Urorec Kaps 4 Mg 30 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff:

Silodosin

Hilfsstoffe:

Kapselinhalt: Vorverkleisterte Stärke(Mais), Mannitol, Magnesiumstearat, Natriumdodecylsulfat

Kapselhülle (4 mg): Gelatine, Titandioxid, Eisen(III)-hydroxid-oxid x H2OKapselhülle (8 mg): Gelatine, Titandioxid

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Eine Hartkapsel enthält 4 mg bzw. 8 mg Silodosin

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Symptomatische Behandlung der funktionellen Störungen einer benignen Prostatahyperplasie (BPH).

Dosierung/Anwendung

Dosierung

Die empfohlene Dosis beträgt eine Kapsel Urorec 8 mg täglich.

Die Kapsel sollte zu einer Mahlzeit eingenommen werden, vorzugsweise immer zur gleichen Tageszeit. Die Kapsel sollte nicht zerbrochen oder zerkaut, sondern als Ganzes geschluckt werden, am besten mit einem Glas Wasser.

Spezielle Dosierungsempfehlungen

Ältere Patienten

Bei älteren Patienten ist keine Dosisanpassung erforderlich (siehe «Pharmakokinetik»).

Kinder und Jugendliche

Urorec besitzt in dieser Altersgruppe keine Indikation.

Eingeschränkte Nierenfunktion

Bei Patienten mit leichter Nierenfunktionsstörung (ClCr 50-80 ml/min) ist keine Dosisanpassung erforderlich (siehe «Pharmakokinetik»). Bei Patienten mit moderater Niereninsuffizienz (ClCr 30-<50ml/min) wird die Anwendung von Urorec nicht empfohlen (siehe «Warnhinweise / Vorsichtsmassnahmen»). Bei schwerer Niereninsuffizienz (ClCr<30ml/min) ist Urorec kontraindiziert.

Eingeschränkte Leberfunktion

Bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Leberfunktionsstörung (Child Pugh A und B) ist keine Dosisanpassung erforderlich. Bei Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz (Child Pugh C) ist Urorec kontraindiziert.

Kontraindikationen

schwere Niereninsuffizienz

schwere Leberinsuffizienz (Child Pugh C)

Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der unter «Zusammensetzung» genannten sonstigen Bestandteile.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Bevor eine Therapie mit Urorec begonnen wird, sollten andere Ursachen der Beschwerden (insbesondere ein Prostatakarzinom) differentialdiagnostisch ausgeschlossen werden. Vor Therapiebeginn und in regelmässigen Intervallen während der Behandlung sollte eine rektal-digitale Untersuchung durchgeführt sowie ggf. das Prostata-spezifische Antigen (PSA) bestimmt werden.

Orthostatische Hypotonie

Wie bei anderen α1-Blockern kann es unter der Anwendung von Urorec, insbesondere in den ersten Stunden nach der Einnahme, in einzelnen Fällen zu einem Blutdruckabfall kommen, welcher in seltenen Fällen zu einer Synkope führen kann. Der Patient muss über die Möglichkeit des Auftretens solcher Ereignisse informiert werden. Dies gilt insbesondere für Patienten mit Vorliegen von Risikofaktoren für einen Blutdruckabfall (z.B. Komedikation mit Antihypertensiva oder Vorliegen einer Koronaren Herzerkrankung).

Patienten mit orthostatischer Hypotonie in der Anamnese sollten unter besonderer Vorsicht behandelt werden. Insbesondere sollten bei diesen Patienten Blutdruck und Herzfrequenz nach Einnahme der ersten Dosis überwacht werden.

Bei den ersten Anzeichen einer orthostatischen Hypotonie (Schwindel, Schwächegefühl, Schweissausbruch) sollte der Patient sich hinsetzen oder hinlegen, bis die Symptome verschwunden sind.

Die gleichzeitige Anwendung anderer α1-Adrenorezeptorenblocker kann zu einer verstärkten Blutdrucksenkung führen und wird daher nicht empfohlen.

Vorsicht ist geboten bei Patienten, bei denen es in der Vergangenheit nach Anwendung eines anderen α1-Rezeptorblockers zu einer ausgeprägten Hypotonie kam.

Intraoperatives Floppy-Iris-Syndrom (IFIS)

Das intraoperative Floppy Iris-Syndrom (IFIS) wurde im Rahmen von Katarakt-Operationen bei einigen Patienten beobachtet, die aktuell mit α1-Adrenozeptorenblockern wie Silodosin behandelt wurden oder solche Medikamente jüngst erhalten hatten. Diese Variante der Pupillenkonstriktion (Small Pupil Syndrome) ist durch eine schlaffe Iris, die auf Grund intraoperativer Spülung wabert, eine progressive intraoperative Miose trotz präoperativer Dilatation durch Standard-Mydriatika und einen möglichen Prolaps der Iris in Richtung der Phakoemulsifikationsschnitte gekennzeichnet.

Ein IFIS kann das Risiko für intra- und postoperative Komplikationen am Auge (z.B. Linsenverlust, Retina-Ablösung, Endophthalmitis) erhöhen. Der Operateur sollte daher über die Einnahme von Silodosin informiert werden, um gegebenenfalls seine operativen Techniken entsprechend anzupassen (wie z.B. Verwendung von Irishaken, Iris-Ringdilatatoren oder viskoelastischen Substanzen).

Unter anderen α1-Blockern (insbesondere Tamsulosin) wurde über das Auftreten eines IFIS auch bei Glaukom-Operationen berichtet. Es wird empfohlen, bei Patienten, bei welchen ein operativer Eingriff an den Augen unmittelbar bevorsteht, keine Behandlung mit Silodosin oder einem anderen α-Blocker einzuleiten. Es ist hingegen nicht belegt, ob ein Absetzen von Silodosin 1-2 Wochen vor dem Eingriff einen Vorteil bringt. Teilweise wurde auch bei Patienten über ein IFIS berichtet, bei welchen der α-Blocker bereits einige Zeit vor dem Eingriff abgesetzt worden war.

Eingeschränkte Nierenfunktion

Für Patienten mit moderater Niereninsuffizienz (ClCr 30-<50ml/min) liegen nur limitierte Daten vor. Da bei diesen Patienten aufgrund der höheren Exposition (siehe «Pharmakokinetik») das Risiko für unerwünschte Wirkungen (insbesondere Schwindel und orthostatische Hypotonie) erhöht ist, wird eine Anwendung in dieser Population nicht empfohlen. Falls Urorec doch angewendet wird, darf eine Maximaldosis von einmal täglich 4 mg nicht überschritten werden.

Bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung (ClCr <30 ml/min) ist Urorec kontraindiziert.

Eingeschränkte Leberfunktion

Bei schwerer Leberinsuffizienz (Child Pugh C) ist Urorec kontraindiziert.

Komedikation mit potenten CYP3A4-Inhibitoren

Bei gleichzeitiger Behandlung mit potenten CYP3A4-Inhibitoren (z.B. Itraconazol, Voriconazol, Clarithromycin, Ritonavir sowie Grapefruitsaft) kann die Silodosin-Exposition erhöht sein (siehe «Interaktionen»). Die Behandlung sollte daher in solchen Fällen unter besonderer Vorsicht erfolgen.

Komedikation mit PDE5-Inhibitoren

PDE5-Inhibitoren weisen ebenfalls vasodilatatorische Effekte auf. Bei gleichzeitiger Gabe von PDE5-Hemmern zusammen mit einem α1-Blocker wie Silodosin kann daher bei prädisponierten Patienten das Risiko für eine symptomatische Hypotonie erhöht sein, insbesondere zum Zeitpunkt der Plasmaspitzenkonzentrationen des PDE5-Inhibitors. Patienten, die mit Urorec behandelt werden, sollten daher erst dann einen PDE5-Inhibitor anwenden, wenn sie wissen, wie sie auf Silodosin reagieren. Bei Patienten, welche bereits PDE5-Hemmer anwenden, sollte die Behandlung mit einem α1-Adrenorezeptorenblocker wie Silodosin unter besonderer Vorsicht und Überwachung bezüglich möglicher Anzeichen einer Orthostase eingeleitet werden.

Fertilität

Die Behandlung mit Silodosin führt zu einer Abnahme der Anzahl von Spermien im Ejakulat, wodurch die männliche Fertilität vorübergehend beeinträchtigt werden kann. Nach Absetzen von Urorec normalisiert sich die Fertilität wieder.

Interaktionen

Pharmakokinetische Interaktionen

Einfluss anderer Arzneimittel auf die Pharmakokinetik von Silodosin

Silodosin wird in hohem Masse metabolisiert, vorwiegend über CYP3A4, Alkoholdehydrogenase und UGT2B7. Silodosin ist ausserdem ein Substrat für P-Glykoprotein. Arzneimittel, die diese Enzyme und Transporter inhibieren (wie Itraconazol, Clarithromycin, Ritonavir oder Ciclosporin) oder induzieren (wie Rifampicin, Barbiturate, Carbamazepin, Phenytoin), können die Konzentration von Silodosin und seines aktiven Metaboliten im Plasma beeinflussen.

CYP3A4-Inhibitoren

In einer Interaktionsstudie wurden bei gleichzeitiger Anwendung des potenten CYP3A4-Inhibitors Ketoconazol (400 mg) ein 3,7-facher Anstieg der maximalen Plasmakonzentration von Silodosin sowie ein 3,1-facher Anstieg der Silodosin-Exposition (d.h. AUC) beobachtet. Eine gleichzeitige Anwendung mit potenten CYP3A4-Inhibitoren (wie Itraconazol, Voriconazol, Clarithromycin, Ritonavir oder Ciclosporin) wird daher nicht empfohlen (siehe «Warnhinweise / Vorsichtsmassnahmen»).

Wurde Silodosin gleichzeitig mit einem mittelstarken CYP3A4-Hemmer wie Diltiazem angewendet, wurde ein Anstieg der AUC von Silodosin um rund 32% beobachtet, während Cmax und Halbwertszeit unbeeinflusst waren. Diese Veränderung besitzt keine klinische Relevanz, und eine Dosisanpassung ist nicht erforderlich.

Einfluss von Silodosin auf die Pharmakokinetik anderer Arzneimittel

Silodosin führte in vitro nicht zu einer Hemmung von CYP 1A2, 2A6, 2C9, 2C19, 2D6, 2E1 oder 3A4.

Silodosin führte in vitro nicht zu einer Induktion von CYP1A2, 3A4, 2C8, 2C9 oder 2B6.

Silodosin führte in vitro nicht zu einer Hemmung von UGT1A1, 1A4 oder 2B7. Eine Induktion von UGTs durch Silodosin kann nicht ausgeschlossen werden.

Silodosin führte in vitro nicht zu einer Hemmung von MDR1, BCRP, BSEP, MATE1, MATE2-K, OAT1, OAT3, OATP1B1, OATP1B3, OCT1 und OCT2.

Digoxin

Die Steady-state-Spiegel von Digoxin, einem Substrat für P-Glykoprotein, wurden durch gleichzeitige Gabe von Silodosin 8 mg einmal täglich nicht signifikant verändert.

Pharmakodynamische Interaktionen

Antihypertensiva

In klinischen Interaktionsstudien mit Metoprolol, Amlodipin und Lisinopril wurde eine grössere Häufigkeit orthostatischer Ereignisse bei gemeinsamer Verabreichung mit Silodosin im Vergleich zur Verabreichung der Antihypertensiva mit Placebo beobachtet. Eine gleichzeitige Anwendung von Antihypertensiva und Silodosin sollte daher mit Vorsicht begonnen und die Patienten auf mögliche unerwünschte Wirkungen überwacht werden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Urorec ist bei Frauen nicht indiziert.

Zu einer möglichen Übertragung von Silodosin aus dem Sperma auf den Foeten liegen keine Daten vor.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es wurden keine entsprechenden Studien durchgeführt. Die Patienten sollten jedoch darauf hingewiesen werden, dass eventuell Symptome einer orthostatischen Hypotonie (z.B. Schwindel) auftreten können und sie daher mit dem Steuern eines Fahrzeugs und dem Bedienen von Maschinen vorsichtig sein sollten, bis sie wissen, wie sie auf Urorec reagieren. Dies gilt in verstärktem Masse im Zusammenwirken mit Alkohol.

Unerwünschte Wirkungen

Die Sicherheit von Urorec wurde in vier doppelblinden, Placebo-kontrollierten klinischen Studien (an 931 Patienten unter Silodosin 8 mg und 178 Patienten unter Silodosin 4 mg einmal täglich sowie 733 Patienten unter Placebo) untersucht.

Darüber hinaus liegen Sicherheitsdaten aus 3 offenen Langzeitstudien vor. Insgesamt wurden in klinischen Studien 2617 Patienten mit 8 mg Silodosin einmal täglich behandelt, davon 1750 Patienten über mindestens 6 Monate und 393 Patienten über einen Zeitraum von 1 Jahr.

Die in den klinischen Studien am häufigsten berichteten unerwünschten Wirkungen unter Silodosin waren Ejakulationsstörungen, insbesondere retrograde Ejakulation (23.9%) und Anejakulation (7.1%). Dieser Effekt kann die männliche Fertilität vorübergehend beeinträchtigen, klingt aber wenige Tage nach Absetzen der Behandlung wieder ab (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Nachfolgend sind die in den klinischen Studien und in der weltweiten Erfahrung nach Markteinführung beobachteten unerwünschten Wirkungen nach MedDRA-Systemorganklasse und Häufigkeit aufgeführt: sehr häufig (≥1/10); häufig (≥1/100, <1/10); gelegentlich (≥1/1.000, <1/100); selten (≥1/10.000, <1/1.000); sehr selten (<1/10.000), nicht bekannt (basierend überwiegend auf Spontanmeldungen aus der Marktüberwachung, genaue Häufigkeit kann nicht abgeschätzt werden).

Erkrankungen des Immunsystems

Sehr selten: Überempfindlichkeitsreaktionen (wie Schwellungen im Gesicht, geschwollene Zunge, Pharynx- oder Larynxödem).

Psychiatrische Erkrankungen

Gelegentlich: Verminderte Libido.

Erkrankungen des Nervensystems

Häufig: Schwindel, Kopfschmerzen

Selten: Synkope, Bewusstseinsverlust

Funktionsstörungen der Augen

In Verbindung mit einer Silodosin-Therapie wurde über das Auftreten eines sog. intra-operativen «Floppy-Iris»-Syndroms (IFIS) während Katarakt-Operationen berichtet (siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Herz-Kreislauf-System

Häufig: orthostatische Hypotonie

Gelegentlich: Tachykardie, Hypotonie

Selten: Palpitationen

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums

Häufig: verstopfte Nase

Gelegentlich: Rhinorrhoe

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Häufig: Diarrhoe

Gelegentlich: Mundtrockenheit, Übelkeit

Leber- und Gallenerkrankungen

Gelegentlich: Abnormale Leberfunktionswerte

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Gelegentlich: Hautausschlag, Pruritus, Urtikaria, Arzneimittelexanthem

Erkrankungen des Reproduktionssystems und der Brust

Sehr häufig: retrograde Ejakulation (23.9%), Anejakulation (7.1%)

Häufig: erektile Dysfunktion

Gelegentlich: andere Ejakulationsstörungen

Allgemeine Störungen

Gelegentlich: Asthenie

Überdosierung

Silodosin wurde an gesunden männlichen Probanden in Dosen von bis zu 48 mg/Tag untersucht. Dosislimitierende Nebenwirkung war eine orthostatische Hypotonie. Wenn die Einnahme noch nicht lange zurück liegt, kann das Auslösen von Erbrechen oder eine Magenspülung erwogen werden. Falls die Überdosierung zu einer Hypotonie führt, muss für eine kardiovaskuläre Unterstützung gesorgt werden. Häufig können Blutdruck und Herzfrequenz durch Hinlegen des Patienten wieder normalisiert werden. Falls dies nicht ausreichend ist, können Volumenexpander und ggf. Vasopressoren eingesetzt werden. Ausserdem wird empfohlen, die Nierenfunktion zu überwachen und allgemeine supportive Massnahmen einzuleiten.

Eine Dialyse bringt vermutlich keinen relevanten Nutzen, da Silodosin in hohem Mass (96,6%) an Proteine gebunden wird.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: G04CA04

Pharmakotherapeutische Gruppe: Urologika, Alpha-Adrenorezeptor-Antagonisten.

Wirkmechanismus

Silodosin besitzt eine hohe Selektivität für α1A-Adrenorezeptoren, die vorwiegend in Prostata, Harnblase, Blasenhals, Prostatakapsel und prostatischer Harnröhre lokalisiert sind. Eine Blockade dieser α1A-Adrenorezeptoren bewirkt eine Entspannung der glatten Muskulatur in diesen Geweben und damit eine Verminderung des Blasenauslasswiderstands, ohne dabei die Kontraktilität des glatten Detrusormuskels zu beeinträchtigen. Dies führt zu einer Verbesserung der mit einer benignen Prostatahyperplasie assoziierten Speicher- (irritativen) und Entleerungs- (obstruktiven) Symptome (Lower urinary tract symptoms, LUTS).

In vitro-Studien zeigten eine hohe Selektivität für den α1A-Rezeptor (α1A1B-Bindungsverhältnis 162:1.

Sicherheitspharmakodynamik

Alphablocker können durch Reduktion des peripheren Widerstandes zu einer Blutdrucksenkung führen. In den drei pivotalen Studien (siehe «Klinische Wirksamkeit») wurde jeweils nach Applikation der ersten Dosis ein Orthostase-Test durchgeführt. Im Durchschnitt wurde unter Silodosin 8 mg ein Abfall des systolischen Blutdrucks um 1.1mmHg beobachtet, unter Placebo um 0.1mmHg. Die Herzfrequenz nahm unter Silodosin um durchschnittlich 4.1 Schläge pro Minute zu, unter Placebo um 3.5 Schläge/Minute.

Klinische Wirksamkeit

Wirksamkeit und Sicherheit von Silodosin wurden in drei pivotalen, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studien an insgesamt 1900 Patienten über eine Behandlungsdauer von 12 Wochen untersucht, von welchen 847 mit 8 mg Silodosin einmal täglich behandelt wurden. Eingeschlossen in diese Studien wurden Patienten mit mittelschweren bis schweren Symptomen einer BPH (International Prostate Symptom Score, IPSS, Ausgangswert ≥13). Primärendpunkt war die Veränderung des IPSS-Gesamtscores gegenüber Baseline.

In allen drei Studien kam es bei den Patienten unter Silodosin im Vergleich zu den Patienten unter Placebo zu einer signifikant stärkeren Verbesserung der Speicher- (irritativen) und Entleerungs- (obstruktiven) Symptome der BPH. Der IPSS-Gesamtscore verbesserte sich – je nach Studie – unter Silodosin um 6-7, unter Placebo um 3-5 Punkte (p<0.001). Die Befunde der wesentlichen Sekundärendpunkte waren hierzu konsistent.

Eine der drei pivotalen Studien wies zusätzlich einen aktiven Komparator (Tamsulosin 0.4mg) auf. Hier konnte für Silodosin 8 mg non-inferiority gegenüber Tamsulosin gezeigt werden. In dieser Studie wurde auch eine Ansprechrate bestimmt, definiert als der Anteil der Patienten mit einer Verbesserung des IPSS um mindestens 25%. Diese Ansprechrate war unter Silodosin mit 68% und unter Tamsulosin mit 65% signifikant höher als unter Placebo (53%; p<0.001).

In der anschliessenden offenen Langzeitphase dieser kontrollierten Studien wurden die Patienten über bis zu 1 Jahr mit Silodosin behandelt. Die Wirksamkeit von Silodosin blieb dabei über diesen Zeitraum aufrechterhalten.

Pharmakokinetik

Absorption

Oral gegebenes Silodosin wird gut resorbiert, wobei die Resorption im therapeutischen Dosisbereich von 4-8 mg QD dosisproportional erfolgt. Die maximalen Plasmakonzentrationen werden nach nüchterner Gabe innerhalb von 0.5 -1 Stunde erreicht. Die absolute Bioverfügbarkeit beläuft sich auf ca. 32%.

Nahrungsaufnahme führte zu einer Verminderung der Cmax um rund 30% und einer Erhöhung der tmax um etwa 1 Stunde, hatte aber nur einen geringen Einfluss auf die AUC.

Bei gesunden männlichen Probanden (n=16) mit einem mittleren von Alter 55±8 Jahren wurden nach oraler Anwendung von 8 mg einmal täglich, unmittelbar nach dem Frühstück über einen Zeitraum von 7 Tagen, die folgenden pharmakokinetischen Parameter ermittelt: Cmax 87±51 ng/ml (SD), tmax 2,5 Stunden (Bereich: 1,0-3,0), AUC 433±286 ng•h/ml. Silodosin und seine Metaboliten erreichten nach Gabe von 8 mg einmal täglich innerhalb von 7 Tagen den Steady State.

Distribution

Silodosin hat ein Verteilungsvolumen von 49.5 L und wird zu 96% an Plasmaproteine gebunden. Es verteilt sich nicht in den Blutzellen.

Die Proteinbindung des Silodosin-Glucuronids liegt bei 92%.

Metabolismus

Silodosin wird in grossem Umfang durch Glucuronidierung (UGT2B7), Alkohol- und Aldehyddehydrogenase sowie Oxidation (hauptsächlich CYP3A4) metabolisiert. Von den beiden Hauptmetaboliten im Plasma hat das Glucuronidkonjugat von Silodosin (KMD-3213G) in vitro etwa 1/8 der pharmakologischen Aktivität der Muttersubstanz, während das Carboxylsäurederivat (KMD-3293) keine nennenswerte pharmakologische Aktivität zeigt. Das Glucuronidkonjugat besitzt eine Halbwertszeit von mindestens 24 Stunden und erreicht ungefähr viermal so hohe Plasmakonzentrationen wie Silodosin. Die Plasmakonzentrationen und die Halbwertszeit des Carboxylsäurederivats sind der Muttersubstanz ähnlich.

Elimination

Sieben Tage nach oraler Gabe von 14C-markiertem Silodosin wurden ca. 33,5% der Radioaktivität im Urin und 54,9% in den Fäzes wiedergefunden. Die Clearance von Silodosin lag bei etwa 10L/h. Silodosin wird hauptsächlich in metabolisierter Form ausgeschieden, im Urin liegen nur sehr geringe Konzentrationen der unveränderten Substanz vor. Die terminale Halbwertszeit der Muttersubstanz bzw. ihres Glucuronids beläuft sich auf rund 13 bzw. >24 Stunden.

Besondere Patientengruppen

Ältere Patienten

Die Exposition gegenüber Silodosin und seinen Hauptmetaboliten verändert sich mit zunehmendem Alter nicht, auch nicht bei Patienten über 75 Jahren.

Kinder und Jugendliche

Die Pharmakokinetik von Silodosin wurde bei Patienten unter 18 Jahren nicht untersucht.

Eingeschränkte Leberfunktion

In einer Einzeldosisstudie war die Pharmakokinetik von Silodosin bei neun Patienten mit mittelschwerer Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Scores von 7 bis 9) im Vergleich zu neun gesunden Probanden unverändert. Bei der Interpretation der Ergebnisse dieser Studie ist Vorsicht angebracht, da die Patienten normale biochemische Werte aufwiesen, was auf eine normale metabolische Funktion schliessen lässt, und ihre Leberfunktionsstörung nur nach Massgabe von Aszites und hepatischer Enzephalopathie als mittelschwer eingestuft wurde.

Die Pharmakokinetik von Silodosin bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung wurde nicht untersucht.

Eingeschränkte Nierenfunktion

In einer Einzeldosisstudie waren Cmax und AUC von freiem Silodosin bei Patienten mit leichter (n=8) und mittelschwerer Nierenfunktionsstörung (n=8) im Vergleich zu Nierengesunden (n=8) im Durchschnitt um den Faktor 1,6 bzw. 1,7 erhöht. Bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung (n=5) war die Cmax um den Faktor 2,2, die AUC um den Faktor 3,7 erhöht. Auch die Exposition gegenüber den Hauptmetaboliten, Silodosin-Glucuronid und KMD-3293, war erhöht.

Präklinische Daten

Basierend auf den konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie sowie zum kanzerogenen, mutagenen und teratogenen Potential lassen die präklinischen Daten keine besonderen Gefahren für den Menschen erkennen. Auswirkungen bei Tieren (auf die Schilddrüse von Nagern) wurden nur bei Expositionen beobachtet, die als ausreichend weit oberhalb der für den Menschen bestimmten maximalen Exposition liegend angesehen werden, so dass die Relevanz für die klinische Anwendung gering ist.

Bei männlichen Ratten wurde bei einer Exposition, die etwa dem Zweifachen der Exposition bei der empfohlenen Höchstdosis beim Menschen entsprach, eine beeinträchtigte Fertilität dokumentiert. Der beobachtete Effekt erwies sich als reversibel.

In einer Fertilitätsstudie an männlichen Ratten wurden die Spermien-Viabilität und Gesamtzahl deutlich geringer bei einer Dosis von 600 mg/kg/Tag (das etwa 65-Fache der empfohlenen Höchstdosis beim Mensch). Die histopathologische Untersuchung der unfruchtbaren Tiere zeigte Veränderungen in den Hoden und Nebenhoden bei einer Dosis von 200 mg kg/Tag (das etwa 30-Fache der empfohlenen Höchstdosis beim Mensch).

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

In der Originalverpackung, vor Licht und Feuchtigkeit geschützt, nicht über 30 °C und ausserhalb Reichweite von Kindern aufbewahren.

Zulassungsnummer

65513

Zulassungsinhaberin

Pierre Fabre Pharma AG, 4123 Allschwil

Herstellerin

Recordati Industria Chimica e Farmaceutica S.p.A.

20148 Milano, Italien

Stand der Information

August 2015

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