Calcort Tabl 6 Mg 100 Stk

Calcort Tabl 6 Mg 100 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Deflazacortum.

Hilfsstoffe: Tabletten zu 6 mg und 30 mg: Lactosum, Magnesii stearas, Maydis amylum, Cellulosum microcristallinum.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Teilbare Tabletten zu 6 mg und 30 mg.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Endokrine Störungen

Primäre oder sekundäre Nebenniereninsuffizienz (Hydrocortison oder Cortison sind die Mittel erster Wahl; Deflazacort sollte angesichts seiner sehr geringen mineralokortikoiden Wirkung - besonders bei der Behandlung von Kindern - nur in Kombination mit einem Mineralokortikoid verwendet werden).

Angeborene NNR-Hyperplasie

Rheumatische Krankheiten und Kollagenkrankheiten

Behandlung von akuten Exazerbationen und/oder Erhaltungstherapie von rheumatoider und psoriatischer Arthritis, wenn konservative Behandlungen sich als unwirksam erwiesen haben; Polymyalgia rheumatica; akutes rheumatisches Fieber; systemischer Lupus erythematodes; Dermatomyositis; Polyarteriitis nodosa; Arteriitis cranialis; Wegener Granulomatose.

Andere entzündliche Krankheiten

Nichteitrige Thyreoiditis.

Dermatologische Krankheiten

Schwere akute Dermatosen, wie Pemphigus, bullöse Dermatitis herpetiformis, generalisierte exfoliative Dermatitis, Erythema multiforme, Erythema nodosum, schwere Psoriasis.

Allergien

Asthma bronchiale, das auf konventionelle Therapie nicht anspricht.

Lungenkrankheiten

Sarkoidose mit pulmonaler Infiltration; exogen allergische Alveolitis (Pneumokoniose gegen organische Stäube); desquamative interstitielle Pneumonie.

Augenkrankheiten

Chorioiditis und Chorioidoretinitis, Iritis und Iridozyklitis.

Hämatologische Krankheiten

Idiopathische Thrombozytopenie beim Erwachsenen, erworbene autoimmun-haemolytische Anämie.

Neoplasien

Palliative Behandlung von akuter Leukämie bei Kindern und Leukämien und Lymphomen bei Erwachsenen.

Nierenkrankheiten

Nephrotisches Syndrom (gewisse Formen).

Gastrointestinale und hepatische Krankheiten

Colitis ulcerosa, M. Crohn, chronisch aggressive Hepatitis.

Dosierung/Anwendung

Allgemeine Dosierungsempfehlungen

Eine Kortikoidtherapie ergänzt in der Regel eine Basistherapie, ersetzt diese aber nicht.

Da die Wirkung von Deflazacort wie die aller Glukokortikoide verzögert eintritt (siehe «Eigenschaften/Wirkungen»), ist Calcort für die Kurzzeitbehandlung von schweren (lebensbedrohenden) akuten Zuständen nicht als Ersatz der konventionellen (sofortwirkenden) Behandlung, sondern gegebenenfalls zusätzlich zu dieser zu verabreichen. Es wird auf die Arzneimittelinformation solche Präparate verwiesen.

Übliche Dosierung

Die Dosierung kann zwischen 6 mg und 90 mg täglich variieren. Sie wird auf die Diagnose, den Schweregrad der Krankheit, die Prognose, die wahrscheinliche Krankheits- oder Behandlungsdauer, die Reaktion des Patienten und die Verträglichkeit des Medikamentes abgestimmt.

Die Einnahme erfolgt morgens während oder nach dem Frühstück, gegebenenfalls jeden 2. Tag.

Es sollte immer die niedrigste wirksame Dosierung gewählt werden. Dosisreduktionen sollten schrittweise erfolgen.

Für den Fall, dass Calcort eine Therapie mit einem anderen Glukokortikoid ersetzen soll, sind die Aequivalenzdosen zu beachten (siehe «Eigenschaften/Wirkungen»).

Akute Störungen

Je nach Schweregrad der Symptome 30 mg bis 90 mg pro Tag. Die Dosis sollte sobald als möglich, in 3 mg- bis 6 mg-Schritten, reduziert werden.

Chronische Störungen

Die Initialdosis beträgt 24-36 mg pro Tag. Wenn die Symptome unter Kontrolle sind, sollte eine anfangs hohe Dosierung schrittweise (in Abständen von einigen Tagen) auf eine Erhaltungsdosis von weniger als der zweifachen Cushing-Schwellendosis reduziert werden. Für Deflazacort beträgt die kleinstmögliche Erhaltungsdosis in Abhängigkeit von der Indikation gewöhnlich 6 mg bis 18 mg pro Tag.

Langzeitbehandlung

Eine Langzeitbehandlung mit Glukokortikoiden sollte erst nach sorgfältigem Abwägen ihrer Risiken begonnen werden. Auch hier sollte versucht werden, die Dosis schrittweise zu reduzieren und die Behandlung wenn möglich abzusetzen. Auf jeden Fall sind die Patienten sorgfältig auf Zeichen zu überwachen, die eine Verringerung der Dosierung oder ein Absetzen der Medikation erforderlich machen.

Wenn bei einer chronischen Erkrankung eine Spontanremission eintritt, sollte die Behandlung (gegebenenfalls unter schrittweiser Herabsetzung der Dosierung) abgebrochen werden. Bei Exazerbationen einer bestehenden Krankheit sowie bei Patienten, die während der Behandlung ungewöhnlichen Belastungen ausgesetzt sind (z.B. Operation, schweres Trauma, schwere Infektion) kann es jedoch vorkommen, dass die Dosis vorübergehend erhöht werden muss (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Langzeittherapie nicht abrupt, sondern graduell beenden, damit das Risiko eines akuten Wiederaufbrechens der Krankheit verringert wird und die Hypothalamus-Hypophysen-Achse Zeit hat, ihre Funktion wieder aufzunehmen.

Patienten unter Langzeittherapie und bis zu einem Jahr danach sollten eine Identifikationskarte bei sich tragen. Diese sollte über Krankheit, Dosierung von Deflazacort und Name und Telefonnummer des behandelnden Arztes Auskunft geben.

Therapiedauer

Deflazacort sollte wie die anderen Glukokortikoide nie länger als unbedingt nötig eingenommen werden.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Pädiatrie

Erfahrungen zur Wirksamkeit und Sicherheit von Deflazacort in der Pädiatrie aus klinischen Studien sind begrenzt.

Bei Kleinkindern und Kindern sind im Allgemeinen geringere Dosen als die oben angegebenen ausreichend, doch sollte die Dosierung mehr auf die Schwere der Krankheit als auf Alter, Körpergewicht oder Körpergrösse abgestimmt werden.

Es sollte immer die niedrigst mögliche Dosis gegeben werden, wenn möglich intermittierend (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Ältere Patienten

Es sind keine speziellen Vorsichtsmassnahmen notwendig, ausser jenen die bei Patienten mit Glukokortikoidtherapie gewöhnlich ergriffen werden.

Niereninsuffizienz

Es sind keine speziellen Vorsichtsmassnahmen notwendig, ausser jenen die bei Patienten mit Glukokortikoidtherapie gewöhnlich ergriffen werden.

Leberinsuffizienz, Hypothyreose

Es liegen keine speziellen Untersuchungen vor.

Die Blutspiegel von Deflazacort können erhöht sein. Deshalb soll die Dosierung überwacht und auf die wirksame Minimaldosis gesenkt werden.

Nebennierenrindeninsuffizienz

Siehe «Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten: Endokrine Störungen».

Stress-Situationen

Siehe Abschnitte «Langzeitbehandlung» sowie «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen».

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit auf Deflazacort oder einen der Hilfsstoffe.

Eine über die Notfalltherapie mit einem geeigneten Glukokortikoid hinausgehende längerdauernde Anwendung von Calcort darf nicht erfolgen bei Vorliegen folgender Krankheiten bzw. Zustände: peptische Ulcera, nicht kontrollierbare Infektionen (viral, bakteriell oder mykotisch), Herpes simplex-Infektionen am Auge, Poliomyelitis (mit Ausnahme der bulbärenzephalitischen Form), Amöbeninfektion, Lymphome nach BCG-Impfung, etwa 8 Wochen vor bis 2 Wochen nach Schutzimpfungen; schwere Hypertonie, Eng- und Weitwinkelglaukom, schwere Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, akute Glomerulonephritis, schwere Osteoporose, psychiatrische Anamnese; Schwangerschaft, Stillzeit.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Die möglichen Komplikationen einer Glukokortikoidtherapie sind von der Dosierung und der Dauer der Behandlung abhängig. Folgende klinische Situationen erfordern im allgemeinen besondere Vorsicht, bevor eine Glukokortikoid-Therapie eingeleitet wird:

  • Herzkrankheiten oder Herzinsuffizienz (ausser in Gegenwart einer aktiven rheumatischen Carditis), frischer Herzinfarkt; Hypertonie; thromboembolische Störungen; Osteoporose. Glukokortikoide können Salz- und Wasserretention sowie eine erhöhte Kaliumausscheidung verursachen. Salzarme Diät und eine Kaliumsubstitution können notwendig sein.
  • Gastritis oder Oesophagitis; Divertikulitis; ulzerative Kolitis, falls Perforation oder pyogene Infektion droht; kürzlich durchgeführte intestinale Anastomosen.
  • Emotionale Störungen oder Disposition zu psychotischen Reaktionen; bei schweren unerwünschten psychiatrischen Wirkungen kann es erforderlich sein, die Dosis zu verringern oder die Behandlung abzubrechen; Epilepsie.
  • Glaukom.
  • Hypothyreoidismus und Leberzirrhose, da bei diesen Erkrankungen die Glukokortikoidwirkungen verstärkt sein können.
  • Durch Kortikosteroide induzierte Myopathie in der Anamnese.
  • Akute Leberinsuffizienz.

Bei einer Langzeittherapie und insbesondere bei Diabetes mellitus sollte der Glukosemetabolismus regelmässig kontrolliert werden, da die Glukosetoleranz herabgesetzt werden kann und eine Dosiserhöhung der Antidiabetika erforderlich machen kann.

Bei einer Langzeittherapie sollte des weiteren der Augeninnendruck regelmässig gemessen werden, da er im Lauf der Behandlung zunehmen kann. Normalerweise ist das reversibel, doch können bei längerer Anwendung von Kortikosteroiden subkapsuläre Katarakte oder Glaukoma mit irreversibler Schädigung des N. opticus auftreten und die Entstehung sekundärer Augeninfektionen durch Pilz- oder Virusbefall begünstigt werden.

Eine Behandlung mit systemischen Glukokortikoiden kann eine Chorioretinopathie auslösen, die zu Sehstörungen, einschliesslich Erblindung, führen kann. Eine Langzeitbehandlung mit systemischen Glukokortikoiden kann selbst bei geringen Dosen eine Chorioretinopathie auslösen.

Tendinitis und Achillessehnenruptur sind bekannte Nebenwirkungen der Arzneimittelklasse der Glukokortikoide. Das Risiko des Auftretens solcher unerwünschter Wirkungen kann durch eine Begleitmedikation mit Chinolonen erhöht werden.

Nach der Gabe von Glukokortikoiden wurden durch ein Phäochromozytom ausgelöste Anfälle beobachtet, manche davon mit tödlichem Ausgang. Daher ist bei Patienten mit einem Phäochromozytom, oder bei denen ein solches vermutet wird, Vorsicht geboten. Glukokortikoide dürfen bei diesen Patienten nur nach sorgfältiger Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses eingesetzt werden.

Weitere Nebenwirkungen der Arzneimittelklasse der Glukokortikoide: unregelmässige Menstruation, Leukozytose.

Bei Patienten mit frischem Herzinfarkt besteht die Gefahr einer Wandruptur des linken Ventrikels.

Bei Auftreten von Magenbeschwerden und interkurrenten Infektionskrankheiten ist der behandelnde Arzt zu verständigen.

Kaliumausschwemmende Diuretika können die kaliumausschwemmende Wirkung von Glukokortikoiden verstärken. Deshalb sollten solche Patienten sorgfältig in Bezug auf eine Hypokaliämie überwacht werden. Dies gilt insbesondere für Patienten, die gleichzeitig Herzglykoside, β2-Agonisten und Xanthine erhalten, da eine durch Kortikosteroide induzierte Hypokaliämie die Toxizität dieser Medikamente erhöht. Gegebenenfalls muss Kalium substituiert werden.

Bei gleichzeitiger Gabe von Acetylsalicylsäure bei Patienten mit Hypoprothrombinämie ist die Blutungsgefahr erhöht.

Bei der kombinierten Langzeittherapie mit Glukokortikoiden und Salicylaten ist das Risiko gastrointestinaler Blutungen und Ulzerationen erhöht, und Ulzerationen können bis zur Perforation gehen. Wegen des Risikos von Salicylatvergiftungen sollte die Dosierung des Glukokortikoids daher vorsichtig reduziert werden.

Bei Myasthenie gravis und gleichzeitiger Verabreichung von Cholinesterasehemmstoffen wird die Wirkung der Cholinesterasehemmer verringert und das Risiko einer Myastheniekrise erhöht, weshalb Cholinesterasehemmer wenn immer möglich 24 Stunden vor der Verabreichung des Kortikosteroids abgesetzt werden sollten.

Bei akutem Asthma bronchiale ist Calcort nicht als Ersatz der konventionellen Behandlung, sondern zusätzlich zu dieser zu verabreichen. Bei unkomplizierten chronischen Atemwegserkrankungen sollten Glukokortikoide jedoch nicht verwendet werden.

Kortikosteroide können gewisse Infektionsanzeichen maskieren, und während ihrer Anwendung können neue Infektionen auftreten. Bei Patienten mit aktiven Infektionen ist für einen ausreichenden antibiotischen bzw. chemotherapeutischen Schutz zu sorgen.

Die Verwendung bei aktiver Tuberkulose sollte auf Fälle fulminanter oder disseminierter Tuberkulose beschränkt werden, bei denen Deflazacort nur zusammen mit einer geeigneten Antituberkulosetherapie verabreicht werden darf. Wenn Kortikosteroide bei Patienten mit latenter Tuberkulose oder mit positiver Tuberkulinreaktion indiziert sind, ist eine sorgfältige Beobachtung notwendig, weil die Krankheit reaktiviert werden kann. Bei längerer Kortikosteroidbehandlung sollten diese Patienten Chemoprophylaxe bekommen.

Varizellen, die während einer systemischen Behandlung mit Kortikosteroiden auftreten, können eine schwere Verlaufsform annehmen und insbesondere bei Kindern tödlich enden. Sie erfordern eine sofortige Behandlung, z.B. mit Aciclovir i.v. Bei Risikopatienten ist eine Prophylaxe mit Aciclovir oder eine passive Immunprophylaxe mit Varizella-zoster-Immunglobulin angezeigt.

Eine latente Amöbiase ist vor der Behandlung auszuschliessen.

Impfungen sollten bei Patienten unter Kortikosteroidbehandlung nicht vorgenommen werden, insbesondere nicht bei hohen Dosen, da die Möglichkeit einer Ausbreitung des Lebendvakzins und/oder Ausfall der Antikörperreaktion besteht.

Im Anschluss an eine längere Behandlung kann das Absetzen von Kortikosteroiden zu Entzugserscheinungen führen, wie: Fieber, Myalgie, Arthralgie und Malaise, und über die Hemmung der ACTH-Freisetzung kann sie zur Nebennierenrindeninsuffizienz führen, die bis zur NNR-Atrophie gehen kann. Eine rasche Reduktion der Kortikosteroiddosis nach längerer Behandlung kann eine akute Nebennierenrindeninsuffizienz verursachen, die zum Tode führen kann. Die Entzugserscheinungen können auch bei Patienten ohne Nebenniereninsuffizienz auftreten.

Der Funktionsausfall der Nebennierenrinde kann bis zu einem Jahr oder länger dauern und bedeutet für den Patienten ein lebensbedrohliches Risiko in Stress- und Belastungssituationen (siehe «Dosierung/Anwendung – Langzeitbehandlung»).

Bei Auftreten eines Cushing-Syndroms ist die Dosierung schrittweise zu verringern.

Vorsicht ist des Weiteren geboten bei:

  • postmenopausalen und geriatrischen Patienten, wegen des erhöhten Risikos einer Osteoporose. Im Falle des Auftretens einer Osteoporose sollte bei diesen Patienten eine Behandlung mit Glukokortikoiden - ausser Präzisierung bei vitalen Indikationen - abgesetzt werden.
  • Kleinkindern und Kindern, bei denen während einer Langzeitbehandlung mit Glukokortikoiden, wegen des Risikos eines vorzeitigen Epiphysen­schlusses, Wachstum und Entwicklung sorgfältig überwacht werden müssen.

Interaktionen

Von Glukokortikoiden sind zahlreiche Interaktionen mit Arzneimitteln bekannt, welche für Deflazacort ebenfalls angenommen werden können. Die nachstehend sowie im Abschnitt «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» aufgeführten Interaktionen können eine Anpassung der Dosierung von Calcort und/oder des(r) anderen gleichzeitig verabreichten Medikamente(s) erforderlich machen.

Substanzen, die mikrosomale Leberenzyme induzieren, wie Rifampicin, Barbiturate und Phenytoin können den Glukokortikoid-Metabolismus beschleunigen. Patienten unter Glukokortikoid-Erhaltungstherapie müssen deshalb neu eingestellt werden, wenn solche Medikamente zusätzlich gegeben oder abgesetzt werden.

Oestrogene können durch Verringerung der Clearance eine Erhöhung der Kortikoidwirkung verursachen.

Die Wirksamkeit von Cumarin-Antikoagulantien kann durch eine gleichzeitige Behandlung mit Kortikoiden erhöht sein. Zur Vorbeugung spontaner Blutungen ist daher eine engmaschige Überwachung des INR-Werts oder der Prothrombinzeit erforderlich.

Immunsuppressiva: bei gleichzeitiger Verabreichung von Methotrexat kann durch den synergistischen Effekt eine tiefere Kortikosteroiddosis ausreichend sein. Cyclosporin verringert die Clearance von Kortikosteroiden, vermutlich über eine kompetitive Hemmung der hepatischen mikrosomalen Enzyme, und umgekehrt können vor allem in höheren Dosen verabreichte Kortikosteroide die Blutspiegel von Cyclosporin erhöhen.

Sympathomimetika: Die Wirkung und die potentielle Toxizität gewisser Sympathomimetika (z.B. Salbutamol) können erhöht werden, und Ephedrin kann die Plasmaclearance von Glukokortikoiden und die urinäre Ausscheidung ihrer Metabolite erhöhen.

Atropin und andere Anticholinergika können zu einer weiteren Erhöhung eines gesteigerten Augeninnendrucks führen.

Die Wirkung von Anxiolytika und Antipsychotika kann vermindert werden.

Serum-Thyroxin (T4)- und I131-Aufnahme können vermindert werden.

Bei Patienten, die mit systemischen Kortikosteroiden behandelt werden, kann die Anwendung von nicht-depolarisierenden Myorelaxantien eine verlängerte Relaxation sowie eine akute Myopathie (siehe «Unerwünschte Wirkungen» Myopathie) auslösen. Risikofaktoren, die diese Interaktion begünstigen sind: eine Langzeitbehandlung mit Kortikosteroiden in hohen Dosen und eine verlängerte Muskellähmung. Die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten dieser Interaktion ist nach längerer künstlicher Beatmung (z.B. auf einer Intensivstation) erhöht.

Für folgende Interaktionen wird auf das Kapitel «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» verwiesen:

Vakzine und Immunantwort;

Antidiabetika und Glukosetoleranz;

nichtsteroidale Antirheumatika und Blutungsrisiko;

Salicylate und Salicylatintoxikationen;

kaliumausscheidende Diuretika und Hypokaliämie und/oder Digitalisintoxikationen;

Cholinesterasehemmstoffe bei Myasthenia gravis.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Es gibt keine hinreichenden Daten zur Anwendung bei Schwangeren.

Tierstudien mit Glukokortikoiden haben bei Ratten und Kaninchen dosisabhängig teratogene Wirkungen gezeigt. Es ist nicht bekannt, ob Deflazacort die Plazentaschranke passiert, doch ist dies bei anderen Glukokortikoiden der Fall. Deshalb können bei einer Langzeittherapie während der Schwangerschaft intrauterine Wachstumsstörungen nicht ausgeschlossen werden. Bei einer Behandlung zum Ende der Schwangerschaft besteht für den Fötus das Risiko einer Atrophie der Nebennierenrinde, die eine ausschleichende Substitutionstherapie beim Neugeborenen erforderlich machen kann. Daher sollte das Präparat insbesondere in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft nicht verabreicht werden, es sei denn, es ist eindeutig notwendig. Nach der 34. Schwangerschaftswoche sollte Calcort wegen einer möglichen Plazentaschwäche nicht gegeben werden.

Besondere Vorsicht ist bei Schwangeren mit Hypertonie geboten.

Die Patientinnen sollten informiert werden, bei einer vermuteten oder bestätigten Schwangerschaft unbedingt den Arzt zu verständigen.

Neugeborene, deren Mütter während der Schwangerschaft mit höheren Dosen von Glukokortikoiden behandelt wurden, sollten sorgfältig auf Zeichen von Hypokortizismus und auf die Notwendigkeit einer ausschleichenden Substitutionstherapie überwacht werden.

Stillzeit

Glukokortikoide werden in der Muttermilch ausgeschieden und können das Wachstum des Säuglings beeinträchtigen sowie dessen endogene Steroidproduktion unterdrücken. Deshalb sollte unter Glukokortikoid-Therapie nicht gestillt werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Spezielle Untersuchungen zum Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit oder die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen, liegen nicht vor. Aufgrund der Nebenwirkungen (Vertigo, Konvulsionen) ist ein Einfluss aber nicht auszuschliessen.

Unerwünschte Wirkungen

Die Häufigkeit und der Schweregrad unerwünschter Wirkungen sind von der Dosierung, von der Dauer der Therapie, sowie von Alter, Geschlecht und Grundkrankheit des Patienten abhängig.

Je nach Bedarf werden folgende Häufigkeitsangaben verwendet: sehr häufig (≥10%); häufig (≥1 und <10%); gelegentlich (≥0,1 und <1%); selten (≥0,01 und <0,1%); sehr selten (<0,01%); nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).

Eine kurzfristige Anwendung von Glukokortikoiden, selbst in hoher Dosierung, verursacht kaum Nebenwirkungen. Es ist jedoch darauf zu achten, dass intestinale Ulzerationen (oft stressbedingt) durch die Kortikosteroidbehandlung symptomarm verlaufen können.

Bei längerer, hochdosierter Therapie können jedoch die für Kortikosteroide typischen unerwünschten Wirkungen auftreten.

Infektionen und parasitäre Erkrankungen

Gelegentlich: erhöhte Anfälligkeit gegenüber Infektionen.

Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems

Leukozytose; Eosinopenie.

Erkrankungen des Immunsystems

Gelegentlich: vermindertes Ansprechen auf Impfungen und Hauttests; Immunsuppression; allergische Reaktionen.

Endokrine Erkrankungen

Gelegentlich: Gewichtszunahme mit cushingoider Verteilung und Mondgesicht; Hirsutismus; Amenorrhoe; Verminderung der Glukosetoleranz (insbesondere bei Diabetes); Diabetes mellitus; Hemmung der ACTH-Sekretion; Suppression der Hypothalamus-Hypophysen-Achse.

Nicht bekannt: akute Nebennierenrindeninsuffizienz nach Beendigung der Behandlung; beeinträchtigtes Wachstum von Kindern; Anfälle aufgrund eines Phäochromozytoms (Klasseneffekte von Glukokortikoiden).

Retention von Natrium und Wasser; Kalium-, Kalzium- und Phosphatverlust; hypokaliämische Alkalose; Ketoazidose.

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Gelegentlich: Hypokaliämie bei Begleitmedikation mit β2-Agonisten und Xanthinen.

Psychiatrische Erkrankungen

Gelegentlich: Schlafstörungen; Stimmungsschwankungen; depressiver Zustand; Nervosität; Verwirrung.

Nicht bekannt: Schlaflosigkeit; abnorme Träume; Weinerlichkeit; emotionale Störungen; abnormes Verhalten; Euphorie; Unruhe; Angstsymptome wie Ängstlichkeit, Agitation, Neurosen; Verwirrungszustände wie Desorientierung; psychotische Symptome wie Psychosen, Halluzinationen.

Erkrankungen des Nervensystems

Gelegentlich: Kopfschmerzen, Vertigo.

Nicht bekannt: Pseudotumor cerebri (bei Kindern).

Konvulsionen.

Augenerkrankungen

Nicht bekannt: posteriorer subkapsulärer Katarakt, vor allem bei Kindern; erhöhter intraokulärer Druck, Chorioretinopathie.

Erhöhte Anfälligkeit auf Augeninfektionen durch Pilz- und Virusbefall.

Herzerkrankungen

Erhöhung des Thromboserisikos; in Einzelfällen Myokardruptur nach kürzlichem Infarkt; Hypertonie; Herzinsuffizienz.

Gefässerkrankungen

Selten: Ekchymosen.

Nicht bekannt: Thromboembolie, vor allem bei Patienten, deren zugrunde liegende Erkrankung mit einer erhöhten Thromboseneigung assoziiert ist.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Gelegentlich: Dyspepsie; peptische Ulzera; Hämorrhagie; Übelkeit.

Nicht bekannt: Perforation von peptischen Ulzera; akute Pankreatitis, vor allem bei Kindern.

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Gelegentlich: Striae, Akne.

Verzögerte Wundheilung, Atrophie, Erytheme, Petechien, gesteigertes Schwitzen.

Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems und des Bindegewebes

Selten: Muskelschwund und ‑schwäche.

Nicht bekannt: avaskuläre Osteonekrose, Myopathie (eine akute Myopathie kann durch die gleichzeitige Einnahme von nicht-depolarisierenden Myorelaxantien begünstigt werden); Tendinitis und Achillessehnenruptur bei Begleitmedikation mit Chinolonen; Osteoporose; aseptische Nekrose des Femur- oder des Humeruskopfes.

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Gelegentlich: Ödem.

Überdosierung

Die akute Toxizität von Kortikosteroiden ist gering. Mögliche Symptome einer Intoxikation sind Natrium- und Wasserretention mit Ödembildung und Hypertonie, hypokaliämische Alkalose, steroidinduzierter Diabetes, Erregung und Schlaflosigkeit.

Für den Fall einer Überdosierung gibt es kein spezifisches Antidot, und die Behandlung ist symptomatisch.

Bei einer chronischen Überdosierung ist mit einer Zunahme der unerwünschten Wirkungen und der unter «Warnhinweise und Vorsichts­massnahmen» beschriebenen Risiken zu rechnen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: H02AB13

Deflazacort ist ein synthetisches Glucokorticoid, das sich von Prednisolon durch einen Oxazolinring an C16-C17 unterscheidet.

Deflazacort wirkt wie andere Glukokortikoide ausgeprägt entzündungshemmend und immunsuppressiv. Die mineralokortikoide Wirkung von Deflazacort ist sehr gering.

Die Wirkung von Deflazacort beruht wie die aller Glukokortikoide auf der Anregung oder Hemmung der Synthese spezifischer Proteine in der Zelle. Diese sind für die eigentlichen biologischen Wirkungen verantwortlich. Da der Wirkmechanismus über den Zellkern verläuft, tritt die volle pharmakologische Wirkung der Glukokortikoide verzögert (mehrere Stunden nach oraler oder parenteraler Verabreichung) ein, und sie hält länger an, als der Plasmahalbwertszeit des Wirkstoffes entspricht. Die Dauer der enzündungshemmenden Wirkung einer Einfachdosis Deflazacort entspricht etwa der Dauer der Suppression der Hypothalamus-Hypophysen-NNR-Achse.

Die relative entzündungshemmende Aequivalenzdosis von 7.5 mg Deflazacort entspricht etwa der von 0.7 mg Dexamethason bzw. 5 mg Prednison oder Prednisolon bzw. 20 mg Hydrocortison bzw. 25 mg Cortison.

Pharmakokinetik

Absorption

Nach oraler Einnahme wird Deflazacort (D) fast vollständig absorbiert und sofort zum pharmakologisch aktiven 21-Hydroxy-Deflazacort (D-21-OH) umgewandelt.

Distribution

Das Verteilungsvolumen von D-21-OH beträgt 1,48 l/kg.

D-21-OH ist ein gut wasserlösliches Glukokortikoid. D-21-OH ist beim Menschen zu 40% an Plasmaproteine gebunden; im Gegensatz zu Prednison hat es keine Affinität zu Kortikosteroid-bindendem Globulin (Transcortin).

Die maximale Plasmakonzentration (cmax) von D-21-OH wird nach 1.5-2 Stunden erreicht, jedoch tritt die maximale pharmakologische Wirkung erst mehrere Stunden nach der Verabreichung ein. Deflazacort durchdringt die Blut-Hirn-Schranke nur in sehr geringer Menge.

Metabolismus

D-21-OH wird vor allem in der Leber extensiv metabolisiert. Der wichtigste Metabolit ist ein 6-Beta-Hydroxy-Derivat.

Elimination

Die Plasma-Eliminationshalbwertszeit von D-21-OH beträgt 1,1-1,9 Std. Die Ausscheidung erfolgt hauptsächlich über die Nieren. Innerhalb der ersten 8 Stunden nach Applikation werden 70% der verabreichten Dosis im Urin ausgeschieden, die übrigen 30% in den Faeces. Nur 18% werden unverändert im Urin ausgeschieden. Der Anteil des wichtigsten Metaboliten, ein 6-Beta-Hydroxy-derivat, beträgt im Urin etwa 33%.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Pharmakokinetische Daten für klinische Situationen, in denen mit einer veränderten Kinetik gerechnet werden muss, liegen für Deflazacort nicht vor. Für andere Glukokortikoide ist bekannt, dass ihre Metabolisierung bei schwerer Leberinsuffizienz und bei Hypothyreose verzögert ist und die Wirkung des Glukokortikoids daher verstärkt sein kann und dass bei Hypoalbuminämie und Hyperbilirubinämie unerwünscht hohe Konzentrationen von nicht proteingebundenem (d.h. pharmakologisch aktivem) Wirkstoff auftreten können.

In der Schwangerschaft ist die Eliminationshalbwertszeit von Glukokortikoiden verlängert, und bei Neugeborenen ist damit zu rechnen, dass die Plasmaclearance geringer ist als bei Kindern und Erwachsenen.

Präklinische Daten

Deflazacort zeigte in Tierstudien bei Ratten und Kaninchen dosisabhängig teratogene Effekte. Es liegen keine weiteren Untersuchungen zum Präparat vor.

Sonstige Hinweise

Beeinflussung diagnostischer Methoden

Kortikosteroide können den Nitroblau-Tetrazolium-Test auf bakterielle Infektionen beeinflussen und zu falsch-negativen Resultaten führen.

Haltbarkeit

Verfalldatum auf der Packung beachten.

Besondere Lagerungshinweise

Bei Raumtemperatur (15-25 °C) und ausserhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.

Zulassungsnummer

46595 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

sanofi-aventis (schweiz) ag, 1214 Vernier/GE.

Stand der Information

Juli 2016.

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