Sotalol Mepha Tabl 80 Mg 30 Stk

Sotalol Mepha Tabl 80 Mg 30 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Sotalolhydrochlorid 80 mg, 160 mg

Hilfsstoffe: Excipiens pro compresso

Tabletten 160 mg: Farbstoff: Indigotin (E132)

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Tabletten zu: 80 mg, 160 mg Sotalolhydrochlorid,

160 mg: Farbstoff Indigotin (E132)

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Herzrhythmusstörungen

  • Sinusale und supraventrikuläre Tachykardien.
  • Behandlung und Prophylaxe lebensbedrohender oder prognostisch ungünstiger ventrikulärer Arrhythmien bei durch elektrophysiologische Stimulation oder Holter nachgewiesener Wirksamkeit.
  • Vorhofflattern und -flimmern.

Weitere Arrhythmien: Bei Arrhythmien aufgrund einer Kohlendioxyd-Akkumulation, exogener Katecholamine, einer Narkose bzw. eines Myokardinfarkts, die auf die übliche Behandlung nicht reagieren, kann Sotalol-Mepha verabreicht werden.

Dosierung/Anwendung

Erwachsene

Die Tabletten sind vor den Mahlzeiten unverkaut mit ausreichend Flüssigkeit (z.B. 1 Glas Wasser) einzunehmen. Sotalol-Mepha sollte nicht zu den Mahlzeiten eingenommen werden, da die Aufnahme des Wirkstoffes Sotalolhydrochlorid aus dem Magen-Darm-Trakt bei gleichzeitiger Nahrungsaufnahme (insbesondere Milch und Milchprodukte) vermindert sein kann.

Sotalol-Mepha kann einmal oder mehrmals täglich verabreicht werden. Bei der Behandlung ventrikulärer Tachykardien empfiehlt sich eine Aufteilung der Tagesdosis in 2-3 Einzelgaben. Meist genügen 2 Einzelgaben.

Die Anfangsdosis beträgt 80-160 mg pro Tag. Im Bedarfsfall kann die Dosis in wöchentlichen oder grösseren Abständen um jeweils 160 mg oder weniger gesteigert werden, bis der gewünschte Effekt (betreffs Arrhythmie, Blutdruck, Puls, Angina pectoris, Tremor) erreicht ist.

Die optimale Dosis liegt zwischen 160 und 320 mg täglich; die am häufigsten verabreichte Dosierung liegt bei 320 mg täglich.

Gewisse Patienten mit lebensbedrohlichen refraktären ventrikulären Arrhythmien können in seltenen Fällen bei normaler Nierenfunktion Dosierungen bis maximal 480 bis 640 mg pro Tag (in 2-3 Dosen verabreicht) erfordern.

Mit einem Diuretikum oder einem anderen Antihypertonikum kombiniert verabreicht, ist die Dosis eines der beiden Medikamente zu reduzieren. Anhebung bzw. Senkung der Dosierungen sind schrittweise und unter Kontrolle der klinischen Parameter vorzunehmen.

Patienten mit Zustand nach Myokardinfarkt oder stark eingeschränkter Herzleistung bedürfen bei der Einstellung auf das Antiarrhythmikum einer besonders sorgfältigen Überwachung (z.B. Monitorkontrolle). Während der Behandlung sollten in regelmässigen Abständen Kontrolluntersuchungen vorgenommen werden.

Bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit und/oder Herzrhythmusstörungen oder nach längerer Anwendung sollte das Absetzen der Therapie ausschleichend erfolgen, da abruptes Absetzen zu einer Verschlechterung des Krankheitsbildes führen kann.

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: Sicherheit und Wirksamkeit von Sotalol-Mepha bei Kindern und Jugendlichen sind nicht belegt. Die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen wird daher nicht empfohlen.

Ältere Patienten: Bei der Behandlung älterer Patienten ist auf eine mögliche Einschränkung der Nierenfunktion zu achten.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Bei Niereninsuffizienz ist die Dosis zu reduzieren, da Sotalol hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden wird.

Bei schwerer Niereninsuffizienz wird empfohlen, Sotalolhydrochlorid nur unter häufiger EKG-Kontrolle sowie Kontrolle der Serumkonzentration zu verabreichen.

Bei Reduktion der Kreatinin-Clearance auf Werte von 30-60 ml/min ist eine Dosisreduktion auf die Hälfte, bei Werten von 10-30 ml/min auf ein Viertel durch entsprechende Teilung der Tablette zu empfehlen. Bei Werten von < 10 ml/min wird empfohlen, auf eine Behandlung mit Sotalol-Mepha zu verzichten bzw. bei einer Behandlung mit Sotalol-Mepha besondere Vorsicht walten zu lassen.

Die Kreatinin-Clearance kann mit Hilfe folgender Formel geschätzt werden: Clearance = (140-Alter) x Körpergewicht (kg) : 72 x Serumkreatinin (mg/dl); 15% weniger bei Frauen.

Da bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion bei Mehrfachgabe Kumulationsgefahr besteht, sollte bei diesen Patienten die Dosis der renalen Clearance unter Berücksichtigung der Herzfrequenz (nicht unter 50 Schläge/min) und der klinischen Wirksamkeit angepasst werden.

Zwischen Serumkreatinin und Halbwertszeit der Sotalol-Elimination besteht eine lineare Korrelation. Die individuelle Anpassung richtet sich nach der Senkung der Herzfrequenz (welche nicht unter 50 Hz liegen sollte) und der klinischen Wirkung. 

Anwendung

Die Einstellung auf das Antiarrhythmikum Sotalol-Mepha bei ventrikulären Herzrhythmusstörungen bedarf einer sorgfältigen kardiologischen Überwachung und darf nur bei Vorhandensein einer kardiologischen Notfallausrüstung sowie der Möglichkeit einer Herzrhythmusüberwachung erfolgen. Patienten mit Zustand nach Myokardinfarkt oder stark eingeschränkter Herzleistung bedürfen bei der Einstellung ebenfalls einer sorgfältigen Überwachung (Monitorkontrolle).

Während der Behandlung sollten in regelmässigen Abständen Kontrolluntersuchungen vorgenommen werden (z.B. in Abständen von einem Monat mit Standard-EKG bzw. 3 Monaten mit Langzeit-EKG und gegebenenfalls Belastungs-EKG).

Bei der Verschlechterung einzelner Parameter, z.B. Verlängerung der QRS-Zeit bzw. QTc-Zeit um mehr als 50 % bzw. einer QTc-Verlängerung auf mehr als 500 msec oder einer Zunahme der Anzahl oder des Schweregrades der Herzrhythmusstörungen, sollte eine Therapieüberprüfung erfolgen (siehe auch „Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen“).

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegen Sotalolhydrochlorid und Sulfonamide oder einen anderen Bestandteil der Tabletten gemäss Zusammensetzung.
  • Bronchialasthma, andere chronische obstruktive Lungenerkrankungen.
  • Kehlkopfödem, schwere allergische Rhinitis.
  • Kardiogener Schock, akuter Herzinfarkt.
  • Pulmonale Hypertonie mit Rechtsherzinsuffizienz (Cor pulmonale).
  • Den Herzmuskel schwächende Anästhesien.
  • Sinus-Bradykardie (weniger als 50 Schläge pro Minute), Sinusknotensyndrom (sick sinus syndrom).
  • Atrioventrikulärer Block 2. oder 3. Grades ohne funktionierenden Herz­schrittmacher.
  • Schwere Niereninsuffizienz.
  • Ketoazidose.
  • Dekompensierte Herzinsuffizienz, Herzinsuffizienz NYHA IV.
  • Vererbtes oder erworbenes QT-Verlängerungs-Syndrom (long QT-Syndrom).
  • Unbehandeltes Phäochromozytom.
  • Hypokaliämie.
  • Hypomagnesiämie.
  • Hypotonie.
  • Spätstadien peripherer Durchblutungsstörungen.

Die intravenöse Applikation von Calciumantagonisten vom Verapamil- oder Diltiazem-Typ oder anderen Antiarrhythmika (wie Disopyramid) bei Patienten, die mit Sotalolhydrochlorid behandelt werden, ist kontraindiziert (Ausnahme Intensivmedizin).

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Proarrhythmie

Erfahrung nach Markteinführung: Die gefährlichste Nebenwirkung von Antiarrhythmika ist die Verschlechterung bereits bestehender oder das Hervorrufen neuer Arrhythmien. Medikamente, die das QT-Intervall verlängern, können eine "Torsade de pointes" hervorrufen, eine polymorphe ventrikuläre Tachykardie, die mit der Verlängerung des QT-Intervalls in Zusammenhang gebracht wird. Die bisherige Erfahrung lässt darauf schliessen, dass ein Zusammenhang zwischen dem Risiko einer "Torsade de pointes" und der Verlängerung des QT-Intervalls, einer Reduktion der Herzfrequenz sowie der Serumkalium- und Magnesiumwerte (z. B. infolge der Einnahme von Diuretika), hohen Plasmakonzentrationen des Arzneimittels (z. B. infolge von Überdosierung oder Niereninsuffizienz) und der gleichzeitigen Anwendung von Sotalol und anderen Arzneimittlen wie Antidepressiva und Antiarrhythmika der Klasse I besteht, die mit dem Auftreten von "Torsades de pointes" in Zusammenhang gebracht wurden. Bei Frauen scheint das Risiko von "Torsades de pointes" höher zu sein. EKG-Untersuchungen unmittelbar vor oder nach den Episoden zeigen in der Regel eine signifikante Verlängerung des QT-Intervalls und des QTc-Intervalls. In klinischen Studien wurde im Allgemeinen bei Patienten mit einem QTc-Intervall über 450 msec vor Behandlung keine Therapie mit Sotalol eingeleitet. Sotalol-Mepha sollte bei Patienten mit verlängerten QT-Intervallen sehr vorsichtig titriert werden.

Im Unterschied zu klassischen reinen Betablockern ist Sotalol-Mepha nur schwach negativ inotrop. Vor der Verabreichung von Sotalol-Mepha bei kardialer Dekompensation wird trotzdem empfohlen, vorgängig eine adäquate Behandlung mit einem ACE-Hemmer, Digitalis und/oder Diuretika vorzunehmen. Bei Neuauftreten von Herzinsuffizienz bzw. entsprechenden Anzeichen ist unverzüglich eine adäquate Behandlung einzuleiten.

Einige Fälle von „Torsades de pointes“ (ventrikulärer Arrhythmie) wurden bei hypokaliämischen Patienten und solchen, die gleichzeitig mit Substanzen behandelt worden sind, welche mit dieser Art von Arrhythmie im Zusammenhang stehen, beobachtet. Situationen, die zu klinisch relevanten Elektrolytverlusten führen können, erfordern eine Unterbrechung der Behandlung. Vorsicht ist entsprechend geboten bei gleichzeitiger Behandlung mit Diuretika (Veränderung der Elektrolyte).

Eine gleichzeitige Behandlung mit Medikamenten, welche das QT-Intervall verlängern, oder solchen, welche mit atypischen ventrikulären Tachykardien im Zusammenhang stehen (insbesondere Chinidin, Disopyramide und trizyklische Antidepressiva), ist zu vermeiden.

Untersuchungen haben gezeigt, dass die Inzidenz von „Torsades de pointes“ mit zunehmender QTc-Intervalldauer unter Therapie mit Sotalol ansteigt: von 1.3% (QTc <500 msec) auf 10.8% (QTc >550 msec).

Weitere Risikofaktoren für "Torsade de pointes" waren Kardiomegalie oder Herzinsuffizienz in der Krankengeschichte. Patienten mit anhaltender ventrikulärer Tachykardie und Herzinsuffizienz in der Krankengeschichte tragen das höchste Risiko für eine schwere Proarrhythmie (7%). Mit proarrhythmischen Ereignissen muss nicht nur bei der Therapieeinleitung, sondern auch bei jeder Dosisanpassung nach oben gerechnet werden; in der Regel treten die Ereignisse innerhalb von 7 Tagen nach Therapieeinleitung oder Dosiserhöhung auf. Eine Therapieeinleitung mit 80 - 160 mg pro Tag und einer schrittweisen Dosiserhöhung senkt das Risiko einer Proarrhythmie (siehe "Dosierung/Anwendung"). Sotalol-Mepha sollte mit Vorsicht angewandt werden, wenn sich das QTc-Intervall während der Behandlung auf über 500 msec verlängert, bei einer Verlängerung auf über 550 msec sollte ernsthaft eine Dosisreduzierung oder das Absetzen der Behandlung in Erwägung gezogen werden. Aufgrund der multiplen Risikofaktoren, die mit "Torsades de pointes" in Zusammenhang gebracht werden, ist jedoch unabhängig vom QTc-Intervall Vorsicht angeraten.

"Torsades de pointes" sind dosisabhängig, treten für gewöhnlich kurz nach der Therapieeinleitung oder Dosiserhöhung auf und verschwinden bei den meisten Patienten spontan wieder. Obwohl die meisten Episoden von "Torsades de pointes" selbstlimitierend sind oder mit Symptomen in Zusammenhang gebracht werden (z. B. Synkopen), können sie auch zum Herzkammerflimmern führen.

Abruptes Absetzen: Die Behandlung mit Betablockern bei hypertonen Patienten mit Angina pectoris kann in bestimmten Fällen längere schwere Anfälle verursachen. Nach abruptem Absetzen einer Behandlung mit Betablockern wurde über gelegentliches Auftreten von Arrhythmien und, in manchen Fällen, Myokardinfarkten berichtet. Es wird empfohlen, eine Sotalol-Mepha Therapie ausschleichend über einen Zeitraum von ein oder zwei Wochen abzusetzen, vor allem bei Patienten mit einer ischämischen Herzerkrankung.

Betablocker können gewisse Anzeichen wie Tachykardie bei einer Hyperthyreose maskieren. Deshalb sollte bei Patienten mit Verdacht auf Hyperthyreose Sotalol-Mepha ausschleichend abgesetzt werden, um eine Exazerbation der Hyperthyreose-Symptome, wie beispielsweise eine thyreotoxische Krise, zu vermeiden.

Leberinsuffizienz: Da Sotalol-Mepha keinem First-Pass-Effekt unterliegt, kommt es bei Patienten mit Leberinsuffizienz zu keiner Veränderung der Sotalol-Mepha-Clearance.

Nierennsuffizienz: Sotalol-Mepha wird hauptsächlich renal durch glomeruläre Filtration und in geringerem Masse durch tubuläre Sekretion ausgeschieden. Bei erhöhtem Serumkreatinin muss die Dosis angepasst werden (vgl. „Spezielle Dosierungsanweisungen“). Sotalol ist hämodialysierbar (vgl. „Überdosierung“).

Psoriasis: Unter Behandlung mit Betablockern wurde selten über eine Exazerbation von Symptomen der Psoriasis vulgaris berichtet.

Diabetes Mellitus: Bei Patienten mit Diabetes mellitus (vor allem bei labilem Diabetes) oder mit Episoden spontaner Hypoglykämie in der Krankengeschichte sollte Sotalol-Mepha mit Vorsicht verabreicht werden, da Betablocker gewisse wichtige Warnzeichen einer akuten Hypoglykämie, z. B. eine Tachykardie, maskieren können.

Periphere Durchblutungsstörungen: Eine besonders sorgfältige ärztliche Überwachung ist erforderlich bei peripheren Durchblutungsstörungen, wie Raynaud-Syndrom und intermittierendes Hinken: Es kann zu einer Verstärkung der Beschwerden vor allem zu Beginn der Be-handlung kommen.

Status nach Myokardinfarkt: Patienten mit Zustand nach Myokardinfarkt oder schlechter linksventrikulärer Funktion sind bezüglich einer Verstärkung von Herzrhythmusstörungen (Proarrhythmien) besonders gefährdet.

Sorgfältige Überwachung und eine vorsichtige Dosistitration sind während der Therapieeinleitung und der Nachbeobachtung von entscheidender Bedeutung. Die in klinischen Studien zu Antiarrhythmika beobachteten unerwünschten Auswirkungen (z. B. ein offensichtlicher Anstieg der Mortalität) lassen darauf schliessen, dass bei Patienten mit einer linksventrikulären Ejektionsfraktion ≤ 40% ohne schwere ventrikuläre Arrhythmien auf eine Behandlung mit Sotalol-Mepha verzichtet werden sollte.

In einer grossen kontrollierten Studie mit Patienten mit kürzlich erlittenem Myokardinfarkt ohne Herzinsuffizienz, die nicht zwangsläufig unter ventrikulären Arrhythmien litten, wurde ein Zusammenhang zwischen der oralen Behandlung mit Sotalol-HCl und einer statistisch nicht signifikanten Senkung des Mortalitätsrisikos im Vergleich zur Plazebogruppe (18%) hergestellt. Diese Postinfarktstudie mit einer festen Dosis von 320 mg einmal täglich sowie eine zweite kleine randomisierte Studie mit Hochrisiko-Postinfarktpatienten mit einer linksventrikulären Ejektionsfraktion ≤ 40 %, die mit hohen Dosen behandelt wurden (640 mg/Tag), lassen auf eine Überzahl an frühem plötzlichen Herztod schliessen.

Komedikation: Bei einer Kombinationsbehandlung mit Antiarrhythmika der Klasse I sind solche Substanzen zu meiden, die den QRS-Komplex verbreitern können (insbesondere chinidinähnliche Substanzen), da es hier sonst zu einer übermässigen QT-Verlängerung mit der Gefahr erleichterter Auslösbarkeit von Kammerarrhythmien kommen kann. Ebenso ist wegen möglicher zu starker QT-Verlängerung eine gleichzeitige Anwendung mit anderen Klasse III-Antiarrhythmika zu vermeiden.

Betablocker können ferner die Myokardkontraktilität vermindern und eine noch schwerere Herzinsuffizienz verursachen. Vorsicht ist bei der Therapieeinleitung bei Patienten mit therapeutisch (z. B. mit Hilfe von ACE-Hemmern, Diuretika, Digitalis usw.) kontrollierter linksventrikulärer Dysfunktion angeraten; hier ist eine niedrige Anfangsdosis und eine vorsichtige Dosistitration angezeigt.

Bei starkem oder persistierendem Durchfall oder gleichzeitiger Gabe von Arzneimitteln, die zu einem Verlust von Magnesium und/oder Kalium führen, muss der Elektrolythaushalt und der Säure-Basen-Haushalt engmaschig kontrolliert werden.

Durch die Anwesenheit von Sotalolhydrochlorid im Urin kann die photometrische Bestimmung von Metanephrin zu fälschlich erhöhten Werten führen. Bei Patienten, die mit Sotalolhydrochlorid behandelt werden und bei denen ein Phäochromozytom vermutet wird, sollte der Urin anhand von HPLC mit Festphasenextraktion untersucht werden.

Die renale Clearance von Sotalol wird (im Gegensatz zu der von Propranolol) durch Alkoholkonsum nicht beeinflusst.

Klinische Studien zur Arrhythmie: In klinischen Studien kam es bei 4,3% von 3257 Arrhythmie-Patienten zum Neuauftreten oder einer Verschlechterung der ventrikulären Arrhythmie einschliesslich anhaltender ventrikulärer Tachykardie (rund 1%) und "Torsades de pointes" (2,4%). Zudem wurden Todesfälle bei rund 1% der Patienten als möglicherweise behandlungsbezogen eingestuft. Bei Patienten mit anderen, weniger schweren, ventrikulären und supraventrikulären Arrhythmien lag die Inzidenz von "Torsades de pointes" bei 1% bzw. 1,4%.

Schwere Proarrhythmien einschliesslich "Torsades de pointes" waren dosisabhängig.

Anaphylaxie: Bei Patienten mit einer anaphylaktischen Reaktion auf verschiedene Allergene in der Vergangenheit kann es bei wiederholtem Kontakt während der Behandlung mit Betablockern zu schwereren Reaktionen kommen. Diese Patienten reagieren unter Umständen nicht auf die zur Behandlung von allergischen Reaktionen üblichen Dosen Epinephrin.

Interaktionen

Antiarrhythmika: Antiarrhythmika der Klasse Ia (Disopyramid, Chinidin, Procainamid) sowie andere Antiarrhythmika der Klasse III (Amiodaron) sollten nicht zusammen mit Sotalol-Mepha verabreicht werden, da die Gefahr einer übermässigen QT-Verlängerung, verbunden mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten von Kammerarrhythmien, besteht.

Digoxin: Sotalol-Mepha wirkt sich weder in Einzel- noch in Mehrfachdosen in signifikanter Weise auf die Serumdigoxinwerte aus. Unter gleichzeitiger Therapie mit Sotalol-Mepha wurden vermehrt proarrhythmische Effekte festgestellt. Eine mögliche Ursache dafür kann auch die zugrundeliegende Krankheit (Herzinsuffizienz) sein.

Beta-2-Stimulantien: Bei gleichzeitiger Anwendung von Beta-2-Rezeptor-Agonisten wie z.B. Salbutamol, Terbutalin und Isoprenalin mit Sotalolhydrochlorid kann es vorkommen, dass die Dosierung des Beta-2-Rezeptor-Agonisten erhöht werden muss.

Bei der gleichzeitigen Einnahme von Sotalolhydrochlorid und Calciumantagonisten vom Verapamil- oder Diltiazem-Typ kann es zu einem verstärkten Blutdruckabfall und in Folge der additiven Wirkung auf den Sinus- und AV-Knoten zu bradykarden Herzrhythmusstörungen und höhergradigen atrioventrikulären Überleitungsstörungen kommen. Die intravenöse Applikation von Calciumantagonisten vom Verapamil- oder Diltiazem-Typ oder anderen Antiarrhythmika (wie Disopyramid) bei Patienten, die mit Sotalolhydrochlorid behandelt werden, ist kontraindiziert (Ausnahme Intensivmedizin).

Medikamentöse Katecholamindepletion: Die gleichzeitige Einnahme von Wirkstoffen zur Förderung der Katecholamindepletion, wie z. B. Reserpin und Guanethidin, mit einem Betablocker kann zu einer übermässigen Reduktion der sympathischen Nervenaktivität in Ruhe führen. Die Patienten sollten engmaschig auf Anzeichen von Hypotonie und/oder ausgeprägter Bradykardie, die zu Synkopen führen kann, überwacht werden.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Sotalolhydrochlorid und Norephinephrin oder MAO-Hemmstoffen sowie nach abrupter Beendigung einer gleichzeitigen Clonidin-Gabe kann der Blutdruck überschiessend ansteigen.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Calciumantagonisten vom Nifedipin-Typ kann es zu einem verstärkten Blutdruckabfall kommen; eine Verstärkung der Sinusknotensuppression ist denkbar.

Bei der gleichzeitigen Anwendung von Sotalolhydrochlorid und Arzneimitteln, die die QT-Zeit verlängern können, wie z.B. tri- und tetrazyklische Antidepressiva (Imipramin, Maprotilin), Antihistaminika (Astemizol, Terfenadin), Chinolon-Antibiotika (z.B. Sparfloxacin), Makrolidantibiotika (Erythromycin), Probucol, Haloperidol und Halofantrin, besteht ein erhöhtes Risiko für das Auftreten proarrhythmischer Wirkungen (Torsades de pointes).

Bei gleichzeitiger Anwendung von Sotalolhydrochlorid und trizyklischen Antidepressiva, Barbituraten, Phenothiazinen und Narkotika sowie Antihypertensiva, Diuretika und Vasodilatatoren kann es zu einem verstärkten Blutdruckabfall kommen.

Die negativ inotropen Wirkungen von Sotalolhydrochlorid und Narkotika bzw. Antiarrhythmika können sich addieren.

Die negativ chronotropen und negativ dromotropen Wirkungen von Sotalolhydrochlorid können bei gleichzeitiger Anwendung von Reserpin, Clonidin, alpha-Methyldopa, Guanfacin und herzwirksamen Glykosiden zunehmen.

Die neuromuskuläre Blockade durch Tubocurarin kann durch die Betarezeptorenhemmung verstärkt werden.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Sotalolhydrochlorid und Insulin oder oralen Antidiabetika kann – insbesondere unter gleichzeitiger körperlicher Belastung – eine Hypoglykämie induziert und deren Symptome verschleiert werden. Es kann zu Hyperglykämie kommen, die eine Dosisanpassung der Antidiabetika erforderlich macht.

Bei gleichzeitiger Gabe eines kaliumausschwemmenden Diuretikums (z.B. Furosemid, Hydrochlorothiazid) oder anderer Arzneimittel, die zum Verlust von Kalium oder Magnesium führen, besteht eine erhöhte Gefahr für das Auftreten hypokaliämisch induzierter Herzrhythmusstörungen.

Eine gleichzeitige Anwendung von trizyklischen Antidepressiva oder auch Alkohol und Sotalolhydrochlorid sollte wegen einer möglicherweise erleichterten Auslösbarkeit von Kammerarrhythmien (Einzelfälle sind beschrieben) unterlassen werden.

Mit Warfarin wurden keine Interaktionen beobachtet.

Clonidin: Betablocker können den Blutdruckanstieg verstärken, der manchmal nach Absetzen von Clonidin beobachtet wird; sie sollten daher vor dem Ausschleichen von Clonidin langsam über mehrere Tage abgesetzt werden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Tierversuche haben keine teratogene Wirkung auf den Fötus oder andere intrauterine Nebenwirkungen gezeigt, aber man verfügt über keine kontrollierten Studien bei schwangeren Frauen. Sotalol passiert die Plazenta und erreicht im Nabelschnurblut wirksame Konzentrationen. Zu einer Anwendung von Sotalol im ersten Trimenon der Schwangerschaft liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor.

Deshalb sollte Sotalol-Mepha ausser bei unumgänglichen Indikationen während der Schwangerschaft nicht verabreicht werden.

Wegen der Möglichkeit des Auftretens von Bradykardie, Hypotonie, Hypoglykämie und Atemdepression (neonatale Asphyxie) beim Neugeborenen soll die Therapie mit Sotalol 48-72 Stunden vor dem errechneten Geburtstermin beendet werden. Ist dies nicht möglich, müssen Neugeborene 48-72 Stunden nach der Entbindung sorgfältig überwacht werden.

Sotalol akkumuliert in der Muttermilch und es sollte deshalb bei zwingender Indikation abgestillt werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Dieses Arzneimittel kann auch bei bestimmungsgemässem Gebrauch das Reaktionsvermögen so weit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Strassenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen oder zum Arbeiten ohne sicheren Halt beeinträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem Masse bei Behandlungsbeginn, Dosiserhöhung und Präparatewechsel sowie im Zusammenwirken mit Alkohol.

Unerwünschte Wirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen sind auf die Eigenschaften von Sotalol-Mepha als Betablocker zurückzuführen. Nebenwirkungen sind in der Regel vorübergehend, häufig verschwinden Nebenwirkungen bei Dosisreduzierung.

Die wichtigsten Nebenwirkungen von Antiarrhythmika sind die Verstärkung bereits existierender Arrhythmien oder das Hervorrufen neuer Arrhythmien.

Im Rahmen von klinischen Studien vor der Zulassung erhielten insgesamt 3186 Patienten mit Herzrhythmusstörungen Sotalol in therapeutischen Dosen (1363 Patienten davon mit anhaltenden ventrikulären Tachykardien), insgesamt 2451 Patienten erhielten Sotalol für mindestens 2 Wochen. Die wichtigsten Nebenwirkungen waren ventrikuläre Tachykardien vom Torsade de Pointes-Typ und andere neu auftretende ventrikuläre Arrhythmien, die mit Häufigkeiten von etwa 4% bzw. 1% bei der Patientenpopulation mit anhaltenden ventrikulären Tachykardien auftraten. Insgesamt brachen 17% aller Patienten in klinischen Studien die Therapie aufgrund von Nebenwirkungen ab, bei Patienten, die wenigstes 2 Wochen behandelt wurden, war die Abbruchrate 13%. Die Nebenwirkungen, die am häufigsten zum Therapieabbruch führten waren Proarrhythmien (3%), übermässige Bradykardie (weniger als 50 Herzschläge pro Minute, 3%), Müdigkeit/Fatigue (4%), Dyspnoe (3%), Asthenie (2%), Schwindelgefühl (2%).

Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeiten zugrunde gelegt:

Sehr häufig: ≥1/10

Häufig: <1/10, ≥1/100

Gelegentlich: <1/100, ≥1/1000

Selten: <1/1000, ≥1/10'000

Sehr selten: <1/10'000 einschl. Einzelfälle

Folgende, im Zusammenhang mit Sotalol stehende, unerwünschte Wirkungen wurden beobachtet:

Herz

Sehr häufig: Bradykardie (12%)

Häufig: Palpitation, abnormale EKG, Brustschmerzen, Proarrhythmie, Verstärkung einer Herzinsuffizienz, Synkope, Präsynkope, AV-Überleitungsstörungen

Proarrhythmische Wirkungen in Form von Veränderungen oder Verstärkung der Herzrhythmusstörungen, die zu starker Beeinträchtigung der Herztätigkeit mit der möglichen Folge des Herzstillstands führen können, treten häufig auf. Insbesondere bei Patienten mit lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen und eingeschränkter linksventrikulärer Funktion kann es zu arrhythmogenen Effekten kommen.

Da Sotalolhydrochlorid die QT-Zeit verlängert, kann es – insbesondere bei Überdosierung und dadurch ausgeprägter Bradykardie – zum Auftreten ventrikulärer Tachyarrhythmien (inkl. Torsades de pointes) kommen.

Schwerwiegende Proarrhythmien (anhaltende ventrikuläre Tachykardie oder Kammerflattern/-flimmern bzw. Torsades de pointes) sind überwiegend dosisabhängig und treten meist frühzeitig nach Behandlungsbeginn sowie Dosissteigerung auf.

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Häufig:  Gewichtsveränderungen, verminderter Appetit

Hypoglykämie: Zeichen eines erniedrigten Blutzuckers können (insbesondere Tachykardie) können unter Sotalolhydrochlorid-Therapie verschleiert werden. Dies ist vor allem bei strengem Fasten sowie bei Diabetikern und bei Patienten mit einer Anamnese spontaner Hypoglykämien zu beachten.

Psychiatrische Störungen

Häufig:  Depressive Verstimmungen, Bewusstseinsveränderungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Angstzustände, Halluzinationen, verstärkte Traumaktivität

Nervensystem

Sehr häufig: Müdigkeit (18%), Schwindel (13%), Asthenie (10%)

Häufig: Benommenheit, Kopfschmerzen, Schwitzen, Paresthesie, Schlafstörungen

Augen

Häufig: Sehstörungen

Gelegentlich: Konjunktivitis

Sehr selten: Keratokonjunktivitis

Verminderung des Tränenflusses (beim Tragen von Kontaktlinsen beachten!).

Ohr und Innenohr

Häufig: vermindertes Hörvermögen

Gefässe

Häufig: Ödeme, Hypotonie, Vasodilatation, periphere Durchblutungsstörungen

Atmungsorgane

Sehr häufig: Dyspnoe (12%)

Häufig: Asthma, bei Patienten mit obstruktiven Ventilationsstörungen kann Atemnot ausgelöst werden.

Sehr selten: Allergische Bronchitis mit Fibrosierung

Gastrointestinale Störungen

Häufig: Übelkeit/Erbrechen, Diarrhoe, Dyspepsie, abdominale Schmerzen, Flatulenz, Geschmacksstörungen, Mundtrockenheit

Haut

Häufig: Hautausschlag, Rötung, Juckreiz

Gelegentlich: Alopezie

Arzneimittel mit Beta-Rezeptoren blockierenden Eigenschaften können sehr selten eine Psoriasis auslösen, die Symptome dieser Erkrankung verschlechtern oder zu psoriasiformen Exanthemen führen.

Muskelskelettsystem

Häufig: Muskelschmerzen, Muskelkrämpfe

Reproduktionssystem und Brust

Häufig: Sexuelle Dysfunktion, Potenzstörungen

Allgemeine Störungen

Häufig: Fieber, Mundtrockenheit

Sotalolhydrochlorid kann durch seine Beta-Rezeptoren blockierenden Eigenschaften die Empfindlichkeit gegenüber Allergenen und die Schwere anaphylaktischer Reaktionen erhöhen. Bei Patienten mit schweren Überempfindlichkeitsreaktionen in der Vorgeschichte und bei Patienten unter Desensibilisierungstherapie kann es daher zu überschiessenden anaphylaktischen Reaktionen kommen.

Antiarrhythmika der Klassen I und III zeigen in Studien ein gewisses proarrhythmisches Potential. Bei Sotalol besteht offensichtlich eine Abhängigkeit der Proarrhythmie vom Zeitpunkt (erste 3 Tage) bzw. der Dosierung (>320-640 mg bzw. keine Dosisanpassung bei Niereneinschränkung) bzw. dem QTc-Intervall (>500 msec).

Überdosierung

Absichtliche oder akzidentielle Überdosierungen mit Sotalol führten selten zum Tod.

Die Symptomatik einer Sotalol-Intoxikation ist insbesondere von der kardialen Ausgangssituation (linksventrikuläre Funktion, Herzrhythmusstörungen) abhängig. Bei ausgeprägter Herzinsuffizienz können bereits geringe Dosen eine Verschlechterung der kardialen Situation bewirken.

Das klinische Bild zeigt, abhängig vom Ausmass der Intoxikation, im wesentlichen kardiovaskuläre und zentralnervöse Symptome wie Müdigkeit, Bewusstlosigkeit, Pupillenerweiterung, gelegentlich auch generalisierte Krampfanfälle, Hypotonie, Bradykardie bis zur Asystolie, deutliche QT-Verlängerung, Bronchospasmen und Hypoglykämie. Bei starker Bradykardie können ventrikuläre Extrasystolen einfallen, die ventrikuläre Tachykardien bzw. “Torsades de pointes“ auslösen können. Symptome des Herz-Kreislauf-Schocks sind ebenfalls aufgetreten.

Therapie bei Überdosierung

Neben allgemeinen Massnahmen der primären Substanzelimination müssen unter intensivmedizinischen Bedingungen die vitalen Parameter überwacht und gegebenefalls korrigiert werden. Die häufigsten zu erwartenden Anzeichen sind Bradykardie, Herzinsuffizienz, Hypotonie, Bronchospasmen und Hypoglykämie. In Fällen massiver beabsichtigter Überdosierung (2-16 g) von Sotalol wurden die folgenden klinischen Auswirkungen beobachtet:  Hypotonie, Bradykardie, Verlängerung des QT-Intervalls, ventrikuläre Extrasystolen, ventrikuläre Tachykardie, Torsades de pointes. Nach einer Überdosierung sollte die Behandlung mit Sotalol abgesetzt und der Patient engmaschig beobachtet werden.

Als Gegenmittel können gegeben werden:

  • Atropin: 1–2 mg intravenös als Bolus
  • Betasympathomimetika in Abhängigkeit vom Körpergewicht und   Effekt: Dopamin, Dobutamin, Isoprenalin und Epinephrin
  • Glukagon: initial 1–10 mg intravenös; anschliessend 2–2,5 mg pro Std.  als Dauerinfusion
  • Aminophyllin oder ein Beta-2-Rezeptoragonist in Aerosolform (gegen Bronchospasmen)

Bei therapierefraktärer Bradykardie sollte eine temporäre Schrittmachertherapie durchgeführt werden.

Hämodialyse: Sotalol ist hämodialysierbar. Unter einer Hämodialyse sinkt die Eliminationshalbwertszeit auf 6,9 ± 1,2 Stunden. Nach Abschluss einer Hämodialyse ist mit einem erneuten, geringfügigen Ansteigen des Serumspiegels zu rechnen, da Sotalol aus tieferen Kompartimenten in das Serumkompartiment freigesetzt wird.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: C07A-A07

Wirkmechanismus/Pharmakodynamik

D,L-Sotalolhydrochlorid ist ein hydrophiles Klasse III-Antiarrhythmikum mit ausgeprägter Beta-Rezeptorenblockade. Die Klasse III-antiarrhythmische Wirkung beruht auf einer akut einsetzenden Verlängerung der terminalen Phase des monophasischen Aktionspotentials ohne Beeinflussung der Leitungsgeschwindigkeit. Die absolute Refraktärzeit wird verlängert. Dieser elektrophysiologische Wirkmechanismus ist sowohl an das rechts- wie auch an das linksdrehende Isomer gekoppelt und im Vorhof, AV-Knoten, akzessorischen Bündeln und am Ventrikel nachgewiesen.

Die Beta-Rezeptorenblockade ohne intrinsische sympathomimetische Aktivität, gebunden an das linksdrehende Isomer, erstreckt sich etwa gleich stark auf Beta-1- und Beta-2-Rezeptoren. Die Substanz senkt in Abhängigkeit von der Höhe des Sympathikustonus die Frequenz und Kontraktionskraft des Herzens, die AV-Überleitungsgeschwindigkeit und die Plasma-Renin-Aktivität. Sie kann durch Hemmung von Beta-2-Rezeptoren eine Erhöhung des Tonus der glatten Muskulatur bewirken.

Klinische Eigenschaften

Wie alle Betablocker weist Sotalol antianginöse und antihypertone Eigenschaften auf.

In einer randomisierten klinischen Studie [Electrophysiologic Study Versus Electrocardiographic Monitoring (ESVEM)], wurde die akute sowie die Langzeitwirkung von Sotalol oder einem von 6 Klasse-I-Antiarrhythmika (Chinidin, Mexiletin, Propafenon, Procainamid u.a.) überprüft, bei Patienten mit dokumentierter anhaltender ventrikulärer Tachykardie/Flimmern (VT/VF), welche auch durch EPS (elektrophysiologische Stimulation) ausgelöst werden konnte. Die Gesamtansprechquote (EPS und Holter), bezogen auf die erste randomisierte Medikation, war 39% für Sotalol und 30% für die Gesamtheit der anderen Antiarrhythmika. Falls die Suppression der EPS-induzierten VT/VF verwendet wurde, war die Ansprechquote 36% für Sotalol gegenüber 13% bei allen anderen Antiarrhythmika. (Falls Holter-Monitoring verwendet wurde, war die Ansprechquote 41% für Sotalol gegenüber 45% bei allen anderen Antiarrhythmika). Im Vergleich zu allen übrigen Antiarrhythmika besass Sotalol in dieser Studie die niedrigste 2-Jahres-Mortalität (13% vs. 22%), die niedrigste Rate des Wiederauftretens von VT (30% vs. 60%) sowie die tiefste Abbruchrate (38% vs. 75-80%). Sotalol wurde bei 66% der Patienten mit einer Dosierung von 320-480 mg/Tag verabreicht, 16% erhielten 240 mg/Tag oder weniger, 18% erhielten 640 mg/Tag oder mehr.

Pharmakokinetik

Absorption

Die orale Bioverfügbarkeit von Sotalol beträgt 75-90%. Nach oraler Verabreichung werden Spitzenplasmawerte nach 2,5 bis 4 Stunden erreicht und die Steady-state-Plasmaspiegel innerhalb von 2-3 Tagen. Bei Dosen zwischen 160 und 640 mg/Tag besteht eine Dosisabhängigkeit der Plasmakonzentrationen.

Die Absorption von Sotalol-Mepha Tabletten wird bei Einnahme mit dem Essen um ungefähr 20% reduziert. 

Distribution

Die Verteilung erfolgt in ein zentrales sowie ein peripheres Kompartiment (Zwei-Kompartiment-Modell). Der Übertritt durch die Blut-Hirn-Schranke erfolgt in geringem Ausmass. Sotalol wird in die Muttermilch ausgeschieden, durchquert die Plazentaschranke und kann in der Amnionflüssigkeit nachgewiesen werden. Das Verteilungsvolumen bei gesunden Probanden beträgt 2 l/kg. Sotalol wird nicht an Plasmaproteine gebunden. 

Metabolismus

Sotalol wird nicht metabolisiert; dabei findet sich kein Unterschied bei den d- oder l-Enantiomeren. 

Elimination

Die Elimination folgt einer biphasischen Kurve mit einer durchschnittlichen Halbwertszeit von 12 Stunden (7-15 Stunden).

Die lange terminale Halbwertszeit erlaubt eine Verabreichung nur alle 24 Stunden. In Sonderfällen mit spezieller Risikosituation kann eine Aufteilung der Dosis in 2 (-3) Einzelgaben erfolgen (siehe “Dosierung/Anwendung“).

Sotalol wird vor allem renal in unveränderter Form ausgeschieden. Die renale Clearance beträgt 120 ml/min, die extrarenale Dosisfraktion Q0 beträgt 0,15. 

Kinetik spezieller Patientengruppen

Eingeschränkte Nierenfunktion: Bei Patienten mit einer Beeinträchtigung der Nierenfunktion muss die Dosis reduziert werden.

Eingeschränkte Leberfunktion: Da Sotalol keinem first-pass-Effekt unterliegt, ist bei beeinträchtigter Leberfunktion keine Dosisanpassung notwendig.

Ältere Patienten: Eine mit dem Alter oft einhergehende Beeinträchtigung der Nierenfunktion muss bei der Dosisanpassung berücksichtigt werden.

(Siehe “Spezielle Dosierungsanweisungen“).

Präklinische Daten

Präklinische Daten auf der Basis konventioneller Studien zur Sicherheitspharmakologie, chronischen Toxizität, Genotoxizität und Kanzerogenität zeigen keine besonderen Risiken für den Menschen.

Reproduktionstoxikologische Studien an Ratten und Kaninchen haben keine Hinweise auf teratogene Wirkungen von Sotalolhydrochlorid ergeben. In Dosierungen, die oberhalb der humantherapeutischen Dosis lagen, traten embryoletale Effekte bei Ratten und Kaninchen, sowie erniedrigte Geburtsgewichte, veränderte Rezeptorendichten im Gehirn und Verhaltensänderungen bei Ratten auf.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Bei Raumtemperatur (15-25°C) in der Originalpackung lagern.

Nicht in Reichweite von Kindern aufbewahren.

Zulassungsnummer

54553 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Mepha Pharma AG, Basel.

Stand der Information

Januar 2013.

Interne Versionsnummer: 3.2

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