Varilrix Trockensub C Solv Fertigspr 0.5 Ml

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoffe: OKA-Stamm des Varicella-Zoster-Virus.

Hilfsstoffe:

Pulver: Aminosäuren, Humanalbumin, Lactose, Mannitol, Sorbitol.

Rückstände aus dem Herstellungsprozess: Spuren von Neomycinsulfat.

Lösungsmittel: Aqua ad iniectabilia.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung.

Eine Impfdosis (0,5 ml Impflösung) enthält als Immunogen:

mindestens 103.3 PBE (Plaque-bildende Einheiten) des Varicella-Zoster-Virus, Stamm OKA.

Das Pulver ist hell-cremefarben bis gelblich oder blassrosa. Das Lösungsmittel ist klar und farblos.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Gesunde Personen

Varilrix ist indiziert für die aktive Immunisierung von gesunden Kindern ab dem vollendeten 12. Lebensmonat, Jugendlichen und Erwachsenen gegen Varizellen (Windpocken).

Es liegt im Ermessen des Arztes, Varilrix in speziellen Indikationen/Situationen bereits ab dem vollendeten 9. Lebensmonat anzuwenden, z.B. wenn für das Kind ein hohes Risiko besteht, an einer schweren Varizella zu erkranken, oder wenn es in einem nahen Kontakt zu einem Risikopatienten steht.

Risikopatienten und gesunde Kontaktpersonen

Varilrix ist indiziert für die aktive Immunisierung von Risikopatienten sowie von nicht-immunen Personen, welche in engem Kontakt mit diesen leben.

Patienten mit akuter Leukämie

Patienten mit akuter Leukämie sind bei einer Varizelleninfektion besonders gefährdet und sollten, wenn sie noch nie an Varizellen erkrankt, beziehungsweise seronegativ sind, geimpft werden.

Wenn die Patienten in der akuten Phase der Leukämie immunisiert werden, sollte die Chemotherapie während einer Woche vor und einer Woche nach der Impfung unterbrochen werden. Patienten unter Strahlentherapie sollten normalerweise nicht während der Behandlungsphase geimpft werden.

Patienten werden in der Regel dann geimpft, wenn sie sich in einer kompletten hämatologischen Remission befinden. Es soll geimpft werden, wenn die totale Lymphozytenzahl mindestens 1'200 pro mm3 beträgt oder kein Hinweis für das Fehlen der zellulären Immunkompetenz besteht.

Patienten unter immunsuppressiver Therapie

Für einen schweren Verlauf der Varizelleninfektion besonders empfindlich sind Patienten mit immunsuppressiver Therapie (Kortikosteroid-Therapie eingeschlossen), bei bösartigen Tumoren oder bei schwerwiegenden chronischen Erkrankungen (wie z.B. chronische Niereninsuffizienz, Autoimmunerkrankungen, Kollagenosen, schweres Bronchialasthma).

Es soll geimpft werden, wenn die totale Lymphozytenzahl mindestens 1'200 pro mm3 beträgt oder kein anderer Mangel an zellulärer Immunkompetenz besteht.

Patienten mit geplanter Organtransplantation

Wenn eine Organtransplantation in Betracht gezogen wird (z.B. Nierentransplantation), sollte die Impfung ca. 6–8 Wochen vor der Verabreichung der immunsupprimierenden Therapie durchgeführt werden.

Patienten mit chronischer Erkrankung

Andere chronische Erkrankungen wie Störungen des Metabolismus oder des endokrinen Systems, chronische Lungenerkrankungen und kardiovaskuläre Erkrankungen, Mukoviszidose und neuromuskuläre Anomalien können ebenfalls prädisponierende Faktoren für einen schweren Verlauf einer Varizelleninfektion sein. In solchen Fällen kann die Varizellen-Impfung schwere Komplikationen verhindern.

Gesunde Kontaktpersonen

Empfindliche gesunde Kontaktpersonen sollten geimpft werden, um das Risiko einer Übertragung des Virus auf die Risikopatienten zu reduzieren. Dabei sind die Eltern und Geschwister von Risikopatienten, das medizinische und paramedizinische Personal sowie andere Personen, welche in nahem Kontakt zu Varizellen- oder Risikopatienten stehen, mit eingeschlossen.

Varilrix sollte gemäss den offiziellen Impfempfehlungen angewendet werden.

Dosierung/Anwendung

Eine Impfdosis beträgt 0,5 ml des rekonstituierten Impfstoffes.

Um den optimalen Schutz gegen Varizellen zu gewährleisten, werden für Kinder ab dem vollendeten 9. Lebensmonat, Jugendliche und Erwachsene 2 Impfdosen empfohlen (vgl. «Eigenschaften/Wirkungen»).

Die beiden Dosen sollten vorzugsweise in einem Abstand von 6 Wochen verabreicht werden. Unter keinen Umständen darf der Abstand weniger als 4 Wochen betragen.

Um den Impfschutz zu gewährleisten, muss die ganze empfohlene Dosis verabreicht werden.

Risikopatienten:

Bei Risikopatienten kann eine periodische Bestimmung der Varizellen-Antikörper sinnvoll sein, um denjenigen Patienten, deren Antikörpertiter stark gesunken ist, eine Auffrischimpfung zu verabreichen.

Austauschbarkeit der Impfstoffe

Eine Impfdosis Varilrix kann an Impflinge verabreicht werden, die bereits vorgängig eine Einzeldosis eines anderen Varizellen-Impfstoffes erhalten haben und umgekehrt.

Anwendung

Varilrix wird subkutan injiziert. Die bevorzugte Injektionsstelle ist die Deltoid-Region des Oberarms.

Kontraindikationen

Varilrix ist kontraindiziert bei:

  • Personen mit primären oder erworbenen Immunschwächezuständen mit einer totalen Lymphozytenzahl von weniger als 1'200 pro mm3, oder
  • Personen mit anderen Symptomen einer zellulären Immuninkompetenz, beispielsweise bei Personen mit Leukämien, Lymphomen, Blutdyskrasie, klinischer Manifestation einer HIV-Infektion, oder
  • Personen, die eine immunsuppressive Therapie erhalten, einschliesslich Kortikosteroide in hoher Dosierung (siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Varilrix ist kontraindiziert bei Patienten mit einer bekannten Überempfindlichkeit gegenüber Neomycin oder einem der sonstigen Bestandteile des Impfstoffs. Die positive Anamnese einer Kontaktdermatitis, welche auf Neomycin zurückzuführen ist, stellt hingegen keine Kontraindikation dar.

Varilrix ist kontraindiziert bei Personen, die nach früherer Verabreichung eines Varizellen-Impfstoffs Zeichen einer Überempfindlichkeit zeigten.

Varilrix ist bei schwangeren Frauen kontraindiziert. Drei Monate nach der Impfung sollte eine Schwangerschaft sicher vermieden werden (siehe «Schwangerschaft/Stillzeit»).

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Varilrix soll nicht intradermal und darf unter keinen Umständen intravasal injiziert werden!

Vor der Impfung von Frauen im gebärfähigen Alter muss eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Nach der Impfung muss über einen Zeitraum von 3 Monaten sicher verhütet werden (siehe «Schwangerschaft/Stillzeit»).

Wie auch bei anderen Impfstoffen sollte die Verabreichung von Varilrix an Personen mit akuter Erkrankung, die von hohem Fieber begleitet ist, auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Bei gesunden Personen stellt eine leichte Infektion hingegen keine Kontraindikation dar.

Besonders bei Jugendlichen kann es als psychogene Reaktion auf die Nadelinjektion nach oder sogar vor einer Impfung zu einer Synkope (Ohnmacht) kommen. Diese kann während der Erholungsphase von verschiedenen neurologischen Symptomen wie vorübergehende Sehstörung, Parästhesie und tonisch-klonische Bewegungen der Gliedmassen begleitet sein. Es ist wichtig, Massnahmen zu ergreifen, um Verletzungen durch die Ohnmacht zu verhindern.

Wie generell bei der Verabreichung von injizierbaren Impfstoffen ist es ratsam, für den seltenen Fall einer anaphylaktischen Reaktion eine angemessene medizinische Behandlung bereitzuhalten (z.B. Adrenalin-Lösung 1/1'000).

Alkohol oder andere Desinfektionsmittel müssen vollständig von der Hautoberfläche verdunstet sein, ehe der Impfstoff injiziert wird, da diese Mittel die attenuierten Viren im Impfstoff inaktivieren können.

Varizellenerkrankungen können auch bei Personen auftreten, die vorher mit einem Varizellen-Lebendimpfstoff geimpft worden sind. Diese sogenannten Durchbruchserkrankungen verliefen jedoch meist leicht. Im Vergleich zu ungeimpften Personen trat Fieber seltener auf, die Hauterscheinungen waren in Anzahl und Ausmass weniger ausgeprägt.

Es wurde gezeigt, dass es bei geimpften Personen, die einen Hautausschlag entwickeln, in sehr seltenen Fällen zu einer Übertragung des OKA-Impfvirus auf seronegative Kontaktpersonen kommt. In diesen Fällen war der Krankheitsverlauf bei der Kontaktperson leicht. Es wurde ebenfalls gezeigt, dass das OKA-Impfvirus auch von einer geimpften Person, die keinen Hautausschlag entwickelt, auf seronegative Kontaktpersonen übertragen werden kann.

Im Gegensatz zu gesunden Geimpften kommt es bei Leukämiepatienten häufiger zum Auftreten eines papulo-vesikulären Exanthems (siehe «Unerwünschte Wirkungen»), eine Übertragung auf empfängliche Risikopatienten ist möglich. Auch in diesen Fällen war der Verlauf der Erkrankung bei den Kontaktpersonen leicht.

Immungeschwächte Personen, bei denen keine Kontraindikation für die Impfung vorliegt (siehe «Kontraindikationen»), sprechen unter Umständen nicht so gut an wie immunkompetente Personen; solche Personen können daher trotz ordnungsgemässer Impfung an Varizellen erkranken.

Sehr wenige Berichte liegen vor über disseminierte Varizellenerkrankungen mit Beteiligung innerer Organe nach Impfung mit dem OKA-Impfstamm; diese betrafen insbesondere, aber nicht nur, immungeschwächte Personen. In Einzelfällen wurden auch fatale Verläufe trotz Therapie mit Aciclovir berichtet.

Das Auftreten eines Herpes zoster, eine bekannte Späterscheinung nach natürlicher Varizellen-Infektion, kann auch nach der Impfung nicht ausgeschlossen werden (siehe «Unerwünschte Wirkungen»).

Langzeitdaten zur Inzidenz des Herpes zosters über mehrere Jahrzehnte liegen noch nicht vor, so dass die Häufigkeit von Herpes zoster nach Impfung im Vergleich zur natürlichen Infektion noch nicht beurteilt werden kann.

Wie bei jedem Impfstoff kann es sein, dass nicht bei allen Geimpften eine schützende Immunantwort aufgebaut wird.

Interaktionen

Ein eventuell erforderlicher Tuberkulintest muss entweder vor oder gleichzeitig mit der Impfung vorgenommen werden, da berichtet wurde, dass Lebendimpfstoffe die Tuberkulinempfindlichkeit der Haut zeitweise herabsetzen können. Da diese verminderte Reaktion bis zu maximal 6 Wochen anhalten kann, sollte zur Vermeidung falsch negativer Ergebnisse ein Tuberkulintest nicht innerhalb dieses Zeitraumes nach der Impfung durchgeführt werden. Die Verwendung alternativer und exakterer Methoden (z.B. Zytokin basiert) zum Tuberkulose Nachweis sollte überlegt werden.

Patienten, welche Immunglobuline oder Bluttransfusionen erhalten haben, sollte die Impfung frühestens nach drei Monaten verabreicht werden, da durch zugeführte Antikörper eine Immunisierung möglicherweise ausbleibt.

Die Einnahme von Salicylaten sollte während 6 Wochen nach der Varizellen-Impfung vermieden werden, da über Reye-Syndrome nach dem Gebrauch von Salicylaten während einer natürlichen Varizellen-Infektion berichtet wurde.

Gesunde Personen

Varilrix kann gleichzeitig mit anderen Impfstoffen verabreicht werden. Verschiedene Impfstoffe sollten immer an unterschiedlichen Injektionsstellen appliziert werden. Inaktivierte Impfstoffe können unabhängig vom Zeitpunkt der Varizellen-Impfung appliziert werden.

Falls ein Masernimpfstoff nicht zur gleichen Zeit wie Varilrix gegeben wird, muss ein Intervall von mindestens einem Monat zwischen den beiden Impfungen eingehalten werden, da die Masernimpfung zu einer kurzdauernden Unterdrückung der zellulären Immunantwort führen kann.

Risikopatienten

Varilrix sollte nicht gleichzeitig mit anderen abgeschwächten Lebendimpfstoffen verabreicht werden. Inaktivierte Impfstoffe können unter der Voraussetzung, dass keine spezifischen Kontraindikationen bestehen, unabhängig vom Zeitpunkt der Varizellen-Impfung appliziert werden.

Verschiedene Impfstoffe sollten immer an unterschiedlichen Injektionsstellen appliziert werden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Adäquate Daten zur Anwendung von Varilrix während der Schwangerschaft beim Menschen liegen nicht vor. Tierexperimentelle Studien zur Reproduktionstoxizität wurden nicht durchgeführt.

Schwangere dürfen nicht mit Varilrix geimpft werden. Vor der Impfung von Frauen im gebärfähigen Alter muss eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Nach der Impfung mit Varilrix muss über einen Zeitraum von 3 Monaten sicher verhütet werden.

Stillzeit

Studien mit Daten über die Anwendung bei stillenden Müttern liegen nicht vor. Übertragungen des OKA Stammes von geimpften Müttern im Wochenbett auf das Neugeborene wurden in Einzelfällen publiziert (siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es liegen keine Studien mit Varilrix vor, die den Einfluss von Varilrix bezüglich Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen untersucht haben. Nebenwirkungen wie Fieber, Kopfschmerzen oder Müdigkeit können einen negativen Einfluss bezüglich Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen haben (siehe auch «Unerwünschte Wirkungen»).

Unerwünschte Wirkungen

Daten aus klinischen Studien

Gesunde Personen

Mehr als 7'900 Personen haben an den klinischen Studien zur Evaluierung des Reaktogenitätsprofils des Impfstoffs bei alleiniger Gabe oder gemeinsamer Verabreichung mit anderen Impfstoffen teilgenommen.

Das nachfolgend dargestellte Sicherheitsprofil stützt sich auf die Erfahrungen mit der Verabreichung von insgesamt 5'369 Dosen Varilrix als Monotherapie bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

Häufigkeiten sind aufgeführt als: «sehr häufig» (≥1/10), «häufig» (<1/10, ≥1/100), «gelegentlich» (<1/100, ≥1/1000), «selten» (<1/1000, ≥1/10'000), «sehr selten» (<1/10'000).

Infektionen und parasitäre Erkrankungen

Gelegentlich: Infektion der oberen Atemwege, Pharyngitis.

Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems

Gelegentlich: Lymphadenopathie.

Psychiatrische Erkrankungen

Gelegentlich: Reizbarkeit.

Erkrankungen des Nervensystems

Gelegentlich: Kopfschmerz, Somnolenz.

Augenerkrankungen

Selten: Konjunktivitis.

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums

Gelegentlich: Husten, Rhinitis.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Gelegentlich: Übelkeit, Erbrechen.

Selten: Bauchschmerzen, Durchfall.

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Häufig: Hautausschlag.

Gelegentlich: Hautausschlag wie bei Varizelleninfektion, Juckreiz.

Selten: Urtikaria.

Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen

Gelegentlich: Arthralgie, Myalgie.

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Sehr häufig: Schmerz, Rötung (17,0% bei Kindern und 19,9% bei Jugendlichen und Erwachsenen), Fieber (10,1%) (Oral-/Achseltemperatur ≥37,5 °C oder Rektaltemperatur ≥38,0 °C)*.

Häufig: Schwellung an der Injektionsstelle*.

Gelegentlich: Fieber (Oral-/Achseltemperatur >39,0 °C oder Rektaltemperatur >39,5 °C), Müdigkeit, Unwohlsein.

Es wurde ein Trend zu einer erhöhten Inzidenz an Schmerzen, Rötung und Schwellung nach der zweiten Impfdosis beobachtet verglichen mit der ersten Dosis.

* Schwellung an der Injektionsstelle und Fieber wurden in Studien mit Jugendlichen und Erwachsenen sehr häufig gemeldet. Schwellungen wurden ebenfalls sehr häufig nach der zweiten Dosis bei Kindern unter 13 Jahren beobachtet.

Bezüglich Reaktogenität zwischen vorgängig seropositiven und seronegativen Personen wurde kein Unterschied festgestellt.

Risikopatienten

Aus klinischen Studien in Patienten mit hohem Risiko, an schwerwiegender Varicella zu erkranken, sind nur limitierte Daten verfügbar. Impfstoff-bezogene Reaktionen, vorwiegend papulo-vesikuläre Hauteruptionen und Fieber, sind gewöhnlich mild. Im Gegensatz zu gesunden Geimpften kommt es bei Leukämiepatienten häufiger zum Auftreten eines papulo-vesikulären Exanthems. Diese Varizellen-ähnlichen Symptome wurden bei ca. einem Viertel der Leukämiepatienten beobachtet. Wie bei gesunden Personen sind Rötung, Schwellung und Schmerz an der Injektionsstelle mild und vorübergehend.

Post-Marketing-Daten

Nach der Markteinführung wurde über folgende zusätzliche Reaktionen nach einer Varizellen-Impfung berichtet:

Infektionen und parasitäre Erkrankungen

Selten: Herpes zoster.

Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems

Selten: Thrombozytopenie.

Erkrankungen des Immunsystems

Selten: Überempfindlichkeit, anaphylaktische Reaktionen.

Erkrankungen des Nervensystems

Selten: Enzephalitis, Schlaganfall (in Einzelfällen mit Impfvirusnachweis im betroffenen Gefäss), Zerebellitis, Zerebellitis-ähnliche Symptome (einschliesslich vorübergehende Gangstörung und vorübergehende Ataxie), Konvulsionen.

Gefässerkrankungen

Selten: Vaskulitis (einschliesslich Purpura Schönlein-Henoch und Kawasaki-Syndrom).

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Selten: Erythema exsudativum multiforme.

Bei unbeabsichtigter intravasaler Gabe können schwere Reaktionen bis zum Schock auftreten. Sofortmassnahmen in Abhängigkeit vom Schweregrad, siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen».

Überdosierung

Es sind Fälle mit einer unbeabsichtigten Verabreichung einer grösseren als der empfohlenen Dosis Varilrix gemeldet worden. Im Rahmen dieser Fälle wurden die folgenden unerwünschten Wirkungen gemeldet: Lethargie und Konvulsionen. Keiner der anderen Überdosis-Meldefälle war mit unerwünschten Wirkungen verbunden.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: J07BK01

Varilrix ist ein Lyophilisat des abgeschwächten Varicella-zoster-Virus, Stamm OKA, hergestellt durch Vermehrung des Virus auf humanen, diploiden Zellkulturen (MRC-5). Varilrix erfüllt die Anforderungen der WHO für biologische Substanzen und für Varizellen-Impfstoffe. Varilrix ist als hell-cremefarbenes bis gelbliches oder pinkfarbenes Pulver in einer Glasampulle (Einzeldosis) erhältlich. Das sterile Lösungsmittel in der Fertigspritze ist klar und farblos. Stechampullen und Fertigspritzen bestehen aus neutralem Glas vom Typ I, das der Ph.Eur. entspricht.

Varilrix produziert eine abgeschwächte, klinisch inapparente Varizellen-Infektion in empfänglichen Personen.

Eine gewisse Schutzwirkung kann bei Patienten, die innerhalb von 72 Stunden nach dem Kontakt mit dem natürlichen Varizellenvirus den Impfstoff erhalten, erreicht werden.

Nachweisbare Antikörper bestätigen den Impfschutz gegen Varizellen.

Klinische Wirksamkeit

Die Wirksamkeit der OKA-RIT-Varizellenimpfstoffe von GlaxoSmithKline (1 Dosis Varilrix N=2'263 bzw. 2 Dosen tetravalenter Masern-Mumps-Röteln-Varizellenimpfstoff Priorix-Tetra im Abstand von 42 Tagen N=2'279) wurde in der grossen Wirksamkeitsstudie OKA-H-179 im Vergleich zu 2 Dosen Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff ohne Varizellenkomponente im Abstand von 42 Tagen (N=743) untersucht. Dabei wurden verschiedene Wirksamkeitskriterien zur Diagnose einer manifesten Varizelleninfektion verwendet. Es fand zuerst eine Beurteilung der aufgetretenen klinisch vermuteten Varizelleninfektionen durch den Prüfarzt statt. Vermutete Varizellenfälle wurden dann durch ein Expertenpanel weiter beurteilt. Ausserdem wurde ein direkter Virusnachweis durch PCR (Polymerasekettenreaktion) durchgeführt und es fand eine anamnestische Abklärung einer möglichen Windpockenexposition statt.

Bei der ersten Analyse (bestätigte Varizellenfälle) war ein definitiver Virusnachweis in der PCR und/oder eine sichere Exposition gegenüber Varizellen Bedingung für die Beurteilung des Impferfolgs gegen Varizellenerkrankungen aller Schweregrade und gegen mässiggradige bis schwere Varizellenerkrankungen. In einer zweiten weniger strengen Analyse (klinische Varizellenfälle) wurden für die Beurteilung des Impferfolgs alle bestätigten Varizellenfälle aber auch alle Varizellenfälle, die vom Expertenpanel identifiziert wurden, unabhängig von einer Bestätigung durch PCR oder Expositionsanamnese, berücksichtigt.

Die folgende Tabelle zeigt die Ergebnisse.

Anteil der Probanden mit einer bestätigten Varizellenerkrankung und Wirksamkeit des Impfstoffs in der ATP-Kohorte der Studie OKA-H-179

Wirksamkeit des Impfstoffes (%) gegen Varizellenerkrankungen aller Schweregrade

Gruppe

N

n

%

97,5% KI

p-Wert

MMRV(2 Dosen)

2'279

37

94,943

92,446-96,615

<0,0001

OKAH (V)(1 Dosis)

2'263

243

65,428

57,182-72,086

0,1265

MMR(2 Dosen)

743

201

-

-

-

Wirksamkeit des Impfstoffes (%) gegen mässiggradige bis schwere Varizellenerkrankungen

Gruppe

N

n

%

97,5% KI

p-Wert

MMRV(2 Dosen)

2'279

2

99,498

97,522-99,898

<0,0001

OKAH (V)(1 Dosis)

2'263

37

90,741

85,866-93,934

<0,0001

MMR(2 Dosen)

743

117

-

-

-

Anteil der Probanden mit einer klinischen Varizellenerkrankung und Wirksamkeit des Impfstoffs in der ATP-Kohorte der Studie OKA-H-179

Wirksamkeit des Impfstoffes (%) gegen Varizellenerkrankungen aller Schweregrade

Gruppe

N

n

%

95% KI

MMRV(2 Dosen)

2'279

57

92,487

89,927-94,396

OKAH (V)(1 Dosis)

2'263

260

64,585

57,503-70,486

MMR(2 Dosen)

743

209

-

-

Wirksamkeit des Impfstoffes (%) gegen mässiggradige bis schwere Varizellenerkrankungen

Gruppe

N

n

%

95% KI

MMRV(2 Dosen)

2'279

3

99,262

94,679-99,765

OKAH (V)(1 Dosis)

2'263

40

90,155

85,912-93,120

MMR(2 Dosen)

743

119

-

-

In einer früheren Wirksamkeitsstudie über ca. 2,5 Jahre bei 10-30 Monate alten Kleinkindern betrug die Schutzwirkung nach einer Dosis Varilrix 100% gegen klinisch manifeste Varizellen (mehr als 30 Vesikel). Die Schutzwirkung gegen jegliche Art von serologisch bestätigten Varizellen (inkl. leichte Fälle mit wenigstens einem Vesikel oder einem Bläschen) betrug 88% (95% KI: 71,0-95,2%). Alle Fälle verliefen mild mit einer mittleren Vesikelzahl von 1. Über Fieber wurde nicht berichtet.

Die Effektivität einer Dosis Varilrix bzw. 2 Dosen MMR-Varizellen Kombinationsimpfstoff wurde in verschiedenen Zusammenhängen beurteilt (Durchbrüche, Case-Control-Studien und Studien anhand von Datenbanken) und lag bei 20%-92% gegen Varizellenerkrankungen aller Art und bei 86%-100% gegen mässiggradige oder schwere Erkrankungen.

In einer in Uruguay durchgeführten Studie betrug die Abnahme der Spitalaufenthalte bzw. der ambulanten Arztbesuche bei Kindern nach der Verabreichung einer Dosis Varilrix insgesamt 81% bzw. 87%.

Die Wirksamkeitsdaten deuten auf eine höhere Schutzwirkung und eine geringere Häufigkeit von Varizellendurchbrüchen nach 2 Impfdosen hin als nach einer einzigen Impfdosis.

Immunantwort

Gesunde Personen

Bei Kindern von 11 bis 21 Monaten betrug die Serokonversionsrate gemessen mit ELISA (50 mIU/ml) 6 Wochen nach der ersten Impfung 89,6% und 6 Wochen nach der zweiten Impfung 100%.

In der gross angelegten Wirksamkeitsstudie OKA-H-179 betrug die Serokonversionsrate bei Kindern im Alter von 12 bis 22 Monaten 79,2% 6 Wochen nach einer Dosis Varilrix und 99,6% 6 Wochen nach zwei Dosen Priorix-Tetra (mit ELISA-Test bestimmt, Cut-Off-Wert von 50 mI.E./ml). Die folgende Tabelle zeigt die detaillierten Daten:

Gruppe

Zeitpunkt

N

SC (%)VaricellaELISACut-off: 25 mI.E./ml

SC (%)VaricellaELISACut-off: 50 mI.E./ml

GMC

MMRV(2 Dosen)

Tag 42 (nach einer Dosis)

675

95,7

84,3

112,2

Tag 84 (nach 2 Dosen)

2'215

99,8

99,6

1'839,0

Jahr 1

2'044

99,5

97,6

364,7

Jahr 2

1'907

99,4

96,1

414,3

OKAH*(1 Dosis)

Tag 42

682

1,8

1,5

13,1

Tag 84

2'210

95,0

79,2

97,2

Jahr 1

2'031

95,9

82,7

145,1

Jahr 2

1'895

92,7

78,2

169,1

* Tag 42: 1 MMR-Dosis, Tag 84: 1 Varizellenimpfstoff-Dosis

Bei Kindern im Alter von 9 Monaten bis 12 Jahren betrug 6 Wochen nach der ersten Impfung die durchschnittliche Serokonversionsrate, gemessen im Immunofluoreszenz Assay (IFA), mehr als 98%. Bei Kindern, die im Alter von 12-15 Monaten geimpft wurden, persistierten die Antikörper während mindestens 7 Jahren.

Die Serokonversionsrate gemessen mit IFA bei Jugendlichen von 13 Jahren und darüber betrug 6 Wochen nach der 2. Dosis 100%. Ein Jahr nach der Impfung waren alle getesteten Jugendlichen noch seropositiv.

Es existieren ungenügende Daten, um die Schutzrate gegen Komplikationen von Varizellen wie Enzephalitis, Hepatitis oder Pneumonie bestimmen zu können.

Risikopatienten

Bei Risikopatienten wurde eine durchschnittliche Serokonversionsrate von 80% erreicht, wobei diese bei Leukämiepatienten etwa 90% betrug. Nach der Immunisierung können periodische Messungen der Varizellen-Antikörper angezeigt sein, um diejenigen Patienten zu erkennen, die von einer erneuten Immunisierung profitieren können.

In einer Studie war die Inzidenz von Herpes zoster bei immunsupprimierten Leukämiepatienten tiefer als bei natürlich infizierten Leukämiepatienten.

Bei stark immunsupprimierten Patienten sind nach der Impfung mit Varilrix klinisch bedeutsame Varizellen-Infektionen aufgetreten und es konnten Impfstoffviren aus den Bläschen isoliert werden.

Pharmakokinetik

Die Evaluierung der pharmakokinetischen Parameter wird nicht verlangt für Impfstoffe.

Präklinische Daten

Nicht zutreffend.

Sonstige Hinweise

a) Inkompatibilitäten

Varilrix darf nicht mit anderen Impfstoffen in der gleichen Spritze gemischt werden.

b) Haltbarkeit und spezielle Vorsichtsmassnahmen

Varilrix darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Im Kühlschrank (+2 °C-+8 °C), vor Licht geschützt in der Originalpackung und ausser Reichweite von Kindern aufbewahren. Kühlkettenpflichtig.

Die Wirksamkeit von Varilrix (Pulver) wird durch Gefrieren nicht beeinflusst.

c) Hinweise für die Rekonstitution des Impfstoffes mit dem in der Fertigspritze befindlichen Lösungsmittel

Varilrix wird rekonstituiert, indem der gesamte Inhalt der Fertigspritze (Lösungsmittel) in die Durchstechflasche mit der Trockensubstanz gegeben wird.

Für das Befestigen der Nadel an der Spritze bitte die Abbildung unten beachten. Allerdings kann sich die mit Varilrix mitgelieferte Spritze leicht von der in der Abbildung gezeigten Spritze unterscheiden.

21310.png21312.png

  1. Halten Sie den Spritzenkörper in der einen Hand (nicht am Spritzenkolben festhalten) und drehen Sie die Spritzenkappe gegen den Uhrzeigersinn ab.
  2. Um die Nadel an der Spritze zu befestigen, drehen Sie die Nadel im Uhrzeigersinn bis zum Anschlag in die Spritze hinein (siehe Abbildung).
  3. Entfernen Sie den Nadelschutz, der gelegentlich etwas fest sitzen kann.
  4. Fügen Sie das Lösungsmittel der Trockensubstanz zu. Nach der Zugabe des Lösungsmittels muss die Mischung gut geschüttelt werden, bis sich das Pulver vollständig gelöst hat.
  5. Das Gesamtvolumen des nun gebrauchsfertigen Impfstoffes wird wieder in die Spritze aufgezogen.

Zur Verabreichung des Impfstoffs soll eine neue Nadel verwendet werden.

Der gelöste Impfstoff wird subkutan injiziert. Als bevorzugte Injektionsstelle hat sich der Oberarm erwiesen (Deltoideus-Region).

Aufgrund von kleinen Unterschieden im pH-Wert kann die Farbe des rekonstituierten Impfstoffes von klar-pfirsichfarben bis pinkfarben variieren.

Der gelöste Impfstoff muss vor der Applikation auf fremde Partikel oder ungewöhnliche Veränderungen kontrolliert werden. Falls solche erkannt werden, ist der Impfstoff zu verwerfen.

Es wird empfohlen, den Impfstoff nach der Rekonstitution möglichst schnell für die Injektion zu verwenden. Allerdings konnte nachgewiesen werden, dass der rekonstituierte Impfstoff für bis zu 90 Minuten bei Raumtemperatur (25 °C) und bis zu 8 Stunden im Kühlschrank (2 °C-8 °C) aufbewahrt werden kann. Bei Überschreitung dieser Fristen darf der rekonstituierte Impfstoff nicht mehr verwendet werden.

Alkohol und andere Desinfektionsmittel müssen vor der Injektion vollständig von der Haut verdunstet sein, da sie das Virus inaktivieren können.

Nicht verwendeter Impfstoff und Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu entsorgen.

Zulassungsnummer

00585 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

GlaxoSmithKline AG, 3053 Münchenbuchsee.

Stand der Information

Juli 2015.

Verwendung dieser Informationen

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