Estring Vag Ring Mit Depotoestrogen

Estring Vag Ring Mit Depotoestrogen

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Estradiolum hemihydricum, Ph. Eur.

Hilfsstoffe: Silikonelastomer, Silikonflüssigkeit, Barii sulfas, Excipiens pro praeparatione.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 Vaginalring enthält: Estradiolum hemihydricum, Ph. Eur. 2 mg (7.5 µg/24 h).

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Lokale Behandlung von postmenopausalen urogenitalen Atrophiesymptomen, welche durch Östrogenmangel hervorgerufen werden, wie z.B. Trockenheit der Vagina (atrophische Vaginitis) mit oder ohne Pruritus vulvae, Dyspareunie, Dysurie und Harndrang (atrophische Schleimhaut in Harnröhre und Trigonum).

Dosierung/Anwendung

Dosierung

Bei der Behandlung von postmenopausalen Symptomen mit Östrogenen oder einer Östrogen/Gestagen-Kombination soll grundsätzlich die niedrigste wirksame Dosierung angewendet und so kurz als möglich behandelt werden (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»). Die maximal empfohlene Therapiedauer ohne Unterbruch beträgt 2 Jahre.

Bei hysterektomierten Frauen ist keine zusätzliche Gabe eines Gestagens erforderlich.

Anwendung

Ein Vaginalring wird leicht zusammengedrückt und ins obere Drittel des Scheidengewölbes eingeführt. Der Ring wird während 3 Monaten kontinuierlich getragen und anschliessend durch einen neuen ersetzt.

Estring gibt niedrige Mengen Estradiol (7.5 µg/24 h) gleichmässig während 90 Tagen ab.

Spezielle Dosierungsempfehlungen

Kinder/Jugendliche: Die Anwendung von Estring ist in dieser Altersgruppe nicht indiziert.

Ältere Patientinnen: Eine Dosisanpassung in Abhängigkeit vom Alter ist nicht erforderlich.

Niereninsuffizienz: Zur Anwendung von Estring bei Patientinnen mit eingeschränkter Nierenfunktion liegen keine Daten vor. Es können daher keine Dosierungsempfehlungen gemacht werden.

Leberinsuffizienz: Zur Anwendung von Estring bei Patientinnen mit eingeschränkter Leberfunktion liegen keine Daten vor. Wie alle Sexualhormone ist Estring bei Patientinnen mit aktiven Lebererkrankungen kontraindiziert.

Kontraindikationen

  • Vorausgegangenes, bestehendes oder vermutetes Mammakarzinom
  • Bekannte oder vermutete östrogenabhängige Neoplasien (v.a. Endometriumkarzinom)
  • Unbehandelte Endometriumhyperplasie
  • Diagnostisch nicht abgeklärte Vaginalblutungen
  • Bestehende oder vorausgegangene Lebertumoren
  • Lebererkrankung
  • Frühere oder bestehende venöse thromboembolische Erkrankungen (z.B. tiefe Venenthrombose, Lungenembolie)
  • Frühere oder bestehende arterielle thromboembolische Erkrankungen (z.B. Schlaganfall, Myokardinfarkt)
  • Vorliegen von Risikofaktoren für die Entstehung venöser oder arterieller thromboembolischer Erkrankungen wie bekannte Thrombophilien (z.B. Mangel an Protein-C, Protein-S oder Antithrombin)
  • akute intermittierende Porphyrie
  • Bekannte oder vermutete Schwangerschaft (siehe «Schwangerschaft/Stillzeit»)
  • Bekannte oder vermutete Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff (Estradiol) oder einem der Hilfsstoffe gemäss Zusammensetzung

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Anamnese und medizinische Untersuchungen

Jeder Therapie mit Östrogenen sollten eine Untersuchung des klinischen Allgemeinzustandes und eine gründliche gynäkologische Untersuchung vorangehen, die mindestens jährlich zu wiederholen sind. Die Eigen- und Familienanamnese sollten ebenfalls berücksichtigt werden. Das Nutzen-Risikoverhältnis muss vor jeder Therapie und für jede Patientin individuell sorgfältig abgewogen werden. Es sollte immer die niedrigste wirksame Dosis und die kürzest mögliche Behandlungsdauer gewählt werden.

Vaginale Reizung

Estring ist möglicherweise für Frauen mit schmaler, kurzer oder verengter Vagina nicht geeignet. Schmale oder verengte Vagina, Vaginalprolaps oder vaginale Infektionen erhöhen das Risiko einer durch den Estradiol-Vaginalring verursachten Irritation oder Ulzeration. Frauen mit Anzeichen einer vaginalen Reizung sollten ihren Arzt konsultieren. Leichte Anzeichen einer Irritation sind oft vorübergehend.

Eine eingehende Untersuchung jeder Frau mit ungewöhnlichem Fluor vaginalis, vaginalen Beschwerden oder Blutungen ist angezeigt, um Ulzerationen, Infektionen oder eine refraktäre atrophische Vaginitis auszuschliessen.

Bei Frauen mit anhaltenden oder starken Beschwerden aufgrund der Präsenz oder übermässiger Bewegung des Ringes sollte die Behandlung abgebrochen werden. Auch bei Anzeichen einer Ulzeration oder starken Entzündung infolge refraktärer atrophischer Vaginitis sollte die Behandlung abgebrochen werden.

Vaginale Infektion

Eine vorbestehende vaginale Infektion sollte vor Beginn der Therapie mit Estring behandelt werden.

Tritt während der Therapie mit Estring eine vaginale Infektion auf und erfolgt deren Behandlung systemisch, so kann die Therapie mit Estring fortgeführt werden. Während einer lokalen Behandlung mit anderen vaginal anzuwendenden Präparaten sollte Estring vorübergehend entfernt werden.

Bei der Anwendung von Estring werden nur sehr niedrige Estradiol-Plasmaspiegel erreicht. Es ist unwahrscheinlich, dass diese nahe der Nachweisgrenze liegende Estradiolmenge Anlass zu einem der bekannten Risiken einer systemischen Östrogentherapie geben könnte. Aufgrund fehlender vergleichbarer Daten mit anderen Darreichungsformen sollten jedoch die nachfolgend beschriebenen Erkenntnisse aus Studien mit systemischer Östrogentherapie beachtet werden.

Gründe für einen sofortigen Therapieabbruch

Falls während einer Östrogenbehandlung eine der oben genannten Kontraindikationen auftritt sowie bei Eintreten einer der folgenden Situationen, muss die Behandlung mit Estring sofort abgebrochen werden, bis ein Zusammenhang mit der Therapie definitiv ausgeschlossen werden kann:

  • erstmaliges Auftreten migräneartiger oder häufigeres Auftreten ungewohnt starker Kopfschmerzen
  • plötzlicher partieller oder vollständiger Visusverlust
  • plötzliche Hörstörungen
  • klinisch relevanter Blutdruckanstieg
  • Verschlechterung der Leberfunktion oder Auftreten von Hepatitis oder Ikterus
  • erkennbares Wachstum von Myomen
  • Zunahme epileptischer Anfälle

Umstände, die eine besondere Überwachung erfordern

Wenn folgende Beschwerden bestehen, vor kurzem aufgetreten sind und/oder sich während einer Schwangerschaft oder während einer früheren Hormonbehandlung verschlechtert haben, sollte die Patientin sorgfältig überwacht werden. Es sollte in Betracht gezogen werden, dass diese Beschwerden während der Behandlung mit Estring wieder auftreten bzw. sich verschlechtern können:

  • Risikofaktoren für östrogenabhängige Tumoren (z.B. Mammakarzinom bei Verwandten 1. Grades)
  • Endometriumshyperplasie
  • Leiomyome des Uterus oder Endometriose
  • benigne Brustveränderungen
  • Hypertonie
  • Migräne
  • Diabetes mellitus mit Gefässbeteiligung
  • Erkrankungen der Leber oder der Gallenblase
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Porphyrie
  • Asthma
  • Epilepsie
  • systemischer Lupus erythematodes
  • Otosklerose

Tumorerkrankungen

Brustkrebs

Randomisierte, kontrollierte Studien und epidemiologische Studien ergaben bei Frauen, die eine Hormonsubstitutionstherapie über mehrere Jahre anwandten, ein erhöhtes Brustkrebsrisiko. Meist war das relative Risiko unter einer kombinierten Östrogen-Gestagen-Therapie höher als unter einer Östrogen-Monotherapie. Dies galt sowohl für eine kontinuierliche als auch für eine sequentielle Therapie.

Eine Metaanalyse von 51 epidemiologischen Studien zeigte, dass das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken mit der Dauer der HRT zunimmt und nach Absetzen der HRT abnimmt. Das relative Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, war 1.35 (95% CI 1.21–1.49) für Frauen, die eine HRT während 5 Jahren oder länger anwandten.

Die WHI-Studie zeigte im Vergleich zu Placebo unter kombinierter HRT mit konjugierten Östrogenen und Medroxyprogesteronacetat nach einer durchschnittlichen Behandlungsdauer von 5.6 Jahren eine Zunahme invasiver Mammakarzinome in der Östrogen-Gestagen-Gruppe (relatives Risiko 1.24 [95% CI 1.02-1.50]). Für die Monotherapie war das Risiko hingegen nicht erhöht (relatives Risiko 0.77 [95% CI 0.59-1.01]).

In der Million Women Study, einer nicht-randomisierten Kohortenstudie, fand sich ebenfalls das höchste Risiko unter einer kombinierten Östrogen-Gestagen-Therapie (relatives Risiko 2.00 [95% CI 1.88-2.12]), während es für eine Östrogen-Monotherapie nur 1.30 betrug (95% CI 1.21-1.40).

Bei allen Arten der HRT stieg das Risiko mit zunehmender Dauer der Anwendung. Nach Absetzen der Therapie ist das Risiko regredient.

Endometriumkarzinom

Eine länger dauernde Monotherapie mit einem Östrogen erhöht das Risiko für die Entwicklung einer Endometriumshyperplasie oder eines Endometriumkarzinoms. Der Risikoanstieg ist sowohl von der Östrogendosis als auch von der Dauer der Behandlung abhängig. Nach Therapieende bleibt das Risiko für mindestens 10 Jahre erhöht. Studien deuten darauf hin, dass der Anstieg dieses Risikos durch die zusätzliche Gabe eines Gestagens weitgehend reduziert wird.

Die Patientinnen sollten aufgefordert werden, ihren Arzt zu kontaktieren, falls unter der Behandlung mit Estring Durchbruch- oder Schmierblutungen auftreten. Falls zu irgendeinem Zeitpunkt der Therapie Durchbruch- oder Schmierblutungen auftreten, muss eine Abklärung erfolgen, um eine maligne Entartung des Endometriums auszuschliessen, ggf. einschliesslich einer Endometriumsbiopsie.

Ovarialkarzinom

Einige epidemiologische Studien deuten darauf hin, dass eine Langzeittherapie (mindestens 5-10 Jahre) mit einem Östrogen-Monopräparat mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Ovarialkarzinomen verbunden ist. Einige Studien einschliesslich der WHI-Studie deuten darauf hin, dass bei Langzeitanwendung einer kombinierten HRT das Risiko ähnlich oder nur geringfügig niedriger ist. Es ist nicht bekannt, ob eine Langzeitbehandlung mit niedrig dosierten Östrogenen (wie z.B. Estring) ein anderes Risiko aufweist.

Lebertumoren

In seltenen Fällen wurden nach Anwendung hormonaler Wirkstoffe, wie sie auch Estring enthält, gutartige, noch seltener bösartige Veränderungen an der Leber beobachtet, die vereinzelt zu lebensgefährlichen intraabdominalen Blutungen geführt haben. Wenn starke Oberbauchbeschwerden, eine Lebervergrösserung oder Anzeichen einer intraabdominalen Blutung auftreten, sollte ein Lebertumor in die differentialdiagnostischen Überlegungen einbezogen und eine geeignete Therapie eingeleitet werden.

Thromboembolische Erkrankungen

Koronare Herzerkrankung und Schlaganfall

Eine HRT sollte nicht eingesetzt werden zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen. Grosse klinische Studien zeigten keinen günstigen Effekt in der Primärprophylaxe (WHI-Studie) oder Sekundärprophylaxe (HERS-Studie) kardiovaskulärer Erkrankungen.

Die Women's Health Initiative (WHI) Studie, eine grosse, prospektive, Placebo-kontrollierte, randomisierte Studie, zeigte bei mehr als 8000 älteren, postmenopausalen Frauen (Alter bei Studienbeginn 50–79 Jahre, mittleres Alter 63 Jahre), welche eine orale HRT mit konjugierten Östrogenen und Medroxyprogesteronacetat (MPA) während durchschnittlich 5.2 Jahren erhielten, ein gegenüber Placebo erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (relatives Risiko [RR] 1.24 [95% CI 1.00–1.54], absolute Risikoerhöhung 6 Fälle pro 10000 Personenjahre). Das Risiko war am höchsten im ersten Jahr nach Beginn der HRT (RR 1.81 [95% CI 1.09–3.01]). Mit zunehmendem Abstand zur Menopause nahm das Risiko zu (Menopause <10 Jahre: RR 0.89; Menopause 10–19 Jahre: RR 1.22; Menopause ≥20 Jahre: RR 1.71). Im Östrogen-Monotherapie-Arm war kein signifikanter Einfluss auf das kardiovaskuläre Risiko erkennbar (RR 0.91 [95% CI 0.75–1.12]).

Das zerebrovaskuläre Risiko war in der WHI-Studie sowohl unter kombinierter Östrogen-Gestagen-Therapie (RR 1.31 [95% CI 1.02–1.68]) als auch unter Östrogen-Monotherapie (RR 1.39 [95% CI 1.10–1.77]) erhöht.

Die Heart and Estrogen/Progestin Replacement Study (HERS und HERS II), eine prospektive, Placebo-kontrollierte, randomisierte Studie, zeigte bei mehr als 1300 postmenopausalen Frauen mit vorbestehender koronarer Herzkrankheit (mittleres Alter bei Studieneinschluss 67 Jahre), welche eine orale HRT mit konjugierten Östrogenen und MPA während durchschnittlich 4.1 Jahren (HERS) bzw. 2.7 Jahren (HERS II) erhielten, keine Reduktion des kardiovaskulären Risikos. Das relative Risiko war 0.99 (95% CI 0.84–1.17). Das Risiko war am höchsten im ersten Jahr nach Beginn der HRT (RR 1.52 [95% CI 1.01–2.29]).

Venöse Thromboembolien

Eine systemische HRT ist mit einem erhöhten Risiko für venöse Thromboembolien (VTE) verbunden, v.a. für tiefe Venenthrombosen oder Lungenembolien. Zwei kontrollierte randomisierte Studien (WHI und HERS) und mehrere epidemiologische Studien ergaben ein 2 bis 3-fach erhöhtes Risiko bei Frauen, die eine HRT anwandten, verglichen mit Frauen, die nie eine solche Behandlung angewendet hatten. Das Risiko scheint im ersten Jahr der Anwendung höher zu sein.

In der WHI-Studie war das VTE-Risiko bei Frauen, die täglich konjugierte equine Östrogene erhielten, gegenüber dem Placebo-Arm erhöht. Dies galt tendenziell auch für jene Behandlungsgruppe, welche eine Östrogen-Monotherapie erhielt. Hier lag das relative Risiko für eine tiefe Venenthrombose bei 1.47 (95% CI 0.87-2.47), für eine Lungenembolie bei 1.34 (95% CI 0.70-2.55). Bei den Frauen, welche eine Östrogen-Monotherapie erhielten, traten 30 VTE's pro 10000 Frauenjahre auf gegenüber 22 Fällen bei den unbehandelten Frauen.

Für Nicht-Anwenderinnen wird die Anzahl der VTE Fälle während eines Zeitraumes von 5 Jahren auf 3 von 1000 Frauen für die Altersgruppe 50–59 Jahre und auf 8 von 1000 Frauen für die Altersgruppe 60–69 Jahre geschätzt. Bei gesunden Frauen, die eine Hormonsubstitutionstherapie über 5 Jahre durchführten, traten zwischen 2 und 6 zusätzliche Fälle von VTE für die Altersgruppe 50–59 Jahre und zwischen 5 und 15 zusätzliche Fälle für die Altersgruppe 60–69 Jahre pro 1000 Frauen auf.

Bei Auftreten entsprechender Symptome oder Verdacht eines thromboembolischen Ereignisses muss das Präparat sofort abgesetzt werden. Die Patientinnen müssen angehalten werden, sofort Kontakt mit einem Arzt/einer Ärztin aufzunehmen, wenn sie mögliche Symptome einer VTE bemerken (insbesondere schmerzhafte Schwellung eines Beines, plötzlicher Schmerz im Brustkorb, Dyspnoe). Patientinnen mit Risikofaktoren für thromboembolische Ereignisse sollen sorgfältig überwacht werden. Womöglich sollten andere Therapien in Betracht gezogen werden.

Zu den allgemein anerkannten VTE-Risikofaktoren gehören eine entsprechende Eigen- oder Familienanamnese für thromboembolische Erkrankungen (insbesondere VTE's in jungen Lebensjahren bei Eltern oder Geschwistern), Rauchen, erhebliches Übergewicht (BMI >30 kg/m2), maligne Erkrankungen sowie ein systemischer Lupus erythematodes. Das Risiko für venöse Thromboembolien erhöht sich auch mit zunehmendem Alter.

Das VTE-Risiko kann vorübergehend erhöht sein bei längerer Immobilisierung sowie nach schwerem Trauma oder grösseren operativen Eingriffen. Bei Frauen unter Hormonsubstitution ist grösste Bedeutung auf prophylaktische Massnahmen zu legen, um venöse Thromboembolien nach einem chirurgischen Eingriff zu vermeiden. Insbesondere bei Operationen an den unteren Extremitäten oder im abdominellen Bereich sollte eine Unterbrechung der HRT erwogen werden, bei geplanten Operationen möglichst 4-6 Wochen vor dem Eingriff. Die Behandlung sollte erst dann wieder aufgenommen werden, wenn die Frau vollständig mobilisiert ist.

Eine Anamnese mit wiederholten spontanen Aborten sollte abgeklärt werden, um eine Thrombophilie-Prädisposition auszuschliessen. Bei Frauen mit dieser Diagnose ist die Anwendung einer Hormonersatztherapie kontraindiziert.

Demenz

Es gibt keine Hinweise auf eine Verbesserung kognitiver Funktionen durch eine HRT. Aus der WHI-Studie gibt es Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für eine wahrscheinliche Demenz bei Frauen, die nach dem 65. Lebensjahr mit einer kombinierten systemischen HRT (konjugierte equine Östrogene plus Medroxyprogesteronacetat) behandelt wurden. Es ist nicht bekannt, in wie weit diese Ergebnisse auch auf jüngere postmenopausale Frauen oder auf HRT-Präparate mit anderen Wirkstoffen und/oder Verabreichungswegen übertragbar sind.

Andere Vorsichtsmassnahmen

Östrogene können eine Flüssigkeitsretention verursachen. Patientinnen mit Herz- oder Nierenfunktionsstörungen sollten daher sorgfältig überwacht werden.

Bei Frauen mit vorbestehender Hypertriglyzeridämie (insbesondere bei familiären Formen) wurde unter einer Östrogentherapie in seltenen Fällen über einen starken Anstieg der Plasma-Triglyzeride, teilweise mit nachfolgender Pankreatitis, berichtet. Solche Patientinnen sollten daher unter einer HRT sorgfältig überwacht werden.

Exogene Östrogene können Symptome eines Angioödems induzieren oder verschlimmern, insbesondere bei Frauen mit hereditärem Angioödem.

Estring soll nicht zusammen mit einer Östrogen-haltigen systemischen Hormonersatztherapie angewendet werden, da keine Daten über die systemische Exposition bei einer solchen Kombination vorliegen.

Die oben angegebenen Risiken einer systemischen HRT wurden überwiegend bei der Behandlung von Frauen im Alter ≥50 Jahren beschrieben. Über die Übertragbarkeit dieser Daten auf Patientinnen mit vorzeitiger Menopause (d.h. Ausfall der Ovarialfunktion vor Vollendung des 40. Lebensjahres infolge endokriner/genetischer Erkrankungen, Ovarektomie, Malignomtherapie etc.) bis zum Erreichen des normalen Menopausenalters liegen keine Daten vor. In dieser Altersgruppe sollte eine spezielle Nutzen-Risiko-Bewertung durchgeführt werden, wobei auch die Ätiologie der vorzeitigen Menopause (chirurgisch versus andere Ursachen) berücksichtigt werden sollte. Diagnostik und Einleitung der Therapie sollten bei Patientinnen mit vorzeitiger Menopause möglichst in einem entsprechenden Zentrum erfolgen, welches Erfahrung mit der Behandlung dieses Krankheitsbildes besitzt.

Interaktionen

Aufgrund der geringen, nur topisch applizierten Wirkstoffmenge sowie wegen der Umgehung des enterohepatischen Kreislaufs sind Arzneimittelinteraktionen bei der Anwendung von Estring unwahrscheinlich.

Die Metabolisierung von Östrogenen kann jedoch durch die gleichzeitige Gabe von Substanzen, welche eine induzierende Wirkung auf Arzneimittel-metabolisierende Enzyme, insbesondere auf Cytochrom P450 (CYP450) besitzen, beschleunigt werden. Hierzu gehören Antikonvulsiva (z.B. Barbiturate, Carbamazepin, Phenytoin) oder Antiinfektiva (z.B. Rifabutin, Rifampicin, Efavirenz, Nevirapin).

Obwohl Ritonavir und Nelfinavir als starke CYP450-Inhibitoren bekannt sind, zeigen sie bei gleichzeitiger Gabe mit Steroidhormonen induzierende Eigenschaften. Johanniskraut-haltige Präparate (Hypericum perforatum) können die Metabolisierung von Östrogenen ebenfalls induzieren.

Schwangerschaft/Stillzeit

Estring hat keine Indikation in der Schwangerschaft oder während der Stillzeit.

Schwangerschaft

Die Anwendung von Estring ist während einer Schwangerschaft kontraindiziert. Tritt unter der Anwendung eine Schwangerschaft ein oder wird eine solche vermutet, muss das Arzneimittel sofort entfernt werden und der Arzt zu konsultieren.

Eine Östrogentherapie während der Schwangerschaft ist mit einem erhöhten Risiko einer fetalen kongenitalen Störung der Fortpflanzungsorgane und möglicherweise auch mit anderen embryotoxischen Effekten verbunden. Es gibt Hinweise auf fötale Risiken, basierend auf tierexperimentellen Untersuchungen. Die meisten bis heute durchgeführten epidemiologischen Studien haben jedoch keine eindeutigen Hinweise auf eine embryotoxische oder teratogene Wirkung ergeben, wenn Östrogene versehentlich während der Schwangerschaft verabreicht wurden.

Stillzeit

Das Arzneimittel sollte nicht in der Stillzeit angewendet werden, da die Milchproduktion reduziert und die Milchqualität verändert sein kann. Geringe Wirkstoffmengen können in die Milch übergehen, der Effekt auf den Säugling wurde nicht untersucht.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es wurden keine diesbezüglichen Studien durchgeführt. Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen durch Estring sind unwahrscheinlich.

Unerwünschte Wirkungen

Die biologische Sicherheit des Silikonelasomers wurde in verschiedenen in vitro und in vivo Versuchsmodellen untersucht. Im Allgemeinen wurde der Estradiol Vaginalring gut toleriert. In klinischen Studien führten unerwünschte Wirkungen bei 5.4% (14/261) der Patientinnen unter Behandlung mit Estradiol Vaginalring und bei 3.8% (5/132) der Patientinnen unter Behandlung mit einer östrogenhaltigen Vaginalcrème zum Abbruch der Behandlung. Die häufigsten Gründe für einen Behandlungsabbruch waren vaginale Beschwerden und gastrointestinale Störungen.

Nachfolgend sind die unerwünschten Wirkungen nach Organsystem und Häufigkeit beschrieben, welche in den klinischen Studien und nach der Markteinführung beobachtet wurden.

Häufigkeitsangaben

«Sehr häufig» (≥1/10); «häufig» (≥1/100, <1/10); «gelegentlich» (≥1/1000, <1/100), «selten» (≥1/10'000, <1/1000), «sehr selten» (<1/10'000).

Infektionen und parasitäre Erkrankungen

Häufig: vaginale Candidiasis, Harnwegsinfekte.

Erkrankungen des Immunsystem

Gelegentlich: Überempfindlichkeitsreaktionen.

Erkrankungen des Nervensystem

Häufig: Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit.

Gefässerkrankungen

Häufig: Hitzewallungen.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Häufig: Bauchschmerzen, Übelkeit.

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Häufig: Pruritus.

Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen

Häufig: Arthropathien (Gelenksschmerzen, Arthritis, Arthrose), Rückenschmerzen.

Erkrankungen der Geschlechtsorgane und Brustdrüse

Sehr häufig: Leukorrhöe (Dieses Symptom zeigt die Östrogenisierung der Vaginalschleimhaut an und kann daher als normale Begleiterscheinung der Therapie mit Estring gewertet werden.)

Häufig: urogenitaler Pruritus, Vaginitis, vaginale Blutungen, Brustschmerzen, Anschwellen oder Vergrösserung der Brust.

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Häufig: Grippe-ähnliche Symptome, vaginale Irritation/Beschwerden.

Selten: Erosion des Vaginalepithels, Vaginalulcus.

Im Zusammenhang mit einer systemischen Östrogenbehandlung wurde darüber hinaus über folgende unerwünschten Wirkungen berichtet (siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»): Appetit- und Gewichtsveränderungen, Stimmungsschwankungen, Depressionen, Libidoveränderungen, Migräne, Schwindel, Krampfanfälle, Apoplex, Myokardinfarkt, venöse Thromboembolien, Blutdruckanstieg, abnormale Leberfunktionstests, Erkrankungen der Gallenblase, cholestatischer Ikterus, Hautausschlag, Chloasma, Akne, Hirsutismus, Alopezie, Erythema multiforme, Erythema nodosum, vaskuläre Purpura, Unterleibsschmerzen, Grössenzunahme von Uterusmyomen, periphere Ödeme.

Da es sich bei Estring um ein niedrig-dosiertes, topisch angewendetes Präparat mit geringer systemischer Exposition handelt, ist es eher unwahrscheinlich, dass derartige Symptome auch unter Behandlung mit Estring auftreten.

Überdosierung

Aufgrund der Applikationsart ist die Gefahr einer Überdosierung nicht gegeben.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: G03CA03

Estring ist ein Vaginalring aus Silkonelastomer, der ein Wirkstoffdepot von 2 mg des natürlichen Hormons Estradiol enthält.

Wirkungsmechanismus/Pharmakodynamik

Estradiol, welches bei fertilen Frauen vorwiegend vom Ovarfollikel produziert wird, ist auf Rezeptorebene das wirksamste Östrogen. Das zirkulierende Estradiol wird in die Zellen transportiert und an die Östrogenrezeptoren im Nukleus gebunden, wo es eine Proteinsynthese initiiert und damit das Zellwachstum stimuliert. Wichtige Zielorgane für Östrogene sind Uterus, Vagina und Urethra. Sowohl die Schleimhaut als auch die Muskulatur dieser Organe werden in unterschiedlichem Mass beeinflusst.

Von Estradiol und anderen Östrogenen ist bekannt, dass sie die Zahl der Adrenorezeptoren sowie die Noradrenalin-induzierte Kontraktionsfähigkeit der Harnröhre erhöhen. Selbst geringe Östrogendosen können die Durchblutung der Urogenitalorgane erheblich steigern.

Das Estradiol aus dem Vaginalring ersetzt die fehlende oder verminderte körpereigene Östrogenproduktion nach der Menopause und wirkt den Beschwerden, die bei Östrogenmangel im Urogenitalsystem auftreten, entgegen. Es stimuliert den Wiederaufbau des atrophischen Vulva- und Vaginalepithels und normalisiert das gestörte Scheidenmilieu. Der vaginale pH entspricht wieder dem physiologischen Wert vor der Menopause. Durch Atrophie bedingte Entzündungen sowie Juckreiz bilden sich zurück, und Kohabitationsbeschwerden verschwinden.

Klinische Wirksamkeit

Estring wird zur Behandlung von urogenitalen Atrophiebeschwerden aufgrund von Östrogenmangel in der späten Menopause eingesetzt.

Sehr geringe und konstante Mengen Estradiol werden aus dem Vaginalring über einen Zeitraum von 3 Monaten kontinuierlich freigesetzt. Diese kontrollierte Wirkstoffabgabe führt zu einer lokal therapeutischen Estradiolkonzentration in Vagina und Harnröhre. Das sexualhormonbindende Globulin und Alpha 2 -PAG (Pregnancy Zone Protein) bleiben unbeeinflusst. Das Endometrium wird nicht zur Proliferation angeregt. Estring kann daher kontinuierlich ohne Zusatz eines Gestagens verabreicht werden. Die Behandlung ruft somit keine Blutungen hervor.

Pharmakokinetik

Absorption

Das Estradiol diffundiert aus dem Vaginalring. Nach einem kurzen anfänglichen Peak bleibt die Estradiolabgabe aus dem Estring bei 7.5 µg/24 h konstant während mindestens 90 Tagen. Nach dem Einführen von Estring erhöht sich der Plasmaspiegel innerhalb von 3 h auf ca. 200 pmol/l. Nach dieser ersten Anstiegsphase verringert sich die Östrogenkonzentration im Plasma rasch.

Distribution

Innerhalb von 2-3 Tagen werden konstant bleibende Werte erreicht. Während der weiteren Behandlungsdauer liegt der mittlere Östrogenplasmaspiegel nahe der Quantitätsbestimmungsgrenze bei 20-30 pmol/l. Dieser Wert ist niedriger als jene Östrogenkonzentrationen, die üblicherweise bei Frauen vor der Menopause während der frühen Follikelphase gemessen werden können, und ist vergleichbar mit den Serumwerten unbehandelter Frauen in der Postmenopause.

Metabolismus

Estradiol wird hauptsächlich in der Leber metabolisiert. Die Hauptmetaboliten sind Estriol, Estron und deren Konjugate. Die metabolische Plasmaclearance variiert zwischen 450 und 625 ml/min/m².

Elimination

Der grösste Teil der Metaboliten wird renal in Form von Glucuroniden und Sulfaten ausgeschieden. Die Plasmahalbwertszeit beträgt 1-2 h.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Es liegen keine Daten zu Patientinnen mit Leber- oder Niereninsuffizienz vor.

Präklinische Daten

Estradiol zeigte genotoxisches Risiko in nichtklinischen Studien.

In epidemiologischen Studien und in Tierstudien konnte ein erhöhtes Karzinogenitäts-Risiko mit Estradiol nachgewiesen werden.

Bei Versuchstieren zeigte Estradiol einen embryoletalen Effekt sowie eine dosisabhängige Reduktion der Fertilität. Reproduktionstoxikologische Studien in Ratten, Mäusen und Kaninchen erbrachten einen Hinweis auf teratogene Wirkung. Für Erfahrungen beim Menschen siehe Rubrik «Schwangerschaft/Stillzeit».

In Untersuchungen an Cynomolgusaffen ergaben sich keine Hinweise auf Unverträglichkeitsreaktionen bei der Anwendung des Kunststoffringes (ohne Estradiol).

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

sind keine bekannt.

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Nicht über 30 °C und ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Zulassungsnummer

52275 (Swissmedic)

Zulassungsinhaberin

Pfizer AG, Zürich.

Stand der Information

September 2015.

LLD V007

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