Norprolac Tabl 25mcg/50mcg 3 + 3

Norprolac Tabl 25mcg/50mcg 3 + 3

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Quinagolidum (ut Quinagolidi hydrochloridum).

Hilfsstoffe:

Tabletten zu 25 µg, 75 µg und 150 µg: Lactosum monohydricum, Excipiens pro compresso.

Tabletten zu 50 µg: Color. E 132, Lactosum monohydricum, Excipiens pro compresso.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Tabletten zu 25 µg, 50 µg, 75 µg und 150 µg.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Hyperprolaktinämie (idiopathisch oder durch ein prolaktinsezernierendes Mikro- oder Makroadenom der Hypophyse verursacht).

Dosierung/Anwendung

Da die dopaminerge Stimulierung Symptome einer orthostatischen Hypotonie hervorrufen kann, ist die Dosierung von Norprolac unter Verwendung der Starter-Packung schrittweise zu erhöhen und das Produkt beim Schlafengehen zu verabreichen.

Die optimale Dosis ist auf der Basis der prolaktinsenkenden Wirkung und der Verträglichkeit individuell zu bestimmen.

Die Behandlung beginnt mit der Starter-Packung mit 25 µg/Tag während der ersten 3 Tage, gefolgt von 50 µg/Tag während weiterer 3 Tage. Vom 7. Tag an beträgt die empfohlene Dosis 75 µg/ Tag. Nötigenfalls kann die Tagesdosis dann schrittweise angehoben werden, bis die für den Einzelfall optimale Wirkung erreicht ist.

Die übliche Erhaltungsdosis beträgt 75 oder 150 µg/ Tag. Tagesdosen von 300 µg oder höhere Dosen sind bei weniger als einem Drittel der Patienten erforderlich. In solchen Fällen kann die Tagesdosis in Abständen von mindestens 4 Wochen in Schritten von 75-150 µg angehoben werden, bis eine ausreichende therapeutische Wirkung erreicht ist oder bis sich eine Verschlechterung der Verträglichkeit einstellt, die ein Abbrechen der Behandlung erfordert.

Mit Parlodel vorbehandelte Patienten: Für Patienten, die vor der Verabreichung von Norprolac mit Parlodel behandelt wurden, soll die initiale langsame Dosiserhöhung mit Hilfe der Starter-Packung unmittelbar nach dem Absetzen von Parlodel eingeleitet werden, ohne dass zwischen den beiden Behandlungen eine Pause eingelegt wird. Im weiteren Verlauf gelten die gleichen Dosierungsrichtlinien wie oben beschrieben.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Patienten mit Nieren- oder Leberinsuffizienz: Für diese Patientengruppen liegen keine Daten vor; siehe «Kontraindikationen».

Ältere Patienten: Erfahrungen mit der Anwendung von Norprolac bei Patienten ≥65 Jahre liegen nicht vor.

Pädiatrie: Erfahrungen mit der Anwendung von Norprolac bei Kindern und Jugendlichen liegen nicht vor.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe.

Leber- oder Nierenfunktionsstörungen.

Für das Vorgehen im Falle einer Schwangerschaft, siehe «Schwangerschaft/Stillzeit».

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Durch die Behandlung mit Norprolac kann sich die Fertilität wieder einstellen. Frauen im gebärfähigen Alter, die keine Schwangerschaft wünschen, sollte empfohlen werden, eine zuverlässige Kontrazeptionsmethode anzuwenden.

Während der ersten Behandlungstage und nach einer Dosiserhöhung sollte der Blutdruck in liegender und stehender Stellung überwacht werden.

In seltenen Fällen wurde die Behandlung mit Norprolac auch bei Patienten ohne vorhergehende Episoden psychischer Affektionen mit dem Auftreten einer akuten Psychose in Verbindung gebracht, die im allgemeinen nach Absetzen der Behandlung wieder verschwand. Bei Patienten mit psychotischen Erkrankungen in der Anamnese ist besondere Vorsicht geboten.

Unter Behandlung mit Dopamin-Agonisten wie Quinagolid wurde über Impulskontrollstörungen berichtet wie pathologischer Spielsucht, Libidosteigerung, Hypersexualität, zwanghaftes Geldausgeben oder Einkaufen, Essattacken und Esszwang. Patienten und Betreuungspersonen sollten auf das mögliche Auftreten solcher Symptome aufmerksam gemacht und die Patienten regelmässig hinsichtlich der Entwicklung solcher Störungen überwacht werden. Wenn sich entsprechende Symptome entwickeln, sollte eine Dosisreduktion bzw. ein Ausschleichen der Behandlung in Erwägung gezogen werden.

Norprolac wurde mit Schläfrigkeit in Verbindung gebracht. Bei Patienten, bei welchen unter Norprolac Schläfrigkeit aufgetreten ist, muss eine Dosisreduktion oder ein Abbruch der Behandlung in Betracht gezogen werden.

Norprolac Tabletten enthalten Laktose. Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-Intoleranz, Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten Norprolac nicht einnehmen.

Interaktionen

Interaktionsstuden mit Quinagolid wurden nicht durchgeführt; bisher wurden jedoch keine Interaktionen zwischen Norprolac und anderen Substanzen beobachtet. Theoretisch könnte eine Verminderung der prolaktinsenkenden Wirkung erwartet werden, wenn gleichzeitig Arzneimittel mit starken dopaminantagonistischen Eigenschaften (z.B. Neuroleptika) verwendet werden. Da die Wirkung von Norprolac auf die Rezeptoren 5-HT1 und 5-HT2 100mal geringer ist als diejenige auf die D2 -Rezeptoren, ist eine Interaktion zwischen Norprolac und den 5-HT1a -Rezeptoren wenig wahrscheinlich. Dennoch ist im Falle einer gleichzeitigen Verabreichung solcher Arzneimittel Vorsicht geboten. Über eine mögliche Interaktion mit Erythromycin liegen keine Daten vor.

Die Einnahme von Alkohol kann die Verträglichkeit von Norprolac verschlechtern.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Tierversuche lieferten keine Hinweise auf embryotoxische oder teratogene Wirkungen von Norprolac. Erfahrungen bei schwangeren Frauen sind beschränkt. Bei Frauen, die schwanger werden möchten, sollte Norprolac abgesetzt werden, sobald eine Schwangerschaft festgestellt wird, sofern nicht ein medizinischer Grund für die Fortsetzung der Behandlung vorliegt. Es wurde keine vermehrte Aborthäufigkeit nach Absetzen des Mittels zu diesem Zeitpunkt beobachtet.

Wenn eine Schwangerschaft in Gegenwart eines Hypophysenadenoms eintritt und die Behandlung mit Norprolac abgebrochen wurde, ist eine sorgfältige Überwachung während der ganzen Schwangerschaft unerlässlich.

Stillzeit

In der Regel ist das Stillen unter Norprolac nicht möglich, da das Präparat die Laktation unterdrückt. Sollte die Laktation während der Behandlung dennoch anhalten, wird vom Stillen abgeraten, da nicht bekannt ist, ob Quinagolid in die Muttermilch übertritt.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Norprolac wurde mit Schläfrigkeit in Verbindung gebracht. Andere Dopaminagonisten können zu plötzlichen Schlaffattacken führen, insbesondere bei Patienten, die unter einem Parkinson-Syndrom leiden.

Die Patienten müssen darüber informiert werden, dass vor allem in den ersten Behandlungstagen hypotone Beschwerden auftreten können, welche die Aufmerksamkeit einschränken. Die Patienten sollten daher beim Lenken von Fahrzeugen und Bedienen von Maschinen vorsichtig sein. Sie sollten davor gewarnt werden, dass ihre Sicherheit und die anderer Personen gefährdet ist, wenn Schläfrigkeit während des Führens von Fahrzeugen oder der Bedienung von Maschinen auftritt. Den Patienten ist von solchen Aktivitäten abzuraten, falls sie unter Schläfrigkeit leiden und bis ausreichend Erfahrungen über die Beeinträchtigung vorliegen.

Unerwünschte Wirkungen

Bei der Anwendung von Norprolac ist mit den für Dopaminagonisten typischen unerwünschten Wirkungen zu rechnen. Sie erfordern in der Regel keinen Abbruch der Behandlung und verschwinden normalerweise, wenn die Behandlung fortgesetzt wird.

Klassifizierung nach Organsystemen nach MedDRA.

Häufigkeiten: sehr häufig (>10%), häufig (>1%, ≤10%); gelegentlich (>0,1%, ≤1%), selten (>0,01%, ≤0,1%), sehr selten (≤0,01%), nicht bekannt (basierend überwiegend auf Spontanmeldungen aus der Marktüberwachung, genaue Häufigkeit kann nicht angegeben werden).

Stoffwechsel und Ernährungsstörungen

Häufig: Anorexie.

Psychiatrische Störungen

Selten: Reversible akute Psychose.

Nicht bekannt: Impulskontrollstörungen (wie z.B. Spielsucht, siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Störungen des Nervensystems

Sehr häufig: Kopfschmerzen (24.6%), Schwindel (16.9%).

Häufig: Schlaflosigkeit.

Selten: Schläfrigkeit.

Funktionsstörungen der Gefässe

Häufig: Orthostatische Hypotension.

Selten: Synkopen.

Erkrankungen der Atemwege

Häufig: Verstopfte Nase.

Gastrointestinale Störungen

Sehr häufig: Übelkeit (37.9%), Erbrechen (12.4%).

Häufig: Abdominalschmerzen, Obstipation, Diarrhoe.

Muskelskelettsystem

Häufig: Muskuläre Schwäche.

Allgemeine Störungen

Sehr häufig: Müdigkeit (12.2%).

Das Risiko von Überempfindlichkeitsreaktionen kann nicht ausgeschlossen werden.

Überdosierung

Es sind keine Fälle von akuter Überdosierung mit Norprolac-Tabletten bekannt. Sie würde vermutlich schwere Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit, Hypotonie und möglicherweise einen Kollaps verursachen. Halluzinationen könnten ebenfalls auftreten.

Die Behandlung wäre symptomatisch.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: G02CB04

Wirkungsmechanismus

Quinagolid, der Wirkstoff von Norprolac, ist ein selektiver Dopamin-D2-Rezeptoragonist, der nicht zur chemischen Klasse der Mutterkornalkaloid- oder Ergolinderivate gehört. Dank seiner dopaminergen Wirkung übt das Mittel eine starke Hemmwirkung auf die Prolaktinsekretion aus, setzt aber die normalen Spiegel der anderen Hypophysenhormone nicht herab. Bei bestimmten Patienten kann die Hemmung der Prolaktinsekretion mit einer vorübergehenden, leichten Erhöhung der Somatotropin-Plasmaspiegel einhergehen, eine Erscheinung, deren klinische Bedeutung nicht bekannt ist.

Als spezifischer Hemmer der Prolaktinsekretion mit einer lang anhaltenden Wirkungsdauer hat sich Norprolac zur oralen Einmal-pro-Tag-Behandlung von Patienten mit Hyperprolaktinämie und deren klinischen Manifestationen, wie Galaktorrhö, Oligomenorrhö, Amenorrhö, Infertilität und Libidobeeinträchtigung, als wirksam und geeignet erwiesen.

Es wurde festgestellt, dass die Langzeitbehandlung mit Norprolac das Volumen von prolaktinsezernierenden Makroadenomen der Hypophyse reduziert oder ihr Wachstum einschränkt.

Die aus den pharmakodynamischen Studien gewonnenen Ergebnisse zeigen, dass mit der empfohlenen therapeutischen Dosis innerhalb von 2 h nach Einnahme eine klinisch signifikante prolaktinsenkende Wirkung eintritt, die innerhalb von 4-6 h ihr Maximum erreicht und ca. 24 h anhält.

Ein eindeutiges Dosis-Wirkungs-Verhältnis konnte für die Dauer, nicht aber für das Ausmass der prolaktinsenkenden Wirkung ermittelt werden, welche mit einer oralen Einzelgabe von 50 µg nahezu ihr Maximum erreichte. Höhere Dosen führten zu keiner wesentlich stärkeren Wirkung, verlängerten aber ihre Dauer.

Pharmakokinetik

Absorption

Quinagolid wird nach oraler Verabreichung rasch und gut resorbiert. Die anhand eines nicht selektiven Radioimmunoassays (RIA) ermittelten Plasmaspiegel, bei dem Quinagolid zusammen mit einigen seiner Metaboliten gemessen wurde, befanden sich nahe der Messgrenze und ergaben keine zuverlässige Information.

Distribution

Die Proteinbindung von Quinagolid beträgt nahezu 90% und ist unspezifisch. Das scheinbare Verteilungsvolumen von Quinagolid nach einer oralen Einzelgabe wurde mit ca. 100 l berechnet.

Metabolismus

Quinagolid wird während seiner ersten Leberpassage weitgehend metabolisiert. Im Blut sind der Wirkstoff Quinagolid und sein N-Desethyl-Analogon biologisch aktiv. Ihre Bedeutung ist jedoch gering. Bei der Mehrheit der zirkulierenden Metaboliten handelt es sich um Konjugate (Glucuronide und Sulfate).

Elimination

Nach einer Einzelgabe wurde eine terminale Halbwertszeit der Muttersubstanz von 11,5 h ermittelt, resp. von 17 h im Fliessgleichgewicht. Über 95% des Arzneimittels werden in Form von Metaboliten ausgeschieden. Ungefähr die gleichen Mengen an Gesamtradioaktivität wurden in den Faeces und im Urin gefunden. Die im Urin vorhandenen Metaboliten sind zur Hauptsache Glucuronid- und Sulfatkonjugate von Quinagolid und dessen N-Desethyl- und N-Bidesethyl-Analoga. In den Faeces finden sich nicht konjugierte Formen der drei Verbindungen.

Präklinische Daten

Tumorerzeugendes und mutagenes Potenzial

In einer ausführlichen In-vitro und In-vivo-Mutagenitätsprüfung ergaben sich keine Hinweise auf eine mutagene Wirkung.

Die Veränderungen, die in Karzinogenitätsstudien beobachtet wurden, spiegeln die pharmakodynamische Aktivität von Quinagolid wieder. Die Substanz moduliert sowohl die Prolaktinpiegel als auch, insbesondere bei männlichen Ratten, die Spiegel des luteinisierenden Hormons und das Verhältnis von Progesteron zu Östrogen bei weiblichen Nagern.

Langzeituntersuchungen mit hohen Dosen Quinagolid führten zu Leydig-Zelltumoren bei Ratten und mesenchymalen Uterustumoren bei Mäusen. Leydig-Zelltumoren traten bei Ratten in einer Karzinogenitätsstudie auch bei geringer Dosis (0,01 mg/kg) auf. Diese Befunde sind jedoch für die therapeutische Anwendung beim Menschen ohne Relevanz, da in Bezug auf die Regulation des endokrinen Systems zwischen Menschen und Nagetieren grundsätzliche Unterschiede bestehen.

Reproduktionstoxizität

Tierexperimentelle Studien an Ratten und Kaninchen haben keinen Hinweis auf embryotoxische oder teratogene Effekte ergeben. Die prolaktinhemmende Wirkung führte bei der Ratte zur Verminderung des Milchflusses, was einen erhöhten Verlust an Jungtieren zur Folge hatte. Mögliche postnatale Effekte durch die Einwirkung von Quinagolid während der Fetalentwicklung (2. und 3. Schwangerschaftsdrittel) sowie die Auswirkungen auf die weibliche Fertilität sind noch nicht ausreichend untersucht.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Norprolac bei Raumtemperatur (15-25 °C) und ausserhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.

Zulassungsnummer

52277 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Ferring AG, 6340 Baar.

Stand der Information

August 2013.

Verwendung dieser Informationen

Die Informationen auf dieser Seite sind für Fachpersonal gedacht. Bei Fragen lassen Sie sich von einer Fachperson (z.B. Arzt oder Apotheker) beraten und lesen Sie die Packungsbeilage auf unserer Produktseite.