Etomidat Lipuro Braun 20 Mg/10ml 10 Amp 10 Ml

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Etomidatum.

Hilfsstoffe: Sojae oleum 100 mg, Triglycerida saturata media 100 mg, Glycerolum, Lecithinum ex ovo, Natrii oleas, Aqua ad iniectabilia q.s. ad emulsionem pro 1 ml.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Emulsion zur Injektion: 20 mg Etomidat pro Ampulle (= 10 ml) 2 mg Etomidat pro 1 ml.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Einleitung einer Allgemeinanästhesie.

Hinweis: Zur Kurznarkose nur in Verbindung mit einem ­Analgetikum verwenden.

Dosierung/Anwendung

Die Dosierung richtet sich nach der individuellen Empfindlichkeit und der klinischen Wirkung. In der Regel liegt die zum sicheren Einschlafen benötigte Dosis zwischen 0,15 und 0,3 mg Etomidat/kg Körpergewicht, entsprechend 0,075–0,15 ml/kg Körpergewicht Etomidat-Lipuro.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Die Anwendung und Sicherheit von Etomidat-Lipuro, Emulsion bei Kindern unter 6 Monaten ist bisher nicht geprüft worden.

Kinder ab 6 Monaten bis 15 Jahre und ältere Patienten erhalten als Einzeldosis 0,15–0,2 mg Etomidat/kg Körpergewicht, entsprechend 0,075–0,1 ml/kg Körpergewicht Etomidat-Lipuro. Es ist auch bei diesen Altersgruppen nach Wirkung zu dosieren.

Bei Patienten mit Leberzirrhose und bei vorangegangener Prämedikation mit Neuroleptika, Opioiden oder Sedativa muss die Dosis verringert werden.

Art und Dauer der Anwendung

Etomidat-Lipuro wird ausschliesslich intravenös und langsam (Einzeldosis in etwa 30 s), gegebenenfalls in fraktionierten Gaben, injiziert.

Intraarterielle Injektionen müssen vermieden werden, da die Gefahr von Nekrosen besteht.

Paravenöse Injektionen verursachen heftige Schmerzen.

Vor der Anwendung von Etomidat-Lipuro sollte eine Prämedikation zur Verhinderung möglicher Myokloni erfolgen. Empfohlen wird die Anwendung eines Benzodiazepins, z.B. Diazepam, das entweder intramuskulär 1 Stunde oder intravenös 10 Minuten vor Anwendung von Etomidat-Lipuro zu applizieren ist.

Kontraindikationen

Etomidat-Lipuro darf nicht angewendet werden bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Etomidat, einem der Hilfsstoffe gemäss Zusammensetzung oder Fettemulsionen.

Neugeborene und Säuglinge bis zum Alter von 6 Monaten sind von der Behandlung mit Etomidat-Lipuro auszuschliessen. Ausnahmen sind Behandlungen bei zwingender Indikation unter stationären Bedingungen.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Relative Kontraindikationen

Etomidat entfaltet im Tierexperiment ein porphyrogenes Potential und sollte an Patienten mit genetisch gestörter Haem-Biosynthese erst nach strenger Indikationsstellung verabreicht werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Insbesondere bei Anwendung höherer Dosen und in Kombination mit zentraldämpfenden Arzneimitteln kann es gelegentlich zu kurzfristigen Apnoen kommen.

Bei Patienten mit schwerer Hypotonie ist zu beachten, dass Etomidat den Blutdruck noch weiter absenken kann. Bei der Induktion einer Narkose kann Etomidat eine leichte vorübergehende Hypotonie, verursacht durch einen verminderten vaskulären Widerstand in der Peripherie, hervorrufen.

Etomidat-Lipuro darf nur von einem Arzt angewendet werden, der die endotracheale Intubation beherrscht und wenn die Möglichkeit zur künstlichen Beatmung besteht.

Etomidat hat keine analgesierende Wirkung. Beim Einsatz als Kurzzeit-Hypnotikum hat somit eine Prämedikation bzw. eine gleichzeitige Anwendung eines starken Analgetikums, z. B. Fentanyl, zu erfolgen, wobei auf die Inkompatibilitäten zu achten ist.

Interaktionen

Die hypnotische Wirkung von Etomidat wird durch Neuroleptika, Opioide oder die Einnahme von Sedativa einschliesslich Alkohol verstärkt.

Da Etomidat vermutlich durch das microsomale Enzymsystem der Leber hydrolisiert wird, verlängern Substanzen mit enzyminhibitorischem Effekt die hypnotische Wirkung von Etomidat.

Schwangerschaft/Stillzeit

Es sind weder kontrollierte Studien bei Tieren noch bei schwangeren Frauen verfügbar. Unter diesen Umständen soll das Medikament während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn dies ist eindeutig erforderlich.

Etomidat tritt in die Muttermilch über. Wenn eine Anwendung während der Stillzeit erforderlich wird, sollte das Stillen erst nach 24 Stunden wieder aufgenommen und die Milch in der Zwischenzeit verworfen werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Auch bei bestimmungsgemässem Gebrauch von Etomidat ist die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Strassenverkehr und zur Bedienung von Maschinen für mindestens 24 Stunden nicht gegeben.

Unerwünschte Wirkungen

Wie die meisten Allgemeinanästhetika beeinflusst Etomidat Atmungs-, Herz- und Kreislauffunktionen. Weiterhin verursacht Etomidat, wie auch einige andere Allgemein­anästhetika, unwillkürliche Muskelbewegungen.

Etomidat hemmt Cytochrom P-450-abhängige Enzymsysteme organabhängig unterschiedlich. In den Nebennierenrinden hemmt Etomidat während ca. 6 Stunden die Cortisol- und Aldosteronsynthese, was zu um 40–50% erniedrigten Plasmaspiegeln dieser Hormone führt. Infolge des peripheren Angriffspunktes von Etomidat können die Cortisolspiegel bis zu 24 Stunden nach kurzzeitiger Verabreichung nicht durch Stimulation mit ACTH-artigen Präparaten angehoben werden; sollten höhere Cortisolspiegel erwünscht sein, müssen diese durch eine einmalige Steroid-Applikation erzielt werden. Mit klinischen Auswirkungen einer kurzzeitigen Etomidat-Induktion ist nicht zu rechnen.

Im einzelnen wurden im Zusammenhang mit der Anwendung von Etomidat folgende Nebenwirkungen beobachtet:

Störungen des Immunsystems

Sehr selten (<1/10’000): Allergische Reaktionen, Bronchospasmen und anaphylaktoide Reaktionen wurden beobachtet. Nach Gabe von Etomidat kam es zu Histaminfreisetzung.

Sojabohnenöl kann in seltenen Fällen schwere allergische Reaktionen hervorrufen.

Endokrine Störungen

Sehr häufig (>1/10): Etomidat hemmt die Steroidsynthese in der Nebennierenrinde. Bei einmaliger Applikation ist die Reaktionsfähigkeit der Nebennierenrinde auf Stressoren für 4–6 Std. stark herabgesetzt.

Störungen des Nervensystems

Sehr häufig (>1/10): Nach einmaliger Etomidatgabe treten bei nicht prämedizierten Patienten relativ häufig unwillkürliche Muskelbewegungen (Myokloni) auf. Sie entsprechen der Enthemmung physiologischer dienzephaler Erregungsabläufe wie die hypnogenen Myokloni und können durch vorausgehende Gabe von Opioiden oder Benzodiazepinen verhindert werden.

Gelegentlich (>1/1000–<1/100): Schüttelfrost.

Sehr selten (<1/10’000): Konvulsionen.

Funktionstörungen des Herzens

Selten (>1/10’000–<1/1’000): Herzrhythmusstörungen.

Funktionstörungen der Gefässe

Häufig (>1/100–<1/10): Ein leichter vorübergehender Blutdruckabfall kann infolge einer Verminderung des peripheren Gefässwiderstandes auftreten.

Atmungsorgane (Respiratorische, thorakale und mediastinale Funktionstörungen)

Häufig (>1/100–<1/10): Atemdepression und Apnoe können insbesondere nach Verabreichung höherer Etomidat-Dosen in Kombination mit anderen zentral dämpfenden Arzneimitteln auftreten.

Selten (>1/10’000–<1/1’000): Laryngospasmus, Husten.

Gastrointestinale Störungen

Häufig (>1/100–<1/10): Nach Etomidatgabe können Übelkeit und Erbrechen auftreten. Diese Nebenwirkungen sind jedoch in erster Linie durch die Begleitmedikation mit einem Opioid bedingt.

Selten (>1/10’000–<1/1’000): Singultus.

Allgemeine Störungen und Reaktionen an der Applikationsstelle

Häufig (>1/100–<1/10): Schmerzen während der Injektion, wenn Etomidat-Lipuro ohne Gabe von Fentanyl, in kleine Venen injiziert wird. Um das Risiko lokaler Schmerzen zu minimieren, wird die Injektion in grössere Venen empfohlen.

Überdosierung

Im Falle einer Überdosierung kann es insbesondere in Kombination mit Inhalationsanästhetika zu einem längerdauernden Schlaf und kurzfristigen Apnoen kommen. Bei der Anwendung von Etomidat-Lipuro ist die bei Narkosen übliche apparative und medikamentöse Ausstattung bereitzustellen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N01AX07

Etomidat-Lipuro ist eine galenische Zubereitung, in der das fettlösliche Etomidat in einer Emulsion aus Sojabohnenöl, mittelkettigen Triglyceriden und Eilecithin ohne Verwendung eines Lösungsmittels vorliegt. Etomidat-Lipuro zeichnet sich durch bessere lokale Verträglichkeit aus, als unter der wässrigen Formulierung beobachtet wurde.

Wirkungsmechanismus

Der genaue Wirkungsmechanismus von Etomidat ist bisher nicht bekannt.

Pharmakodynamik

Die Latenzzeit von Etomidat-Lipuro beträgt im EEG 36 Sekunden, der Beginn des Wirkmaximums wird nach 46 Sekunden erreicht.

Der Wirkungseintritt erfolgt sehr schnell, die hypnotische Wirkungsdauer ist infolge Umverteilung und Abbau kurz. Eine Einmaldosis von 0,3 mg/kg KG führt innerhalb von 10 s zur tiefen Hypnose (3–4 min.), gefolgt vom Schlaf.

Klinische Wirksamkeit

Etomidat ist ein intravenös applizierbares Hypnotikum von kurzer Wirkungsdauer ohne analgetische Wirkung.

Pharmakokinetik

Distribution

Aus der Literatur ist bekannt, dass die Halbwertzeit der Fettpartikel kurz ist. Nach der Injektion trennt sich Etomidat rasch von den Ölpartikeln, was sich in Plasmaspiegeln äussert, die mit denen der wässrigen Formulierung vergleichbar sind. Das Verschwinden der Emulsion beeinflusst die Halbwertzeit von Etomidat nicht. Etomidat-Lipuro führt, verglichen mit einer wässrigen Formulierung, zu vergleichbaren Halbwertzeiten, Anflutungszeiten und Wirkzeiten. Statistisch abgesicherte Unterschiede konnten nicht festgestellt werden.

Die Plasmaproteinbildung von Etomidat (vornehmlich an Albumin) wurde mit 76,5% bestimmt; sie sinkt bei Nierenfunktionsstörungen oder chronischem Leberschaden Eine Kumulation wurde nicht beobachtet.

Das totale scheinbare Verteilungsvolumen von 4,6 ± 2,2 l/kg ist sehr gross und lässt auf beachtliche Gewebeaufnahme schliessen; das Verteilungsvolumen im zentralen Kompartiment mit 24,2 ± 4,2 l bzw. 21,2 ± 2,8 l bzw. 23,2 ± 11,4 l übersteigt deutlich den intravasalen Plasmaanteil, d.h. zum zentralen Kompartiment zählen zusätzlich auch Organe, die von einem grossen Prozentsatz des Herzminutenvolumens durchströmt werden (z.B. Leber, Gehirn). Die Rückverteilung vom tiefen ins zentrale Kompartiment ist der geschwindigkeitsbestimmende Schritt der Elimination.

Der Verlauf der Plasmakonzentrations-Zeit-Kurven zeigt 3 Phasen, die sich einem offenen 3-Kompartiment-Modell anpassen lassen: Durch eine schnelle Verteilung aus dem zentralen Kompartiment in ein peripheres und ein tieferes peripheres Kompartiment sowie eine hohe Eliminationsrate fällt nach Einmalgabe die Plasmakonzentration initial rasch ab (initiale Halbwertzeit 1,3 bis 4,5 min.). Durch das grosse Verteilungsvolumen ist trotz der hohen hepatischen Extraktion die Eliminationshalbwertzeit relativ lang (terminale Eliminationshalbwertzeit 2,4–5 h). Die lipophilen Eigenschaften erleichtern eine schnelle Passage durch die Blut-Hirn-Schranke. In der Cerebrospinalflüssigkeit entspricht die Konzentration annähernd der freien, nicht gebundenen Konzentration an Etomidat im Plasma (25 ± 3%). Erfahrungen mit der Anwendung bei Schwangeren beschränken sich auf den Zeitpunkt der Geburt. Bei einer geburtshilflichen Anästhesie tritt Etomidat durch die Plazenta.

Metabolismus

Primärer Schritt der Biotransformation ist die Hydrolyse des Ethylesters in der Leber. Daneben tritt zu einem kleinen Anteil oxidative N-Dealkylierung ein. Alle gefundenen Metabolite sind pharmakologisch inaktiv.

Elimination

Nach i.v. Verabreichung von 15 mg Etomidat-Base (radioaktiv markiert) erscheinen nach 24 h ca. 75% der Gesamtradioaktivität im Harn. Etwa 50% der Dosis tauchen in den ersten 4 h nach Injektion auf. Durch Extrapolation lässt sich abschätzen, dass nach ausreichend langer Periode ca. 87% im Urin ausgeschieden werden, d.h. andere Ausscheidungswege sind von untergeordneter Bedeutung. Hauptmetabolit im Urin ist das Hydrolyseprodukt von Etomidat, nämlich die R-(+)-1-(α-methylbenzyl)-5-imidazolcarbonsäure, die zum Teil auch glukuronidiert vorliegt und insgesamt ca. 80% der Radioaktivität im Urin ausmacht; dabei entfallen 55–59% auf die Säure und 21–24% auf ihr Glukuronid.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Die Halbwertzeit erhöht sich bei Patienten mit Leberinsuffizienz infolge eines verzögerten Abbaus.

Bei Niereninsuffizienz ist keine Dosisanpassung erforderlich. Nur ca. 2% einer Einzeldosis Etomidat werden als unveränderte Substanz renal eliminiert.

Bei Kindern und bei älteren Patienten ist mit stärkerem Ansprechen zu rechnen und entsprechend vorsichtig zu dosieren

Präklinische Daten

Es sind keine Daten verfügbar, welche für die klinische Anwendung von Relevanz wären.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Etomidat-Lipuro darf nicht ohne vorausgehende Kompatibilitätsprüfung mit anderen Injektionslösungen gemischt oder verabreicht werden. Gleichzeitig anzuwendende Medikamente, z.B. eine Kombination von Etomidat mit einem Analgetikum, müssen daher entweder direkt hintereinander über denselben oder über getrennte venöse Zugänge gegeben werden.

In den Schlauch einer vorübergehend unterbrochenen Infusion isotoner Natriumchlorid-Lösung kann Etomidat-Lipuro injiziert werden.

Haltbarkeit

Etomidat-Lipuro darf nach Ablauf des mit «Exp.» angegebenen Verfalldatums nicht mehr angewendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Vor Licht schützen. Bei Raumtemperatur (15–25 °C) aufbewahren!

Hinweise für die Handhabung

Die Ampullen sind vor Gebrauch zu schütteln.

Etomidat-Lipuro enthält kein Konservierungsmittel. Die Emulsion muss unmittelbar nach Öffnen der Ampulle unter sterilen Kautelen aufgezogen und injiziert werden, da Fettemulsionen das Wachstum von Mikroorganismen begünstigen.

Restmengen der Emulsion müssen verworfen werden.

Zulassungsnummer

52303 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

B. Braun Medical AG, Sempach.

Stand der Information

Oktober 2008.

Verwendung dieser Informationen

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