Reopro Inj Loes 10 Mg/5ml Amp 5 Ml

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Abciximab.

Hilfsstoffe: Dinatrii phosphas dihydricus, Natrii dihydrogenphosphas monohydricus, Natrii chloridum, Polysorbatum 80, Aqua ad injectabilia q.s. ad solutionem.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Injektionslösung.

Ampullen (5 ml) zu 10 mg.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

ReoPro ist angezeigt zur Anwendung zusätzlich zu Heparin und Acetylsalicylsäure:

Bei perkutaner Koronarintervention zur Vermeidung ischämischer kardialer Komplikationen bei Patienten, die sich einer perkutanen Koronarintervention unterziehen (Ballondilatation; Stentimplantation).

Bei instabiler Angina pectoris zur Herabsetzung des Risikos eines Herzinfarktes bei Patienten, die auf umfassende konventionelle Therapie nicht ansprechen, innerhalb von 24 h vor einer geplanten, perkutanen koronaren Intervention.

Dosierung/Anwendung

ReoPro ist zur intravenösen Anwendung bei Erwachsenen bestimmt (siehe auch Hinweis über begrenzte Daten zur Readministration von ReoPro unter «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen/Wiederholte Gabe»).

Erwachsene

Die empfohlene Dosis von ReoPro beträgt 0,25 mg/kg Körpergewicht als intravenöse Bolusinjektion mit direkt anschliessender kontinuierlicher intravenöser Infusion über 12 Stunden von 0,125 µg/kg Körpergewicht pro Minute (maximal 10 µg/min).

Die Infusionsdosis beträgt:

Patienten <80 kg: 0,125 µg/kg/Min.

Patienten >80 kg: 10 µg/Min.

Zur Stabilisierung von Patienten mit instabiler Angina pectoris sollte die Bolusinjektion mit anschliessender Infusion bis zu 24 Stunden vor einem möglichen Eingriff begonnen und 12 Stunden nach dem Eingriff beendet werden.

Zur Vermeidung ischämischer kardialer Komplikationen bei Patienten, die sich einer perkutanen Koronarintervention unterziehen und denen noch nicht ReoPro infundiert wird, sollte die Bolusinjektion 10 bis 60 Minuten vor dem Eingriff erfolgen und anschliessend eine Infusion über 12 Stunden gegeben werden.

Proteinlösungen wie ReoPro können Überempfindlichkeitsreaktionen verursachen. Adrenalin, Dopamin, Theophyllin, Antihistaminika und Corticosteroide sollten zum sofortigen Einsatz verfügbar sein. Sollten Symptome einer allergischen oder anaphylaktischen Reaktion auftreten, sollte die Infusion sofort gestoppt werden. Die subcutane Gabe von 0,3 bis 0,5 ml einer wässrigen Lösung von Adrenalin (Verdünnung 1:1000), Corticosteroide sowie Unterstützung der Atmung und andere Notfallmassnahmen sollten ergriffen werden.

Kinder und Patienten über 80 Jahre

Kinder und Patienten über 80 Jahre wurden nicht in die klinischen Studien eingeschlossen und es liegen keine Erfahrungen mit solchen Patienten vor.

Verabreichung: s. unter «Hinweise für die Handhabung».

Kontraindikationen

ReoPro soll Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Abciximab oder einem der Hilfstoffe gemäss Zusammensetzung bzw. gegen murine monoklonale Antikörper nicht verabreicht werden.

Da eine Hemmung der Thrombozytenaggregation das Blutungsrisiko erhöht, ist ReoPro in den folgenden klinischen Situation kontraindiziert: aktive innere Blutung; zerebrovaskuläre Blutung innerhalb der letzten zwei Jahre; Eingriff oder Trauma (innerhalb der letzen zwei Monate) im intrakraniellen oder intraspinalen Bereich; intrakranielles Neoplasma, arteriovenöse Missbildung oder Aneurysma; bekannte Blutungsdiathese oder schwere unkontrollierte Hypertonie (>180/>100 mmHg); vorbestehende Thrombozytopenie, Vaskulitis, hypertensive Retinopathie, schwere Leberfunktionseinschränkung. Da nur eine begrenzte Anzahl von Daten zur Verfügung stehen, ist die Anwendung von ReoPro bei hämodialysepflichtigen Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz kontraindiziert (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Die Anwendung von ReoPro kann mit einem Anstieg von Blutungsereignissen verbunden sein, selten auch mit tödlichem Verlauf. Vor der Anwendung von ReoPro sollte daher für jeden Patienten eine sorgfältige Nutzen/Risiko-Abwägung vorgenommen werden, insbesondere bei folgenden Patienten:

  • Körpergewicht unter 75 kg
  • Hochrisikopatienten über 65 Jahre
  • Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes in der Vorgeschichte
  • Patienten, die blutgerinnungshemmende Arzneimittel erhalten
  • vor kurzem aufgetretener, ischämischer Schlaganfall
  • vor kurzem erfolgtem operative Eingriff oder Trauma
  • intrakranielle Neoplasien, arteriovenöse Malformation (AVM) oder Aneurysmen
  • Generelle Blutungsneigung
  • schwerwiegende, unkontrollierte Hypertonie
  • vorbestehende Thrombozytopenie
  • Vaskulitis
  • Verwendung oraler Antikoagulantien innerhalb der letzten 7 Tage (es sei denn, die PT ≤ 1,2)
  • Intravenöse Gabe von Dextranen vor der PCI
  • Intravenöse Gabe von Thrombolytika.

Klinische Studien legen nahe, dass die Anwendung des aktuellen gewichtsadjustierten Heparin-Therapieregimes mit einem geringeren Risiko für intrakranielle Blutungen verbunden ist als ältere Protokolle (höhere Dosierung, nicht gewichtsadjustiert).

Notwendigkeit spezieller Einrichtungen

ReoPro sollte nur angewendet werden, wenn die entsprechend spezialisierten medizinischen Einrichtungen vorhanden sind. Darüber hinaus muss die Möglichkeit zur Bestimmung hämatologischer Funktionsparameter und zur Gabe von Blutprodukten bestehen.

Gleichzeitige Gabe von Acetylsalicylsäure und Heparin

ReoPro soll zusätzlich zur Anwendung von Acetylsalicylsäure und Heparin gegeben werden.

Acetylsalicylsäure

Es soll täglich eine Standarddosis Acetylsalicylsäure eingenommen werden.

Heparin

1. Perkutane Koronarintervention

Heparin Bolus-Gabe vor der PTCA (Percutaneous Transluminal Coronary Angioplasty)

Beträgt die aktivierte Blutgerinnungszeit (ACT) des Patienten vor Beginn der PTCA weniger als 200 Sekunden, sollte entsprechend dem folgenden Schema eine initiale Bolus-Gabe Heparin erfolgen, sobald der arterielle Zugang liegt:

ACT <150 Sekunden: Gabe von 70 Einheiten Heparin/kg Körpergewicht;

ACT 150–199 Sekunden: Gabe von 50 Einheiten Heparin/kg Körpergewicht.

Die initiale Bolus-Gabe Heparin sollte 7000 Einheiten nicht überschreiten.

Die aktivierte Blutgerinnungszeit (ACT) sollte mindestens 2 Minuten nach der Bolus-Gabe Heparin überprüft werden. Sollte sie unter 200 Sekunden liegen, erfolgen weitere Heparin Bolus-Gaben von 20 Einheiten/kg Körpergewicht mit konsekutiver ACT-Überprüfung, bis eine ACT ≥200 Sekunden erreicht ist.

Sollte eine Situation entstehen, in der trotz des möglichen erhöhten Blutungsrisikos eine höhere Heparindosierung für klinisch erforderlich erachtet wird, empfiehlt sich eine vorsichtige Titration von Heparin, die als gewichtsangepasste Bolus-Gaben die ACT nicht über 300 Sekunden verlängert.

Heparin Bolus-Gabe während der PTCA

Während der PTCA sollte die aktivierte Blutgerinnungszeit (ACT) alle 30 Minuten kontrolliert werden. Liegt sie unter 200 Sekunden, erfolgen weitere Bolus-Gaben Heparin von 20 Einheiten Heparin/kg Körpergewicht mit konsekutiver ACT-Überprüfung, bis eine ACT von ≥200 Sekunden erreicht ist. Die ACT sollte vor und mindestens 2 Minuten nach jeder Bolus-Gabe Heparin bestimmt werden.

Alternativ zu dem oben beschriebenen Vorgehen kann, nachdem durch die initialen Heparin- Bolus-Gaben eine ACT von ≥200 Sekunden erreicht wurde, eine kontinuierliche Heparin-Infusion von 7 Einheiten Heparin/kg Körpergewicht/Stunde für die Dauer der PTCA-Prozedur erfolgen.

Heparin-Infusion nach der PTCA

Nach der PTCA wird das sofortige Absetzen von Heparin und das Entfernen der arteriellen Schleuse innerhalb von 6 Stunden dringend empfohlen. Wird bei einzelnen Patienten eine verlängerte Heparin-Therapie nach der PTCA oder eine spätere Schleusenentfernung aus klinischen Gründen für erforderlich gehalten, wird für die weitere Heparingabe eine Infusion mit initial 7 Einheiten/kg Körpergewicht/Stunde empfohlen (siehe «Vorsichtsmassnahmen zur Vermeidung von Blutungen/Entfernung der Einführschleuse für den Katheter aus der Femoralarterie»). In jedem Fall sollte Heparin mindestens 2 Stunden vor der Schleusenentfernung abgesetzt werden.

2. Stabilisierung von instabiler Angina pectoris

Die Antikoagulation sollte mit Heparin begonnen werden, um eine aPPT von 60–85 Sekunden zu erreichen. Die Heparingabe sollte während der Infusion von ReoPro aufrechterhalten werden. Die Handhabung der Heparinbehandlung nach einer PTCA ist oben unter «1. Perkutane Koronarintervention» dargestellt.

Vorsichtsmassnahmen zur Vermeidung von Blutungen

Eintrittstelle an der Femoralarterie

Die Anwendung von ReoPro ist mit einem Anstieg der Blutungsrate speziell an der arteriellen Einstichstelle für die Plazierung der Einführschleuse für den Katheter verbunden. Die folgenden Empfehlungen gelten speziell für die Versorgung der Eintrittsstelle.

Platzierung der Einführschleuse für den Katheter in der Femoralarterie

Wenn möglich, führen Sie die Einführschleuse für den Katheter nur in die Femoralarterie ein (vermeiden Sie eine Einführung in die Femoralvene).

Punktieren Sie nur die Vorderseite der Femoralarterie beim Einführen.

Von einem Durchstechen des Blutgefässes zur Identifizierung der Gefässsituation wird abgeraten.

Wenn die Einführschleuse für den Katheter in der Femoralarterie platziert ist

Überprüfen Sie die Einstichstelle und die distal gelegenen Pulse des betroffenen Beines in der ersten Stunde alle 15 Minuten, dann stündlich für die nächsten 6 Stunden.

Es ist eine strenge Bettruhe einzuhalten, die Kopfneigung des Bettes soll ≤30° betragen.

Das betroffene Bein muss in gestreckter Position mittels leichter Fixierung ruhiggestellt werden.

Rücken- oder Leistenschmerzen sollten, wenn notwendig, medikamentös therapiert werden.

Klären Sie den Patienten über die notwendigen Verhaltensmassnahmen nach der PTCA auf.

Entfernung der Einführschleuse für den Katheter aus der Femoralarterie

Die Heparingabe sollte mindestens 2 Stunden vor der Entfernung der Einführschleuse beendet werden.

Kontrollieren Sie die aPTT oder ACT vor der Entfernung der Einführschleuse: Entfernen Sie diese nicht, sofern nicht die aPTT ≤50 Sekunden oder die ACT ≤175 Sekunden beträgt.

Üben Sie mindestens 30 Minuten lang nach Entfernung der Einführschleuse einen Kompressionsdruck auf die Einstichstelle aus, entweder manuell oder mittels einer mechanischen Kompressionshilfe.

Legen Sie einen Druckverband an, nachdem die Blutung gestillt ist.

Perkutane Verschlussysteme stellen eine Alternative dar.

Nach Entfernung der Einführschleuse für den Katheter aus der Femoralarterie

Kontrollieren Sie die Leistengegend auf Blutungen/Hämatome und distale Pulse alle 15 Minuten in der ersten Stunde oder bis zur Stabilisierung, dann stündlich bis 6 Stunden nach der Entfernung der Einführschleuse.

Die strenge Bettruhe mit einer Kopfneigung von ≤30° und einer Fixierung des betroffenen Beines in gestreckter Position muss nach Entfernung der Einführschleuse aus der Femoralarterie für weitere 6–8 Stunden aufrechterhalten werden, bzw. für 6–8 Stunden nach Beendigung der Gabe von ReoPro oder 4 Stunden nach Beendigung der Gabe von Heparin (je nachdem, welcher Zeitraum länger dauert).

Entfernen Sie den Druckverband vor dem Aufstehen.

Befindlichkeitsstörungen sollten medikamentös therapiert werden.

Behandlung von Blutungen aus der Einstichstelle und entstehenden Hämatomen

Im Falle von Blutungen in der Leistengegend (mit oder ohne Hämatombildung), wird das folgende Vorgehen empfohlen:

Senken Sie die Kopfneigung des Bettes auf 0°.

Üben Sie manuellen oder mechanischen Druck aus bis die Blutung sistiert.

Die Grösse eines jeden Hämatoms sollte bestimmt und eine mögliche weitere Ausdehnung sollte überwacht werden.

Bestimmen Sie die aktivierte Blutgerinnungszeit (ACT) oder aktivierte partielle Thromboplastinzeit (aPTT) und passen Sie die Heparindosis entsprechend an.

Erhalten Sie nach Entfernen der Einführschleuse einen intravenösen Zugang aufrecht.

Sollte die Blutung in der Leistengegend anhalten oder sich das Hämatom während der Infusion von ReoPro trotz der genannten Massnahmen vergrössern, ist die Infusion sofort zu beenden und die Einführschleuse aus der Femoral­arterie wie oben beschrieben zu entfernen. Nach der Entfernung der Einführschleuse sollte ein intravenöser Zugang aufrecht erhalten werden, bis die Blutung unter Kontrolle ist (s.a. «Überdosierung», Abschnitt «Therapie unkontrollierter Blutungen»).

Potentielle Blutungsstellen

Besondere Aufmerksamkeit sollte allen potentiellen Blutungsquellen gewidmet werden, einschl. arterieller und venöser Punktionsstellen sowie Stellen, an denen Katheter eingeführt wurden und sonstigen Einstichstellen.

Retroperitoneale Blutungen

In Zusammenhang mit der femoralen Punktion erhöht ReoPro die Gefahr retroperitonealer Blutungen. Die Verwendung venöser Katheter sollte soweit wie möglich reduziert und lediglich die Vorderseite der Arterie oder Vene sollte bei der Einführung der Einführschleuse punktiert werden (siehe «Vorsichtsmassnahmen zur Vermeidung von Blutungen/Platzierung der Einführschleuse für den Katheter in der Femoralarterie»).

Lungenblutungen (meistens alveoläre)

ReoPro stand selten im Zusammenhang mit Lungenblutungen (meistens alveoläre). Diese machen sich im Zusammenhang mit der Gabe von ReoPro durch folgende Befunde bemerkbar, die einzeln oder in Kombination auftreten können: Hypoxämie, Lungeninfiltrate nach Röntgenaufnahme des Brustkorbes, Hämoptyse oder ungeklärter Hämoglobinabfall. Wenn dies zutrifft, muss die Verabreichung von ReoPro und allen anderen Antikoagulantien und Thrombozytenaggregationshemmern sofort abgebrochen werden.

Prophylaxe von Gastrointestinalblutungen

Zur Vermeidung spontaner Gastrointestinalblutungen wird die prophylaktische Gabe eines H2-Histamin Rezeptor-Antagonisten oder flüssiger Antazida empfohlen. Antiemetika sollten nach Bedarf angewendet werden.

Allgemeine Behandlungshinweise

Unnötige arterielle und venöse Punktionen, intramuskuläre Injektionen, Routinegebrauch von Urinkathetern, nasotracheale Intubation, pernasale Magensonden und automatische Blutdruckmanschetten sollten vermieden werden. Für einen intravenösen Zugang sollten keine nicht-komprimierbaren Venen (z.B. Subklavia- oder Jugularvene) gewählt werden. Zur Blutentnahme sollten mit Kochsalzlösung oder Heparin offengehaltene Zugänge verwendet werden. Die vaskulären Punktionsstellen sollen dokumentiert und beobachtet werden. Das Abnehmen der Verbände sollte vorsichtig geschehen.

Überwachung des Patienten

Vor der Gabe von ReoPro sollten die Thrombozytenzahl, die aktivierte Blutgerinnungszeit (ACT), Prothrombinzeit (Quick) und die aktivierte partielle Thromboplastinzeit (aPTT) bestimmt werden, um vorbestehende Störungen der Blutgerinnung zu identifizieren. Weitere Thrombozytenzählungen sollten 2–4 Stunden nach der Bolusdosis und nach 24 Stunden vorgenommen werden. Hämoglobin und Hämatokritbestimmungen sollten vor der Gabe von ReoPro sowie 12 Stunden und 24 Stunden nach der Bo­lusinjektion von ReoPro erfolgen. Bei entsprechender klinischer Situation kann eine engmaschigere Kontrolle erforderlich sein.

Ein 12-Kanal-Elektrokardiogramm (EKG) sollte vor der Bolusinjektion von ReoPro, nach Verlegung des Patienten aus dem Katheterlabor auf die Station sowie 24 Stunden nach der Bolusinjektion von ReoPro angefertigt werden. Nach der Bolusinjektion von ReoPro sollten die Vitalzeichen (einschl. Blutdruck und Puls) in den ersten 4 Stunden stündlich sowie nach 6, 12, 18 und 24 Stunden kontrolliert werden.

Wiederherstellung der Thrombozytenfunktion

In Tierversuchen konnte gezeigt werden, dass eine Thrombozyten-Transfusion die Wirkung von ReoPro abschwächt bzw. aufhebt und die Plättchenfunktion wiederherstellt. Entsprechend ist beim Menschen die Gabe von frischen Blutplättchen (Thrombozytenkonzentrat) in der Lage, die thrombozytenaggregationshemmende Wirkung von ReoPro aufzuheben. Im Falle von schweren, unkontrollierten Blutungen oder der Notwendigkeit eines chirurgischen Not-Eingriffs sollte ReoPro abgesetzt werden. Bei der Mehrzahl der Patienten normalisiert sich die Blutungszeit innerhalb von 12 Stunden. Wenn die Blutungszeit weiterhin verlängert bleibt und/oder eine deutliche Hemmung der Plättchenfunktion und/oder wenn eine schnelle Hämostase benötigt wird und/oder in dem Fall, dass die Hämostase nicht adäquat wiederherstellbar ist, sollte in Erwägung gezogen werden, den Rat eines erfahrenen Hämatologen zur Diagnose und Behandlung der Blutungsstörung zu suchen. Wenn eine schnelle Hämostase benötigt wird, können Thrombozytenkonzentrate (mindestens 5,5× 1011 Blutplättchen) gegeben werden. Es kann eine Umverteilung von ReoPro von endogenen Thrombozytenrezeptoren auf transfundierte Thrombozyten stattfinden. Eine einzige Transfusion kann ausreichend sein, um die Rezeptorblockade auf 60% oder 70% zu reduzieren, was für die Wiederherstellung der Thrombozytenfunktion ausreichend ist. Wiederholte Blutplättchen-Transfusionen können notwendig sein, um eine Hämostase aufrecht zu erhalten.

Gleichzeitige Anwendung von Thrombolytika, Antikoagulantien und anderen Thrombozytenaggregationshemmern

Da ReoPro die Blutplättchenaggregation hemmt, sollte die gleichzeitige Anwendung von anderen die Hämostase beeinflussenden Arzneimitteln, wie z.B. orale Antikoagulantien, Thrombolytika und andere Thrombozytenaggregationshemmern, ausser Acetylsalicylsäure, wie z.B. Dipyridamol, Ticlopidin oder niedermolekularen Dextranen, mit Vorsicht erfolgen (s. auch Abschnitt «Interaktionen»).

Daten von Patienten, die Thrombolytika erhalten, insbesondere im Fall der Behandlung mit Streptokinase, deuten auf eine Erhöhung des Blutungsrisikos hin, wenn ReoPro Patienten verabreicht wird, die mit Thrombolytika in Dosen behandelt werden, die ausreichen, um eine systemische Fibrinolyse zu bewirken. Eine Anwendung von ReoPro bei Rescue-PTCA darf bei Patienten, die eine systemische thrombolytische Therapie erhalten haben, nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durchgeführt werden. Das Risiko von Blutungen und intrakraniellen Blutungen scheint um so höher zu sein, je früher ReoPro nach Verabreichen eines Thrombolytikums eingesetzt wird. In der GUSTO V Studie wurden 16’588 Patienten mit akutem Myokardinfarkt randomisiert der Behandlung mit der Kombination aus ReoPro und einer halben Dosis Reteplase bzw. mit Reteplase alleine zugeteilt. Die Inzidenz einer mässigen oder schweren, nicht-intrakranialen Blutung war bei den Patienten, die ReoPro und die halbe Dosis Reteplase erhielten, im Vergleich zu den nur mit Reteplase behandelten Patienten erhöht (4,6% vs. 2,3%). In der ASSENT-3-Studie wurden 6095 Patienten mit akutem Myokardinfarkt randomisiert der Behandlung mit einer vollen Dosis Tenecteplase mit einer gewichtsadaptierten Dosis unfraktionierten Heparins (UFH), einer vollen Dosis Tenecteplase mit Enoxaparin oder einer halben Dosis Tenecteplase mit ReoPro mit gewichtsadaptierter Dosis Heparin zugeteilt. Die Raten stärkerer Blutungen waren in der mit ReoPro behandelten Gruppe höher (4,4%) als in den anderen 2 Gruppen: 2,2% bzw. 3,0% für die UFH- bzw. die Enoxaparin-Gruppe.

Falls aufgrund refraktärer Symptome eine dringende Intervention bei einem Patienten, der ReoPro erhält oder in den vorhergehenden 48 Stunden erhalten hat, notwendig ist, wird empfohlen, zuerst eine PTCA zur Beherrschung der Situation zu versuchen. Vor eventuellen weiteren chirurgischen Eingriffen sollte die Blutungszeit bestimmt werden und 12 Minuten oder weniger betragen. Sollte die PTCA oder eine andere geeignete Massnahme erfolglos bleiben und mittels einer Angiographie eine Thrombose als Ursache festgestellt werden, sollte eine zusätzliche thrombolytische Therapie auf intrakoronarem Wege in Betracht gezogen werden. Eine systemische Fibrinolyse sollte vermieden werden.

Thrombozytopenie

Um die mögliche Diagnose einer Thrombozytopenie zu stellen, sollte die Thrombozytenzahl vor der Behandlung, 2 bis 4 Stunden nach der ReoPro-Bolusdosis und nach 24 Stunden durchgeführt werden. Falls ein akuter Abfall der Thrombozytenzahl festgestellt wird, ist die Bestimmung zu wiederholen. Das Blut für die Bestimmung sollte in drei separate Röhrchen mit jeweils Ethylendiaminotetraessigsäure (EDTA), Citrat und Heparin gegeben werden, um eine Pseudothrombozytopenie auszuschliessen, ein Labor-Artefakt infolge einer in vitro aufgetretenen Antikoagulanzien-Interaktion. Eine niedrige Thrombozytenzahl in EDTA, jedoch nicht in Heparin und/oder Citrat, spricht für die Diagnose einer Pseudothrombozytopenie. Sollte die Diagnose einer Thrombozytopenie verifiziert werden, ist die Behandlung mit ReoPro sofort zu beenden und der Patient angemessen zu überwachen bzw. zu behandeln. Bis zur Normalisierung sollte die Thrombozytenzahl täglich bestimmt werden. Fällt die Thrombozytenzahl unter 60’000 Zellen/µl, sind Heparin und Acetylsalicylsäure abzusetzen. Bei Thrombozytenzahl unter 50’000 Zellen/µl muss eine Thrombozytentransfusion in Betracht gezogen werden, besonders dann, wenn der Patient blutet und/oder invasive Eingriffe gerade erfolgen oder geplant sind. Fällt die Thrombozytenzahl unter 20’000 Zellen/µl, sind Thrombozyten zu transfundieren. Die Entscheidung, ob eine Thrombozytentransfusion vorgenommen wird, sollte individuell auf Basis einer klinischen Beurteilung erfolgen.

Wiederholte Gabe

Die Anwendung von ReoPro kann zur Bildung von humanen, antichimären Antikörpern (HACA) führen, die möglicherweise eine allergische Reaktion oder Überempfindlichkeitsreaktion (einschliesslich anaphylaktischer Schock), Thrombozytopenie oder eine verminderte Wirkung bei wiederholter Gabe bewirken können. In Phase III Studien traten HACA – üblicherweise mit niedrigem Titer – bei 5% – 6% der Patienten nach einer Anwendung von ReoPro auf (siehe «Unerwünschte Wirkungen»). Vorhandene Daten lassen vermuten, dass humane Antikörper gegen andere monoklonale Antikörper nicht mit ReoPro kreuzreagieren.

Die wiederholte Gabe von ReoPro an Patienten, bei denen eine PTCA durchgeführt wurde, wurde anhand eines Registers bewertet, das 1286 Patienten mit 1342 Eingriffen erfasst. Die meisten Patienten erhielten ihre zweite ReoPro Verabreichung; 15% wurden zum dritten oder weiteren Mal behandelt. Die Gesamtrate der HACA Positiven lag vor der wiederholten Gabe bei 6% und stieg auf 27% nach wiederholter Gabe an. Es gab keine Berichte über gefährliche allergische Reaktionen oder anaphylaktischen Schock. Thrombozytopenie wurde häufiger in der Readministrationsstudie, als in den Phase III Studien zur ersten Anwendung beobachtet (siehe «Unerwünschte Wirkungen»). Dieses führt zu der Annahme, dass die wiederholte Gabe im Zusammenhang mit dem vermehrten Auftreten und der Schwere der Thrombozytopenie steht.

Patienten mit Nierenerkrankungen

Der Nutzen einer Behandlung mit ReoPro kann bei Patienten mit Nierenerkrankungen vermindert sein.

Die Gabe von ReoPro bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz darf nur nach sorgfältiger Nutzen–Risiko-Abwägung erfolgen. Da das potentielle Blutungsrisiko bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz erhöht ist, sollten diese Patienten häufiger hinsichtlich Blutungen überwacht werden. Tritt ein schweres Blutungsereignis auf, dann muss eine Thrombozytentransfusion in Betracht gezogen werden (siehe «Wiederherstellung der Thrombozytenfunktion»). Ausserdem sollten die oben beschriebenen Vorsichtsmassnahmen zur Vermeidung von Blutungen berücksichtigt werden. Die Anwendung von ReoPro bei dialysepflichtigen Patienten ist kontraindiziert (siehe «Kontraindikationen»).

Kinder und Patienten über 80 Jahre

Kinder und Patienten über 80 Jahre wurden nicht in die klinischen Studien eingeschlossen und es liegen keine Erfahrungen mit solchen Patienten vor.

Interaktionen

In klinischen Studien wurde ReoPro zusätzlich zur üblichen Therapie mit Heparin und Acetylsalicylsäure angewendet. Bei gleichzeitiger Gabe von Heparin und ReoPro kann es zu einem Anstieg der Blutungshäufigkeit kommen. Obwohl keine gesonderten Untersuchungen mit ReoPro und anderen üblicherweise verwendeten kardiovaskulären Arzneimitteln durchgeführt wurden, wurden in klinischen Studien keine unerwünschten Arzneimittelinteraktionen im Zusammenhang mit der Anwendung von Medikamenten zur Behandlung von Angina pectoris, Myokardinfarkt und Bluthochdruck oder mit den üblichen intravenösen Infusionslösungen beobachtet. Die Begleitmedikation umfasste Warfarin (vor und nach, aber nicht während der PTCA), Beta-Rezeptorenblocker, Calcium-Antagonisten, ACE-Inhibitoren sowie intravenöse und orale Nitrate.

Schwangerschaft/Stillzeit

Reproduktionsstudien beim Tier sind mit ReoPro nicht durchgeführt worden. Es ist auch unbekannt, ob ReoPro bei Verabreichung an Schwangere beim Foetus Schäden verursachen oder die Reproduktionsfähigkeit beeinflussen kann. ReoPro soll schwangeren Frauen nur nach strikter Indikationsstellung verabreicht werden.

Es ist nicht bekannt, ob die Substanz in die Muttermilch ausgeschieden wird. Daher sollte während einigen Tagen nicht gestillt werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es wurden keine entsprechenden Studien durchgeführt.

Unerwünschte Wirkungen

Die nachfolgend aufgeführten unerwünschten Wirkungen beruhen auf Erfahrungen aus klinischen Studien. Innerhalb der Organsysteme sind die Nebenwirkungen nach der Häufigkeit mit folgender Einteilung aufgeführt: sehr häufig (>1/10), häufig (>1/100, <1/10), gelegentlich (>1/1000, <1/100), selten (>1/10’000, <1/1000), sehr selten (<1/10’000).

Störungen des Blut- und Lymphsystems

Häufig:Thrombozytopenie

Störungen des Immunsystems

Selten:Überempfindlich­keitsreaktionen/allergische Reaktionen

Störungen des Nervensystems

Häufig:Kopfschmerzen

Funktionsstörungen des Herzens

Häufig:Bradykardie
Selten:Perikardtamponade

Funktionsstörungen der Gefässe

Häufig:Blutungen, Hypotonie
Gelegentlich:Intrakranielle Blutung
Selten:Lungenblutungen

Atmungsorgane (Respiratorische, thorakale und mediastinale Funktionsstörungen)

Selten:Schocklunge

Gastrointestinale Störungen

Häufig:Übelkeit, Erbrechen

Muskelskelettsystem (Funktionsstörungen des Bewegungsapparates, des Bindegewebes und der Knochen)

Häufig:Rückenschmerzen

Allgemeine Störungen und Reaktionen an der Applikationsstelle

Häufig:Thorakale Schmerzen, Fieber, Schmerzen an der Punktionsstelle

In der EPIC-Studie wurde ein nicht körpergewichtsadaptiertes Heparin-Standarddosierungsschema verwendet. Dabei war die häufigste Komplikation bei der Anwendung von ReoPro das Auftreten von Blutungen innerhalb der ersten 36 Stunden.

Die Häufigkeit von starken Blutungen¹, schwachen Blutungen², sowie transfusionsbedürftigen Blutungen erhöhte sich etwa um das Doppelte (14%, 17% bzw. 17%). Bei Patienten mit starken Blutungen traten die Blutungen zu 67% an der arteriellen Punktionsstelle im Leistenbereich auf.

In einer nachfolgenden klinischen Prüfung, der EPILOG-Studie, in der die im Abschnitt «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» beschriebenen Hinweise zum Heparindosierungsschema, zur Entfernung der Einführschleuse und zum femoralen Zugangsweg beachtet wurden, unterschied sich die Häufigkeit von starken Blutungen bei Patienten, die mit ReoPro behandelt wurden (2,0%), nicht signifikant von der bei Patienten, die Placebo erhielten (3,1%), und es gab keinen signifikanten Anstieg der Häufigkeit intrakranieller Blutungen. Die in der EPILOG-Studie beobachtete Abnahme des Auftretens der starken Blutungen wurde ohne Verlust der Wirksamkeit erreicht.

Ebenso war in der EPISTENT-Studie das Auftreten starker Blutungen bei Patienten, die mit ReoPro behandelt wurden und bei denen eine Ballondilatation (1,4%) oder bei denen ein Stent implantiert wurde (1,5%) nicht signifikant unterschiedlich zu dem bei Patienten, die Placebo erhielten und bei denen ein Stent implantiert wurde (2.2%). In der CAPTURE-Studie, in der Heparin nicht niedrig dosiert wurde, war das Auftreten starker Blutungen, die nicht im Zusammenhang mit einem chirurgischen koronaren Arterieneingriff standen, bei Patienten, die mit ReoPro behandelt wurden (3,8%) häufiger als bei Patienten, die Placebo erhielten (1,9%).

Obgleich nur in begrenztem Umfang Daten vorliegen, war die Behandlung mit ReoPro bei Patienten mit chirurgischem koronaren Arterieneingriff nicht mit einem Übermass an starken Blutungen verbunden. Einige Patienten mit verlängerten Blutungszeiten erhielten Thrombozyten­transfusionen vor dem Eingriff, um die Blutungszeit zu normalisieren. (Siehe auch «Vorsichtsmassnahmen zur Vermeidung von Blutungen/Wiederherstellung der Thrombozytenfunktion».)

Nach der Markteinführung wurden folgende schwere unerwünschte Blutungen beobachtet, welche in seltenen Fällen tödlich verliefen: (unspezifizierte) Blutungen (0,03%), Haematoma (0,03%), intrakranielle Haemorrhagien (0,02%), retroperitoneale Blutungen (0,01%), pulmonäre Blutungen (0,01%) und gastrointestinale Blutungen (0,01%)³.

Die gesamte Inzidenz intrakranieller Blutungen und nicht -hämorrhagischer Schlaganfälle war in den vier zentralen klinischen Prüfungen ähnlich, 9 von 3023 (0,30%) für mit Placebo behandelte Patienten sowie 15 von 4680 (0,32%) für mit ReoPro behandelte Patienten. Die Inzidenzrate einer intrakraniellen Hämorrhagie betrug 0,10% bei Placebo-Patienten und 0,15% bei ReoPro-Patienten.

Bei Patienten, welche mit ReoPro behandelt wurden, trat Thrombozytopenie (Plättchenzahl unter 100’000 Zellen/µL) eher auf als bei Patienten unter Placebo. Die Inzidenzen in den EPILOG- und -EPISTENT-Studien mit dem empfohlenen niederdosierten, körpergewichtsadaptierten Heparin-Dosierungsschema waren: schwere Thrombozytopenie: 1% unter Verum vs. 0% unter Placebo; Thrombozytopenie: 2,8% unter Verum vs. 1,1% unter Placebo. In einer Zulassungsstudie mit wiederholter Verabreichung wurden die Patienten einer zweiten oder subsequenten ReoPro-Exposition unterzogen; die Inzidenz einer Thrombozytopenie irgendeines Grades betrug 5%, die Inzidenz einer ausgeprägten Thrombozytopenie belief sich auf 2% (<20’000 Zellen/µl). Mit einem erhöhten Thrombozytopenie-Risiko verbundene Faktoren waren: Auftreten einer Thrombozytopenie bei der vorangegangenen ReoPro-Exposition, wiederholte Verabreichung innerhalb von 30 Tagen und ein positiver HACA-Assay vor der wiederholten Gabe. Bei 7 (50%) der 14 Patienten, die bei einer vorangegangenen ReoPro-Exposition eine Thrombozytopenie aufgewiesen hatten, rezidivierte diese. Von 130 Patienten, bei denen die vorherige Verabreichung 30 oder weniger Tage zurücklag, entwickelten 25 (19%) eine Thrombozytopenie. Eine schwere Thrombozytopenie trat bei 19 dieser Patienten auf. Von den 71 Patienten, die vor der neuerlichen Behandlung einen positiven HACA-Assay hatten, entwickelten 11 (15%) eine Thrombozytopenie, die in 7 Fällen schwer war.

Thrombozytopenien bei wiederholter Gabe innerhalb von 2 Wochen, siehe Kapitel «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen».

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Rückenschmerzen, Hypotonie, Übelkeit, Brustschmerzen, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schmerzen und Bradykardie, Fieber, Schmerzen am Einstichort und Thrombozytopenie.

Eine Herztamponade, eine pulmonale (zumeist alveoläre) Blutung und ein ARDS (adult respiratory distress syn­drome) wurden selten mitgeteilt. «Human antichimeric antibodies» (HACA) traten in den Phase-III-Studien – im Allgemeinen in einem niedrigen Titer – bei rund 5% bis 6% der Patienten 2 bis 4 Wochen nach der ersten ReoPro-Exposition auf. In einer Zulassungsstudie betrug die Gesamtrate der HACA-Positivität vor der erneuten Verabreichung 6% und stieg nach der wiederholten Gabe auf 27%. Von den 36 Patienten, die einer vierten oder subsequenten ReoPro-Exposition unterzogen wurden, wiesen 16 (44%) nach der erneuten Gabe positive HACA-Assays auf. In dieser Zulassungsstudie wurden keine schweren allergischen Reaktionen oder Anaphylaxien mitgeteilt.

Überempfindlichkeitsreaktionen oder allergische Reaktionen wurden selten nach Anwendung von ReoPro beobachtet. Dennoch können anaphylaktische Reaktionen potentiell jederzeit während der Anwendung auftreten (siehe «Dosierungsanweisung»).

¹ Abfall des Hämoglobins um mehr als 5 g/dl.

² Spontane starke Hämaturie und spontanes Bluterbrechen sowie sichtbare Blutungen, die mit einem Abfall des Hämoglobins um mehr als 3 g/dl einhergehen oder ein Abfall des Hämoglobins um mindestens 4 g/dl ohne sichtbare Blutungsstelle.

³ Meldungsraten wurden aus Spontanmeldungen unerwünschter Ereignisse berechnet.

Überdosierung

Erfahrungen mit Überdosierungen liegen nicht vor. Im Falle akuter allergischer Reaktionen, Thrombozytopenie und unkontrollierter Blutungen ist die Gabe von ReoPro sofort zu beenden. Im Fall einer Thrombozytopenie oder unkontrollierter Blutungen wird die Transfusion von Thrombozyten empfohlen.

Zur Behandlung allergischer Reaktionen: siehe «Dosierung/Anwendung», Punkt 2.

Thrombozytopenie: Um die mögliche Diagnose einer Thrombozytopenie zu stellen, sollte die Thrombozytenzahl vor der Behandlung, 2 bis 4 Stunden nach der Bolusinjektion sowie nach 24 Stunden bestimmt werden. Falls ein akuter Abfall der Thrombozytenzahl festgestellt wird, ist die Bestimmung zu wiederholen. Das Blut für die Bestimmung sollte in separate Röhrchen mit jeweils Ethylendiaminotetraessigsäure (EDTA), Citrat oder Heparin gegeben werden, um eine aufgrund einer in vitro Antikoagulation ausgelöste Pseudothrombozytopenie auszuschliessen. Sollte die Diagnose einer Thrombozytopenie verifiziert werden, ist die Behandlung mit ReoPro sofort zu beenden und der Patient angemessen zu überwachen bzw. zu behandeln. Bis zu ihrer Normalisierung sollte die Thrombozytenzahl täglich bestimmt werden. Fällt die Thrombozytenzahl unter 60’000 Zellen/µl, sind Heparin und Acetylsalicylsäure abzusetzen. Bei Thrombozytenzahlen unter 50’000 Zellen/µl muss eine Thrombozytentransfusion in Betracht gezogen werden, besonders dann, wenn der Patient blutet und/oder invasive Eingriffe gerade erfolgen oder geplant sind. Fällt die Thrombozytenzahl unter 20’000 Zellen/µl, sind Thrombozyten zu transfundieren. Die Entscheidung, ob eine Thrombozytentransfusion vorgenommen wird, sollte individuell auf Basis einer klinischen Beurteilung erfolgen.

Therapie unkontrollierter Blutungen: Für spezielle Anweisungen wird auf Kap. «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» Abschnitt «Vorsichtsmassnahmen zur Vermeidung von Blutungen: Behandlung von Blutungen aus der Einstichstelle und entstehenden Hämatomen» verwiesen.

Zur Beurteilung eines möglichen Transfusionsbedarfes sollte das intravaskuläre Volumen des Patienten abgeschätzt werden. Ist der Patient hypovolämisch, ist das in­travaskuläre Volumen angemessen mit einer Infusionslösung aufzufüllen. Bei asymptomatischen Patienten ist eine normovolämische Anämie (Hämoglobin 7–10 g/dl) in der Regel zu tolerieren; eine Transfusion ist nicht angezeigt, ausser wenn eine Beeinträchtigung der Vitalzeichen beobachtet wird oder der Patient entsprechende Symptome entwickelt. Bei symptomatischen Patienten (d.h. beim Auftreten von Synkope, Atemnot, orthostatische Hypotonie, Tachykardie) ist das intravaskuläre Volumen mit einer Infusionslösung aufzufüllen. Bei anhaltenden Symptomen sollte der Patient angemessene Transfusionen mit Erythrozytenkonzentrat oder Vollblut erhalten; eine Einheit kann bereits ausreichend sein. Bei der Mehrzahl der Patienten normalisiert sich die Blutungszeit innerhalb von 12 Stunden. Wenn die Blutungszeit weiterhin verlängert bleibt und/oder eine deutliche Hemmung der Plättchenfunktion und/oder wenn eine schnelle Hämostase benötigt wird und/oder in dem Fall, dass die Hämostase nicht adäquat wiederherstellbar ist, sollte in Erwägung gezogen werden, den Rat eines erfahrenen Hämatologen zur Diagnose und Behandlung der Blutungsstörung zu suchen. Wenn eine schnelle Hämostase benötigt wird, können Thrombozytenkonzentrate (mindestens 5,5× 1011 Blutplättchen) gegeben werden. Es kann eine Umverteilung von ReoPro von endogenen Thrombozytenrezeptoren auf transfundierte Thrombozyten stattfinden. Eine einzige Transfusion kann ausreichend sein, um die Rezeptorblockade auf 60% oder 70% zu reduzieren, was für die Wiederherstellung der Thrombozytenfunktion ausreichend ist. Wiederholte Blutplättchen-Transfusionen können notwendig sein, um eine Hämostase aufrecht zu erhalten.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: B01AC13

Wirkungsmechanismus

ReoPro ist das Fab-Fragment des chimären, human-murinen Antikörpers 7E3. Es ist gegen den Glykoprotein-(GP) IIb/IIIa-(αIIbβ3) Rezeptor gerichtet, der sich auf der Oberfläche menschlicher Thrombozyten befindet. ReoPro inhibiert die Thrombozytenaggregation, indem es die Bindung von Fibrinogen, von-Willebrand-Faktor und anderer adhäsiver Moleküle an den GPIIb/IIIa-Rezeptor von aktivierten Thrombozyten verhindert. ReoPro bindet sich ebenso an den Vitronectin (αVβ3) Rezeptor an Blutplättchen und Epithelzellen. Der Vitronectin-Rezeptor vermittelt die koagulatorischen Eigenschaften der Plättchen und die Wachstumseigenschaften der Gefässwandendothel- sowie der glatten Muskelzellen.

Der chimäre 7E3 Antikörper wird durch kontinuierliche Perfusion in einer Kultur von Säugetierzellen erzeugt. Das 47’615 Dalton Fab-Fragment wird mittels einer Reihe von Schritten – einschliesslich eines spezifischen Verfahrens zur Virusinaktivierung und -entfernung, Verdauung mit Papain und Säulenchromatographie – aus dem Überstand der Zellkultur isoliert.

Aufgrund seiner zweiseitigen Wirkung verhindert ReoPro wirksamer den raschen Anstieg der Thrombinbildung, der einer Plättchenaktivierung folgt, als Mittel, die nur GPIIb/IIIa alleine hemmen. Die klinische Relevanz dieser Eigenschaft wurde nicht in kontrollierten klinischen Studien untersucht.

Pharmakodynamik

In einer Phase-I-Studie führte die intravenöse Verabreichung einzelner ReoPro-Bolusdosen von 0,15 mg/kg bis 0,30 mg/kg Körpergewicht zur schnellen, dosisabhängigen Hemmung der Thrombozytenfunktion, wie anhand der ex vivo Thrombozytenaggregation als Reaktion auf Adenosindiphosphat (ADP) oder der Verlängerung der Blutungszeit gemessen wurde.

In den zwei höchsten Dosierungen (0,25 und 0,30 mg/kg Körpergewicht) wurden zwei Stunden nach der Injektion über 80% der GPIIb/IIIa-Rezeptoren blockiert, eine Thrombozytenaggregation nach der Gabe von 20 µmol ADP wurde fast völlig verhindert. Veröffentlichte Studien zeigten, dass dieses Niveau der Thrombozytenhemmung innerhalb von 10 Minuten nach Verabreichung eingetreten war. In der Phase-I-Studie stieg die mediane Blutungszeit auf über 30 min nach beiden Dosen, verglichen mit einem Ausgangswert von etwa 5 min. Der Mindestwert einer 80%igen Rezeptorblockade wurde als Zielgrösse des pharmakologischen Effektes gewählt, da in Tiermodellen mit hochgradiger Koronarstenose gezeigt wurde, dass die Thrombozyteninhibition bei diesem Ausmass der Aggregationshemmung Thrombosen verhindert.

Die intravenöse Gabe einer einzelnen Bolusinjektion von 0,25 mg/kg Körpergewicht, gefolgt von einer kontinuierlichen Infusion von 10 µg/min über einen Zeitraum von 12–96 Stunden rief beim Menschen eine anhaltende, hochgradige Blockade des GPIIb/IIIa-Rezeptors (≥80%) sowie eine Inhibition der Thrombozytenfunktion für die Dauer der Infusion bei 60% bis 87% der Patienten hervor (Thrombozytenaggregation ex vivo nach 20 µmol ADP <20% des Ausgangswertes, und Blutungszeit >30 min). Ähnliche Ergebnisse erhielt man bei Patienten bis 80 kg mit einer gewichtsadaptierten Infusionsdosis (0,125 µg/kg/min maximal 10 µg/min). Die Ergebnisse bei Patienten, die eine Bolusinjektion von 0,25 mg/kg Körpergewicht, gefolgt von einer 24stündigen Infusion von 5 µg/min erhielten, zeigten eine ähnliche initiale Rezeptorblockade und Inhibierung der Thrombozytenaggregation, aber dieser Effekt wurde nicht über die gesamte Infusionszeit aufrechterhalten. Obwohl im Anschluss an die Infusion eine geringgradige Blockade des GPIIb/IIIa Rezeptors mehr als 10 Tage anhält, normalisierte sich die Thrombozytenfunktion üblicherweise wieder innerhalb eines Zeitraumes von 24 bis 48 Stunden. In klinischen Untersuchungen zeigte ReoPro nach Koronarbehandlungen wie Ballon-Angioplastie, Atherektomie und Stent-Plazierung sehr deutlich eine Verringerung der thrombotischen Komplikationen.

Klinische Wirksamkeit

In den EPIC-, EPILOG, EPISTENT- und CAPTURE-Studien wurden diese Wirkungen innerhalb von Stunden nach der Intervention beobachtet und hielten 30 Tage lang an. In der EPIC-Studie, in die Angioplastie-Patienten mit hohem Risiko aufgenommen wurden, und in den zwei Interventionsstudien, in die hauptsächlich Angioplastie-Patienten mit hohem Risiko aufgenommen wurden, d.h. EPILOG (36% geringes Risiko und 64% hohes Risiko) und EPISTENT (27% geringes Risiko und 73% hohes Risiko), wurde die Infusionsdosis für 12 Stunden nach der Intervention fortgesetzt und die Verminderung des kombinierten Endpunkts aus Tod, MI oder wiederholter Intervention wurde über den Follow-up-Zeitraum von 3 Jahren (EPIC) bzw. 1 Jahr (EPILOG) und 1 Jahr (EPISTENT) aufrechterhalten. In der EPIC-Studie beruhte die Verminderung des kombinierten Endpunkts in erster Linie auf der Wirkung auf MI und sowohl Notfall- wie Nicht-Notfall-Revaskularisationen. In den EPILOG und EPISTENT-Studien beruhte die Verminderung des kombinierten Endpunkts primär auf der Wirkung auf Nicht-Q-Wellen-MI (identifiziert durch Erhöhungen kardialer Enzyme) und auf Notfall-Revaskularisationen. Die 1-jährige Follow-up-Periode der randomisierten Patienten der EPISTENT-Studie zeigte in der Gruppe der Patienten, die mit ReoPro und Stent-Platzierung behandelt wurden, eine im Vergleich zu den Patienten, die nur einen Stent erhielten, verminderte Mortalität (8/794 vs. 19/809, p= 0,037) auf.

Bei der CAPTURE-Untersuchung an Patienten mit instabiler Angina, die auf Medikamente nicht ansprachen, wurde ReoPro als Bolus mit nachfolgender Infusion bis zu 24 Stunden vor und bis zu einer Stunde nach dem Eingriff gegeben. Dieses Anwendungsschema zeigte eine Stabilisierung der Patienten vor der Angioplastie, wie zum Beispiel eine Reduktion der Myokardinfarktrate. Diese Verringerung der thrombotischen Komplikationen hielt bis zu 30 Tagen, nicht aber bis zu 6 Monaten, an.

Pharmakokinetik

Im Anschluss an eine intravenöse Bolusinjektion von ReoPro fallen die freien Plasmakonzentrationen sehr schnell ab. Die Halbwertszeit beträgt in der initialen Phase 10 Minuten und in der sekundären Phase etwa 30 Minuten. Der Abfall des Plasmawertes ist wahrscheinlich verbunden mit einer schnellen Bindung an den GPIIb/IIIa-Rezeptor der Blutplättchen. Die Thrombozytenfunktion normali­siert sich innerhalb von 48 Stunden, obwohl ReoPro für 15 Tage oder länger in thrombozytengebundener Form im Blutkreislauf verbleibt.

Die intravenöse Gabe einer Bolusinjektion von 0,25 mg ReoPro/kg Körpergewicht, gefolgt von einer kontinuierlichen Infusion von 10 µg/min (oder eine gewichtsadaptierte Infusion von 0,125 µg/kg/min maximal 10 µg/min) bewirkt eine verhältnismässig konstante freie Plasmakonzentra­tion während der Infusionsdauer. Am Ende der Infusionsperiode fällt die freie Plasmakonzentration schnell über etwa 6 Stunden ab und verringert sich anschliessend in langsamerem Masse.

Präklinische Daten

Zum Arzneimittel liegen keine relevanten präklinischen Daten vor.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Inkompatibilitäten mit intravenösen Infusionslösungen oder häufig verwendeten Herz-Kreislauf-Medikamenten wurden nicht nachgewiesen. Nichtsdestoweniger wird empfohlen, ReoPro wenn immer möglich durch einen eigenen Infusionsschlauch zu verabreichen und nicht mit anderen Arzneimitteln zu mischen.

Inkompatibilitäten mit PVC-Beuteln oder Infusionsgeräten sind nicht beobachtet worden.

Haltbarkeit

Nicht über das aufgedruckte Verfalldatum verwenden.

Die ReoPro-Injektionsflaschen sind zum einmaligen Gebrauch bestimmt. Wenn die Anwendung als intravenöse Infusion vorgesehen ist, soll ReoPro sofort nach dem Verdünnen verabreicht werden.

Besondere Lagerungshinweise

ReoPro bei 2 °C bis 8 °C (im Kühlschrank) lagern. Nicht einfrieren.

Ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Hinweise für die Handhabung

Die Lösung sollte vor der Anwendung auf sichtbare Partikel geprüft werden. Lösungen, die sichtbare, undurchsichtige Partikel enthalten, sollen nicht verwendet werden. Die Flaschen sollen nicht geschüttelt werden.

Wie bei allen parenteral anzuwendenden Produkten, ist bei der Anwendung von ReoPro auf aseptisches Arbeiten zu achten.

Ziehen Sie die für die Bolusinjektion benötigte Menge ReoPro in eine Spritze auf. Filtern Sie den Bolus durch einen sterilen, pyrogenfreien Spritzenaufsatzfilter mit niedriger Proteinbindungs-Kapazität und einer Porenweite von 0,2/0,22 µm oder 5,0 µm. Die Bolusinjektion sollte über einen Zeitraum von einer (1) Minute erfolgen.

Ziehen Sie die für die Infusion benötigte Menge ReoPro in eine Spritze auf. Injizieren Sie die aufgezogene Dosis in ein geeignetes Behältnis mit steriler isotonischer Kochsalzlösung oder 5%iger Glucoselösung und infundieren Sie mittels einer Infusionspumpe kontinuierlich mit der errechneten Infusionsrate. Die Lösung zur kontinuierlichen Infusion sollte filtriert werden, entweder bei der Zubereitung durch einen sterilen, pyrogenfreien Spritzenaufsatzfilter mit niedriger Proteinbindungs-Kapazität und einer Porenweite von 0,2/0,22 µm oder 5,0 µm oder alternativ bei der Anwendung durch einen in der Infusionslinie ange­brachten sterilen, pyrogenfreien Filter mit niedriger Proteinbindungs-Kapazität und einer Porenweite von 0,2/0,22 µm oder 5,0 µm. Unverbrauchte Lösung am Ende der Infusion ist zu verwerfen.

Zulassungsnummer

53018 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Eli Lilly (Suisse) SA, Vernier/Genève.

Stand der Information

Oktober 2013.

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