Aktiferrin 30 Tabletten

Aktiferrin 30 Tabletten

Fachinformationen

Zusammensetzung

Aktiferrin Suscaps

Wirkstoffe: Ferrum (Fe++) (in Form von Ferrum sulfuric.), DL-Serinum.

Hilfsstoffe: Excipiens pro capsula.

Aktiferrin Tropfen

Wirkstoffe: Ferrum (Fe++) (in Form von Ferrum sulfuric.), DL-Serinum.

Hilfsstoffe: Conserv.: Kaliumsorbat (E 202), Color.: Caramel (E 150), Aromatica, Äthanol (2 Vol%), Excipiens ad solutionem.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 Suscaps Aktiferrin enthält: Ferrum (Fe++) 34 mg (in Form von Ferrum sulfuric.), DL-Serinum 129 mg.

1 ml Aktiferrin Tropfen (= 13 Tropfen ) enthält: Ferrum (Fe++) 10 mg (in Form von Ferrum sulfuric.), DL-Serinum 38 mg.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Akuter Eisenmangel in jeder Form, besonders Eisenmangel-Anämien während der Schwangerschaft, Stillperiode, im Kindesalter und bei Blutverlust (Blutspender).

Essentielle hypochrome Anämie und alimentäre Säuglings- bzw. Kleinkind-Anämie.

Larvierte Sideropenie.

Ein Eisenmangel kann bei ungenügender Zufuhr (eisenarme Kost, beim Neugeborenen durch mangelnde Eisenübertragung von der Mutter) und ungenügender Eisenabsorption (z.B. nach Magenresektion, Malabsorptionssyndrom, Diarrhöen) auftreten. Weiter kann es durch Eisenverluste bei der Menstruation, durch Blutungen aus dem Gastrointestinal- oder Urogenitaltrakt (Ulzera, Tumoren, Darmparasiten, Varizen) zu Störungen der Eisenbilanz kommen.

Der Eisenmangel und sein Ausmass müssen diagnostisch gesichert und durch geeignete Laboranalysen bestätigt sein.

Dosierung/Anwendung

Übliche Dosierung

SuscapsTropfen
Erwachsene und Kinder >12 Jahren1× 1
Zu Behandlungsbeginn bei Bedarf1–3× 1
Kinder von 3–12 Jahren1× 1
Zu Behandlungsbeginn bei Bedarf1–2× 1
Kleinkinder von 1–3 Jahren (10–15 kg)2–3× 18*
Säuglinge von 6–12 Monaten (8–10 kg)2–3× 13*
Säuglinge bis 6 Monate (3–8 kg)1–3× 10*

* Maximal 4 Tropfen pro kg Körpergewicht täglich.

Flasche senkrecht halten bei der Tropfenentnahme.

Therapiedauer

Die Behandlungsdauer hängt von der Schwere des Eisenmangels ab. Sollte der Therapieerfolg (Anstieg des Hämoglobins um etwa 0,1 g/dl Blut/Tag und um etwa 2–3 g/dl nach 3 Wochen) ausbleiben, müssen die Compliance des Patienten oder der Patientin und die Diagnose «Eisenmangel» überprüft und ein weiterbestehender Blutverlust (z.B. Morbus Osler) ausgeschlossen werden. Die Therapie sollte 1–2 Monate über die Normalisierung des Blutbildes und des Serumeisenspiegels hinaus fortgeführt werden, damit auch die entleerten Eisenspeicher wieder gefüllt werden. Die gesamte Behandlungsdauer sollte jedoch 6 Monate nicht überschreiten.

Korrekte Art der Einnahme

Gewisse Nahrungsmittel und zahlreiche Arzneimittel können die Absorption von Eisen erheblich reduzieren, deshalb sollte Aktiferrin nüchtern bzw. mehrere Stunden vor oder nach der Verabreichung anderer Arzneimittel eingenommen werden (s.a. «Interaktionen»).

Kontraindikationen

Bei Überempfindlichkeit auf einen der Inhaltsstoffe.

Bei Anämien ohne gesicherten Eisenmangel (z.B. megaloblastische Anämie infolge Vitamin B12-Mangels), bei begründeter Unverträglichkeit (z.B. bei schweren entzündlichen Veränderungen des Magen-Darm-Traktes), bei schweren Leber- und Nierenerkrankungen, bei Eisenkumulation (Hämochromatosen, chronische Hämolysen) und bestimmten Formen von Eisenverwertungsstörungen (sideroachrestische Anämien, Bleianämien, Thalassämien, Porphyria cutanea tarda) darf Aktiferrin nicht gegeben werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Anämien sollten immer unter ärztlicher Aufsicht behandelt werden. Eine Eisenmangelanämie ist keine Krankheit per se, sondern Symptom einer Krankheit, deren Ursache beseitigt werden muss.

Bei Patientinnen und Patienten mit erythropoetischer Protoporphyrie kann Eisen zu einem erneuten Auftreten von Symptomen führen.

Bei Patientinnen und Patienten, die wiederholt Bluttransfusionen erhalten, ist Vorsicht angezeigt, da es durch das in den zugeführten Erythrozyten enthaltene Eisen zu Eisenüberladung kommen kann.

Eine hämolytische Anämie sollte wegen einer möglichen Eisenüberladung nur dann mit Eisen behandelt werden, wenn gleichzeitig ein Eisenmangel vorliegt.

Bei Patientinnen und Patienten mit entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen (z.B. Gastritis, Magen- und Darmgeschwüre, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) sollten peroral zu verabreichende Eisenpräparate nur mit Vorsicht angewendet werden.

Bei verzögerter Magenentleerung, Pylorusstenose und nachgewiesenen Divertikeln im Magen-Darm-Trakt sind flüssige Eisenpräparate festen vorzuziehen.

Eisenpräparate sind toxisch, wenn sie in höheren als den empfohlenen Dosierungen verabreicht werden (siehe «Überdosierung»).

Interaktionen

Während einer antibiotischen Therapie mit Tetrazyklinen sollte die Eisentherapie ausgesetzt werden, da sich die Arzneimittel in der Absorption behindern.

Al-, Mg- und Ca-haltige Antacida oder Phosphatbinder sowie Colestyramin können die Eisenresorption vermindern.

Bei gleichzeitiger Verabreichung von Chloramphenicol kann das Ansprechen auf eine Eisentherapie verzögert sein.

Chronischer Alkoholabusus kann über eine Erhöhung der Eisenresorption zu einer Eisenüberladung führen.

Gewisse Schmerzmittel und Goldpräparate können die Eisenaufnahme beeinträchtigen.

Andere Arzneimittel, deren Bioverfügbarkeit durch gleichzeitige Verabreichung mit Eisenpräparaten verringert werden kann, sind z.B. Chinolone, Penicillamin, Methyldopa, Levodopa und Carbidopa. Falls eine gleichzeitige Therapie mit diesen Arzneimitteln nicht vermieden werden kann, sollte ein Dosierungsabstand von 3 Stunden eingehalten werden.

Eisen vermindert die Resoption von Thyroxin bei Patienten, die eine Substitutionstherapie mit Thyroxin erhalten.

Die gleichzeitige orale Verabreichung von Eisenpräparaten und von Salicylaten, Phenylbutazon oder Oxyphenbutazon kann durch die schleimhautreizende Wirkung im Magen-Darm-Trakt zu einer gegenseitigen Wirkungsverstärkung führen.

Gleichzeitig aufgenommene Nahrungs- und Genussmittel mit einem hohen Gehalt an Phytaten (gewisse Gemüse, Cerealien), Phosphaten (z.B. Eier) und Gerbsäuren (insbesondere Schwarztee oder Kaffee) verringern die Eisenresorption, Fisch und Nahrungsmittel mit einem hohen Gehalt an Ascorbinsäure und Fruchtsäuren fördern sie.

Schwangerschaft/Stillzeit

Mit Aktiferrin sind kontrollierte Studien weder bei Tieren noch bei Schwangeren verfügbar. Während des ersten Trimenons der Schwangerschaft wird bei ausgeglichener Ernährung gewöhnlich ausreichend Eisen mit der Nahrung aufgenommen. Allerdings ist eine zusätzliche Gabe von Eisen oft im 2. und 3. Trimenon erforderlich, da hier der erhöhte Eisenbedarf zu Eisenmangel führen kann. Es gibt keine Anzeichen, die auf ein Risiko während des 2. und 3. Trimenons hinweisen, und die Gefahr einer Schädigung des Fötus erscheint als wenig wahrscheinlich.

Eisen tritt (an Lactoferrin gebunden) in die Muttermilch über. Dieser Vorgang scheint nicht mit dem Eisenstatus der Mutter, der Eisenaufnahme mit der Nahrung sowie der Menge an medikamentös verabreichtem Eisen zu korrelieren. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass die Verabreichung eines Eisenpräparates an stillende Mütter das Risiko einer Eisenintoxikation oder die Behebung eines Eisenmangels beim Säugling zur Folge hat.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Der Einfluss von Aktiferrin auf die Fahrtüchtigkeit oder die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen, wurde nicht speziell untersucht. Ein diesbezüglicher negativer Einfluss des Arzneimittels ist jedoch eher unwahrscheinlich.

Unerwünschte Wirkungen

Die unerwünschten Wirkungen werden nach Organ-Kategorien klassifiziert und nach abnehmender Häufigkeit wie folgt definiert:

Sehr häufig (>1/10); häufig (>1/100, <1/10); gelegentliche (>1/1’000, <1/100); selten (>1/10’000, <1/1’000); sehr selten (<1/10’000).

Gastrointestinale Störungen

Gelegentlich: Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, Magendruck, Erbrechen, Obstipation, Diarrhö, Schwarzfärbung des Fäzes.

Diese unerwünschten Wirkungen lassen sich verringern, wenn das Präparat mit oder unmittelbar nach den Mahlzeiten eingenommen wird (wobei die Resorption beeinträchtigt werden kann) oder wenn die Dosis nur allmählich auf die gewünschte Höhe gesteigert wird.

Hinweise

Eine gelegentliche Schwarzfärbung des Stuhls ist ohne Bedeutung. Wie bei jeder oralen Eisentherapie färbt sich der Stuhl durch die Ausscheidung nicht resorbierten Eisens dunkel, was zu einer Fehldiagnose von Melaena führen kann. Eine Verfärbung der Zähne lässt sich vermeiden, wenn die Zähne sofort nach Einnahme des Präparates geputzt und gespült werden.

Immunsystem

Über vereinzelte Fälle von allergischen Reaktionen wie Hautausschläge bis hin zu Anaphylaxie wurde berichtet.

Überdosierung

Akute Überdosierungen bzw. Intoxikationen durch Aktiferrin sind bisher nicht bekanntgeworden. In der Literatur werden jedoch akute Eisenvergiftungen, insbesondere bei Kindern, beschrieben.

Eine akute Überdosis von >20 mg/kg Körpergewicht Eisen gilt als potentiell gefährlich; ab 60 mg/kg ist mit lebensbedrohlichem Verlauf zu rechnen. Bei Kleinkindern kann eine Gesamtdosis von etwa 0,5 g Eisen bereits zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen und ab 1–2 g sind Todesfälle beschrieben worden.

Symptome einer akuten Eisenvergiftung

Infolge der nekrotisierenden Wirkung des Eisens kommt es meist nach 1–1½ Stunden zu Erbrechen, abdominalen Schmerzen und Melaena. In schweren Fällen kann es bereits in dieser Frühphase zum Exitus kommen.

Überlebt der Vergiftete die Anfangsphase, so folgt eine Latenzperiode, die bis zu 24 Stunden dauern kann. Danach können sich Tachykardie, Blutdruckabfall, Dyspnoe, Zyanose, metabolische Azidose, ein kardiovaskulärer Schock und hepatozelluläre Schäden entwickeln, und es kann ein Koma, meist mit tödlichem Ausgang, auftreten.

Als Spätfolge einer akuten Eisenintoxikation können 2–6 Wochen nach der Überdosierung Darmverschluss, Pylorusstenose und schwere Vernarbungen in Ösophagus, Magen und Duodenum auftreten.

Therapie bei akuter Eisenintoxikation

Die Therapie besteht in möglichst rascher Magenspülung und Auslösen von Erbrechen. Zusätzlich kann durch Gabe von Milch oder Aktivkohle versucht werden, die Eisenresorption zu vermindern oder zu verzögern. Dabei ist darauf zu achten, dass die Auslösung von Erbrechen bei einer bereits geschädigten Magenwand mit dem Risiko einer Magenperforation verbunden ist.

Bei einer schweren Intoxikation, insbesondere dann, wenn das Plasmaeisen die Eisenbindungskapazität (3,5–5 mg/l = 63–89 µmol) übersteigt, sollte als spezifisches Antidot der Chelatbildner Deferoxamin oral (5–10 g/100 ml Flüssigkeit) und parenteral (15 mg/kg/h i.v. bis max. 80 mg/kg/24 h) verabreicht werden.

Wenn ein in einer potentiell letalen Dosis eingenommenes Eisenpräparat durch die oben angegebenen Massnahmen nicht aus dem Magen-Darm-Trakt entfernt werden kann, sollten eine Austauschtransfusion und ein chirurgischer Eingriff erwogen werden.

Die sonstige Behandlung besteht darin, den Kreislaufkollaps und die übrigen Symptome, insbesondere die Störungen des Wasser- und Säure-Basen-Haushalts, mit konventionellen Massnahmen unter Kontrolle zu bringen.

Eine chronische Überdosierung (durch langdauernde Eisenüberladung) kann als Hämosiderose und Hämochromatose manifest werden. Sie ist vor allem möglich, wenn eine therapierefraktäre Anämie irrtümlicherweise als Eisenmangelanämie diagnostiziert wurde.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: B03AA07

Aktiferrin ist ein Arzneimittel zur Behandlung von Eisenmangelzuständen. Es enthält Eisen(II)-sulfat und DL-Serin. Diese Kombination bewirkt eine Verbesserung der Resorption des Eisens.

Wie alle Eisenpräparate hat Aktiferrin keine Wirkung auf die Erythropoese oder auf eine Anämie, die nicht durch Eisenmangel verursacht ist.

Pharmakokinetik

Absorption

Oral zugeführtes Eisen wird im oberen Magen-Darm-Trakt resorbiert.

Zweiwertiges Eisen wird zu ca. 10–15% im Duodenum und oberen Jejunum resorbiert. Die genauen Mechanismen der Eisenresorption sind bis heute nicht bekannt. Jedoch gibt es Hinweise dafür, dass die Bildung von instabilen Chelaten (Komplexen) mit Aminosäuren dabei eine Rolle spielt.

Die Eisenresorption hängt stark vom Grad des Eisenmangels ab. Sie ist bei niedrigen Hämoglobinwerten und geringer Füllung der Eisenspeicher am grössten und nimmt mit zunehmender Normalisierung dieser Parameter ab. Sie kann auch durch hohe Eisendosen nicht über die maximale Transportkapazität der Transportproteine hinaus gesteigert, jedoch durch die gleichzeitige Einnahme gewisser Nahrungsmittel und Arzneimittel beeinträchtigt werden (siehe «Interaktionen»).

Distribution

Im Blut wird Eisen in seiner dreiwertigen Form, an ein Glycoprotein (Transferrin) gebunden, zu den Orten der Blutbildung oder in spezifische Speicher transportiert. Die Speicherung erfolgt nach Bindung an ein Protein (Apoferritin) als Ferritin u.a. in Leber, Milz und Knochenmark.

Nach Normalisierung des Hämoglobingehaltes im Blut werden die biologischen Eisenspeicher, unter Beibehaltung der Eisentherapie, innerhalb von ca. 4–12 Wochen aufgefüllt.

Eisen passiert die Plazentarschranke und tritt in geringen Mengen in die Milch stillender Mütter über.

Metabolismus/Elimination

Nur etwa 1 mg Eisen wird täglich, über abgestorbene Haut und Schleimhautzellen, mit der Galle und dem Urin ausgeschieden.

Der weitaus grösste Teil des durch Abbau von Hämoglobin freigesetzten Eisens (20–30 mg täglich) wird vom Körper wieder verwendet, hauptsächlich zur Hämoglobinsynthese.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Es liegen keine relevanten Daten vor.

Präklinische Daten

Es liegen keine relevanten Daten vor.

Sonstige Hinweise

Da eine unversehrte Packung Aktiferrin (Suscaps oder Tropfen) eine Gesamtdosis Eisen enthält, die vor allem bei Kleinkindern bei akzidenteller Einnahme zu einer schweren Intoxikation führen kann, muss dieses Arzneimittel unbedingt ausserhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden.

Haltbarkeit

Aktiferrin Suscaps und Aktiferrin Tropfen dürfen nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Aktiferrin Suscaps

Nicht über 30 °C und vor Feuchtigkeit geschützt lagern. Nicht einfrieren und nicht im Kühlschrank lagern.

Für Kinder unerreichbar aufbewahren.

Aktiferrin Tropfen

Nicht über 25 °C und vor Licht geschützt lagern. Nicht einfrieren und nicht im Kühlschrank lagern.

Nach Anbruch im Kühlschrank lagern und innerhalb von 30 Tagen aufbrauchen.

Für Kinder unerreichbar aufbewahren.

Hinweis: Durch Tropfen entstandene Flecken lassen sich auf Textilien mit einem Rostflecken-Entferner entfernen.

Zulassungsnummer

37840, 40203 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Mepha Pharma AG, Basel.

Stand der Information

September 2016.

Interne Versionsnummer: 4.2

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