Campral Filmtabl 168 Stk

Campral Filmtabl 168 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Acamprosatum ut Diacamprosatum calcicum.

Hilfsstoffe: Excipiens pro compresso obducto.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Magensaftresistente Filmtabletten zu 300 mg Acamprosatum ut 333 mg Diacamprosatum calcicum.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Alkoholabhängigkeit: Zur Aufrechterhaltung der Abstinenz nach erfolgter Entzugsbehandlung, in Kombination mit anderen therapeutischen Massnahmen (psychotherapeutischer, psychosozialer, medikamentöser Art).

Dosierung/Anwendung

Allgemeine Dosierungsanweisungen

Die Therapie mit Campral sollte zu Beginn einer Entzugsbehandlung einsetzen (z.B. nach etwa 5 Tagen Abstinenz) und über einen Zeitraum von 6 bis 12 Monaten fortgeführt werden. In besonderen Fällen kann eine längere Behandlung erfolgen. Bei einem Rückfall kann die Behandlung mit Campral nach einer allfälligen erneuten Entgiftung fortgeführt werden. Die angegebene Dosierung sollte nicht überschritten werden, da mit höheren Dosierungen keine klinischen Studien vorgenommen wurden.

Übliche Dosierung

Erwachsene: 3mal täglich 2 Filmtabletten Campral unzerkaut, mit etwas Flüssigkeit, vor oder während den Mahlzeiten einnehmen.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Kinder und Jugendliche

Campral wurde bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht untersucht und sollte in dieser Altersgruppe nicht angewendet werden.

Erwachsene über 65 Jahre

Campral wurde bei Erwachsenen über 65 Jahren nicht untersucht und sollte in dieser Altersgruppe nicht angewendet werden. Da die Nierenfunktion im Alter abnimmt, kann es zu einer Akkumulation von Campral im Plasma kommen (s. «Niereninsuffizienz»).

Niereninsuffizienz

Campral ist kontraindiziert bei Patienten mit Niereninsuffizienz, da bei solchen Patienten eine Akkumulation von Campral beobachtet wurde (s. «Kontraindikationen»).

Leberinsuffizienz

Bei Patienten mit leichten Leberfunktionsstörungen ist keine Dosisanpassung von Campral erforderlich. Für schwere Leberinsuffizienz (Childs-Pugh-Klasse C) siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen».

Kontraindikationen

Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff.

Niereninsuffizienz (Serum Kreatinin >120 µmol/l).

Stillzeit.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Campral eignet sich nicht zur Behandlung der Entzugsphase.

Wegen des erwiesenen komplexen Zusammenhangs zwischen Alkoholabhängigkeit, depressiven Störungen und Suizidalität wird empfohlen, alkoholabhängige Patienten, auch während einer Therapie mit Campral, auf Anzeichen einer Depression und auf suizidales Verhalten sorgfältig zu überwachen.

Es liegen keine Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit von Campral bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sowie bei älteren Patienten über 65 Jahren vor. Deshalb wird Campral für diese Patientengruppen nicht empfohlen.

Es liegen keine Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit von Campral bei Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz (Childs-Pugh-Klasse C) vor. Deshalb wird Campral für diese Patientengruppe nicht empfohlen.

Interaktionen

Die Verabreichung von Campral zusammen mit Nahrungsmitteln vermindert seine absolute Bioverfügbarkeit um ca. 20% im Vergleich zur Verabreichung im nüchternen Zustand.

Unter der Co-Medikation mit Diltiazem kann es zu einer Verschlechterung der Angina pectoris kommen.

Die Pharmakokinetik von Naltrexon und 6-beta-Naltrexon wurde durch gleichzeitige Einnahme von Campral nicht beeinflusst. Jedoch führte eine gleichzeitige Einnahme von Campral und Naltrexon zu einem Anstieg der Cmax von Acamprosat um 33% und einer Zunahme der AUC um 25%. Es wird jedoch keine Dosisanpassung empfohlen.

Die gleichzeitige Einnahme von Campral und Alkohol verändert weder die Pharmakokinetik von Acamprosat noch die des Alkohols.

Die Pharmakokinetik von Campral wurde durch gleichzeitige Einnahme von Disulfiram nicht beeinflusst.

In klinischen Studien wurde Campral häufig gleichzeitig mit Disulfiram, Benzodiazepinen und anderen psychotropen Arzneimitteln verabreicht, ohne dass je klinische Anzeichen von Wechselwirkungen beobachtet wurden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Tierexperimentelle Studien ergaben nur bei maternal toxischen Dosen unerwünschte Effekte auf den Fötus. Da klinische Erfahrungen fehlen, soll Campral während einer Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, dies ist zwingend erforderlich.

Stillzeit

Aus Tierversuchen kann geschlossen werden, dass Campral in die Muttermilch übergeht. Campral darf während der Stillzeit nicht eingenommen werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Psychoaktive Arzneimittel können die Reaktionsfähigkeit, die Fähigkeit, Werkzeuge oder Maschinen zu bedienen, und die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Daher sollten unter Campral diese Tätigkeiten nicht ausgeführt werden, bis ein Ausbleiben möglicher beeinträchtigender Effekte durch Campral als gesichert erscheint.

Unerwünschte Wirkungen

Häufige unerwünschte Wirkungen in kontrollierten klinischen Studien

Die folgende Tabelle zeigt diejenigen Nebenwirkungen, die in kontrollierten klinischen Studien mit spontaner Nebenwirkungsmeldung bei Behandlung mit Campral mit einer Häufigkeit von ≥3% und häufiger als unter Placebo auftraten. Diarrhö und Flatulenz waren die einzigen unerwünschten Wirkungen, deren Frequenz sich zwischen den Behandlungsgruppen signifikant unterschied. Diarrhö wurde bei 16% (Campral) vs. 10% (Placebo) der Patienten beobachtet, Flatulenz bei 3% (Campral) vs. 2% (Placebo). Beide Differenzen waren signifikant (p <0,01).

                       Anzahl (%) Patienten         
                       Campral          Campral     
                       1332 mg/Tag      1998 mg/Tag¹
Anzahl Patienten       397              1539        
Anteil (%) mit UAW     248 (62%)         910 (59%)  
Nervensystem           150 (38%)         417 (27%)  
Angst**                 32  (8%)          80  (5%)  
Depression              33  (8%)          63  (4%)  
Schwindel               15  (4%)          49  (3%)  
Mundtrockenheit         13  (3%)          23  (1%)  
Schlaflosigkeit         34  (9%)          94  (6%)  
Parästhesie             11  (3%)          29  (2%)  
Verdauungssystem        85 (21%)         440 (29%)  
Appetitlosigkeit        20  (5%)          35  (2%)  
Diarrhö                 39 (10%)         257 (17%)  
Flatulenz                4  (1%)          55  (4%)  
Übelkeit                11  (3%)          69  (4%)  
Haut                    26  (7%)         150 (10%)  
Juckreiz                12  (3%)          68  (4%)  
Schwitzen               11  (3%)          27  (2%)  
Körper gesamt          121 (30%)         513 (33%)  
Verletzungen durch                                  
 Unfall*                17  (4%)          44  (3%)  
Schwäche                29  (7%)          79  (5%)  
Schmerzen                6  (2%)          56  (4%)  
                       Anzahl (%) Patienten         
                       Campral          Placebo     
                       gepoolt²                     
Anzahl Patienten       2019             1706        
Anteil (%) mit UAW     1231 (61%)        955 (56%)  
Nervensystem            598 (30%)        500 (29%)  
Angst**                 118  (6%)         98  (6%)  
Depression              102  (5%)         87  (5%)  
Schwindel                67  (3%)         44  (3%)  
Mundtrockenheit          36  (2%)         28  (2%)  
Schlaflosigkeit         137  (7%)        121  (7%)  
Parästhesie              40  (2%)         34  (2%)  
Verdauungssystem        574 (28%)        344 (20%)  
Appetitlosigkeit         57  (3%)         44  (3%)  
Diarrhö                 329 (16%)        166 (10%)  
Flatulenz                63  (3%)         28  (2%)  
Übelkeit                 87  (4%)         58  (3%)  
Haut                    187  (9%)        169 (10%)  
Juckreiz                 82  (4%)         58  (3%)  
Schwitzen                40  (2%)         39  (2%)  
Körper gesamt           685 (34%)        517 (30%)  
Verletzungen durch                                  
 Unfall*                 70  (3%)         52  (3%)  
Schwäche                114  (6%)         93  (5%)  
Schmerzen                65  (3%)         55  (3%)  

* Einschliesslich «Knochenbrüche».

** Einschliesslich «Nervosität».

¹ Einschliesslich 258 Patienten die mit Calcium-Acamprosat 2000 mg/Tag behandelt wurden, unter Verwendung unterschiedlicher Dosierungsstärken und Dosierungsschemata.

² Einschliesslich aller Patienten in den ersten beiden Spalten sowie 83 Patienten, die mit Calcium-Acamprosat 3000 mg/Tag behandelt wurden, unter Verwendung unterschiedlicher Dosierungsstärke und Dosierungsschemata.

Unerwünschte Wirkungen unter Campral in der Postmarketing-Phase und weiteren klinischen Studien

Die Häufigkeiten sind folgendermassen definiert: sehr häufig: >10%; häufig: ≥1%, <10%; gelegentlich: ≥0,1%, <1%; selten: ≥0,01%, <0,1%; sehr selten: <0,01%.

Störungen des Immunsystems

Sehr selten: Überempfindlichkeitsreaktionen wie Urtikaria, Angioödem oder anaphylaktische Reaktionen.

Psychische Störungen

Häufig: Abnahme der Libido.

Gelegentlich: Erhöhung der Libido.

Diese Symptome treten auch bei chronischem Alkoholkonsum auf.

Gastrointestinale Beschwerden

Sehr häufig: Diarrhö.

Häufig: Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Flatulenz.

Störungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Häufig: Pruritus, makulopapulares Erythem.

Funktionsstörungen der Fortpflanzungsorgane

Häufig: Frigidität oder Impotenz.

Diese Symptome treten auch bei chronischem Alkoholkonsum auf.

Überdosierung

Eine akute Campral-Überdosierung verläuft üblicherweise mild. In den bisher beschriebenen Fällen war Diarrhö das einzige Symptom, welches mit Campral in kausalen Zusammenhang gebracht werden konnte; Hyperkalzämie wurde nicht beschrieben. Sollte diese doch auftreten, ist eine Behandlung der akuten Hyperkalzämie durchzuführen.

Generell wird bei Campral-Überdosierung eine symptomatische Behandlung empfohlen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N07BB03

Wirkungsmechanismus/Pharmakodynamik

Acamprosat ist ein psychotroper Wirkstoff mit ähnlicher chemischer Struktur wie die Amino-Mediatoren, z.B. Taurin oder Gamma-Aminobuttersäure (GABA). Bei Tieren schwankt der Quotient Hirn-/Plasma-Konzentration in Abhängigkeit von der Zeit zwischen 1:2,5 und 1:13. Acamprosat kann als Modulator des NMDA-Rezeptors aufgefasst werden. Acamprosat bindet am NMDA-Rezeptorkomplex an eine spezifische (spermidinsensitive) Bindungsstelle. Die nachgewiesenen Effekte von Acamprosat auf das NMDA- und das GABA-System sind zwar teilweise widersprüchlich, doch scheint Acamprosat das Gleichgewicht zwischen den inhibitorischen Transmitter-Systemen (GABA) und den exzitatorischen Transmitter-Systemen (Glutamat, NMDA) wieder herzustellen.

Untersuchungen am Tier haben gezeigt, dass Acamprosat in hohen Dosen von 100–400 mg/kg eine Wirkung auf die Alkoholabhängigkeit ausübt, da es den freiwilligen Alkoholkonsum bei alkoholabhängigen Ratten vermindert.

Klinische Wirksamkeit

Eine kombinierte Analyse mit gepoolten Daten placebokontrollierter Studien gleicher Methodik mit insgesamt 3338 Patienten (Campral n= 1839, Placebo n= 1601) zeigte, dass Campral den Therapieerfolg zu jedem Zeitpunkt der Überprüfung signifikant erhöht. Nach 180 Tagen unter Therapie waren 35% der Patienten mit Campral abstinent, verglichen mit 25% unter Placebo (p ≤0,001). Nach 360 Tagen betrug die Abstinenzrate unter Campral versus Placebo 33% bzw. 21% (p ≤0,001).

Pharmakokinetik

Absorption

Acamprosat wird aus dem Gastrointestinaltrakt absorbiert; die absolute Bioverfügbarkeit beträgt nüchtern 11%. Die Absorption verläuft langsam und verzögert und mit erheblicher interindividueller Variabilität. Bei einer Einmaldosis von 2× 333 mg Acamprosat werden maximale Plasmaspiegel von ca. 200 ng/ml nach 5–7 h und mehr erreicht.

Es besteht eine lineare Relation zwischen der Dosis, der maximalen Plasmakonzentration (Cmax), und der Fläche unter der Kurve (AUC). Bei einem Dosisschema von 2× 333 mg Acamprosat dreimal täglich, werden die Steady-state Plasmaspiegel von Acamprosat (Css ca. 600 ng/ml) am siebten Einnahmetag erreicht.

Bei gleichzeitiger Nahrungseinnahme sinkt die maximale Plasmakonzentration (Cmax), wie auch die Fläche unter der Kurve (AUC), um 20%.

Distribution

Das Verteilungsvolumen von Acamprosat beträgt im Durchschnitt 72 ± 3 l. Die Plasmaproteinbindung ist vernachlässigbar.

Metabolismus

Acamprosat wird kaum metabolisiert. Nach oraler Verabreichung fand sich weniger als 0,1% eines Hauptmetaboliten (Homotaurin).

Elimination

Acamprosat wird zum grössten Teil mit dem Harn ausgeschieden, nämlich zu 90% der intravenös verabreichten Arzneistoffmenge innerhalb von 24 Stunden. Die Plasmahalbwertszeit nach i.v. Applikation beträgt 1–3 h und nach oraler Verabreichung 13–33 h (flip-flop).

Es besteht eine lineare Beziehung zwischen der Kreatinin-Clearance, der totalen nachweisbaren Plasmaclearance (CL = 260 ml/min), der renalen Clearance (CLR = 132–148 ml/min), der Plasmahalbwertszeit, und der mittleren Verweildauer von Acamprosat.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Die Pharmakokinetik von Acamprosat wird durch Störungen der Leberfunktion nicht verändert. Aufgrund des Eliminationsmusters von Acamprosat (s. «Elimination») kann es bei Nierenfunktionsstörungen zu einer Akkumulation des Wirkstoffs kommen, weshalb Campral in diesen Situationen kontraindiziert ist.

Präklinische Daten

Experimente in vitro und in vivo haben kein mutagenes oder karzinogenes Potential ergeben. Die Reproduktion in Tieren wurde nur bei allgemein toxischen Dosen gestört. Teratogene Effekte wurden nicht festgestellt. Toxische Effekte im Tier (Störung des Calcium-Phosphat-Metabolismus mit Diarrhö, Calcifizierung, Schädigung von Nieren und Herz) liessen sich auf eine exzessive Absorption von Calcium und nicht auf Acetylhomotaurin zurückführen.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Arzneimittel ausser Reichweite von Kindern und nicht über 30 °C aufbewahren.

Zulassungsnummer

53090 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Merck (Schweiz) AG, Zug.

Stand der Information

Oktober 2009.

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