg/Tag wirkt Flupentixol nicht sedierend, sondern leicht aktivierend.

Melitracen ist ein trizyklisches Antidepressivum mit den für diese Gruppe charakteristischen pharmakologischen Eigenschaften. In Dosierungen von weniger als 150 mg wirkt es nicht sedierend.

Deanxit als Kombinationspräparat von 0.5 mg Flupentixol und 10 mg Melitracen hat eine antidepressive und anxiolytische Wirkung ohne Sedation. In präklinischen Untersuchungen haben sich aufgrund der niedrigen Dosierung von Flupentixol kaum Hinweise auf antipsychotische und extrapyramidal-motorische Effekte ergeben.

Pharmakokinetik

Flupentixol

Flupentixol besteht aus zwei geometrischen Isomeren, dem aktiven cis(Z)- und dem trans(E)-Flupentixol im Verhältnis 1:1. Die folgenden pharmakokinetischen Daten beziehen sich auf das cis(Z)-Isomer. Die Pharmakokinetik ist linear.

Absorption:

Maximale Serumkonzentrationen können 4-5 Stunden (Bereich 1-8 Stunden) nach oraler Verabreichung beobachtet werden. Die biologische Verfügbarkeit nach peroraler Verabreichung beträgt 40.4 (±17.4)% (Bereich 24-71%).

Steady-State Konzentrationen werden in 7-10 Tagen erreicht. Die tiefste Steady-State Konzentration, welche nach oraler Einnahme von 1× 5 mg Flupentixol pro Tag erreicht wird, beträgt 1.7 ng/ml (3.9 nmol/l).

Distribution:

Das theoretische Verteilungsvolumen liegt bei 14.1 l/kg (Bereich 12.5-17.2 l/kg). Die Bindung an Plasmaproteine ist etwa 99%. Hohe Konzentrationen der Wirksubstanz und deren Metaboliten finden sich in Leber, Lunge, Darm und Niere, niedrigere in Herz, Milz, Hirn und Blut. Geringe Mengen durchdringen die Plazentabarriere. Auch mit der Muttermilch werden geringe Mengen ausgeschieden.

Metabolismus:

Flupentixol wird extensiv in der Leber metabolisiert. Die Metabolisierung erfolgt durch Sulfoxydation, Dealkylierung der N-Seitenkette und Glukuronsäurekonjugation. Die Metaboliten sind pharmakologisch inaktiv. Im Hirn und anderen Geweben überwiegt das Flupentixol gegenüber seinen Metaboliten.

Elimination:

Flupentixol wird in Form von Metaboliten hauptsächlich über die Faeces und in geringerem Grad mit dem Harn ausgeschieden, bei einem Verhältnis von ca. 4:1. Die Eliminationshalbwertszeit (t½β) beträgt 34.7 (±9.5) Stunden (Bereich 15.4-50.2 Stunden). Die systemische Clearance ist 0.29 (±0.13) l/Min. (Bereich 0.15-0.51 l/Min.).

Kinetik spezieller Patientengruppen:

Die Pharmakokinetik von Flupentixol wurde bei älteren Patienten nicht untersucht. Bei Zuclopenthixol, einem verwandten Thioxanthen-Derivat, erwiesen sich die pharmakokinetischen Parameter als vom Alter des Patienten weitgehend unabhängig.

Der Einfluss von Leber- und Nierenfunktionsstörungen wurde nicht untersucht. Aufgrund der Ausscheidungscharakteristik ist anzunehmen, dass Nierenfunktionsstörungen keinen wesentlichen Einfluss auf die Elimination haben.

Hingegen ist bei schweren Leberfunktionsstörungen eine verlangsamte Elimination zu erwarten.

Melitracen

Absorption:

Maximale Serumkonzentrationen werden etwa 4 Stunden (Bereich 2-6 Stunden) nach oraler Verabreichung erreicht. Steady-State Konzentrationen werden innerhalb einer Woche erreicht. Die orale Bioverfügbarkeit ist nicht bekannt.

Distribution:

Die Bindung an Plasmaproteine beträgt bei Ratten etwa 89%. Hohe Konzentrationen der Wirksubstanz und deren Metaboliten finden sich bei Ratten in Leber, Darm, Lungen und Nieren, niedrige in Herz, Hirn und Milz und beträchtlich niedrigere im Blut.

Metabolismus:

Die Metabolisierung erfolgt durch N-Demethylierung zum pharmakologisch aktiven Litracen und durch Hydroxylierung in der Ringstruktur. Litracen wird im Organismus wie Melitracen verteilt. Der Abbau erfolgt ebenfalls durch Hydroxylierung.

Elimination:

Die Eliminationshalbwertzeit (t½β) beträgt etwa 19 (12-24) Stunden.

Bei Ratten wird Melitracen hauptsächlich mit den Faeces und in geringerem Grad mit dem Urin ausgeschieden (Verhältnis ca. 2.5:1).

Es ist nicht bekannt, ob Melitracen mit der Muttermilch ausgeschieden wird.

Kinetik spezieller Patientengruppen:

Die Pharmakokinetik von Melitracen wurde bei älteren Patienten sowie bei Leber- und Nierenfunktionsstörungen nicht untersucht.

Präklinische Daten

Mutagenität, Kanzerogenität:

Es sind keine für die Anwendung von Flupentixol und Melitracen relevanten Daten zur Mutagenität und Kanzerogenität vorhanden.

Reproduktionstoxizität:

In präklinischen Fertilitätsstudien an Ratten, in denen Flupentixol und Melitracen separat verabreicht wurden, konnten geringe Effekte auf die Fertilität beobachtet werden. Flupentixol beeinträchtigte die Trächtigkeitsrate von weiblichen Ratten leicht, während Melitracen die Fertilität der männlichen Ratten leicht unterdrückte. Diese Effekte wurden bei Dosen beobachtet, die deutlich über denen liegen, welche während dem klinischen Gebrauch Anwendung finden.

Die Kombination von Flupentixol und Melitracen führte bei Ratten und Kaninchen nicht zu einer signifikanten Zunahme von Missbildungen und beeinflusste die embryofoetale Entwicklung nicht in signifikanter Weise. Bei Mäusen wurde Melitracen mit einem herabgesetzten Fötengewicht und einer Zunahme später Resorptionen in Verbindung gebracht. Missbildungen wurden nur bei Dosen beobachtet, die für die Muttertiere toxisch waren. Bei Mäusen und Ratten zeigte Melitracen keinen signifikanten Einfluss auf die postnatale Entwicklung.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Nicht über 25 °C lagern.

Ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Zulassungsnummer

35859 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Lundbeck (Schweiz) AG, Opfikon.

Stand der Information

Januar 2015.

23022015FI

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